Eisern englisch?

[ Update: Gespielt wird nach heutiger Entscheidung am Bruno-Bürgel-Weg auf Kunstrasen. Interessante Entscheidung im Sinne des Sports. Dass dort vermutlich unter Sicherheitsgesichtspunkten nicht alles perfekt ist, hat der Verband angesichts der Terminnot offenbar in Kauf genommen.]

(Unwahrscheinlich, dass das Spiel von RB Leipzig bei Union Berlin angepfiffen wird. Dass das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion bei den örtlichen Behörden (das Gelände gehört dem Land Berlin) als zu beräumendes Stadion auf der Prioritätenliste ganz oben steht, ist nicht zu vermuten. Falls der Verein nicht doch noch in Erwägung zieht, in das Stadion der Profis An der Alten Försterei umzuziehen, dürfte es mehr als eng werden mit der Spielaustragung. Dass der Verein diese Variante offenbar nicht in Erwägung zieht, kann man – trotz möglicherweise höherer Kosten – auch als ziemliche Missachtung der U23 interpretieren, denn angesichts des praktisch nicht mehr bewältigbaren Nachhole- und Restprogramms müsste man doch langsam am Punkt sein, ALLE möglichen Hebel inklusive der Alten Försterei in Bewegung zu setzen, um Spielaustragungen zu gewährleisten. Aber wie heißt es so (un)schön? Steckste nicht drin.. Da bisher keine Absage kam hier trotzdem schon mal der Vorbericht.)

Neuer Mittwoch, neues Glück. In Form des erneuten Versuchs, ein paar Spiele im völlig vom Winter durcheinander gewirbelten Spielplan der Regionalliga Nordost aufzuholen. Da Jena kein Nachholespiel bestreitet, könnte RB Leipzig den Vorsprung auf den einzigen Konkurrenten im Kampf um den Relegationsplatz (es hat kein anderes Team eine Regionalligalizenz beantragt) ausbauen. Und zwar in der aktuell wichtigsten Kategorie auf fünf Spiele. Fünf Spiele mehr würde RB Leipzig nach dem Spiel bei Union II auf dem Konto haben als Carl Zeiss Jena. Die Regionalliga Nordost fühlt sich schon lange nicht mehr wie ein Wettbewerb an, weil es keine parallelen Spiele imt dem Konkurrenten aus Jena gibt. Was jammerschade ist.

Neben den Spielplanfakten könnte RB Leipzig natürlich auch punktetechnisch weiter vorlegen. Alle Punkte, die die RasenBallsportler jetzt an Vorsprung sammeln, müsste man in Jena in den Nachholespielen erst mal mühsam wieder aufholen. Ernsthaft dran glauben tut wohl niemand, dass Jena aus möglichen 22 Punkten Rückstand nach dem RB-Ausflug nach Berlin in fünf Nachholern sieben machen kann. Und selbst wenn blieben dann nur neun Spiele um die anderen Punkte aufzuholen. Man lehnt sich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man dies als sehr unwahrscheinliches Szenario empfindet.


Doch noch sind die Punkte aus dem Spiel bei Union Berlin II nicht verteilt und freiwillig werden sie nicht übergeben werden. Zumal mit dem Spiel bei Union Berlin II ein Aufeinandertreffen wartet, das quasi die imagetechnischen Antipoden des Fußballs in seiner aktuellen Form zusammenführt. Auf der einen Seite die Story vom Verein, der durch das Herzblut seiner Mitglieder existiert, ein Herzblut das sich in einem umgebauten Stadion manifestiert und auch ein Verein, der sich mit Widerworten gegen DFL- oder DFB-Beschlüsse zum Beispiel in der Debatte um die Sicherheit im Stadion einen Namen gemacht und viel Anerkennung verschafft hat.

Auf der anderen Seite steht mit RB Leipzig das von vielen und vor allem auch der Union-Führung so wahrgenommene Gegenprinzip des modernen Fußballs, das mit seinem Geld und seinen priorisierten Marketingzielen die Grundlagen des Sports zerstört oder wie Union-Präsident Zingler einmal meinte „den Sport ad Absurdum führt“ (zu diesem Thema gab es hier im Blog vor einiger Zeit eine sehr interessante Diskussion in den Kommentaren zu einem entsprechenden Artikel).

Diese Stilisierungen nach Art von Gut gegen Böse mögen inhaltlich falsch sein und sicherlich auch nicht von jedem getragen werden, schon gar nicht in den ganz extrem polarisierenden Versionen. Dass ein Kern dieser Stilisierung aber auch Anlass für besondere Motiviertheit der Akteure von Union Berlin auf und abseits des Rasens ist, sollte man nicht bestreiten wollen. Und so wird es auch morgen alles andere als eine Kaffeefahrt, wenn RB Leipzig in Berlin auf die U23 von Union trifft.

Schon im Hinspiel hatten die Hauptstädter, die inzwischen als Tabellenfünfzehnter auf einem Abstiegsplatz stehen und jeden Punkt brauchen, um mit den Konkurrenten Lok und Cottbus II mitzuhalten, gezeigt, dass sie dem großen Favoriten entgegen der allgemeinen Erwartung Paroli bieten können. Was damals aber alles in allem auch nicht an überragenden Gästen, sondern an ziemlich schwachen RasenBallsportlern lag, die sich in einem 4-4-2 quälten, das zu jenen Zeiten nicht zu 100% zu ihnen passte. Und natürlich an einem Stefan Kutschke, der zum Saisonauftakt gegen Union eine ziemlich sinnlose (strittige, aber vertretbare) Gelb-Rote-Karte sah.

Im Nachhinein ging dieses Spiel auf Seiten von RB Leipzig als Startschwierigkeit durch, während es bei Union bis zum achten Spieltag dauerte, bis man bei Lok Leipzig mit 5:0 die eigene sportliche Depression nach Leipzig weiterreichte. Zwischen den Spieltagen 8 und 13 holte Union Berlin II gute neun Punkte und verschaffte sich etwas Luft im Abstiegskampf.

Aus der Winterpause sind sie aber nicht sonderlich gut gekommen. Aus drei Spielen konnte man lediglich einen Punkt mitnehmen. Insbesondere die 1:4-Auswärtspleite beim direkten Abstiegskonkurrenten Energie Cottbus II dürfte ziemlich geschmerzt haben. Doch aus der Ruhe bringen lässt man sich davon nicht. Während anderswo dann schon mal verstärkt Profis aus dem Anschlusskader des Bundesligisten auflaufen, schickte Union bei der TSG Neustrelitz drei A-Jugendliche auf den Platz. Und holte sich ein 0:0. Das befreit immer noch nicht von Abstiegsangst, ist aber alles in allem ein achtbares Resultat.

Für RB Leipzig geht es in Berlin darum, drei Punkte für die Meisterschaft mitzunehmen. Nach dem 0:0 in Meuselwitz täte ein Sieg sehr gut. Zumal die RasenBallsportler wohl nicht zweimal hintereinander gegen den Union-Nachwuchs sieglos bleiben und im dritten Auswärtsspiel der Rückrunde sicherlich mal wieder die volle Punktzahl mitnehmen wollen.

Das wird sicherlich kein Selbstläufer, zumal wenn man auf einem schwer zu bespielenden Untergrund antreten sollte. Die kompakt-robuste Gegenwehr, wie man sie in den bisherigen Spielen gegen bspw. Neustrelitz, BAK, Halberstadt und Meuselwitz kennenlernte, sollte es allerdings nicht geben.

Auf Seiten der U23 von Union Berlin kann man gut ausgebildete Fußballer in einer taktisch angemessenen Grundstruktur erwarten, also eine Mannschaft, die eine Idee hat vom Fußballspielen. Aber dieses Struktur wird dann eben doch von noch nicht ganz fertigen und nicht typisch regionalligarobusten Spielern ausgefüllt. Falls die Bodenverhältnisse einen spielerischen Ansatz zulassen, könnte das neben anderem durchaus für RB Leipzig sprechen.

In Bezug auf die Aufstellung wird wieder viel von den Bedingungen abhängen. Sind spielerische Momente gefragt, sollte Carsten Kammlott wieder in die Startelf  rutschen. Braucht man eher die Lutfvariante, dann wäre wohl Stefan Kutschke nach seinem überzeugenden Auftritt in Meuselwitz ziemlich sicher erste Wahl.

Nicht unwahrscheinlich erscheint, dass Jeremy Karikari aus der Startelf rutscht. Nicht weil er zuletzt enttäuscht hätte, sondern vor allem weil Dominik Kaiser in Meuselwitz aufblühte als er nach Karikaris Auswechslung auf die Position der zentralen Sechs rutschte. Das ist einfach seine perfekte Postition. Neben Kaiser würde man sich dann für die zwei Außenpositionen wohl zwischen Schulz, Fandrich, Röttger, Morys und vielleicht ja auch mal wieder Heidinger entscheiden müssen. Bleibt Karikari draußen, würde ich Schulz als gesetzt ansehen und die zweite Position als offen.

Offen bliebe noch die Position hinten rechts. Hier ist die Frage, ob Christian Müller (dessen Abwesenheit man doch deutlich merkt) wieder fit ist. Ansonsten dürfte wohl Juri Judt erneut probieren, ob er ein guter Ersatzmann sein kann.

Würde dann alles in allem folgendes machen: Coltorti – Judt (Müller), Hoheneder, Sebastian, Franke – Fandrich (Röttger), Kaiser, Schulz – Rockenbach – Kammlott (Kutschke), Frahn. Aber aufstellen wird Alexander Zorniger und das nicht unbedingt nach den hier getätigten Überlegungen.

Fazit: Die mögliche Fahrt zum Tabellenvorletzten als Teil der englischen Woche muss man sich natürlich nicht künstlich zum schwierigsten Spiel des Jahres hochjazzen. Trotzdem wird man die drei Punkte nicht auf dem Ersatzrad einfahren. Denn motiviert dürften die Gastgeber sein und Fußballspielen können sie, wenn man sie lässt. Wie man nicht zuletzt am ersten Spieltag in der Red Bull Arena sehen konnte. Trotzdem, das Spiel gehört sicherlich in die Kategorie der Spiele, die man angesichts der Kräfteverhältnisse und der Saisonziele gewinnen sollte. Wenn man denn einen bespielbaren Platz in Berlin finden sollte.

(Wer das Spiel von RB Leipzig bei Union Berlin II nicht vor Ort verfolgen kann und trotzdem dabei sein will, nutze am 03.04.2013, ab 17.30 Uhr die üblichen Kanäle, also Liveticker [broken Link] und Fanradio.)

——————————————————————————

Bisherige Duelle RB Leipzig gegen 1. FC Union Berlin II

12.08.2012: RB Leipzig vs. 1.FC Union Berlin II  1:1

Flattr this!

5 Gedanken zu „Eisern englisch?“

  1. FYI:
    das Nachholspiel der U23 des 1. FC Union Berlin gegen RasenBall Leipzig findet am Mittwoch, den 03.04.2013 um 17:30 Uhr auf dem Kunstrasen am Bruno-Bürgel-Weg 63 (12439 Berlin)

    🙂 na da bin ich ja mal gespannt…

  2. Laut Info von Union kann im Profi-Stadion nicht gespielt werden, weil dort Bauarbeiten sind und es großer Vorbereitungen bedürfe, diese zu stoppen, das Gelände zu sichern etc.

    1. Deswegen spielt auch LOK 4 Tage später in der Alten Försterei…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.