Schlagwort-Archive: Videobeweis

Der Videobeweis und seine Grauzonen

Gerade mal zwei Spieltage hat die aktuelle Spielzeit gesehen und die Diskussion um den Videobeweis ist schon im vollen Gange. Viel Zweifel wird angemeldet zur Sinnhaftigkeit des Unterfangens. Viele Geschimpfe über angeblich falsche Entscheidungen bzw. über den Unsinn der neuen Technik ist auch von Seiten der am Spiel Beteiligten zu vernehmen.

Es ist für eine abschließende Bewertung der Dinge natürlich noch viel zu früh, aber ein paar Ansatzpunkte, in welche Richtung die Sache läuft, gab es an den ersten beiden Spieltagen (und im Supercup zuvor) schon. Erstaunlich dabei, dass nach einjähriger Testphase im Hintergrund am ersten Spieltag teilweise die Funkverbindung zwischen Videoassistent und Schiedsrichter auf dem Platz ausfiel und dass generell die Abseitslinien nicht zur Verfügung stehen. Das ist natürlich ein Unding, dass man mit dem Videobeweis auch in der Praxis anfängt (und das zweite Jahr nun ist ja weiterhin nur als Testphase deklariert) und die Technik nicht mitmacht. Wenn die nicht hinhaut, kann man die ganze Geschichte tatsächlich einfach schnell wieder einstampfen.

Davon abgesehen, habe ich bisher auf Sachebene wenig gesehen, was gegen den Videobeweis spricht. Vielmehr wurden Entscheidungen in einem nachvollziehbaren zeitlichen Rahmen vernünftig und auch richtig getroffen. Ich verfolge die Bundesliga nicht sklavisch, aber das Gelb gegen Papadopoulos, das zurückgepfiffene Abseitstor im Spiel der Freiburger gegen Frankfurt oder der nachträgliche Elfmeterpfiff nach Ziehen gegen Bayern Lewandowski im Autaktspiel gegen Leverkusen, das waren alles ordentlich abgewickelte Vorgänge mit einem vernünftigen Ergebnis und insofern für den Videobeweis und seine Anwendung sprechende Prototypen.

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Reformwillen trifft Konservatismus

Die älteren unter den LeserInnen werden sich erinnern, dass die Regionalliga-Reform einst hier im Blog recht intensiv begleitet wurde. Ein Prozess, der in seinem Ablauf erstaunlich war. Vereine definieren ein Problem (’schlechte Durchlässigkeit von Regionalliga zur dritten Liga‘) und zwischen Landesverbänden, DFB und DFL wird in Hinterzimmern nicht etwa eine Lösung des Problems erarbeitet, sondern ein Kompromiss ausgeheckt, gegen den die wichtigsten Abstimmungsakteure des DFB-Bundestages nichts hatten und der im Kern das ursprüngliche Problem durch eine Verkomplizierung des Aufstiegs noch verstärkte.

Man könnte natürlich diskutieren, ob die Verschärfung der Problemlage tatsächlich stattfand, denn seit Einführung der fünf Regionalligen und der Relegation zur dritten Liga ist nur eines von zwölf Teams direkt wieder abgestiegen. Drei Teams schafften sogar den direkten Durchmarsch in die zweite Liga. Zumindest für jene Teams, die sich durch den Flaschenhals Regionalliga gequält haben, scheint der Abstand zur dritten Liga eher gering zu sein. Dass der Abstand zwischen dritter und vierter Liga größer werden würde, war ursprünglich auch eine der Annahmen nach Einführung der Relegationsspiele in der Regionalliga.

Egal wie, der Ablauf, mit dem die Regionalliga-Reform umgesetzt wurde, war einer, wie er unbefriedigender nicht hätte sein können. In einem intransparenten Verfahren eine Lösung erarbeitet und umgesetzt, wie sie den ursprünglichen Absichten derjenigen, die die Reformen anschoben und ein Problem formulierten, nicht stärker hätte widersprechen können.

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Wenigstens kein Under-Armour-Performer

Nach viel zu langer Podcastpause war die beginnende Länderspielpause Anlass sich mit Dirk und Kai an einen Tisch zu setzen und sich frei durch die Welt rund um RB Leipzig und ein ganzes Stück darüber hinaus zu assoziieren. Kulinarisch wurde der ultimative Krisenpodcast ein interessanter Ritt auf der Rasierklinge des guten Geschmacks.

Auf Rekordwegen unterwegs der Podcast diesmal von seiner Länge her. Rund um Videobeweis, Torwartdiskussionen, Abwehrproblemen, Trainerfragen, Saisonperspektiven und Lieblingspodcasts blieben allerdings auch viele Fragen zu diskutieren. Zeitsouveränes Anhören des Podcasts bedeutet ja auch, dass man ihn sich in verschiedene Stücke aufteilen und nach und nach anhören kann. Bis zum nächsten Audiovergnügen hat man in jedem Fall ein paar Wochen Zeit.

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34.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

Zur fußballbezogenen Folklore gehört das Lamentieren über den Schiedsrichter während des Spiels unbedingt dazu. Im Fall der Fälle erzeugt man eine Grundstimmung, die den Spielleiter unterbewusst dazu bringt, die eine oder andere 50:50-Entscheidung mehr für das eigene Team zu pfeifen. Yordy Reyna erhielt beispielsweise in Kaiserslautern eine gelbe Karte, die man guten Gewissens als eine bezeichnen konnte, die eher für das Publikum und dessen Beruhigung als wegen eines schwerwiegenden Vergehens gezeigt wurde.

Das Schimpfen über Entscheidungen, die man im Fernsehbild in 70 bis 80% der Fälle absolut nachvollziehbar finden würde, gehört also dazu und macht auch durchaus Spaß. Kein Spaß macht allerdings das, was einem in der zweiten Liga Woche für Woche und Woche für Woche über die gesamte Saison begleitete. Nämlich auch nach den Spielen seitens von Vereinsverantwortlichen noch ganz fürchterlich darüber zu lamentieren, wer welchen ganz klaren Elfmeter nicht bekommen und welchen absoluten Nicht-Elfmeter gegen sich gepfiffen bekommen hat. Und oben drauf noch das Fanspiel auf diversesten Kanälen, dass es ganz bestimmt das eigene Team ist, das schon die ganze Saison von Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt und somit am durchschlagenden sportlichen Erfolg gehindert wird.

Das Lamento mag bei einzelnen Entscheidungen natürlich berechtigt sein. Nur meist regiert das Kurzzeitgedächtnis, das die Fehlentscheidung zum eigenen Ungunsten sieht, über das Langzeitgedächtnis, das Fehlentscheidungen zu eigenen Gunsten gespeichert haben sollte (wobei man Fehlentscheidungen zu eigenen Gunsten der Einfachheit halber ganz gern auch mal ausblendet). Sprich, meist gleichen sich Glück und Pech in Bezug auf Schiedsrichterentscheidungen auf lange Sicht hin aus. Was auch ganz logisch ist, weil die Unparteiischen eben unparteiisch sind und ihre Wahrnehmungsfehler mal diesen und mal jenen treffen.

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Her mit der Technik

Die bisher eindrücklichste Szene einer nicht übermäßig berauschenden WM produzierte bezeichnenderweise kein Spieler, sondern der Weltschiedsrichter von 2008 Roberto Rosetti, als er im Achtelfinale den Argentiniern den Führungstreffer gab, obwohl er zuvor von seinem Linienrichter informiert wurde, dass das Tor irregulär war. Dumm nur, dass der das erst auf der Videowand sah und nicht bereits im Spiel selbst und so blieb Rosetti regeltechnisch gar keine andere Wahl als das Tor wider besseren Wissens zu geben.

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