DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg 0:1

Die Niederlage von gestern verhält sich emotional so ganz anders als sonstige Niederlagen. Während man beispielsweise nach der Niederlage gegen den HSV II am Tag des Spiels noch niedergeschlagen war, einen Tag später aber bereits wieder ein positives Gefühl (‚Das wird schon‘) hatte, geht es mir nach der gestrigen Partie genau andersherum. Gestern war ich enttäuscht vom Ergebnis, aber schritt insgesamt zufrieden ob des Spiels und der Atmosphäre nach Hause. Heute aber sackt langsam die Tatsache, dass man den Bundesligisten gestern genaugenommen hätte mindestens zu einer Verlängerung zwingen müssen.

Es ist ja eigentlich der Pokal-Klassiker. Der Favorit kommt zwar nicht richtig ins Spiel und tut sich schwer, ist dann aber doch irgendwann in den entscheidenden Phasen etwas konsequenter und fährt zufrieden, aber auch ein wenig unverdient mit einem Sieg nach Hause. Gestern war es beim Spiel der A-Mannschaft von RB Leipzig gegen die A2-Mannschaft vom FC Augsburg (also vermutlich so etwas wie Drittliga- gegen Zweitliga-Niveau) ähnlich. In einem mindestens ausgeglichenen Spiel machen die Gäste aus ihrer einzigen Großchance mit Unterstützung der kompletten Leipziger Rückwärtsbewegung und einem schlecht postierten Keeper Borel das 1:0. Zwei oder drei mittelgefährliche Fernschüsse hatten die Augsburger in der Vorwärtsbewegung noch zu bieten, das war es dann auch schon. Völlig zu Recht ertönte gleich mehrmals im weiten Rund der Ruf „1.Liga, keiner weiß warum“.

Es war insgesamt dass erwartete Spiel zwischen einem Gast, bei dem das robuste, und nicht das kreativ-offensive Spiel auf der Kompetenz-Haben-Seite ganz oben steht und einem Gastgeber, der mit viel Aufwand, aber nicht immer höchster Genauigkeit versuchte, den Gast mit schnellem, direkten Spiel zu ärgern. Heraus kam dabei kein hochklassiges, aber doch ein hochintensives und bis zur letzten Sekunde spannendes und heftig umfightetes Spiel. Eines, bei dem es selbst den Geradenbesucher irgendwann nicht mehr auf dem Sitzplatz hält.

Läuft es für RB Leipzig wie gegen Wolfsburg in der ersten Runde des DFB-Pokals, dann trifft Daniel Frahn nach zehn Minuten freistehend vor dem Tor den Ball richtig und schmettert ihn zusammen mit dem Keeper in die Maschen. Stattdessen landete der Ball als Aufsetzer über dem Tor und es entwickelte sich das angesprochene Spiel zwischen den Strafräumen, bei dem die RasenBallsportler zwar nicht so abgeklärt wie die Gäste, aber insgesamt präsenter und gefährlicher wirkten. Freilich ohne dass daraus größere Chancen entstanden, sieht man mal von einem im Ansatz gefährlichen, aber abgeblockten Schuss von Timo Röttger ab.

In Halbzeit zwei schien sich der Bundesligisten-Gast dann Spielkontrolle und Vorwärtsdrang auf die Fahnen geschrieben zu haben. Doch die Phase dauerte gerade mal 10 Minuten. Nach 60 Minuten war dann wieder mal RB Leipzig dran und ließ eine Überzahlsituation auf dem Weg zum gegnerischen Strafraum liegen, weil man im Strafraum zu verspielt agierte. Woraufhin die Augsburger im wahrsten Sinne des Wortes konterten und clever das 1:0 machten. Wodurch genau das passierte, was man gegen einen robusten, defensivstarken Gegner wie den FC Augsburg tunlichst vermeiden sollte, nämlich in Rückstand zu geraten. Eine Situation, in der ich nicht mehr viele Euros auf RB Leipzig gesetzt hätte.

Danach war im Spiel der RasenBallsportler auch erst einmal für ein paar Momente Ruhe bevor man sich nimmermüde daran machte, sich wieder in das Spiel zurückzukämpfen. Unterstützt wurden sie dabei durch ihren Trainer, der in regelmäßigen Abständen Offensiv- gegen Defensivspieler tauschte, bis ab Minute 80 gar kein (!) nomineller, defensiver Mittelfeldspieler mehr auf dem Platz stand und auch die Außenverteidiger schon längst zu so etwas wie Flügelstürmern geworden waren. Dass der FC Augsburg zu keiner Zeit in der Lage war, aus dieser Situation durch vernünftiges Konterspiel Kapital zu schlagen, sondern sein Heil 25 Minuten lang im Zeitspiel suchte (inklusive zweier gelber Karten dafür), war mehr als erstaunlich und bestätigte obige Publikumsäußerung über die Erstaunlichkeit der Erstklassigkeit der Augsburger.

Die herausragendste Phase des Spiels waren aus Heimsicht vermutlich die letzten 10 Minuten (bzw. mit Nachspielzeit 15 Minuten), in denen nach vorne gepeitscht vom immer lauter werdenden Publikum Angriffswelle auf Angriffswelle auf das Augsburger Tor lief, insbesondere Schinke und Kocin den Ball permanent über links nach vorne trugen. Vor allem nach Standards wurde es gefährlich, was den gewöhnlichen Regionalliga-Beobachter wie mich doch ein wenig in (positives) Erstaunen versetzte. Doch immer wieder scheiterten die Bemühungen der RasenBallsportler an einem gegnerischen Körperteil oder eigener Unzulänglichkeit. Bis zum Abpfiff.

Nach dem man – wie schon oben beschrieben – zwar enttäuscht, aber auch nicht extrem unglücklich war. Die Mannschaft bekam das, was sie sich verdient hatte, nämlich Standing Ovations von den drei Stadion-Seiten, die RB Leipzig gewogen ist. Die Augsburger bedankten sich derweil bei ihrem Anhang, von dem ich akustisch, bis auf zwei oder drei Versuche „Red Bull Schw..“ zu singen, nichts vernommen habe (und ich war dem Gästeanhang sitzplatztechnisch wieder mal näher als dem Heimblock).

Fazit: Eine Niederlage, die gestern noch nicht weh tat, heute aber irgendwie schon. Und trotzdem eine Niederlage, die viel Spaß bereitet hat, weil sich die RasenBallsportler UND das Publikum gerade nach dem 0:1 und als nicht mehr viel darauf hindeutete noch mal in das Spiel zurückkämpften. Schade, dass das 1:1 nicht fallen wollte. Einen vernünftigen Torjubel hätte ich und das Stadion durchaus vertragen können. So in Minute 89 beispielsweise. So blieb es dabei, dass sich RB Leipzig an diesem Tag sicherlich wieder ein paar Leipziger Fußball-Herzen erschlossen hat und man insgesamt zufrieden sein kann mit dem, was der DFB-Pokal der Stadt und dem Verein an Fußball-Festtagen bescherte. Jetzt darf man gerne erst mal einen Tag durchschnaufen, danach die Niederlage abschütteln und mit dem Wissen, dass man in der Liga gewinnen muss, will man möglichst schnell in höhere Liga-Gefilde, wo ganzjährig Fußball-Feste warten, dann am Sonntag nach Meuselwitz fahren und drei Punkte mitbringen. Möge die eher unverdiente Pokalschlappe nicht allzulange nachwirken, sondern eher Lust machen auf den WEG nach oben.

Randbemerkung 1: Irgendwie vermute ich dahinter ja Methode, dass man im oberen Teil des Unterrangs von Block C eigentlich kaum eine Chance hat, den Stadionsprecher zu hören, außer alle um einen rum verhalten sich ruhig, was sie natürlich nicht tun. Aber warum? Weil man die Fernsehübertragung auf der Seite nicht stören will? Man versteht es nicht..

Randbemerkung 2: Schöne, kleine Choreographie da am Anfang des Spiels im Block der RB-Anhänger. Danke an jene, die sich (mit vermutlich hohem Zeitaufwand) darum gekümmert haben.

Licht- und Schattenblicke:

  • Ich könnte hier nun wieder davon schreiben, dass ich eine kompakte Mannschaftsleistung gesehen hätte. Oder so. Was vermutlich auch ungefähr stimmen würde. Ich muss aber zugeben, dass ich schlicht und einfach zu sehr ins Spiel involviert war, als dass mir die individuellen Nuancen aufgefallen wären..

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Tore: 0:1 Brinkmann (62.)

Aufstellung: Borel – Müller, Ernst, Franke, Kocin – Rost (74. Kammlott), Schulz (81. Schinke) – Röttger, Rockenbach, Heidinger (65. Kutschke) – Frahn

Zuschauer: 34. 341

Links: RBL-Link [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], FCA-Bericht

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2 Gedanken zu „DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg 0:1“

  1. Man hat allgemein im C-Block den Stadionsprecher, wie auch schon beim WOB-Spiel nicht verstanden… eigentlich schade, dass man das in einem so modernen Stadion mit dem Hintergedanken der Fan- und Zuschauergewinnung nicht hinbekommt. Sonst denkt man doch auch an alles!
    Hast du wenigstens auch eine Frahn-Maske aufgehabt? 😀

    Grüße! 🙂

  2. irgendetwas scheinen die Herren der Tontechnik nicht im Griff zu haben – wir sitzen immer im A Block im selben Bereich (+/- 3 Reihen) – gegen WOB und AUG nur „…hääh was sagt er gerade??“ – 4 Tage zuvor gegen Pauli II – alles glasklar zu verstehen….
    und wir sprechen von den Moderationen um 18.15 Uhr im Vorfeld – da herrschte ja nun kein ohrenbetäubender Lärm… 🙁
    … Sonntag wieder auswärts – thx god! 🙂

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