Schlagwort-Archive: Dietrich Mateschitz

„Politik gehört nicht ins Stadion“ als Antwort auf eine Frage, die sich gar nicht stellt

Immer wieder erregt das Thema Politik im Fußball die Gemüter. Politik gehört unbedingt dazu und wir bräuchten noch viel mehr Politisierung im Fußball hieß es kürzlich in einem Interview mit den St.-Pauli-Machern Lienen und Rettig. Fußball sollte ein Raum sein, in dem die Menschen vom Alltag und von Politik auch ein Stückweit abschalten können, so die Gegenposition, wie sie ein DFL-Geschäftsführer Seifert unter anderem vertritt.

Es gehört zu dieser Diskussion dazu, dass man sich dabei meist am Schlagsatz „Politik gehört nicht ins Stadion“ abarbeitet. Wobei häufig unklar bleibt, was da so alles unter Politik fällt und was nicht. Und Allsätze sowieso eine schlechte Diskussionsgrundlage sind.

Fakt ist, dass der Wunsch, sich in einem Stadion nicht mit Dingen jenseits des Fußballspiels auseinandersetzen zu müssen, zumindest nachvollziehbar ist. Der Anspruch, dass auch noch der letzte Lebensbereich von Menschen politisiert zu sein habe bzw. von ihnen selbst mitpolitisiert werden muss, ist ein seltsamer in einer Welt, in der sowieso schon der Anspruch besteht, sich mit Haut und Haar den Sphären von Kapitalismus und Gesellschaft zu verschreiben. Das Bedürfnis, sich dem zu entziehen und sich dem puren Träumen von Erfolgen und Glück zu widmen, per se als falsch zu diskreditieren, hilft nicht so richtig weiter.

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Europa ist keine Reise wert

Nur noch ein paar Tage bis es mit der Bundesliga wieder losgeht. Mit dem letzten Spiel der Hinrunde gegen Eintracht Frankfurt geht es nach der Winterpause weiter. Zeit, um sich all den Fragen zu widmen, die sich aus dem Trainingslager für den sportlichen Stand der Dinge und die Saisonperspektiven ergeben.

Um Wintersport geht es dabei leider gar nicht. Dafür verantwortlich auch die krankheitsbedingte Abwesenheit von Dirk. Hindert uns aber nicht daran, uns im Kreis rund um allerlei Fragen von Kaderplanung, Trainingslageratmosphäre und Stadionkauf zu drehen. Dabei mitgeholfen, dass auch diese Folge Champagner statt Bier nicht ohne Geknister und Überlänge auskommt, haben Kai und Uli. Und damit rein ins Vergnügen.

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Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen

Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Ein paar Thesen noch zu Salzburg und Leipzig entlanghangelnd an der aktuellen Debattenlage. Vieles davon gab es hier ím Blog schon immer mal wieder verstreut in diversen Texten.

  • Dass Red Bull Salzburg sich auf die Ausbildung junger Spieler spezialisieren will, ist nicht neu.

Wer es im Jahr 2016, so wie es Salzburgs Trainer Oscar Garcia getan hat, überraschend und neu findet, dass Red Bull Salzburg ein Ausbildungsverein ist, hat so einiges verpasst. Schon weit vor dem Eintritt von Ralf Rangnick hat Dietrich Mateschitz im Jahr 2010 erklärt, dass Salzburg zu einer Art Nachwuchsteam werden soll, das um Meisterschaft und internationale Plätze mitspielt, während in Leipzig in einer großen Liga ein stärkeres Team spielen soll. Ob man das nun doof oder gut findet, man sollte nicht so tun, als wäre das eine neue Vereinsphilosophie. Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen weiterlesen

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Beschädigte Werte

Das saß gestern. Die Meldung, dass Red Bull den hauseigenen TV-Sender Servus TV einstellen werde. Nicht nur weil er defizitär arbeitet und sich daran angesichts der Entwicklung des Fernsehmarkts nichts ändern wird. Sondern auch weil die Idee der Gründung eines Betriebsrats im Raum stand und dies auf Missfallen bei der Konzernleitung stieß.

Die Salzburger Nachrichten zitiert entsprechend Firmenchef Dietrich Mateschitz wie folgt: „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens – anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer – nachhaltig beschädigt.“

In der Mitteilung drückt sich etwas aus, was man über Red Bull eigentlich auch schon vorher wusste und was auch schon früher bei manchem Vorhaben und Verhandlungen mit öffentlichen Organen eine Rolle spielte. Dass es ein enormes Misstrauen gegen Institutionen und Rechtevertretungen aller Art gibt. Weil diese in ihrer Art des Arbeitens als störend, hinderlich und beschränkend empfunden werden.

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Throwback KW 18 bis 20

Vor fünf Jahren war für die Profis von RB Leipzig der Aufstieg in die Regionalliga schon in Sack und Tüten. Weswegen zunehmend Zeit blieb für zeitlose Themen. Da bot sich zum Beispiel die Frage nach den zweiten Mannschaften an. Damals wie heute bleibt da die (von Verbänden und Profivereinen) nicht gewollte Idee, diese Nachwuchsteams in eine eigene Liga zu stecken. Angeblich, weil damit die Ausbildung der Talente nicht gewährleistet werden könnte.

Das Argument hat man wohl inzwischen vergessen, wenn man sieht, wer so alles seine zweite Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückzieht. Folge dessen wird wohl sein, dass immer mehr Talente nach der A-Jugend-Zeit verliehen werden, um die Spielpraxis zu kriegen, die man im eigenen Verein nicht mehr kriegen kann.

Weiterhin scheint eine bundesweite Nachwuchsrunde auf U21-Niveau eine sinnige Sache. Einerseits wegen der Anschlussförderung für die Jugendspieler, für die sowieso im Normalfall bei den Proficlubs mit 21 Schluss ist, wenn sie bis dahin den Anschluss an den Profikader nicht geschafft haben. Andererseits, um im begrenzten Rahmen verletzten Spielern wieder Spielpraxis zu geben.

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Optionsraum Trainerwahl

Trainersuche bei RB Leipzig. Ein Thema, das uns nun schon seit Anfang Februar und damit seit dem Abgang von Alexander Zorniger begleitet. Ein Thema auch, das nach dem endgültigen Ausscheiden von Thomas Tuchel aus der Verlosung noch mal eine neue Richtung nimmt, weil das Spekulationsfeld nun wieder größer wird.

Man kann sich bei diesem Thema natürlich von täglichen Neugkeiten und exklusiven Details treiben lassen. Thomas Tuchel beim Essen mit Pep Guardiola. Tuchels Assistent zu Besuch bei RB Leipzig. Markus Gisdol ohne eindeutiges Bekenntnis zu einer Zukunft in Hoffenheim. Irgendwann fragt man sich dann mal zwangsläufig, ob die Sonne eigentlich schon immer blau geschienen hat, weil man in diesem Wust an Details die Übersicht verloren hat.

Details sowieso, deren Bedeutung niemand durchschauen kann, weil kein noch so gut vernetzter und exklusiv nachrichtenversorgter Journalist um die Gesamtheit aller Informationen und Motivationslagen der Beteiligten wissen kann, sodass immer nur ein fragmentarisches und somit realitätsverzerrendes bzw. mit verschiedensten Interpretationen aufladbares Bild entsteht.

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Was von Spieltag 20 bleibt

Für Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht war die Sache schon vor seinem eigenen Spiel gegen Kaiserslautern klar: Ingolstadt sei Richtung Aufstieg bereits durch, verkündete er, nachdem die ihr Spiel gegen Fürth gewonnen hatten. Tatsächlich taten bis auf Kaiserslautern alle Teams dann etwas dafür, dass diese Aussage untermauert wird. Denn alle anderen sechs der vor dem Spieltag ersten acht Teams konnten ihre Spiele nicht gewinnen.

Acht Punkte Vorsprung auf Platz 2 für Ingolstadt und neun Punkte Vorsprung auf Platz 3. Bei nur noch 14 Spielen. Klar kann im Fußball immer alles passieren, aber im Normalfall verliert ein Spitzenreiter nicht 0,6 Punkte pro Spiel auf gleich zwei Teams der Tabelle, um dann am Ende noch Dritter oder schlechter zu werden. Zumal nicht, wenn sich die Teams auf den Plätzen 2 bis 10 auch weiter gegenseitig die Punkte klauen.

Kaiserslautern war schon vor der Winterpause spielerisch das vielleicht stärkste Team der Liga, brachte aber einige Partien nicht durch, die man eigentlich im Griff hatte. Falls man jetzt auch noch auswärts dominant auftritt und gewinnt, ist man Richtung Aufstieg allererster Anwärter hinter Ingolstadt.

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Frommer Wunsch

Mit rein erfolgsorientiertem Ergebnisfußball erreichen wir die Menschen nicht, aber mit unserem Bienenschwarm-Fußball. Die Fans sollen bei uns auch nach Niederlagen heimgehen mit dem Gefühl: war ein geiles Spiel. (Ralf Rangnick, Kicker vom 02.02.2015)

Also wenn letzteres der Anspruch ist, dann kann man für die aktuelle Saison wohl schon mal vermelden, dass dieser Plan schief ging. Nach keiner der fünf Niederlagen ist man mit dem Gefühl nach Hause gegangen bzw. (weil es vier Auswärtsniederlagen waren) gefahren, dass es ein geiles Spiel war. Vielleicht trifft es mit Einschränkungen noch auf das Ingolstadt-Spiel zu, das durch die Fokussierung auf den zum Buhmann auserkorenen Schiedsrichter zumindest eine Emotionalisierung und einen Zusammenhalt mit dem eigenen Team erfuhr, dass wohl die Mehrheit des Publikums nicht unzufrieden nach Hause ging.

In dem obigen Zitat steckt aber ein ganz anderes Missverständnis drin. Nämlich, dass der „Bienenschwarm-Fußball“ etwas wäre, das über „Ergebnisfußball“ hinausgeht. Irgendwas, was also ein ästhetisches Empfinden und auch eine Identifikation mit der Art des Spiels ermöglicht, die im gewöhnlichen, sagen wir Ballbesitz-Fußball nicht drinsteckt. An anderer Interviewstelle an anderem Zeitungsorte ist für den Sportdirektor diese Spielweise ja auch schon mal verantwortlich für den Anstieg der Leipziger Zuschauerzahlen gewesen.

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Gewittriges Mateschitz-Zwischenspiel

Die Lizenzgeschichte geht weiter. Mit lautem Knall. Der nicht so sehr von der allgemein erwarteten erstinstanzlichen, gestern eingetroffenen Ablehnung des Einspruchs von RB Leipzig gegen die Bedingungen für die Zweitligalizenz durch die DFL herrührt, von der die LVZ heute in der Printausgabe berichtet. Sondern von einem Interview mit Dietrich Mateschitz im selben Blatt, in dem dieser deutlich macht, dass er die Einsprüche der DFL nicht verstehen kann.

Wenn man dem Interview etwas an Fakten entnehmen kann, dann jenen, dass eine der DFL-Bedingungen offenbar darin besteht, dass Red Bull schriftlich erklärt, dass man keine Mitsprache im Verein RB Leipzig ausüben werde. Auf welcher Basis die DFL diese Erklärung verlangt, sei mal dahingestellt. Letztlich ist es ja so, dass die Einflussnahme durch nicht in Vereinsfunktionen tätige Leute bzw. durch Nicht-Vereinsangestellte von der DFL wohl sowieso sanktoniert werden könnte. Da bedarf es einer solchen Erklärung eigentlich nicht.

Dass Mateschitz diese Form der formalen Vorgabe der Nichteinmschung in die autarken Entscheidungen eines Vereins nicht versteht, wird darin deutlich, dass er das Verhältnis zwischen Red Bull und RB Leipzig mit dem zum Rennstall in der Formel 1 vergleicht. Letztlich informell natürlich das, worauf es zwischen Red Bull und RB Leipzig auch hinauslaufen soll, aber eben nicht das, womit man formell bei der DFL vorstellig werden kann, wo ja ein Verein eine Lizenz beantragt und nicht ein Finanzier eines Vereins.

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Limonaden-Hitler

Satire darf ja bekanntlich alles. Wenn man dies ernst nimmt, dann darf sie eben auch doof sein. In einem Beweis in diese Richtung versucht sich der Kabarettist und Wahl-Leipziger Mathias Tretter, der in der vergangenen Woche in einer Sendung bei WDR5 [broken Link] folgenden Vergleich einstreute:

..der Chef der Firma Red Bull, Gerhard Mateschitz, von manchen auch liebevoll ‚Limonadenhitler‘ genannt..

Womit Tretter nebenbei zeigt, dass Humor eben auch ohne vernünftige inhaltliche Grundlage funktioniert. Irgendwas mit Hitler geht grundsätzlich immer. Auf der Bühne legt man dann noch passend zwei Finger über die Oberlippe und die Lacher kommen ganz von allein. Ob der Name Gerhard in diesem konkreten Fall auch einen (hahaha, wie lustig) humoristischen Hintergrund hat oder schlicht nur ebenso falsch ist wie der Rest, ist nicht überliefert.

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Zwischen Not und Tugend

Ulrich Wolter, Geschäftsführer bei RB Leipzig im Interview mit der Sportbild vor zwei Wochen (08.05.2013) unter anderem (alle eingerückten Zitate von dort):

Also keine Gefahr, dass Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz Einfluss aufs Tagesgeschäft nimmt?
Nein, diese Gefahr sehe ich nicht.

Nun, lassen wir das mal – Stichwort Beiersdorfer, Linke, Pacult, Rangnick und Co – einfach so als statutengetreue Rhetorik stehen. Was soll man auch anders machen, als das was Ulrich Wolter im weiteren Interview macht, nämlich Nachhaltigkeit und Langfristigkeit im sportlichen Bereich in den Mittelpunkt und über die Mateschitz-Frage zu stellen.

Trotzdem werden die Fragen im Laufe der nächsten Jahre, zumindest wenn es nicht nur um den sportlichen Teil und die (Fan-)Akzeptanz im Leipziger hierzulande geht, sondern eben auch um Sportjournalismus in einem hinterfragenden Sinne, in Bezug auf die Strukturen des Vereins nicht verstummen. Und eine Antwort wie die obige wohl ziemlich schnell als Schutzbehauptung charakterisiert werden.

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Tuchel und Mateschitz ergeben zusammen noch keine sinnige Story

Ein Nebensatz in einem Sky-Beitrag [broken Link] macht noch keine Story. Könnte man meinen. Aber wenn der Name des Bundesligatrainers Thomas Tuchel im Zusammenhang mit Red Bull und Dietrich Mateschitz genannt wird, ist das per se anders und die Internetkopiermaschine schnell angeschmissen. Im Original geht die Story so:

Neben Schalke-Sportvorstand Horst Heldt soll sich Tuchel auch mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz getroffen haben, um eine mögliche Zusammenarbeit zu besprechen. Der 39jährige lehnt aber lukrative Angebote ab, will nicht bei New York oder Leipzig arbeiten.

Nun ist schon der Gestus dieses Beitrag insgesamt schon gewöhnungsbedürftig (Heidel will Tuchel auf keinen Fall vor 2015 aus dem Vertrag entlassen. Tuchel bekennt sich vehement bis 2015 zu Mainz. Wir machen trotzdem mal einen Beitrag und stellen das in Frage.). Die Red-Bull-Geschichte scheint aber in besonderem Maße völlig unmotiviert und lückenfüllend eingebaut.

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Dankbare Leipziger Lerchen

Was haben der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, die Leipziger Gruppe „Die Prinzen“, die Produzenten des bspw. Leipziger Tatorts oder der Serie „In aller Freundschaft“ Saxonia Media, der in Leipzig wohnende Kabarettist und Mit-Gründer der „academixer“ Bernd-Lutz Lange, der Leipziger Maler und wohl wichtigste Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“ Neo Rauch, der Leipziger Zoochef Jörg Hunhold und der Professor für Buchwissenschaft am Leipziger Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft Siegfried Lokatis einerseits und der Firmenchef von Red Bull mit Sitz in Salzburg Dietrich Mateschitz andererseits wohl gemeinsam?

Nein, sie konsumieren nicht aus Gründen der Steigerung der täglichen Arbeitsleistung in verstärktem Maße Energydrinks. Sie alle haben in dieser Reihenfolge im jährlichen Abstand von „Gemeinsam für Leipzig“, dem „Verein zur Förderung des Mittelstandes in der Region Leipzig“ die „Leipziger Lerche“ überreicht bekommen, eine Skulptur, mit dem die Preisträger dafür geehrt werden, dass sie den Ruf von Leipzig in die Welt hineingetragen haben. Oder wie es im letztjährigen Original (pdf) [broken Link] heißt: Dankbare Leipziger Lerchen weiterlesen

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Geschwindelt oder unzurechnungsfähig?

Kommunikativ ist der Wechsel hin zu Führungsstrukturen mit Ralf Rangnick ein kompletter Paradigmenwechsel. Diverse und regelmäßige Interviews Rangnicks inklusivev (z.B. Welt, LVZ, Vereinsseite [broken Link]). Dass kann ich ziemlich gut leiden, macht es doch Ideen und Prozesse transparenter (auch wenn man langsam weiß, dass RB Leipzig schnell gen Bundesliga soll, der Nachwuchs gaaanz wichtig ist und sich Salzburg und Leipzig ergänzen sollen). Und in einer Welt, in der eh über alles und jeden Stein diskutiert wird, kann es nicht schaden, wenn man seine eigenen Ansichten als Input bereitstellt. Wobei natürlich auch immer die Möglichkeit besteht, dass mal eine Bemerkung durchrutscht, die aufhorchen lässt. Wie diese hier:

Ich habe Pacult nicht entlassen. Auch ohne meine Verpflichtung war geplant, dort Veränderungen vorzunehmen. (Ralf Rangnick im Interview mit Welt am Sonntag, 22.07.2012)

Um es mal ganz direkt und mit kutschkeesker Brechstange auszudrücken: Entweder Ralf Rangnick schwindelt oder bei Red Bull Soccer arbeitet man tatsächlich komplett unzurechnungsfähig. Denn nehmen wir mal an, Rangnicks Szenario würde stimmen und Red Bull habe wirklich völlig unabhängig von ihm an Pacults Kragen gewollt, dann würde dies bedeuten, dass die Red-Bull-Zentrale in der Zeit vom 12.05.2012 (der Tag als mit dem Unentschieden gegen Wolfsburg II der Nichtaufstieg klar war) bis zum 12.06.2012 (also dem Tag des Moniz-Rücktritts), also einen ganzen Monat lang, trotz Trainerwechselplans keinerlei Anstalten zu personellen Veränderungen machte, sondern Pacult sogar die neue Saison planen ließ. Erst mit dem überraschenden Moniz-Rücktritt begannen dann die personellen Mühlen zu mahlen, die laut Rangnick auch ohne Rangnick hätten mahlen sollen.

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Konzepttrainer Alexander Zorniger statt Prinzip Pacult

So nun, da wollte ich heute noch einen Beitrag schreiben, in dem ich anhand der gestrigen Pressekonferenz [broken Link] mit Ralf Rangnick zu Ehren der Vorstellung von Gérard Houllier als Gesamtchef Fußball bei Red Bull noch einmal darlege, warum in meinen Augen Peter Pacult und Ralf Rangnick nicht zusammenarbeiten können und zack überholen mich Verein und rückenstärkender Konzern rechts oder links oder oben drüber und machen den bereits vermuteten Trainerwechsel offiziell. Sodass Peter Pacult bei RB Leipzig nach einem weitestgehend erfolglosen Jahr schon wieder gehen muss.

Wobei Pacults Abgang sehr wenig mit dem Nichtaufstieg des letzten Jahres zu tun haben dürfte, sondern viel mehr damit, dass er mit seiner Methodik und seinem Weg zum Ziel auf völlig unterschiedlichen Wellenlängen mit seinem neuen Vorgesetzten Ralf Rangnick liegen dürfte. Und Rangnick hatte in den letzten Tagen keine Chance ausgelassen zu erklären, für wie wichtig er die Besetzung des Trainerpostens hält, weil sich dort entscheide, wie die von oben kommende Philosophie konkret umgesetzt werde. Pacult als Philosophie-Empfänger und -Umsetzer. Beim besten Willen und bei allem Respekt vor dem Ex-Trainer, aber diese Variante erschien von Anfang an völlig utopisch.

Weswegen der Abgang Pacults auch völlig in Ordnung geht, zumindest wenn man wie ich die Struktur mit Ralf Rangnick als Sportdirektor Salzburg und Leipzig und mit Gérard Houllier als Fußballchef für Red Bull gut und zielführend findet. Für mich ist dieser Schritt eine absolut folgerichtige Korrektur des Fehlers von Dietrich Mateschitz himself aus dem vergangenen Jahr, als er die anderthalbjährige Gesamtleitung durch Dietmar Beiersdorfer einfach wegschmiss, um Peter Pacult in Leipzig durchzusetzen. Schon damals hieß es Pacult oder Beiersdorfer und leider zog Beiersdorfer den kürzeren. Diesmal hieß es Pacult oder Rangnick und Rangnick saß am längeren Hebel.

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Ralf Rangnick und Gérard Houllier als neue Spitze bei Red Bull

Red Bull und der Fußball. Wenn es sportlich auch nicht immer spektakulär zugeht, was das Personalkarussell angeht, ist es ganz großes Kino. Und vor allem eines, bei dem Fortsetzungen nicht langweiliger sind als das Original. Nach dem Abgang von Ricardo Moniz bei Red Bull Salzburg hat man sich jedenfalls mal wieder für die große Lösung entschieden. Wodurch das sommerliche Theater in Österreich nun auch endgültig bei RB Leipzig angekommen ist.

Denn laut offizieller Mitteilung [broken Link] wird Ralf Rangnick nicht nur Sportdirektor in Salzburg, sondern übernimmt gleichzeitig auch die oberste sportliche Verantwortung für RB Leipzig. Und dürfte somit ab sofort final entscheidungsberechtigt gegenüber den Leipziger Protagonisten Peter Pacult und Wolfgang Loos sein. Was aus der spektakulären Nachricht, dass sich Rangnick Red Bull Salzburg und das dortige Kompetenzgerangel und den Kampf um das offene Ohr des Geldgebers Mateschitz antut, die doppelt spektakuläre Nachricht macht, dass die Zeiten des Alleinherrschers Pacult in Leipzig früher oder später vorbei sind.

Dass Ralf Rangnick bei Red Bull im Gespräch ist, gab es bereits vor einem halben Jahr schon mal als Gerücht. Auch damals wurde er als eine Art Head of Global Soccer ins Gespräch gebracht (wobei er jetzt ja eher eine Art Head of European Soccer ist). Was ich für ziemlich absurd hielt: Ralf Rangnick und Gérard Houllier als neue Spitze bei Red Bull weiterlesen

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Der Abgang des Ricardo Moniz und die möglichen Auswirkungen

Da herrscht in Leipzig um RB eine Ruhe als sei der Verein in einen tiefen, erholsamen Winterschlaf gefallen und schwupps knallt es bei Red Bull Salzburg, wo man es nach dem (erstmaligen) Double-Gewinn nun wirklich am wenigsten erwartet hatte. Ricardo Moniz, seines Zeichen zumindest auf Ergebnisebene ein Erfolgscoach trat gestern von seinem Amt Knall auf Fall zurück. Justament als in Salzburg die Saisonvorbereitung (und damit ein neuerlicher Anlauf Richtung Champions League) mit einer umfangreichen Leistungsdiagnostik beginnen sollte.

Hintergrund soll diversen Medienberichte aus Österreich zufolge (sport10 [broken Link], Salzburger Nachrichten [broken Link], Kurier, Krone [broken Link]) ein Kompetenzstreit zwischen Ricardo Moniz und der medizinischen Abteilung gewesen sein. Der neue Vereinsarzt von Red Bull Salzburg Markus Klein habe sich in die Ausrichtung des Trainings eingemischt (unter anderem ein Trainingslager als sinnlos empfunden), ein Streit der während des ersten Tages der Leistungsdiagnostik in Thalgau eskaliert sein soll. Der wegen Dopings in der DDR vor einigen Jahren verurteilte Leiter des Leistungszentrums in Thalgau Bernd Pansold [broken Link], der seit 2006 bei Red Bull arbeitet  (beurteile eine aktuelle Leistung aber nie unter der Schablone verbüßter Taten!) habe in diesem Streit auf der Seite Kleins gestanden.

Klingt als hätte Moniz den Entweder-ich-oder-der/die-Joker und dabei den kürzeren gezogen, weil ‚die‘ via Pansold den kürzeren Draht nach oben zum letztlich Entscheidenden Dietrich Mateschitz hatten. Was zu der mehr als skurrilen Tatsache geführt haben würde, dass der Trainer Ricardo Moniz über die eigene medizinische Abteilung stolpert. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Schon gar nicht bei Red Bull. Fairerweise sollte angemerkt werden, dass Moniz möglicherweise auch in Sachen Transferplanungen mit seinem Verein nicht sonderlich einverstanden gewesen sein könnte.

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Kontinuität der Kontinuität wegen?

Nehmen wir mal die Fakten. Saisonziel Aufstieg? Nicht erreicht. Saisonziel Gewinn Sachsenpokal und damit Qualifikation DFB-Pokal? Nicht erreicht. Vergessen wir dabei nicht den durch Pacults Hand vor der Saison und in der Winterpause noch mal qualitativ ordentlich nach eigenen Wünschen aufgefrischten Kader. Lesen wir also vor diesem Hintergrund einmal das, was Peter Pacult letztes Jahr nach dem Sieg gegen Kiel (also als man Erster war) in der Dezember-Ausgabe des Kreuzers mit Seitenhieb auf Tomas Oral auf die Frage antwortete, ob man bei Red Bull bei Misserfolg nicht immer Gefahr laufe, ersetzt zu werden:

Ich kann mich schließlich als Trainer nicht hinstellen und behaupten, ich habe als Vierter mit 18 Punkten Rückstand alles richtig gemacht und dann enttäuscht sein, wenn etwas am Kader geändert wird. Natürlich reden wir immer von Kontinuität. Aber wenn man die gesetzten Ziele nicht erreicht, kann man nicht davon ausgehen, dass man nicht gefährdet ist, den Job zu verlieren. (Peter Pacult, Trainer bei RB Leipzig im Leipziger Stadtmagazin Kreuzer im Dezember 2011)

Nimmt man die Zahlen, dann hat RB Leipzig nach der Winterpause bisher in 15 Spielen 7 Punkte Rückstand auf Halle kassiert. Im schlimmsten Fall könnten es noch 10 werden. Und der dritte Platz. Rein zahlentechnisch wäre das ziemlich oralesk. Zumal letztes Jahr der Aufstieg schon sehr früh in der Rückrunde abgehakt war und sich die 18 Punkte Gesamt-Rückstand auch aus der damals trostlosen Situation und einiger Unruhe im Umfeld erklärten (inclusive der Geschichte um Pacult als Nachfolger selbst). Peter Pacult hat also nach seinen eigenen Maßstäben die sportlichen Ziele nicht erreicht.

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Global Soccer Red Bull endgültig kopflos

Nimmt man die Schnelllebigkeit des Newsbusiness, dann ist die Nachricht natürlich schon lange keine mehr, die die LVZ bereits vor fast drei Wochen publizierte. Doch der in der Ausgabe vom 15.03.2012 verbreitete Abgang des Head of Global Soccer bei Red Bull Detlef Kornett scheint mit durchaus noch ein, zwei Anmerkungen wert.

Vermutlich ist der einem mittleren Erdbeben gleichende Rückzug seines Vorgängers Dietmar Beiersdorfer noch einigen in Erinnerung. Dagegen mutet die Stille um Kornett fast schon gespenstisch an. Dass man im Hause Red Bull solche Personalgeschichten mit Nichtkommunikation aussitzt, ist man schon gewohnt, dass sich noch nicht mal die Presse (bis auf die LVZ) für die Story interessiert, hingegen nicht.

Wobei das auch darauf zurückzuführen sein kann, dass Detlef Kornett so gar nicht mit seinem Vorgänger vergleichbar war. Während Beiersdorfer als omnipräsenter Überallentscheider auch als Medienperson auftrat, nahm man von Kornett genaugenommen nichts wahr. Kornett war für den (Leipziger) Außenstehenden schlicht und einfach nicht wahrnehmbar.

Was wiederum daran liegen könnte, dass Kornett genaugenommen auch gar kein Head of Global Soccer als im Beiersorfschen Sinne Entscheider in allen Fußballfragen war. Auch wenn Kornetts genauer Aufgabenbereich nie öffentlich wurde, hatte er mit dem Tagesgeschäft der verschiedenen Fußballstandorte nichts zu tun und betreute diese – zumindest im sportlichen Bereich – auch nicht strategisch. Weswegen er wohl auch Financial Chief of Global Soccer hieß. Und als solcher vermutlich vorwiegend Finanz- und Marketingziele zu erreichen hatte. Was auch seine öffentliche Nichtpräsenz zur Genüge erklären würde.

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Neue Konzepte als alte Hüte

Letzten Freitag (17.02.2012) war es, als die Kleine Zeitung in Österreich einen Bericht [br0ken Link] erscheinen ließ, der den Titel „Salzburg wird zur Leipzig-Filiale“ trug und sich der in der Woche zuvor getätigten Aussage von Dietrich Mateschitz widmete, dass im Fußball-Hause Red Bull zukünftig RB Leipzig und nicht Red Bull Salzburg den Ton angeben werde. Freilich nicht, ohne zu erwähnen, dass diese Aussage nur das bestätigt, was Mateschitz dem selben Blatt bereits mehr als ein Jahr zuvor erzählt habe.

Die LVZ brauchte in ihrer Online-Abteilung vier Tage bis sie daraus eine News strickte. Titel: „RB-Chef Dietrich Mateschitz will Salzburg zur Leipziger Kaderschmiede umbauen.“ Die „Stimmung bei Red Bull Salzburg“ sei „angespannt“, weiß die LVZ. Das schlechte Abschneiden in Österreich und Europa aber lasse Dietrich Mateschitz kalt, weil er wisse, dass man mit einem österreichischen Team nicht zu europäischer Klasse aufschließen könne: „Deshalb verfolgt Mateschitz nun ‚ein anderes, innovativeres Konzept‘. Demnach wird der Verein aus der Mozartstadt zur Ausbildungsfiliale umstrukturiert.“

Das Konzept, das Mateschitz „nun“ verfolgt, ist allerdings praktisch so alt, wie es RB Leipzig selbst ist. Denn bereits am 26.02.2010, also vor ziemlich genau zwei Jahren, ließ Mateschitz via Salzburger Nachrichten folgendes verlauten: Neue Konzepte als alte Hüte weiterlesen

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