Schlagwort-Archive: Peter Pacult

La Bundesliga et moi

Die Bundesliga, dieses ferne Wesen. Handgeschätzte 60 Minuten habe ich in der abgelaufenen Saison aus der obersten deutschen Spielklasse in Form von Zorniger-Fußball in bewegten Bildern gesehen. Und in den Jahren davor waren es nicht wesentlich mehr. Mag also nicht sehr verwundern, dass sich diese neue Liga aus meiner Sicht immer noch seltsam fern anfühlt.

Letztmalig persönlich in Kontakt war ich mit einer ersten Liga in den späten 80ern bis ins Jahr 1991 hinein. Damals noch mit Energie Cottbus in der DDR-Oberliga. Es folgte der Absturz in die Drittklassigkeit und das Beobachten vieler spannender Spiele gegen den SC Gatow, Hertha Zehlendorf, Union und ähnliche Berliner Stadtteilvereine.

Irgendwann Mitte bis Ende der 90er verlor sich die Fußballbegeisterung ein wenig in den Irrungen und Wirrungen persönlicher Lebensentwürfe. Der Aufstieg von Energie Cottbus in die 2. Bundesliga 1997 stellte so etwas wie den vorläufigen Endpunkt dar, während es in der Bundesliga (der Erinnerung nach) schon ein Jahr früher mit der live beim Auswärtsspiel bei 1860 verfolgten Meisterschaft von Borussia Dortmund ein Ende hatte. Zu einer Zeit, als man für ein solches Spiel im Vorfeld noch ohne größere Mühen an Karten kommen konnte.

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Fragmentarisches zum Zeitgeschehen

Antirassistische Spruchbänder im Stadion unerwünscht.

So titelte die Leipziger Internetzeitung am vergangenen Freitag über einem Text, der inzwischen hinter einer Bezahlschranke verschwunden ist. Und bezog sich dabei anlassgemäß auf das Verbot eines Banners mit der Aufschrift „Ligaspiel und Legida – der Montag ist zum Kotzen da“ durch RB Leipzig. Ein Banner, das RB-Fans beim Heimspiel gegen Fürth im Stadion zeigen wollten und deshalb vorher beim Verein angemeldet hatten.

Die Logik hinter dem zugespitzten Titel ist (außer Reichweite und Klicks), Legida und Rassismus in eins zu setzen, Banner gegen Legida als antirassistische Banner zu kategorisieren und eine Nichtgenehmigung solcher Banner entsprechend als Unerwünschtheit antirassistischer Spruchbänder im Stadion zu interpretieren.

Für die Diskussionsgrundlage nicht irrelevant ist die Tatsache, dass es kein grundsätzliches Verbot antirassistischer Banner in der Red Bull Arena gibt. Sowohl die „Rasenball gegen Rassismus“-Fahne als auch eine „Refugees welcome“-Fahne waren zuletzt und schon länger natürlicher Teil der Block-Beflaggung im Fansektor.

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Teambuilding unter neuen Bedingungen

Leipzig ist in dieser Liga der absolute Topfavorit, wir nur der Underdog. (Fürth-Coach Stefan Ruthenbeck vor dem Gastspiel in Leipzig)

Man kann sich schon mal dran gewöhnen, dass die Storylinie der Saison mehr noch als in den letzten Spielzeiten klar ist. Gegen RB Leipzig tritt jedes Team als absoluter Underdog an, der einen außergewöhnlichen Tag braucht, um Punkte einzusammeln. Alle Trainer werden sich Mühe geben, diese besondere Konstellation heranzuziehen, um sie als psychologisches Moment für das eigene Team zu nutzen.

Im Gegensatz zu manchem Spiel in den letzten zwei Jahren, als selbst Teams, die über einen längeren Zeitraum besser als RB Leipzig gespielt hatten, sich gegen den Aufsteiger, der weder nach dem Drittligaaufstieg noch nach dem Zweitligaaufstieg die umfassende Übermannschaft hatte (nicht umsonst spielt einer wie Matthias Morys, der in Leipzig oft Spielzeit bekam, inzwischen Drittligafußball in Aalen), mal absurder, mal weniger absurd zum absoluten Außenseiter stilisierten, ist diese Masche in dieser Saison natürlich auch durchaus angemessen.

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Throwback KW 21 bis 28

Lange hier im Blog nicht mehr auf die Zeit vor fünf Jahren zurückgeblickt. Eine Zeit, die wie manchmal bei RB Leipzig erst nach Saisonende so richtig spannend wurde. Zum Abschluss der ersten Vereinsspielzeit, an deren Ende man überlegen in die Regionalliga aufstieg, hatte man noch durch ein spätes Gegentor von Stephan Neigenfink (zuletzt beim VfL Halle in der fünften Liga aktiv) gegen den FC Sachsen Leipzig mit 1:2 verloren.

Es waren die einzigen beiden Gegentore und die einzigen Punktverluste in vier Liga-Derbys gegen Lok und FC Sachsen. Im Schnitt mehr als 10.000 Zuschauer wollten damals die sechs Stadtduelle in der fünftklassigen Oberliga sehen. Handgeschätzt drückten dabei im Schnitt 7.000 bis 8.000 Zuschauer Lok die Daumen, 5.000 bis 6.000 dem FC Sachsen und 2.000 bis 3.000 RB Leipzig. Für einen neugegründeten Verein wie RB gar keine schlechten Zahlen, die schon einen ersten Hinweis gaben, in welche Richtung es künftig gehen sollte.

Das Spiel gegen RB Leipzig war einer der letzten Tage, an dem man beim FC Sachsen noch was zu feiern hatte, denn ein Jahr später zog sich der Verein aus dem Spielbetrieb zurück. An diesem Tag feierte man sich noch mal selbst und den Triumph über das finanziell und sportlich überlegene U-Boot. Der damals noch durchaus RB-kritische MDR (glaubt man heutzutage gar nicht mehr) überschlug sich im Kommentar zum Spielbericht fast beim Rufen des Namens Neigenfink.

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3.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

Zwei Spieltage sind in der zweiten Liga erst absolviert und der Kreis der Bewerber für die Kategorie Fehlstart wird schon enger. Den in der zweiten Liga mit ihrer Möglichkeit des Absturz ins allseits so empfundene Nichts der dritten Liga oft nervösen Finger der Clubverantwortlichen dürfte der eine oder andere schon spüren. In der vergangenen Saison war es vor genau einem Jahr und drei Tagen RB-Ex-Coach Peter Pacult, der in Dresden nach zwei depremierenden Heimniederlagen gegen Union und den FSV Frankfurt seinen Posten verlassen musste. Nach dem vierten Spieltag war dies damals.

Insgesamt acht Vereine wechselten 2013/2014 im Saisonverlauf ihre Übungsleiter. Energie Cottbus und 1860 München schafften das sogar jeweils zweimal. ‚Witziger’weise dürfte 1860 zu den Kandidaten gehören, die auch in diesem Jahr als erste die Geduld verlieren. Zwei Niederlagen in der Liga, ein wenig überzeugendes Weiterkommen im Pokal, dazu die schwere Aufgabe in Heidenheim vor der Brust. Sportlich ist es schon nicht einfach. Aber die überdreht wirkende Art des Trainers Ricardo Moniz und der wenig überzeugende Umgang mit dem Kader nicht nur bei den Suspendierungen der fünf Spieler in der vergangenen Woche, bei der auch der frisch zum Kapitän gemachte 18jährige Julian Weigl gleich mal mit demontiert wurde, potenziert die Probleme vermutlich eher noch.

Nicht sonderlich euphorisch geht es auch in Düsseldorf zu. Das Auftaktprogramm war schwer und wird am dritten Spieltag mit dem Spiel gegen Karlsruhe nicht einfacher. Dass man zweimal eine Führung nicht über die Zeit brachte, in Würzburg im DFB-Pokal bei einem Regionalligisten ausschied und sich noch mit Fanausschreitungen rumärgern musste, hinterlässt erste Kratzer im Lack, der in dieser Saison mit seiner individuellen Klasse doch für große Ziele stehen sollte. Aber Oliver Reck dürfte noch ein paar Wochen unangetastet bleiben und wohl auch entsprechend Punkte holen, um nicht in Frage gestellt zu werden.

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Fabian Franke: „Ich brauche mich vor niemandem verstecken“

Fabian Franke gehört fast schon zu den Urgesteinen im Team von RB Leipzig. In diesem Jahr geht er in seine fünfte Saison mit dem hiesigen RasenBallsport. 2010 gekommen, saß er erst ein halbes Jahr auf der Bank, bevor er unter drei verschiedenen Trainern (Oral, Pacult, Zorniger) jeweils Stammspieler war. Auch wegen Verletzungen rutschte der gebürtige Leipziger in der vergangenen Spielzeit zeitweise ein wenig in die zweite Reihe. 25jährig nimmt Fabian Franke nun erstmals Anlauf in der zweiten Bundesliga und versucht dort, seine Stärken im Zweikampf im Sinne der Mannschaft einzubringen und den Anforderungen einer hoch verteidigenden Abwehr gerecht zu werden. Grund genug, sich mit dem Innenverteidiger, der aktuell wegen Achillessehnen-Problemen auf unbestimmte Zeit ausfällt, zu einem Interview zusammenzusetzen und sich über Verletzungspech, aus dem Spielsystem resultierende Anforderungen für die Verteidiger und Karriereverlauf zu unterhalten.

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Die unklare Zukunft des Timo Röttger

Anfang Juli 2011 war es, der eine oder die andere wird sich vielleicht noch erinnern, als Timo Röttger im allerersten Testspiel unter Peter Pacult an einem verregneten Tag in Braunsbedra zum Einsatz kam und sich dort nach seinem Wechsel von Dresden nach Leipzig mit seiner Spielweise und drei Toren eindrücklich dem neuen Publikum präsentierte. Wer ihn an dem Tag sah, sah ein Versprechen auf die folgende Saison.

Ein Versprechen, das Timo Röttger lange vollumfänglich hielt, denn in seiner ersten Halbserie bei RB Leipzig wurde er zum besten Spieler im Team. Mit fünf Toren und sieben Vorlagen bis zur Winterpause plus einer Torvorbereitung im Pokal gegen Wolfsburg hatte er eine eindrucksvolle Offensivbilanz, die Folge eines spektakulären Auftretens auf dem Feld war. Wobei ihm auch die Pacultsche Taktik, den Ball einfach auf die Außen zu spielen und dann zu gucken, was passiert, entgegen kam. Denn so erhielt er als Alleinunterhalter einen Großteil der offensiven Anspiele und konnte sich dann auf dem Flügel austoben.

Was für Timo Röttger eine wahre Wonne war, denn als einer, der im positiven Sinne immer ein wenig den Eindruck eines Straßenfußballers erweckt, tobte er sich mit dem Ball am Fuß in vielen Zweikämpfen und Eins-gegen-Eins-Situationen nach Herzenslust aus. Wenn man Timo Röttger damals (und auch heute noch) beim Fußballspielen zuschaut, dann hat man immer das Gefühl, man könnte ihm auch nachts um drei einen Ball ins Bett werfen und er würde sofort hochschnellen und mit größter Freude gen nächstem Tor sprinten und dribbeln. Bei all dem übertrug sich die Wonne nicht nur auf den Beobachter, es war in seinen Anfangswochen bei RB Leipzig sportlich auch ziemlich effektiv.

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The never-ending Kammlott-Story

Wie oft wurde in den letzten dreieinhalb Jahren an dieser Stelle im Blog, aber nicht nur hier über Carsten Kammlott geredet. 2010 wurde das damals 20jährige Offensivtalent von RB Leipzig aus Erfurt für einen höheren sechstelligen Betrag  als Versprechen auf die Zukunft und quasi als Gesicht des Vereins verpflichtet, was auch darin Ausdruck fand, dass Kammlott als Aushängeschild prominent auf der Website eingebunden wurde.

Anfang 2014, ein halbes Jahr vor Auslaufen des Vierjahres-Vertrages erwartet eigentlich niemand mehr, dass aus Carsten Kammlott noch der Superstar und entscheidende Spieler im System von RB Leipzig wird. Dafür halten sich hartnäckig die auch in Erfurt nicht dementierten Gerüchte, Kammlott könnte noch im Winter an die alte Wirkungsstätte zurückkehren. Und auch in Halle und seit neuestem gerüchteweise auch in Duisburg zeigt man Interesse am inzwischen 23jährigen.

Vor allem anderen muss man festhalten, dass Carsten Kammlott ein großartiger Fußballer war und immer noch ist. An guten Tagen ist seine feine Ballbehandlung, seine Dribbelstärke und seine Geschwindigkeit mit dem Ball eine absolute Waffe, die locker drittligareif ist. Warum aus diesem Potenzial nur so selten auch gute Spiele und vor allem auch konstante Leistungen entstanden sind, darf zu den großen Rätseln des Fußballs gezählt werden und kann vermutlich niemand so richtig erklären.

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Goldene und weniger goldene November

Die aktuelle Situation ist für RB Leipzig insgesamt zufriedenstellend. Auch wenn die letzte Niederlage gegen Rostock und die eine oder andere offensive Dürftigkeit ihre Kratzer im Lack hinterlassen haben. Nur drei Tore in drei Ligaspielen bisher im November, eins nach Torwartfehler beim Herauslaufen, eins durch einen Sonntagsschuss und eins durch einen Freistoß, den der Keeper eigentlich halten muss, legen den Finger in die derzeitige Wunde.

Vor einem Jahr noch war der November so etwas wie ein goldener Monat. 12:1 Tore und vier Siege standen damals in der Regionalliga zu Buche (ergänzt durch einen Sieg im Sachsenpokal). Darunter die emotionalen Highlights in Magdeburg mit einem Röttger on fire und in Zwickau. Quasi ein Festmonat aus RB-Sicht. Der die klare Tabellenführung in der Regionalliga mit sich brachte und die Liga fast schon vorentschied. Ein bisschen was von jener offensiven Sicherheit wünschte man sich vor dem anstehenden Spiel in Saarbrücken zurück..

Als nicht unwesentlicher Grund für die damalige Erfolgssträhne – mal abgesehen von der tieferen Liga – ließ sich eine fest eingespielte Stammformation ausmachen. Sieben bis acht Spieler waren in praktisch allen Spielen mehr oder minder durchgängig auf dem Platz. Das sieht in diesem Jahr, in dem auf einigen Positionen öfters gewechselt wird, deutlich anders aus, ist aber angesichts einer größeren Liga und wesentlich mehr Spielen auch gar nicht anders möglich. Umso erstaunlicher, dass angesichts einer gewissen Unruhe bei der Kaderbesetzung in diesem Jahr bisher Platz 2 in der dritten Liga steht.

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Blogstöckchen: Länderspielpause

Das FCSBlog 2.0 hat geworfen, ein Blogstöckchen nämlich. Der Libero fing bereits und ich auch ich will nun die Chance ergreifen und den letzten Arbeitstag der Woche zum fangen und weiterwerfen nutzen. Auch wenn ich angesichts eines nicht unbedeutenden Pflichtspiels von RB Leipzig gar nicht unbedingt zur bemitleidenswerten Zielgruppe gehöre, die in der Länderspielpause von ihrem Verein getrennt werden. Nun denn..

Bislang bestes Spiel 2013/2014?

1.FC Heidenheim vs. RB Leipzig 0:2

Es deutete sich zwei Spiele zuvor in Osnabrück schon an, dass RB Leipzig einen Schritt nach vorn im erfolgreichen Ankommen in der dritten Liga gemacht hatte. In Heidenheim zog man dies auch dank der Mithilfe des erst 18jährigen Talents Joshua Kimmich 90 Minuten lang durch und ließ dem überlegenen Spitzenreiter (fast) keine Chance. Ein Sieg, an dem neben der notwendig sehr guten Einstellung vor allem die fußballerischen Komponenten beeindruckten. Ein Sieg, der auch dank des 90minütigen Einsatzes von etwa 400 mitgereisten Fans unheimlich viel Spaß machte. An dem Tag passte einfach von Glück über Stimmung bis hin zu Können alles zusammen.

Absolutes Langweilerspiel 2013/2014?

SV Elversberg vs. RB Leipzg 1:0

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Attraktive Argumente

In einem aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zur Verweildauer von Filmbeiträgen in öffentlich-rechtlichen Internetarchiven nicht mehr online verfügbaren MDR-SpiO-Filmbeitrag hatte Ralf Rangnick kürzlich auf der Basis der Zuschauerstatistiken nach der Hinrunde sinngemäß davon gesprochen, dass bei RB Leipzig gegenüber der Vorsaison, auch aufgrund der attraktiveren Spielweise, ein Zuschaueranstieg von reichlich 7.000 auf fasst 8.000 zu verzeichnen sei. Kurz darauf, sprich am letzten Wochenende verzeichnete RB Leipzig den niedrigsten Besuch bei einem Heimspiel in dieser Saison. 4.561 Zuschauer wollten sich bei vergleichsweise angenehmen Temperaturen das zweite Rückrundenspiel des Tabellenführers angucken.

Vergleicht man dies mit der vergangenen Saison, stellt man fest, dass damals immerhin vier Spiele schlechter besucht waren. Drei davon lagen in der Hinrunde 2011/2012. Als das die Spiele gegen Havelse, Halberstadt und Meppen waren. Das könnte man zumindest als Beleg der These Rangnicks nehmen, dass die Zuschauerzahlen steigen würden.

Nimmt man allerdings nur die beiden Rückrundenheimspiele und vergleicht sie mit den beiden letztjährigen Rückrundeneröffnungen, dann fällt aber auf, dass in diesem Jahr weniger Zuschauer die Drehkreuze passierten. 9.910 waren es gegen Neustrelitz und Rathenow. Letztes Jahr waren es gegen den Tabellenletzten Wilhelmshaven und gegen den 14. VfB Lübeck insgesamt 10.648. Zu einem vergleichbaren Zeitpunkt kamen gegen vergleichbare Gegner insgesamt ein paar Zuschauer mehr. Was wiederum gegen Rangnick sprechen würde.

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Ehemaligenversammlung

Gestern war es soweit und der ehemalige Coach von RB Leipzig Peter Pacult unterschrieb seinen nächsten Arbeitsvertrag. Ausgerechnet und – für mich zumindest – extrem unerwartet bei Dynamo Dresden. Denn erstens hinterließ er mit seinem überstürzten Abschied bei seinem ersten Versuch bei Dynamo, als er 2006 kurz nach Saisonbeginn überraschend um Vertragsauflösung bat, um zum Herzensclub Rapid Wien zu wechseln, nicht nur Freunde, zweitens war seine letzte Station, die er mit Überzeugung(!) ausfüllte, jene bei RB Leipzig, was mit dem durchschnittlichen Dresdner Anhänger nicht zu 100% kompatibel scheint und drittens war Pacults sportliche Expertise im RB-Jahr gerade bezüglich der taktischen Entwicklung des Teams nicht sonderlich beeindruckend.

Wobei letzteres auch wenig Aussagekraft haben könnte, denn mit Dynamo Dresden wird Pacult in den kommenden Monaten kaum in die Situation kommen, gegen tief verteidigende Gegner anrennen zu müssen. Sprich, bei Dynamo wird es nicht unbedingt auf das Spiel mit dem Ball ankommen, wie es das bei RB Leipzig zumeist tat, sondern auf schnelles Umkehrspiel. Und wie das aussehen kann, hat auch Pacults RB Leipzig in Perfektion gegen den VfL Wolfsburg gezeigt. Peter Pacults Umschaltspiel mag aufgrund des fehlenden Pressings nicht sehr modern wirken, aber vermutlich wird das in den kommenden sechs Monaten, in denen es für Dynamo um den Klassenerhalt geht, gar nicht so entscheidend werden.

Mit dem Namen Pacult sind auch aus RB-Perspektive interessante andere, potenzielle Personalien verbunden. Zuerst einmal ist der Wechsel Pacults dahingehend pikant, dass bei Dynamo Ex-RB-und-zuvor-schon-mal-Dynamo-Pressesprecher Enrico Bach als Kommunikationschef arbeitet, der in Leipzig praktisch von Pacult entlassen wurde, indem der seinen eigenen Pressechef mitbrachte, nämlich Sharif Shoukry. Wobei die besondere Pikanterie der Story auch darin bestand, dass Bach bis zuletzt und als schon alle Pressewelt davon schrieb, nichts von seiner Demission wusste und an der Seite Pacults seinen Job machte. Dass die beiden große Freunde werden könnten, liegt zumindest nicht nahe. Dass Shoukry und Bach die Plätze tauschen allerdings auch nicht.

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Systemopfer: Timo Röttger

Timo Röttger war der Star der Hinrunde 2011/2012 unter Peter Pacult. Fünf Tore und sieben Torvorbereitungen verbuchte er damals in der Regionalliga auf seinem Konto. Dazu kam noch die Vorbereitung des 2:0 gegen Wolfsburg im DFB-Pokal. Lohn der ganzen Mühen war der unumstrittene Titel des Publikumslieblings und auch hier im Blog der Titel des Spielers der Hinrunde. In der Rückrunde kam er aufgrund von Verletzungen nur noch auf 8 Spiele, in denen er nur noch ein Tor vorbereitete.

Die neue Saison, so die allseitige Hoffnung, sollte dann wieder an die Hinrunde 2011/2012 anschließen. Aber schon in der Vorbereitung steckte ein wenig der Verletzungswurm drin, sodass Timo Röttger zu Saisonbeginn erst mal zugucken musste. Und seitdem nicht so recht in Schwung kam. Bei insgesamt sechs Einsätzen wurde er dreimal ein- und zweimal ausgewechselt. Trotzdem bereitete er zwei Tore (durch wunderschöne Gassenpässe) vor (in Neustrelitz und in Auerbach).

  • 2011/2012: 26 Regionalligaspiele, 1849 Minuten, 5 Tore, 7 Torvorlagen
  • 2012/2013: 6 Regionalligaspieler, 329 Minuten, 0 Tore, 2 Torvorlagen

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Mut in Quantitäten und Qualitäten

Statistisch gesehen war der Sieg mit mehr als einem Tor Differenz vorgestern gegen Lok dran. Zumindest, wenn man RB Leipzig als Meisterschaftskandidaten sieht. Circa 60% aller Siege waren bei den Regionalliga-Aufsteigern der letzten zwei Jahre Siege mit mindestens zwei Toren Differenz. Die restlichen 40% waren Siege mit einem Tor Differenz. Bei bisher einem knappen Sieg von RB Leipzig war der klare Sieg dran, um mit dem statistischen Aufstiegszug mitzufahren.

Und noch eine zu diesem frühen Saisonzeitpunkt genauso wenig aussagekräftige, aber aufgrund ihres positiven Gehalts zu benennende Statistik. Denn nach drei Spielen steht RB Leipzig mit der besten Regionalliga-Bilanz der Vereinsgeschichte da. Vor zwei Jahren unter Oral startete man mit drei Unentschieden (zwei davon zu Hause) in die Saison. Letztes Jahr unter Pacult waren es dann dank zweier Auswärtssiege bereits sechs Punkte. Und in diesem Jahr steht Alexander Zorniger mit seinen RasenBallsportlern bereits bei sieben Punkten. Man bedenke dabei, dass das Unentschieden gegen Union Berlin II unnötig war und die zwei verlorenen Punkte weiterhin leise schmerzen.

  • 2010/2011: 3 Spiele, 3 Punkte, 2:2 Tore
  • 2011/2012: 3 Spiele, 6 Punkte, 5:3 Tore
  • 2012/2013: 3 Spiele, 7 Punkte, 6:3 Tore

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Ralf Rangnick und die Kluft zwischen Rhetorik und Realität

Ehrlich gesagt war mein Interesse für den Salzburger Fußball nie sonderlich ausgeprägt und das wird wohl auch auf absehbare Zeit so bleiben. Warum ich die dortigen Fußballer emotional unterstützen sollte, nur weil ich in Leipzig einem Verein anhänge, der aus denselben Geldern ernährt und in derselben Art geführt wird, erschließt sich mir nicht. Von daher musste ich auch ein wenig vor mich hinkichern, als Ralf Rangnick kürzlich irgendwo (ich verliere da gerade etwas den Überblick, was in welchem Zusammenhang/ Interview gesagt wurde) ausführte, dass man als Salzburger Anhänger sofort nach dem eigenen Ergebnis Interesse an dem von RB Leipzig haben solle und andersherum.

Ich verstehe, dass Anhänger von Red Bull und Red-Bull-Eventkultur so agieren, aber meine Baustelle ist das nun wirklich nicht. Mein Interesse an den Vorgängen bei Red Bull Salzburg wird immer vornehmlich davon geleitet sein, was diese denn mit RB Leipzig zu tun haben könnten und welche Querwirkungen daraus eventuell resultieren. Klar, Ralf Rangnick muss sich über Synergien und Co den Kopf zerbrechen und die enge Verzahnung verschiedener Leipziger und Salzburger Institutionen ist sehr sinnvoll (und war ja auch unter Beiersdorfer schon aktuell), aber jenseits der nüchternen Analyse macht es da bei mir emotional nicht klick.

Trotzdem habe ich gestern dank ORF-Stream meine ersten handgeschätzten 30 Minuten Livefußball mit Red Bull Salzburg erlebt. Die insgesamt denkwürdiger Natur waren, denn wann erlebt man es schon mal, dass ein österreichischer Meister dem Äquivalent in Luxemburg in zwei Spielen unterliegt. Für Salzburg war es seit dem Einstieg von Red Bull das erste Mal, dass man in der Qualifikation zur Champions League schon vor der entscheidenden Playoff-Runde ausschied. Bisher scheiterte man immer an Teams (Valencia, Donezk, Maccabi Haifa, Hapoel Tel Aviv), die dann in die Gruppenphase der Champions League einzogen. Man muss kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass die Amateure aus Dudelange die erste Ausnahme in dieser Reihe sein werden.

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Geschwindelt oder unzurechnungsfähig?

Kommunikativ ist der Wechsel hin zu Führungsstrukturen mit Ralf Rangnick ein kompletter Paradigmenwechsel. Diverse und regelmäßige Interviews Rangnicks inklusivev (z.B. Welt, LVZ, Vereinsseite [broken Link]). Dass kann ich ziemlich gut leiden, macht es doch Ideen und Prozesse transparenter (auch wenn man langsam weiß, dass RB Leipzig schnell gen Bundesliga soll, der Nachwuchs gaaanz wichtig ist und sich Salzburg und Leipzig ergänzen sollen). Und in einer Welt, in der eh über alles und jeden Stein diskutiert wird, kann es nicht schaden, wenn man seine eigenen Ansichten als Input bereitstellt. Wobei natürlich auch immer die Möglichkeit besteht, dass mal eine Bemerkung durchrutscht, die aufhorchen lässt. Wie diese hier:

Ich habe Pacult nicht entlassen. Auch ohne meine Verpflichtung war geplant, dort Veränderungen vorzunehmen. (Ralf Rangnick im Interview mit Welt am Sonntag, 22.07.2012)

Um es mal ganz direkt und mit kutschkeesker Brechstange auszudrücken: Entweder Ralf Rangnick schwindelt oder bei Red Bull Soccer arbeitet man tatsächlich komplett unzurechnungsfähig. Denn nehmen wir mal an, Rangnicks Szenario würde stimmen und Red Bull habe wirklich völlig unabhängig von ihm an Pacults Kragen gewollt, dann würde dies bedeuten, dass die Red-Bull-Zentrale in der Zeit vom 12.05.2012 (der Tag als mit dem Unentschieden gegen Wolfsburg II der Nichtaufstieg klar war) bis zum 12.06.2012 (also dem Tag des Moniz-Rücktritts), also einen ganzen Monat lang, trotz Trainerwechselplans keinerlei Anstalten zu personellen Veränderungen machte, sondern Pacult sogar die neue Saison planen ließ. Erst mit dem überraschenden Moniz-Rücktritt begannen dann die personellen Mühlen zu mahlen, die laut Rangnick auch ohne Rangnick hätten mahlen sollen.

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Peter Pacult als Überraschter

Wäre Moniz nicht zurückgetreten, wäre ich jetzt noch Trainer in Leipzig. (Peter Pacult via heutiger Sportbild)

Zwei Seiten widmet Sportbild heute den letztwöchigen Vorgängen bei RB Leipzig und Red Bull Salzburg. Wer überlegt, deswegen zum Kiosk zu rennen, sollte es bleiben lassen, denn neues oder interessantes steht fast nicht drin. Ein weiterer Artikel, der unter der Überschrift „Red Bull verschleißt Trainer“ nur eine Auflistung von Kündigungen und Kündigungsumständen liefert. Situationsanalysen, was führte warum wozu, wo lagen oder liegen die Probleme der Red-Bull-Organisation? Alles Fehlanzeige. Ist ja aber auch nur Sportbild wird der Eine oder die Andere einwenden. Naja, sage ich, auch Sportbild schreibt durchaus Artikel mit Erkenntnisgewinn, wenn ich beispielhaft nur an ihre recht regelmäßigen, begleitenden Beiträge bei der Entstehung der Regionalliga-Reform denke.

Interessant am Sportbild-Beitrag lediglich das Pacult-Zitat, das etwas bestätigt, was man eh schon vermuten konnte, nämlich dass bis zum Rücktritt vom Salzburger Trainer Ricardo Moniz in Leipzig keinerlei Einschnitte geplant waren. Womit auch die – witzigerweise auch von der Sportbild behauptete – Story ins Reich der Fabeln zu verweisen ist, dass Pacult gehen musste, weil er nicht aufgestiegen sei. Pacult musste (nachvollziehbarerweise) vielmehr gehen, weil er nicht in die Planungen von Ralf Rangnick passte. Was sich auch in Pacults Worten selbst widerspiegelt: Peter Pacult als Überraschter weiterlesen

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Versprechungen

Um von der hundsdämlichen Unkrautvernichterattacke [broken Link] in Lüttchendorf abzulenken, noch mal ein paar Takte zu Neu-Coach Alexander Zorniger. Dessen Erscheinen hat beim RasenBallsport-Teil von Leipzig eine Art Trainerkult ausgelöst, wie es ihn bei RB zuvor nun auf gar keinen Fall gab. Dazu beigetragen hat unter anderem die Art und Weise, wie Zorniger der Presse nach dem 2:0 von RB Leipzig gegen den VfL Halle Rede und Antwort gestanden hat [broken Link]. Drei Vorgänger hatte Zorniger (sodass er die vierte sportlich Verantwortliche im vierten Jahr ist). Drei Vorgänger mit jeweils anderen Problemfeldern:

  • Der größte Vorwurf, den man in Zusammenhang mit Tino Vogels Arbeit vernommen hat, war der, dass er zu lasch und zu wenig professionell fordernd trainieren lassen habe. Gewissermaßen war das aber auch ein wenig sein Erfolgsrezept, weil er seinen erfahrenen Kader aus ehemaligen Bundesligaprofis plus x einfach machen ließ und die ihm das mit einem entspannten Aufstieg dankten.
  • Von Tomas Oral blieb bei mir aus seiner öffentlichen Wahrnehmung negativ hängen, dass er es schaffte, seinen Spielern auf den Sack zu gehen, die Hierarchie innerhalb der Mannschaft ziemlich hemmungslos zu zerstören und nach Niederlagen einzelne Spieler (in wahllos erscheinender Folge) mit darauffolgender Nichtbeachtung in der Aufstellung zu strafen. Timo Rost kann von letzterem vor allem ein Lied singen (aber nicht nur er).
  • Peter Pacult wiederum wurde durch komplett fehlende spieltaktische Lernfähigkeit negativ auffällig. Dazukommend schien seine Personalpolitik der zweiten Halbserie auch eher auf die Demonatge einzelner Spieler abzuzielen.

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Geduldsprozess

Interessantestes Detail der mittwochlichen Pressekonferenz mit Ralf Rangnick und Alexander Zorniger zur Vorstellung der beiden Neuen bei RB Leipzig (bzw. ihrer Ideen) vielleicht die Einlassungen des neuen starken Manns in Salzburg und Leipzig Rangnick zum nunmehr Ex-Trainer Peter Pacult:

Es gab Kritik, dass obwohl ich schon seit einer Woche als Sportkoordinator feststand, hier trotzdem die Verantwortlichen habe weiterarbeiten lassen. Ja, was denn sonst? Wir können ja nicht den Trainer mitten in der Vorbereitung abberufen, solange wir noch nicht in allen Punkten Einigung haben mit einem neuen Trainer.

Für mich war von vornherein klar, dass wir andere Überlegungen anstellen müssen. Das hat gar nichts mit der Qualität der Trainerarbeit zu tun, sondern das ist eine grundsätzliche Frage, welchen Weg man gemeinsam bestreiten möchte.

Sprich, mit Dienstantritt von Ralf Rangnick war klar, dass Pacult gehen muss. Zu einem Zeitpunkt als selbst Loos und Pacult öffentlich noch abwartend davon sprachen, dass man sich sicherlich bald mit Rangnick zusammensetzen werde. Ist dann wohl nicht mehr geschehen. Peter Pacult, das ehemalige Gesamtprinzip von RB Leipzig, als einwöchiger Übergangsübungsleiter, damit die Spieler nicht unbetreut sind. Das ist eine ziemlich deutliche Ansage mit Hang zur kleinen Demütigung.

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Konzepttrainer Alexander Zorniger statt Prinzip Pacult

So nun, da wollte ich heute noch einen Beitrag schreiben, in dem ich anhand der gestrigen Pressekonferenz [broken Link] mit Ralf Rangnick zu Ehren der Vorstellung von Gérard Houllier als Gesamtchef Fußball bei Red Bull noch einmal darlege, warum in meinen Augen Peter Pacult und Ralf Rangnick nicht zusammenarbeiten können und zack überholen mich Verein und rückenstärkender Konzern rechts oder links oder oben drüber und machen den bereits vermuteten Trainerwechsel offiziell. Sodass Peter Pacult bei RB Leipzig nach einem weitestgehend erfolglosen Jahr schon wieder gehen muss.

Wobei Pacults Abgang sehr wenig mit dem Nichtaufstieg des letzten Jahres zu tun haben dürfte, sondern viel mehr damit, dass er mit seiner Methodik und seinem Weg zum Ziel auf völlig unterschiedlichen Wellenlängen mit seinem neuen Vorgesetzten Ralf Rangnick liegen dürfte. Und Rangnick hatte in den letzten Tagen keine Chance ausgelassen zu erklären, für wie wichtig er die Besetzung des Trainerpostens hält, weil sich dort entscheide, wie die von oben kommende Philosophie konkret umgesetzt werde. Pacult als Philosophie-Empfänger und -Umsetzer. Beim besten Willen und bei allem Respekt vor dem Ex-Trainer, aber diese Variante erschien von Anfang an völlig utopisch.

Weswegen der Abgang Pacults auch völlig in Ordnung geht, zumindest wenn man wie ich die Struktur mit Ralf Rangnick als Sportdirektor Salzburg und Leipzig und mit Gérard Houllier als Fußballchef für Red Bull gut und zielführend findet. Für mich ist dieser Schritt eine absolut folgerichtige Korrektur des Fehlers von Dietrich Mateschitz himself aus dem vergangenen Jahr, als er die anderthalbjährige Gesamtleitung durch Dietmar Beiersdorfer einfach wegschmiss, um Peter Pacult in Leipzig durchzusetzen. Schon damals hieß es Pacult oder Beiersdorfer und leider zog Beiersdorfer den kürzeren. Diesmal hieß es Pacult oder Rangnick und Rangnick saß am längeren Hebel.

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