Quergestelltes

Jürgen Kasek, Vorstandsmitglied des Leipziger BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) gibt der L-IZ ein Interview [broken Link], das sich um den Bau des RasenBallsport-Trainingsgeländes am Cottaweg dreht. Tenor: Wir fordern ein transparentes (Bau)Verfahren mit dem Ziel der Stärkung des Auenwaldes, ansonsten stellen wir uns quer.

Wohlwollend bemerkenswert an dem Interview ist die Tatsache, dass es sich tatsächlich ausschließlich um (vor allem umweltbezogene) stadtplanerische Aspekte und die Perspektiven am Cottaweg an sich dreht. Kein unnötiges Spekulieren über (unlautere oder nicht) Motive des Investors, sondern klare Positionen zu den Zielen eines Bauverfahrens am Cottaweg aus der Sicht des BUND. Inklusive der spannenden Frage, inwiefern das Areal am Cottaweg als Teil des zu schützenden und insbesondere an dieser Stelle zu stärkenden Auenwaldes oder eher als Teil eines zur Red Bull Arena gehörenden Sportkomplexes zu verstehen ist. Die RasenBallsport-Verantwortlichen sehen die Planung des zweiten Bauabschnitt ab 2012 als ergebnisoffenes Projekt und genau die Fragen, die auch von Jürgen Kasek gestellt werden, werden die aus umweltschützerischer Sicht zu beantwortenden Fragen sein.

Was ich an Institutionen wie dem BUND hingegen schräg finde, ist ihre Blockier-Protest-Attitüde. Jenseits des Argumentierens für eine bestimmte Sache gibt es immer die Idee, dass eine diskursive Niederlage gleichbedeutend sein kann mit dem kindlich-bockigen Querstellen (in welcher praktischen Form auch immer). ‚Wir werden uns querstellen‘ ist die trotzige Drohung, die das rationale Verhandeln schon von vornherein begleitet. Was gäbe es für einen Aufstand würde Red Bull mit einem ähnlich drohenden ‚Wir werden in jedem Fall nach unseren Wünschen bauen‘ kontern und was ist eigentlich genau die legitimierende Grundlage der BUND-Drohung?

Demokratische Auseinandersetzung und Entscheidungsfindung funktioniert auf der Basis der Beantwortung der auch vom BUND aufgeworfenen Fragen. Ergebnisoffen heißt dabei, dass vermutlich auf verschiedenen Seiten Abstriche gemacht werden müssen. Wer darin nicht tolerierbare Verletzungen welcher Interessen und Rechte auch immer sieht, wird (ich schrieb dies schon mal im Zuge des städtischen Abnickens des Aufstellungsbeschlusses) den Klageweg beschreiten müssen. Das gilt für den BUND genauso, wie für alle anderen Parteien. Schon von vornherein mit Blockadeprotest zu drohen, ist dabei vor dem Hintergrund des im Osten Deutschlands wenig verbreiteten Umweltbewusstseins nicht nur zu vermutende hohle Phrase, sondern darüber hinaus schlechter Stil.

Flattr this!

2 Gedanken zu „Quergestelltes“

  1. „Andernfalls werden wir uns querstellen“ – mehr sagt er nicht. Kein Wort über die Wahl der Mittel.

    Und wenn du dir Bauprojekte in Deutschland anschaust, ist eine Klage häufig nichts anderes als eine Blockade für die Bauarbeiten.

    Der BUND macht einfach, was er sich auf die Fahne geschrieben hat und wirft zeitig ein Auge auf Planung und Bauarbeiten. Mit einem Blick auf die unrechtmäßig gefällten Bäume beim Bau der RB-Academy in Salzburg keine Überraschung, oder?
    Siehe auch: [broken Link]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.