Schlagwort-Archive: DFB

Masse gewordene Antithese

Spaß mit Studien, die die Beliebtheit oder eben fehlende Beliebtheit von Fußballvereinen nachweisen sollen, gibt es immer wieder mal. So gab es letztens wieder mal eine Umfrage (der sogenannte IRIS-Elfmeter) nach den beliebtesten Fußballclubs in Deutschland. Bei der wenig überraschend mit Abstand Bayern und recht deutlich dahinter Borussia Dortmund an der Spitze aufgeführt wurden. Danach sortiert sich dann mit 5% abwärts der ganze Rest.

Das ist grundsätzlich wenig spannend und vielleicht auch was, was man intuitiv so annehmen bzw. als gesichert ansehen würde, dass Bayern und Dortmund in diesem Land den überwiegenden Teil des Interesses ziehen. Interessant war nur wieder mal, dass man auf der Basis von reichlich 1.000 Befragten versuchte, eine Rangliste zu erstellen. Was bei Werten von 5% abwärts (also rund 50 Menschen pro Verein abwärts) auch eine Maßnahme ohne jegliche Aussagekraft ist.

Oder um es anders zu sagen: RB Leipzig kam mit 2,4% der Stimmen in der Rangliste auf Platz 11 aller Bundesligavereine. Eine Steigerung von 1,1% wurde attestiert. Nimmt man allerdings mal die insgesamt 1.017 Befragten, dann basiert die Einschätzung zu RB Leipzig auf 24 bis 25 abgegebenen Stimmen. Und die Steigerung gegenüber der letzten Befragung basiert auf gerade mal auf irgendwas um die elf Stimmen. Wer aufgrund dieser Zahlen wirklich Einschätzungen über die Welt treffen will, kann das gern tun, aber so richtig erfolgreich sein, wird er damit nicht.

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Hurensohn

Ich kann mich an eine Zeit kurz nach der Wende erinnern, als man sich im Rahmen der Berufsausbildung gegenseitig als „Banane“ bezeichnete und das als Beleidigung meinte. „Ey, du Banane“. Das war vermutlich als Schmähung (wie man heutzutage offenbar sagt) schon damals so skurril wie es heute klingt (vielleicht lag die Betonung aber auch auf ‚ey‘ und ‚du‘ und bekamen die Dinge dadurch ihren total bösen Klang^^).

Nicht ganz so skurril, aber ähnlich ist es bei der Beschimpfung „Hurensohn“, bei der man sich fragen kann, welche Eigenschaften genau das Wort eigentlich hat, damit man es als Beschimpfung verwendet (und ja, mir ist bewusst, dass das Wort vielerorts von Getroffenen als Beleidigung empfunden wird). Der Sohn einer Frau zu sein, die ihren Körper verkauft (oder auch nicht verkauft, sondern einfach nur viel Sex hat oder ein Kind vaterlos großzieht; die Konnotationen sind da vermutlich unterschiedlich), ist jetzt nicht unbedingt etwas, was ein Makel wäre. Zumal nicht in einer Gesellschaft, in der jeder irgendwas von seinem Körper verkauft, um damit Geld zu verdienen und Alltag zu bestreiten.

Trotzdem benutzt man Hurensohn bzw. Sohn einer Hure in Fußballstadien (und nicht nur dort) gern als Beschimpfung. Seltsamerweise nicht Sohn eines Försters. Oder Sohn eines Bibliothekars. Oder Sohn eines Profifußballers. Oder Sohn eines TV-Junkies. Oder was auch immer man an Berufen oder Freizeitbeschäftigungen finden mag. Nein, es ist der Hurensohn, der irgendwie als besonders treffend und beleidigend empfunden wird. Warum auch immer.

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Shanghai, Shanghai, wir fahren (nicht) nach Shanghai

Die Anhänger von Bayern München beispielsweise sitzen heute nicht mehr nur in München oder in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Fans in China haben heute die gleichen Idole wie in Deutschland. (…) Was spricht dagegen, wenn künftig ein DFB-Pokalfinale statt in Berlin auch einmal in Shanghai ausgetragen würde? Ich befürworte das und sehe das als Chance. (Adidas-Chef Kasper Rorsted in der Süddeutschen Zeitung)

Für wen organisieren wir den Fußball? Wir spielen für diejenigen, die im Stadion sind. Das können wir auch im Fernsehen übertragen. Aber wir sollten unser Spiel nicht verbiegen. Über die Übertragung bekommen wir Konsumenten, aber keine Bindung. Die Bindung kommt über das Regionale. Wir dürfen den Kern nicht kaputt machen. Das macht uns beliebig. Davor fürchte ich mich. (Dirk Zingler, Präsident Union Berlin, zitiert nach textilvergehen.de)

‚Internationalisierungsstrategien‘ ist so etwas wie das neue Modewort. Man müsse sich öffnen und in die Welt hineingehen und neue Zuschauermärkte erschließen und bedienen. China scheint dabei das neue Hauptziel zu sein. Diverse Bundesligavereine, die dort ihre Fühler bezüglich Synergien und Kooperationen ausstrecken. Diverse chinesische Investoren, die den europäischen Fußball bereits für sich entdeckt haben. Und DFB und DFL, die schon eine Kooperationsvereinbarung mit dem chinesischen Verband unterzeichnet haben.

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Leben nach dem Tod

Diskussionen über 50+1 kommen mir persönlich ja meist recht seltsam vor. Bzw. kommt es recht seltsam , wenn Menschen darüber streiten, ob man die 50+1-Regel behalten soll oder nicht. Weil 50+1 eigentlich schon seit ein paar Jahren tot ist. Nämlich spätestens seit der DFB im Streit mit Hannovers Martin Kind nicht etwa die Regel stärkte, sondern sie quasi zu einer permanenten Ausnahmeregel machte, die jeder Verein nach 20 Jahren kippen kann.

Sprich, nach 50+1 ist es so, dass der eingetragene Verein an einer ausgelagerten Spielbetriebsgesellschaft die Stimmmehrheit und ergo die formale Entscheidungshoheit besitzen muss. Bayer und VW sind in Leverkusen und Wolfsburg historische Ausnahmen. Seit knapp sechs Jahren ist es so, dass die Stimmmehrheit auch dann an einen Investor, an eine Firma oder an eine Einzelperson gehen kann, wenn diese mehr als 20 Jahre lang „den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“. Wenn man dann den Amateursport weiterfördert, dann kann der DFB auf Antrag der DFL (wenn ein Verein dies will) eine weitere Ausnahme von 50+1 zulassen. Wie eben bei Dietmar Hopp und Hoffenheim vor zwei Jahren geschehen.

Man hat also mit Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim drei reale Ausnahmen zur 50+1-Regel und mit Leipzig und 1860 München zwei kreative Umgangsweisen mit 50+1 (bzw. Umgehungstatbestände, wenn man es scharf formulieren will) und mit Hannovers Kind einen Verein, der demnächst gern die 20-Jahre-Regel in Anspruch würde. Wobei bei letzteren die Frage steht, ob die DFL einen entsprechenden Antrag weitergeben würde (die Geschäftsführung der DFL müsste dies entscheiden). Und falls sie das nicht tut, besteht die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass Kind (der eigentlich einen Kompromiss sucht) die Regel juristisch prüfen wird und dann von einem Gericht komplett kassiert wird.

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Pragmatisch, aber nicht wirklich ideal

Kaum ist das eine Nachwuchsthema durch, da ist auch schon das nächste da. In der Winterpause noch waren die Abgänge der einst hoch gehandelten Talente Renat Dadashov, Vitaly Janelt und Idrissa Touré aus vornehmlich nicht sportlichen Gründen das Thema. Bis Sportdirektor Ralf Rangnick höchstpersönlich die Streichung der U23 verkündete. Das saß. Zumal Ralf Rangnick noch vor nicht allzu langer Zeit als absoluter Befürworter der U23-Ausbildung auftrat und diese zur besseren Durchlässigkeit in die 3. Liga führen wollte.

Dass dieser Schritt überhaupt möglich wurde, liegt an einer DFL-Entscheidung aus dem Jahr 2014. Damals wurde die Verpflichtung, eine U23 im Spielbetrieb zu haben, aufgehoben. Sodass sich alle Vereine der ersten und zweiten Liga seit der Saison 2014/2015 selbst entscheiden können, ob sie diese Nachwuchsarbeit weiter betreiben wollen oder nicht.

RB Leipzig ist nun der vierte Bundesligaverein, der den Weg der Abschaffung der U23 geht. Zuvor hatten schon Frankfurt, Leverkusen und (der damalige Zweitligaaufsteiger) Darmstadt 98 diese Lösung präferiert. Auch in der zweiten Liga sind es mit Union Berlin, Aue, Dynamo Dresden und Bochum vier Mannschaften, die keine zweite Mannschaft mit Nachwuchsspielern mehr führen. Interessanterweise eben auch alle drei Ostklubs. (Unter anderem) Finanzielle Gründe dürfte man da durchaus naheliegend als Hintergrund vermuten.

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Business as usual im Haus der 11Freunde

Größter Außenseitererfolg aller Zeiten. Vorhersehbarer, erkaufter Erfolg. Nach der Übernahme der Tabellenführung durch RB Leipzig ist es, wie es im modernen medialen Zeitalter nun mal ist. Differenzierungen sind nicht unbedingt gefragt. Frag nach bei den Kösters und Draxlers dieser Welt.

Wobei der Köstersche N-TV-Versuch, den RB-Erfolg komplett klein zu reden, etwas arg bemüht und vom persönlichen ‚RB Leipzig ist doof‘-Standpunkt getrieben wirkt. Eines der dortigen Argumente besteht zum Beispiel darin, die durchschnittlichen Kaderkosten bei RB Leipzig anzuzweifeln.

Lassen wir mal das dort auch genannte Leicester bei Seite (wobei es auch gute Gründe gibt, Leipzig und Leicester (mal abgesehen vom Alter der Mannschaften) miteinander zu vergleichen und die Bedingungen in England aufgrund einer geringeren Schere beim TV-Geld auch für kleinere Klubs ganz ok sind). Dann bleibt, dass eine Behauptung einer Behauptung entgegengestellt wird.

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Zuwendung zu Leuchttürmen

Der Kicker hatte bereits im April (25.04.) im meist empfehlenswerten Mantelteil der Montagsausgabe auf der Basis von DFB-Daten ein paar interessante Zahlen zur Entwicklung der Mitgliederzahlen in Deutschland präsentiert. Demnach habe sich die Anzahl der Mitglieder in den 18 Bundesligaclubs innerhalb der letzten 15 Jahre auf knapp 1.200.000 Menschen ungefähr vervierfacht (die Zahl dürfte durch den Austausch von Stuttgart und Hannover gegen Freiburg und Leipzig für die kommende Saison wieder sinken, da die neuen Clubs um die 50.000 Mitlgieder weniger mitbringen als die alten).

Eine Vervierfachung der Mitgliederzahlen. Ausgerechnet in jener Phase der Entwicklung des Fußballs, in denen die Vereine aufgrund der Anforderungen im wirtschaftlichen Bereich zunehmend professionalisiert wurden und vielerorts die Fußballabteilungen aus dem Verein in Kapitalgesellschaften ausgegliedert wurden. Sprich, eigentliche Themen der Vereinsarbeit immer weiter in den Hintergrund rückten. Offenbar suchten Menschen weiter nach Identität und Zugehörigkeit und fanden in den Plastekarten ihrer Clubs gute Äquivalente, die im Fall der Fälle auch noch einen guten Zugang zu Tickets und Co mit sich bringen.

Interessant ist diese Entwicklung vor allem, wenn man sie vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Fußball insgesamt bis runter zur letzten Amateurliga betrachtet. Denn im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Mitglieder im DFB nur um knapp 650.000 Mitlieder gestiegen. Sprich, wenn man den Anstieg bei den Profis um 900.000 und auch noch den starken Anstieg im Frauenfußballbereich (plus rund 250.000 Mitglieder) abrechnet, bleibt für den Rest des Fußballs ein Minus von rund 500.000 Mitgliedern.

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Bayernjäger, Bayernjäger. Hey, hey. (Oder so.)

Nach Aufstiegen von RB Leipzig wiederholt sich das Spielchen regelmäßig, dass der bundesweite Journalismus seine ‚Was mit der … (hier die jeweilige Liga einsetzen) oder dem deutschen Fußball nun passiert‘-Texte aus der Schublade holt.

In der Vergangenheit war der Unterton eher düster und es drohte der Untergang der Fußballkultur und der alteingesessenen Clubs. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat sich, abgesehen von den üblichen Verdächtigen von Christoph Ruf bis 11 Freunde, vor allem bei der bundesweit publizierenden Presse der Wind ziemlich gedreht.

Exemplarisch dafür die Welt, die vor drei Jahren, vor dem Aufstieg Leipzigs in die dritte Liga in einer kritischen Auseinandersetzung mit den RB-Vereinsstrukturen noch im düsteren Ton davon sprach, dass „der deutsche Fußball auch Rasenballsport Leipzig verkraften müssen wird“. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga titelte nun das selbe Blatt und derselbe Journalist vergleichsweise euphorisch, dass „RB Leipzig eine große Chance für die Bundesliga ist“.

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Zwischen Erfolgen und Fachidioten – RB Leipzigs Nachwuchssaison 2014/2015

Über alle Maße erfolgreich war sie die (fast) abgelaufene Nachwuchssaison bei RB Leipzig. Die U23 sicherte sich als Aufsteiger in die Oberliga auf sehr überlegene Art und Weise den Aufstieg in die Regionalliga und wurde gleichzeitig Meister. Mit Tom Nattermann als Torjäger (26 Treffer, aktuell fünf weniger als Neugersdorfs Jan Nezmar) gewann man von bisher 29 Spielen (eins steht noch aus) 22 und landet nun in einer Spielklasse, die auch für Nachwuchsspieler mit Profiambitionen langsam interessant wird.

Zur neuen Saison steht mal wieder ein Umbruch an. Ältere Spieler wie Heinze, Schinke oder Felke, die an den letzten Aufstiegen mitentscheidend beteiligt waren, machen Platz für Nachwuchsspieler. Auch Tom Nattermann, der einst von Peter Pacult noch einen Profivertrag erhalten hatte, wird den Verein wegen fehlender Perspektiven Richtung Zweitligateam wohl verlassen und im besten Fall in der dritten Liga unterkommen.

Es ist dies der vorerst letzte Schritt in einem Umbau hin zu einem echten Zweitteam mit vielen Talenten und zwei, drei Korsettstangen, wie sie auch Henrik Ernst, der von den Profis runterkommt, eine sein soll. Sodass die sportlichen Ziele in der Regionalliga vor allem Eigengewächse erreichen sollen.

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Champions Regionalleague

Wir haben als Kompromiss damals gemeinsam die Entscheidung, die Regionalliga von drei auf fünf Staffeln aufzustocken, mit Sinn und Verstand getroffen. (Peter Peters, Vizepräsident beim Ligaverband bzw. stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der DFL in Sportbild vom 05.11.2014)

Alles eine Frage der Definition von Sinn und Verstand mögen die besonders Witzigen unter uns an dieser Stelle einwerfen. Faktisch gesprochen bleibt es auch mit deutlichem Abstand zu den Entscheidungen der Regionalliga-Reform erstaunlich, dass man diesen „Sinn und Verstand“ zusprechen mag. Zumindest wenn man (dies sei nur für die Jüngeren unter uns repetiert) betrachtet, dass die Verbände in Form von DFB und DFL aus einer Reform, die von den Betroffenen ursprünglich angestoßen wurde, um die Durchlässigkeit nach oben in die dritte Liga zu erhöhen, eine Reform machten, die bezüglich dieses Ziels genau das Gegenteil erreichte.

Sei es drum, wir schreiben ja inzwischen das Jahr 2014 und nicht mehr das Jahr 2010, als man sich für die Lösung mit den fünf Regionalligastaffeln und einer Aufstiegsrelegation einfallen ließ, die eigentlich alle sportlich Verantwortlichen, die damit in Berührung kommen, absurd finden. Ein Jahr 2014, in dem der von Peters beaufsichtigte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ein wenig Schwung in die Sache bringt, indem er die Anzahl der Regionalligen wieder reduzieren will, um zu einer Regelung zurückzukehren, bei der die Staffelsieger auch aufsteigen können und bei der das Niveau der Ligen, in denen sich die meisten der Bundesliga-U23-Teams rumtreiben erhöht wird, um auch die Nachwuchsausbildung zu verbessern.

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Unterrepräsentierte Ost-Profifußballer?

Die FAZ vor eine paar Tagen mit einem interessanten Artikel bzw. mit einem Artikel anlässlich der jährlichen Wendegeschichten, in dem die interessante Zahl präsentiert wurde, dass von 274 Profis in der Bundesliga mit deutschem Pass lediglich 17 „aus dem Osten der Republik stammen“. Mit 6 Prozent seien die ostdeutschen Profis demnach deutlich unterrepräsentiert, weil der Bevölkerungsanteil das Dreifache betrage.

Zurückzuführen sei dies darauf, dass die Infrastruktur im Osten der Republik trotz Nachwuchsleistungszentren nicht gut genug sei, Trainer nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stünden und Spieler, die erst im hohen Jugendalter in einen Westclub wechseln würden, dementsprechend den Anschluss in Sachen Spielgeschwindigkeit und Co schon lange verpasst hätten und ihn gar nicht mehr aufholen könnten. RB Leipzig sei diesbezüglich eine Hoffnung im Osten, weil man dort die Mittel habe, nicht nur die Talente zu halten, sondern sie schon von früh an sehr gut auszubilden. Soweit die nicht uninteressanten Behauptungen auf der Basis einer empirischen Beobachtung.

Macht man sich mal den Spaß, die Daten für die zweite Liga zu testen, dann kommt man darauf, dass reichlich 9% aller Spieler mit deutschen Staatsbürgerschaften, die auch in Deutschland geboren wurden, in den fünf nicht mehr neuen Bundesländern geboren wurden. Dabei wurden nur jene Spieler betrachtet, die in der aktuellen Spielzeit auch mindestens vier Spiele für ihr Team absolviert haben. Würde man die Kader komplett betrachten, verschöbe sich das Bild unter Umständen etwas, da die Mannschaften in der Breite meist lokal aufgefüllt werden. Außerdem wurden in Berlin geborene komplett nicht dem Osten zugeschlagen, weil das Auseinanderdividieren nach Ost und West dort ziemlich mühsam wäre.

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Zu kleines Problem für große Lösungen?

Ich ärgere mich darüber, dass es Statuten gibt, die dem Verein die Möglichkeit geben, ‚betriebsintern‘ Spieler hin und her zu schieben. Das kann ich mit meiner Empfindung von fairem Wettbewerb nicht nachvollziehen. (Peter Neururer vor dem Spiel seines VfL Bochum bei RB Leipzig)

Das merkwürdig mechanistische Bild, das man im Hause Red Bull Spieler, die im Kern auf der Basis ihrer eigenen Karriereinteressen und -ziele und entsprechend der Perspektiven, die ihnen in Verhandlungen aufgezeigt werden, Verträge unterschreiben, hin- und herschiebt, wurde hier im Blog ja vor wenigen Monaten bereits kritisch beleuchtet.

Letztlich bleibt es dabei, dass kein Spieler ein Vertrag hat, der gleichermaßen für Leipzig und Salzburg gilt und ohne seine Zustimmung den Verein wechseln müsste. Natürlich gibt es aber normale Leihverträge wie bei Bredlow und Prevljak, die von Leipzig nach Liefering verliehen wurden oder bei Sabitzer und Bruno, die auch leihweise in Salzburg spielen und entsprechend nach Ablauf des Leihvertrags wieder zurückkehren müssten.

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Organisationsprobleme

Wir erkennen Rasenballsport Leipzig mit nur 8 stimmberechtigten Mitgliedern und stimmlosen Pro-Forma-Mitgliedschaften für alle anderen nicht als “Verein” an. (Quelle [broken Link])

So oder so ähnlich liest man es ja von Zeit zu Zeit an verschiedenen Stellen im Internet. Zielrichtung der Argumentation ist dabei zumeist, dass RB Leipzig ja kein richtiger Verein sei oder wahlweise [broken Link] „das Vereinsrecht mit Füßen tritt und regelrecht ausnutzt“.

Eine etwas erstaunliche Argumentation, denn ganz grundsätzlich darf man einmal festhalten, dass alles ein eingetragener Verein ist, was vom Amtsgericht als Verein eingetragen wird. Die einzige Instanz, die tatsächlich beurteilen darf und kann, inwiefern ein Verein den entsprechenden Regularien entspricht, ist also mitnichten ein Verband, andere Vereine oder deren Anhänger, sondern ein kleines, feines Gericht, in dem man sich mit formaljuristischen Fragen hoffentlich auskennt.

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Reform ohne Reformwillen

Vor ein paar Tagen ging es hier im Blog bereits um die Regionalliga und die Forderung der DFL, dass diese zum Modell mit drei Staffeln zurückkehren solle. Was zumindest dahingehend eine schwierige Forderung ist, weil man vor drei Jahren, als man die Regionalliga-Reform hin zu fünf Staffeln beschloss, dies ja wegen der großen Unzufriedenheit mit der dreistaffligen Regionalliga tat.

Nachdem DFL-Chef Andreas Rettig seine Regionalliga-Forderungen, die darauf abzielen, dass die U23-Teams der Profis eine leistungsstärkeres Ligenumfeld bekommen, in den Ring geworfen hatte, stieg der beim DFB als Vizepräsident für den Amateurfußball zuständige Rainer Koch, der gleichzeitig Chef des bayerischen Landesverbands ist und als solcher vor drei Jahren einen Regionalliga-Kompromiss mit der DFL aushandelte und gegen den Willen diverser Clubs außerhalb Bayerns durchpeitschte, mit in den Ring und bezog in einem aufschlussreichen Interview mit dem Kicker (alle Zitate dieses Textes von dort) Stellung.

Im Interview spricht Rainer Koch in bewährter Art und Weise von der Erfolgsgeschichte der Regionalliga Bayern, die er seinem Landesverband mit dem Reformkompromiss vor drei Jahren quasi zuschanzte. Dass in Bayern auch im zweiten Jahr in Folge nur Zweitvertretungen überhaupt gen dritter Liga aufsteigen wollten, ficht ihn nicht an. Er sehe dies „sogar positiv“, dass sportlich erfolgreiche Vereine wie Illertissen aufgrund ihrer begrenzten Möglichkeiten nicht aufsteigen wollen. Warum auch immer es positiv sein soll, eine Liga kreiert zu haben, aus der niemand mehr aufsteigen will, während sich parallel in den anderen Regionalligen einige Aufstiegswillige finden lassen..

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Reform der Reform

Die haben einen Kompromiss ausgeklügelt, damit sich niemand wehtut. Mit Demokratie hat das wenig zu tun. Und es zeigt doch nur, welch geringen Stellenwert der so gepriesene und angeblich doch so bedeutende Amateurfußball eigentlich hat. Die Profiklubs haben sich durchgesetzt. (Werner Georg, Chef des Fußball-Landesverbandes von Sachsen-Anhalt in der Mitteldeutschen Zeitung vom 20.10.2010)

Mit der Regionalliga-Reform ist ein wahrhaft unvernünftiges und trauriges Kapitel deutscher (Fußball-)Sport-Politik abgeschlossen. Irgendwann wird man nicht umhin kommen, das ganze noch einmal zu öffnen und weiterzuschreiben. (Das Finale der Regionalliga-Reform, 26.02.2011)

Es wäre wünschenswert aufgrund der gemachten Erfahrungen, wenn zum alten Modell mit drei Regionalligen zurückgekehrt werden würde. Die Aufstockung auf fünf Regionalliga-Staffeln mit 90 Klubs statt vorher 55 Vereine führt zu einer Verwässerung des Spielniveaus. (DFL-Chef Andreas Rettig via Sportbild, 28.05.2014)

Neben dem Dauerbrenner Lizenzgeschichten und RB Leipzig in allen Facetten war vor allem die Regionalliga-Reform ein gleichermaßen absurdes wie aufgrund der wiederkehrenden Debatten und allerlei Auseinandersetzungen mit den Fakten und Inhalten liebgewonnenes Thema. Das man fast schon ein bisschen vermissen durfte, seitdem Alexander Zorniger das ganze vor knapp zwei Jahren elegant mit „Schwachsinn“ zusammengefasst hatte.

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Wir sind Lizenz! (Das vorläufige Ende einer Farce..)

So gesehen läuft alles auf eine Kompromisslösung DFB-RB heraus, die den Weg vor ein bundesdeutsches Gericht zur Klärung der vereinsrechtlichen Fragen vermeidet. Denn beide Seiten dürften daran kein gesteigertes Interesse haben. In diesem Sinne wird auch Wolfgang Loos mit seiner Behauptung Recht behalten, dass RB Leipzig genau wie in den letzten Jahren auch im kommenden Jahr die Lizenz erhalten wird. Nur der Preis dafür muss noch in juristischen Kompromissen ausgehandelt werden. (RB Leipzig im Spiegel der DFB-Statuten, 16.09.2011)

Seit knapp drei Jahren ist die Lizenzierung durch DFB und DFL hier im Blog immer wieder Begleiter gewesen. Ein Begleiter wohlgemerkt mit meist überdurchschnittlichem Interesse seitens der Leserschaft. Ein liebgewonnener Begleiter sozusagen, der schon allein deswegen so gut funktionierte, weil die Beteiligten meist nur in Nebensätzen ihre Positionen mitteilten und man sich nach Herzenslust im Graubereich zwischen Wissen und Spekulation austoben konnte.

Mit dem gestrigen Tag und der erfolgreichen Zweitligalizenzierung durch die DFL – so scheint es – wurde vorerst ein Schlussstrich unter die knapp drei Jahre umfangreicher und manchmal auch erhellender Debatten und Auseinandersetzungen um Vereinsrecht, Verbandsstatuten und Gemeinnützigkeit gezogen. Mit einem Ende, das so schon – siehe oben – am Anfang aller Debatten, als es noch um die Lizenzierung beim DFB ging, prognostiziert wurde. Nämlich einem Kompromiss, der einen gerichtlichen Streit bis zum bitteren Ende vermeidet.

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Witz ohne Pointe

Anstatt dass Mateschitz einsieht, dass er ein paar Spielregeln einhalten muss, wenn er mit seinem Spielzeug im Spiel namens Profifußball mitspielen will, wird er auch noch pampig. (Reviersport)

So heißt es in einem Kommentar, auf den in der Online-Welt vergleichsweise häufig positiv Bezug genommen wurde. Ein Kommentar, der paradigmatisch für diverse Texte und Forderungen steht, in denen es immer wieder heißt, dass sich RB Leipzig doch einfach an die Spielregeln halten soll und dann werden sie die Lizenz schon kriegen.

Gern auch wurde dies an verschiedenen Orten (und nicht nur in der Bayern-Kurve, wo man die Unkenntnis von konkreten Vorgängen in einem Lizenzierungsverfahren vielleicht noch verstehen kann) mit der Aufforderung an die DFL verknüpft, standhaft zu bleiben und die eigenen Regularien und Statuten durchzusetzen.

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Gewittriges Mateschitz-Zwischenspiel

Die Lizenzgeschichte geht weiter. Mit lautem Knall. Der nicht so sehr von der allgemein erwarteten erstinstanzlichen, gestern eingetroffenen Ablehnung des Einspruchs von RB Leipzig gegen die Bedingungen für die Zweitligalizenz durch die DFL herrührt, von der die LVZ heute in der Printausgabe berichtet. Sondern von einem Interview mit Dietrich Mateschitz im selben Blatt, in dem dieser deutlich macht, dass er die Einsprüche der DFL nicht verstehen kann.

Wenn man dem Interview etwas an Fakten entnehmen kann, dann jenen, dass eine der DFL-Bedingungen offenbar darin besteht, dass Red Bull schriftlich erklärt, dass man keine Mitsprache im Verein RB Leipzig ausüben werde. Auf welcher Basis die DFL diese Erklärung verlangt, sei mal dahingestellt. Letztlich ist es ja so, dass die Einflussnahme durch nicht in Vereinsfunktionen tätige Leute bzw. durch Nicht-Vereinsangestellte von der DFL wohl sowieso sanktoniert werden könnte. Da bedarf es einer solchen Erklärung eigentlich nicht.

Dass Mateschitz diese Form der formalen Vorgabe der Nichteinmschung in die autarken Entscheidungen eines Vereins nicht versteht, wird darin deutlich, dass er das Verhältnis zwischen Red Bull und RB Leipzig mit dem zum Rennstall in der Formel 1 vergleicht. Letztlich informell natürlich das, worauf es zwischen Red Bull und RB Leipzig auch hinauslaufen soll, aber eben nicht das, womit man formell bei der DFL vorstellig werden kann, wo ja ein Verein eine Lizenz beantragt und nicht ein Finanzier eines Vereins.

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Neues Jahr, neues Glück: RB Leipzig und die U23-Regel

Auf dem Spielberichtsbogen eines jeden Meisterschafts- und DFB-Pokalspiels einer Mannschaft der 3. Liga eines Amateurvereins sowie in den Entscheidungsspielen um den Aufstieg in die 3. Liga müssen unter den dort genannten 18 Spielern mindestens vier Spieler, die für eine Auswahlmannschaft des DFB spielberechtigt sind und die am 1.7. das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, aufgeführt werden. (DFB-Spielordnung [broken Link], §12a/4.1)

Diesem kurzen Absatz in der DFB-Spielordnung wohnt ein gewisses Konfliktpotanzial inne. Nicht weil sich dahinter, wie der eine oder andere schlaue Online-Kommentator meint, Altersdiskriminierung verstecken würde, sondern weil die Regel, die letztlich bedeutet, dass im Spieltagskader vier U23-Spieler (also Spieler, die für die aktuelle Spielzeit nach dem 01.07.1990 geboren sind), stehen müssen, Vereine manchmal vor mehr oder minder ernste Probleme stellt.

So wie zuletzt Preußen Münster, die in den ersten beiden Spielen in der Startformation fünf Spieler (teils deutlich) über 30 Jahren einsetzten und deren jüngster Spieler, der zu Beginn auflief, Marcus Piossek hieß und 24 Jahre alt war. Die DFB-Bestimmungen erfüllte der Verein, indem er vier Spieler unter 23 Jahre auf der Auswechselbank platzierte. Zu einer Einsatzminute kamen die wegen des DFB auf der Bank sitzenden Spieler bisher allerdings noch nicht.

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Diskursive Sicherheitsmeilensteine

Ein bisschen fühlt es sich an, als hätte jemand an einer Straße, auf der noch nie jemand schneller als 70 km/h gefahren ist, ein Schild aufgestellt, das eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h ausweist, worauf hin jene, die die Straße nutzen, empört aufschreien und prostestierend anmerken, dass sie sich vom Fahren mit 70 km/h nicht abhalten lassen werden. Eine Situation, in der weder die Schildaufsteller, noch die Protestierer eine sonderlich gute Figur abgeben.

Klar, es geht um die gestrige Entscheidung der DFL bzw. der Vollversammlung aller 36 Profifußballvereine, die 16 Anträge, mit der die Sicherheit in den Stadien verbessert werden soll, mehrheitlich zu verabschieden. Was den Bundesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft Wendt zur mehr als gewagten These trieb, dass „es höchste Zeit war, der zunehmenden Gewalt in und um deutsche Fußball-Stadien mit konkreten Maßnahmen“ zu begegnen und aus der Ecke der Fans die ebenso gewagte These laut werden ließ, dass durch die DFL-Entscheidung die Fankultur untergehen würde.

Das hohe Maß an emotionaler Aufladung der Debatte erschließt sich nicht wirklich, bedenkt man, dass die 16 Anträge, wie sie im Vorfeld veröffentlicht wurden (pdf-Datei), entweder nichts beinhalteten, was nicht sowieso schon Praxis gewesen wäre (Möglichkeit situationsabhängig in Eigenverantwortung Einlasskontrollen durchzuführen, Reduzierung der Auswärtskontingente bei Risikospielen) oder aber harmlos bis durchaus positiv ist (Qualifizierung des Ordnerpersonals, Dialog zwischen Vereinen und Fans, Einbindung von Fanbetreuern und Ordnern des Gastvereins beim Spieltagsablauf, Vorrang der Polizei beim Zugriff auf die Videoüberwachung etc.).

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