Schlagwort-Archive: Fankultur

„Politik gehört nicht ins Stadion“ als Antwort auf eine Frage, die sich gar nicht stellt

Immer wieder erregt das Thema Politik im Fußball die Gemüter. Politik gehört unbedingt dazu und wir bräuchten noch viel mehr Politisierung im Fußball hieß es kürzlich in einem Interview mit den St.-Pauli-Machern Lienen und Rettig. Fußball sollte ein Raum sein, in dem die Menschen vom Alltag und von Politik auch ein Stückweit abschalten können, so die Gegenposition, wie sie ein DFL-Geschäftsführer Seifert unter anderem vertritt.

Es gehört zu dieser Diskussion dazu, dass man sich dabei meist am Schlagsatz „Politik gehört nicht ins Stadion“ abarbeitet. Wobei häufig unklar bleibt, was da so alles unter Politik fällt und was nicht. Und Allsätze sowieso eine schlechte Diskussionsgrundlage sind.

Fakt ist, dass der Wunsch, sich in einem Stadion nicht mit Dingen jenseits des Fußballspiels auseinandersetzen zu müssen, zumindest nachvollziehbar ist. Der Anspruch, dass auch noch der letzte Lebensbereich von Menschen politisiert zu sein habe bzw. von ihnen selbst mitpolitisiert werden muss, ist ein seltsamer in einer Welt, in der sowieso schon der Anspruch besteht, sich mit Haut und Haar den Sphären von Kapitalismus und Gesellschaft zu verschreiben. Das Bedürfnis, sich dem zu entziehen und sich dem puren Träumen von Erfolgen und Glück zu widmen, per se als falsch zu diskreditieren, hilft nicht so richtig weiter.

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Mediale Strippenzieher?

In der heutigen Zeit ist relativ egal, ob der in den Medien erzählte Bürgerkrieg wirklich stattgefunden hat oder nicht. Es gibt Videos, die ihn suggerieren. Es gibt angegriffene Menschen, die ihn empfunden haben. Und es gibt einen Weltkonzern, der seit 25 Jahren sein Geld mit Publicity macht und dem eine derart erzählte Geschichte nutzt. Also wird sie so erzählt. (schwatzgelb.de)

Das wird seit einer Woche an verschiedenen Stellen jenseits der großen Medienkanäle gern in verschiedenen Variationen erzählt. Die RB-Medienmacht, die aus einem Vorfall, der verurteilenswert, aber nicht einzigartig ist, eine Medienwelle gemacht hat, wegen der Borussia Dortmund und deren Fans und die Kritik der Fans an RB quasi zu Opfern wurden.

Muss man sich auch erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Da werden Menschen zu Opfern, die darum nicht gefragt und dazu nur durch pure Anwesenheit beigetragen haben. Und dann zeigt man aus dem Verein, aus dem die Täter kommen auf den Verein, aus dem die Opfer kommen mit dem Zeigenfinger und sagt ‚Überdramatisierung!‘. Als hätten die Angreifer im Nachhinein noch die Definitionsmacht darüber, wie beschissen sich die Angegriffenen fühlen und verkaufen dürfen oder eben nicht.

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Wozu? Oder: #TeamInnenstadtGrimma

Lang ist sie her die letzte Folge von Champagner statt Bier. Damals war es noch Sommer und das erste Pflichtspiel der Saison noch nicht gespielt. Die letzte Phase der Vorbereitung mit einigen Abwehrproblemen steckte noch in den podcastenden Knochen. Abwehrprobleme. Seltsame, fast vergessene Vergangenheit.

Geblieben ist, dass es in diesem Podcast scheinbar strukturlos vom Hundertsten ins Tausendste geht. Viel Stadionfragen, viel Israel, viel Essen und Trinken, der Fanverband darf nicht fehlen und auch nicht die aktuelle, sportliche Situation rund um RB Leipzig. Viel Plauderei, mal ernster mal weniger ernst. Dafür verantwortlich sind diesmal Dirk, Frank  und meine Wenigkeit. Und wenn man es auf doppelter Geschwindigkeit hört, dauert es auch nur halb so lange. Geht doch nichts über die wirklich wichtigen Tipps des Lebens. Wobei Entschleunigung ja auch manchmal gut tut.

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Später wird alles besser

Da muss man sich als RB-Fan wohl auch erstmal dran gewöhnen. Dass es Auswärtsspiele gibt, bei denen man nicht noch ein paar Tage vorher in Leipzig oder an der Tageskasse genug Karten für sich, seine Freunde und ein ganzes Bataillon an Leuten kriegt.

In der Vergangenheit wurde es lediglich bei Spielen beim FC St. Pauli eng. Und zuletzt war das Spiel in Wolfsburg ausverkauft. Wobei lediglich ein Spiel beim FC St. Pauli auch im Vorverkauf ausverkauft war und es bei den anderen beiden Spielen beim FC St. Pauli und beim VfL Wolfsburg noch Karten an der Tageskasse gab.

Bei ungefähr 3.000 Leuten stand entsprechend bisher der Rekord an Auswärtsfahrern bei einem Spiel von RB Leipzig. Bis der Vorverkauf für das Bayern-Spiel losging. Und binnen nicht mal drei Tagen 7.500 Tickets verkauft wurden. Also mehr als doppelt so viele in kürzester Zeit als bisher überhaupt jemals insgesamt zu irgendeinem Auswärtsspiel weggingen.

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Früher war alles…

Waren die Anfeindungen gegen RB Leipzig damals mehr oder weniger als jetzt?
Es war damals gefühlt mehr. Mittlerweile ist das deutlich weniger und vor allem auch sachlicher geworden. Wir reden hier aber von Minoritäten, die für diese Anfeindungen stehen. Zudem war der Support unserer eigenen Fans in der ersten Zeit noch nicht so ausgeprägt.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass es deutlich weniger geworden ist, weil mehr über unsere Ergebnisse und unserer Art Fußball zu spielen, gesprochen wird. Wir stehen für viele positive Attribute, sind ein Verein zum Anfassen. Natürlich muss man manche Plakate bei Auswärtsspielen nicht wegdiskutieren. Aber die werden uns nicht daran hindern, unseren Weg konsequent weiterzugehen.
Was ist denn bislang passiert. Wir haben zuletzt drei Bundesliga-Spiele in einer Top-Atmosphäre erlebt. Und über Dortmund mussten wir sogar schmunzeln (voller BVB-Gästeblock trotz Abwesenheit und Protest verschiedener Fangruppen/ Anmerkung rotebrauseblogger). Ernst nehmen kann man das dann nicht. Grundsätzlich interessiert uns diese ganze Thematik auch nicht. (Dominik Kaiser in Sportbild, 21.09.2016)

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Entscheidungsbekanntgabe als Kommunikationsstil

Themen, über die ich schon immer mal reden wollte. Also eigentlich nicht, aber was solls. Es geht um Banner. Das sind die Dinger, die bei RB Leipzig immer mit auf den Bildern sind, unter denen dann irgendwas von „Danke an unsere Fans, ihr wart großartig“ oder ähnliches drunter steht. Banner sind auch die Dinger, wegen denen sich Ultra-Gruppen gern auflösen, falls das ihrige mal verschwunden ist oder kaputt ging. Seltsames Ritual.

In jedem Fall haben viele Fan-Gruppierungen gern Banner irgendwo am Zaun eines Fußballstadions herumhängen, um ihre Anwesenheit, ihre Fan-Unterstützung oder schlicht ihre Existenz zu demonstrieren. Nichts ganz spektakuläres, aber irgendwie gehört es zur Optik eines Fußballstadions dazu.

Bzw. gehört es im Sektor A der Red Bull Arena zu Leipzig und in einem fernsehkamerarelevante Teil des Hintersektors D ab sofort nicht mehr dazu, wenn es nach dem Willen von RB Leipzig geht. Sprich, die komplette Haupttribüne und die Hälfte des einen Hintertorsektors soll künftig komplett bannerfrei bleiben. In Sektor D sollen die entsprechenden Banner einfach enger zusammenrutschen. Banner aus Sektor A sollen künftig auf die andere Stadionseite in den Bereich der Gegengerade im Sektor C wandern.

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Dekret des Zentralkomitees der RB-Einheitsfanclubs

Das Zentralkomitee der Einheitsfanclubs von RB Leipzig ist das wichtigste Fangremium. Bei aller Einigkeit unterscheidet uns nichts. Aus Anlass des zurückliegenden Auswärtsspiels beim 1.FC Köln möchten wir als Fans von RB Leipzig erklären, was diesen, unseren Club besonders macht.

Tradition

Traditionsverein ist ein Kampfbegriff, der oft treffend benutzt wird. Das haben wir zutiefst verinnerlicht. Unsere Tradition ist der Kommerz und unser Gründungsdatum ist uns völlig egal. Immerhin ist die Quersumme 11. Tradition ist für uns ein Synonym für „Zukünftig wird alles besser“. Schon Dietrich Mateschitz prägte den Satz, dass wir in 500 Jahren immer noch 100 Jahre jünger sind als unsere Konkurrenten. Oder so ähnlich. In diesem Geist steht RB Leipzig als Erbe einer Vereinstradition, die immer jung und seiner Zeit weit voraus sein wird.

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Zeit für uns zu geh’n

In einem stellenweise eher bemühten Beitrag der Süddeutschen Zeitung direkt nach dem Aufstieg von RB Leipzig in die Bundesliga Anfang Mai (ja, zweieinhalb Monate ist das schon wieder her und langsam ist der Aufstieg gesackt und macht der deutlichen Saisonvorfreude Platz), der auf die Frage hinstrebte, ob „Geld auch Aura schaffen“ und nicht nur Tore schießen kann, wunderte sich der Autor ein wenig darüber, dass man in Leipzig „Zweite Liga war schön, Zeit für uns zu geh’n“ gesungen hatte und nicht wie anderenorts „Zweite Liga, nie mehr“.

Die semantischen Differenzen sind natürlich eher gering und ausgerechnet darin ein Indiz für die Andersartigkeit von RB Leipzig zu sehen, dass man sich schon in der Regionalliga ein eigenes Aufstiegslied zurechtgebastelt hat, das im Fanlager zum ultimativen, auch später gern genommenen Gassenhauer wurde, vielleicht eine eher mühselige Argumentationskette.

Trotzdem bleibt auch der Fakt, dass in diesem „Zeit für uns zu geh’n“ immer auch drinsteckte, dass man sich auf einer Reise befindet. Und gefühlt mengte sich nach dem Drittligaaufstieg als erstem Reiseschritt auch ein Stückweit Ruhelosigkeit in diese Phrase bzw. die Reise. Eine Ruhelosigkeit, über die Alexander Zorniger einst befand, dass man auf dem Weg zu seinen Zielen nicht den Spaß verlieren dürfe. Sprich, das Ziel nicht wichtiger werden solle als der Weg.

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Wettbewerbs(nicht)schützer

Ich kann mit der generellen Debatte Kommerz gegen Tradition wenig anfangen. Seit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 ist Kommerz ein wesentlicher Bestandteil im Profifußball. Manche Ligavertreter, die diese Diskussion mit manchmal erstaunlichem Enthusiasmus führen, hätten in den vergangenen 15 Jahren Zeit gehabt, Anträge zu stellen, die das Verhältnis von Kommerz und Tradition anders regeln. Das ist selten geschehen. Deshalb ist es reichlich inkonsequent, jedes Jahr die Diskussion Tradition versus Kommerz neu zu führen. Alle Vereine spielen nach den Regeln, die sie sich selbst gegeben haben. (DFL-Geschäftsführer Christian Seifert im Kicker vom 26.05.2015)

Es gehört zu den normalen Erscheinungen rund um den Fußballsport, dass nach besonderen Ereignissen auch besonders heftig diskutiert, räsoniert und publiziert wird. Das gilt natürlich auch für den Feuerzeugtreffer von Osnabrück, nach dem die mediale Krisenintervention alles in die Waagschale wirft, was in die Waagschale zu werfen ist und Personen und Meinungen aller Art eine Plattform bietet.

Das ist in Bezug auf die schlichte Masse an Berichterstattung noch nicht mal kritisch gemeint. Presse lebt von Aufmerksamkeit und Zugriffen und entsprechend stehen Themen mit viel Aufmerksamkeit auch stärker im Fokus derjenigen, die täglich die Online- und Printseiten hunderter Pubikationsorgane füllen müssen.

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Abseitiger Bonustrack

Da waren wir wieder. Länderspielpause ist perfekte Podcastzeit, so befreit von allen kommunikativen Zwängen, die das Tagesgeschäft Fußball so bereithält. Und so plauderten André Herrmann, Dirk Hofmeister und meine Wenigkeit mal wieder miteinander. Manchmal um den heißen Brei herum, manchmal auf eher direktem Wege.

Wie immer rissen wir dabei die Schwelle des guten Zeitgeschmacks mit Leichtigkeit, ohne auch nur ansatzweise in die Nähe der Langeweile zu geraten. Unterstützt wurden wir dabei wieder mal von kulinarischen Besonderheiten, die nur teilweise sport- oder kindergerecht waren.

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Blind

Noch schlimmer als eine dumme Idee sind die Menschen, die ihr blind folgen. Gegen Red Bull und seine Anhänger.

Neben Fußball war am Sonntag beim Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München vor allem Zeit für ein paar Tapeten im Heimblock. Die sich allesamt in irgendeiner Form gegen Red Bull wendeten und die Tradition stark machen wollten. Also letztlich nicht viel anderes als die Tapeten in den letzten Jahren taten. Nur der Umfang der mehr oder minder kreativen (z.B. „Red Bull Kartell stoppen!“,  „Red Bull verleiht Flügel – Bis die rote Blase platzt“) Botschaften war höher als in den letzten Jahren (wenn man mal von den meist botschaftsintensiven Spielen gegen Lok Leipzig absieht).

Inhaltlich auch nicht ganz neu, aber trotzdem herausstechend war oben zitierte Parole, die nicht auf abstrakte Konzepte wie Tradition oder Kommerz abzielte, sondern auf jene, die es sich im Schatten des RasenBallsports als Zuschauer bequem gemacht haben und ihr Team zu vielen Spielen begleiten. Blind, sprich gedankenlos seien die RB-Anhänger, die einem Verein folgen, der nach Meinung von zumindest Teilen der Löwenfans nicht in eine Reihe mit den anderen der zweiten Liga gehört.

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Fankultur-Zwischenspiel

Über Fankultur schreiben, ist wie zu Architektur tanzen, möchte man in Anlehnung an einen alten Song von But Alive ausrufen. Und doch ist es rund um RB Leipzig immer wieder von besonderem Interesse, darüber zu berichten, wie sie denn nun sind, die Fans der ‚Retorte‘, die es nach Meinung mancher doch eigentlich gar nicht geben dürfte.

Es passiert gar nicht so selten, dass ich in Gesprächen genau dazu befragt werde und mich dann selber erst mal frage, was denn eigentlich das Besondere an RB-Anhängern sei und ob es denn überhaupt etwas besonderes gibt. Und ganz grundsätzlich feststelle, dass die Differenzen eher gering sind. Weil Fankultur als menschliche Konstruktionsleistung überall hergestellt wird, wo Fußball gespielt wird und Menschen dies mit ihnen eigenen, völlig unterschiedlichen Ausprägungen von Emotionen verfolgen. Was auch die Eskapistin alias @isntfamous drüben in ihrem Blog in einem Artikel zu Fußballkultur auf nachvollziehbare Art und Weise dargestellt hat.

Wozu dann also die Fragen dazu, was denn eigentlich das Besondere an der Fankultur bei RB Leizig sei, wo doch diese Besonderheiten sich maximal in Nuancen und wohl auch eher temporär zeigen dürften? Bzw. wozu eigentlich der Versuch, darauf Antworten zu finden? Landet man da nicht unweigerlich – wenn es um RB Leipzig geht – in diesem merkwürdig anmutenden Geschäft, das ein Philipp Köster betreibt, wenn er versucht in seinen 11Freunden die Bedingungen für Fankultur zu definieren? Und landet man damit nicht in einer permanenten Rechtfertigungsstrategie gegenüber Leuten, denen ihre (Redaktionszimmer)Meinung sowieso über den (oft nicht mal getätigten) Beobachtungen steht? Was wäre der Sinn mit einem Köster, darum zu streiten, ob man nun Fankultur hat oder nicht?

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Dynamo in die vierte Liga?

Neues Jahr, neues Projekt. Das Podcast lautet und aus Gründen, die man nachhören kann, den Titel „Champagner statt Bier“ gekriegt hat. Ein Podcast rund um alles, was mit RB Leipzig zu tun hat und darüberhinaus zu allem, was den Beteiligten im Laufe der Sendung über die Leber laufen mag.


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Goldene und weniger goldene November

Die aktuelle Situation ist für RB Leipzig insgesamt zufriedenstellend. Auch wenn die letzte Niederlage gegen Rostock und die eine oder andere offensive Dürftigkeit ihre Kratzer im Lack hinterlassen haben. Nur drei Tore in drei Ligaspielen bisher im November, eins nach Torwartfehler beim Herauslaufen, eins durch einen Sonntagsschuss und eins durch einen Freistoß, den der Keeper eigentlich halten muss, legen den Finger in die derzeitige Wunde.

Vor einem Jahr noch war der November so etwas wie ein goldener Monat. 12:1 Tore und vier Siege standen damals in der Regionalliga zu Buche (ergänzt durch einen Sieg im Sachsenpokal). Darunter die emotionalen Highlights in Magdeburg mit einem Röttger on fire und in Zwickau. Quasi ein Festmonat aus RB-Sicht. Der die klare Tabellenführung in der Regionalliga mit sich brachte und die Liga fast schon vorentschied. Ein bisschen was von jener offensiven Sicherheit wünschte man sich vor dem anstehenden Spiel in Saarbrücken zurück..

Als nicht unwesentlicher Grund für die damalige Erfolgssträhne – mal abgesehen von der tieferen Liga – ließ sich eine fest eingespielte Stammformation ausmachen. Sieben bis acht Spieler waren in praktisch allen Spielen mehr oder minder durchgängig auf dem Platz. Das sieht in diesem Jahr, in dem auf einigen Positionen öfters gewechselt wird, deutlich anders aus, ist aber angesichts einer größeren Liga und wesentlich mehr Spielen auch gar nicht anders möglich. Umso erstaunlicher, dass angesichts einer gewissen Unruhe bei der Kaderbesetzung in diesem Jahr bisher Platz 2 in der dritten Liga steht.

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Opferrollenverschiebungshoffnungen

Dann hätten die Traditionalisten ein neues Opfer und würden uns in Ruhe lassen. (In Hoffenheim hofft man laut Rhein-Neckar-Zeitung [broken Link] fanseits auf den Aufstieg von RB Leipzig.)

Das Argument hat man in ähnlicher Form aus Hoffenheim schon gelegentlich gehört. Ich fürchte allerdings, dass ihr Hoffen unberechtigt ist und der durchschnittliche „Traditionalist“ genug Platz für zwei (oder gar mehr) verhasste Vereine im den Fußball verarbeitenden Teil des Hirns hat.

Oder man nimmt sich in Hoffenheim ein Beispiel an einer Ultragruppe des SV Wehen Wiesbaden, die vor einigen Jahren zum Vorwurf Stellung nahm, dass ihr Verein ein „Kunstprodukt“ sei und diesen Vorwurf im Kern auch bestätigte, um ihn dann aber relativieren und sich selbst in den Schoß der guten Fans zurückholen zu wollen: Opferrollenverschiebungshoffnungen weiterlesen

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Traditionelle Identitäten

Es gibt kaum Themen mit größerem Nervpotenzial als das große Thema Tradition. Wenn ein Artikel mit diesem Wort aufmacht, wird es in einer hohen Prozentzahl an Fällen schwiemelig und unlogisch und stellenweise auch populistisch. Weswegen sich eine ebenso hohe Anzahl an Artikelfällen im Normalfall nicht zu besprechen lohnen würde.

Und dann gibt es auch die Ausnahmen von der Regel. Texte, die man im Endeffekt in ihrer Aussage nicht teilt, aber die sich sachlich, aber auch nicht meinungslos, mit ihrem Themenfeld auseinandersetzen und versuchen, sich ihm durch Umkreisen zu nähern. Einen ebensolchen Artikel wehte mir der Netzwind zufällig in die Arme als ich drüben bei Twitter über einen Tweet von Spox stolperte: „Traditionsverein, was ist das eigentlich? Wird man ja wohl noch mal fragen dürfen..“, hieß es darin. Und meine erste, erfahrungsgeprägte Reaktion war: Och nee, nicht schon wieder. Ich bedauere es absolut nicht, doch hineingeschaut zu haben..

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Gegenattacke

Eine meiner eindrücklichsten jugendlichen Erinnerungen an Fußball jenseits der damaligen deutsch-deutschen Landesgrenzen und jenseits spätabendlicher Europapokalübertragungen im Radio war eine Schalker Fankurve, die via TV ein lautstarkes „Wir sind Schalker und ihr nicht“ intonierte. Ob man gerade abstiegsgefährdet oder bereits abgestiegen war, weiß ich nicht mehr, nur noch an diese lautstarke Unmutsäußerung als letztes Mittel, sich von den eigentlichen Fußballhelden zu distanzieren und sich selbst zum Herzen des Vereins zu machen, erinnere ich mich. Auf der einen Seite also jene, die jenseits des Rasens dem Verein so etwas wie ein Aussehen und eine Identität geben und auf der anderen Seite die, die aus dieser Idenitätskonstruktion (vorübergehend) ausgeschlossen werden, weil man ihnen unterstellt, sich auf dem Rasen nicht dem Verein angemessen zu verhalten.

In jenen Tagen, als von der Veltins-Arena noch nicht mal Visionen existierten, erschienen mir diese Unmutsäußerungen absolut nachvollziebar und völlig plausibel. Heute würde ich vermutlich, falls dies neben mir im Stadion gerufen werden, emotional entweder mit lautem Lachen oder nicht ganz so lautem, dafür umso heftigerem Kopfschütteln reagieren, aber damals passte dies auch noch zu meiner eigenen Identität als Fußballanhänger.

Zur Identität des Schalker Fußballs gehörte für mich solange ich denken kann auch der Attacke-Ruf, der einem Trompetensignal folgt. Mitte der 80er wurde dieses Signal in einer Kneipe vom als „Trompeten-Willy“ zur Legende gewordenen Schalker Wilhelm Plenkers quasi erfunden und erprobt. Später setzte sich die Attacke nach und nach im Stadion durch, nicht unter Plenkers, aber unter einem anderen Trompeter. Seit Anfang der 90er trompetet Plenkers wieder selbst und ist damit so wie  seine kurze Tonfolge mit anschließendem Ruf fester Bestandteil der Schalke-Identität.

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Bilanz: RB Leipzig in der Saison 2011/2012

Da ist sie also dahingegangen diese Saison und die blöde Sommerpause gewinnt langsam Oberhand. Jaja, ich weiß es wurden für Freitag und nächsten Dienstag noch mal Freundschaftsspiele in der Umgebung vereinbart (Bernburg und Braunsbedra). Aber mal ehrlich, nach Saisonnachgeplänkel steht mir irgendwie auch gar nicht der Sinn (keine Ahnung, wie es den Spielern gehen mag). Für Imagepflege in der Region und Vertrags- und Kadergespräche mag das alles aber durchaus sinnvoll sein.

Wie auch immer, die Zeit ist da, um die Rückrunde in ihren vielen Unzulänglichkeiten noch einmal Revue passieren zu lassen. Wofür es Sinn macht, sich noch einmal den Stand nach der Vorrunde, die RB Leipzig immerhin knapp als Tabellenführer beendete, vor Augen zu führen:

Die bisherige Saison war ergebnis- und stimmungstechnisch gut, spielerisch und spieltaktisch aber maximal befriedigend. Insgesamt also ausbaufähig. Mit einer weiteren Saisonvorbereitung und dem weiteren Verinnerlichen von Spielabläufen sollte sich aber gerade die spielerische Linie weiterentwickeln. (Zwischenbilanzen: RB Leipzig in der Saison 2011/2012)

Ja, so optimistisch ging es in der Winterpause hier im Blog noch zu. Wenn man schon eine Halbserie als Tabellenführer beendet, die in vielen Belangen noch nicht mal optimal lief, was würde erst auf den geneigten Beobachter warten, wenn noch mehr Vorbereitung noch mehr Klasse bringen würde? Es ist schon eine Crux, dass von den Träumen und Wünschen so wenig übrig blieb.

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Firmenkompetenz vs. Identitätsirrationalität

Trainingsauftakt war heute mitten in der Trübnis eines sich wie November anfühlenden Winters. Neuzugänge: noch keine. Ausgiebiges Trainieren: noch Fehlanzeige. Ein kleiner, unspektakulärer Start in eine hoffentlich spektakuläre Rückrunde. Auch nicht wirklich spektakulär, aber trotzdem nicht unspannend war das, was Peter Pacult schon vor Weihnachten im Interview verlauten ließ:

Aber es ist ein anderes Arbeiten hier. Weil der Verein anders ist. Normalerweise wird ja immer in deine Arbeit rein geredet. Hier quatscht keiner rum. RB ist intern straffer organisiert und arbeitet kompetent wie eine Firma. (Peter Pacult gegenüber BILD)

Was ich daran weiterhin spannend finde, ist die Tatsache, dass auch Pacult belegt, dass Fußballprofessionelle, also Trainer, Manager, Spieler und Co sehr wenig Berührungsängste mit dem grundsätzlichen Prinzip Red Bull Fußball und dem konkreten Prinzip in Leipzig haben (die Namen Magath, Metzelder, Hoeneß, Calmund, und Beckenbauer stehen stellvertretend dafür), weil sie die Möglichkeit, den eigenen Beruf unter bestmöglichen Bedingungen ausüben zu können, offenbar zu schätzen wissen. Das eigene Team, die Vereinsinfrastruktur und die konkreten Entscheidungswege nehmen da offenbar einen zentraleren Platz ein, als die Frage, ob wer schon vor 30 Jahren im gleichen Vereinstrikot gesteckt hat.

Die sportlich-professionelle Struktur bei RB Leipzig scheint also Formen angenommen zu haben, die den (aktuell) Beteiligten offenbar gut schmeckt. Was durchaus positiv ist. Bleibt aber trotzdem die schon von Christoph Metzelder formulierte Frage, wie die Fans den Verein annehmen und ihm so auch im Umfeld Leben einhauchen. Es wird letztlich um Antworten auf die Frage gehen, inwieweit die auch in Bezug auf seine Identität und deren Konstruktion professionell-strategische Arbeitsweise des Vereins sich mit dem dazu in leichtem Widerspruch stehendem, immer auch irrationalen Wesen des Fanseins und der Fanidentität und der scheinbaren Nichtbeteiligung der Fans an der (offiziellen) Identitätskonstruktion (wie bspw. bei „Die Roten Bullen“) verträgt. Eine weiterhin offene Frage. Auf die wohl nur die Zukunft Antworten weiß und für deren Beantwortung eventuell die nochmals erwähnt sein sollende Umfrage bei rb-fans.de [broken Link] und deren Ergebnisse ein paar Anhaltspunkte bereit hält.

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„Eure Meinung ist uns scheißegal“

Es war kein wirklich überraschender, aber trotzdem ein erstaunlicher Vorgang, dass insgesamt 600 Anhänger des Leipziger RasenBallsports ihren Verein mit zum Auswärtsspiel nach Meuselwitz begleiteten. Nicht wirklich überraschend, weil man in der beginnenden Saison bereits erkennen konnte, dass das Interesse an RB Leipzig im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gewachsen ist. Erstaunlich trotzdem, weil 600 Menschen, die RB zu einem Auswärtsspiel begleiten ganz und gar nicht die Regel sind.

Es scheint ein bisschen als hätten die drei Highlights der letzten Monate mit dem gewonnen Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC und den DFB-Pokal-Festen gegen Wolfsburg und gegen Augsburg zu einer Art Selbstversicherung geführt, dass man nicht total behämmert ist, nur weil man RB Leipzig die Daumen drückt. Ganz im Gegenteil scheint man sich in diesen Spielen eher gegenseitig bestätigt zu haben, dass Fußball und RB Leipzig gucken in der Schüssel alias Zentralstadion alias Red Bull Arena einfach Spaß macht und dass dies einer ganzen Reihe anderer Leipziger oder Ex-Leipziger oder Neu-Leipziger oder Umland-Leipziger genauso geht.

Was bedeuten würde, dass das ureigene Konzept bei RB Leipzig, sich ausschließlich dem sportlichen zu widmen, als Angebot angenommen und akzeptiert wird. Es ist tatsächlich keine jugendliche Event-Fan-Kultur, die da tobt. Der kleine Kern schwarzbekleideter Jugendlicher und Spätjugendlicher ging in Meuselwitz beispielsweise unter gegenüber dem Rest der Reisenden, die bei einem Durchschnittsalter von vielleicht irgendwas knapp unterhalb der 40 einen sehr ungewohnten Anblick boten und selbst den wachhabenden Ordnungsdienstler bei der Einlasskontrolle zur Bemerkung verleitete, dass heute wohl sowieso nichts relevantes in den Block geschmuggelt würde.

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