Bekenntniszwang als Debattensackgasse

Der folgende Text ist die ungekürzte Langfassung eines Beitrags der vorgestern bei Zeit Online erschien und zu (kleinen) Teilen auf einem älteren Blogbeitrag fußt.

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Die öffentliche Auseinandersetzung um RB Leipzig hat in den letzten Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen, sodass die Ausläufer sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière erreichten, der sich genötigt sah, die Form der Proteste gegen RB Leipzig zu kritisieren. Es bleibt ein grundlegendes Dilemma der Debatte, dass es zu großen Teilen eine Bekenntnisdebatte und somit ein Scheingefecht ist, bei dem die relevanten Fragen danach, wie man sich den Wettbewerb im Profifußball wünscht, meist nur am Rande behandelt werden.

Sicher, die Vorkommnisse rund um das Spiel von RB Leipzig beim Karlsruher SC, angefangen beim Besuch des RB-Mannschaftshotels durch KSC-Anhänger über die Blockade des RB-Bus und das Beschimpfen von Sportdirektor Ralf Rangnick bis hin zum erzwungenen Rücktausch eines KSC-Trikots überschritten die Grenzen des guten Geschmacks. Daraus eine Art Ausnahmezustand zu machen, auf den mit dem typischen Law-and-Order-Forderungsinventar von personalisierten Tickets bis hin zur Strafrechtsverschärfung reagiert werden muss, war dann wohl doch eher eine Kanone zu heftig. Zumal das Strafrecht schon jetzt alle Möglichkeiten bieten würde, auf bestrafenswerte Extreme zu reagieren und personalisierte Tickets bei Vorkommnissen abseits des Stadions auch nichts helfen.

Es müsse möglich sein, Kritik an RB Leipzig zu äußern, hört man nach solchen Tagen immer wieder. Ganz so als ob dies in Frage stünde und diese Kritik in den letzten sechs Jahren nicht ausgiebig praktiziert worden wäre. Interessant in dem Zusammenhang eher die Frage, wo die Grenzen für diesen kritischen Zugang sind bzw. wo Kritik offensichtlich den ideologischen Nährboden für über die Grenzen hinausschießende Aktionen liefert.

In Karlsruhe beispielsweise durften Anhänger des Vereins eine Choreographie entwerfen, bei der sie im Innenraum des Stadions ein Banner präsentierten, in dem sie zum Schutz vor der „Bullenseuche“ aufriefen. Dazu trugen dann die Fans im Hintergrund auf der Gegengerade einen Mundschutz.

Es ist natürlich legitim, wenn man sich von einer bestimmten Ausdrucksform moderner Kultur nicht begeistert zeigt und nicht ‚infizieren’ lassen will. Aber im Grunde ist es mit der Seuchen-Metapher nicht viel anders als bei den Heuschrecken, den Ratten und dem Ungeziefer (alles im Zusammenhang mit RB Leipzig benutzte Bilder), denn im Kern wird damit ein Bild entworfen, bei dem etwas Grundgesundes von etwas befallen wird, das bekämpft und vernichtet gehört.

Als Verein mag man sich unheimlich schwer damit tut, Grenzen dessen festzulegen, was noch geht und was nicht mehr. Als Verein in einem Meisterschaftsspiel eine Choreo zu unterstützen, die den Gegner als Krankheit und sich selbst somit als schützenswertes Gesundes bezeichnet, nicht als jenseits der Grenze zu empfinden, ist aus Offiziellensicht trotzdem freundlich gesagt unsensibel.

Damit verbunden ist auch eine inhaltliche Ermächtigung der eigenen Fanszene, die sich in ihrem Umgang mit der ‚Krankheit‘ RB Leipzig als höchstoffiziell abgesegnet bestätigt fühlen darf. Die drastische Wahrnehmung, die manche Fangruppe in fußalltypischer Art formulieren mag, vereinsseitig mitzutragen, ist gleichzeitig auch das Signal für den einen oder anderen, sich als die konsequenteren Vollstrecker des Allgemeinwillens gegen die Krankheit RB Leipzig zu verstehen. Und Machtdemonstrationen und Drohkulissen wie Busblockaden und Hotelbesuche durch das vermeintliche Handeln im Sinne der Mehrheit legitimiert zu sehen.

Der ganze Vorgang in Karlsruhe und der mediale und (sport)politsche Donnerhall im Nachgang stehen ein wenig prototypisch dafür, dass die Debatte rund um RB Leipzig zumeist auf Bekenntnisse in Form von Ablehnung oder Zustimmung fokussiert ist. Die entscheidenden Fragen, die aus der Existenz und der Konstitution von RB Leipzig, aber auch aus anderen Phänomenen erwachsen, werden entsprechend maximal am Rande diskutiert, weil man sich emotional getrieben irgendwo zwischen Pseudoargumentationslinien wie Tradition, Kommerz, Marketing, Ostfußball, Fankultur und falscher Kapitalismuskritik verschanzt hat.

Tradition ist ein hohler Begriff, der in der Vereinspraxis im Sinne der Emotionalisierung hübsch ist, aber an sich noch kein Wert darstellt, weil Dinge nun mal irgendwann entstehen. Kommerz ist als Begriff vielleicht nicht ganz so hohl, aber auch nichts, was im Zuge von RB Leipzig erfunden wurde. Den Fußball als Plattform für Marketing zu nutzen, ist Normalzustand. Dass RB Leipzig den Ostfußball rettet, dürfte man in anderen ostdeutschen Städten zurecht als Anmaßung empfinden. Fankultur ist ein Phänomen, das sich regionaltypisch ausprägt und sich der objektiven Bewertung fast vollständig entzieht. Und den Kritikern von RB Leipzig eine falsche Kapitalismuskritik zuzuschreiben, ist zwar sicherlich nicht grundfalsch, erweckt aber gelegentlich den Anschein, als dürfe man sich nicht innerhalb des Hier und Jetzt mit Erscheinungsformen des Profifußballs auseinandersetzen und diese kritisch sehen bzw. verändern wollen.

Es gibt essenziell zwei Themenbereiche rund um die Frage, wie man sich Profifußball vorstellt, die der Diskussion würdig wären, gäbe es denn in Deutschland unter Einbeziehung der Verbände so etwas wie eine offene Diskussion. Das betrifft zum einen die Frage, wie ein Verein, der am Profifußball teilnimmt, organisiert sein sollte. Und zum anderen geht es um die Frage, wie man den Wettbewerb zwischen den Vereinen möglichst gleichberechtigt organisieren will.

Für beide Themenbereiche gibt es keine einfachen Antworten, weil sie von komplexen juristischen Sachverhalten und wirtschaftlich verzerrten Ist-Zuständen unterlegt sind. Bisher besteht die Praxis der Verbände darin, die Fragestellungen dadurch zu umgehen, dass man die Regularien unangetastet lässt und mögliche Probleme lieber informell löst.

Beispiele dafür gibt es in der Verbandspraxis der letzten Jahre einige. Am wichtigsten vielleicht der juristische Vergleich mit Hannover-Präsident Martin Kind in Bezug auf die 50+1-Regel, durch den man die Regel quasi abschaffte, ohne sie formal abzuschaffen. Jeder Verein bzw. deren ausgegliederte Kapitalgesellschaft kann inzwischen von einem Geldgeber auch mit mehr als 50% Stimmanteil übernommen werden, wenn der Geldgeber seit mindestens 20 Jahren den Verein in erheblichem Maße förderte. Dietmar Hopp profitierte als erster davon und darf ab Juli 2015 auch offiziell der alleinige Bestimmer in Hoffenheims Kapitalgesellschaft sein.

Es stellt sich auch vor diesem Hintergrund inhaber- und konzerngeführter Clubs die Frage, ob man sich überhaupt noch Regulierungen hinsichtlich der Organisationsform wünscht und wenn ja, wie sie aussehen sollen. Der eingetragene, gemeinnützige Verein ist zwar weiterhin zwingend formale Voraussetzung, um Mitglied im Landessportbund werden zu können und somit überhaupt am Fußballspielbetrieb teilnehmen zu können.

Doch neben der speziellen Leipziger Vereinskonstruktion mit ihren Red-Bull-hörigen, stimmberechtigen Mitgliedern, lässt auch die Ausgliederungspraxis in Kapitalgesellschaften Zweifel aufkommen, inwiefern der Vereinsgedanke überhaupt noch ein grundlegender ist. Nicht ganz zufällig gibt es Stimmen, die für die Zukunft die Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft als Lizenzierungsvoraussetzung sehen und nicht ganz zufällig gibt es Juristen, die anzweifeln, dass eingetragene Profifußballvereine als Wirtschaftseinheiten überhaupt die Anforderungen an die Gemeinnützigkeit erfüllen.

Auch RB Leipzig ist kürzlich den Weg der Ausgliederung der Profiabteilung plus der höchsten Nachwuchsmannschaften gegangen. Vermutet wird, dass dies vor allem wegen dem Themenkomplex der Gemeinnützigkeit geschah. So hat man jetzt einen eingetragenen Verein, der tatsächlich Kinderfußball (also etwas gemeinnütziges) betreibt und eine GmbH, die professionell und wirtschaftlich arbeitet.

Im Profifußball wird schon jetzt eine ordentliche Bandbreite kreativer Möglichkeiten genutzt, um professionelle Strukturen herzustellen und sich dem Einfluss von Mitgliederversammlungen, die vielerorts sowieso nur noch Folklore sind (und deren Mitbestimmungspotenzial eher auf Fanverbände und Initiativen aus den jeweiligen Vereinsumfeldern übergegangen ist), zu entziehen. Doch der eingetragene Verein bleibt wie die 50+1-Regel eine heilige Kuh. Mit den entsprechenden Folgen, dass diese heilige Kuh formal und dem deutschen Vereinsrecht entsprechend kreativ bedient wird, ohne zwingend ihrer Grundidee des mitgliedergesteuerten Vereins folgen zu müssen.

Denkbar wäre es natürlich, dass die DFL in ihren Lizenzierungsprozess Forderungen nach Mitgliederwachstum und Größe der Mitgliederzahl aufnimmt, um Phänomene wie RB Leipzig zu umgehen. Damit löst man aber nicht das Problem, dass die 50+1-Regel de facto aufgeweicht wurde. Und man kollidiert vor allem mit der durch das deutsche Vereinsrecht zugesicherten Vereinsautonomie. Was juristisch äußerst zweifelhaft ist und bei einem Rechtsstreit wohl kaum haltbar wäre.

Die Frage nach den gewünschten Organisationsformen im Profifußball wird so bisher durch die Realität beantwortet und nicht durch den Gestaltungswillen von Verbänden und den darin organisierten Vereinen. Die Frage ist aber vielleicht sowieso nicht die entscheidende und eher eine, die von lokalen Interessen und Präferenzen geklärt wird, denn über allem steht eher die Frage, wie der Wettbewerb zwischen den Organisationen aka mitglieder- oder konzerngeführten Vereinen oder Kapitalgesellschaften so organisiert werden kann, dass er halbwegs so etwas wie Chancengleichheit garantiert.

Eine Frage, bei der man endgültig an die Grenzen der Machbarkeit gelangen dürfte, weil hier zu viele Vereinsinteressen und das Verlangen nach internationaler Konkurrenzfähigkeit mögliche Lösungen überlagern. Gehaltsobergrenzen wie in US-Profiligen gebräuchlich wären eine Option. Alternativ könnte man Obergrenzen pro Sponsorenzuwendung einführen, sodass ein Sponsor nicht in fast unbegrenztem Maße Geld in das System pumpen kann und Vereine mit vielen Sponsoren (also offenbar gut funktionierende und lokal verankerte Vereine) bevorteilt werden. Ideen, bei der die Frage bleibt, inwiefern das mit europäischem Wettbewerbsrecht kollidiert.

Das Financial Fairplay der UEFA geht ein wenig in die Richtung, trifft aber letztlich nur Mäzene und nicht Großsponsoren. Wenn sich VW jetzt per Gutachten bestätigen lässt, dass der Werbewert für ihr Engagement in Wolfsburg bei Champions-League Teilnahme bei bis zu 150 Millionen Euro jährlich liegt, sie also dies als Sponsorleistung jedes Jahr ausgeben dürfen, dann kann man sich ausrechnen, welchen Etat man in Wolfsburg, falls die UEFA den Werbewert ähnlich sieht, zusammenstellen kann und inwiefern das Wettbewerbsgleichheit garantiert.

Das Problem bei den Modellen der Sponsoren- und Mäzensbeschränkungen besteht in der Existenz der Champions League. Alle Modelle laufen darauf hinaus, dass der Kreis der regelmäßigen Champions-League-Teilnehmer bevorzugt und verfestigt wird, weil deren enormen europäischen Zusatzeinnahmen noch mal viel wertvoller werden, wenn sich potenzielle Kontrahenten kein frisches Geld in großer Menge aus anderen Quellen heranziehen dürfen.

Ein Wettbewerb mit Chancengleichheit ist unter diesen Voraussetzungen wohl sowieso nichts als pure Utopie. Wie sollte sich ein nationaler Wettbewerb ausgeglichen gestalten lassen, wenn querfinanziert einzelne Vereine Zuflüsse aus zusätzlichen Wettbewerben generieren können? Schwer aufzulösen das Problem, zumal wenn sich mögliche Lösungsmodelle wohl nie im europäischen Rahmen durchsetzen lassen würden und nationale Alleingänge logischerweise keinen Sinn machen.

Fakt ist, dass rund um RB Leipzig weiter emotional und kritisch diskutiert werden wird. Was grundsätzlich völlig in Ordnung ist, auch wenn Fans mal eine etwas drastischere Sprache wählen. Nur darf man einerseits nicht die darüberstehende Frage vergessen, wie moderner Profifußball juristisch abgesichert funktionieren soll und andererseits müssen die Beteiligten aufpassen, welche ideologischen Steilvorlagen sie mittragen, auf deren Basis sich Anhänger ermächtigt fühlen könnten, Grenzen des Tragbaren auf dem Rücken eines Sündenbocks zu überschreiten.

Für viele Vereine ist dies ein schwerer Spagat. Eingeklemmt zwischen emotionalisierten und treibenden Fans und der Realität der Spielbetriebsregularien und des Wettbewerbs oszillieren sie zwischen Fanverständnis und alltäglichem Arbeitspragmatismus. Nötig wäre darüber hinaus gehend letztlich eine offene Debatte ohne Sündenbockverein und mit einem nüchternen Blick darauf, was aktuell die Konstitutionsbedingungen im Profifußball sind. Diese Debatte ginge weit über RB Leipzig und weit über die natürlich einfacher zu habende Bekenntnisdebatte hinaus.

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5 Gedanken zu „Bekenntniszwang als Debattensackgasse“

  1. Toller Artikel. Gratulation! Und selbst ich kann ihn zum Großteil unterschreiben. Die Selbstermächtigung der (organisierten) Fans kommt m.E. genau aus dieser unklaren Gemengelage bei DFB/DFL und dem daraus entstehendem Rumgeeier: Während die kritischen Fans RBL klar ablehnen und am liebsten ein Verbot des „Konstruktes“ sehen (auch wenn sie wissen, dass dies nicht passieren wird), wissen die Vereine/DFL/DFB, dass sie jetzt juristisch auf dünnem Eis stehen und Investoren ja sowieso grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Trotzdem bleibt halt der Eindruck (auch bei mir), dass die Gründung von RBL hätte verhindert werden können, wenn der DFB/NOFV dies denn gewollt hätte. Von daher werden diese Scheingefechte des DFB/DFL, diese Unterlaufen der 50+1-Regel, Festhalten an fragliche Vereinsstrukturen eben auch von der anderen Seite kritisch gesehen, aber eben mit einer anderen Konnotation als bei dir.

    Was mir halt immer fehlt: die Frage nach Huhn/Ei. Im Normalfall ist ein Verein erfolgreich, hat ein Renomee Anhängerschaft möglicherweise in aller Welt und ist deshalb interessant für Sponsoren/Investoren. Und erfolgreiche Vereine sind dementsprechend noch erfolgreicher bei Einwerben von externen Geld. Bei RBL ist es komplett auf den Kopf gestellt. Bei Wolfsburg oder Hoffenheim nicht viel anders. Und ja, so wie es jetzt ist, zementiert sich die Reichtumspyramide, kann man schwerlich von Chancengleichheit sprechen. Aber Gott, ob Bayern jetzt immer reicher wird oder ManCity 100 Mio. für Gareth Bale zahlen will, ist mir als Bochum und Chemnitz-Fan reichlich egal. Die Top10-Vereine spielen in anderen Sphären. Wenn die mal ihre Europa-Liga gründen würden, würde ich nur mit den Schultern zucken. Aber wenn RBL in der 2.Liga alles in Grund und Boden kauft, dann tangiert das mein Fansein schon.

    Vll. mach ich meine Frieden mit RBL, wenn sie wirklich mal hinter Bayern zur No. 2 in Deutschland aufgestiegen sind und es dann keinen Unterschied zwischen ManCity und RBL gibt, außer das Herkunftsland des Besitzers. Dann gibt es zwischen den Fanwelten RBL und Chemnitz/Bochum nur noch so wenig Schnittmenge, dass es mich nicht mehr interessiert.

  2. Ich kann einfach keinen Unterschied zwischen Red Bull Leipzig und den anderen Profivereinen erkennen. Wenn es vor einhundertzehn Jahren möglich war einen Club wie Bayer 04 aus der Taufe zu heben warum sollte das heute nicht mehr möglich sein? Was ist der Unterschied zwischen dem BVB der sich selbst verkauft und seinen Sponsoren die ihre Produkte über den Weg BVB verkaufen wollen und Red Bull Leipzig die sich selbst verkaufen wollen und ihren Sponsoren die ihre Produkte über den Weg Red Bull Leipzig verkaufen?

  3. Warum können sich die Verfechter von RB nicht damit abfinden, dass es solange Kritik an RB geben wird, solange es RB gibt? Als Austria Salzburg von RB übernommen wurde, gab es europaweit Proteste. Diese Kritik war kein Ausdruck der Relevanz eines österreichischen Fußballvereins. Diese Kritik war Ausdruck einer bis dahin einzigartig aggressiven Übernahme eines Vereins durch ein Unternehmen. Wer sich je damit beschäftigt hat, wie RB vor zehn Jahren einen Fußballverein zerschlagen und die Interessen der Salzburger Fans dabei mit Füßen getreten hat, wird ein Leben lang Kritiker des RB-Systems bleiben. Der RB-Einstieg beim FC Sachsen wäre sicher nicht so zeitig gescheitert, wenn es nicht eine so negative Vorlage in Salzburg und eine Vernetzung zwischen den Fans in Salzburg und Leipzig gegeben hätte. Die RB-Proteste sind wesentlich vielschichtiger, inhaltlich fundierter und älter als es so ein Gastbeitrag bei Zeit Online vermuten lässt. Mir werden auf jeden Fall die Arroganz und verbale Brutalität der RB-Manager bei der Austria-Salzburg-Zerschlagung in Erinnerung bleiben, theoretisierende Gastbeiträge wohl eher nicht.

  4. „Warum können sich die Verfechter von RB nicht damit abfinden, dass es solange Kritik an RB geben wird, solange es RB gibt?“

    Also falls das an mich gerichtet ist, dann kann ich mich völlig damit abfinden und hab noch nirgends gefordert, dass das aufzuhören habe..

    „Die RB-Proteste sind wesentlich vielschichtiger, inhaltlich fundierter und älter als es so ein Gastbeitrag bei Zeit Online vermuten lässt.“

    Sicherlich, auch wenn ich in Sachen Fundiertheit vermutlich anderer Meinung sein dürfte. Das Kernproblem bleibt, dass es RB-Proteste sind und dem auf der anderen Seite RB-Verteidigungen stehen und es für beide Sachen sicherlich subjektiv oder sogar objektiv gute Argumente gibt. Aber man in diesem aufgeladenen „Keine Solidarität“ vs. „Gut für den Fußball im Osten“ (oder allerlei Äquivalente) die entscheidenden Fragen in Bezug auf die Zukunft des Wettbewerbs im Fußball und vor allem auch die Realität des Profifußballs generell meist maximal am Rande diskutiert. Die Fragen gehen weit über RB und den Zugang dazu hinaus und RB könnte maximal Auslöser sein, diese Fragen ernsthafter auf Lösungsmöglichkeiten abzuklopfen.

    Dass du RB darüber hinaus schon aus historischen Gründen scheiße findest, sei dir unbenommen (die Diskussion hatten wir an dieser Stelle vor ein paar Jahren schon einmal, wenn ich mich recht entsinne). Selbst Ralf Rangnick, der diesbezüglich meist wenig sensibel ist, hat den Prozess von Austria zu Red Bull irgendwo in einem Gespräch mal als in Bezug auf die Fans nicht gelungen oder unsensibel oder so (habs nicht mehr genau im Kopf) bezeichnet..

  5. Mateschitz pflegt einen Stil, der an Arroganz und Verachtung für Kritik nicht mehr zu überbieten ist. Als wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, sein jüngstes Zitat: „Wenn man die Mathematik strapazieren möchte, handelt es sich hier um nullkommanullirgendwas Prozent aller Fußballinteressierten.“ Quelle: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/red-bull-chef-dietrich-mateschitz-findet-kritik-laecherlich-13529052.html

    Die Frage, welchen Fußball wir uns wünschen, geht über RB hinaus, da stimme ich zu. Nur: Engagierte Fans setzen sich mit der Entwicklung des Fußballs kritisch auseinander seit es organisierten Fußball auf der Insel gibt (sehr gut dargestellt z.B. in „Ballbesitz ist Diebstahl“. Für eine Kritikkultur hat es kein RB gebraucht. RB eignet sich nur aktuell besonders gut als Symbol für die aktuelle FEhlentwicklung.

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