(Kein) Klotz am Bein (mehr)

Jedem Fußballinteressierten, der in der DDR sozialisiert wurde, fällt wohl eine ganz persönliche Geschichte zum Zentralstadion ein. Das Fritz-Walter-Hackentor 1956 kam noch etwas zu früh für mich, doch im September 1985 durfte auch ich anlässlich des WM-Qualifikationsspiels gegen den damaligen Europameister Frankreich (das große Frankreich! die aus dem Fernsehen! Giresse, Platini!) die ewiglang erscheinenden Treppen der Schüssel erklimmen. Fast noch an der Hand meines Vaters laufend war es nicht nur mein erster Fußballausflug nach Leipzig, sondern auch mein erstes Flutlichtspiel und sowieso mein erstes Länderspiel.

(Kein) Klotz am Bein (mehr) weiterlesen

Flattr this!

Fehlende Konkurrenz

Wir suchen noch einen Torwart, der Sven Neuhaus Druck macht, damit er seine Topleistungen bestätigt. (Tomas Oral in der BILD vom 21.07.2010)

Man sollte sowas ja nicht immer allzu hoch hängen, aber hier scheint mir die sportliche Leitung doch einen Sinneswandel vollzogen zu haben. Bisher hieß es immer, dass man noch einen Torwart für die Position 2 oder 3 sucht, möglichst Marke jung, talentiert und entwicklungsfähig. Franco Flückiger war ein Kandidat, dessen Verpflichtung an den zu hohen Ablöseforderungen der Magdeburger scheiterte. Nun sucht RasenBallsport Leipzig also doch eher einen Kandidaten, der bereits jetzt auf dem Niveau von Neuhaus spielt. Warum? Fehlende Konkurrenz weiterlesen

Flattr this!

Red Bull Juniors Salzburg vs. RasenBallsport Leipzig 1:2

Während es sich Huub Stevens große Salzburger Bullen auf den Faröer Inseln bei einer bedeutungslosen 0-1-Niederlage in der Champions-League-Quali gemütlich machten, durfte der Salzburger U23-Nachwuchs – gerade in die dritthöchste, österreichische Spielklasse zwangsabgestiegen – gegen RasenBallsport Leipzig testen. Für RB Leipzig bereits das 6.Testspiel, das mit einem bedeutungslosen Sieg endete. Auch in diesem Spiel zeigte sich, dass das Verschieben Daniel Frahns auf den (linken?) Flügel Methode hat. Immerhin durfte Frahn dann in der 2.Hälfte für 20 Minuten in den Sturm wechseln.

Aufstellung 1.Halbzeit: Hammel – Ismaili, Hertzsch, Sebastian, Müller – Lewerenz, Rost, Geißler, Frahn – Kammlott, Frommer

Aufstellung 2.Halbzeit: Hammel – Albert, Kläsener, Sebastian (74. Buszkowiak), Franke – Watzka, Bick, Baier, Laas – Frahn (66. van den Bosch), Kutschke

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBS-Bericht [broken Link]

Flattr this!

Kult vs. Tradition

Die Ansprüche der Leipziger Kultklubs sind im Schatten von RB halt nicht mehr so hoch. (BILD vom 19.07.2010)

Kult statt Tradition? Ist das etwa die neue Sprachregelung der BILD-Zeitung? Quasi als moderner, popkultureller Ersatz für den ideologisch angehauchten, leicht verstaubten Begriff der Tradition? Man kann schon erahnen, wie das dann zukünftig in der Berichterstattung aussehen könnte. RasenBallsport Leipzig als warenförmig wahrgenommener Verein, der bei Siegesserien den Helden geben darf und gefeiert wird und ganz analog zu Bayern München bei einer Niederlage den Deppen der (Leipziger) Nation geben muss, auf den man nach Belieben mit dem Knüppel draufhauen kann. Und dahinter stehen mit Lok und dem FC Sachsen zwei Clubs in Stellung, von denen man als ‚Kultclubs‘ mit Herz nicht viel erwartet, außer eben Kult zu sein und in gelegentlichen Derbys zu beweisen, dass man noch Zuschauer zieht. Was potenzielle Berichte a la ‚Chaos beim Kult-Club – Steffens wirft hin‘ einschließt. Langsam manifestiert sich die neue Situation mit drei Leipziger Clubs und ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Aspekte der Manifestation leiden können muss..

Flattr this!

RasenBallsport Leipzig vs. Ferencvaros Budapest 1:1

Testspiel Nummer 5, diesmal gegen Ferencvaros Budapest, ungarischer Erstligist mit klangvollem Namen. Zwei Verletzte (Knöchelverletzung und Nasenbeinbruch!) und ein Spielabbruch wegen Hagels waren die spektakulären Begleiterscheinungen des Unentschiedens. RB Leipzig (diesmal wieder mit Timo Rost) begann wie schon im letzten Test gegen Cluj mit drei Spitzen, deren taktische Ausrichtung auf dem Feld mir immer noch unklar ist (Frahn vermutlich im rechten Mittelfeld). Mit Frommers Verletzung nach einer halben Stunde war das Experiment aber wieder beendet, da mit Geißler ein gelernter Mittelfeldspieler das 4-4-2 komplettierte. In der zweiten Hälfte testete Trainer Oral dann Benjamin Bellot, derzeit Torhüter Nummer 2, notgedrungen auf der Position des rechten Verteidigers. Interessante taktische Variante, die die defensiven Gegner in der Regionalliga zusätzlich unter Druck setzen könnte..

Aufstellung 1.Halbzeit: Neuhaus – Ismaili, Kläsener, Sebastian, Müller – Lewerenz, Rost, Laas, Frahn – Kammlott, Frommer (29. Geißler)

Aufstellung 2.Halbzeit: Neuhaus – Rosin (70. Bellot), Hertzsch, Buszkowiak, Franke – Watzka, Bick, Baier, Geißler – van den Bosch, Kutschke

Links: RBL-Bericht [broken Link], Ferencvaros-Bericht [broken Link]

Flattr this!

Fußballalltag

Es ist ja auch ein bisschen Sommerloch, deswegen sei mir an dieser Stelle gestattet, Ihnen ach lieber Guido Schäfer auf diesem Wege mitzuteilen, dass ich sehr froh bin, dass Sie nun nicht mehr über verlorengegangene Bafana-Bafana-Trikots schreiben müssen, sondern sich wieder in den spannenden Niederungen des aktuellen Leipziger RasenBallsports suhlen dürfen. Die letzten Wochen, in denen man in ihrem Stammblatt Leipziger Volkszeitung ‚dank‘ ihrer Abwesenheit nur Artikel über RB Leipzig lesen durfte, deren Inhalt man schon von der Vereins-Homepage kannte, waren sehr hart. Zumal die Homepage auch in dieser Zeit in ihrer fast schon traditionellen Art eher spärlich bestückt war.. Willkommen zurück im großartigen Fußballalltag.

Flattr this!

RasenBallsport Leipzig vs. CFR 1907 Cluj 1:2

Das 4. Testspiel, die erste Niederlage und mit dem rumänischen Meister der erste hochklassige Gegner, der allerdings über weite Teile des Spiels hauptsächlich mit Spielern aus der 2.Reihe auflief. Nicht eingesetzt wurden von Trainer Oral Timo Rost, der offenbar immer noch verletzt ist und Sebastian Albert, der sich vermutlich eine Blessur abgeholt hat. Aufgrund des Ausfalls von Albert durfte Ismaili 90 Minuten spielen, während alle anderen Feldspieler jeweils nur eine Halbzeit lang auf dem Platz standen. RasenBallsport Leipzig vs. CFR 1907 Cluj 1:2 weiterlesen

Flattr this!

Fußball und Retorte

Sie sprechen häufig von „Unser Projekt“ oder „Unsere Vision“. Aber hatten Sie keine Skrupel, dass Sie als Kind eines Traditionsvereins wie dem FSV zu einem Retortenklub gehen?
Überhaupt keine Skrupel! Tradition ist etwas Schönes – aber sie darf im Fußball nicht zum Totschlag-Argument verkommen. Es gibt so viele Traditionsvereine, die sich nicht mehr erholen, weil sie von der Tradition erdrückt werden. Ungeduldige Fans, die noch immer von der goldenen Vergangenheit träumen. Eingefahrene Strukturen. Selbstdarsteller, die ins Rampenlicht wollen. Dann ist mir ein Projekt wie RB Leipzig lieber, bei der in einer Stadt, die nach Fußball lechzt, etwas mit Substanz geschaffen wird. (Tomas Oral gegenüber spox.com)

Womit Tomas Oral in dieselbe Kerbe schlägt wie vorher schon Huub Stevens und Dietmar Beiersdorfer. Gelebte Fußballkultur ist das Zauberwort, das Substanz, professionelles Arbeiten und Erfolgsorientierung impliziert.

Flattr this!

games (endlich) over

Aus, aus, aus, Spanien ist Weltmeister. Naja, ganz so spannend war das diesjährige Turnier der besten Fußballnationalmannschaften dann doch nicht, dass man in große Euphorie verfallen müsste. Dass Spanien völlig verdient Weltmeister geworden ist, passt da irgendwie ins Bild. Nicht dass ich ihre spielerische Qualität anzweifeln wollen würde, aber mit dem formschwachen und zudem durch diverse Auswechslungen leicht demontierten Torres fehlte selbst den Spaniern das Puzzleteil, das aus ihrem ansehnlichen Gekicke ein torgefährliches Gekicke macht. David Villa, lange Zeit auf dem Weg zum besten Spieler des Turniers verblasste in dem Moment, als er die Rolle von Fernando Torres in der Sturmzentrale spielen sollte. Und trotzdem wäre alles andere als der Titel ungerecht gewesen, auch wenn es die Niederländer überraschend gut verstanden, lange Ballstafetten der Spanier zu unterbinden und sogar selbst einige große Chancen kreierten. Dass die Spanier im Angesicht der rustikalen Spielweise der Niederländer in alte Muster des Lamentierens und lange Bälle Schlagens verfielen, zeigte relativ eindrücklich, dass auch dieses Team nicht unschlagbar ist.

games (endlich) over weiterlesen

Flattr this!

Ungeziefer

Bisher wurden in dieser brachialrhetorischen Rubrik eher Leichtgewichte behandelt. Bei allem subjektiven Kopfschütteln über die Inhalte und Denkfiguren, die sich hinter den grenzdebilen Figuren und den korrumpierten Opportunisten verstecken, werden darin nicht die Grenzen des fußballbezogenen, tolerierbaren Geschmacks überschritten, was sich auch darin begründet, dass sich in den Begrifflichkeiten eine rhetorische Kreativität ausdrückt, die jenseits des Inhalts noch Spaß macht und aus der man zumindest ablesen könnte, dass hier diejenigen, die (ab)qualifiziert werden sollen als (wenn auch uniforme) Menschen wahrgenommen werden.

Ungeziefer weiterlesen

Flattr this!

Bornaer SV vs. RasenBallsport Leipzig 0:10

Nächstes Testspiel, nächste Chance einer jeweils 45 Minuten dauernden, praktischen Trainingseinheit für den kompletten (gesunden) Kader. Timo Rost und Paul Schinke fehlten verletzungsbedingt. Neue Erkenntnisse nach dem Eilenburg-Test: Lewerenz durfte testweise einen (vermutlich sehr offensiven) Rechtsaußen und Daubitz als Testspieler für den Sturm offenbar (wenn ich die Aufstellung richtig interpretiere) einen Linksaußen mimen. Heraus sprangen 10 Tore und ein sich anschließender trainingsfreier Tag, bevor es heute ins Trainingslager geht, wo sich wohl langsam so etwas wie eine Stammformation herauskristallisieren dürfte.

Aufstellung 1.Halbzeit: Neuhaus – Ismaili, Kläsener, Sebastian, Müller – Lewerenz, Bick, Laas, Geißler – Kammlott, Frommer

Aufstellung 2.Halbzeit: Hammel – Albert, Hertzsch, Buszkowiak, Franke – Watzka, Baier, Rosin, Daubitz – Frahn, Kutschke

Link: RBL-Bericht [broken Link]

Flattr this!

SV "Blau-Weiss ’90" e.V. Neustadt (Orla) vs. RasenBallsport Leipzig 0:1

Das Testspielleiden geht weiter. Diesmal mit 22 eingesetzten Spielern. Im Vergleich zum letzten Test ergaben sich keine eklatanten Veränderungen in der Grundstruktur der Mannschaft. Vermutlich gab Geißler aber in seinem Auftritt nicht den offensiven, sondern den linken Mittelfeldspieler, während wahrscheinlich Baier rechts und Lewerenz offensiv oder eventuell auch andersherum spielten. Ansonsten ändert sich nichts grundsätzliches an den Kadererwägungen im Anschluss an das letzte Testspiel.

Die Aufstellung der ersten Hälfte: Neuhaus – Ismaili, Hertzsch, Sebastian, Franke – Lewerenz, Rost, Baier, Geißler – Kutschke, Frommer

Und die Aufstellung der zweiten Hälfte: Bellot – Albert, Kläsener, Buszkowiak, Müller – Watzka, Rosin, Bick, Laas – Frahn, Kammlott

Links: RBL-Bericht [broken Link], Neustadt-Bericht

Flattr this!

(Gescheiterte) Finalisten

Ach liebe deutsche Fußballnationalmannschaft: Ein bisschen war es wie vor zwei Jahren beim EM-Finale. Nach dem Spiel waren Sie natürlich enttäuscht, aber auch wiederum nicht so richtig. Keine dicken Tränen, die aus den Gesichter rollerten, keine Spieler, die minutenlang völlig zerstört am Boden lagen. Was auch nachvollziehbar ist, denn Sie hatten gerade ein Spiel verloren, in dem man nie das Gefühl gewann, dass Sie eine Chance auf den Sieg hätten. Was wiederum komisch ist, bedenkt man, dass Ihre spanischen Kontrahenten ’nur‘ durch einen Standard das Spiel entschieden. Einen Standard, bei dem man nie und nimmer den Herrn Puyol derartig frei zum Kopfball kommen lassen darf. Denn, auch wenn Ihr Spiel sicherlich nicht sehr gut war, lief doch eigentlich vieles für Sie. Die Spanier spielen und spielen, ohne aus ihrem perfekt organisierten Spiel das entscheidende Tor zu kreieren (was auch an einem fehlenden Torres in Top-Form lag) und je länger das Spiel dauert, desto eher könnte ein schneller Konter die Spielanteile auf den Kopf stellen. Von daher hatten Sie sicher die große Chance, den großen Spaniern ein Bein zu stellen. Sie hätten vielleicht einfach mehr dran glauben müssen. (Gescheiterte) Finalisten weiterlesen

Flattr this!

Kein Transfergerücht: Kammlott

Vermutlich zum letzten Mal vor Beginn der neuen Saison hat RasenBallsport Leipzig mit einem Transfer aufhorchen lassen. Mit dem erst 20jährigen Carsten Kammlott wechselt eines der interessantesten Talente aus dem Osten der Republik für 4 Jahre nach Leipzig. In der letzten Saison aus der 2.Mannschaft kommend zum Stammspieler bei Rot-Weiß Erfurt geworden, absolvierte er 37 Drittliga-Spiele und erzielte dabei immerhin 13 Treffer. Kammlot gilt als spielstarker Stürmertyp, als der er die ideale Ergänzung zum Goalgetter Frahn darstellen würde. Kein Transfergerücht: Kammlott weiterlesen

Flattr this!

Großes Kino

Ach liebe deutsche Fußballnationalmannschaft: Dass Sie einen ansehnlichen und produktiven, offensiven Kombinationsfußball spielen können, wusste ich schon. Dass Sie diesen Fußball auch erfolgreich und in Perfektion gegen Argentinien spielen würden, konnte ich höchstens vermuten. Dass Sie das einzige Team bei der Weltmeisterschaft sein würden, das dieserart positiv überrascht, konnte nun aber wirklich niemand ahnen. Chapeau. Großes Kino weiterlesen

Flattr this!

Zu Besuch bei flachen Hierarchien

Ballack ist der erfahrenste Spieler der Deutschen. In so einem Turnier reichen nicht nur Talente aus, du brauchst Erfahrung in der Mannschaft. Es ist schwer zu sagen, er hat eine gute Karriere hinter sich. Ich denke: Habt Respekt vor Ballack und seiner Karriere. Im Sport werden erbrachte Leistungen viel zu schnell wieder vergessen. Das stört mich in vielen Diskussionen. (Nemanja Vidic in der Sport BILD vom 23.06.2010 auf die Frage, ob Deutschland ohne Ballack besser wäre)

Nemanja Vidic hat zuerst einmal uneingeschränkt recht. Respekt ist tatsächlich ein wenig vorhandenes Gut, wenn die Öffentlichkeit auf Personen öffentlichen Interesses blickt. Und was gestern noch gut war, ist heute schon vergessen bzw. verdreht sich in sein Gegenteil. Zu Besuch bei flachen Hierarchien weiterlesen

Flattr this!

Her mit der Technik

Die bisher eindrücklichste Szene einer nicht übermäßig berauschenden WM produzierte bezeichnenderweise kein Spieler, sondern der Weltschiedsrichter von 2008 Roberto Rosetti, als er im Achtelfinale den Argentiniern den Führungstreffer gab, obwohl er zuvor von seinem Linienrichter informiert wurde, dass das Tor irregulär war. Dumm nur, dass der das erst auf der Videowand sah und nicht bereits im Spiel selbst und so blieb Rosetti regeltechnisch gar keine andere Wahl als das Tor wider besseren Wissens zu geben.

Her mit der Technik weiterlesen

Flattr this!

rotebrauseblogger unterstützen