Schlagwort-Archive: Hosengate

Presse 17.02.2014

Vielerlei Berichte über das 1:0 von RB Leipzig gestern gegen den SV Wehen Wiesbaden. Trotz langer Verletztenliste ein überzeugender, viel zu knapp ausgefallener Sieg, den überragendes Pressing und Dominik Kaiser mit seinem Treffer nach einer reichlichen Viertelstunde sicherten. Mehr als 11.000 gut gelaunte Fußballanhänger sorgten für einen angemessenen Rahmen für das Spitzenspiel Zweiter gegen Fünfter.

Beide Teams behielten auch nach dem Spiel ihre Tabellenplätze, liegen nun allerdings neun Punkte auseinander. Auf Hansa Rostock auf dem vierten Platz hat RB Leipzig auch bereits sieben Punkte Vorsprung. Darmstadt belegt weiterhin mit drei Punkten Rückstand Platz 3. Heidenheim mit nun schon 18 Punkten Vorsprung auf Platz 4 weiterhin überlegener Spitzenreiter.

Im Nachwuchsbereich gewann die U23 ein Testspiel gegen den Oberligisten Einheit Rudolstadt mit 3:0. Tom Nattermann feierte nach langer Verletzungspause (Mittelfußbruch) sein Comeback.

Die U19 testete gleich zweimal. Am Freitag gab es ein 20:0 gegen die Männer des Kreisligisten (9.Liga) Grün-Weiß Großbothen. Am Sonntag folgte dann ein 6:0 gegen die Altersgenossen des FC Ingolstadt aus der Bayernliga.

Einen unfassbaren Lauf hat derweil die U17, die im Bundesliga-Spiel beim direkten Konkurrenten und bisherigen Zweiten Hertha BSC unter Aufsicht von Ralf Rangnick mit einem 3:1 die Tabellenführung behaupteten und sich nun tatsächlich Chancen ausrechnen dürfen, an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teilzunehmen. An der nehmen die drei Meister der Bundesliga-Staffeln (Nord/Nordost, Süd/Südwest, West) und der zweite der Nord/Nordost-Staffel, in der RB Leipzig spielt, teil. Aktuell liegen zwischen RB Leipzig auf Platz 1 und Hertha BSC auf Platz 4 allerdings nur vier Punkte.

Für einen mehr als bemerkenswerten Nachklapp in Sachen Hosengate sorgte die U17 des Halleschen FC (via HFC-Fanblog). Deren Trainer Gilbert Hernandez musste sich auf Geheiß des HFC-Präsidiums öffentlich dafür entschuldigen, dass sein Team bei RB Leipzigs U16 mit den Hosen des Gastgebers aufgelaufen war, weil man die eigenen vergessen hatte. Die HFC-Junioren bezogen nun mit einem Bild deutlich Stellung. Auf diesem sind die Spieler ohne Turn- und nur in Unterhosen zu sehen. Dazu hält jeder Spieler ein anderes Vereinssymbol in seinen Händen. Und über dem Foto ist zu lesen: „Mist, schon wieder die Hosen vergessen. NA UND!?! Wir respektieren jeden Verein des DFB als sportlichen Gegner. Gewinnen, im Sport durch Leidenschaft und im Leben durch Toleranz. Wir sind ein Team und klären Probleme intern.“

Damit distanziert sich die U17 deutlich davon, dass das HFC-Präsidium den U17-Coach Gilbert Hernandez zu einer öffentlichen Entschuldigung nötigte und macht gleichzeitig deutlich, dass man die Konkurrenz zum Nachbarn RB Leipzig mit allem nötigen Respekt und mit Leidenschaft auf dem Platz austrägt und nicht in irgendwelchen Diskursscharmützeln.

Man kann angesichts des Alters der Beteiligten gar nicht genug Respekt davor haben, dass sich das Team derart reflektiert, aber auch exponiert zu der Geschichte äußert. Man muss nicht mal glauben, dass sie RB sonderlich mögen, aber sie bewahren sich den Blick der Sportler und machen sich für diesen stark. Und das macht sie zu den absoluten Gewinnern in dieser ganzen Geschichte, die ja zuletzt damit endete, dass der HFC seitens der Vereinsführung künftig wohl auf Testspiele gegen RB im Jugendbereich verzichten will.

Der MDR auch mit einem Videoschnipsel zur Hosengeschichte, gedreht und veröffentlicht allerdings vor der Reaktion der U17. Etwas dich aufgetragener Gestus sowohl bei der Titelwahl („Hosenkrieg“) als auch im Beitrag selbst.

Die Süddeutsche Zeitung mit einem DPA-Artikel zur Zweitligalizensierung. In sachlichem Ton wird der aktuelle Stand der Dinge festgehalten. Der allerdings nur wenige belastbare Fakten kennt, weil Fakten von den Beteiligten kaum zu kriegen sind. Dafür noch mal das Statement Rangnicks aus der freitäglichen Pressekonferenz, dass er nicht mit Lizenzproblemen rechne.

Und einen Abgang gibt es noch zu vermelden: Detlev Dammeier wechselt mit sofortiger Wirkung von RB Leipzig zu Preußen Münster, wo er Sportdirektor wird. Bei RB war Dammeier ein knappes Jahr lang als Scout angestellt und beobachte unter anderem auch im Vorfeld der letztjährigen Relegationsduelle die Sportfreunde Lotte.

Presse 17.02.2014 weiterlesen

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Presse 12.02.2014

Die LVZ heute mit wenig erbaulichen Neuigkeiten von Christian Müller, für den es nach seiner Horrorverletzung aus einem Testspiel im Wintertrainingslager offenbar vor allem darum geht, überhaupt wieder richtig laufen zu können. Aktuell fehle dem Rechtsverteidiger weiter das Gefühl im linken Fuß, weil ein Nerv beschädigt wurde. Der Verein, so die LVZ, werde Christian Müller in dieser schweren Situation jede Unterstützung zukommen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass Müller, der im März noch einmal am Kreuzband operiert wird, so gut es geht gesundet.

BILD beschäftigt sich mit der Torwartsituation bei RB Leipzig und präsentiert den verletzten Stammkeeper Fabio Coltorti, der kampfeslustig zu Protokoll gibt, bis Ende März wieder voll einsatzfähig sein zu wollen. Im Moment gehe aber nicht mal Autofahren. In die neue Nummer 1 Benjamin Bellot hat Coltorti großes Vertrauen. Dass bei RB gleich zwei Torhüter verletzungsbedingt länger ausfallen, bezeichnet Coltorti in Bezug auf die Saisonziele als „große Steine“, die im Weg legen würden. Das mache aber „alles interessant“. Mal sehen, ob diese interessante Situation auch gut ausgeht..

Hinter Benjamin Bellot werden laut BILD die U19-Keeper Fabian Bredlow und Dominic-René Heine vorläufig die Nummer 2 und 3 bei RB Leipzig sein. Andreas Kerner, eine mögliche Notnotoption musste derweil das heutige Training abbrechen. Ob dies einen längeren Ausfall bedeutet, ist offen.

Die Zweitligalizensierung wird wieder mal Thema. NOFV-Chef und DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit hatte sich in der Sportbild (vgl. Zitate bei Spox) geäußert und gemeint, dass es in Sachen Lizenz für RB Leipzig keine Probleme geben werde. RB Leipzig habe im Januar Satzungsanpassungen eingeleitet, die den Erhalt der Zweitligalizenz sichern werden. Diese bezögen sich darauf, dass nun abgesichert sei, in welchen Abständen eine Mitgliederversammlung abgehalten werden und wie lange ein Mitglied längstenfalls auf die Bearbeitung seines Mitgliedsantrags warten muss. Was Änderungen wären, die für RB Leipzig keine praktische Relevanz haben würden und auch keine zwangsläufige Erhöhung der Mitgliederzahl bedeuten würde.

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig findet Milkoreits Aussagen derweil nicht sinnvoll, weil „es im Vorfeld [der Lizenzierung] gar keine Zusicherungen“ geben könne. Der Lizensierungsprozess beginne erst im März und erst dann werde sich zeigen, inwieweit RB Leipzig die Lizenz erhalten kann. Das ist natürlich alles richtig, was Herr Rettig da aufführt. Interessant daran ist lediglich, dass es Andreas Rettig himself war, der das Lizensierungsthema rund um RB Leipzig durch Äußerungen auf einem Fankongress in Berlin im Januar überhaupt erst angeheizt hatte, als er mit impliziten Verweis auf RB Leipzig davon sprach, dass man bei der Lizenzierung ganz genau hinschauen und bei Investorenmodellen die Mitgliedermitbestimmung im Auge behalten werde.

N24 mit einem Kommentar zu irgendwas mit Fußball im Osten. Und der These, dass RB Leipzig kein passendes „Modell für den Fußballosten“ abseits von Leipzig sei, sondern es darum gehe, sich auf seine identitären Stärken in Bezug auf die regionale Verankerung zu besinnen. Ein Tipp, der den Fußballmachern vor Ort sicherlich enorm neu vorkommen wird..

Und weitere Bausteine im Hosengate (die HFC-U17 hatte zum Testspiel bei der RB-U16 wegen fehlender eigener Hosen auf die von RB zurückgegriffen, wofür sich der U17-Coach Hernandez offiziell entschuldigen musste). Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, dass die HFC-Spitze seinem U17-Coach Gilbert Hernandez in der offiziellen Version vorwirft, dass er mit dem Zugriff auf RB-Hosen für sein Team die Ausrüsterverträge seines Vereins verletzt habe. Was eine eher absurde Version der Geschichte ist, denn in der Entschuldigung, die Hernandez für die HFC-Website verfassen/ unterzeichnen musste, wird dies mit keiner Silbe erwähnt und niemand würde sich wohl umfassend bei Fans, Verein und Präsidum öffentlich entschuldigen müssen, wenn es ausschließlich um Ausrüsterverträge ginge..

Zum krönenden Abschluss(?) der Geschichte verkündete nun der HFC-Fanszene e.V. (und nicht die offiziellen Vereinskanäle) quasi im Namen des HFC, dass man künftig auch im Nachwuchsbereich nicht mehr gegen RB Leipzig testen werde. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs mit Präsident Michael Schädlich gewesen. Was nur vier Tage nach der Aussage von Schädlich, dass man die Debatten um RB nicht auf dem Rücken der Jugendlichen austragen werde, nur als Einknicken bezeichnet werden kann. Dass die Jugendfußballer von diesem Schritt übermäßig begeistert sein werden, darf man jedenfalls bezweifeln. Die ideologischen Grabenkämpfe zwischen Präsidium und Teilen der Fans sind ihnen vermutlich ziemlich egal.

Aus RB-Sicht ist es natürlich unschön, dass gerade für die jüngeren Jahrgänge ein möglicher Testgegner aus der unmittelbaren Nähe wegfallen könnte, sportlich dürfte es aber eher den HFC-Nachwuchs treffen, wo man nun zumindest genau weiß, dass im Verein Entscheidungen nicht unbedingt im sportlichen Sinne von den Nachwuchsleitern selbst getroffen werden, sondern von oben oder außen kommen. Dürfte der eine oder andere Spieler mit Traum von einer Profikarriere zusammen mit seinen Eltern ziemlich genau wahrnehmen..

Stichwort Nachwuchsspieler: Bei den RB-Fans Teil 2 grundsätzlicher Betrachtungen zur Nachwuchsarbeit. Mit besonderem Blick auf die Interaktionen mit anderen Vereinen. Hierbei wird schön aufgezeigt, wie gerade mit steigenden Altersklassen fußballspielende Jugendliche von den leistungsorientierten Vereinen wieder zurück in klassenniedere Vereine wandern. Was auch gut den Vorwurf widerlegt, RB Leipzig würde im Nachwuchsbereich die umliegenden Vereine durch Abziehen der Talente ausbluten lassen. Denn letztlich ist es nur ein mehr oder permanentes Wandern der Spieler, immer auf der Suche nach der zur sportlichen Entwicklung bestmöglich passenden Alternative. Was oft auch die höchstmögliche Alternative ist. Aber gerade in den oberen Altersstufen eines Nachwuchsleistungszentrums wird die Luft sehr eng, sodass Talente den Weg zu anderen lokalen Vereinen wie Lok, HFC oder Markranstädt suchen.

Presse 12.02.2014 weiterlesen

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Presse 11.02.2014

Nachdem vorgestern noch Entwarnung gegeben worden war, kam gestern doch noch die schlechte Nachricht, dass Torwart Erik Domaschke wegen eines Kahnbeinbruchs für sechs bis acht Wochen ausfällt. Also in etwa so lange, wie auch Stammkeeper Fabio Coltorti noch zugucken dürfte.

Nachdem also Nummer 1 und 2 verletzungsbedingt längere Zeit nicht dabei sind, ist die Zeit reif für Benjamin Bellot, den einzigen Spieler im Kader von RB Leipzig, der schon seit Vereinsgründung 2009 dabei ist. Die Position hinter Bellot wird nach Stand der Dinge von U19-Nationaltorwart Fabian Bredlow besetzt werden. Auch Andreas Kerner stünde als Alternative noch bereit.

Eine Neuverpflichtung wie der BILD-Titel suggeriert, wird es derweil nicht geben. Das trifft auch vertragslose Spieler wie Tim Wiese. Die Begründung hat man am Ende des Artikels noch nachträglich eingefügt. Eine Neuverpflichtung kann nach Ablauf der Transferperiode 2 am 31.01.2014 keine Spielgenehmigung mehr erhalten.

Festgelegt wurde die Strafe für Tobias Willers nach seinem Notbremsenhandspiel am vergangenen Wochenende. Für das er mit gerade mal einem Spiel Sperre davon kommt. Was auch zeigt, dass das Zustandekommen so unglücklich war, dass selbst das Sportgericht nicht umhin kommt, die geringstmögliche Strafe auszusprechen.

Gestern wurde das Halbfinale im Sachsenpokal ausgelost (MDR). RB Leipzig müsste, vorausgesetzt sie gewinnen im Viertelfinale beim FC Eilenburg, zum FC Oberlausitz Neugersdorf, wo man schon im vergangenen Jahr zum Halbfinale antrat und erst im Elfmeterschießen weiterkam. Neugersdorf inzwischen eine Klasse aufgestiegen und Oberligaspitzenteam. Potenziell erst im Finale könnte man auf den Drittligakontrahenten Chemnitzer FC treffen. Chemnitz müsste im Halbfinale, wenn sie vorher den SSV Markranstädt ausschalten, beim VfB Auerbach antreten.

Die Volksstimme mit einem Artikel zum Schönebecker SC, von denen es vor einigen Wochen einmal hieß, RB Leipzig würde ihnen bei Finanzproblemen helfen. Ob das heute ins Spiel gebrachte, noch nicht vertraglich abgesicherte Benefizspiel on top gemeint ist oder selbst die avisierte Hilfe darstellt, bleibt unklar.

Abseits all dieser Sachen sorgt eine Geschichte für Furore, die man wohl nur als absurd bezeichnen kann. Am Sonntag hatte das Testspiel zwischen der U16 von RB Leipzig und der U17 des Halleschen FC stattgefunden (Endstand: 1:1). Ein Spiel, das vorher schon von Hallenser Fanseite kritisiert worden war. Aufgrund von Verkettungen verschiedener Umstände hatte das Gästeteam zu diesem Spiel keine Sporthosen parat. Was zum im Fußball völlig normalen Vorgehen führte, dass der Gastgeber auf Nachfrage mit der entsprechenden Ausrüstung aushalf.

Normal ging in Halle aber in Bezug auf RB Leipzig nicht und nachdem die Vereinsführung letzte Woche noch klargemacht hatte, dass der Nachwuchsbereich testen kann, gegen wen er will, kam nun gestern der ganz kalte Liebesentzug. Denn der U17-Trainer Gilbert Hernandez wurde vom Präsidium um Michael Schädlich dazu genötigt, sich per Vereinswebsite öffentlich dafür zu entschuldigen, dass er seine Jungs in die falschen Hosen gesteckt hat. „Ein großer Fehler“ sei es gewesen, nach den fremden Hosen zu fragen und es tue ihm leid für Fans, Sponsoren und die ganze Welt.

Es ist ziemlich unfassbar, dass die HFC-Vereinsführung tatsächlich einen ihrer Mitarbeiter in dieser Art und Weise, die an ein erpresstes Geständnis erinnert, auf der eigenen Homepage öffentlich vorführt, anstatt jenem, der tatsächlich jeden Tag Gesicht des Vereins ist, für eine normale und sinnige Entscheidung den Rücken zu stärken. Dabei setzt der ganzen Sache noch die Krone auf, dass das Präsidium es mit dem unfassbaren Entschuldigungsschreiben nicht sein, sondern den vermeintlichen Delinquenten weiter am Pranger stehen lässt und die Entschuldigung lediglich „zur Kenntnis“ nimmt und explizit öffentlich verkündet, über „weitere, vereinsinterne Restriktionen“ nachzudenken.

Ey, es hackt wohl, möchte man den Entscheidern in der Nachbarstadt zurufen. Wenn du ein solches Präsidium hast, das dich in vorauseilendem Gehorsam den Fans zum Fraß vorwirft (die die vom Präsidium durchgesetzte Entschuldigung glücklicherweise in ihrer großen Mehrzahl auch peinlich finden, wenn man den sozialen Netzwerken glauben darf), dann brauchst du als Nachwuchstrainer keine Feinde und Konkurrenten mehr in deiner näheren Umgebung.

Den Versuch der Fananbiederung am deutlichsten auf den Punkt bringt dabei ein Satz in der diktierten Entschuldigung: „Die Spieler unserer U17 träumen davon, einmal vor vollen Rängen im ERDGAS Sportpark aufzulaufen.“ (Etwas, was offenbar essenziell nicht damit zusammengeht, sich mit den falschen Hosen einzukleiden.) Genau darin drückt sich auch dieser Realitätsverlust aus, der in der ganzen Entschuldigungsgeschichte drinsteckt. Den Fans immer glauben machen zu wollen, dass vom 5- bis zum 105-jährigen alle, die mit dem Verein zu tun haben, nur in HFC-Bettwäsche schlafen.

Sorry, aber der durchschnittliche 16jährige HFC-Spieler, der von einer Profikarriere träumt (wenn er diesen Traum denn hat), träumt sicherlich überwiegend nicht vom selten mal vollen Erdgas Sportpark in Halle, sondern wenn dann von einem der bekannteren Bundesliga-Stadien oder gleich einem internationalen Verein. Selbst der durchschnittliche RB-Jugendspieler wird seine Traumwelten auf das ausrichten, was er (national oder international) von seinem Aufwachsen aus dem Fernsehen kennt und nicht auf die WM-Schüssel vor der Nase, die er wahrscheinlich trotzdem hübsch findet. Wer meint, man müsse die Jugendlichen auf die heimische Stadionscholle einschwören und sie in Geiselhaft für irgendeine Vereinstreuheitsgeschichte nehmen, der missversteht seinen pädagogischen Auftrag, den er auch hat, mehr als gründlich und stellt sein Eigeninteresse deutlich über das der Jugendlichen. Und all das, weil sich ein Jugendtrainer dazu entschieden hat, seine Kids in Sporthosen des Kontrahenten auflaufen zu lassen, wie es dies tausende Male zuvor schon in der Republik gab.

Als man dachte, niemand könne das HFC-Vorgehen richtig finden, kam der MDR um die Ecke und bot dem wohl ersten bekennenden Befürworter des öffentlichen Entschuldigungsprangers Torsten Rößler im Rahmen einer Pro-und-Contra-Geschichte Platz an. Rößler kommt nicht nur auf die Idee, dass man sich hätte, im nächsten Sportfachgeschäft neue Hosen besorgen müssen, statt nach den gebrauchten Hosen des Gastgebers zu fragen (an einem Sonntag Nachmittag..), sondern findet auch, dass der U17-Coach „grob fahrlässig“ gehandelt hat, weil das Tragen der falschen Hosen abseits des Feldes zu einer Eskalation der Situation hätte führen können, weil RB ja von den Hallenser Anhängern nicht gemocht wird (wohlgemerkt bei 90 Besuchern dieses Spiels..).

Eine in Halle nicht unbekannte Argumentation, wo doch selbst Präsident Schädlich mal bemerkte, dass man sich nicht wundern müsse, wenn die Fans draußen randalieren, wo doch der Schiedsrichter so schlecht gepfiffen habe. Schuld sind im Normalfall die anderen und egal ob falsche Hosen oder Pfiffe, beides sollte man vermeiden, weil sonst die Hallenser Fußballseele in eine Wallung kommt, bei der man für nichts mehr garantieren könne. Einen besseren Freifahrtschein kann man dem eigenen Anhang auch nicht ausstellen..

Aber vielleicht muss man Torsten Rößler in seinem Versuch, die Vereinsentscheidung für eine öffentliche Entschuldigung zu rechtfertigen, auch verstehen. Schließlich berichtet er seit 20 Jahren vom HFC und sein Sender radio SAW ist immerhin Medienpartner des Vereins. Gute Sache so eine Partnerschaft..

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Presse 07.02.2014

Ein Tag noch bis zum Spiel von RB Leipzig bei Rot-Weiß Erfurt. Fünfter gegen Zweiter. 10.000 Zuschauer, davon 1.500 aus Leipzig. Sport und Rahmenbedingungen stimmen schon mal. Für Rot-Weiß Erfurt ist es zudem das 800. Heimspiel der Clubgeschichte. Der MDR überträgt die Partie im Stream und im TV.

Für mediale Furore sorgt ein Erfurter Flyer, der eigentlich schon mehr als ein halbes Jahr alt ist und in dem unter dem Titel „Wir werden siegen“ Leidenschaft und Tradition beschworen wird. Die LVZ nimmt sich der Sache an. Alexander Zorniger widmet sich den intellektuellen Unzulänglichkeiten der Botschaften.

BILD findet bei RWE-Boss Rombach heraus, dass dieser den Kommerz auch bei sich in Erfurt verortet, aber trotzdem einen Vorteil in gewachsenen Strutkturen, alias Tradition sieht. Und: „Herzblut entwickelt man nur, wenn man für etwas kämpfen muss und der finanzielle Druck permanent da ist.“ Warum man permanenten wirtschaftlichen Druck braucht, um mit Herzblut an eienr Sache zu hängen und zu arbeiten, erschließt sich allerdings nicht wirklich.

Und die offizielle Homepage der Erfurter mit einem umfangreichen, recht ausgewogenen Vorbericht, der auf das Schaufeln von Gräben zwischen den Vereinen verzichtet.

Auf dem grünen Rasen wird RB Leipzig wohl gegenüber dem Duisburg-Spiel unverändert auflaufen. Verletzungsbedingt fehlen neben den Langzeitverletzten Coltorti, Müller und Sumusalo auch Anthony Jung (Wade, Virus), André Luge (Knie) und wahrscheinlich zudem Federico Palacios Martinez (Magen).

Auf Erfurter Seite wird man neben ein paar anderen Ausfällen freiwillig auch auf Carsten Kammlott verzichten (der laut Kicker nur allzu gerne mitgespielt hätte) und damit zu einer mündlichen Vereinbarung aus den Transfer-Verhandlungen in der Winterpause stehen. Insiderhinweise von Kammlott aus seiner Zeit bei RB Leipzig nutze man aber.. Sport1 nimmt sich der Thematik um Kammlott auch an und liefert dabei eine ziemlich tendenziöse Interpretation von Fakten, Begebenheiten und Gerüchten.

RB Leipzig will in Erfurt nach zwei Niederlagen wieder in die Spur kommen. Alexander Zorniger findet es dafür zentral, dass seine Spieler die Knackpunkte in dem Spiel auf ihre Seite ziehen. Und Daniel Frahn will mit einer besseren Chancenverwertung das seine zu einem Sieg beitragen. Auf der anderen Seite wollen die Gastgeber einen Fight liefern und ihre Chance suchen, ganz dicht an Platz 2 heranzurücken.

In Bezug auf das Geschehen abseits des grünen Rasens stellt der Erfurter Polizeichef Jürgen Loyen im Gegensatz zu anderslautenden Medienberichten der vergangenen Tage fest, dass man „eine friedliche Partie“ erwartet, RB-Fans noch nie auffällig geworden seien und die Begegnung nicht als Risikospiel eingestuft wurde.

Nicht entgehen lassen konnte sich BILD die Steilvorlage, die Coach Alexander Zorniger in der gestrigen Pressekonferenz vor dem Erfurt-Spiel lieferte, als er DFL-Chef Reinhard Rauball „Populismus“ vorwarf und zudem auf Rauballs scheinbar nicht sonderlich glorreiche Vergangenheit am Aktienmarkt verwies. Zornigers Aussagen in Ton und Inhalt durchaus deutlich. Mal sehen, ob die Aussagen noch in irgendeiner Agenturmeldung verwurstet und anschließend durch die Online-Medienlandschaft gejagt werden.

Die Gmünder Tageszeitung stellt passend dazu fest, dass sich an Alexander Zorniges Vorliebe für Spitzen im Rahmen von Pressekonferenzen gegenüber seiner Zeit in Schwäbisch Gmünd nichts geändert habe.

Zornigers Vorgesetzter Ralf Rangnick betont via 90minuten noch einmal, dass Red Bull Salzburg nicht zum Ausbildungsverein für RB Leipzig werden wird. Spielerwechsel zwischen Leipzig und Salzburg werden aber auch künftig passieren. Und das Scouting laufe sowieso für beide Clubs gleichzeitig.

Interessante Meldung der LVZ, dass das Amateurstadion von RB Leipzig nun doch am Cottaweg entstehen soll. Wofür es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man schafft es, die Stadt davon zu überzeugen, dass man das Kleinmessegelände dafür nutzt (unwahrscheinlich bzw. hatte die Stadt es immer vehement verneint, die Kleinmesse vom Cottaweg wegzuverlegen). Oder man kooperiert mit dem BSV Schönau und baut das Stadion auf das Gelände des direkten Nachbarn am Cottaweg und nutzt es gemeinsam.

Neben der Standortfrage stellt sich auch die Frage, inwieweit ein solcher Neubau politisch durchsetzbar ist, nachdem schon der Bau des Trainingszentrums Teil einer (im kleinen Kreis) durchaus intensiven Debatte um die Zukunft des Gesamtareals am Cottaweg (also Kleinmesse, RB-Trainingszentrum, BSV Schönau und Motodrom) war. Letztlich trifft es vor allem Fragen des Natur- und Umweltschutzes an dieser neuralgischen Stelle, an der der Auwald-Grünstreifen durch Leipzig enorm ausgedünnt ist. Inwiefern da ein weiterer 5.000-Zuschauer-Betonklotz hinein passt, darf sicherlich diskutiert werden. Aus RB-Sicht wäre ein Amateurstadion direkt am eigenen Trainings- und Vereinsgelände und in Sichtweite zur Red Bull Arena aber sicherlich die absolute Optimalvariante.

Der Sächsische Fußballverband zieht auf Wunsch der beteiligten Vereine die Auslosung des Halbfinals im Sachsenpokal vor. Diese wird nun bereits am Montag (10.02.) stattfinden. Ob RB Leipzig an diesen Halbfinals teilnehmen wird, entscheidet sich allerdings erst am 26.02., wenn man im Viertelfinale beim FC Eilenburg antreten muss. Im Halbfinale könnte man auf die schon qualifizierten VfB Auerbach und Oberlausitz Neugersdorf oder auf den Sieger des Duells zwischen Markranstädt und Chemnitz treffen.

Im Nachwuchsbereich testet die U23 am morgigen Samstag in einer interessanten Partie den finanziell ziemlich angeschlagenen Regionalligisten VFC Plauen. Anpfiff gegen den früheren Club von U23-Coach Tino Vogel ist am Cottaweg um 14 Uhr.

Die U19 testet auch am Samstag, allerdings auswärts bei der zweiten Mannschaft des FSV Zwickau, seines Zeichens Landesligakontrahent der U23 von RB.

Die U17 startet derweil schon in die Pflichtspiele. Und hat es zum Auftakt gleich mit einem richtigen Kracher zu tun. Denn zu Gast beim Tabellenzweiten ist der Tabellenführer Werder Bremen, bei dem man in der Hinrunde mit einem 5:1-Sieg ein sensationelles Ausrufezeichen gesetzt hatte. Ein weiterer Sieg würde RB die Tabellenführung in der Nordost-Staffel der Bundesliga bringen. Anpfiff am Cottaweg ist am Sonntag um 11 Uhr. Lohnt sich sicher, mal vorbeizugehen.

Bliebe noch die U16 zu erwähnen, die am Sonntag ab 15 Uhr, auch am Cottaweg gegen die U17 des Halleschen FC testet. Was laut Mitteldeutscher Zeitung den HFC-Fanszene e.V. auf den Plan ruft, der eine Absage der Partie fordert. Präsident Michal Schädlich macht aber klar, dass es für den HFC im Nachwuchsbereich um die Entwicklung der Spieler gehe und solche Partien gegen sportlich interessante Gegner einfach dazugehören. Das Spiel sei von Jugendleiter Hagen Schmidt organisiert worden.

Man könnte zu dem öffentlichen Trommeln des HFC-Fanszene e.V. sicher einiges sagen. Aber eigentlich ist das Thema schon seit dem Spiel im Dezember in Leipzig durch, als der HFC-Fanszene e.V. durch einen merkwürdigen bis schwer erträglichen Empörungs- und Forderungsduktus in Bezug auf die (Nicht-)Öffnung von Sektor D in der Red Bull Arena auffiel. Nur soviel zum Thema: Zu vermuten ist, dass auch die U17 des HFC ganz viel Bock auf dieses Spiel hat, weil die Fußballer gegen den Städtenachbarn spielen und keinen ideologischen Grabenkrieg führen wollen und weil man sich über verschiedene Kanäle dann doch irgendwie kennt und weiß, dass der jeweils andere gar nicht so anders ist und gar nicht so viel anderes macht. Und die zwei ehemaligen RB-Spieler im HFC-U17-Kader zeigen auch, dass der Wechsel von Nachwuchsspielern zwischen den Teams keine Einbahnstraße ist..

Presse 07.02.2014 weiterlesen

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