Schlagwort-Archive: Kommerz

Dekret des Zentralkomitees der RB-Einheitsfanclubs

Das Zentralkomitee der Einheitsfanclubs von RB Leipzig ist das wichtigste Fangremium. Bei aller Einigkeit unterscheidet uns nichts. Aus Anlass des zurückliegenden Auswärtsspiels beim 1.FC Köln möchten wir als Fans von RB Leipzig erklären, was diesen, unseren Club besonders macht.

Tradition

Traditionsverein ist ein Kampfbegriff, der oft treffend benutzt wird. Das haben wir zutiefst verinnerlicht. Unsere Tradition ist der Kommerz und unser Gründungsdatum ist uns völlig egal. Immerhin ist die Quersumme 11. Tradition ist für uns ein Synonym für „Zukünftig wird alles besser“. Schon Dietrich Mateschitz prägte den Satz, dass wir in 500 Jahren immer noch 100 Jahre jünger sind als unsere Konkurrenten. Oder so ähnlich. In diesem Geist steht RB Leipzig als Erbe einer Vereinstradition, die immer jung und seiner Zeit weit voraus sein wird.

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Throwback KW 18 bis 20

Vor fünf Jahren war für die Profis von RB Leipzig der Aufstieg in die Regionalliga schon in Sack und Tüten. Weswegen zunehmend Zeit blieb für zeitlose Themen. Da bot sich zum Beispiel die Frage nach den zweiten Mannschaften an. Damals wie heute bleibt da die (von Verbänden und Profivereinen) nicht gewollte Idee, diese Nachwuchsteams in eine eigene Liga zu stecken. Angeblich, weil damit die Ausbildung der Talente nicht gewährleistet werden könnte.

Das Argument hat man wohl inzwischen vergessen, wenn man sieht, wer so alles seine zweite Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückzieht. Folge dessen wird wohl sein, dass immer mehr Talente nach der A-Jugend-Zeit verliehen werden, um die Spielpraxis zu kriegen, die man im eigenen Verein nicht mehr kriegen kann.

Weiterhin scheint eine bundesweite Nachwuchsrunde auf U21-Niveau eine sinnige Sache. Einerseits wegen der Anschlussförderung für die Jugendspieler, für die sowieso im Normalfall bei den Proficlubs mit 21 Schluss ist, wenn sie bis dahin den Anschluss an den Profikader nicht geschafft haben. Andererseits, um im begrenzten Rahmen verletzten Spielern wieder Spielpraxis zu geben.

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Bekenntniszwang als Debattensackgasse

Der folgende Text ist die ungekürzte Langfassung eines Beitrags der vorgestern bei Zeit Online erschien und zu (kleinen) Teilen auf einem älteren Blogbeitrag fußt.

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Die öffentliche Auseinandersetzung um RB Leipzig hat in den letzten Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen, sodass die Ausläufer sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière erreichten, der sich genötigt sah, die Form der Proteste gegen RB Leipzig zu kritisieren. Es bleibt ein grundlegendes Dilemma der Debatte, dass es zu großen Teilen eine Bekenntnisdebatte und somit ein Scheingefecht ist, bei dem die relevanten Fragen danach, wie man sich den Wettbewerb im Profifußball wünscht, meist nur am Rande behandelt werden.

Sicher, die Vorkommnisse rund um das Spiel von RB Leipzig beim Karlsruher SC, angefangen beim Besuch des RB-Mannschaftshotels durch KSC-Anhänger über die Blockade des RB-Bus und das Beschimpfen von Sportdirektor Ralf Rangnick bis hin zum erzwungenen Rücktausch eines KSC-Trikots überschritten die Grenzen des guten Geschmacks. Daraus eine Art Ausnahmezustand zu machen, auf den mit dem typischen Law-and-Order-Forderungsinventar von personalisierten Tickets bis hin zur Strafrechtsverschärfung reagiert werden muss, war dann wohl doch eher eine Kanone zu heftig. Zumal das Strafrecht schon jetzt alle Möglichkeiten bieten würde, auf bestrafenswerte Extreme zu reagieren und personalisierte Tickets bei Vorkommnissen abseits des Stadions auch nichts helfen.

Es müsse möglich sein, Kritik an RB Leipzig zu äußern, hört man nach solchen Tagen immer wieder. Ganz so als ob dies in Frage stünde und diese Kritik in den letzten sechs Jahren nicht ausgiebig praktiziert worden wäre. Interessant in dem Zusammenhang eher die Frage, wo die Grenzen für diesen kritischen Zugang sind bzw. wo Kritik offensichtlich den ideologischen Nährboden für über die Grenzen hinausschießende Aktionen liefert.

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Blind

Noch schlimmer als eine dumme Idee sind die Menschen, die ihr blind folgen. Gegen Red Bull und seine Anhänger.

Neben Fußball war am Sonntag beim Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München vor allem Zeit für ein paar Tapeten im Heimblock. Die sich allesamt in irgendeiner Form gegen Red Bull wendeten und die Tradition stark machen wollten. Also letztlich nicht viel anderes als die Tapeten in den letzten Jahren taten. Nur der Umfang der mehr oder minder kreativen (z.B. „Red Bull Kartell stoppen!“,  „Red Bull verleiht Flügel – Bis die rote Blase platzt“) Botschaften war höher als in den letzten Jahren (wenn man mal von den meist botschaftsintensiven Spielen gegen Lok Leipzig absieht).

Inhaltlich auch nicht ganz neu, aber trotzdem herausstechend war oben zitierte Parole, die nicht auf abstrakte Konzepte wie Tradition oder Kommerz abzielte, sondern auf jene, die es sich im Schatten des RasenBallsports als Zuschauer bequem gemacht haben und ihr Team zu vielen Spielen begleiten. Blind, sprich gedankenlos seien die RB-Anhänger, die einem Verein folgen, der nach Meinung von zumindest Teilen der Löwenfans nicht in eine Reihe mit den anderen der zweiten Liga gehört.

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Traditionelle Identitäten

Es gibt kaum Themen mit größerem Nervpotenzial als das große Thema Tradition. Wenn ein Artikel mit diesem Wort aufmacht, wird es in einer hohen Prozentzahl an Fällen schwiemelig und unlogisch und stellenweise auch populistisch. Weswegen sich eine ebenso hohe Anzahl an Artikelfällen im Normalfall nicht zu besprechen lohnen würde.

Und dann gibt es auch die Ausnahmen von der Regel. Texte, die man im Endeffekt in ihrer Aussage nicht teilt, aber die sich sachlich, aber auch nicht meinungslos, mit ihrem Themenfeld auseinandersetzen und versuchen, sich ihm durch Umkreisen zu nähern. Einen ebensolchen Artikel wehte mir der Netzwind zufällig in die Arme als ich drüben bei Twitter über einen Tweet von Spox stolperte: „Traditionsverein, was ist das eigentlich? Wird man ja wohl noch mal fragen dürfen..“, hieß es darin. Und meine erste, erfahrungsgeprägte Reaktion war: Och nee, nicht schon wieder. Ich bedauere es absolut nicht, doch hineingeschaut zu haben..

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Willenlose Marketingopfer?

Nimmt man gesellschaftlichen Debatten und Interesse an Stadtentwicklung als Zieloptionen, dann sollte man in Leipzig der Existenz von RB Leipzig sehr dankbar sein. In den reichlich zwei Jahren des Vereinsbestehens standen Themen auf dem Programm der (medialen) Öffentlichkeit, die es sonst nie auf die Agenda geschafft hätten. Die finanziellen Probleme der Mensa Leipzig aufgrund unberechtigt mitessender Profis [broken Link] fällt mir als spektakuläres Thema ein. Verschiedene Aspekte des Baurechts und der Verfahrenswege bei Bauanträgen vor dem Hintergrund besonderer Umweltspezifika ebenso. Und seit neuestem dürfen wir uns auch mit dem besonderen Problemfeld des Aufwachsens unserer (potenziellen) Kinder im schulischen Umfeld, also mit grundsätzlichen Fragen der Pädagogik auseinandersetzen.

Verantwortlich dafür ist Mr. Marko ‚der Mensa-Skandal‘ Hofmann himself. Der kam in einer dieser typischen L-IZ-Artikel [broken Link], denen man leider immer anmerkt, dass sie tendenziös sind (die aber trotzdem oft auch genügend Informationsgehalt haben, um gelesen werden zu können), zu dem vernichtenden Urteil:

Eine Marke nutzt das Überbordwerfen von pädagogischen Zielen für ein wenig Geld in Zeiten klammer Kassen dagegen geschickt aus.

Bei der Marke geht es um Red Bull, beim Überbordwerfen pädagogischer Ziele geht es um die Veranstaltungen, die RB Leipzig in Schulen und Kindergärten abgehalten hat, um einen Namen für das Maskottchen zu finden und der Ausgangspunkt der ganzen Sache war ein Beitrag in einem Elternrat-Blog von Anfang September, in dem der Werbecharakter der Veranstaltungen mit dem damals noch namenlosen, nun Bulli heißenden Maskottchen beklagt wurde.

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„Eure Meinung ist uns scheißegal“

Es war kein wirklich überraschender, aber trotzdem ein erstaunlicher Vorgang, dass insgesamt 600 Anhänger des Leipziger RasenBallsports ihren Verein mit zum Auswärtsspiel nach Meuselwitz begleiteten. Nicht wirklich überraschend, weil man in der beginnenden Saison bereits erkennen konnte, dass das Interesse an RB Leipzig im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gewachsen ist. Erstaunlich trotzdem, weil 600 Menschen, die RB zu einem Auswärtsspiel begleiten ganz und gar nicht die Regel sind.

Es scheint ein bisschen als hätten die drei Highlights der letzten Monate mit dem gewonnen Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC und den DFB-Pokal-Festen gegen Wolfsburg und gegen Augsburg zu einer Art Selbstversicherung geführt, dass man nicht total behämmert ist, nur weil man RB Leipzig die Daumen drückt. Ganz im Gegenteil scheint man sich in diesen Spielen eher gegenseitig bestätigt zu haben, dass Fußball und RB Leipzig gucken in der Schüssel alias Zentralstadion alias Red Bull Arena einfach Spaß macht und dass dies einer ganzen Reihe anderer Leipziger oder Ex-Leipziger oder Neu-Leipziger oder Umland-Leipziger genauso geht.

Was bedeuten würde, dass das ureigene Konzept bei RB Leipzig, sich ausschließlich dem sportlichen zu widmen, als Angebot angenommen und akzeptiert wird. Es ist tatsächlich keine jugendliche Event-Fan-Kultur, die da tobt. Der kleine Kern schwarzbekleideter Jugendlicher und Spätjugendlicher ging in Meuselwitz beispielsweise unter gegenüber dem Rest der Reisenden, die bei einem Durchschnittsalter von vielleicht irgendwas knapp unterhalb der 40 einen sehr ungewohnten Anblick boten und selbst den wachhabenden Ordnungsdienstler bei der Einlasskontrolle zur Bemerkung verleitete, dass heute wohl sowieso nichts relevantes in den Block geschmuggelt würde.

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Wochen(end)splitter XI

Stell Dir vor Philipp Lahm schreibt ein Buch, keiner hat es gelesen, aber alle reden drüber. Herrlich die Welt, die die Funktionsweise eines Sketches von Monty Python hat. Und herrlich, daran teilhaben zu dürfen. Philipp Lahm hat also ein Buch geschrieben. Bei allem was man darüber (nicht) weiß, vermute ich dem Titel und den Beschreibungen nach, dass es darum geht, anhand seiner eigenen Karriere zu zeigen, wie sich der Fußball verändert hat und was heutige Jugendliche mitbringen sollten, wenn sie im Profi-Fußball mitschwimmen wollen.

So weit, so unspektakulär. Das Buch, das nächste Woche erscheinen wird (Titel übrigens: Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird), wäre vermutlich erfolgreich gestartet, Philipp Lahm hätte die eine oder andere positive oder negative Rezension gekriegt und alles wäre so dahin geplätschert, wie das oft bei Büchern so der Fall ist. Wenn ja wenn Philipp Lahm nicht auf die Idee gekommen wäre, das Buch vorher in der BILD in Auszügen vorzustellen. Auzüge, bei denen die eine oder andere wohlbekannte deutsche Fußballfigur nicht sonderlich gut wegkommt. Völler komplett plan- und orientierungslos, Klinsmann ohne Taktik, Magath mit seinen Methoden gescheitert und van Gaal (bei dem fällts mir grad nicht ein, was mit dem ist). Nicht sonderlich neues Gedankengut.

Explosive Wirkung erhält das ganze erst durch seine exponierte Präsentation im BILD-Kontext. Philipp Lahm muss es offenbar sehr wichtig gewesen sein, ausgerechnet jene Inhalte des Buches schon vor der Veröffentlichung unters Volk zu bringen, die dezidiert aus dem Innenleben früherer Fußballteams plaudern und so handelnde Personen, respektive Vorgesetzte aus Lahms Vergangenheit ein Stückweit der Lächerlichkeit preisgeben. Insbesondere die Darstellung Rudi Völlers wirkt doch ziemlich despektierlich.

Trotzdem ist das ganze ein von vorne bis hinten ein inszenierter Skandal ohne Inhalt. Man nehme ein paar Leute, die für Lahms weitere Karriere direkt keine (bremsende) Rolle mehr spielen werden. Man pisse ihnen in einem Vorabdruck irgendetwas ans Bein, was inhaltlich recht harmlos ist, aber die betreffenden Personen, eben weil sie so dezidiert als auf die eine oder andere Art unfähig beschrieben werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Reaktionen verleiten wird. Und stehe dann als derjenige da, der öffentlich seine Meinung gesagt und verdienten Personen der deutschen Fußballgeschichte Paroli geboten hat.

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RB Leipzig und der geplante (Marketing-)Fußball

Nun, so lange, wie die ganzen Trainerdebatten bei RB Leipzig im halboffiziellen, medialen Bereich verhandelt werden und was heute als klar beschrieben wird, morgen schon wieder verschoben wird oder ganz neu sein kann, so lange bleibt Zeit sich um andere Themen zu kümmern. Eins davon ist die sechsteilige Doku über Fußballleipzig im Allgemeinen und RB Leipzig im Speziellen „Fußball nach Plan“ [broken Link]. Diese ist letzten Samstag im MDR gestartet und wird fortan an genau diesem Tag jeweils um 18 Uhr für 15 Minuten laufen.

Teil 1 behandelte [broken Link] mehr oder weniger die Anfänge von RB Leipzig. Fußballleipzig, die Bipolarität Lok vs. Chemie, der Einstieg von Red Bull, etc. Alles nicht sehr neu für jene, die RB Leipzig seit Vereinsgründung vor zwei Jahren interessiert begleiten. Aber vielleicht richtet sich die Doku ja auch an ein ganz anderes Zielpublikum.

In Teil 1 zu sehen auch die üblichen Leipziger Gesichter. Burkhard Jung darf das Jobwunder RB Leipzig und die Bundesliga beschwören und macht es seinen Kritikern sehr einfach, weil die von ihm prognostizierten, tausenden entstehenden Jobs natürlich vor allem prekäre Jobs sind. Kellner, Bratwurstverkäufer, Hotelangestellte und Co. Andererseits ist ein Bundesligaverein natürlich ein Imageträger, den man gar nicht hoch genug schätzen kann. Die Bundesliga ist ein weltweit wahrgenommenes Ereignis und wenn man bedenkt, dass man mit dem Wort Cottbus in seinem Pass an einem ausländischen Flughafen durchaus in ein Fußballgespräch verwickelt werden kann, dann weiß man, welche Außenwirkung mit einem Bundesligaverein verbunden sein kann. Wobei ich keine Studien und Zahlen kenne, die belegen, dass aus solcher Art Bekanntheit der Stadt auch ein direkter Vorteil erwächst. Aber vermutlich ist das wie mit Facebook-Freunden. 180.000 Freunde bedeuten per se noch nichts, man muss was mit ihnen anfangen, sie anzusprechen wissen. RB Leipzig und der geplante (Marketing-)Fußball weiterlesen

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BAFF almighty

Man kann davon ausgehen, dass die Fans keine Träne des Bedauerns darüber verdrücken werden, dass Leipzig wohl nicht aufsteigt. So ein Projekt funktioniert vielleicht in der Formel 1, aber der Fußball ist zum Glück nicht kalkulierbar.* (Wilko Zicht, Sprecher des Bündnisses Aktiver Fußball-Fans [BAFF] bei sportschau.de (broken Link))

Es ist manchmal schon seltsam, mit welchem Allmachtsgedanken sich Einzelpersonen oder Fangruppen (als Vertreter von Partikularinteressen) zum Sprecher aller Fans erheben. Seltsam schon deswegen, weil sie eben jene eine Homogenität des Fan-Seins konstruieren, die es in keinem Stadion der Welt gibt. Es gibt bei allen Vereinen verschiedenste Gruppen mit verschiedenstem sozialen, politischen oder meinetwegen kulturellen Hintergrund. Sicherlich haben viele Vereine die eine oder andere dominierende Schicht, aber Homogenität als etwas was behauptet, dass alle gleichgeschaltet die selben Gedanken pflegen, ist das noch lange nicht. Oder anders gesagt: Was – aus Fankultur-Sicht – der Kurven-Ultra beim FC Bayern mit dem Haupttribünen-Gelegenheitsbesucher gemein hat, muss mir erst noch jemand erklären. BAFF almighty weiterlesen

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Alternativer Kommerz

St. Pauli verkauft sich geschickt als der wenig kommerzielle Verein. Dabei belegt er in der Liga Platz zehn bei Merchandising-Verkäufen in Deutschland. Ist der Mythos FC St. Pauli also nur ein Marketing-Gag?
Ebbers: Der Mythos existiert schon. Auch wenn es Extrem-Beispiele wie Torwart Volker Ippig vielleicht nicht mehr gibt. Und natürlich wird mit der Marke St. Pauli auch Geld gemacht, das ist ganz normal.
Jansen: St. Pauli nutzt geschickt seine Stärken. Die machen auch Kommerz, aber eben nicht im Designer-Anzug. (Marcell Jansen vom HSV und Marius Ebbers vom FC St. Pauli  gegenüber Sport BILD vor dem Derby)

Dass St. Pauli bei einem geschätzten Jahresetat von 40 Millionen Euro, Businessseats, Logen und allem was dazu gehört ein ganz normaler Verein ist, also ein Verein, der Einnahmen und sportlichen Erfolg maximiert, ist vermutlich eine Banalität. Dass St. Pauli als Image und Marke derart gut funktioniert und sich ein derart großes Stück vom Fußballmarkt abgeschnitten hat, dass sie mit ihrem Merchandising deutschlandweit bereits auf Rang 10 liegen, ist da schon ein Stück überraschender, wenn auch nicht wirklich sensationell. (Dass sich in Deutschland mit dem Image der Alternativkultur (viel) Geld verdienen lässt, zeigt sich ja auch im Musiksektor.) St. Pauli ist ein Beispiel für sehr geschickte Markenarbeit, ein Beispiel dafür, dass das notorische Anders-Sein-Wollen Märkte und Geldquellen erschließt, die anderen unter Umständen verborgen bleiben. Lustig, dass die Paulianer mit diesem alternativen Markenmodell letztlich das selbe Geschäft betreiben, wie alle anderen großen ‚Kommerz’vereine auch, nur ein bisschen kreativer. Wenn es so etwas wie alternativen Mainstream gibt, dann ist das wohl der FC St. Pauli.

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Keine Kommunikationsguerilla

Ach liebe Rasenballisten (alle folgenden Zitate kommen von Ihrer Fan Interessensgemeinschafts-Website): Ein bisschen habe ich das Gefühl, Sie handelten im vorauseilenden Gehorsam. Ähnlich wie die Ultras vom SV Wehen Wiesbaden, die dem Vorwurf ihr Verein sei nur ein Kunstprodukt entgegensetzen, dass sie doch Hoffenheim und RB Leipzig genauso wie alle anderen Fans als Zerstörer des Fußballs sehen und daraus schlossen, dass sie und ihr Verein deswegen zu den Guten gehören (siehe hier), haben Sie sich auf die Fahnen geschrieben, keine „Red-Bull-Opfer“ sein zu wollen, sondern „traditionalistische Fußballfans“, also auch irgendwie gut und dazugehörend. Keine Kommunikationsguerilla weiterlesen

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Volker Rehboldt macht den Watzke

Nachdem die Rolle FC Bayern des Ostens an RasenBallsport Leipzig vergeben scheint, macht sich der Präsident des 1.FC Magdeburg Volker Rehboldt daran, den Hans-Joachim Watzke des Ostens zu geben. Watzke, seines Zeichens Wegbegleiter und Verhinderer der Dortmunder (Beinahe-)Insolvenz vor einigen Jahren übt sich in regelmäßigen Abständen in mehr oder weniger gelungenen Ausfällen gegen finanzstarke Konkurrenten wie Hoffenheim oder RasenBallsport Leipzig. Watzke ist auch derjenige, der als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA und der BVB Stadion Holding GmbH (ja, Wiki-Wissen) den großartigen Satz kreierte „Ein Klub soll nicht wie ein Konzern geführt werden.“ Ah ja.

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Ultras vs. Aktiengesellschaften

„Der klassische Hooliganismus hat abgenommen. Gewalt entsteht heute eher situationsgebunden und heraus aus einigen Ultra-Gruppierungen. In Zeiten der Kommerzialisierung des Fußballs fühlen sich diese Fans mehr und mehr als reine Stimmungsmacher ausgenutzt, auf die – wenn es hart auf hart kommt – draufgeknüppelt wird. Die Ultras identifizieren sich vor allem mit sich selbst. Wer kann schon aus vollem Herzen Fan einer Aktiengesellschaft sein? Da liegt ein Problem. Der Protest und damit ein Teil der Gewalt ist heute viel mehr in der Kommerzialisierung und in einem sich gegenseitigen Hochschaukeln von Sicherheitsappart und Ultras zu sehen. Fan-Gewalt kann auch eine Reaktion auf die viel zu geringen Partizipationsmöglichkeiten für Fußballfans sein.“ (Gerd Dembowski gegenüber tagesschau.de)

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Die Sache mit der Fankultur

Wenn man Banner, die im Fanblock gezeigt werden als Maßstab nimmt, dann sind Lokfans der Meinung, dass „jeder, der bei RB steht, den ehrlichen Fußball verrät“ (zitiert nach Gedächtnis), in diesem Blog wurden die Zuschauer von RasenBallsport in einem Kommentar als „völlig grenzdebile Figuren“ (by Waldschrat) beschimpft und einem Kommentar zu einem Chemiebloggerblogeintrag kann man entnehmen, dass nur Fans, die zum bierduschenden, schiedsrichterbepöbelnden Auswärtsmob gehören „unter den Lebenden“ (by Alex) weilen. 3 prototypische Äußerungen über das Fandasein, wie es sie im Netz zuhauf gibt (und die gelegentlich in Verschwörungstheorien gipfeln, RB-Fans seien gekauft – ehrlich, ich hätte nichts dagegen).

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Fußball und Investment

Herr Beiersdorfer, in Hamburg waren Sie eine Integrationsfigur des Vereins, die Fans standen hinter Ihnen. Nun arbeiten Sie bei einem Klub mit Investment-Assoziation. Wie passt das zusammen?
Dietmar Beiersdorfer: Das ist eine spannende Frage, die auch ich mir gestellt habe. Ich als jemand, der von einem Fußballklub mit weit über 100 Jahren Tradition kommt, diese gelebt hat. Aber ich hätte nach der Zeit beim HSV auf absehbare Zeit nicht für einen anderen Bundesliga-Klub arbeiten können. Und die Aufgabe mit einer Verantwortung für ein weltweites Engagement ist eine Konstellation, die es in dieser Branche wohl selten noch einmal gibt. In den Gesprächen mit Dieter Mateschitz haben mich außerdem einfach seine Werte beeindruckt. […] Insgesamt will mir nicht einleuchten, dass sich Fußball und Investment ausschließen sollen. Das ist nicht mehr voneinander zu trennen. Oder glauben Sie, dass es bei Bayern, Wolfsburg, Leverkusen, Barca oder auch in Duisburg und Bielefeld nicht so ist. Es geht allein um eine nachhaltig gelebte Fußball-Kultur. (Dietmar Beiersdorfer am 19.03.2010 gegenüber spox.com)

Recht hat er, der Herr Beiersdorfer.

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Aktivitäten gegen den modernen Fußball

Der moderne kommerzorientierte Fußball und die finanziell-sportlich dahinsiechenden Traditionsvereine, das sind für viele Fans zwei Seiten derselben Medaille. Aktivitäten gegen den modernen Fußball beschränken sich dabei oft auf Beschimpfungen und Drohungen (wie bspw. das ‚Wir kriegen euch alle‘ der Lok Leipzig-Kurve beim Spiel gegen RasenBallsport Leipzig). Doch es gibt auch ganz praktische Handlungsanweisungen. Zwei seien hier in aller Kürze vorgestellt.

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Am Anfang war der Name

Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass RB Leipzig nicht Red Bull Leipzig heißt/ heißen darf. Gar nicht mal unbedingt, weil ein Red Bull Leipzig gegen VW Wolfsburg oder SAP Hoffenheim unerträglich wäre. (Schließlich hat man sich im Basketball auch an das Spiel Telekom Baskets Bonn gegen Opel Skyliners Frankfurt gewöhnt.) Nein, weil RasenBallsport Leipzig der bestmögliche aller für den Red-Bull-Ableger in Leipzig denkbaren Namen ist. Sicher, Rote Brause Leipzig hätte mir aufgrund seiner grandiosen Selbstironie auch gut gefallen, aber das wäre für eine Firma im Red Bull-Maßstab wohl des Guten ein wenig zu viel gewesen.

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Tradition vs. Kommerz?

Eigentlich eine Banalität, aber gut genug, um es an dieser Stelle noch mal zitiert zu betonen:

„Natürlich ist uns der Konflikt Tradition gegen Kommerz bekannt, aber wenn man in der Bundesliga spielen möchte, sind gewisse wirtschaftliche Gegebenheiten Voraussetzung.“ (RB Leipzig-Pressesprecher Hans-Georg Felder gegenüber sport1.de am 26.02.2010)

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Fußball in Leipzig: von der Peripherie zum Nabel der Welt?

Arm an Geschichten war sie nie, die Leipziger Fußballwelt. Der VfB Leipzig (später Lok und dann wieder VfB und nun wieder Lok) wurde 1903 erster Deutscher Meister, der ‚Rest von Leipzig’ alias der BSG Chemie Leipzig (später der FC Sachsen Leipzig) wurde mythenreich und sensationell DDR-Meister 1964 und 1987 schaffte es der 1.FC Lokomotive Leipzig in einer historischen Europacupsaison zum Endspiel nach Athen – um nur die herausragendsten Ereignisse zu nennen.

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