Holstein Kiel vs. RasenBallsport Leipzig 1:2

An manchen Tagen möchte man gerne einmal mit anderen Menschen tauschen. Am Freitagabend zum Beispiel mit Timo Rost, der bis dahin in Leipzig noch nicht in einer cottbusähnlichen Leader- und Chefrolle angekommen schien und mit dem Siegtreffer gegen Holstein Kiel seine ganz persönliche Befreiung gefeiert haben dürfte. Oder mit einem der immerhin 60 RasenBallsport-Fans, die den Freitag für eine Kiel-Reise opferten und live die Neugeburt von RB Leipzig bewundern durften. Bis zur 73.Minute war der Katastrophenstart in die Saison perfekt und die Tastaturen (meine natürlich nicht) eingestellt auf Unmengen an Häme-Artikeln. Dann kam der Ausgleich durch Lars Müller. Bis zur 88.Minute war es ein holpriger Saisonstart und die potenzielle Häme kaum geringer. Dann kam Timo Rost und stellte mit seinem Tor das Kieler Publikum und die Häme für einen Moment ruhig. Ein großartiges Gefühl, was man auch in den Bildern aus Kiel sieht.

Damit fühlt sich das mit dem ungeschlagen sein nach diesem Spieltag schon wesentlich besser an, als noch vor einer Woche. Drei Punkte bei den stark in die Saison gestarteten Kielern konnte man erhoffen, musste man aber nicht unbedingt erwarten. Das Siegtor in der 88.Minute kann man als Kennzeichen eine Klassemannschaft interpretieren, man könnte es aber auch als glücklichen, dreckigen Sieg bezeichnen. Als nicht dabei Gewesener fällt die Interpretation sowieso schwer, aber unverdient scheint es schon mal nicht gewesen zu sein, wenn man den diversen Berichten von vor Ort glauben darf, auch wenn der letzte Glanz des RasenBallsport-Spiels wohl noch fehlte. Was bleibt ist die Gewissheit, dass individuelle Klasse gepaart mit dem Siegenwollen zum Erfolg führt, dass das Oralsche 4-4-2 auch Siege einfahren kann (woran man eigentlich auch nicht zweifeln konnte) und dass der Kader von RB Leipzig Ausfälle (Frommer, Frahn) wegstecken kann.

Nach drei Unentschieden war völlig offen, ob die Saison der RasenBallsportler in einen negativen Flow verfällt oder ob sie sich selbst aus der gröbsten Misere befreien. Der Auswärtssieg und die Art und Weise, sprich die Moral und der Kampf lassen hoffen, dass die Saison (bei allen möglichen Rückschlägen) nun richtig beginnt. Man sollte nur nicht vergessen, dass genauso wie vor dem Spiel nicht alles schlecht war, nun nicht alles gut ist. Heißt, mit dem durch den Sieg wachsenden Vertrauen in die eigenen Qualitäten und Stärken wachsen hoffentlich auch in der täglichen Arbeit Spielverständnis, Kombinationssicherheit und Dominanz, allessamt Kriterien, die für das Oralsche Spielsystem sehr entscheidend sind.

Eine kleine Serie wäre nun super, um sich ganz oben festzusetzen. Und ehrlich, mein Herz blutet fast, wenn ich daran denke, dass ich den Knaller gegen Magdeburg und eine (relativ) volle Schüssel am nächsten Sonntag verpassen werde (müssen). Hach.

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Ticker [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], Kiel-Bericht [broken Link]

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11 Gedanken zu „Holstein Kiel vs. RasenBallsport Leipzig 1:2“

  1. Ich war da und dein Bericht ist mal wieder wie alle deine Berichte Klasse geschrieben… nur ich fand glücklich wegen der Spielminute ja, aber nicht vom Spielverlauf her, aber „dreckig“ vielleicht, aber wenn man aufsteigen möchte muss man solche Spiele wohl gewinnen.

  2. hi. ich finde deine kommentare immer wieder – ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll- einfach geil. gut geschrieben, pointiert unbd auch oft amüsant. und soweit ich es feststellen konnte auch gut recherchiert. mach weiter so, freu mich auf jeden deiner artikel. gruß roland

  3. @rojiblanco: Naja, zugespritzt, um mit angebrochener Rippe 10 Minuten spielen zu können, fühlt sich zumindest wie ein Ausfall an. Zumindest wäre ein Sturmduo Lewerenz/ Kutschke in Halbzeit 2 ohne die ‚Ausfälle‘ von Frahn und Frommer wohl nicht denkbar gewesen..


  4. Bevor ich angefangen habe zu löschen, stand hier etwas, das in rotebrauseblogger-Blogsprache übersetzt in etwa wie folgt hieß: ‚Nächsten Sonntag werden wir auf jeden Fall gegen RasenBallsport Leipzig gewinnen!!!‘ [Anmerkung rotebrauseblogger]

  5. Und wenn etwas nicht passt wird fleißig zensiert! Bravo! Nur weiter so, denn es passt so herrlich zu eurem „Projekt“.

  6. Ich ‚zensiere‘ keine Inhalte, ich moderiere MEINEN Blog in Bezug auf Beleidigungen, die ich mir genauso verbitte, wie sich sie selbst nicht nutze. Und ein Projekt ist RasenBallsport Leipzig für mich auch nicht.

  7. Ist immer wieder geil zu lesen!!!

    Schön auch wie erzieherische Maßnahmen zum Einsatz kommen, um das scheinbar endlose und beleidigende Dumm Gesabber, einer verwahrlosten Fußballkultur zu bremsen.

    Timo Rost wird langsam warm- starker Auftritt beim deutschen Meister von 1912!

  8. könnte tatsächlich der so lang erhoffte & ersehnte Befreiungsschlag gewesen sein … allerdings sollte dann gegen MD mindestens ein Punkt her, mit einem Dreier dagegen wäre man schon in direkter Tuchfühlung zur Spitze …

    in Kiel selbst werden dieses Jahr nicht allzuviele Mannschaften gewinnen, dazu nach einem Rückstand zurückgekommen und den Sieg geradezu erzwungen … schön und passend auch daß ausgerechnet der vorher schon kritisierte Rost den Siegtreffer markiert 🙂

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