Sachsenpokal: FC Oberlausitz Neugersdorf vs. RB Leipzig 1:0

Wenn sich der Drittligist, der gerne in die zweite Liga will, bei einem Fünftligisten insgesamt nur ein paar Halbchancen erspielt und völlig verdient aus dem Sachsenpokal ausscheidet, dann weiß man eigentlich genug über das Spiel zwischen dem FC Oberlausitz Neugersdorf und RB Leipzig. Ein Spiel, über das sich aus verschiedenen Gründen eigentlich nicht zu reden lohnt.

Als da zuerst das unterirdische, spielerische Auftreten von RB Leipzig wäre. Über 90 Minuten gab es praktisch keine klare Aktion, geschweige denn einen klar zu Ende gespielten Angriff. Es erinnerte ein wenig an das Testspiel zwischen beiden Mannschaften Anfang Januar, als die RasenBallsportler es permanent mit hohen Bällen versuchten und dabei notwendig an der robusten Abwehrkette der Neugersdorfer scheiterte.

Leid tun konnte einem dabei wie schon im Januar Federico Palacios Martinez, der permanent in Kopfballduelle mit Spielern gehen sollte, die im besten Fall einen Kopf größer waren als er, im schlechten Fall (Jan Penc) doppelt so groß wirkten. Dass er da bei allem Bemühen weder gut aussehen, noch Akzente setzen konnte, war zumindest nachvollziehbar.

Der einzige, der immer wieder spielerisch an den Ketten zerrte und Aktionen zu setzen versuchte, war Timo Röttger, der dabei aber im Normalfall auch ungenau agierte oder im Eins gegen Eins an der vielbeinigen Abwehr scheiterte.

Über das Spiel zu reden, lohnt sich auch deswegen eigentlich nicht, weil es eine für den Verlauf der Saison völlig unwichtig Partie war. Für den DFB-Pokal ist RB Leipzig via Ligaplatzierung sowieso schon qualifiziert gewesen, sodass der Gewinn des Sachsenpokals keine größere Wichtigkeit mehr hatte und das Ausscheiden sowieso verschmerzbar war.

Zudem wäre ein mögliches Finale gegen Chemnitz (gewannen 3:0 in Auerbach) mitten im Aufstiegskampf (zum Beispiel zwischen den Spielen gegen Darmstadt und Rostock) eher etwas gewesen, was völlig unnötige Ablenkung und Energieverschwendung bedeutet hätte. Denn dass RB Leipzig im Fall der Fälle im eigenen Stadion gegen Chemnitz mit einer B-Elf aufgelaufen wäre, hätte man sich auch nicht vorstellen können.

Es gibt also sehr gute Gründe, dieser Niederlage in Neugersdorf nicht hinterherzutrauern. Die einzigen, die sich über das Spiel ärgern dürfen, sind neben 150 mitgereisten Fans (die sich eventuellen Ärger allerdings nicht anmerken ließen) die 12 Spieler, die letztlich auf dem Rasen agierten. Denn diese verpassten ihre große Chance, sich für das Saisonfinale ins Gedächtnis zu spielen und dem Trainer zu signalisieren, dass sie nah an der Stammformation dran sind. Keiner, der sich aufdrängte, sondern ganz im Gegenteil einige Spieler, die sich eher weiter abdrängten. Womit, abgesehen von Palacios Martinez, vor allem die Offensivspieler gemeint sind. Es zeigte sich wieder mal, dass die Bank aktuell bei RB Leipzig keine Rolle spielt. Was in Hinsicht auf das Saisonfinale und die arg strapazierten Frahn und Poulsen keine übermäßig gute Nachricht ist.

Tim Sebastian, Mikko Sumusalo und Timo Röttger schleichen nach dem 0:1 beim FC Oberlausitz Neugersdorf betreten vom Platz | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Das Spiel ist insgesamt schnell erzählt. Wichtigste Aktion der Anfangsphase war ein ordentlicher Regenschauer. Und als dann alle, die kein Tribünendach über dem Kopf hatten, langsam abtrockneten, begannen sich die Gastgeber zu wundern, warum sie so gar nicht unter Druck gerieten, sondern wenn überhaupt nur ein paar Bälle herausköpfen mussten. Und suchten ihrerseits den Weg zum Tor. Und erspielten sich tatsächlich bis zur Pause zwei sehr gute Möglichkeiten (einmal am leeren Tor vorbei, einmal in die Wolken), womit sie mehr Gefahr erzielten, als RB Leipzig im ganzen Spiel.

Die zweite Halbzeit machte nahtlos da weiter, wo die erste aufgehört hatte, sodass die baldige Führung der Gastgeber völlig verdient war. Ein verlorener Zweikampf bei RB-Überzahl im Mittelfeld, kein Druck auf dem Ball, Sumusalo von außen Richtung Mittelfeldzweikampf gerückt und schon konnte Kunze rechts freigespielt werden, der noch den heransprintenden Röttger abschüttelte und dann wunderschön im Strafraum von halbrechts in den linken Winkel vollendete.

Wer danach einen Sturmlauf von RB Leipzig erwartete, sah sich enttäuscht. Was angesichts der Leistungen zuvor auch nicht verwundern konnte. Aber angesichts des nominellen Klassenunterschieds und der deutlichen Geschwindgkeitsnachteile der Gastgeber, die zudem mit nachlassenden Kräften kämpften, dann eben doch erstaunlich war. Und so plätscherte das Spiel mit ein paar Halbchancen seinem Ende entgegen, ohne dass Neugersdorf noch ganz große Probleme bekommen hätte, die Führung über die Zeit zu bringen.

Daran änderte auch die Einwechslung des im Vergleich mit manch anderem noch ganz guten Tom Nattermann nichts mehr, der für Schößler (der als Rechtsverteidiger agierte) ins Team kam. Zwei Spieler aus der U23, die an diesem Tag den Kader auffüllten. Kaiser, Frahn, Poulsen, Demme, Heidinger und Fandrich waren gar nicht erst mit angereist, was ja letztlich auch die Wichtigkeit des Spiels symbolisierte. Vincent Rabiega und Patrick Strauß, die aus der U19-Mannschaft mit in Neugersdorf waren, kamen letztlich nicht zum Einsatz.

Aber selbst wenn da ein Team auf dem Platz stand, das so noch nie zusammenspielte und in einem Pflichtspiel so wohl auch nie wieder zusammenspielen wird, muss man natürlich von den dort versammelten Spielern, die von ihrem Anspruch her alle mindestens Drittliganiveau verkörpern wollen, erwarten können, dass sie gegen einen ambitionierten Fünftligisten einen Ansatz von Dominanz auf das Spielfeld bringen und sich auch ein paar Torchancen erarbeiten können. Nicht zuletzt die Mittelfeldbesetzung Jung, Sebastian, Röttger und später Thomalla, Sebastian, Röttger war diesbezüglich aber eher schwach. Was wiederum auch nur zeigte, dass es hinter den Herren, Fandrich, Demme, Kimmich in Sachen spielgestaltender Kultur und Dominanz durch Balljagd ganz schön dünn zugeht.

Insgesamt fehlten halt auch, das spürte man relativ schnell und zeigte sich auch in den entspannt wirkenden Reaktionen der RasenBallsportler nach der Partie, ein paar Prozent Willen, in einem unwichtigen Spiel relativ viel an Engagement und Konzentration zu investieren. Was letztlich menschlich ist, aber eben auch erstaunt, wenn man bedenkt, dass da einige dadurch ihre Chance, den Anschluss an die Stammmannschaft herzustellen, verpatzten. Der einzige, der schimpfend vom Platz stapfte, war dann bezeichnenderweise Tobias Willers, der selbst diese Niederlage nicht witzig fand und dies lautstark kundtat.

Bliebe als positiver Aspekt des Spiels noch das Comeback von Fabio Coltorti. Der naturgemäß in einem solchen Spiel gegen einen unterklassigen Gegner nicht wirklich beschäftigt wurde und am Gegentor keine Mitschuld trug. Weswegen es schwierig ist, seinen aktuellen Leistungsstand zu beurteilen. Die wenigen Szenen, die er hatte vorsichtig interpretiert, hätte man denken können, dass Coltori nach seiner langen Verletzung noch ein wenig die Sicherheit und die gewohnte Dominanz fehlt. Da wird man aber sicherlich die nächsten Spiele abwarten müssen (so er spielt), um dies endgültig bewerten zu können.

Fazit: Selbst wenn man mit geringen Erwartungen nach Neugersdorf reiste und ein Ausscheiden wohlwollend in Betracht zog, war die Leistung der RasenBallsportler im vielleicht letzten Sachsenpokal-Spiel auf absehbare Zeit alles in allem ziemlich enttäuschend und unterirdisch. Was nur deswegen nicht schlimm ist oder emotionale Spuren hinterließ, weil man aus einem unwichtigen Wettbewerb ausschied und nun nichts mehr den Ligabetrieb stört. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Leistung tatsächlich vor allem aus (nachvollziehbar) fehlender Motivation erklärt. Letztlich muss man die Niederlage einfach abhaken und sich gleich wieder auf die wichtigen Dinge des Fußballlebens konzentrieren, nämlich auf den Aufstiegskampf und auf das Spiel am Sonntag in Dortmund bei der U23 des BVB. Da braucht es dann wieder andere RasenBallsportler auf dem Platz.

Lichtblicke: Äh, lassen wir das für dieses Mal..

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Tore: 1:0 Kunze (52.)

Aufstellung: Coltorti – Schößler (65. Nattermann), Willers, Franke, Sumusalo – Röttger, Sebastian, Jung – Palacios Martinez, Thomalla, Luge

Zuschauer: 2013 (davon 150 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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6 Gedanken zu „Sachsenpokal: FC Oberlausitz Neugersdorf vs. RB Leipzig 1:0“

  1. Hoppla, was ist denn das für ein Bericht?
    So , wie die drei Rasenballer geknickt den Neugersdorfer Rasen verließen, war das doch das gar nicht gedacht. Im Vorfeld wurde im RB-Umfeld noch versichert, auch mit dem Anschlussmaterial diese (auch zeitlich) eigentlich ungeliebte Pokalhürde aus dem Weg zu räumen! Zorniger freute sich aber auf diese Begegnung besonders, weil in dieser bisher kaum eingesetzte Akteure sich unter Wettkampfbedingungen präsentieren konnten, was sie durchweg aber nicht taten. Die treuen mitgereisten Fan staunten dabei nicht schlecht, wie willenlos diese als scheinbar nur locker angesehene Trainingseinheit von ihren Jungs abgespult wurde, obwohl schon der Fünftligist (!) vor dem Treffen lautstark ankündigte, alles geben zu wollen, um vielleicht doch die Sensation zu schaffen, die vor einem Jahr mit dem 5:6 (!) nur knapp verpasst wurde!

    Bekanntlich ist das Husarenstück diesmal tatsächlich den Gastgebern gelungen. Die vorzeitigen Verhandlungen von RB mit dem Chemnitzer FC, wo und wann das vermeintliche Pokalendspiel stattfinden soll, waren somit bedeutungslos, wie der hoffnungsvolle Chemnitzer Wunsch, möglichst gegen RB zu spielen, da dann in jedem Fall die Teilnahme am DFB-Pokal gesichert wäre…… Für die wartende Siegprämie hätte sich jede andere Mannschaft förmlich zerfetzt!! Einzigste positive Meldung war der Wiedereinsatz des lange verletzten Torhüters Coltorti.

    Zu diesem insgesamt doch überraschenden blamablen Ausscheiden passt überhaupt nicht die euphorische Nachricht von den bereits im Vorverkauf abgesetzten ca. 10.000 Eintrittskarten für das bevorstehende Heimspiel gegen Darmstadt!

    Bleibt zu hoffen, dass mit einer völlig anderen Einstellung spätestens dann der Hebel zum Guten wieder umgelegt werden kann…..

  2. völlig richtig,
    ein absolut unwichtiges Spiel.
    Warum sich mehr Arbeit aufhalsen als nötig. Hier könnte man auch den Spruch vom Pferdchen, welches nur so hoch springt wie es muss bringen.
    Natürlich sollte sich ach die zweite Reihe zeigen und anbieten. Eventuell sind sie aber auch mit ihrer jetzigen Rolle zufrieden bzw. haben sich damit abgefunden und sehen in dieser Saison keine Chance mehr vorzurücken. Wer weiß, alles nur meine Spekulation.
    Was mich aber freut, die Finalisten müssen sich im Endspiel nun richtig anstrengen und sind nicht automatisch qualifiziert 🙂 hihi. 🙂

    Ich tippe mal darauf, dass es letztlich auch gewollt war auszuscheiden. 😉

  3. Ich habe etwas Bauchkrummeln was Fabio betrifft.
    Meine subjektive Wahrnehmung, Körpersprache ausbaufähig, sehr vorsichtig in seinen Handlungen im Fünfer, hat dem Ball mehrmals hinterhergeschaut, als wenn es ein Täubchen wär.
    Unterm Strich, er ist noch nicht wieder der ALTE.

    Zum Spiel selber, mein Respekt an die tschechische Regionalauswahl Neugersdorf.
    Euer Fight war super. Ein nettes Publikum dazu, gemischt mit ein paar Fans vom Polizeisportverein Dresden, fertig war ein bratwurstfreier und verregneter Fußballabend.

    Welchen Sieger wünsche ich mir im Sachsenpokalfinale?
    Dreimal dürft Ihr raten! 😉

  4. Letztes Jahr war das Pokalfinale übrigens die gelungene Generalprobe zu den Reli-Spielen! Ob das mal ein gutes Omen ist?
    Sportlich ein Offenbarungseid…
    Der zweite Anzug ist einfach zu schwach, das ist der große Unterschied zum FC Bayern „etwas“ weiter oben spielend.
    Ein Dämpfer für das Darmstadt-Finalspiel, was die Euphorie im Umfeld betrifft, so wohl doch nicht „sold out“!
    So macht man sich viele neue „Freunde“, s. Bayern letztes WoE…

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