Volker Rehboldt macht den Watzke

Nachdem die Rolle FC Bayern des Ostens an RasenBallsport Leipzig vergeben scheint, macht sich der Präsident des 1.FC Magdeburg Volker Rehboldt daran, den Hans-Joachim Watzke des Ostens zu geben. Watzke, seines Zeichens Wegbegleiter und Verhinderer der Dortmunder (Beinahe-)Insolvenz vor einigen Jahren übt sich in regelmäßigen Abständen in mehr oder weniger gelungenen Ausfällen gegen finanzstarke Konkurrenten wie Hoffenheim oder RasenBallsport Leipzig. Watzke ist auch derjenige, der als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA und der BVB Stadion Holding GmbH (ja, Wiki-Wissen) den großartigen Satz kreierte „Ein Klub soll nicht wie ein Konzern geführt werden.“ Ah ja.

Nun also Volker Rehboldt, dem in der Volksstimme (vom 08.09.2010) (broken Link) unter dem Titel „Rehboldt übt scharfe Kritik am ‚Modell RB’“ eine Stimme gegeben wird:

Es ist der völlig falsche Weg. Mit seinen fünf Fußball-Standbeinen in Brasilien, Ghana, New York, Salzburg und jetzt Leipzig grenzt sich RB total aus, schafft sich seine eigene Welt.

Falsch, Red Bull Soccer schafft sich eine globale Infrastruktur. Während andere Vereine Kooperationsvereinbarungen abschließen, Nachwuchscamps irgendwo in die europäische Pampa setzen und ihre Scouts rund um den Erdball schicken, um die Talente aus Afrika oder Südamerika dann in die europäischen Camps zu bringen, arbeitet Red Bull an Akademien, die sich vor Ort etablieren sollen und Talente erst nach Europa bringen, wenn sie bereits in der Heimat ausgebildet wurden. Was gerade für Jugendliche unterhalb der 18 sicher nicht nur von Nachteil ist.

Ferner glaube ich an erhebliche Probleme bei der ,50+1‘-Regel. Wenn es mit den Aufstiegen klappt, und daran zweifle ich nicht, hätte man diesen Grundsatz komplett ausgehebelt und eine Situation geschaffen, die rein vom unternehmerischen Anspruch dominiert wird.

Die 50+1-Regel ist de facto schon sehr lange ein zahnloser Tiger und juristisch und aus anderen Gründen zweifelhaft. Dass sich die deutsche Fußballlandschaft aber einer offenen Diskussion der 50+1-Regel verschließt, sondern lieber beharrlich eine nicht funktionierende Regel schützt, kann man nicht RasenBallsport Leipzig vorwerfen, die gegen die 50+1-Regel formal nicht verstoßen. Und ganz nebenbei: jeder Klub, der ein Profiklub sein will oder gar schon ist, wird in seiner Geschäftsführung vom unternehmerischen Anspruch dominiert. Wer dies nicht macht, ist schneller insolvent als man gucken kann. Und die wirtschaftliche Geschäftsführung ändert nichts an der Notwendigkeit der Leidenschaft in Bezug auf das Spiel.

Angesprochen auf das Argument Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg seien RB Leipzig ähnlich:

Das ist mitnichten so! Alle drei Bundesligisten arbeiten mit einem vernünftigen Nachwuchskonzept, haben auf unterschiedliche Art Tradition und sind mit ihren Sponsoren lange verknüpft.

1. Alle Vereine in Deutschland (bis zu einer bestimmten Ligastufe – Oberliga? Landesliga?) haben durch die Teilnahme am Spielbetrieb die Verpflichtung übernommen, Jugendarbeit zu leisten. Alle Profiklubs müssen gar ein Nachwuchsleistungszentrum betreiben. Und RasenBallsport Leipzig plant derzeit ein 30-Millionen-Trainingszentrum. Auch und gerade für die Jugend. Und ganz nebenbei: gute oder schlechte Jugendarbeit ist meiner Meinung nach kein endgültiges Kriterium, um die Qualität des Fußballvereins beurteilen zu können.

2. Ich bin mir nicht sicher, mit welcher Tradition sich die 20000 Dauerkartenbesitzer in Hoffenheim verbunden fühlen, außer vielleicht mit der Tradition, dass ein professioneller Verein mit sportlichem Erfolg für den Zuschauer hoch attraktiv ist.

3. Dass Bayer und VW schon lange Sponsoren sind, gilt bereits als Argument? Dann stellt sich die Frage, ob für Volker Rehboldt RasenBallsport Leipzig in 20 Jahren auch zu den Vereinen mit einem vertretbaren Sponsor gehören wird.

In Bezug auf die Antipathien der Magdeburger Fans gegenüber RB Leipzig:

Diesbezüglich haben wir noch nie einen Maulkorb verpasst oder Zensur geübt.

Was auch völlig in Ordnung ist, wenn es denn im immer wieder gern genannten Rahmen bleibt. Vier Tage vor dem sowieso schon aufgeladenen Spiel zwischen RB Leipzig und 1.FCM mit nicht ganz ressentimentfreien Auslassungen die öffentliche Stimmung noch anzuheizen, ist da aber eventuell nicht ganz förderlich. Auch hier ähnelt Volker Rehboldt eventuell dem Herrn Watzke, der mal im Rahmen einer Mitgliederversammlung über Hopp und Hoffenheim herzog, um am nächsten Tag den eigenen Fans einen offenen Brief zu schreiben, in dem er zu Fairness gegenüber Hopp aufrief..

Naja, wie sagte Timo Rost letztens in einem Bericht [broken Link] so schön (sinngemäß zitiert): „Das schöne am Fußball ist, dass man auch mit Geld nichts erzwingen kann. Man hat zwar mehr Möglichkeiten, aber letztendlich spielen 11 Jungs gegeneinander und das zählt.“ Na denn, allen Beteiligten einen schönen Sonntag.

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9 Gedanken zu „Volker Rehboldt macht den Watzke“

  1. ein super Beitrag … informativ, hintergründig, entlarvend … vielen Dank dafür! 🙂

    vielleicht sollte sich Herr Watzke mal um andere Sachen kümmern anstatt andauernd künstliche Bedrohungsszenarien zu entwickeln und somit das Fanvolk gegenüber unaufhaltsamen Entwicklungen weiter aufzuwiegeln …

  2. Den Maulkorb verpasst ja ihr den Gästefans. Oder warum sind RB-kritische Spruchbänder im Stadion verboten?

    Verschwindet ihr mal ruhig in die Bundesliga, dann habt ihr Ruhe vor uns – und wir vor euch!

  3. auch wenn es die jeweils diensthabenden rb-auftragsschreiber gern anders behaupten: nur rbl selbst vergleicht sich mit bayern münchen. fans wissen schon den unterschied. auch wenn sie hämisch beifall über jede niederlage der bayern klatschen, anerkennen sie doch deren sportliche leistung und auch die allmählich gewachsene wirtschaftliche stärke, die bayern münchen zur sportlichen marke werden ließ. rbl dagegen ist lediglich die werbeabteilung eines ausländischen konzerns, die zufällig in leipzig eröffnet wurde. sie hätte genauso mit kleinsiehstemichnicht in dunkelsachsen verbunden werden können. ein werbegag eben, aber keine sportliche marke.

    aus diesem grunde sehen fans auch – anders als auf bayern münchen – nicht mit neid (auch solche schöpfung aus der rb-propagandakompanie) auf rbl, sondern eher mit gleichgültigkeit und verachtung. auch wenn es die PR-Leute nicht wahrhaben wollen: richtige fans wünschen sich so etwas nicht für ihren verein. sonst wäre ja sachsen oder lok heute rbl. die abfuhr schon vergessen?

    contra

  4. @Chemiker: Ich verpasse niemanden irgendetwas. Und dass Spruchbänder in der Schüssel angemeldet werden müssen, war auch beim FC Sachsen schon so. Und nebenbei: wenn ich mich an die letzten Derbys gegen Lok und Sachsen im damaligen Zentralstadion erinnere, gab es an kritischen Spruchbändern keinen Mangel..

    @contra: Meinst Du mich mit Auftragsschreiber? Soll ich Dir was sagen? Wenn mich jemand für das hier bezahlen würde, dann würde ich nicht nein sagen. Stichwort Hobby zum Beruf machen.. Und RBL ist immer noch ein Fussballverein, da kannst Du Dich am Sonntag gern von überzeugen und ob der Fussballverein Fans haben wird, wird die Zukunft zeigen, auch wenn die Gegenwart schon darauf verweist, dass Leute das Team gut finden. Und ob die RB-Besucher richtige oder unrichtige Fans sind, müssen sie schon selbst herausfinden. Es ist ein wenig anmassend von Dir, anderen ihr Fansein vorschreiben zu wollen.

  5. Na da scheint ja einigen Leuten der Arsch zu gehen gut so. Keiner bei RB will so werden wir ihr!

    Kommt, verliert, geht!

  6. RB Leipzig hat sicherlich (noch) keine Fans..

    Ein Fan [fɛn] (englisch fan [fæn], von fanatic „Fanatiker“) ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.

    Jedenfalls nicht nach dieser Definition.

    Natürlich ist RB Leipzig eine Werbeabteilung des zugehörigen Brausekonzerns, der Millionen investiert um letztendlich sportlichen Erfolg zu haben. Dieser sportliche Erfolg ist natürlich nur zu schaffen, in dem 11 gegen 11 spielen und die eine 11 (hier eben die 11 der Werbeabteilung) Erfolg hat. Durch den sportlichen Erfolg ereicht RB Leipzig eine noch höhere Popularität und der Name des Brauseherstellers geht immer mehr um die Welt und betreibt Werbung und nix anderes.

    Ein großes Problem finde ich ist die Chancenungleichheit mit der RB Leipzig in der Oberliga und nun in der Regionalliga zu Gange ist. Kein anderer Verein hat die nötigen finanziellen Mittel um sich durchzusetzen, wäre RB Leipzig nun weiterhin der SSV Markranstät (oder wie auch immer dieser Ort heißt), dann wäre mit Sicherheit eine andere Mannschaft in der letzten Saison aufgestiegen und dieser Verein mit seinen Anhängern, Spielern, Mitarbeitern, Existenzen hätte den sportlichen Erfolg gehabt, so ist dieser Ausgeblieben und es muss ein neuer Anlauf genommen werden.

    Ich hoffe einfach, dass der Brausehersteller einsehen wird, dass dieses Modell nicht funktionieren wird und man langfristig gesehen keinen Erfolg damit hat und dem Image des Unternehmens eher schadet.

    Ich persönlich sehe das Modell sehr kritisch und verweigere jeden Gebrauch dieser Brause. Früher habe ich es gerne getrunken, nun verzichte ich darauf. Schade eigentlich.

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