Ungeziefer

Bisher wurden in dieser brachialrhetorischen Rubrik eher Leichtgewichte behandelt. Bei allem subjektiven Kopfschütteln über die Inhalte und Denkfiguren, die sich hinter den grenzdebilen Figuren und den korrumpierten Opportunisten verstecken, werden darin nicht die Grenzen des fußballbezogenen, tolerierbaren Geschmacks überschritten, was sich auch darin begründet, dass sich in den Begrifflichkeiten eine rhetorische Kreativität ausdrückt, die jenseits des Inhalts noch Spaß macht und aus der man zumindest ablesen könnte, dass hier diejenigen, die (ab)qualifiziert werden sollen als (wenn auch uniforme) Menschen wahrgenommen werden.

All dies kann man vom Begriff ‚Ungeziefer‘, der auf einer Ultra-Website verwendet wird, deren Verlinkung ich mir an dieser Stelle aus nachvollziehbaren Gründen klemme, nicht behaupten. ‚Ungeziefer‘ ist die direkte und unvermittelte Entmenschlichung, ‚Ungeziefer‘ ist der nicht mehr tolerierbare, ungehemmte rhetorische Hass. Wer sein Gegenüber als ‚Ungeziefer‘ bezeichnet, lässt ein Welt- und Menschenbild erkennen, das – ohne es politisch aufzuladen – unmenschlich ist und von der Gewalt- und Vernichtungsdrohung lebt. Egal welchem Gegenstand der modernen Fußballwelt man sich widmet, nie sollte man so tief sinken, über die Polemik und Abgrenzung hinaus, den Menschen an sich in seiner physischen Verfasstheit zur Angriffsfläche zu machen.

Gegen ‚Ungeziefer‘ ist aufgrund der damit verknüpften Entmenschlichung jedes Mittel recht, Hauptsache es führt dazu, dass das tierische Problem beseitigt wird. Wer sich in dieser Art der Beschimpfung und Drohung übt, hat den Boden der Vernunft schon lange verlassen und schließt sich somit selbst aus aus der Gruppe derer, mit denen das Diskutieren über Fußball und Fußballkultur möglich ist. Und man möge mir verzeihen, dass ich mir auch nicht die Mühe machen möchte, darüber nachzudenken, was diese Leute denn zur verbalen Gewaltdrohung treibt oder mit Gerd Dembowski darüber zu schwadronieren, ob die rhetorische Radikalisierung dieser – sicherlich nicht repräsentativen – selbsternannten Ultras nicht letztlich eine Folge von Kommerzialisierung und mangelnden Partizipationsmöglichkeiten (also letztlich im konkreten Fall die Schuld von Red Bull selbst) ist. Ich erlaube mir in diesem Fall den Luxus der komplett ablehnenden Distanzierung.

Fazit: ‚Ungeziefer‘ läuft als Beschimpfung von Red Bull, RasenBallsport Leipzig und deren Anhängern in dieser Rubrik außer Konkurrenz, weil mir der Begriff zu gruselig ist, um ihn mit den anderen rhetorischen Kreationen in einem Atemzug zu nennen.

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2 Gedanken zu „Ungeziefer“

    1. Och, ich glaub, ich habs grad nicht so mit dem Brachialrethorischen. Der Kulissenklatscher ist sicherlich ’nett‘, aber er reizt mich momentan nicht wirklich.
      Und wer wissen will, wo der Kulissenklatscher herkommt, lese hier.

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