Betteln ohne zu betteln

Die Finanzierung von Weblogs bzw. die Monetarisierung von Online-Inhalten generell, ist immer mal wieder Thema in den weiten Welten der Internet-Content-Produktion. Natürlich gilt das für diesen Blog hier ganz genauso, denn neben all dem Spaß und der Freunde, die dieses kleine Eckchen Netz-Textproduktion mir immer noch und immer wieder bereitet, ist es doch auch und vor allem Arbeit (im Zusammenspiel mit dem, was noch so bei Facebook, Google+ und Twitter in seinen verschiedenen Formen passiert, ist es inzwischen ein besserer Halbtagsjob). Das Äquivalent für Arbeit in der Gesellschaft, in der wir leben, ist das Geld, das man gewöhnlicherweise als Lohn einstreicht.

Im Netz ist das mit dem Geld wiederum schwierig. Ist ja irgendwie alles umsonst, also warum für etwas zahlen, das man eigentlich auch kostenlos haben kann. So das gängige (und sogar partiell nachvollziehbare) Verfahren. Online-Werbung wäre doch ein Weg, wird vielleicht der eine oder die andere einwenden. Ja gut, kann man machen und gibt es hier ja auch. Allerdings dürften die Erlöse solcher Modelle dem einen oder anderen ein Tränchen in den Augenwinkel treiben. Ich sage mal, von den Erlösen finanziert sich ungefähr der sehr preiswerte Hostingservice (also das, wo meine Website auf dem Server liegt). Flattr als Micropaymentgeschichte ist sicherlich nett, aber auch fern davon in irgendeiner Form alltagstauglich zu sein (im Sinne dessen, dass es die Masse der Internetnutzer kennt und nutzt). Bliebe noch das gute alte Betteln, auf das Tageszeitungen früher immer verfielen, wenn es ihnen nicht gut ging. Aber permanent irgendwelche Bedrohungs- und Untergangsszenarien aufzubauen, um die Spendenbereitschaft zu kitzeln, ist dann auch nicht meins. Und vor allem auch nicht sehr nachhaltig.

Support your local rotebrauseblogger

Weswegen es hier und heute um etwas geht, dessen zugrundeliegendes Motto „Betteln ohne zu betteln“ heißen könnte. Das große Neue heißt rotebrauseblock und ist ein Unterstützerportal für rotebrauseblogger.de. Eine Art rotebrauseblogger-Community sozuagen mit dessen spielerischer Hilfe ein guter Zweck erfüllt wird, ohne dass der gute Zweck akut im Mittelpunkt stehen muss. Denn der rotebrauseblock ist eine virtuelle Fantribüne, auf der man (s)einen Avatar gestalten und ganz im Vorbeigehen durch die zahlungspflichtige Registrierung auch Online-Inhalte, nämlich die des rotebrauseblogs unterstützen kann. Als Zugabe gibt es zudem ein geschlossenes, nur für registrierte Nutzer nutzbares und sichtbares Forum, das als eine dem Blog nachgelagerte Kommunikationsplattform gedacht ist (zumal ich ein paar Mal in verschiedenen Zusammenhängen den Wunsch vernahm, in geschützteren als öffentlichen Räumen kommunizieren zu können.)

Die Frage, warum man den Schritt der Unterstützung von rotebrauseblogger.de gehen und für den Zugang zu einem Avatar und einem Forum minimum 20 Euro im Jahr bezahlen soll, muss sich natürlich jede und jeder selbst beantworten. Von meiner Seite aus kann ich (völlig ohne Drohung gemeint) sachlich-nüchtern feststellen, dass die Entwicklung des Blogs in die Richtung, die er in mehr als 2,5 Jahren genommen hat (mit statistischen Analysen, Interviews, Pressekonferenz-Livetickern, Spielberichten, Spieler-, Liga- und vor allem Vereinszustandsanalysen etc.), so nicht weitergehen wird, wenn es dafür keine finanzielle Basis gibt. Ich hatte für längere Zeit das Glück ein wenig freier von wirtschaftlichen Sachzwängen, diese Online-Präsenz zu gestalten. Das wird kurz- bis mittelfristig nicht mehr so sein. In diesem Sinne soll der rotebrauseblock einerseits die finanzielle Basis für rotebrauseblogger.de bilden, andererseits aber auch durch die Community einen (kommunikativen oder wie auch immer gearteten) Mehrwert für die Nutzenden und auch für mich bieten.

Zwischen Analyse, Meinungsjournalismus und Fanseite

Natürlich stellt sich für jeden Einzelnen dann immer noch die Frage, was an dieser Website denn so toll sein soll, dass man sie unterstützen muss. Auch hier gilt, dass sich das jeder selbst beantworten darf. Ich sehe den rotebrauseblogger.de als ein oftmals tagesaktuelles Angebot, das letztlich die Lücke zwischen den massenorientierten Tageszeitungen und dem etwas eindimensionalen (nichtsdestotrotz wichtigen) Kommunikations- und Informationsangebot der offiziellen Vereinsseite schließt. Der rotebrauseblogger ist durch die Auseinandersetzung mit dem Verein immer mehr zu etwas geworden, was man als verlags- und vereinsunabhängiges Analyse- und Meinungsmedium bezeichnen könnte. Irgendwo zwischen den beiden, in mir wohnenden Polen pragmatischer Rationalismus und emotionaler Fußballanhänger. Eine Art embedded journalism mit dem aus meiner Sicht oft gelingenden Versuch, mit sachlich-nüchternem Blick von außen auf den Verein und seine Konstitution zu gucken und kritisch-wohlwollender Begleiter zu sein. Eine Art Mischung also aus objektivem, unbestechlichen Analysemedium und Fanseite.

Jedenfalls – so sehe ich das – etwas, das durch die Tageszeitungen dieser Stadt aufgrund ihrer Orientierung an der Masse, an der Schlagzeile und an exklusiven Nachrichten (ein hartes Business, auf dessen Gebiet ich nie und nimmer mit den Schäfers, Krauses und Gabriels dieser Leipziger Medienwelt konkurrieren würde wollen und können) und durch den Verein aufgrund der – rein sportlich gemeinten – Selbstvermarktung gar nicht geleistet werden kann. Sprich, wenn man mich fragt (na klar), dann kann die (Medien-)Welt einen dritten Weg wie diesen hier gebrauchen. Und wie alles, was auf dieser Welt existiert, ist die Grundlage dafür eine finanzielle. Wo wiederum der geneigte Leser ins Spiel kommt.

Zukunftspläne

Eine halbwegs abgesicherte, finanzielle Zukunft (und ich rede hier nicht von Millionen, ich rede noch nicht einmal von einem gewöhnlichen, durchschnittlichen deutschen Jahreseinkommen) dieses Blogs soll auch dazu beitragen, den Weg weiterzugehen, den rotebrauseblogger.de seit dem Bestehen gegangen ist und das eine oder andere anzustoßen, was mir immer noch auf dem Herzen liegt. Eine optische und technische Umgestaltung/ Modernisierung des Blogs wäre z.B. mal dran. Die Interviewschiene würde ich gerne öfter bedienen. Im Kopf spukt mir auch – in welchem Rahmen auch immer – die Öffnung für Gastautorenschaften herum.

Die durch den rotebrauseblock als rotebrauseblogger-Community zu gewinnende wirtschaftliche Basis soll Möglichkeiten der Entwicklung eröffnen, wo anderenfalls über kurz oder lang Stillstand oder Rückschritte zu erwarten sind. Und natürlich wird ein Teil der Einnahmen auch der technischen Betreuung und Absicherung von rotebrauseblock und rotebrauseblog dienen. Die virtuelle Tribüne wurde extern erstellt und wird (technisch) auch extern (durch eine Einzelperson) betreut. Auch da stecken viele, viele Arbeitsstunden, sprich viele, viele wirtschaftliche Werte drin.

Was passiert im rotebrauseblock?

Ich habe es im Rahmen des Livetickerns von Pressekonferenzen bereits ein wenig versucht, aber einen großen Effekt eines Netzwerks um rotebrauseblogger.de herum sehe ich auch darin, größeren Einfluss auf die Inhalte hier zu nehmen. In der Idee des Tickerns von Pressekonferenzen steckte auch immer drin, dass die Wege von interessierten Lesern und Fans, ihre Fragen zur aktuellen sportlichen Situation loswerden zu können und beantwortet zu kriegen, leichter werden. Der Blog sollte da quasi Kommunikationsmittler sein. (Was ein, zwei mal auch ganz gut geklappt hat, in der Hektik der Veranstaltungen aber auch nicht ganz leicht zu realisieren ist.) Eine geschlossene Kommunikationsplattform rund um den Blog bietet hier auch die Chance jenseits der öffentlichen Kommunikation, Interessen und Vorschläge zu platzieren.

Ansonsten ist der rotebrauseblock auf allen Ebenen work in progress. Ein vorläufig fertiges Angebot, das sich vor allem durch die verändert, die es nutzen wollen. Man kann den rotebrauseblock als Kommunikationsplattform nutzen und gestalten, man kann hier auch nur seinen puren Avatar präsentieren und sich durch die Tribüne und ihre Besucher klicken und man kann das alles auch nur als Spendenbox nehmen und auf das Erstellen eines Avatars und die Nutzung des Forums gänzlich verzichten, wenn man denn ausschließlich das Unterstützungsgefühl genießen will.

Die Zeit ist reif

Die Idee zum rotebrauseblock, also die Idee den Nutzern von rotebrauseblogger.de ein Zusatzangebot zu machen, mit dem gleichzeitig der Blog auf solidere Füße gestellt werden kann, gärt schon eine Weile in mir und wird seit nunmehr einem Jahr in unterschiedlichen Intensitätsgraden verfolgt. Zwischendurch war die Idee einmal an den Aufstieg in die dritte Liga und einen weiteren Anstieg des Interesses an RB Leipzig bzw. in der Euphorie-Kurve um den Verein geknüpft. Da spielte aber der Verein leider nicht mit (holt es doch aber hoffentlich am Ende der aktuellen Saison nach..). Trotzdem sehe ich die Zeit als reif an, das Experiment rotebrauseblock als ‚Betteln ohne zu betteln‘ zu starten, auch weil es die persönlichen Gegebenheiten so wollen.

Ich mache mir keine Illusionen, das Experiment ist sicherlich gewagt, aber wer nicht wagt, gewinnt auch nicht. Weswegen es mir eine Freude ist – um im fußballerischen Sprachduktus zu bleiben – zu versuchen, mein liebgewonnenes Blog-Bürger-Fan-Journalismus-Hobby zumindest zum Teilzeitberuf zu machen. Ich weiß, dass die Art und Weise, mit der hier im Blog auf den Fußball rund um RB Leipzig zugegangen wird, letztlich nur ein Minderheiteninteresse trifft. Aber ich glaube auch zu wissen, dass diese Minderheit erstens eine spannende und zweitens gerade rund um den einzig wahren RasenBallsport (aber auch darüber hinaus) gar nicht so kleine Minderheit ist.

In diesem Sinne: So wie ich mich sowieso über jede einzelne Leserin und jeden einzelnen Leser freue, freue ich mich über jeden, der sich dazu entschließt, den rotebrauseblock in welcher Höhe auch immer zu unterstützen und den rotebrauseblock in welcher Form auch immer zu nutzen. Ja, es ist ein Bettelexperiment, aber eines das Spaß macht (machen soll) und den Angebettelten einen Gegenleistung für ihre Spende anbietet. Der Rest liegt alleinig in den Händen der geneigten Leserschaft. Herzlich Willkommen im rotebrauseblock!

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Das Vorgehen für die Nutzung des rotebrauseblocks ist eigentlich selbsterklärend. Es gibt rechts oben auf der rotebrauseblock-Website noch einmal eine Rubrik mit einem Text, in dem (mit ähnlichen Worten wie hier) Sinn und Zweck des Experiments erläutert werden. Auch findet sich in diesem Text eine Erläuterung der unterschiedlichen Unterstützerkategorien, die es auf der Tribüne des rotebrauseblocks gibt (VIP, Sitzplatz, Stehplatz). Ein Unterstützerzeitraum dauert normalerweise ein Jahr und kostet minimum 20 Euro (je nach gewählter Kategorie). Alle, die sich noch bis Ende Oktober 2012 anmelden, erhalten allerdings einen Tribünen- und Forumszugang für 13 Monate. Was nicht nur ein simples Marketingangebot, sondern vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass sicherlich noch einige Fehlerchen und Tücken im konkreten Objekt stecken. Der zusätzliche Monat ist quasi als Dankeschön für das Aushalten des noch nicht ganz perfekten Zustands gedacht. Ansonsten gilt, dass es bei Fragen hier in den Kommentaren oder über die entsprechenden Kontaktrubiken hier oder drüben im rotebrauseblock alle Möglichkeiten gibt, diese loszuwerden und auf Antworten zu hoffen.

Flattr this!

12 Gedanken zu „Betteln ohne zu betteln“

  1. Kann deine Motivationslage voll und ganz nachvollziehen, hatte mir in den letzten Monaten schon gedacht, dass dein Zeitaufwand ja schon recht beträchtlich ist (was für die Jungs vom Fanradio ja auch zutrifft, die, meines Wissens nach, auch mehr oder minder ehrenamtlich arbeiten(?)).
    Meine Frage wäre jetzt, ob das bedeutet, dass dieser Blog hier auf mittelfristige Sicht einegstellt werden wird, der rotebrauseblock also quasi ein Ersatz für das bisherige Format werden soll (das wurde mir aus deinen Erklärungen irgendwie nicht ganz klar). Könnte mir nämlich vorstellen, dass für viele eifrige Leser deines Blogs der Antrieb, künftig für etwas zu zahlen, dass man ja im Prinzip immer noch umsonst haben kann, relativ gering sein wird. Kann mich natürlich auch täuschen…:)

  2. Nein, am Blog selbst ändert sich grundsätzlich vorerst nichts. Mittel- bis langfristig halt nur, wenn das der Blog keine halbwegs vernünftige solide Basis bekommt. Denn dann würden sich meine Lebensperspektiven wahrscheinlich derart verschieben, dass man dies an der Häufigkeit und der Intensität des Bloggens hier deutlich spüren wird. Von daher bekommt man weiterhin alles kostenlos und der rotebrauseblock drüben ist tatsächlich der Versuch, jene Leser anzusprechen, denen dies hier etwas wert ist. Und weil ich die, denen das was wert ist nicht anbetteln will, ist das ganze eben in die Gegenleistung verpackt, Teil einer rotebrauseblogger-Community werden (sprich Avatar, Tribünenplatz und Zugang zu internem Forum haben) zu können. Man kriegt also was und unterstützt den Blog. Ist fast wie bei Kinderüberraschung („Was, gleich drei Dinge auf einmal?“) Nur eben mit zwei Sachen (bzw. müsste ich mir jetzt noch Nummer drei ausdenken).

    Paywalls, Zugangsbeschränkungen etc., um Menschen zum Zahlen zu zwingen sind nicht meins (und funktionieren erfahrungsgemäß auch sehr schlecht). Ich halte das nicht für einen schlüssigen Weg beim Umgang mit Netzinhalten. Von daher gehe ich einen anderen und setze darauf, dass ich mit dem spielerischen Experiment rotebrauseblock die Bereitschaft von Menschen für Inhalte zu zahlen, die sie als qualitativ hochwertig empfinden, wecken kann. Mal gucken, wie das ausgeht. Ich gehe hier einfach solange allen auf die Nerven, bis eine angemessene Masse rotebrauseblock-Nutzer zusammengekommen ist. 😉

  3. Scheint doch aber gut zu laufen. Wenn ich richtig rechne sind jetzt ca 400 € zusammen. Ich drück die Daumen, dass es noch viele mehr werden und der Blog hier weiter leben kann!

  4. Meine Unterstützung hast du, weil ich sehr gern lese, was du hier recherchierst, analysierst und schreibst. Den Aufwand den du hier betreibst, der geht schon wirklich weit über ein privates kleines Blogprojekt hinaus und das honoriere ich gern, vorerst mit einem „Sitzplatz“. Weiter so und vielen Dank.

  5. @claudiob und Crazy Doc Vielen Dank. Ja, ein Anfang ist gemacht. Ich denke, ich werde Anfang des kommenden Jahres mal öffentlich plus-minus-rechnen, damit man nachvollziehen kann, was von dem Geld wie und wo ankommt. Stichwort Transparenz..

  6. @RB2020: Ganz einfach unter rotebrauseblock.de oben links bei „Jetzt Supporter werden“. Die Anmeldung klappt allerdings nur auf Desktoprechnern, da nur dort die virtuelle Tribüne mit den Avataren zu sehen ist (ist aktuell nicht für die Mobilnutzung optimiert und konzipiert). Als Mobilnutzer wird man direkt zum Forum weitergeleitet, das man allerdings er nach der Registrierung und auch mobil nutzen kann. Ergo: Erstregistrierung immer und nur an einem Desktoprechner.

  7. Gibt es eine Möglichkeit via sozialer Netzwerke (FB, Twitter) dein Anliegen als Unterstützender weiter zu tragen? Wie Du bereits mehrfach selber festgestellt hast, ist ein Blogeintrag ein recht kurzlebiges Unterfangen. Daher würde es sich doch anbieten, wenn man über Sharinginstrumente seine Freunde auf die Möglichkeit der Unterstützung deines Blogs hinweisen könnte. Ich beispielsweise habe diesen Blogbeitrag deinerseits fast übersehen. Genau wie die die geheimtippartige Verbreitung deines Blogs an sich („haste schon gelesen …. rotebrauseblogger.de … klasse was der so schreibt“), ohne welche ich mit verlaub wohl erst reichlich spät hier her gefunden hätte, wäre auch die Unterstützungsanfrage ein Fall für gelungene Mundpropaganda. Meinst du nicht?

  8. Sehr gerne darf man das weitertragen. Ich selber habe es auf meinen eigenen Twitter- und Facebook-Kanälen weitergetragen (nicht zu vergessen Google+). Von dem Punkt an bin ich tatsächlich darauf angewiesen, dass es weitergetragen wird (was es vereinzelt auch wurde) und geteilt oder gemundpropagandat oder was auch immer wird. Aber ich werde sicherlich von Zeit zu Zeit hier im Blog oder anderswo noch mal den Verweis zur Unterstützungsmöglichkeit bringen.

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