Schlagwort-Archive: Roger Schmidt

Fehlgriff

Schmidts schrittweise wachsende Distanz zu den Spielern und Bayers über zweieinhalb Jahre drastisch wachsende Distanz zur Konkurrenz öffnete den Verantwortlichen nicht die Augen, sondern ließ sie fast kindisch an diesem Trainer festhalten, der nicht mehr mitbrachte als die längst überholte Lehre vom Vollgas-Chaos-Pressingmaschinen-Fußball. (…) Völler, das Gesicht von Bayer, steht als Verlierer da. Schmidt war nicht der erste Fehlgriff, Labbadia und Dutt lassen grüßen. (Frank Lußem im Kicker vom Montag)

Manchmal muss man bei der Bewertung von Trainern schon ein wenig schlucken. „Längst überholte Lehre“, „Fehlgriff“. Treten wir doch noch mal hübsch nach. Harte Urteile, gerade wenn sie von Journalisten oder anderen Beobachtern kommen, die nicht umsonst nicht auf dem Trainingsplatz stehen, sondern ihre Qualitäten in anderen Dingen haben.

Ich bin zu weit weg vom Leverkusener Fußball und habe zu wenig der Spiele des Klubs gesehen, um beurteilen zu können, was dem Verein tatsächlich auf Dauer fußballerisch-taktisch abgeht. Aus der Entfernung schien ja eher das Problem zu sein, dass das Pressing beileibe nicht (mehr) von elf gemeinsam agierenden Akteuren betrieben wurde und entsprechend naturgemäß daraus Probleme für die Erfolgsaussichten resultieren. Also nicht die Lehre vom „Vollgas-Chaos-Pressingmaschinen-Fußball“ an sich tot war, sondern eher dessen Umsetzung nicht so richtig gelang.

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Interessante Frage trotzt uninteressanter Debatte

Nicht fair fand Dortmund-Coach Thomas Tuchel zuletzt die 21 Fouls gegen sein Team im Spiel bei Bayer Leverkusen. Um weiter festzustellen: „Da werden Mittel angewendet, die in der Häufigkeit dazu führen müssen, dass man nicht komplett zu Ende spielt.“ Aussagen, mit denen Tuchel viel Spott erntete, weil man ihm eine nicht angemessene Opferrolle unterstellte.

„Vielleicht ist Dortmund ja eine Mannschaft, die schnell Fouls zieht“, entgegnete Leverkusen-Coach Roger Schmidt gar und schob den Schwarzen Peter des unfairen Spiels zurück und machte den BVB zu einer „cleveren“ Schauspielertruppe.

Nun, im Bundesliga-Mediengeschäft nimmt man solche Auseinandersetzungen gern, um dann das ‚der gegen den und was sagt eigentlich Lothar Matthäus dazu‘-Spiel zu spielen. Dabei ergeben sich aus den Statements Fragen, die nicht mit Schuldzuweisungen zu klären sind.

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Zweiter Anlauf

Eines der Themen der kommenden Wochen dürfte die Frage nach dem neuen RB-Trainer werden. Angesichts der Tatsache, dass die im Moment gehandelten Kandidaten allesamt noch in einem Job sind und wohl auch noch eine Weile bleiben werden, wird es vermutlich keine schnelle, offizielle Bekanntgabe eines neuen Trainers geben. Was alle, die rund um RB Leipzig Zeitungen oder Sendezeit füllen müssen, freuen, aber ansonsten wenig Anlass zur Freude sein wird.

Denn gehaltvoller wird das Thema durch die längere Wartezeit eher nicht werden. BILD hat rund um den Jahreswechsel schon mal die Wahrsagerin zum zukünftigen RB-Trainer befragt. Zu befürchten ist zudem eine Verschiebung in der Debatte hin zu einem ‚Warum bleibt Rangnick eigentlich nicht selber Coach?‘, zu dem auch Dominik Kaiser zum Trainingsauftakt via LVZ schon übergeschwenkt war.

Eine Variante, die von allen möglichen Varianten immer noch die schlechteste ist, weil sie aus dem Strategen und Vereinsgestalter Rangnick einen ganz normal auf einem Schleudersitz sitzenden Übungsleiter macht. Was RB Leipzig aber viel mehr als den Trainer Rangnick braucht, ist eine recht starke und inhaltlich kompetent-konsequente Persönlichkeit auf dem zentralen Posten des Sportdirektors. Einer, der den Weg des Vereins vorgibt und entsprechende Personalentscheidungen trifft, aber auch einer, der Richtung Geldgeber Mateschitz als Puffer fungiert und vor Entscheidungen wie einst der Pacult-Verpflichtung von oben schützt.

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berNd Schuster for RB-Trainer

Kurz nach dem 0:4 gegen Sandhausen und dem auch rechnerisch feststehenden Nichtaufstieg teffen sich André Herrmann, Dirk und meine Wenigkeit, um uns frei durch die Welt rund um RB Leipzig zu assoziieren. In tiefer Verbundenheit zum Verein üben wir uns in kulinarischer Askese, ganz so wie es die Fußballer uns zuletzt mit sportlicher Askese vorlebten.

90 Minuten mit in Deutschland typischer Nachspielzeit von einer Minute werden gut gefüllt mit allerlei Betrachtungen rund um die Nachwuchsmannschaften von RB Leipzig, die letzten Spiele in der zweiten Liga, die neue Fanfreundschaft mit dem FC St. Pauli, natürlich Trainerfragen und einiges mehr. Wie immer fachlich hochkompetent und inhaltlich maximal anregend. Oder so ähnlich zumindest.

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Bundesliga (Österreich): Red Bull Salzburg vs. SC Wiener Neustadt 3:1

Wenn im privaten Rahmen bekannt ist, dass man RB Leipzig, also irgendwas mit Red Bull, anhängt (denn so ist die Außenwahrnehmung ja letztlich), dann beziehen sich Geschenke auch verstärkt auf diese Vorliebe. Das kann Segen und Fluch zugleich sein. Fluch, weil das Merchandising von Red Bull sicherlich nicht unhübsch, aber genauso sicher – wie Merchandising generell – nicht meine Welt ist. Segen wiederum, weil es mir am letzten Wochenende einen Ausflug nach Salzburg bescherte. Als Städtetrip mit dem sportlichem Begleitprogramm eines Besuchs bei Red Bull Salzburg. Quasi die weiteste Auswärtsfahrt dieser Saison.

Rund 17 Jahre nach meinem letzten (völlig sportfreien) Besuch in der viertgrößten Stadt Österreichs, die nach hiesigem Blick mit rund 150.000 Einwohnern als Kleinstadt durchgeht, war dies eine durchaus freudig erwartete Reise in tourismusfreundlich aufbereitete Historie. Mozartstadt, die Innenstadt als UNESCO-Weltkulturerbe und Salzburger Festspiele sind wohl die auch allgemeiner bekannten Stichworte Salzburgs, die in ihrer konkreten Ausprägung monumentaler Bauten auch durchaus erschlagen kann.

Salzburg - Blick gen Altstadt über die Salzach

Fußballerisch mag der Besuch eines RB–Leipzig-Anhängers in Salzburg für den einen oder anderen wegen des gemeinsamen Hintergrunds Red Bull naheliegend klingen. Für mich persönlich war dem gar nicht unbedingt so. Denn bis zum Samstag hatte ich von Red Bull Salzburg bisher insgesamt in meinem Leben bewusst nur ein halbes Spiel gesehen. Nämlich das Heimspiel in der Champions-League-Quali gegen Dudelange am Anfang dieser Saison. Ansonsten ist mein Interesse an den Salzburger Vorgängen aus Leipziger Perspektive vor allem auf den administrativen Bereich beschränkt, denn Personalwechsel in Salzburg sind doch auch immer irgendwie dazu geeignet, die Verhältnisse bei RB Leipzig auf den Kopf zu stellen. Siehe Rangnick. Siehe Beiersdorfer.

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Die Probleme der Kettenenden

„Wir waren relativ oft alleine hinten und haben Mann auf Mann gespielt.“ (Niklas Hoheneder nach dem Sieg von RB Leipzig in Auerbach im Red Bull Audioplayer [broken Link] vom 30.09.2012)

Da hat der Innenverteidiger Niklas Hoheneder recht und spricht damit ein Problem in Folge des noch nicht funktionierenden Arbeitens gegen den Ball nach dessen Verlust an. Denn in diesen Fällen fliegen die Bälle der Viererabwehrkette und vor allem den Innenverteidigern, die oft auch noch für die Außenverteidger einspringen müssen, nur so um die Ohren.

Klar, man kann sagen, dass die Aufgabe der Abwehrspieler das Verteidigen und Lösen von 1-gegen-1-Situationen ist. Nur ist das ganze ja eine Art statistisches Problem. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine 1-gegen-1-Situation in Strafraumnähe verloren geht und daraus eventuell gar ein Tor resultiert, ist sehr viel höher als bei verlorenen Duellen im Mittelfeld. Oder anders gesagt, wenn man fiktiv davon ausgeht, dass 10% aller 1-gegen-1-Situationen am oder im Strafraum unter Beteiligung der letzten Feldspieler vor dem Keeper mit einem Gegentor enden, wird es zum Problem, wenn man wegen schlechter defensiver Gesamtorganisation doppelt so viele Situationen dieser Art wie im Normalfall hat. Denn daraus resultieren dann auch doppelt so viele Gegentore. Und das ist auf keinen Fall die (alleinige) Schuld der Verteidiger, die in der Masse der Spielsituationen wie in Auerbach gar keine andere Chance haben, als gelegentlich auch mal schlecht auszusehen, denn bereits rein statistisch ist Fehlerlosigkeit und eine 100%ige Zweikampfsiegquote nicht möglich.

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Peter Pacult als Überraschter

Wäre Moniz nicht zurückgetreten, wäre ich jetzt noch Trainer in Leipzig. (Peter Pacult via heutiger Sportbild)

Zwei Seiten widmet Sportbild heute den letztwöchigen Vorgängen bei RB Leipzig und Red Bull Salzburg. Wer überlegt, deswegen zum Kiosk zu rennen, sollte es bleiben lassen, denn neues oder interessantes steht fast nicht drin. Ein weiterer Artikel, der unter der Überschrift „Red Bull verschleißt Trainer“ nur eine Auflistung von Kündigungen und Kündigungsumständen liefert. Situationsanalysen, was führte warum wozu, wo lagen oder liegen die Probleme der Red-Bull-Organisation? Alles Fehlanzeige. Ist ja aber auch nur Sportbild wird der Eine oder die Andere einwenden. Naja, sage ich, auch Sportbild schreibt durchaus Artikel mit Erkenntnisgewinn, wenn ich beispielhaft nur an ihre recht regelmäßigen, begleitenden Beiträge bei der Entstehung der Regionalliga-Reform denke.

Interessant am Sportbild-Beitrag lediglich das Pacult-Zitat, das etwas bestätigt, was man eh schon vermuten konnte, nämlich dass bis zum Rücktritt vom Salzburger Trainer Ricardo Moniz in Leipzig keinerlei Einschnitte geplant waren. Womit auch die – witzigerweise auch von der Sportbild behauptete – Story ins Reich der Fabeln zu verweisen ist, dass Pacult gehen musste, weil er nicht aufgestiegen sei. Pacult musste (nachvollziehbarerweise) vielmehr gehen, weil er nicht in die Planungen von Ralf Rangnick passte. Was sich auch in Pacults Worten selbst widerspiegelt: Peter Pacult als Überraschter weiterlesen

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Geduldsprozess

Interessantestes Detail der mittwochlichen Pressekonferenz mit Ralf Rangnick und Alexander Zorniger zur Vorstellung der beiden Neuen bei RB Leipzig (bzw. ihrer Ideen) vielleicht die Einlassungen des neuen starken Manns in Salzburg und Leipzig Rangnick zum nunmehr Ex-Trainer Peter Pacult:

Es gab Kritik, dass obwohl ich schon seit einer Woche als Sportkoordinator feststand, hier trotzdem die Verantwortlichen habe weiterarbeiten lassen. Ja, was denn sonst? Wir können ja nicht den Trainer mitten in der Vorbereitung abberufen, solange wir noch nicht in allen Punkten Einigung haben mit einem neuen Trainer.

Für mich war von vornherein klar, dass wir andere Überlegungen anstellen müssen. Das hat gar nichts mit der Qualität der Trainerarbeit zu tun, sondern das ist eine grundsätzliche Frage, welchen Weg man gemeinsam bestreiten möchte.

Sprich, mit Dienstantritt von Ralf Rangnick war klar, dass Pacult gehen muss. Zu einem Zeitpunkt als selbst Loos und Pacult öffentlich noch abwartend davon sprachen, dass man sich sicherlich bald mit Rangnick zusammensetzen werde. Ist dann wohl nicht mehr geschehen. Peter Pacult, das ehemalige Gesamtprinzip von RB Leipzig, als einwöchiger Übergangsübungsleiter, damit die Spieler nicht unbetreut sind. Das ist eine ziemlich deutliche Ansage mit Hang zur kleinen Demütigung.

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Unterschiedliche Vorstellungen?

Nun, gestern also die Pressekonferenz [broken Link] (Video – alle folgenden Zitate von dort), mit der die neuen Verantwortlichen Roger Schmidt und Ralf Rangnick vorgestellt wurden. Ersterer neuer Trainer bei Red Bull Salzburg, zweiterer Sportdirektor in Personalunion bei Red Bull Salzburg und RB Leipzig.

Die Veranstaltung war jetzt kein Riesenspektakel, aber die offenkundige Abwesenheit von Peter Pacult in den Äußerungen und die Tatsache, dass Ralf Rangnick (auch wenn erst kurz im Amt) noch nicht mal ein Wort mit Pacult geredet hat, waren sehr auffällig. Ok, es war eine Veranstaltung in den Räumen von Salzburg und um diesen Verein ging es auch hauptsächlich, aber dass selbst auf Nachfrage keinerlei handreichende Floskel Richtung Pacult zu vernehmen war, erschien bemerkenswert.

Interessant in diesem Zusammenhang, warum sich Rangnick für die Zusammenarbeit mit seinem Wunschkandidaten Roger Schmidt entschied: Unterschiedliche Vorstellungen? weiterlesen

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