Ralf Rangnick und Felix Magath: Trennendes und Verbindendes

Ach lieber FC Schalke 04: Ein bisschen dankbar kann ich Ihnen ja auch sein, dass Sie Felix Magath letzte Woche kurz entschlossen entkernt haben. Schließlich kann ich mich jetzt wieder auf meinen eher negativ-distanzierten Blick aufs Schalker Sportgeschehen zurückziehen, den ich noch bis vor der aktuellen Saison mein Eigen nannte. Das erleichtert auch ein wenig den Blick auf die Spieltage in den Fußballligen und das Lesen von Artikeln, wenn man Sie und Ihr Vorkommen darin wieder an den Rand schieben kann. Obwohl, ein bisschen schade ist es natürlich schon, dass das ansatzweise Mitfiebern mit Ihrer Mannschaft gerade in so sportlich wertvollen Spielen wie dem Champions League Viertelfinale nun ziemlich flach fällt. Ich weiß, dass Otto Rehhagel auch mal einen UEFA-Cup-Sieg quasi kurz vor dem Erreichen an seinen Nachfolger Franz Beckenbauer abgeben musste. Aber mal ehrlich, dass sich Ralf Rangnick nun ins gemachte Nest zweier Pokalwettbewerbe setzt und mit dem DFB-Pokal wohl den ersten Titel seiner Karriere abholen wird, ist ziemlich arg gewöhnungsbedürftig.

Dass Sie sich, lieber Ralf Rangnick anfänglich ob dieser Konstellation zu zieren schienen, kam bei mir als ein netter Zug an. Bis Sie bei Schalke Ihren ersten Tag verbringen durften und diesen zum Plaudern mit der Presse nutzten und dort dann feststellten, dass Sie mit Hoffenheim nach Berlin gefahren wären, wenn Sie dort nicht gegangen (worden) wären und Ihnen somit das Fahren nach Berlin (und auch der Pokal?) sowieso von Hause aus ein wenig zusteht. Vermutlich Ihnen als Fußballfachmann vor allem. Genau jener Fachmann, der noch gar nicht mit der Mannschaft gearbeitet hat, das Schalker Spiel in Leverkusen nur am Fernseher verbrachte und trotzdem schon alles über den Club und die Magathschen Fehler weiß. Kader zu groß und wahllos zusammengestellt, eine Mannschaft, die nicht weiß, wie sie Gegner in Bedrängnis bringen kann, die Spieler zu ungleich behandelt und Spieler wie Holtby und Moravek zu Unrecht verliehen.

Nun ja, lieber Ralf Rangnick. Sie trainieren immerhin einen Kader, der es ins Champions League Viertelfinale geschafft hat. Von daher kann er so mies, unstrukturiert und falsch zusammengestellt nicht sein. Und mal ehrlich: Holtby (1 Torvorlage in 8 Rückrundenspielen, nur 5 mal von Beginn an gespielt) und Moravek (der dank Ausleihe in Kaiserslautern im Laufe der Saison zum Stammspieler gereift ist) gehören doch wohl nicht ernsthaft in die Kategorie Spieler, die Schalkes Kader aktuell entscheidend verbessern würden? Darf ich Ihnen eins noch mit auf den Weg geben, lieber Ralf Rangnick? Dass Sie sich an Tag 1 Ihrer Schalkezeit bemüßigt fühlen mit dem System Magath aufzuräumen, ist (sofern dies nicht nur der medialen Aufbereitung geschuldet sein sollte) ziemlich schlechter Stil. Dass ich Ihnen im Moment größeren Erfolg in Ihrem neuen Job wünsche, kann ich jedenfalls nicht behaupten.

Womit wir bei Ihnen als Kritisiertem, ach lieber Felix Magath wären. Sie, der Sie extrem spektakuläre (knapp) 2 Wochen hinter sich gebracht haben, die in ihrem Geschichtenreichtum fast schon unglaublich sind. Sie begannen am 09.03. mit dem alles in allem nicht berauschendem Fußballfest, aber dem völlig verdienten Ausschalten des FC Valencia (bzw. Valencia FC) im Champions League Achtelfinale und den vor dem Hintergrund des Ereignisses wahnwitzigen Spekulationen, ob Sie bald als Vorstand und Trainer bei Schalke entlassen werden würden. Die Spekulationen, die in der Frage kulminierten, ob Sie nächste Saison noch Schalke-Trainer seien, konterten Sie in gewohnt abgeklärter Weise nach dem folgenden Bundesligaspiel gegen Frankfurt mit einem verschmitzt-knurrigen „Ja klar, wer denn sonst?“ Kurz nachdem Sie auf dem Feld noch einmal den Magic Magath aus dem Ärmel zogen, den in der Wintertransferperiode (zurecht) verpflichteten, allseits (zurecht) belächelten (auch von mir) Charisteas ins Spiel warfen und dieser mit seiner ersten Ballberührung den Siegtreffer markierte. Großartige Geschichte, die Ihnen diverseste Genugtuungs-Lächeleien auf die Lippen zauberte. Jaja, schon klar, dass Sie dieses Gefühl ein bisschen brauchen.

Ein Männergespräch und eine Aufsichtsratssitzung später waren Sie Ihres Amtes als Vorstand Sport bei Schalke 04 enthoben. Soweit, so inzwischen (selbst für Sie) wenig überraschend. Das nächste As zauberten Sie aus dem Ärmel, als Sie die Entlassung als Vorstand mit Ihrer eigenen Kündigung als Trainer konterten und so sofort frei waren für den Trainermarkt. Während man im Netz noch eifrig diskutierte, ob Sie mit der Kündigung Ihre Schuld eingestehen würden in Bezug auf die im Raum stehenden Vorwürfe zum falschen Umgang mit dem Schalker Vereinsguthaben, erklärte ein Jurist irgendwo, dass gewöhnlicherweise in den Verträgen für den Fall der Enthebung als Vorstand Sonderkündigungsregeln im Vertrag vermerkt sind, die meist nicht mit dem Verzicht auf das Gehalt für die Restvertragslaufzeit verknüpft sind. Zusammengefasst: Magath war einen Job los, den Schalke ihm sowieso entreißen wollte, war frei für eine neue Arbeit und verzichtete nebenbei nicht mal auf wesentliche Teile seines Gehalts. Nicht schlecht für einen, der vom Verein vorher durchs mediale Dorf getrieben wurde (der aber auch gern mal strategisch zurück trieb). Nicht verwunderlich so auch, dass sich Verein und Magath ziemlich schnell zu einem Vergleich durchgerungen haben, in dessen Rahmen der Verein alle möglicherweise juristisch relevanten Sachverhalte, die man gegen Magath in Stellung bringen wollte, fallen ließ und Magath vermutlich im Gegenzug auf einige Euros verzichtete. Schade, dass wohl so nie Licht in das Dunkel der Vorwürfe Tönnies‘ gegen Magath kommen wird.

Nachdem alles geklärt war oder währenddessen alles geklärt wurde, unterschrieben Sie beim VfL Wolfsburg und kassierten dabei den nächsten öffentlichen Rüffel passend zu Ihrem seelenlosen Image. Wie kann man so schnell einen neuen Verein trainieren, fragten sich alle. Kein Herz eben, entschieden viele. Dabei waren nicht Sie es, die vor dem Verein davonliefen, sondern der Verein mit viel Herz und Seele und Glückauf Schalke 04 war es, der Sie abschoss. Sie selbst erklärten, dass Sie den sofortigen Dienstantritt in Wolfsburg nicht geplant hätten, sondern kurzfristig gefragt wurden und spontan zusagten. Was auch Sinn macht. Wolfsburg ist wohl derzeit der einzige Club der Liga, der Sie und Ihre Machtfülle aushält, ganz einfach weil die Clubstrukturen dazu passen. Wollen Sie mit Wolfsburg nächste Saison 1.Liga spielen, müssen Sie gleich anfangen zu arbeiten.

Bis zur 94.Minute in Stuttgart sah es so aus, als ob die spektakulären Tage rund um Sie und S04 einen spektakulären Abschluss finden. Dann kam Niedermeier und machte aus ihrem neuen Verein wieder den Abstiegskandidaten, der er schon lange war und aus Ihnen den brummigen Trainerkauz, der Sie schon immer waren. Ich werde, lieber Felix Magath, wohl auch in Ihrem zweiten Anlauf kein übermäßiges Interesse am VfL Wolfsburg entwickeln. Zu wenig verbindet mich in meinen Erinnerungen mit diesem Club. Trotzdem wünsche ich Ihnen, dass Sie in Ihrem neuen Job mehr Glück finden werden als auf Schalke und Sie all die öffentlichen Hobby-Psychologen ein wenig in Ruhe lassen. Und ach, eins noch, vielleicht könnten Sie gelegentlich mal bei Ihrem Facebook-Account vorbeisurfen. Der entspricht mit seinen (in)aktuellen Schalke-Inhalten nicht ganz den Erwartungen, die man an ein solches Angebot hat..

PS: Was verbindet eigentlich Magath und Rangnick? Beide waren mal bei RasenBallsport Leipzig im Gespräch (hier und hier). Bei beiden waren die Gerüchte an den Haaren herbei gezogen. Beide Personalien kann man nun wohl endgültig auf den Müllhaufen der um Red Bull, Salzburg und Leipzig immer wieder neu entstehenden Gerüchte und Storys werfen. Zumindest Felix Magath aber dürfte wohl in regelmäßigen Abständen zum Thema in Leipzig werden. Irgendwann wird das ganze sicher auch mal denkbar, in circa einem halben bis einam ganzen Jahrzehnt..

PS2: Darf ich zumindest schon mal erwähnen, dass der hohe Personaldurchsatz bei Felix Magath dazu führen wird, dass die U23 der Wolfsburger im nächsten Jahr vermutlich viel Verstärkung von oben kriegen wird. Falls Lorenz-Günther Köstner daraus immer wieder ein Team geformt kriegt, dann wird der VfL Wolfsburg II im nächsten Jahr für RasenBallsport Leipzig ein ganz heftiger Gegner im Kampf um den Aufstieg. Dazu eventuell Bremens U23 und Babelsberg 03 und all die übrig bleibenden Verdächtigen aus dieser Regionalliga-Saison. Das dürfte lustig werden..

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Ein Gedanke zu „Ralf Rangnick und Felix Magath: Trennendes und Verbindendes“

  1. Klingt platt, aber: Erst jetzt gelesen und ich wollte einfach nur DANKE sagen für den Text!

    (Magath wird in der BuLi bleiben, dann aufrüsten, Geld genug ist da, und VW freut sich über die erhoffte Werbeplattform Fußball und Erfolg; RBL hat andere Sorgen: Nicht eine zweite Ehrenrunde irgendwo in den unteren Ligen.)

    P.S.: Die Vorschau/Preview-Funktion funktioniert bei mir nicht; nur mal als kleiner Hinweis. 😉

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