Schlagwort-Archive: Philipp Lahm

Respektsfragen

Ist doch gerade Länderspiel-Pause, stimmts? Und gibt es heute abend nicht noch ein Spiel gegen Belgien für den historischen EM-Quali-Rekord? Ganz genau weiß ich das immer nicht, da mir nie gegenwärtig ist, ob die Länderspiel-Tage nun auf den Dienstag gelegt wurden oder wieder zurück oder wie auch immer. Als nur Gelegenheits-Nationalelfs-Gucker ist es aber auch nicht schlimm, so wie es ist. Trotzdem hat sich das Einschalten zur zweiten Halbzeit gegen die Türkei letzte Woche schon wegen der grandiosen Szene mit Mario Götze gelohnt, als dieser die 60 Meter Kerze (in gleichem Maße hoch wie weit) von Manuel Neuer in vollem Lauf (also mit dem Rücken zum Ball laufend!) in einzigartiger Perfektion aus der Luft pflückte, nur um danach weiter zu sprinten, als wäre nichts geschehen. Irre geile Szene.

Wie auch immer, ich schweife ab und noch nicht mal so recht hin zum Thema, denn das beginnt bei Sami Khedira (Nationalspieler ist die Eigenschaft, die mit der Einleitung verbinden soll – ähm ja) in der letzwöchigen Sport BILD (05.10.):

Ich finde es respektlos, in meiner Abwesenheit über mich zu diskutieren. Das ist unfair meiner Leistung der vergangenen Jahre gegenüber. (…) Mein Wohlbefinden hängt schon lange nicht mehr von der öffentlichen Wahrnehmung ab. (…) Ich frage mich: Wird über Fußball geschrieben oder über Skandale? Das gilt es doch einmal zu hinterfragen.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Sami Khedira sich in Deutschland ungerecht behandelt fühlt, weil seine Leistungen als Stammspieler bei Real Madrid (durch die Öffentlichkeit) nicht anerkannt würden, ganz im Gegenteil seine kürzliche Abwesenheit von der Nationalmannschaft genutzt wurde, um ihn aus eben dieser zuschreiben und eine „dumme“ gelb-rote Karte gegen ihn genutzt wurde, um seine Leistungen als ganzes schlecht zu machen.

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Bekenntnisse

War nicht gestern irgendwas mit Nationalmannschaft? Ja? Dann passt es ja eventuell noch, hier und heute meine persönliche Lieblingsstelle im ganzen Lahm-Diskurs bekannt zu geben. Lahm himself wollte während einer der Pressekonferenzen vor dem letztwöchigen Österreich-Spiel nämlich folgendes erklärt wissen:

Ich werde nicht mehr über Trainer urteilen. Wenn der Bundestrainer das so will, werde ich mich daran halten.

Nun denn, bleibt von der ganzen Sache die eigentlich nicht ganz neue Erkenntnis, dass Lahm die Klaviatur der öffentlichen Kommunikation umfassend beherrscht. Was ihn manchem sympathisch, mir eher nicht macht. Durch die gezielt vorveröffentlichten Buchpassagen gilt Lahm jetzt als jemand, der seine Meinung sagt, wenn er es für richtig hält. Und dem Bundestrainer gibt er weiterhin das Gefühl, dass dieser der unumstrittene Chef vom Ganzen ist. Für Lahm sicherlich kein schlechtes Ergebnis der letzten reichlich zwei Diskurswochen.

Was auch noch zu einem anderen Thema führt, nämlich dem, dass es Philipp Lahm offenbar neben seiner Kritik an ehemaligen Trainer wichtig war, im Rahmen der BILD-Vorveröffentlichung zu klären, dass er ganz sicher NICHT schwul ist. Das ganze klingt zwar in seinen eigenen Worten nicht so extrem wie in der BILD-Titelschlagzeile vom 29.08.2011, die den eingängigen Titel „Schwulen-Gerüchte: Lahm wehrt sich!“ trug. Trotzdem wollte er mal klar stellen, dass die Gerüchte zu seinen sexuellen Präferenzen falsch seien und er seine Frau nicht nur zum Schein geehelicht habe. Eigentlich sei es ja egal und sowieso sei man schrecklich tolerant, aber trotzdem, dass bei der Google-Suche, gibt man in das Fenster Lahm und ein Leerzeichen ein, als erster Vorschlag schwul kommt, stört dann doch irgendwie.

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Wochen(end)splitter XI

Stell Dir vor Philipp Lahm schreibt ein Buch, keiner hat es gelesen, aber alle reden drüber. Herrlich die Welt, die die Funktionsweise eines Sketches von Monty Python hat. Und herrlich, daran teilhaben zu dürfen. Philipp Lahm hat also ein Buch geschrieben. Bei allem was man darüber (nicht) weiß, vermute ich dem Titel und den Beschreibungen nach, dass es darum geht, anhand seiner eigenen Karriere zu zeigen, wie sich der Fußball verändert hat und was heutige Jugendliche mitbringen sollten, wenn sie im Profi-Fußball mitschwimmen wollen.

So weit, so unspektakulär. Das Buch, das nächste Woche erscheinen wird (Titel übrigens: Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird), wäre vermutlich erfolgreich gestartet, Philipp Lahm hätte die eine oder andere positive oder negative Rezension gekriegt und alles wäre so dahin geplätschert, wie das oft bei Büchern so der Fall ist. Wenn ja wenn Philipp Lahm nicht auf die Idee gekommen wäre, das Buch vorher in der BILD in Auszügen vorzustellen. Auzüge, bei denen die eine oder andere wohlbekannte deutsche Fußballfigur nicht sonderlich gut wegkommt. Völler komplett plan- und orientierungslos, Klinsmann ohne Taktik, Magath mit seinen Methoden gescheitert und van Gaal (bei dem fällts mir grad nicht ein, was mit dem ist). Nicht sonderlich neues Gedankengut.

Explosive Wirkung erhält das ganze erst durch seine exponierte Präsentation im BILD-Kontext. Philipp Lahm muss es offenbar sehr wichtig gewesen sein, ausgerechnet jene Inhalte des Buches schon vor der Veröffentlichung unters Volk zu bringen, die dezidiert aus dem Innenleben früherer Fußballteams plaudern und so handelnde Personen, respektive Vorgesetzte aus Lahms Vergangenheit ein Stückweit der Lächerlichkeit preisgeben. Insbesondere die Darstellung Rudi Völlers wirkt doch ziemlich despektierlich.

Trotzdem ist das ganze ein von vorne bis hinten ein inszenierter Skandal ohne Inhalt. Man nehme ein paar Leute, die für Lahms weitere Karriere direkt keine (bremsende) Rolle mehr spielen werden. Man pisse ihnen in einem Vorabdruck irgendetwas ans Bein, was inhaltlich recht harmlos ist, aber die betreffenden Personen, eben weil sie so dezidiert als auf die eine oder andere Art unfähig beschrieben werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Reaktionen verleiten wird. Und stehe dann als derjenige da, der öffentlich seine Meinung gesagt und verdienten Personen der deutschen Fußballgeschichte Paroli geboten hat.

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Michael Ballack, Wunschgerüchte und Hierarchiefreiheit

Bei RB Leipzig wächst die Anzahl der Transfergerüchte derzeit ja indirekt proportional zur Anzahl der Tage, die es noch bis zum Transferschluss Ende August hat. Allein die BILD hat heute wieder drei neue Spieler auf das Karussell geworfen. Namen, die sich täglich ändern können. Was mich persönlich zumindest ein wenig wundert ist die Tatsache, dass Felix Magath permanent zu einem RB-Gerücht gemacht wurde, wenn er nur mal stirnrunzelnd die Brille abgesetzt hat (ist unzufrieden, will weg, geht bestimmt zu einem Verein mit viel Geld), während noch niemand auf die Idee gekommen ist, den nahe liegenden Michael Ballack aufs Karussell zu werfen und damit wenigstens fünf Minuten Internet-Suchmaschinen- und Copy-and-Paste-Ruhm abzufassen.

Was mir dazu verhilft, meinen (nicht mehr ganz neuen) Twitter-Account ins Spiel zu bringen, wo ich bereits gestern meinen Wunsch nach medialem Gerüchtewunschkochen Ausdruck verlieh:

 

 

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Auch flache Hierarchien haben ein Gesicht

Gestern war ja wieder mal Fußballfreundschaftsnationalmannschaftsabend. Und auch wenn ich in einer Analyse des Spiels eher der Einschätzung bei spielverlagerung.de folgen und mit ihnen behaupten würde, dass „Brasilien taktisch nicht auf der Höhe“ und das ganze deshalb ein „Pflichtergebnis für das deutsche Team“ war, darf man auch feststellen, dass es schlimmere Abendbeschäftigungen gibt, als Mario Götze beim Fußball spielen zuzugucken.

Doch das eigentlich nur nebenbei. Gestern bin ich nämlich auch noch über ein Interview mit Philipp Lahm in der letztwöchigen Sport BILD (04.08.2011)  gestolpert. Gefragt wurde er dort unter anderem auch, welche der beiden Versionen zum Ballack-Abgang denn der Wahrheit entspreche, die vom Bundestrainer oder die vom Ex-Kapitän. Geantwortet hat er auch:

Zu diesem Thema können sich nur die Beteiligten äußern. Dass ich aber dem Bundestrainer glaube und vertraue, ist selbstverständlich. Ich kann nur sagen, dass mir Herr Löw im Mai das Gleiche gesagt hat, wie er es nun in der Öffentlichkeit getan hat.

Ah ja. Heißt übersetzt, dass man erwarten würde, dass Lahm besser schweigt, dass er aber seinem Bundestrainer trotzdem noch mal seine Loyalität beweisen will und dafür auch im Subtext Michael Ballack eins reiwürgen darf.

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Panini-Sticker: Endbilanz

Da die K-Frage dank Abwesenheit der Protagonisten auf einen ultimativen Showdown verschoben wurde (wobei ich glaube, dass Jogi Löw bereits die nächsten 4 Jahre plant und deshalb wohl eher auf Michael Ballack als Leader auf Zeit verzichten wird), durfte plötzlich Thomas Hitzlsperger wieder im Rampenlicht stehen. Hitzlsperger? War da nicht mal was? Ja, da war doch mal was, nämlich der Beginn meiner Panini-WM-Sammelei und der nun ja unglückliche Start mit eben jenem Hitzlsperger. 3 Monate später ist es Zeit für eine Bilanz. Wäre ich Fußball-Profi würde ich jetzt vor den Altar der Öffentlichkeit kriechen und in langen Sätzen mein unprofessionelles Verhalten, meine Abschlussschwäche und meinen fehlenden Willen gestehen, um gleichzeitig meine Anhänger um Verzeihung und Unterstützung zu bitten und Besserung zu geloben. Da ich kein Fußball-Profi bin sondern (zumindest hier) Blogger, kann ich stattdessen einfach sagen, dass ich das Panini-Sammeln nicht leiden kann. Nicht weil mir die zwanghafte Tätigkeit des Sammelns keinen Spaß machen würde, sondern weil ich es eine Zumutung finde, 640 (!) Bilder zu sammeln und mit diesen Nationalmannschaften zu komplettieren, die in der Form zu WM-Beginn schon wieder völlig inaktuell waren. Von daher bin ich froh, dass die Panini-Erfahrung hinter mir liegt. Immerhin 6 der 32 Teams konnte ich komplettieren (zuallererst die Weltmeisterbesieger aus der Schweiz). 46 Bilder fehlen, um auch die restlichen freien Stellen auszufüllen. Und Michael Ballack und Phillip Lahm gucken sich immer so komisch an, während sich für Hitzlsperger keiner interessiert. Oder bilde ich mir das nur ein? Egal, Buch zu, Panini vorbei.

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Zu Besuch bei flachen Hierarchien

Ballack ist der erfahrenste Spieler der Deutschen. In so einem Turnier reichen nicht nur Talente aus, du brauchst Erfahrung in der Mannschaft. Es ist schwer zu sagen, er hat eine gute Karriere hinter sich. Ich denke: Habt Respekt vor Ballack und seiner Karriere. Im Sport werden erbrachte Leistungen viel zu schnell wieder vergessen. Das stört mich in vielen Diskussionen. (Nemanja Vidic in der Sport BILD vom 23.06.2010 auf die Frage, ob Deutschland ohne Ballack besser wäre)

Nemanja Vidic hat zuerst einmal uneingeschränkt recht. Respekt ist tatsächlich ein wenig vorhandenes Gut, wenn die Öffentlichkeit auf Personen öffentlichen Interesses blickt. Und was gestern noch gut war, ist heute schon vergessen bzw. verdreht sich in sein Gegenteil. Zu Besuch bei flachen Hierarchien weiterlesen

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