One day before tomorrow

Ja, klar. Morgen ist für RB Leipzig DFB-Pokal gegen den FC Augsburg. Der Vorverkauf läuft auch ok und 25.000 Zuschauer plus x sollten es in der zumindest im Unterrang sehr gut gefüllten Red Bull Arena schon werden. Trotzdem lohnt vielleicht noch mal ein kurzer Blick zurück (hinein in den Red Bull Audioplayer [broken Link] vom 21.10.2011, also nach dem Spiel von RB Leipzig gegen St.Pauli II), vor dem Blick nach vorn:

Und dann kriegen wir wieder mit der ersten Chance das Gegentor. (Daniel Frahn)

Wir haben dann in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger durch nichts nichts den Ausgleich bekommen. (Peter Pacult)

Also kurz gesagt: Beide liegen falsch. Denn das Gegentor der St. Paulianer war genaugenommen ihre dritte Großchance (eine in Halbzeit 1 beim Stand von 0:0, zwei nach der Pause). Und das Tor kam im Gegensatz zum RB-Treffer auch nicht aus dem Nichts, da das Spiel der Gäste schon zuvor gefährlich aussah und man bereits ein paar Minuten vor dem Ausgleich einen Kopfball nur knapp neben das Gehäuse setzte. Und: insgesamt habe ich 3:3 Großchancen gezählt und das entsprach ziemlich genau den ausgewogenen verteilten, mannschaftlichen Qualitäten. Was die deprimierendste Nachricht des vergangenen Freitag-Abend war.

Ich weiß, Vergleiche mit der Vorsaison nerven, aber die Parallelen – wenn man nur auf RB Leipzig guckt – sind durchaus vorhanden. Auch damals war die Laune bis zum achten Spieltag eigentlich ok. Nach fünf Siegen hintereinander war man auf Platz zwei hinter Chemnitz gerutscht. Ein klarer Auswärtssieg, der Rest knappe Siege und Unentschieden. Das folgende 0:0 beim VfB Lübeck hielt man für einen Ausrutschter, der am grundsätzlichen Aufwärtstrend nichts ändern konnte. Und dann kam am Spieltag 10 der VfL Wolfsburg mit seiner U23 nach Leipzig, gewann bei trostlosem Auftritt der Heimmannschaft mit 1:0 und die Zuschauer pfiffen erstmalig (und berechtigt) in der vergangenen Saison nach einem Spiel. Es war ein Spiel, nach dem man sich eingestehen musste, dass RB Leipzig noch keinerlei spielerische/ spieltaktische Mittel hatte, um den Gegner auszuhebeln. Und man schätzte damals innerhalb des Teams die Lage auch noch völlig falsch ein und attestierte sich selbst eine gute zweite Halbzeit und dass man doch einen Punkt verdient gehabt hätte.

Wenn mir nach dem Pauli-Spiel etwas Sorgen bereitet, dann ist das neben dem wirkungslosen Offensive-Gekicke vor allem das Gefühl, dass man den Punktverlust (in Analogie zum letzten Jahr) mit gängigen Floskeln zu erklären sucht. Nachdem ich in den letzten Wochen in die glückliche Situation gelangte, gleich fünf Spiele von RB Leipzig in Folge sehen zu dürfen, komme ich nicht umhin festzustellen, dass der Punktverlust gegen Plauen ein Witz war, aber dass ich fünf mal offensiv nicht überzeugende RasenBallsportler gesehen habe, sondern immer wieder eine Mannschaft bewundern durfte, der das 4-4-2-Konzept mit fast ausschließlichem Flügelspiel noch nicht in zielführendes Fleisch und Blut übergegangen ist. Das ist grundsätzlich kein Grund, den Stab über das Konzept oder über das Team zu brechen, aber man muss es wahrnehmen und benennen und nicht wahlweise so tun, als wären Rückstände, tief stehende Gegner oder Pech das Problem.

Das Problem ist, dass RB Leipzig wie im vergangenen Jahr noch keinen Weg gefunden hat, Spiele nicht nur mit Ballbesitz zu beherrschen, sondern diesen in irgendeine Form von Gefahr (und sei es durch Standards) umzumünzen. Wenn die eigene Defensive so hoch steht, dass sie immer für ein Gegentor gut ist (was offenbar zum Pacultschen Konzept gehört, wenn ich seine Aussagen dazu richtig verstanden habe), dann muss die Offensive so viel Gefahr ausstrahlen, dass sie immer ein Tor mehr schießen kann als der Gegner. Und da sah es in allen fünf Spielen nach Lübeck mau aus.

Die Gefahr besteht, dass man sich in der Regionalliga mit wenig Durchschlagskraft in ein Loch manövriert. Und dass man nicht schon in Verzweiflung verfallen muss, liegt nur daran, dass die Konkurrenz auch überraschend stark schwächelt. Dass das so bleibt, darauf sollte man sich allerdings nicht allzu sehr verlassen, wenn man wirklich aufsteigen will. Fehler benennen, Fehler bearbeiten und Schritt für Schritt besser werden. Aber bitte nicht nach einem Spiel wie gegen St. Pauli II mit gerade mal 15 starken Minuten (30.-45.) so tun, als wäre man durch den einzigen Torschuss der Gäste aus dem Nichts um drei Punkte betrogen worden. Damit lügt man sich nur selbst in die Tasche. Klar, wenn Bastian Schulz zum 2:0 einschiebt (was er muss), dann gewinnen die RasenBallsportler das Spiel wohl. Was aber, wenn die Paulianer ihre Großchance zum 0:1 nutzen?

Die Leistungen aus den vergangenen Regionalliga-Spielen sind natürlich kein Grund, fatalistisch in die Zukunft zu schauen, schon gar nicht auf das morgige Spiel gegen den FC Augsburg. Ich gehöre beileibe nicht zu denen, die behaupten, dass man in dem Spiel nur gewinnen kann, denn ein 0:6 beispielsweise dürfte bei allem ‚DFB-Pokal ist nicht wichtig, nur die Meisterschaft zählt‘ am angekratzten Selbstvertrauen weiter nagen, aber glücklicherweise halte ich ein Weiterkommen nicht für komplett unrealistisch und beziffere die Chancen mit 25:75.

Dass es jedenfalls 0:6 ausgeht, sollte ziemlich unwahrscheinlich sein, dürfte aber wesentlich vom taktischen Plan beider Teams abhängen. Spielt der FC Augsburg den eher abwartenden Konterfußball der Bundesliga, dürfte es für RB Leipzig ziemlich mühselig werden. Das Spiel ohne Ballverluste in neuralgischen Zonen zu machen, ist nicht unbedingt Sache der RasenBallsportler. Versuchen die Augsburger das Spiel an sich zu reißen und zu gestalten, dann hat RB hingegen vergleichsweise gute Chancen. Die Offensive der Augsburger ist nicht unbedingt Weltklasse und die Defensive der RasenBallsportler akzeptabel, zumindest im geordneten Fall und wenn man sie nicht in allzu viele Sprintduelle verwickelt.

Wozu RB Leipzig fähig ist, wenn sie im Mittelfeld Bälle erobern und die Chance bekommen, ihre schnellen Flügelspieler nicht nur zu besitzen, sondern auch einzusetzen, hat man gegen den VfL Wolfsburg, aber auch in anderen Spielen schon gesehen. Dass man aber mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass der FC Augsburg nicht so offen durch die Red Bull Arena marschieren wird, wie es die Wolfsburger Ende Juli gemacht haben, sollte jedem klar sein. Trotzdem bestünde gegen einen spielbestimmenden Bundesligisten immer auch die Chance, mal einen Konter zu fahren. Zumindest so lange es 0:0 bzw. zu Null steht. Das dürfte tatsächlich in diesem einen Spiel ein entscheidender Schlüssel werden, dass man nicht in Rückstand gerät.

Vermutlich wird RB Leipzig das Abenteuer Zweitrundenspiel im DFB-Pokal etwas kompakter als in der Regionalliga angehen, was dann auf ein 4-2-3-1 mit einem ballverteilenden Rockenbach, die schnellen Außen Heidinger und Röttger und den im Idealfall einnickenden oder -schießenden Frahn hinauslaufen sollte. Ein günstiger Spielverlauf, ein positives Wechselspiel zwischen Zuschauern und Mannschaft und die Überraschung ist zumindest träumbar. Und da Träumen immer erlaubt ist, träumen wir von einer weiteren, kleinen magischen Nacht fernab des nicht tabellarisch, aber spielerisch leicht depremierenden Regionalliga-Alltags. Spaß, Spannung und Leidenschaft inklusive. Träume mit entscheidenden Toren in der Schlussminute oder im Elfmeter-Schießen. Einmal werden wir noch wach..

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Ein Gedanke zu „One day before tomorrow“

  1. freu mich auch schon auf morgen… würde gut passen, wenn nach einer (wie auch immer erzielten) Führung, das ständige ballsichernde Quergeschiebe von Geissler endlich mal Sinn macht – Offensivgeist gegen Regionalligisten kann nicht der Grund sein…

    Ist vielleicht nicht ganz so rational und analytisch wie dein Blog – aber in 5 Spielen hintereinander mit nur einem erzieltem Treffer in die Kabine zu gehen, ist schon weit weg vom Pacultschen Grundgedanken…

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