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Wochen(end)splitter XI

Stell Dir vor Philipp Lahm schreibt ein Buch, keiner hat es gelesen, aber alle reden drüber. Herrlich die Welt, die die Funktionsweise eines Sketches von Monty Python hat. Und herrlich, daran teilhaben zu dürfen. Philipp Lahm hat also ein Buch geschrieben. Bei allem was man darüber (nicht) weiß, vermute ich dem Titel und den Beschreibungen nach, dass es darum geht, anhand seiner eigenen Karriere zu zeigen, wie sich der Fußball verändert hat und was heutige Jugendliche mitbringen sollten, wenn sie im Profi-Fußball mitschwimmen wollen.

So weit, so unspektakulär. Das Buch, das nächste Woche erscheinen wird (Titel übrigens: Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird), wäre vermutlich erfolgreich gestartet, Philipp Lahm hätte die eine oder andere positive oder negative Rezension gekriegt und alles wäre so dahin geplätschert, wie das oft bei Büchern so der Fall ist. Wenn ja wenn Philipp Lahm nicht auf die Idee gekommen wäre, das Buch vorher in der BILD in Auszügen vorzustellen. Auzüge, bei denen die eine oder andere wohlbekannte deutsche Fußballfigur nicht sonderlich gut wegkommt. Völler komplett plan- und orientierungslos, Klinsmann ohne Taktik, Magath mit seinen Methoden gescheitert und van Gaal (bei dem fällts mir grad nicht ein, was mit dem ist). Nicht sonderlich neues Gedankengut.

Explosive Wirkung erhält das ganze erst durch seine exponierte Präsentation im BILD-Kontext. Philipp Lahm muss es offenbar sehr wichtig gewesen sein, ausgerechnet jene Inhalte des Buches schon vor der Veröffentlichung unters Volk zu bringen, die dezidiert aus dem Innenleben früherer Fußballteams plaudern und so handelnde Personen, respektive Vorgesetzte aus Lahms Vergangenheit ein Stückweit der Lächerlichkeit preisgeben. Insbesondere die Darstellung Rudi Völlers wirkt doch ziemlich despektierlich.

Trotzdem ist das ganze ein von vorne bis hinten ein inszenierter Skandal ohne Inhalt. Man nehme ein paar Leute, die für Lahms weitere Karriere direkt keine (bremsende) Rolle mehr spielen werden. Man pisse ihnen in einem Vorabdruck irgendetwas ans Bein, was inhaltlich recht harmlos ist, aber die betreffenden Personen, eben weil sie so dezidiert als auf die eine oder andere Art unfähig beschrieben werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Reaktionen verleiten wird. Und stehe dann als derjenige da, der öffentlich seine Meinung gesagt und verdienten Personen der deutschen Fußballgeschichte Paroli geboten hat.

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