Schlagwort-Archive: Deutschland

Unerquickliches

Schlimm dieser Fußball. Will nach dem Terror von Paris nicht nur ein (am Ende wegen Terrorwarnung abgesagtem) Länderspiel gegen die Niederlande austragen, sondern erlaubt sich auch noch, dieses Spiel zu einem Statement für die Freiheit zu stilisieren. So vernahm man in den letzten Tagen an verschiedensten Stellen. Um es kurz zu machen, mir persönlich ist in dem Fall ein wenig Pathos und Überhöhung sehr viel näher als die professionelle Kühle, mit der man noch nach grauseligsten Schlachtfesten eine ruhige Reaktion propagiert oder den Islam als Religion vor seinen islamistischen Mörderbanden in Schutz zu nehmen versucht.

Man sollte aus Sport nicht mehr machen, als er ist. Und an die Kraft dessen, dass das gemeinsame Fußballerlebnis eine quasi kathartische Wirkung habe, die Differenzen überwindet und die Gesellschaft heilt, habe ich nie geglaubt. Trotzdem ist es interessant, dass Bekenntnisse zur Freiheit und zur Solidarität mit Paris im amerikanischen Sport sehr viel alltäglicher sind als in Deutschland, wo ein Benedikt Höwedes für seine Aussage, er reise „als Fan der Demokratie“ zum Deutschland-Niederlande-Spiel eher noch Spott erntet.

Sich über den Sport zu einem bestimmten freiheitlichen Gesellschaftsmodell zu bekennen, tut natürlich erstmal nicht sonderlich weh. Und die Fragen danach, welche Konsequenz und Militanz eine freiheitliche Gesellschaft braucht, um sich gegen Mörderbanden zu schützen, werden damit auch nicht beantwortet. Wäre vielleicht auch etwas viel verlangt.

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Keine selbstverständliche WM-Bilanz

Kleines WM-Zwischenspiel an dieser Stelle. Zum 7:1-Halbfinalsieg Deutschlands gegen Brasilien wurde in Worten und ohne Wort inzwischen ja medialerseits schon so ziemlich alles gesagt. Aus RB-Sicht bleibt vielleicht hinzuzufügen, dass die Partie ein wunderbares Beispiel war, was passieren kann, wenn Pressing etwas ist, was von ein, zwei Spielern in Ballnähe durchgeführt wird und nicht vom ganzen, kompakt verschiebenden Team. Denn dann wird aus dem eigentlich wirkungsvollen taktischen Mittel brotloses Gezappel, das mit Riesenräumen für den Gegner nach dem Überspielen der ersten zwei aggressiven Gegenspieler komplett nach hinten losgeht. Durchaus nicht undenkbar, dass man so etwas an einem ganz schlechten Tag auch mal bei RB Leipzig sehen wird.

Abgesehen davon bleibt es eine WM, die zumindest was Teams angeht, die es weit im Turnier geschafft haben, wenig überraschendes bietet. Klar, das Ausscheiden Spaniens und Italiens geht als mindestens kleine Sensation durch, aber insgesamt blieben zum Schluss jene Mannschaften übrig, von denen man das erwarten konnte und die das auch schon bei den letzten Weltmeisterschaftsturnieren taten.

In Deutschland herrscht derweil rund um fast jedes Turnier der letzten Jahre eine merkwürdig pessimistische Grundstimmung vor (die dann auch mal z.B. von einem Sieg gegen Brasilien ad absurdum geführt werden kann). Großes Grundvertrauen in Trainer oder Team ist selten. Und wenn mal ein schlechtes Spiel dabei ist, dann hat man das Gefühl als würde der fußballerische Untergang dicht bevorstehen. Was erstaunlich ist, denn wenn man sich mal die insgesamt sieben Turniere seit 1990 anschaut, dann ist Deutschland das einzige Land, dass in allen Jahren immer mindestens ins Viertelfinale kam. Fünfmal stand man im Halbfinale, so oft wie keine andere Nationalmannschaft und dreimal zog man ins Finale ein, ein Wert den daneben nur Brasilien vorweisen kann.

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Teilinteressierte Randbemerkungen

Das nenne ich mal gelebtes Fußball-Expertentum. Meinen EM-Tipp von vor der EM meine ich. Der da lautete: Niederlande gegen Frankreich im Finale mit einem 3:1 nach Verlängerung. Hehe. Was aber auch sowas von weit weg von der Realität war.. Wie auch immer, seit gestern ist dass Turnier Geschichte und da die entscheidenden Stunden in Sachen (Nicht-)Trainer-Wechsel bei RB Leipzig wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen, bleibt noch ein bisschen Zeit, um ein paar lose Gedanken anzubringen.

Ich war bereits vor dem Turnier der Meinung, dass mich das ganze Ereignis nicht in dem Umfang interessieren würde, wie dies frühere Turniere taten. Mit dieser Voraussage lag ich zumindest weitestgehend richtig. Ich würde sagen, dass ich letzlich ein Viertel bis ein Drittel des live möglichen mitgenommen und den Rest ohne größere Schmerzen ausgelassen habe. Letztlich glaube ich immer noch, dass man als Anhänger einer Vereinsmannschaft eine Sommerpause auch gut brauchen kann. Nationalmannschaftsturniere führen nur dazu, dass es plötzlich gar keine fußballlose Woche mehr gibt. Und da diese Woche (Mittwoch und Samstag) (glücklicherweise) schon wieder die Testspiele bei RB Leipzig losgehen, fehlte so ein bisschen der Moment des Luft holens. Trotz des eher geringen Interesses meinerseits an der EM.

Das Interesse konnte auch die hiesige Nationalmannschaft nicht anregen. Seit 2006 befindet sich das Team von Turnier zu Turnier auf einer abfallenden Sympathie-Kurve. Was vor allem daran liegt, dass mich die Stromlinienförmigkeit des Kaders überhaupt nicht reizt. Das mag sportlich alles sinnig sein und letztlich gibt es auch keine besseren anderen Spieler (auch, weil man in der Jugendarbeit auf die charakterliche Zurichtung und Einpassung achtet), aber diese ganzen hochklassigen, technisch geschulten Spieler mit ihrer popkulturellen Beliebigkeit wirken manchmal, als wären sie Klone eines DFB-Labors. Was vermutlich ein Stückweit Absicht ist.

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Die Cottbuser Talsohle und schwarz-gelbe Einsprengsel

Aber die Euphorie war vorerst weg, der Weg nun ein ziemlich amateurhaft fußballpuristischer. Wenn man mich fragen würde, was denn in der Hinrunde 1991/1992 in Cottbus beim Fußball für Wetter war, dann würde ich behaupten, dass es bei den Spielen bei acht, neun Grad immer leicht geregnet hat. Was natürlich nicht stimmt, was aber tatsächlich mein Bild von Spielbesuchen jener Zeit ist. Irgendwie bezeichnend. (Kein Erwachen aus dem bösen Traum)

Eigentlich könnte ich diese Beschreibung aus der zweiten Jahreshälfte 1991 auch gleich auf die erste Jahreshälfte 1992 übernehmen, denn sowohl die Liga als auch das Spielen gegen diverse, wenig spektakuläre Mannschaften der achtgleisigen(!) dritten Liga namens Amateur-Oberliga Nordost war dieselbe geblieben. Die Zuschauerzahl sank eher noch als dass sie stieg. Nur im Ausnahmefall wurden mal mehr als 1.000 Heimbesucher gezählt.

Hatte Energie Cottbus schon in der Hinrunde einiges an Abstand auf den Spitzenreiter (der am Saisonende einzig berechtigte Teilnehmer an der Aufstiegsrelegation) Union Berlin gesammelt, konnte sich der Verein sportlich in der Rückrunde etwas konsolidieren, ohne dabei noch mal Boden gut machen zu können. Als einziger Rekord dieses Spieljahres bleibt für die Ewigkeit bestehen, dass man Deutschlands torhungrigstes Team wurde. Insgesamt 102 Treffer sammelten die Energie-Spieler und damit letztlich zwei mehr als der Meister der Staffel Union Berlin.

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Wochen(end)splitter IX

Da ist sie nun schon wieder fast vorbei, die Frauen-Fußball-WM. Von der ich zugegebenermaßen nicht viel mitbekommen habe. Größere Teile der deutschen Spiele gegen Nigeria und Frankreich verfolgt. Das dicke Ende gegen Japan erlebt. Das war es dann auch schon an Live-Ansichten. Dem medialen Drumherum konnte man sich hingegen nicht verschließen, was ich persönlich gar nicht so schlimm fand, denn der gemeinschaftliche Hype führte dazu, dass die meisten teilnehmenden Sportlerinnen einen, wenn nicht den Höhepunkt ihrer Karriere erleben durften, denn allzu selten kommt es vor, dass FußballerInnen vor fünfstelligen, stimmungswilligen Kulissen spielen dürfen. Und was kann es schöneres geben, als dass Leistungssportlerinnen Momente feiern, in denen sie spüren, warum sie sich das alles eigentlich antun.

Was und ob die Bundesliga davon abkriegt, ist nicht sinnvoll vorauszusagen. Es dürfte schwer fallen aus der Fußball-Bundesliga der Frauen ein permanentes Event zu basteln, wie es für ein Highlight wie die WM gelungen ist. Von daher wird man wohl auch künftig unter sich sein. Aber vielleicht hilft es ja doch, dass man bei der Sportschau laut BILD überlegt, am Samstag jeweils ein Spitzenspiel in Ausschnitten zu übertragen. Hier in Leipzig darf man sich zukünftig jedenfalls persönlich davon überzeugen, welchen Zulauf das Produkt Frauen-Fußball hat. In der LVZ vom 02.07. hatte Bernd Wickfelder mit im Schnitt 300 Zuschauern bei den Bundesliga-Spielen des Neubundesligisten Lok Leipzig spekuliert und für das erste Spiel gegen den FFC Frankfurt auf 1000 Zuschauer gehofft. Nicht unambitioniert, aber auch nicht unmachbar.

Eine bemerkenswerte These zur WM gabe es noch beim freitagsspiel:

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Die Stärke der Bundesliga

Die UEFA-5-Jahreswertung ist ja in den letzten Wochen und Monaten oft in vieler Münder. Deutschland ist in dieser Wertung aktuell auf Rang 3 vorgerückt, hat damit Italien überholt und wird deswegen ab 2012 einen vierten Startplatz für die Champions League erhalten. Spricht für die Stärke der Bundesliga. Nun denn, ein Blick auf den letztwöchigen Europacup-Spieltag:

  • 3 Siegen stehen 1 Unentschieden und 2 Niederlagen gegenüber – durchwachsene Bilanz
  • Siege gegen den letztjährigen 2. der dänischen Liga, den Schweizer Meister und den Portugiesischen Meister – naja, Kategorie überschaubare Qualität
  • Unentschieden gegen den letztjährigen 9. der spanischen Liga (gleichzeitig der amtierende Euro League Gewinner) – Europas oberes Drittel
  • Niederlagen gegen den letztjährigen 4. der spanischen Liga und den italienischen Meister (gleichzeitig amtierender Champions League Gewinner) – Europas Oberklasse

Fazit: Gegen die sportlich stärksten Clubs Europas sahen die Bundesligisten nicht gerade überragend aus. Was das heißt? Weiß ich auch nicht. Ich wollts nur mal erwähnen. Außerdem kommen Zahlen drin vor, das wirkt immer gut..

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games (endlich) over

Aus, aus, aus, Spanien ist Weltmeister. Naja, ganz so spannend war das diesjährige Turnier der besten Fußballnationalmannschaften dann doch nicht, dass man in große Euphorie verfallen müsste. Dass Spanien völlig verdient Weltmeister geworden ist, passt da irgendwie ins Bild. Nicht dass ich ihre spielerische Qualität anzweifeln wollen würde, aber mit dem formschwachen und zudem durch diverse Auswechslungen leicht demontierten Torres fehlte selbst den Spaniern das Puzzleteil, das aus ihrem ansehnlichen Gekicke ein torgefährliches Gekicke macht. David Villa, lange Zeit auf dem Weg zum besten Spieler des Turniers verblasste in dem Moment, als er die Rolle von Fernando Torres in der Sturmzentrale spielen sollte. Und trotzdem wäre alles andere als der Titel ungerecht gewesen, auch wenn es die Niederländer überraschend gut verstanden, lange Ballstafetten der Spanier zu unterbinden und sogar selbst einige große Chancen kreierten. Dass die Spanier im Angesicht der rustikalen Spielweise der Niederländer in alte Muster des Lamentierens und lange Bälle Schlagens verfielen, zeigte relativ eindrücklich, dass auch dieses Team nicht unschlagbar ist.

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(Gescheiterte) Finalisten

Ach liebe deutsche Fußballnationalmannschaft: Ein bisschen war es wie vor zwei Jahren beim EM-Finale. Nach dem Spiel waren Sie natürlich enttäuscht, aber auch wiederum nicht so richtig. Keine dicken Tränen, die aus den Gesichter rollerten, keine Spieler, die minutenlang völlig zerstört am Boden lagen. Was auch nachvollziehbar ist, denn Sie hatten gerade ein Spiel verloren, in dem man nie das Gefühl gewann, dass Sie eine Chance auf den Sieg hätten. Was wiederum komisch ist, bedenkt man, dass Ihre spanischen Kontrahenten ’nur‘ durch einen Standard das Spiel entschieden. Einen Standard, bei dem man nie und nimmer den Herrn Puyol derartig frei zum Kopfball kommen lassen darf. Denn, auch wenn Ihr Spiel sicherlich nicht sehr gut war, lief doch eigentlich vieles für Sie. Die Spanier spielen und spielen, ohne aus ihrem perfekt organisierten Spiel das entscheidende Tor zu kreieren (was auch an einem fehlenden Torres in Top-Form lag) und je länger das Spiel dauert, desto eher könnte ein schneller Konter die Spielanteile auf den Kopf stellen. Von daher hatten Sie sicher die große Chance, den großen Spaniern ein Bein zu stellen. Sie hätten vielleicht einfach mehr dran glauben müssen. (Gescheiterte) Finalisten weiterlesen

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Großes Kino

Ach liebe deutsche Fußballnationalmannschaft: Dass Sie einen ansehnlichen und produktiven, offensiven Kombinationsfußball spielen können, wusste ich schon. Dass Sie diesen Fußball auch erfolgreich und in Perfektion gegen Argentinien spielen würden, konnte ich höchstens vermuten. Dass Sie das einzige Team bei der Weltmeisterschaft sein würden, das dieserart positiv überrascht, konnte nun aber wirklich niemand ahnen. Chapeau. Großes Kino weiterlesen

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Zu Besuch bei flachen Hierarchien

Ballack ist der erfahrenste Spieler der Deutschen. In so einem Turnier reichen nicht nur Talente aus, du brauchst Erfahrung in der Mannschaft. Es ist schwer zu sagen, er hat eine gute Karriere hinter sich. Ich denke: Habt Respekt vor Ballack und seiner Karriere. Im Sport werden erbrachte Leistungen viel zu schnell wieder vergessen. Das stört mich in vielen Diskussionen. (Nemanja Vidic in der Sport BILD vom 23.06.2010 auf die Frage, ob Deutschland ohne Ballack besser wäre)

Nemanja Vidic hat zuerst einmal uneingeschränkt recht. Respekt ist tatsächlich ein wenig vorhandenes Gut, wenn die Öffentlichkeit auf Personen öffentlichen Interesses blickt. Und was gestern noch gut war, ist heute schon vergessen bzw. verdreht sich in sein Gegenteil. Zu Besuch bei flachen Hierarchien weiterlesen

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Das Turnier als Flachetappe

Ach, liebe Fußball-Weltmeisterschaft: Irgendwie fühlen Sie sich an, wie eine Live-Übertragung einer Tour de France-Flachetappe. Viel Geplänkel, ein paar Ausreißversuche und zum Schluss freut man sich darüber, dass jemand gewonnen hat bzw. eigentlich viel mehr darüber, dass es vorbei ist. Das Turnier als Flachetappe weiterlesen

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