Effektivitätseinbußen?

Vor dem Münster-Spiel gab es unter Alexander Zorniger genau zwei Spiele, in denen RB Leipzig führte und zum Schluss trotzdem nicht gewann. In 31 Liga- bzw. 37 Pflichtspielen. Einmal in einem ziemlich schlechten Spiel gegen Plauen, als man nach 1:0 zur Pause 1:2 in Rückstand geriet und anschließend in letzter Sekunde noch ein Uentschieden rettete. Und einmal im letzten Regionalligaspiel beim Berliner AK als es um nichts mehr ging. Bei strömendem Regen. Mit einer B-Elf. Beim Tabellenvierten.

Gegen Münster passierte es also erneut, diesmal allerdings unter völlig neuen Voraussetzungen. RB Leipzig war über weite Teile das bessere Team und es ging im Spiel gegen einen der Favoriten der dritten Liga, also in einer Art Spitzenspiel, um einiges. Und trotzdem gab man gleich zweimal eine Führung aus der Hand.

Statistisch gesehen kann man es wohl als Normalfall sehen, dass man irgendwann eben auch mal eine Führung aus der Hand gibt. Wenn man darin mehr sehen will als ein Zufallsereignis, dann kann man als Hypothese zumindest festhalten, dass sich RB Leipzig – nimmt man die Vorbereitungsspiele dazu – im Gegensatz zur vergangenen Saison in diesem Jahr manchmal schwer tut, die eigenen Leistungen auch in entsprechende Resultate umzusetzen.

Als Beispiele aus der Vorbereitung müssen da die Spiele gegen den dänischen Erstligisten HB Køge und Hertha BSC herhalten. Beide Spiele gingen 0:1 verloren. Insbesondere bei ersterem hatte RB unheimlich viele, sehr gute Ballbesitzsituationen in des Gegners Hälfte aus denen man aufgrund von Ungenauigkeiten zu wenig machte. Letztlich investierte man relativ viel in das Spiel gegen den Ball, ohne dabei zählbare Erfolge zu feiern. Gegen Hertha spielte man bis zum Strafraum eine Halbzeit lang enorm gut, aber auch hier versagte man sich den Erfolg, diesmal eher durch fehlende Durchschlagskraft vor dem Tor.

Oder anders: Bei allen nicht gewonnenen Spielen dieser Saison (inklusive Vorbereitung) konnte man beobachten, dass man aus dem Aufwand, den man betreibt und aus den Möglichkeiten, die man hat, zu wenig Ertrag herausholt. Teilweise, weil man den vertikalen Pass als finalen Pass in die Spitze nicht genau genug oder zu überhastet spielt. Teilweise, weil man vor dem Tor die Chancen nicht nutzt. Teilweise, weil man in der Defensivarbeit, in der Kompaktheit oder im Spiel gegen den Ball Aussetzer drin hat, die von höherklassigen Gegnern eben auch bestraft werden. Und wenn Halle eine höherklassige Offensivabteilung gehabt hätte, dann hätte RB Leipzig trotz besserer Mannschaftsleistung und trotz Aufwand letztlich auch im Drittligaauftaktmatch keine drei Punkte mitgenommen.

Klar, vier Punkte aus den zwei Auftaktspielen sind völlig ok. Und das Jammern über die verlorenen zwei Münster-Punkte demnach Jammern auf sehr hohem Niveau. Trotzdem scheint so ein wenig die letztjährige Leichtigkeit verloren gegangen zu sein, mit der man notfalls in den Schlussminuten den Ausgleich schoss, auch wenn man vorher das schlechtere Team war und eben fünf Tore austeilte, wenn der Gegner meinte drei schießen zu müssen.

Klar, man soll Ligen nicht miteinander vergleichen, aber im vergangenen Jahr ist man – soweit ich mich erinnere – auch immer als Sieger vom Platz gegangen, wenn man denn das bessere Team war. Münster war in diesem Sinne eine ziemlich neue Erfahrung. Und es bleibt ein wenig die offene Frage, ob man über die Sommerpause ein wenig Effektivität eingebüßt hat und das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen schlechter wurde oder ob das schlicht Anpassungsleistungen einer Regionalligaelf (ohne höherklassig erfahrene Neuzugänge) an die neue Liga mit Gegnern mit größerer individueller Klasse und Fitness sind. Und angesichts des frühen Saisonzeitpunkts darf man diese Beobachtungen sowieso nur als Gedankenanregungen und nicht als finale Weisheiten sehen.

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7 Gedanken zu „Effektivitätseinbußen?“

  1. Interessante Theorie, aber in diesem Falle sehe ich das ganz anders. Die Leistungsdichte ist sehr hoch und das Talent auf dem Platz ist spürbar besser als noch vor 8 Wochen. Mit „Talent“ meine ich hier nicht Potential, sondern sichtbare Qualität – beim Zuspiel, beim Gegenpressing, im Zweikampf und beim Ball Handling.
    Letztes Jahr hatten wir es teils mit Gegnern zu tun, die mit trotz aller Motivation den „Krösus“ der Liga zu schlagen manchmal einfach nicht genug Spielstärke aufbringen konnte RBL wirklich weh zu tun. Durch den Weggang (bzw. Aufstieg) von Halle im Jahr davor und die Umstellung der Liga war die NO_Regionalliga spürbar abgesackt.
    Die Testspiele sehe ich ein wenig durch die Löw-sche Brille: lieber viel ausprobieren – auch wenn man mal eine Schlappe riskiert – um dann im Ernstfall alles schon mal gesehen zu haben. In der Nationalmannschaft geht das trotzdem aus Vielerlei Gründen nicht auf, aber ich glaube bei RB muss man sich noch um die Effektivität keine Sorgen machen. Zumindest noch nicht…

  2. Auch ich muss dir widersprechen. Ich bin nicht der Meinung, dass man nach 2 Spieltagen und einpaar mehr oder minder experimentellen Testspielen von Effektivitätsverlust im Sturm sprechen kann.

    Klar, hätte man eine Chance mehr genutzt hätten wir wahrscheinlich gewonnen, vielleicht aber auch nicht. Ich bin der Meinung, dass man Münster über 75 Minuten an die Wand gespielt hat, mit vielen vielen guten Aktionen und einem tollen Pressing. Das führte letztlich auch dazu das Münster genau 2 Torchancen hatte. Das erste Tor, würde ich noch nicht mal einen Fehler der IV’s unterstellen wollen. Das der Ball von Willers Fuß beim Klärungsversuch unglücklich abspringt, das ist wohl Gottes Fügung.

    Das zweite Tor, da hat man ganz klar gepennt.

    Trotzdem war dieses Spiel eines der stärksten unserer Mannschaft, weil eben auch der Gegner eine hohe Qualität hatte und eigentlich auch alles soweit zusammen lief was zusammen laufen muss um Erfolg zu haben. Das am Ende 2 Bälle im eigenen Netz zappeln ist super ärgerlich, passiert aber auch den besten Mannschaften mal, wenn man so brutal nach vorne investiert. 2 Tore gegen eine solche Mannschaft wie Münster muss auch die stärkste Mannschaft erstmal unter bringen.

    Die Spielweise jedenfalls hat mir ein Lachen auf die Lippen gezaubert.

    1. Der Blogeintrag ist ja auch bewusst mit einem Fragezeichen versehen, daraus lese ich, dass auch der Blogger hier und da Argumente gesucht hat und nicht die Effektivitätseinbußen festgestellt hat.

      Allerdings finde ich, dass wir Münster nicht gegen die Wand gespielt haben. In mehreren Situationen ging mir ganz schön die Pumpe. Viel entscheidender als meine Pumpe ist an der Stelle aber die Fehlpassquote gerade im Mittelfeld und gerade in der ersten Halbzeit. Stockflecken, Pässe in den Rücken oder gegen den Lauf des Mitspielers, zu schwache Abgaben oder einfach nur ein Pass ins Nirgendwo; genau das spricht für mich gegen eine wie von dir angedeutete Überlegenheit. Die war so nicht da meiner Meinung nach.
      Poulsen tut mir fast schon ein bißchen leid, seine Effektivität kratzt im offiziell sichtbaren Bereich, also in Pflichtspielen, noch arg an einem Durchbruch :-).

  3. Um das mal deutlich zu sagen. Ich finde die auf dem Platz sichtbare Qualität auch noch mal deutlich erhöht im Vergleich zum Vorjahr und fand insbesondere den Auftritt gegen Münster sehr gut und völlig überzeugend. Hier sind wir uns also einig.

    Dass man gegen Münster zum ersten Mal unter Zorniger zweimal eine Führung aus der Hand gab, kann Zufall gewesen sein, wie @Mölkau meint und ich ja im Artikel auch als Möglichkeit andeute oder es steckt doch ein bisschen mehr dahinter. Und ich finde eben, dass einige der letzten Spiele – inklusive Vorbereitung – auch die Interpretation ermöglichen, dass man nicht mit dem selben Selbstverständnis und der selben Effektivität aus dem eigenen Spiel entsprechende Ergebnisse zaubert, wie man das letztes Jahr noch gemacht hat. Klar, Münster ist auch ein anderes Kaliber, aber ich glaube, wenn dieses Spiel mit dieser Überlegenheit so in einem halben oder ganzen Jahr mit einer Halb- oder ganzen Serie Drittligaerfahrung stattgefunden hätte, wäre RB als Sieger vom Platz gegangen. Hätte ich mit meiner Ansicht recht (was ich natürlich nicht beweisen kann), dann wäre zumindest die Zufallstheorie zurückzuweisen.

  4. Ich frag mal ganz naiv…
    Ist denn der Aufwand wirklich höher als in vergangenen spielzeiten?
    Oder dichten wir dem aktuellen aufwand mehr bedeutung an, da er ja nun von zorniger und seinem team deutlicher kommuniziert wird.
    Ich fordere euch mit dieser Frage nicht heraus, mir zu erklären, dass ein Gegenpressing laufintensiv etc ist…das ist mir durchaus bewusst.

    Aber wenn man sich die frage nach effektivitätseinbußen bei diesem aufwand stellt, sollte mir die gegenfrage ruhig mal zugestanden werden.

    Vielmehr möchte ich daran erinnern, dass zB Röttger unter Pacult einen wahnsinnigen aufwand betrieb um RB überhaupt im mittelfeld torgefährlich wirken zu lassen.
    Das allerdings war wohl eher dem mangel an taktischen vorgaben geschuldet, als seinem willen einen aufwand den taktischen vorgaben entsprechend zu betreiben.

    ich stell einfach mal die frage in den raum…

    ist jetzt nur die vorgabe ein gegenpressing zu spielen, und es umzusetzen automatisch ein Beweis dafür, dass vorher(zB unter pacult) weniger aufwand betrieben wurde, wenn doch in einem an taktischen varianten armen team(unter pacult) das indivuum zwangsläufig zu mehr aufwand aufgerufen wurde, da es ja quasi keinen oder sehr begrenzten schlachtplan hatte?
    Aufwendiges System vs. Mehraufwand einzelner Individuen?!

    Ich würde ja behaupten, dass wir in preußen nur deshalb keine punkte mitgenommen haben, weil wir beim 1:1 pech hatten…und beim 2:2 Jung hatten…
    Wobei Jung heißt jetzt einfach mal „willers, Poulsen und Jung“ die in meinen augen alle 3 noch nicht im teamfluss sind…

  5. Ganz ehrlich, ich bin ein großer Freund von Theorien und unser rotebrauseblogger bringt sie mit viel Sachverstand so an den Mann, dass es zumindest für mich eine große Freude ist immer wieder den Blog zu lesen.
    Aber Ihr wart doch auch im Stadion, oder? Meint Ihr nicht, dass bei den Temperaturen auch die eine oder andere Unkonzentriertheit zum Tragen kommt? Eine Mannschaft, die bei solchen Bedingungen sowohl die nötige Fitness als auch die taktische Diszipliniertheit über 90 Minuten hält, ist in der dritten Liga wohl nicht zu erwarten. Ich jedenfalls denke, das man dieses Spiel wohl kaum als Grundlage für solche Thesen nehmen kann; von Effektivitätseinbußen kann wohl keine Rede sein. Beide Mannschaften haben toll gekämpft – RESPEKT!

  6. Ich greife mal auf was RB72 hier sagt – absolut richtig und ein Punkt, den ich eigentlich schon in meinem ersten Post anbringen wollte.
    Ich greife mal 4-5 Monate zurück in die Schlechtwetter-Depressionsphase wo ausser RB fast kein Regionalliga-Team seine Spiele austragen konnte. Da gab es teils grottenschlechte Spiele, weil – aufgrund der dominanten Ligaposition und des sich steig ausweitenden Vorsprungs (die anderen haben alle einfach nicht spielen können) so ein wenig die Luft raus schien.
    Dennoch war man „effektiv“ genug um zumindest nicht zu verlieren – auch wenn man manchmal mit gesenktem Kopf aus dem Stadion geschlappt ist.

    Mehr war es aber auch nicht. Von daher sehe ich die Umstände – Hitzeschlacht, ein Abpraller und einmal gepennt – durch eine ähnliche Brille. Wie ich schon in einem anderen Post zum Besten gab – selbst die B-Kurve hat beim ersten Heimspiel spürbar lascher gewirkt.
    Ich schreibe deshalb in meinem Buch den 40-Grad (auf dem Rasen) Tag im Juli als ein ordentliches, aber etwas irreguläres Spiel, ab.

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