Feed on
Posts
Comments

Arm an Geschichten war sie nie, die Leipziger Fußballwelt. Der VfB Leipzig (später Lok und dann wieder VfB und nun wieder Lok) wurde 1903 erster Deutscher Meister, der ‚Rest von Leipzig’ alias der BSG Chemie Leipzig (später der FC Sachsen Leipzig) wurde mythenreich und sensationell DDR-Meister 1964 und 1987 schaffte es der 1.FC Lokomotive Leipzig in einer historischen Europacupsaison zum Endspiel nach Athen – um nur die herausragendsten Ereignisse zu nennen.

Auch nach der Wiedervereinigung blieb der Leipziger Fußball reich an Geschichten. Überregionale Aufmerksamkeit erhielt er aber fast nur noch bei diversen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen ‚rivalisierenden Fußballfans’ oder den Insolvenzen der Leipziger Traditionsclubs Lok alias VfB und Chemie alias FC Sachsen, die sich zwar in diesem Punkt vereint zeigen, ansonsten aber einander in historisch gewachsener Antagonie weiterhin unversöhnlich gegenüber stehen.

Die abwechselnd eingeleiteten Insolvenzen, die in den Niederungen des Amateurfußballs stattfindenden, nur unter erhöhtem Polizeischutz überhaupt durchführbaren Lokalderbys, die ewige Hoffnung auf bessere, höherklassige Fußballzeiten, all dies wäre wohl weiterhin Leipziger Fußballalltag, wäre nicht im Sommer 2009 Red Bull über Fußballleipzig hereingebrochen wie ein – je nach Sicht – reinigendes Gewitter oder zerstörerischer Orkan. Seitdem der österreichische Brausehersteller das Spielrecht des SSV Markranstädt übernommen und den Spielbetrieb unter dem stilbildenden Namen RasenBallsport (RB) Leipzig aufgenommen hat, hoffen diverse – wenn auch längst nicht alle – Fußballanhänger in der Region, dass der Verein nicht in (der Kalauer sei erlaubt) RegionalBahn-, sondern in ICE-Geschwindigkeit Richtung Sonne sprich 1.Bundesliga reist.

Für die Leipziger Traditionsvereine ist dies ein neuerlicher Rückschlag. Insbesondere bei Lok Leipzig war man guter Hoffnung mit solider Arbeit in naher bis mittlerer Zukunft die Nummer 1 in Leipzig zu werden und in den Profifußball aufzusteigen. Vor allem die letzte Insolvenz beim Lokalrivalen FC Sachsen nährte die Hoffnungen, Sieger der Geschichte zu werden und in den Derbys in Liga 5 (!) den verhassten Leutzschern zu zeigen, wo der lokale Hammer hängt. Mit der Existenz von RB Leipzig ist nun alles anders. Die sportliche Nummer 1 in Leipzig war praktisch schon vor der Saison 2009/ 2010 vergeben und die Hinrunde bestätigte dies nur. In insgesamt 3 Leipziger Fünftligaderbys (Oberliga Nordost um genau zu sein) kam RasenBallsport Leipzig auf 6 Punkte und 5:0 Tore während sich die Traditionskontrahenten mit einem Punkt aus einem torlosen Traditionsderby (das immerhin von 15000 Zuschauern besucht wurde) begnügen mussten. Da in der Bundesrepublik kaum noch Städte über zwei Teams in einer der ersten drei Profiligen verfügen und derzeit in keiner Stadt zwei Erstligateams beheimatet sind, ist die Übernahme der sportlichen Regentschaft in Leipzig durch RasenBallsport keine gute Nachricht für Lok und den FC Sachsen.

Für alle hingegen, denen klar ist, dass die Teilnahme am modernen Profifußball nicht ohne unmodern hohe Investitionen zu kriegen ist und für alle, die trotzdem modernen Profifußball ansprechend, unterhaltsam und was auch immer finden, jedenfalls soviel finden, dass sie Spiele gegen Schalke, Bremen, Köln und Co lieber im Stadion vor der eigenen Haustür als im Fernsehen sehen, für all jene ist RB Leipzig ein Glücksfall.

Und auch für mich als Anhänger der Professionalität und der großen sportlichen Bühne erscheint es ein Glücksfall, dass sich mit RasenBallsport Leipzig ein Verein in Leipzig niederlässt, der sportlichen Erfolg, spektakuläre Neuverpflichtungen, gute Jugendarbeit, Spiele im Zentralstadion, zwischenmenschliche Animositäten und Gerüchte, Glamour und Gossip verspricht. Aus diesem Grund sei dieser Blog (vor allem) dem einzig wahren RasenBallsport und dem noch viel einzigst wahreren RasenBallsportverein in Deutschland gewidmet.

9 Responses to “rotebrauseblogger… will”

  1. Jörg sagt:

    Wenn ich mein Gedankengut ebenso in Worte fassen könnte, wäre dabei sicher der gleiche Text rausgekommen.
    Danke dafür.
    Viele Grüße von noch einem distanziert-mitleidenden Beobachter der wieder Hoffnung auf BuLi-Fußball in Leipzig hat.

  2. xyzChemie sagt:

    Bäh,

    da schaue ich doch weiterhin 20 Jahre Amateuerfussball, als dass ich mich diesem Kunstprodukt RB hingebe.

    Mein Tip an Euch, wenn Ihr Profifußball schauen wollt, holt Euch nen Skyabo.

    RB ist der nächste Versuche, die Gesellschaft zu kommerzialiseren und sie weiter zu entmündigen.
    Die Jugend des FCS hat man schon plattgemacht, billigst eingekauft, das nächste Schielen ist nach der Spielstätte des FCS, der AKS, Talente der Leipziger Fußballvereine werden für wenigst Geld weggekauft, die Stadt wird mit perfiden Bullenplakaten überzogen!

    Wenn ích an RB denke, überkommt mich der pure Ekel.

    Das ist nicht mehr Fußball, das ist billigster Kommerz.

    RB wegtreten!

  3. rotebrauseblogger sagt:

    @xyz

    1. Niemand nimmt Dir Deinen Wunsch, Dir Amateurfußball anzugucken.
    2. Ich bin ich und nur ich und nicht Euch.
    3. Sky ist sicher nett, aber ich freue mich nun mal auf Live-Fußball im Zentralstadion (und das schon jetzt, nicht erst in der Bundesliga).
    4. Das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik ist der Kapitalismus und das nicht erst seit Red Bull. Auch der Fußball gehorcht den Logiken des Markts.
    5. Der FC Sachsen hat seine Jugend an RasenBallsport VERKAUFT, weil er das Geld im Rahmen des INSOLVENZverfahrens dringend brauchte. Eine Insolvenz für die Red Bull nicht verantwortlich ist.
    6. Wenn Du zum AKS tatsächlich relevante Informationen hast, dann teile sie doch mit mir, dann ergibt sich eventuell sogar noch so etwas wie Newswert.
    7. Wieviele Leipziger Talente sind denn bis jetzt zu RasenBallsport gewechselt? Im Winter waren es 2, die von Lok kamen. Und sonst?
    8. Jeder Jugendspieler und jeder Fußballanhänger hat das Recht auf freie Vereinswahl. Niemand wird zu RasenBallsport gezwungen und niemand von Chemie, FC Sachsen oder Lok weggezwungen.
    9. Au ja, Werbeplakate sind wirklich eine ganz perfide (=arglistige, gemeine) Strategie..

  4. Leipziger Elend sagt:

    Dem kann man nix mehr hinzufügen… R E S P E K T!

    “…Werbeplakate sind wirklich eine ganz perfide (=arglistige, gemeine) Strategie..” :-D DDDDDDD that´s great…

  5. Henning sagt:

    Hallo,

    ich habe ja auch so einiges über RB gebloggt:

    http://www.henning-uhle.eu/tag/rb-leipzig

    Auch habe ich mich an Lok (http://www.henning-uhle.eu/tag/lok-leipzig) versucht.

    In beiden Listen ist auch vom FCS die Rede.

    Nur mal zusammengefasst: Ich breche mir ganz bestimmt nicht die Daumen beim Drücken dieser, weil ich dem RB so zujuble. Ich finde es aber einen Jammer, was in den letzten ca. 20 Jahren aus dem Leipziger Fußball geworden ist. Dahher freue ich mich über das Engagement von Red Bull.

    xyz sollte sich mal überlegen, was der FCS und Lok als Außendarstellung bieten: Insolvenzen, Umbenennungen, Hools, Prügeleien und Unprofessionalität. Trotzdem hat Red Bull bei beiden angeklopft. Beide haben abgelehnt. Und nun spielen die sich als Moralapostel auf?

    Das verstehe, wer will….

    Ich will verdammt nochmal in naher Zukunft (Zeitraum bis max. 2020) ein Champions League Spiel in der Arena sehen, z.B. FC Barcelona gegen FC irgendwas Leipzig. Bis jetzt ist der FC irgendwas halt der RB, weils die anderen partout nicht hinbekommen.

    Und was RB macht, passt soweit, da beißt die Maus keinen Faden ab. Darum wünsche ich dem Verein viel Glück. Wenn sie mich überzeugen, werde ich mir auch bald Spiele live angucken. Im Moment noch nicht, da der Stachel der Leipziger Fußballvergangenheit zu tief sitzt.

    …waren nur meine 2 Cent

  6. Leipziger sagt:

    @rotebrauseblogger

    Besser hätte man es nicht zum Punkt bringen können.

  7. Brausetruppe sagt:

    Der Autor hat ja mal gar keine Ahnung…

    [Edit by rotebrauseblogger]persönliche Pöbeleien gelöscht[Edit Ende]

  8. Fussballfan sagt:

    Ich hab keine Zigaretten mehr!!!

  9. Stefan sagt:

    Könnte ich virtuell Beifall klatschen, würde ich es tun.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Fans geschichtsträchtiger Vereine die Fäuste ballen, wenn ihnen “RB Leipzig” durch den Kopf weht. Wir diskutieren auf Arbeit auch ab und an dieses leidige Thema, doch schlussendlich ist es halt Ansichtssache. Der eine möchte keine amerikanischen Verhältnisse und findet die Tradition wichtig, der andere ist mehr auf Spielkultur und die Qualität des Spieles aus und dieses wird nun mal eher in höheren Ligen gepflegt. Zudem sind Spiele mit Erfolgsaussichten von Grund auf interessanter als das ständige Hoffen auf ein Wunder.
    Da ich mich auch (wie der Autor) eher der zweiten Gattung zuordnen würde, ist für mich RB durchaus eine Option. Zudem werde ich mir diese Seite vormerken, da der Autor mit Feuer für den Fußball und Sinn und Verstand argumentiert.
    Man kann auch durchaus Contra argumentieren, aber dann mit Sinngehalt und nicht zu heißblütig in den leeren Raum. (@Brausetruppe, @xyzChemie)

    Außerdem noch ein paar Sätze zu dem Gerede von “xyzChemie”: Die ersten beiden deutschen Ligen sind Kommerz. Auch jedes Team was dort spielen will, muss sich dem Markt öffnen. Das ist doch eine vollkommene Milchmädchenrechnung. Gute Spieler (, neues Euqipment, Stadien, besseres Personal, Sicherheitsmaßnahmen) benötigen mehr Geld, Geld bekommt man nur durch Einnahmen und daher werden möglichst viele Geldquellen angezapft bzw. Preise erhöht. Somit ist andauernder Erfolg an Geld geknüpft und das nennst du Kommerz. Im Moment verschenken sie ja sogar die Tickets. Das ist aber kein Kommerz, sondern sogar das Gegenteil, da Kommerz ein zur Gewinnmaximierung gerichteten Interesses beschimpft. Und abschließend noch mal mein Ansinnen: Wenn du kein Kommerz willst, dann solltest du auf jede Veranstaltung, die der Befriedigung/ Bespaßung deiner nicht-überlebenswichtigen Bedürfnisse, verzichten. Außer es ist schon mal jemand gestorben, weil er nicht zum Fußball durfte ;)

Leave a Reply