Schlagwort-Archive: Red Bull

„Politik gehört nicht ins Stadion“ als Antwort auf eine Frage, die sich gar nicht stellt

Immer wieder erregt das Thema Politik im Fußball die Gemüter. Politik gehört unbedingt dazu und wir bräuchten noch viel mehr Politisierung im Fußball hieß es kürzlich in einem Interview mit den St.-Pauli-Machern Lienen und Rettig. Fußball sollte ein Raum sein, in dem die Menschen vom Alltag und von Politik auch ein Stückweit abschalten können, so die Gegenposition, wie sie ein DFL-Geschäftsführer Seifert unter anderem vertritt.

Es gehört zu dieser Diskussion dazu, dass man sich dabei meist am Schlagsatz „Politik gehört nicht ins Stadion“ abarbeitet. Wobei häufig unklar bleibt, was da so alles unter Politik fällt und was nicht. Und Allsätze sowieso eine schlechte Diskussionsgrundlage sind.

Fakt ist, dass der Wunsch, sich in einem Stadion nicht mit Dingen jenseits des Fußballspiels auseinandersetzen zu müssen, zumindest nachvollziehbar ist. Der Anspruch, dass auch noch der letzte Lebensbereich von Menschen politisiert zu sein habe bzw. von ihnen selbst mitpolitisiert werden muss, ist ein seltsamer in einer Welt, in der sowieso schon der Anspruch besteht, sich mit Haut und Haar den Sphären von Kapitalismus und Gesellschaft zu verschreiben. Das Bedürfnis, sich dem zu entziehen und sich dem puren Träumen von Erfolgen und Glück zu widmen, per se als falsch zu diskreditieren, hilft nicht so richtig weiter.

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Business as usual im Haus der 11Freunde

Größter Außenseitererfolg aller Zeiten. Vorhersehbarer, erkaufter Erfolg. Nach der Übernahme der Tabellenführung durch RB Leipzig ist es, wie es im modernen medialen Zeitalter nun mal ist. Differenzierungen sind nicht unbedingt gefragt. Frag nach bei den Kösters und Draxlers dieser Welt.

Wobei der Köstersche N-TV-Versuch, den RB-Erfolg komplett klein zu reden, etwas arg bemüht und vom persönlichen ‚RB Leipzig ist doof‘-Standpunkt getrieben wirkt. Eines der dortigen Argumente besteht zum Beispiel darin, die durchschnittlichen Kaderkosten bei RB Leipzig anzuzweifeln.

Lassen wir mal das dort auch genannte Leicester bei Seite (wobei es auch gute Gründe gibt, Leipzig und Leicester (mal abgesehen vom Alter der Mannschaften) miteinander zu vergleichen und die Bedingungen in England aufgrund einer geringeren Schere beim TV-Geld auch für kleinere Klubs ganz ok sind). Dann bleibt, dass eine Behauptung einer Behauptung entgegengestellt wird.

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Lokales Kapital in globalen Sportwelten?

Wenn sich ein Investor zu Werbezwecken einen Verein strategisch raussucht, ohne regionalen Bezug, nur um ihn nach oben zu bringen, dann finde ich das schon fragwürdig. (Lars Stindl im 11Freunde-Interview)

Lars Stindl kann mit RB Leipzig (denn darum dreht es sich überraschenderweise bei der Antwort) also nichts anfangen. Das ist zuerst einmal sein gutes Recht und soll im Detail gar nicht so sehr interessieren. Interessanter daran ist ja der Inhalt (und auch hier gilt Stindl eher als Aufhänger denn als Adressat, zumal man seinen Satz in verschiedene Richtungen interpretieren kann). Und der läuft auf die These hinaus, dass es nicht gut ist, wenn eine Firma ihr Geld strategisch und ohne regionalen Bezug in einen Verein steckt, um mit diesem erfolgreich zu sein bzw. diesen erfolgreich zu machen.

Nehmen wir der Einfachheit halber mal an, dass es durchaus Sinn von Firmen und deren Versuch, sie im Wettbewerb mit anderen Firmen, erfolgreich sein zu lassen, ist, strategisch Geld zu investieren. Auch und gerade zu Werbezwecken. Auch und gerade mit der Hoffnung, dass das Geld gut angelegt ist und sich vermehrt und der Sponsoringgegenstand durch das investierte Geld noch erfolgreicher wird. Bezüglich der Sportart Fußball scheint zudem Konsens zu sein, dass das ein Ort ist, wo man sehr gut Geld so versenken kann, dass man am Ende als Firma noch was davon hat. Ob das nun stimmt oder nicht, müssen die jeweiligen Firmen wissen. Hängt vermutlich auch immer davon ab, wie gut man die positiven Effekte dann innerhalb der Firma zu formulieren weiß.

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Dekret des Zentralkomitees der RB-Einheitsfanclubs

Das Zentralkomitee der Einheitsfanclubs von RB Leipzig ist das wichtigste Fangremium. Bei aller Einigkeit unterscheidet uns nichts. Aus Anlass des zurückliegenden Auswärtsspiels beim 1.FC Köln möchten wir als Fans von RB Leipzig erklären, was diesen, unseren Club besonders macht.

Tradition

Traditionsverein ist ein Kampfbegriff, der oft treffend benutzt wird. Das haben wir zutiefst verinnerlicht. Unsere Tradition ist der Kommerz und unser Gründungsdatum ist uns völlig egal. Immerhin ist die Quersumme 11. Tradition ist für uns ein Synonym für „Zukünftig wird alles besser“. Schon Dietrich Mateschitz prägte den Satz, dass wir in 500 Jahren immer noch 100 Jahre jünger sind als unsere Konkurrenten. Oder so ähnlich. In diesem Geist steht RB Leipzig als Erbe einer Vereinstradition, die immer jung und seiner Zeit weit voraus sein wird.

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Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen

Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Ein paar Thesen noch zu Salzburg und Leipzig entlanghangelnd an der aktuellen Debattenlage. Vieles davon gab es hier ím Blog schon immer mal wieder verstreut in diversen Texten.

  • Dass Red Bull Salzburg sich auf die Ausbildung junger Spieler spezialisieren will, ist nicht neu.

Wer es im Jahr 2016, so wie es Salzburgs Trainer Oscar Garcia getan hat, überraschend und neu findet, dass Red Bull Salzburg ein Ausbildungsverein ist, hat so einiges verpasst. Schon weit vor dem Eintritt von Ralf Rangnick hat Dietrich Mateschitz im Jahr 2010 erklärt, dass Salzburg zu einer Art Nachwuchsteam werden soll, das um Meisterschaft und internationale Plätze mitspielt, während in Leipzig in einer großen Liga ein stärkeres Team spielen soll. Ob man das nun doof oder gut findet, man sollte nicht so tun, als wäre das eine neue Vereinsphilosophie. Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen weiterlesen

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Kein Aufmerksamkeitsdefizit

Eine der Fragen, die mit dem Neuling RB Leipzig oft verbunden werden, ist die nach der Attraktivität für die Bundesliga. Bzw. der möglicherweise fehlenden, wenn Beobachter der Liga sie in eine Reihe mit Hoffenheim, Ingolstadt oder Wolfsburg stellen und Witze über mögliche Negativquoten bei Sky reißen.

Der erste Spieltag der Bundesliga hielt dann durchaus eine kleine Überraschung bereit, als bekannt wurde, dass ausgerechnet die Partie zwischen Hoffenheim und Leipzig bei Sky die besten Einschaltquoten eines Einzelspiels hatte (mal beiseite gelassen, wie fehleranfällig Quotenmessung und Quotenranking gerade in diesem Zahlenbereich sind). 460.000 Zuschauer und damit mehr als bspw. das Aufeinandertreffen von Mönchengladbach und Leverkusen, also zwei Champions-League-Aspiranten, soll das Spiel live gehabt haben.

Im Hinterkopf sollte man dabei allerdings behalten, dass der Vergleich der Quoten von Einzelspielen dadurch erschwert wird, dass Spiele miteinander verglichen werden, die einerseits wie Hoffenheim gegen Leipzig keine Konkurrenz haben oder andererseits wie Dortmund gegen Mainz parallel zu anderen Spielen laufen. Zur Anstoßzeit 15.30 Uhr am Samstag saßen am ersten Spieltag reichlich 1.000.000 Menschen vor den Sky-Empfängern, entschieden sich aber zu über der Hälfte für die Konferenz und den Rest teilten sich dann erst die fünf Einzelspiele.

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Gefühlswelten

Der Fan soll nicht das Gefühl haben, dass er komplett kapitalisiert wird. (Oliver Mintzlaff im Sponsors-Interview)

In kürzeren Wort könnte man die Crux in der Fußballmoderne gar nicht auf den Punkt bringen. Einerseits vor der Aufgabe zu stehen, den Verein auf den möglichsten und unmöglichsten Ebenen zu vermarkten, um die Einnahmeseite zu erhöhen und sich konkurrenzfähig zu machen. Und andererseits den Anhängern, die ja überhaupt erst die Basis und gleichzeitig das (Konsum-)Ziel der Vermarktung sind, das Gefühl geben, dass sie und ihr Verhalten nicht komplett „kapitalisiert“, also den Interessen der Vermarktung untergeordnet werden.

Dieser Kampf führt dann eben auch zu Stilblüten wie dem „Echte-Liebe“Claim oder dem „Die Mannschaft“-Branding, in dem Vereinsidentität und Zugehörigkeitsgefühl zu einem Team in vermarktungsgerechte Hülsen gegossen werden, die für die Anhängerschaft aber durchaus noch anschlussfähig (im Sinne dessen, warum sie Fans sind) bleiben. Die „Wir sind E1ns“-Nummer funktioniert hierzulande durchaus ähnlich.

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Zwischen Eckkneipe und Großraumdisse

Ach lieber Chemieblogger alias Bastian Pauly, wir kennen uns ja nun schon ein Weilchen bzw. fochten vor allem in den Anfangstagen von RB Leipzig den einen oder anderen argumentativen Strauß miteinander aus. Deswegen sei mir erlaubt, dir zu deinem „persönlichen Text“, den Du beim inhaltlich großen, erwachsenen Bruder von Faszination Fankurve und Co, bei Vice Sports veröffentlichtest, eine kleine Geschichte von früher zu erzählen.

Drei-, viermal bin ich in meinem Leben in Großraumdiskotheken gegangen. Es blieb immer eine unerfüllte Beziehung. Ich mochte es nicht, ich fühlte mich nicht wohl, ich konnte damit nichts anfangen. Ich fand es ganz schlimm, die Leute, die Musik, das Drumherum und schloss daraus, dass es der Gegenstand, also die Großraumdisse sein muss, die ganz schlimm ist.

Ich fand mein Zuhause in der Subkultur. Da war die Musik meist nicht besser, meist (wenn auch nicht immer) aber anders, oft allerdings sogar noch schlechter, wenn man an manchen Gitarrenschrammelabend mit Hauptsache vier Bands auf der Bühne denkt. Zudem waren die Anforderungen, sich irgendwie an die Gruppe anzugleichen und sich in sie einzufügen im Groben dieselben wie bei der homogen auftretenden Großraumdissengruppe, aber es fühlte sich trotzdem irgendwie besser an. Nenn es heimischer, nenn es besser aufgehoben.

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Bayernjäger, Bayernjäger. Hey, hey. (Oder so.)

Nach Aufstiegen von RB Leipzig wiederholt sich das Spielchen regelmäßig, dass der bundesweite Journalismus seine ‚Was mit der … (hier die jeweilige Liga einsetzen) oder dem deutschen Fußball nun passiert‘-Texte aus der Schublade holt.

In der Vergangenheit war der Unterton eher düster und es drohte der Untergang der Fußballkultur und der alteingesessenen Clubs. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat sich, abgesehen von den üblichen Verdächtigen von Christoph Ruf bis 11 Freunde, vor allem bei der bundesweit publizierenden Presse der Wind ziemlich gedreht.

Exemplarisch dafür die Welt, die vor drei Jahren, vor dem Aufstieg Leipzigs in die dritte Liga in einer kritischen Auseinandersetzung mit den RB-Vereinsstrukturen noch im düsteren Ton davon sprach, dass „der deutsche Fußball auch Rasenballsport Leipzig verkraften müssen wird“. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga titelte nun das selbe Blatt und derselbe Journalist vergleichsweise euphorisch, dass „RB Leipzig eine große Chance für die Bundesliga ist“.

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Beschädigte Werte

Das saß gestern. Die Meldung, dass Red Bull den hauseigenen TV-Sender Servus TV einstellen werde. Nicht nur weil er defizitär arbeitet und sich daran angesichts der Entwicklung des Fernsehmarkts nichts ändern wird. Sondern auch weil die Idee der Gründung eines Betriebsrats im Raum stand und dies auf Missfallen bei der Konzernleitung stieß.

Die Salzburger Nachrichten zitiert entsprechend Firmenchef Dietrich Mateschitz wie folgt: „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens – anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer – nachhaltig beschädigt.“

In der Mitteilung drückt sich etwas aus, was man über Red Bull eigentlich auch schon vorher wusste und was auch schon früher bei manchem Vorhaben und Verhandlungen mit öffentlichen Organen eine Rolle spielte. Dass es ein enormes Misstrauen gegen Institutionen und Rechtevertretungen aller Art gibt. Weil diese in ihrer Art des Arbeitens als störend, hinderlich und beschränkend empfunden werden.

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Filialen, oho

„Salzburg will keine Leipzig-Filiale sein“

So titelte es vor zwei Wochen in Österreich. Was eine etwas spektakuläre Zuspitzung einer gar nicht so spektakulären Aussage der Salzburger Verantwortlichen war. Der Hinweis galt der Tatsache, dass die Ansprüche der Leipziger von Jahr zu Jahr wachsen und entsprechend ein mögliches Interesse Leipzigs an Salzburger Spielern nur noch den absoluten Topspielern, die sowieso Angebote aus den Topligen kriegen, gelten wird und nicht mehr einer eher breiten Masse wie noch in den letzten Jahren und insbesondere zu Beginn der aktuellen Spielzeit, als gleich fünf Akteure sich für den Schritt von Salzburg nach Leipzig entschieden bzw. nach Ablauf der Leihe ihren Arbeitsverträgen folgten.

Die unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten in Salzburg und Leipzig dürften entsprechend auch eine gewisse Entkopplung der sportlichen Vorgänge in beiden Clubs mit sich bringen. Was insbesondere der geschundenen Salzburger Seele in Sachen Selbstverständnis und Identität als Club, der nicht ausschließlich Talentedurchlauferhitzer sein will, positiv zugute kommen dürfte.

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Bekenntniszwang als Debattensackgasse

Der folgende Text ist die ungekürzte Langfassung eines Beitrags der vorgestern bei Zeit Online erschien und zu (kleinen) Teilen auf einem älteren Blogbeitrag fußt.

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Die öffentliche Auseinandersetzung um RB Leipzig hat in den letzten Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen, sodass die Ausläufer sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière erreichten, der sich genötigt sah, die Form der Proteste gegen RB Leipzig zu kritisieren. Es bleibt ein grundlegendes Dilemma der Debatte, dass es zu großen Teilen eine Bekenntnisdebatte und somit ein Scheingefecht ist, bei dem die relevanten Fragen danach, wie man sich den Wettbewerb im Profifußball wünscht, meist nur am Rande behandelt werden.

Sicher, die Vorkommnisse rund um das Spiel von RB Leipzig beim Karlsruher SC, angefangen beim Besuch des RB-Mannschaftshotels durch KSC-Anhänger über die Blockade des RB-Bus und das Beschimpfen von Sportdirektor Ralf Rangnick bis hin zum erzwungenen Rücktausch eines KSC-Trikots überschritten die Grenzen des guten Geschmacks. Daraus eine Art Ausnahmezustand zu machen, auf den mit dem typischen Law-and-Order-Forderungsinventar von personalisierten Tickets bis hin zur Strafrechtsverschärfung reagiert werden muss, war dann wohl doch eher eine Kanone zu heftig. Zumal das Strafrecht schon jetzt alle Möglichkeiten bieten würde, auf bestrafenswerte Extreme zu reagieren und personalisierte Tickets bei Vorkommnissen abseits des Stadions auch nichts helfen.

Es müsse möglich sein, Kritik an RB Leipzig zu äußern, hört man nach solchen Tagen immer wieder. Ganz so als ob dies in Frage stünde und diese Kritik in den letzten sechs Jahren nicht ausgiebig praktiziert worden wäre. Interessant in dem Zusammenhang eher die Frage, wo die Grenzen für diesen kritischen Zugang sind bzw. wo Kritik offensichtlich den ideologischen Nährboden für über die Grenzen hinausschießende Aktionen liefert.

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Frommer Wunsch

Mit rein erfolgsorientiertem Ergebnisfußball erreichen wir die Menschen nicht, aber mit unserem Bienenschwarm-Fußball. Die Fans sollen bei uns auch nach Niederlagen heimgehen mit dem Gefühl: war ein geiles Spiel. (Ralf Rangnick, Kicker vom 02.02.2015)

Also wenn letzteres der Anspruch ist, dann kann man für die aktuelle Saison wohl schon mal vermelden, dass dieser Plan schief ging. Nach keiner der fünf Niederlagen ist man mit dem Gefühl nach Hause gegangen bzw. (weil es vier Auswärtsniederlagen waren) gefahren, dass es ein geiles Spiel war. Vielleicht trifft es mit Einschränkungen noch auf das Ingolstadt-Spiel zu, das durch die Fokussierung auf den zum Buhmann auserkorenen Schiedsrichter zumindest eine Emotionalisierung und einen Zusammenhalt mit dem eigenen Team erfuhr, dass wohl die Mehrheit des Publikums nicht unzufrieden nach Hause ging.

In dem obigen Zitat steckt aber ein ganz anderes Missverständnis drin. Nämlich, dass der „Bienenschwarm-Fußball“ etwas wäre, das über „Ergebnisfußball“ hinausgeht. Irgendwas, was also ein ästhetisches Empfinden und auch eine Identifikation mit der Art des Spiels ermöglicht, die im gewöhnlichen, sagen wir Ballbesitz-Fußball nicht drinsteckt. An anderer Interviewstelle an anderem Zeitungsorte ist für den Sportdirektor diese Spielweise ja auch schon mal verantwortlich für den Anstieg der Leipziger Zuschauerzahlen gewesen.

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Mitgliederversammlung mit interessierten Zuschauern

Immer mal was neues rund um den Leipziger RasenBallsport im Themenfeld der Vereinskonstruktion. Gestern wurde wegen entsprechender Einladungsschreiben an die nicht stimmberechtigten Fördermitglieder bekannt, dass am 02.12.2014 bei RB Leipzig eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden soll, auf der man auch beschließen will, dass alle Mannschaften ab B-Jugend aufwärts aus dem eingetragenen Verein in eine GmbH ausgelagert werden.

Ein etwas überraschender Move, weil er auf den ersten Blick abseits von Formalien nur wenig ändert. Zwar wird durch die GmbH nun die 50+1-Regel auch für RB Leipzig relevant, aber letztlich auch wiederum nicht wirklich. Denn da die Regel nur besagt, dass der eingetragene Verein mehr als 50% der Stimmanteile an der GmbH halten muss, um im Fall der Fälle die Entscheidungsfäden in der Hand zu halten, wandert der Blick wieder zurück zum e.V., für den mögliche Änderungen aktuell unklar sind.

Bleibt es bei der Konstitution des RasenBallsport Leipzig e.V. mit seinen (je nachdem wen man fragt) irgendwas knapp über 10 geldgeberfreundlichen, stimmberechtigten und einigen Hundert nicht stimmberechtigten Mitgliedern, dann ändert sich an der Grundsituation, dass über die Zusammensetzung des e.V. dem Geldgeber Red Bull auch ein Mindestmaß an finaler Kontrolle eingeräumt ist, nicht viel.

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Zu kleines Problem für große Lösungen?

Ich ärgere mich darüber, dass es Statuten gibt, die dem Verein die Möglichkeit geben, ‚betriebsintern‘ Spieler hin und her zu schieben. Das kann ich mit meiner Empfindung von fairem Wettbewerb nicht nachvollziehen. (Peter Neururer vor dem Spiel seines VfL Bochum bei RB Leipzig)

Das merkwürdig mechanistische Bild, das man im Hause Red Bull Spieler, die im Kern auf der Basis ihrer eigenen Karriereinteressen und -ziele und entsprechend der Perspektiven, die ihnen in Verhandlungen aufgezeigt werden, Verträge unterschreiben, hin- und herschiebt, wurde hier im Blog ja vor wenigen Monaten bereits kritisch beleuchtet.

Letztlich bleibt es dabei, dass kein Spieler ein Vertrag hat, der gleichermaßen für Leipzig und Salzburg gilt und ohne seine Zustimmung den Verein wechseln müsste. Natürlich gibt es aber normale Leihverträge wie bei Bredlow und Prevljak, die von Leipzig nach Liefering verliehen wurden oder bei Sabitzer und Bruno, die auch leihweise in Salzburg spielen und entsprechend nach Ablauf des Leihvertrags wieder zurückkehren müssten.

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Mit ohne Rangnick in eine Veränderung mit unklaren Folgen

Manchmal sind es einfache Twitterfragen, die für spektakuläre Antworten sorgen. Das demonstrierte Ralf Rangick am Sonntag in der Sendung Talk und Tore bei Sky, als er die Frage, ob er noch eine Zukunft als Sportdirektor bei Red Bull Salzburg habe, wenn Leipzig irgendwann mal in die Bundesliga aufsteigen sollte, mit einem spontanen „Nein“ beantwortete. Eine Antwort, die den Moderator, der schon zur nächsten Frage übergehen zu wollen schien, hörbar überraschte.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=izTUW39aGyM[/youtube]

Dürfte den meisten der Zuseher so gegangen sein, aber letztlich ist die Antwort grundsätzlich nachvollziebar. Einerseits, da die Begründung mit einem zu großen Arbeitsaufwand schlüssig ist. Und andererseits weil der Hinweis auf mögliche Konflikte mit UEFA-Regularien auf ein schlichtes Problemlösungsszenario verweist. Die Verquickung der Sportdirektorenposten bei RB Leipzig und Red Bull Salzburg ließ schon früher Raum für Spekulationen, ob die UEFA, die im Normalfall prüft, ob über zwei Vereine in ihren Wettbewerben dieselbe Hand Einfluss hat, sich an dieser Konstellation nicht final aufhängen könnte bzw. diese zum Anlass nehmen könnte, bei möglichen Einzügen beider Vereine in einen europäischen Wettbewerb, gegenüber einem der beiden Clubs den Daumen zu senken.

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Financial Fairplay als Instrument gegen Red Bull?

Das Grundrauschen in Bezug auf nichtsportliche Themen rund um RB Leipzig war in den letzten Wochen und Monaten relativ groß. Nicht alles überschritt die Schwelle des Spannenden und Thematisierenswerten. Zumal man sich hierzulande, wie schon an verschiedenen Blog-Stellen erwähnt, schon seit bis zu fünf Jahren mit der Kritik an RB Leipzig beschäftigt und man schon deshalb nicht mehr jeden Einwurf als total spannend und besprechenswert empfinden muss. Was inzwischen zugegebenermaßen sowohl für die Kritik an RB, als auch für die verstärkt im bundesweiten Meinungsdiskurs auftauchende Kritik der Kritik an RB gilt.

Nicht ganz uninteressant ist aber, mindestens auf den zweiten Blick, die neu ins Boot mit aufgenommene Forderung seitens des Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG und Vorsitzenden der Vereinigung der europäischen Fußballclubs Karl-Heinz Rummenigge nach Aufnahme der Regeln des Financial Fairplay (FFP) der UEFA in die DFL-Lizenzierung. Und zwar für beide Bundesligen. Rummenigge hofft, dass man so „das Thema RB Leipzig relativ schnell zu den Akten legen kann“, wie er in erstaunlicher Offenheit der Sportbild vor einer reichlichen Woche verriet (06.08.2014).

Das Financial Fairplay ist letztlich ein kleiner Bestandteil der Klublizenzierung der UEFA (pdf), der sich alle Vereine unterziehen müssen, die in einem europäischem Wettbewerb starten wollen. In der Kurzversion geht es der UEFA nach eigenen Angaben nicht darum, mit dem FFP finanzielle Unterschiede auszugleichen, sondern vor allem auf eine nachhaltige Entwicklung der beteiligten Vereine zu drängen. Dazu werden bei allen Vereinen fest definierte Einnahmen und Ausgaben verglichen.

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Blind

Noch schlimmer als eine dumme Idee sind die Menschen, die ihr blind folgen. Gegen Red Bull und seine Anhänger.

Neben Fußball war am Sonntag beim Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München vor allem Zeit für ein paar Tapeten im Heimblock. Die sich allesamt in irgendeiner Form gegen Red Bull wendeten und die Tradition stark machen wollten. Also letztlich nicht viel anderes als die Tapeten in den letzten Jahren taten. Nur der Umfang der mehr oder minder kreativen (z.B. „Red Bull Kartell stoppen!“,  „Red Bull verleiht Flügel – Bis die rote Blase platzt“) Botschaften war höher als in den letzten Jahren (wenn man mal von den meist botschaftsintensiven Spielen gegen Lok Leipzig absieht).

Inhaltlich auch nicht ganz neu, aber trotzdem herausstechend war oben zitierte Parole, die nicht auf abstrakte Konzepte wie Tradition oder Kommerz abzielte, sondern auf jene, die es sich im Schatten des RasenBallsports als Zuschauer bequem gemacht haben und ihr Team zu vielen Spielen begleiten. Blind, sprich gedankenlos seien die RB-Anhänger, die einem Verein folgen, der nach Meinung von zumindest Teilen der Löwenfans nicht in eine Reihe mit den anderen der zweiten Liga gehört.

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Verdrängungsangst

Christian Heidel, Manager von Bundesligist Mainz 05 hat sich in den letzten Jahren ja bereits einige Male als Kritiker von RB Leipzig im Besonderen und Clubs mit wirtschaftlichen Vorteilen aufgrund eines überpräsenten Geldgeber im Allgemeinen präsentiert. Weswegen es nicht weiter überraschen mag, dass er diesbezügliche Entwicklungen der Bundesliga im Interview mit der Allgemeinen Zeitung vom 22.07.2014 erneut bedauert. Was aus seiner Sicht eines kleinen Vereins, für den auch immer die Gefahr besteht, mal aus der Bundesliga zu rutschen, grundsätzlich völlig nachvollziehbar ist. Gerade als Vereinsmanager gehört das Beobachten und das Bewerten des Status Quo der Liga zum Alltagsgeschäft. Auch wenn die Beobachtungen im Detail nicht immer und für jeden nachvollziehbar sein müssen.

Ich finde es schade, dass der Erfolg im Fußball nicht mehr ausschließlich vom Fußball abhängig ist. Wir als Mainz 05 müssen Tickets und Spieler verkaufen, um investieren zu können, andere verkaufen dafür Autos und Brause.

Diese Bemerkung Heidels geht als kleine, zumindest hübsch klingende Polemik durch. Die aber natürlich inhaltlich etwas dürftig ist, denn es ist fraglich, ob die Sehnsucht, dass im Fußball nur Fußball gespielt wird, irgendwann mal eine reale Entsprechung gehabt haben mag (da selbst bei den Weltmeistern von 1954 schon Auslandsangebote und Geld eine Rolle spielten, muss es in jedem Fall sehr, sehr lange hergewesen sein). In Heidels Amtszeit in Mainz, die 1991 begann, hat es jedenfalls noch nie eine Rolle gespielt.

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Mechanistische Weltbilder

Gestern Brasilien, heute Salzburg, morgen Leipzig, danach wieder zurück. Die Spieler in der Brause-Welt werden munter hin- und hergeschoben. (taz, 20.07.2014)

Es hat sich ein bisschen eingebürgert, die Wechsel zwischen Vereinen, die von Red Bull finanziert werden, als prototypische Schlechtheiten des Fußballs im Zeichen der Brause darzustellen. Natürlich zahle man keine Ablöse bei diesen Wechseln zwischen den Vereinen, so hieß es mal irgendwo auf die Wettbewerbsverzerrung abzielend. „Hin- und hergeschoben“ werden die derart marionettenhaft dargestellten Spieler, so findet die taz als Einleitung zu einem Text, der die ‚internen‘ Wechsel aufzählt.

Man braucht dabei schon ein recht mechanistisches Weltbild, um so zu tun, als hätte man es in der Welt des Ralf Rangnick mit Figuren zu tun, die man einfach zu neuen Ufern schicken könnte. Dass dies nicht ganz so einfach ist, beweist sich auch darin, dass es bis zur Winterpause 2013/2014 im Männerbereich mit Roman Wallner gerade mal einen Spieler gab, der zwischen Österreich und Deutschland wechselte. Und mit diesem Wechsel auch noch scheiterte.

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