Testspiel: RB Leipzig vs. SG LVB 7:0

Gestern also Testspielauftakt für RB Leipzig. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Vorbereitung natürlicherweise gegen einen unterklassigen Gegner. Zu Gast am Cottaweg war erstmals Siebt-, also Bezirksligist SG LVB, benannt nach den hiesigen Verkehrsbetrieben. Quasi das stadtinterne Werksduell.

Fast schon traditionellerweise für Winterpausentestspiele am Cottaweg wurde das Spiel bei ungemütlichen Frosttemperaturen ausgetragen. Temperaturen, bei denen man die Wahl der kurzen Hosen seitens der Schiedsrichterassistenten doch als gewagt empfinden musste. Zumal ihre bewegungsintensivste Beschäftigung für 90 Minuten das Anzeigen von Abseitsstellungen der RasenBallsportler war. Vor allem in den ersten 45 Minuten, als gefühlt jeder zweite Angriff im Abseits landete.

Das Testspiel von RB Leipzig schloss sich direkt an ein kurzes, bewegungsintensives und ballfernes Trainingslager in Oberwiesenthal an, bei dem unter anderem Biathlon im Selbstversuch getestet wurde. Dass einige RasenBallsportler jetzt noch mal kurzfristig die Sportart wechseln, ist aber unwahrscheinlich.. Wahrscheinlich ist hingegen, dass die Spieler nach diesen intensiven Trainingstagen ordentlich platt waren. Weswegen der Test gegen die SG LVB bei standesgemäßem Ergebnis nicht überbewertet werden sollte. Das Spiel war letztlich eine zusätzliche Lauftrainingseinheit mit Ball und Gegner, eine Einheit bei der man noch einmal auf spielerischem Wege Belastung aufbaut.

In diesem Sinne war es sicherlich ein gelungener Test, denn neben viel Bewegung und Toren blieben alle Spieler gesund. Schade allerdings, dass schon vor dem Spiel ein paar Spieler aus gesundheitlichen passen mussten. Neben dem als verletzt bekannten Mittelfeldkopf Dominik Kaiser traf es auch Sebastian Heidinger, Jeremy Karikari und Neuzugang Clemens Fandrich mit kleineren Verletzungen. Gerade bei letzterem war dies schade, da man natürlich darauf gespannt war, wie er sich in die Mannschaft einfügen würde. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben..

Durch die Ausfälle blieben nur noch 18 Spieler aus dem Profikader übrig. Da in dieser Phase der Vorbereitung in der Halbzeit eigentlich immer komplett durchgetauscht wird, fehlten also noch zwei Feldspieler. Den einen Posten übernahm der sowieso schon bei den Profis mittrainierende, 19jährige Nachwuchsmann Michael Schlicht, der auf der Position links in der Mittelfelddreiherreihe eine sehr engagierte und spielstarke Leistung ablieferte. Schade, dass er sich dafür nicht mit einem Tor belohnte, sondern sein Schuss kurz vor Schluss an den Pfosten klatschte. Den zweiten vakanten Posten übernahm Timo Röttger, der damit als einziger Spieler 90 Minuten auf dem Platz stehen durfte/ musste.

Beobachten konnte man im Gegensatz zu Clemens Fandrich den zweiten Neuzugang Matthias Morys, der im Angriff vor allem mit seinen schnellen Antritten auffiel. Es fehlte noch am Zusammenspiel mit Sturmpartner Stefan Kutschke (der nach Verletzung auch wieder dabei war), aber es war schon deutlich zu sehen, dass sich RB Leipzig mit Morys einen sehr flexiblen Stürmer geangelt hat, der auch immer wieder über die Außenpositionen in den Strafraum eindringt. Wenn die letzten Pässe noch besser werden, kann das sehr stark werden.

Interessanterweise traf aber von allen Stürmern nur Carsten Kammlott. Und der gleich dreimal, teilweise wunderschön. Morys, Kutschke und Frahn gingen dagegen leer aus. Wenn bei Kammlott auch noch der Knoten platzen sollte (wobei Testspieltore noch keine Schlussfolgerungen für die Pflichtspiele zulassen), dann wird es im Sturm ganz schön eng werden. Aber vielleicht überlegt sich ja Alexander Zorniger noch ein geschmeidiges System mit vier Stürmern..

Eng wird es auch auf der Torhüterpostion (zumindest hinter der Nummer 1 Fabio Coltorti), wo RB Leipzig im Moment gleich fünf Keeper unter Vertrag hat. Wovon gestern nur zwei spielen konnten. Dass dies mit dem wiedergenesenen Benjamin Bellot und Erik Domaschke die etatmäßigen Keeper 2 und 3 waren, könnte man als Indiz nehmen, dass zwischen den beiden doch noch mal ein Kampf um die Nummer 2 ausgelobt wurde. Vielleicht war es in der Konstellation aber auch nur Zufall.

Bliebe noch das Spielsystem zu erwähnen, bei dem sich Alexander Zorniger im Vergleich zur Hinserie treu blieb und weiter auf das 4-3-1-2 setzte. Da bisher die Arbeit mit dem Ball auch noch nicht im Mittelpunkt stand, sind eventuelle Abweichungen davon auch erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Vorbereitung zu erwarten. Da systemtechnisch alles beim alten blieb, gab es auch keine Überraschungen bei der Besetzung der einzelnen Positionen.

Die zentrale Sechs besetzten aufgrund der Kaiser-Abwesenheit Henrik Ernst und Bastians Schulz. Beide machten das ordentlich. Ersterer mit etwas mehr Dynamik, zweiterer mit etwas mehr Überblick. Man merkt aber trotzdem deutlich, dass Kaier auf dieser Position in einer anderen Liga spielt. Matthias Morys ordnete sich derweil im Sturm ein und nicht wie in anderen Systemen möglich auf Linksaußen. Michael Schlicht agierte wie beschrieben links in der Mittelfeldkette. Und der auch wiedergenesene Tom Nattermann spielte für den verletzten Clemens Fandrich auf der 10 hinter den Spitzen. Wobei er dort auch immer mal mit Carsten Kammlott tauschte, wenn der sich aus seiner Sturmrolle zurückfallen ließ.

Es wird spannend, wie es mit Taktik und den Stammplätzen weitergeht. Die Möglichkeit, den nächsten Schritt zu beobachten, ergibt sich am kommenden Wochenende. Für das waren eigentlich jeweils am Samstag und am Sonntag (14 Uhr) Spiele geplant. Da der samstägliche Gegner Nürnberg II (und halbjährlich grüßt das Murmeltier) aber aus ideologischen Gründen abgesagt hat (zwei, drei Gedanken dazu habe ich bereits vorgestern drüben bei Google+ geäußert), bleibt aktuell nur der interessante Sonntagskick gegen den West-Regionalligisten SC Verl übrig. Nach Vereinsangaben soll für das Nürnberg-Spiel noch kurzfristig Ersatz organisiert werden. Mal gucken. Lok wird es sicherlich nicht werden..

Fazit: Es war ein gelungener Start ins neue Jahr, bei dem es eher darum ging, sich zu zeigen und zu bewegen, als bereits final perfekt zu spielen. Trotzdem waren bereits einige gute Ideen und Spielzüge zu sehen. Dazu war insbesondere in Halbzeit 2 sehr viel Engagement in der Balljagd und viel Zug zum Tor im Spiel. Schön, dass es wieder ein wenig Fußball gibt, auch wenn es ’nur‘ Testspiele sind. Und schön auch, dass das mal wieder die Möglichkeit gibt, den gesamten Kader zu beobachten.

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Tore: 1:0 Rockenbach (5.), 2:0 Rockenbach (36.), 3:0 Kammlott (56.), 4:0 Hoheneder (66.), 5:0 Kammlott (69.), 6:0 Kammlott (75.), 7:0 Hoheneder (79.)

Aufstellung 1. Hälfte: Bellot – Müller, Sebastian, Franke, Kocin – Röttger, Ernst, Schinke – Rockenbach – Morys, Kutschke

Aufstellung 2. Hälfte: Domaschke – Koronkiewicz, Hoheneder, Hoffmann, Judt – Röttger, Schulz, Schlicht – Nattermann – Kammlott, Frahn

Zuschauer: ca. 600 im Trainingszentrum am Cottaweg

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht

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4 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. SG LVB 7:0“

  1. …. ich glaube unsere Jungs waren einige der wenigen, die nicht unbedingt nächste Woche gleich wieder nach O-thal wolllen…. 🙂

    Hast du eigentlich statistische Werte zur Trefferquote der „potentiellen Stürmer“ im Vergleich Test- zu Pflichtspielen? Irgendwie ist Kammlott in den Testspielen immer treffsicherer… kann jetzt m.E. aber auch daran liegen, das die Testspiele noch im Transferfenster liegen….

  2. Du hättest dann also gern die Testspiele noch danach auseinanderklamüsert, ob sie in der Transferperiode lagen oder außerhalb. Grundsätzlich aber eine interessante Frage, zu der ich aus dem Stand keine Daten habe. Aber mir vorstellen kann, mich dem noch mal zu widmen..

    1. …. naja nicht ganz… 🙂 – oder wenn ich es recht überdenke – was beflügelt einen Spieler mehr – wenn er noch einen neuen Verein sucht, wenn er einen 5 Jahresvertrag sicher hat, oder wenn das Transferfenster schliesst und kein weiterer Konkurrent gekommen ist…. Bitte übermittel deiner Familie schonmal vorab meine Entschuldigung… 🙂

  3. Ich beneide dich um deine gute Sicht auf die Dinge auf dem Spielfeld am Sonntag 😉
    Leiter mitschleppen ist eher unpraktisch, also muss ich doch noch wachsen…

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