„Eure Meinung ist uns scheißegal“

Es war kein wirklich überraschender, aber trotzdem ein erstaunlicher Vorgang, dass insgesamt 600 Anhänger des Leipziger RasenBallsports ihren Verein mit zum Auswärtsspiel nach Meuselwitz begleiteten. Nicht wirklich überraschend, weil man in der beginnenden Saison bereits erkennen konnte, dass das Interesse an RB Leipzig im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gewachsen ist. Erstaunlich trotzdem, weil 600 Menschen, die RB zu einem Auswärtsspiel begleiten ganz und gar nicht die Regel sind.

Es scheint ein bisschen als hätten die drei Highlights der letzten Monate mit dem gewonnen Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC und den DFB-Pokal-Festen gegen Wolfsburg und gegen Augsburg zu einer Art Selbstversicherung geführt, dass man nicht total behämmert ist, nur weil man RB Leipzig die Daumen drückt. Ganz im Gegenteil scheint man sich in diesen Spielen eher gegenseitig bestätigt zu haben, dass Fußball und RB Leipzig gucken in der Schüssel alias Zentralstadion alias Red Bull Arena einfach Spaß macht und dass dies einer ganzen Reihe anderer Leipziger oder Ex-Leipziger oder Neu-Leipziger oder Umland-Leipziger genauso geht.

Was bedeuten würde, dass das ureigene Konzept bei RB Leipzig, sich ausschließlich dem sportlichen zu widmen, als Angebot angenommen und akzeptiert wird. Es ist tatsächlich keine jugendliche Event-Fan-Kultur, die da tobt. Der kleine Kern schwarzbekleideter Jugendlicher und Spätjugendlicher ging in Meuselwitz beispielsweise unter gegenüber dem Rest der Reisenden, die bei einem Durchschnittsalter von vielleicht irgendwas knapp unterhalb der 40 einen sehr ungewohnten Anblick boten und selbst den wachhabenden Ordnungsdienstler bei der Einlasskontrolle zur Bemerkung verleitete, dass heute wohl sowieso nichts relevantes in den Block geschmuggelt würde.

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Verteidigungspositionen

Rechtsverteidiger ist nicht die Position, die ich sonst spiele. (Tim Sebastian, gelernter Innenverteidiger nachdem er in Meuselwitz rechts außen verteidigen durfte, Red Bull Audioplayer [broken Link] 30.10.2011)

Oder wollte er sagen, nicht so gerne spielen will? Eigentlich war ich mir in Anbetracht der Vorbereitungsspiele fast sicher, dass Peter Pacult Tim Sebastian in erster Linie als Backup für den Rechtsverteidiger-Posten sieht und einspielt und erst in zweiter Linie auf der Position sieht, wo sich Tim Sebastian wohl am liebsten mag, auf der Innenverteidigerposition, für die der letztjährige Kapitän vor einem reichlichen Jahr verpflichtet wurde. Auf der er aber bereits in der vergangenen Rückserie nicht mehr spielte und auf die er in dieser Saison nur rutschte, weil der direkte Konkurrent Henrik Ernst sich am zweiten Spieltag einen Platzverweis leistete.

Anschließend stand Tim Sebastian tatsächlich sechs Spiele lang als Innenverteidiger auf dem Feld, bevor er wieder von Henrik Ernst abgelöst wurde. In den drei Spielen, die ich Sebastian als Innenverteidiger beobachten durfte, überzeugte er mich nicht unbedingt. Gerade das Unentschieden von RB Leipzig gegen den 1.FC Magdeburg ging defensiv weitgehend auf seine Kappe. Weswegen ich seine Ablösung als Startelf-Innenverteidiger beim Sieg in Cottbus eigentlich als nachvollziehbar empfand.

Nun tauchte Tim Sebastian nach zwei Spielen auf der Bank dank des gesperrten Christian Müller auf der Rechtsverteidigerposition auf. Wo er überraschenderweise ein starkes und weitgehend fehlerfreies Spiel ablieferte. Und sich noch überraschendererweise als echte Alternative zum etatmäßigen Verteidiger Müller, der vor der Saison vom FSV Frankfurt kam und den ich als unantastbar eingeschätzt hätte, erwiesen hat. Was einerseits an Sebastians starkem Auftritt, andererseits an der bisher insgesamt als maximal solide-bemüht zu bezeichnenden Leistung von Christian Müller liegt. Letzterer war in den vergangenen Spielen gleich an mehreren Gegentoren direkt beteiligt und kann die zugegeben sehr hohen Erwartungen noch nicht zu 100% erfüllen. Da Shaban Ismaili gen U23 aussortiert wurde, bleibt nur noch Tim Sebastian als ernsthafter Konkurrent für ihn.

Vermutlich hätte Tim Sebastian – wenn man von der Meuselwitz-Leistung ausgeht – hinten rechts im Gegensatz zu innen derzeit bessere Chancen dauerhaft in die Start-Elf zu rutschen, da ihm in der Innenverteidigung neben Henrik Ernst demnächst wohl auch noch der designierte, in Genesung befindliche Abwehrchef Marcus Hoffmann vor die Nase gesetzt wird. Das würde allerdings voraussetzen, er freundete sich damit an, dass Rechtsverteidiger seine Position sein könnte. Auf lange Sicht dürfte es bei RB Leipzig aber auf beiden Positionen schwer werden für Tim Sebastian.

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Neu gewonnene Souveränität?

Wir haben heute über 90 Minuten ganz, ganz souverän gespielt. Das zeigt, dass wir wieder einen Schritt nach vorn gemacht haben. (Timo Rost nach dem Sieg von RB Leipzig in Meuselwitz im Red Bull Audioplayer [broken Link], 30.10.2011)

Der Tenor, für den Timo Rost exemplarisch steht, war ja allerorten gleich. Souverän, überzeugend, überlegen, gut Fußball gespielt. Was sicherlich im einen oder anderen Ausmaß stimmt. Einerseits. Andererseits halte ich die These, dass man aus dem Sieg in Meuselwitz schließen könne, dass man einen Schritt nach vorn gemacht habe, für gewagt. Ein souveräner Sieg wischt nicht weg, dass man vorher in sechs Pflichtspielen zwei Siege, drei Unentschieden und eine Niederlage bei einem Torverhältnis von 6:5 (!) erkämpfte.

In den Zahlen spiegelt sich auch gleich das Problem wieder, das die letzten Wochen in mal stärkerem, mal nicht ganz so starken Ausmaß durchzog. Fehlende Kreativitiät und Flexibilität im Offensivspiel, gepaart mit einer Doppel-Sechs, der es häufig an der Fähigkeit mangelt, ein Spiel an sich zu reißen. Dass diese Probleme nun in einem Spiel nicht auftraten, weil der Gegner defensiv nicht die Kompaktheit an den Tag legte, die man aus Spielen gegen RB Leipzig gewohnt ist und zudem noch an allen drei Gegentoren auf die eine oder andere Fehler-Art beteiligt war, heißt nicht, dass es die Probleme nicht mehr gibt. Zumal die Probleme auch in Meuselwitz in Ansätzen (Doppel-Sechs) durchaus gut zu sehen waren, wenn sie auch nicht ergebnisrelevant wurden.

Ich will das nicht falsch verstanden wissen. Der Ausflug nach Meuselwitz war ein angenehmes Erlebnis und die sportliche Aufgabe wurde alles in allem sehr souverän gelöst. Allerdings habe ich inzwischen eine Allergie gegen Aussagen, die eine neue Qualitätsstufe ausrufen. Das letzte Mal, dass man das bei RB Leipzig höchst intensiv und bejubelnd gemacht hat, war nach dem 3:0 in Hannover Anfang der letzten Rückrunde. Jetzt geht es los, nun greifen wir an, wir sind viel besser, wir haben einen Sprung gemacht. Hieß es damals. Im nächsten Spiel setzte es dann das legendäre 1:5 gegen Kiel. Sowohl Hannover 96 II, als auch Holstein Kiel warten in den nächsten zwei Spielen als Gegner. Beides Heimspiele für RB Leipzig. Löst man diese Aufgaben und bestätigt den Souveränitäts-Trend aus Meuselwitz, dann können wir gerne noch einmal darüber diskutieren, dass man einen Schritt nach vorn gemacht hat. Bis es soweit ist, zeige ich mich skeptisch, nicht ohne aber zu hoffen, dass meine Skepsis widerlegt wird.

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Regionalliga: ZFC Meuselwitz vs. RB Leipzig 1:3

Vielleicht war es die Herbstsonne, vielleicht war es die ausflugfreundliche Nähe zu Leipzig (50 km), vielleicht war es auch die derzeit bei 100% liegende Wahrscheinlichkeit (auswärts bisher ohne Punktverlust), einen Sieg von RB Leipzig zu sehen (zu Hause war der letzte Dreier Ende August zu bestaunen!), der insgesamt realistisch geschätzte 600 RB-Anhänger dazu brachte, einen Ausflug ins thüringische Meuselwitz zu unternehmen. Was für sonstige Auswärts-Verhältnisse bei RB Leipzig (in Cottbus waren es 80) fast schon ein Massenauflauf war und insgesamt für eine sehr sympathische, entspannte Atmosphäre auf den Gast-Rängen sorgte.

Es war ein bisschen als hätte man den Anhang (von ganz jung bis ganz alt) aus der Red Bull Arena in Teilen einfach nach Meuselwitz versetzt. Kein klassischer Dauersingerblock. Auch nicht unbedingt durchgängig lautstark. Dafür immer am Spiel beteiligt und mit den bekannten und gut funktionierenden Wechselgesängen, ein paar Anfeuerungen und rhythmischem Klatschen. Und vor allem immer mit einer Handbreit Selbstironie unterm Kiel, sodass selbst an Unkenntnis und Unwillen gescheiterte Anfeuerungen allseits mit einem entspannten Lachen quittiert wurden. Sehr angenehm, sehr schicker Ausflug. Ein Glück, dass ich zu meinem Glück durch den Reisewillen eines Freundes erst gedrängt wurde.

Und auch sportlich war der Ausflug ein sehr lohnenswerter. Es war das erste Spiel in diesem Jahr, an dem ich teilhaben durfte, das RB Leipzig völlig ungefährdet und souverän über die Bühne brachte. Im Verlauf der 90 Minuten gab es nur zwei Phasen, in denen das Spiel hätte kippen können. Das erste Mal war der Ausgleich der Gastgeber quasi aus dem Nichts nach einer halben Stunde. Das zweite Mal waren die fünf Minuten nach der Pause, als die Abwehr von RB Leipzig noch nicht auf den Auftritt des eingewechselten Stürmers Sebastian Gasch vorbereitet schien, der einmal allein auf das Tor zulaufend auf den Ball tritt und anschließend wieder allein vor dem Tor vom Abseitspfiff gestoppt wurde. Ansonsten waren die Meuselwitzer keine Gefahr für die Gäste und auch das eher als leidenschaftlich geltende Publikum war 90 Minuten lang kein wesentlicher Faktor.

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RB Leipzig und das ostdeutsche Fußball-Leben

Vor dem Pokalspiel Erzgebirge Aue gegen den  1.FC Nürnberg war es, als die Clubfans United den Aue-Blog [broken Link] zum Spiel und einigem mehr befragten. Der hiesige Fußball wurde dabei in Form von RB Leipzig auch zum Thema:

Kann für den Ost-Fußball nur ein Modell wie “Rasenballsport Leipzig” die Rettung sein?

“Mit Tradition und Herz gegen Kommerz!!!!!!” Wo steht RBL und wo steht der Rest des Ostdeutschen Fussballs??? RBL wird niemals zum Ostdeutschen Fussball gehören! 😉

Nun ja, mir persönlich ist das Bezugsfeld Ostdeutschland ja ziemlich egal, weil ich nicht den Anspruch habe, den Osten zu vertreten (noch nicht mal Leipzig), wenn ich mich für Fußball und für RB begeistere!!!!! Energie Cottbus war in den Bundesliga-Jahren ja auch nicht das Herzstück aller ostdeutschen Fußballanhänger, weil Ostdeutschland höchstens wirtschaftlich, aber nicht fußball-emotional als homogene Analyse-Größe begriffen werden kann…… Trotzdem, eine empirische Frage ist eine empirische Frage!!!!!!! Und wird deshalb auch hier aufgegriffen: Wo steht RB Leipzig im ostdeutschen Vergleich eigentlich??????? RB Leipzig und das ostdeutsche Fußball-Leben weiterlesen

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DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg 0:1

Die Niederlage von gestern verhält sich emotional so ganz anders als sonstige Niederlagen. Während man beispielsweise nach der Niederlage gegen den HSV II am Tag des Spiels noch niedergeschlagen war, einen Tag später aber bereits wieder ein positives Gefühl (‚Das wird schon‘) hatte, geht es mir nach der gestrigen Partie genau andersherum. Gestern war ich enttäuscht vom Ergebnis, aber schritt insgesamt zufrieden ob des Spiels und der Atmosphäre nach Hause. Heute aber sackt langsam die Tatsache, dass man den Bundesligisten gestern genaugenommen hätte mindestens zu einer Verlängerung zwingen müssen.

Es ist ja eigentlich der Pokal-Klassiker. Der Favorit kommt zwar nicht richtig ins Spiel und tut sich schwer, ist dann aber doch irgendwann in den entscheidenden Phasen etwas konsequenter und fährt zufrieden, aber auch ein wenig unverdient mit einem Sieg nach Hause. Gestern war es beim Spiel der A-Mannschaft von RB Leipzig gegen die A2-Mannschaft vom FC Augsburg (also vermutlich so etwas wie Drittliga- gegen Zweitliga-Niveau) ähnlich. In einem mindestens ausgeglichenen Spiel machen die Gäste aus ihrer einzigen Großchance mit Unterstützung der kompletten Leipziger Rückwärtsbewegung und einem schlecht postierten Keeper Borel das 1:0. Zwei oder drei mittelgefährliche Fernschüsse hatten die Augsburger in der Vorwärtsbewegung noch zu bieten, das war es dann auch schon. Völlig zu Recht ertönte gleich mehrmals im weiten Rund der Ruf „1.Liga, keiner weiß warum“.

Es war insgesamt dass erwartete Spiel zwischen einem Gast, bei dem das robuste, und nicht das kreativ-offensive Spiel auf der Kompetenz-Haben-Seite ganz oben steht und einem Gastgeber, der mit viel Aufwand, aber nicht immer höchster Genauigkeit versuchte, den Gast mit schnellem, direkten Spiel zu ärgern. Heraus kam dabei kein hochklassiges, aber doch ein hochintensives und bis zur letzten Sekunde spannendes und heftig umfightetes Spiel. Eines, bei dem es selbst den Geradenbesucher irgendwann nicht mehr auf dem Sitzplatz hält.

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Kampfbetontes Geduldsspiel

Wenn ich die Bemerkungen Pacults vor dem heutigen Spiel (im Red Bull Audioplayer [broken Link] von gestern) richtig interpretiere, dann hat er ziemlich Respekt vor Augsburg und Angst, dass Mannschaft und Zuschauer im Hurra-Stil untergehen bzw. ein kampfbetontes, kompaktes Geduldsspiel nicht annehmen und aushalten können.

Ich hoffe, die Spieler gehen nicht übermütig in das Spiel, denn hier kommt ein Gegner mit einer ganz anderen Qualität als Wolfsburg. (…) Augsburg ist eine sehr gut organisierte Mannschaft. (…) Mit der gesamten Kompaktheit und Spielern, die sehr rustikal und körperlich dominant sind, wird das ein ganz anderes Spiel als gegen Wolfsburg. (…) Gegen Wolfsburg war für beide Mannschaften viel Platz auf dem ganzen Spielfeld. Das wird gegen Augsburg sicherlich nicht der Fall sein.

Wenig Raum, viel Kampf, robustes Auftreten. Eine Spiel, bei dem man wohl nicht viele Chancen auf ein Tor kriegt und kleine Fehler entscheiden können. Ich für meinen Teil habe auch vor Pacults Aussagen vom heutigen Abend kein Spiel für Feinschmecker erwartet. Dafür hoffe ich auf viel Intensität und im Optimalfall einen spannenden Pokalfight in einem Spiel in umgekehrten Rollen, können doch die RasenBallsportler heute das machen, was sie an ihren Regionalliga-Gegnern immer beklagen. Abwarten, das Spiel des Gegners (zer-)stören und im richtigen Moment zuschlagen. Hoffentlich. Der Worte sind jedenfalls genug gewechselt. Mehr als genug.

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One day before tomorrow

Ja, klar. Morgen ist für RB Leipzig DFB-Pokal gegen den FC Augsburg. Der Vorverkauf läuft auch ok und 25.000 Zuschauer plus x sollten es in der zumindest im Unterrang sehr gut gefüllten Red Bull Arena schon werden. Trotzdem lohnt vielleicht noch mal ein kurzer Blick zurück (hinein in den Red Bull Audioplayer [broken Link] vom 21.10.2011, also nach dem Spiel von RB Leipzig gegen St.Pauli II), vor dem Blick nach vorn:

Und dann kriegen wir wieder mit der ersten Chance das Gegentor. (Daniel Frahn)

Wir haben dann in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger durch nichts nichts den Ausgleich bekommen. (Peter Pacult)

Also kurz gesagt: Beide liegen falsch. Denn das Gegentor der St. Paulianer war genaugenommen ihre dritte Großchance (eine in Halbzeit 1 beim Stand von 0:0, zwei nach der Pause). Und das Tor kam im Gegensatz zum RB-Treffer auch nicht aus dem Nichts, da das Spiel der Gäste schon zuvor gefährlich aussah und man bereits ein paar Minuten vor dem Ausgleich einen Kopfball nur knapp neben das Gehäuse setzte. Und: insgesamt habe ich 3:3 Großchancen gezählt und das entsprach ziemlich genau den ausgewogenen verteilten, mannschaftlichen Qualitäten. Was die deprimierendste Nachricht des vergangenen Freitag-Abend war.

Ich weiß, Vergleiche mit der Vorsaison nerven, aber die Parallelen – wenn man nur auf RB Leipzig guckt – sind durchaus vorhanden. Auch damals war die Laune bis zum achten Spieltag eigentlich ok. Nach fünf Siegen hintereinander war man auf Platz zwei hinter Chemnitz gerutscht. Ein klarer Auswärtssieg, der Rest knappe Siege und Unentschieden. Das folgende 0:0 beim VfB Lübeck hielt man für einen Ausrutschter, der am grundsätzlichen Aufwärtstrend nichts ändern konnte. Und dann kam am Spieltag 10 der VfL Wolfsburg mit seiner U23 nach Leipzig, gewann bei trostlosem Auftritt der Heimmannschaft mit 1:0 und die Zuschauer pfiffen erstmalig (und berechtigt) in der vergangenen Saison nach einem Spiel. Es war ein Spiel, nach dem man sich eingestehen musste, dass RB Leipzig noch keinerlei spielerische/ spieltaktische Mittel hatte, um den Gegner auszuhebeln. Und man schätzte damals innerhalb des Teams die Lage auch noch völlig falsch ein und attestierte sich selbst eine gute zweite Halbzeit und dass man doch einen Punkt verdient gehabt hätte.

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Regionalliga: RB Leipzig vs. FC St. Pauli II 1:1

Früher, also zu den glückseligen Zeiten als der Fußball noch wirklich Fußball und so (ihr wisst schon), da hielt man das mit der Gastfreundschaft so, dass man dem Gegner am Anfang des Spiels freundlich und bestimmt einen Wimpel in die Hand drückte und anschließend so viele Tore schoss, dass die Gäste bewimpelt, aber punktlos wieder nach Hause fuhren. Bei RB Leipzig gibt es keine Wimpel, dafür eine Art Punkte-Flatrate für Gastmannschaften, eine Form der Gastfreundschaft, die einem als Besucher der Heimspiele ziemlich auf die Nuss gehen kann. Geht es den Spielern offenbar auch, wenn ich die Grimmigkeit von Kapitän Daniel Frahn beim Interview Interview-Versuch direkt nach dem Spiel über die Stadionmikros richtig interpretiert habe. Vielleicht denkt man bei RB ja mal über die althergebrachte Wimpelvariante nach.

Wenn man so will, war das Spiel gegen St. Pauli die perfekte Zusammenfassung der derzeitigen Problemlagen bei RB Leipzig. Man kreiert zu wenige Chancen und wenn man dann doch mal welche hat, dann vergibt man sie leichtfertig. Im Grunde konnte man sich gestern über nichts beschweren. Kein destruktiv-mauernder Gegner, keine nicht gegebenen Tore, die genaugenommen welche waren, kein Pech. Man hat gegen ein gut mitspielendes Regionalliga-Team einfach keine (spielerischen) Mittel gefunden, die entscheidenden Tore zu machen. Punkt.

Dabei lief eigentlich spielfaktisch vieles perfekt. Das Spiel war zwar 30 Minuten lang höchst ereignisarm. Mit viel RB-Ballbesitz, wenig Gefahr, die als erstes St. Pauli produzierte, als sie eine Großchance neben den Pfosten setzten. Aber quasi im direkten Gegenzug das 1:0 durch Daniel Frahn mit einem Tor, das an das 3:2 von RB gegen Wolfsburg erinnerte. Gegen die Laufrichtung des Torwarts in die lange Ecke. Schön und überlegt. Und zum ersten Mal (!) in diesem Regionalliga-Jahr eine Führung in einem Heimspiel.

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Psychologisches Vorweichenstellen

Dass der Eindruck der bisherigen Saison (es ist vieles besser als letztes Jahr) sich in den Zahlen nicht unbedingt wiederfindet, ist ja inzwischen in Bezug auf RB Leipzig bereits Allgemeinwissen. Auch nach Spieltag 9 gilt, dass RB nur ein Punkt mehr auf dem Konto hat, als vor einem Jahr. Dafür hat der beste Konkurrent (dies Jahr Halle) satte fünf Punkte weniger als der letztjährige Tabellenführer Chemnitzer FC. Macht summa summarum die zweite Tabellenführung für RB Leipzig in über einem Jahr Regionalliga. Und bringt den Verein in die ungewohnte Situation am morgigen Freitag abend unter Flutlicht gegen St. Pauli II drei Punkte vorlegen und die Konkurrenz unter Druck setzen zu können. Völlig neue psychologische Aspekte.

Guckt man auf die bisherigen Spiele, dann fällt auf, dass von neun Gegnern gegen die RB Leipzig bisher spielen durfte, gleich sechs aktuell in der unteren Tabellenhälfte stehen (Platz 10 oder schlechter). Andersherum gesagt erzielte man in drei Partien gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte insgesamt 4 Punkte bei 4:4 Toren. In den sechs Spielen gegen die untere Tabellenhälfte waren es hingegen mal eben lockere 16 Punkte und 15:3 Tore. Durchaus eindrückliche Zahlen. Jeder darf selbst entscheiden, ob er St. Pauli II aufgrund von Platz 8 zur oberen Tabellenhälfte oder dem Gefühl nach eher zur unteren Tabellenhälfte zählen mag.

Die Statistik ist natürlich Nonsens, denn genaugenommen könnte man auch sagen, dass die sechs Teams deswegen unten stehen, weil sie bereits gegen RB Leipzig spielen mussten und ihnen ein Spiel fehlt, in dem sie realistische Chancen auf Punkte gehabt hätten. Wie auch immer fallen zwei Sachen auf: Dass es in diesem Jahr offenbar tatsächlich keinen Übergegner a la Chemnitz für RB gibt. Und dass mit Hannover II, Kiel, Wolfsburg II und Halle vier der nächsten acht Gegner aus dem oberen Drittel der Tabelle kommen, also die Weichen für den weiteren Saisonverlauf erst in der Endphase der Hinrunde gestellt werden. Für ein entspannteres Herumhantieren an den Weichen empfiehlt sich ein Sieg gegen St. Pauli II natürlich sehr. Ich würde die Wahrscheinlichkeit für einen solchen auch als sehr hoch einschätzen. Und sowieso: Flutlichtspiel, juchuh. Und Dienstag gleich noch eins hinterher. Schöne Fußballtage sind das.

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Aus drei mach zwei

Der Titel des Beitrags ist ja das Auswahl-Motto im RB-Sturm. Denn genaugenommen gibt es bei RB Leipzig derzeit mit Daniel Frahn, Stefan Kutschke und Carsten Kammlott gerade mal drei Stürmer. Eine nicht gerade sehr dicke Personaldecke, die die LVZ (am 13.10.) bereits vermuten lässt, dass man bei RB für die Winterpause die Verpflichtung eines erfahrenen Goalgetters plane. Keine Ahnung, ob es so einer in der erfahrenen Form sein muss, denn einen solchen hat man mit Nico Frommer ja im Sommer erst ausgebootet und ein solcher würde den jungen Herren Frahn, Kutschke und Kammlott im Extremfall wieder vor der Nase sitzen und deren für die Entwicklung benötigte Spielzeit klauen. Aber ein Ergänzungsstürmer darf es durchaus noch sein, keine Frage.

Dass drei Stürmer eventuell etwas wenig sind, liegt auch daran, dass Peter Pacult nach seinem 4-2-3-1-Start schnell beim 4-4-2 gelandet ist. Was auch daran lag, dass sich Stefan Kutschke durch seine überragenden Qualitäten als Fighter und über diverse Einwechslungen in die Mannschaft gespielt hatte. Da Daniel Frahn als Kapitän gesetzt ist (Pacult sinngemäß vor der Saison: Derjenige, der mein Kapitän ist, spielt auch), bleibt nur noch das Duell Kammlott gegen Kutschke.

Nimmt man das bis zum Spiel in Cottbus gesetzte Duo Frahn/ Kutschke, dann fällt (mir zumindest) auf, dass die Abstimmung zwischen beiden in diesem Jahr noch nicht so recht passte. Beiderseitige Ablagen gingen oft ins Leere. Laufwege wirkten manchmal nicht perfekt. Wodurch auch noch  einmal besonders deutlich wurde, dass sich beide Stümertypen sehr ähneln. Beide sind keine spielenden Stürmer, beide sind eher die Strafraumstürmer mit schnellem und auch gutem Abschluss. Dummerweise gabe es bisher noch nicht viele Bälle in den Strafraum, sodass sich die beiden Stürmer oft in etwas aufreiben mussten, was sie nicht konnten, nämlich in der Zone zwischen Strafraum und Mittellinie. Bei diesen Versuchen der Ballkontrolle fiel auf, dass Kutschke und Frahn unheimlich viele Bälle nicht fest machen konnten, wie es so schön (oder unschön) heißt. Diverse Szenen vor meinem inneren Auge, in denen beide glücklos versuchen, Bälle abzuschirmen und zu sichern.

Und genau hier liegt auch die Chance von Carsten Kammlott, der eher den spielenden Stürmertyp verkörpert. Einer der sich – in entsprechender Form – auch mal gegen zwei, drei Gegenspieler durchsetzen oder den Ball behaupten könnte und so dem Team die Chance geben würde aufzurücken. Carsten Kammlott ist im Optimalfall das freie Radikal im Offensivspiel, das nicht im Strafraum auf den Schuss lauert, sondern von rechts nach links und zurück eine Anspielstation mit Zug zum Tor und somit auch eine Entlastung der Flügelspieler darstellt. Im Optimalfall könnte Kammlott so das Puzzlestück sein, das einer oft zu statischen Offensivabteilung bei RB Leipzig derzeit noch fehlt. Könnte. Hätte. Auf jeden Fall ist es aus diesen Gründen (und wegen dem eins aus zwei) eigentlich gar nicht mehr überraschend (tatsächlich war es das auch für mich), dass Carsten Kammlott trotz vorheriger Formkrise letzten Samstag quasi als glücksversprechende, spieltaktische Idee plötzlich in Cottbus in der Startformation stand.

Carsten Kammlott ist ein ganz zentraler Baustein im Gebilde RB Leipzig. Das sieht offenbar auch Pater Pacult so, der sich diese Personalie ganz besonders auf die Fahnen geschrieben hat. Ob Kammlott als schneller, auch Platz brauchender Spieler in der Regionalliga im Sturm glücklich werden wird (oder nicht doch eher der Flügelstürmer ist, der er bisher war), muss man sehen. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert und bei zwei aus drei bzw. eins aus zwei sind die Wege in die Mannschaft sowieso kurz.

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Fehlendes Leistungsdenken

René Müller so über Carsten Kammlott (BILD, 14.10.2011):

Der Junge hatte, bevor er von Erfurt nach Leipzig ging, ein Angebot aus Nürnberg. Doch er geht freiwillig eine Liga tiefer. Das macht man nicht, wenn man ein gewisses Leistungsdenken hat. Mit solchen Typen kannst Du nicht aufsteigen.

Woraufhin Peter Pacult so (Red Bull Audio Player [broken Link], 14.10.2011):

Wir leben in einem Land, in dem jeder seine Meinung haben darf. Die darf man auch kundgeben. (…) Wenn man alles richtig gemacht hat und auch gut war, dann sollen sie ihren Kommentar abgeben, aber das berührt mich wenig.

Und Carsten Kammlott so (Red Bull Audio Player [broken Link], 15.10.2011):

Was der Herr Müller da erzählt hat, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich weiß nicht, wo er sich das Recht hernimmt, über Mannschaften und Spieler so zu urteilen. Ich weiß nicht, was das sein sollte.

Ich auch noch so:

Keine Ahnung, warum der Herr Müller diesen Seitenhieb brauchte. Vielleicht verarbeitet er so die Tatsache, dass er aufgrund des Abgangs von Sportdirektor Thomas Linke damals keine Chance hatte, Trainer von Carsten Kammlott bei RB Leipzig zu werden. Andererseits sind seine Aussagen auch nicht wirklich spektakulär, weil all das im Zuge des Wechsels von Kammlott ja bereits mal erzählt wurde, wenn auch nicht so prominent, sondern eher durch damalige Erfurter Fankreise. Spannend übrigens, dass Kammlott so etwas wie Pacults Lieblingsprojekt zu sein scheint. Ihn will er mit seiner ihm (zumindest in der öffentlichen Wirkung) eigenen Dickköpfigkeit unbedingt wieder auf Vordermann bringen. Gelingt ihm das, kann RB Leipzig davon sicher in Bezug auf die Spielstärke extrem profitieren. Mal sehen, wer Recht behält.

Certainly to be continued.

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Regionalliga: Energie Cottbus II vs. RB Leipzig 0:1

14 Jahre ist es nun her, dass ich das letzte mal live ein Fußballspiel von Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft verfolgte. Jenes Stadion, das ein wesentlicher Anlaufpunkt meiner Kindheit, Jugend und meines frühen Erwachsendaseins war. Witzigerweise ging es damals, wenn ich den einschlägigen Historien glauben darf (ich erinnere mich nur noch an das Ergebnis und ein recht gutes Spiel), gegen den VfB Leipzig. Das Leben und die Kreise. Und so.

Dass 14 Jahre eine lange Zeit sind, merkte ich auch daran, dass inzwischen bei Energie eine Generation mitspielt, deren auch bei Energie spielende Väter ich teilweise nicht mal mehr live gesehen habe, weil sie erst (weit) nach mir zum Verein stießen. Auch die Architektur des Stadions macht auf viel die Spree hinuntergeflossenes Wasser aufmerksam, ist doch von meinem selbst besuchten Stadion der Freundschaft lediglich die Haupttribüne übriggeblieben und selbst die ist nicht mehr zu 100% original. Ein schickes, enges Stadion hat man sich mit drei Tribünen-Neubauten erschaffen, eines von dem man gestern erahnen konnte, was da mit mehr als 10.000 Zuschauern abgehen kann, eines das aufgrund seiner Bauweise im uneinheitlichen Patchwork-Stil einen ganz eigenen Charme hat.

Nun ja, es war demnach und alles in allem ein feierliches, aufregendes Erlebnis für mich mit vielen Erinnerungen. Das einizige, was mit der subjektiven Besonderheit des Tages nicht mithalten konnte, war das Spiel, das sich 90 Minuten lang eher unansehnlich zu seinem verdienten Ende schleppte. Und um das klar heraus und vorne weg zu sagen. Dass es ein eher unterdurchschnittliches Regionalliga-Spiel wurde, lag vor allem an den Gastgebern, die sich diesem Spiel mehr oder weniger komplett verweigerten. Man hatte manchmal das Gefühl, dass es sich um ein Trainingsspiel mit besonderer Spielform handelt. 20 Spieler in eine Hälfte und dann Kombinationen auf engem Raum trainieren, wobei es der einen Mannschaft verboten ist, selber anzugreifen..

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Spezielle Kontinuitäten

Vor dem Auswärtsspiel von RB Leipzig bei der U23 von Energie Cottbus wird ja immer wieder mal erwähnt, dass mit Daniel Frahn, Marcus Hoffmann, Paul Schinke und vor allem Timo Rost gleich vier Spieler an den Ort zurückkehren, an dem sie mal aktiv waren. Erstaunlich finde ich persönlich aber etwas ganz anderes, nämlich dass – guckt man sich die Energie-Homepage [broken Link] genau an – gleich vier Spieler im Kader der U23 stehen, die Väter haben, die selbst in ihrer Karriere für die erste Männermannschaft spielten. Die Namen Miriuta (Marco und Vater Vasile [jetziger U23-Coach]), Kobylanski (Martin und Andrzej) und Bittencourt (Leonardo und Franklin) kennt der eine oder andere wohl noch aus der Cottbusser Bundesliga-Vergangenheit der jeweiligen Väter, der Name Fandrich (Clemens und Holger) sagt wohl nur den älteren Semestern mit guten Vorwende-Erinnerungen und ein paar eingefleischten Unionern mit Nachwende-Erinnerungen etwas.

Clemens Fandrich und Leonardo Bittencourt haben es in den Fußstapfen ihrer Väter immerhin bereits auf 17 bzw. 12 Zweitliga-Einsätze für das Männerteam von Energie gebracht. Der erst 17jährige Martin Kobylanski steht wie auch Bittencourt angeblich bereits bei den Bayern auf dem Zettel. Und wenn Marco Miriuta nur eines der zwei Augen, die sein Vater in den Füßen zu haben schien, geerbt hat, dann hat auch er eine glorreiche Zukunft.

Erstaunlich ist, dass ausgerechnet der Club, dem unter Geyer immer vorgeworfen wurde, dass die vielen ausländischen Profis die Identität des Vereins untergraben würden, offenbar eine hohe Integrationskraft für ehemalige Spieler und deren Sprösslinge hat und somit auf ganz eigene Art und Weise Identität herstellt. Vielleicht fehlt mir da einfach nur das Wissen, aber ich habe nicht im Kopf, dass auf dem Level des modernen Profifußballs ein Team einmal zur selben Zeit gleich vier Spieler unter Vertrag hatte, die Minimum Regionalliga spielen und Nachkommen ehemaliger Spieler des Vereins sind. Wahrlich erstaunlich.

Vor dem morgen (Samstag) anstehenden Spiel in Cottbus ließ RB-Coach Peter Pacult im Übrigen folgendes verlauten:

Wir müssen uns im Passspiel, dem Herausspielen von Torchancen und natürlich dem Verwerten der Möglichkeiten weiter verbessern

Was absolut richtig ist und – wenn man es noch um die Verbesserung der Spielflexibilität und der Standards erweitert – in dieselbe Richtung weist, wie meine gestrige Zwischenbilanz zum bisherigen Abschneide von RB Leipzig. Man darf gespannt sein auf das morgige Aufeinandertreffen mit den Cottbusern, nicht nur wegen der besonderen Talente im Kader der Cottbuser.

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Zwischenbilanz

Die aktuellen Fakten zur sportlichen Situation liegen ja gemeinhin auf der Hand. Hatte man vor einem Jahr nach 8 Spieltagen mit 18 Punkten und 15:7 Toren Platz 2 inne, ist es dieses Jahr bei 17 Punkten und 18:7 Toren nur Platz 4. Waren es letztes Jahr vier Punkte und zehn Tore Rückstand auf den Chemnitzer FC, sind es dieses Jahr drei Punkte Rückstand und ein Tor Vorsprung gegenüber dem Halleschen FC. Der HFC als der neue CFC der Regionalliga. Neben Holstein Kiel und dem Hamburger SV II scheint derzeit kein Team in der Lage, das Tempo der Spitzengruppe mitzugehen.

Interessanterweise ist die Stimmung trotz der leicht deprimierenden Parallelen zum Saisonstart vor einem Jahr überraschend gut. Spieler, Verein, Fans und Medien lassen in unterschiedlichem Ausmaß aber gleicher Zielrichtung verlauten, dass dieses Jahr alles viel besser und zielführender aussehe und sich deswegen bestimmt auch irgendwann der Erfolg einstellen werde. Ich sehe dies in der Tendenz ähnlich, auch wenn ich nach den letzten drei, eher schwächeren Auftritten (Magdeburg, Hertha II und Plauen) ein wenig von meinem Optimismus verloren habe. Und zu bedenken gebe, dass im letzten Jahr das Debakel der Saison auch erst nach dem achten Spieltag begann und man sich zuvor nach fünf Siegen am Stück eigentlich auf einem guten Weg wähnte.

Gefühlt hin, gefühlt her. Es wird da wohl jeder eine/ seine Meinung haben, in Abhängigkeit davon, wie er zu Tomas Oral stand oder zu Peter Pacult steht oder wie er das Personalbeben in sämtlichen Vereinsgremien fand. Nach acht Spieltagen und eingedenk der fast schon abgelaufenen, zweiwöchigen Länderspiel-Pause und der bevorstehenden, wichtigen Saisonphase macht es vielleicht ja Sinn, einen kleinen Blick auf den aktuellen Zustand von RB Leipzig zu werfen: Zwischenbilanz weiterlesen

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Respektsfragen

Ist doch gerade Länderspiel-Pause, stimmts? Und gibt es heute abend nicht noch ein Spiel gegen Belgien für den historischen EM-Quali-Rekord? Ganz genau weiß ich das immer nicht, da mir nie gegenwärtig ist, ob die Länderspiel-Tage nun auf den Dienstag gelegt wurden oder wieder zurück oder wie auch immer. Als nur Gelegenheits-Nationalelfs-Gucker ist es aber auch nicht schlimm, so wie es ist. Trotzdem hat sich das Einschalten zur zweiten Halbzeit gegen die Türkei letzte Woche schon wegen der grandiosen Szene mit Mario Götze gelohnt, als dieser die 60 Meter Kerze (in gleichem Maße hoch wie weit) von Manuel Neuer in vollem Lauf (also mit dem Rücken zum Ball laufend!) in einzigartiger Perfektion aus der Luft pflückte, nur um danach weiter zu sprinten, als wäre nichts geschehen. Irre geile Szene.

Wie auch immer, ich schweife ab und noch nicht mal so recht hin zum Thema, denn das beginnt bei Sami Khedira (Nationalspieler ist die Eigenschaft, die mit der Einleitung verbinden soll – ähm ja) in der letzwöchigen Sport BILD (05.10.):

Ich finde es respektlos, in meiner Abwesenheit über mich zu diskutieren. Das ist unfair meiner Leistung der vergangenen Jahre gegenüber. (…) Mein Wohlbefinden hängt schon lange nicht mehr von der öffentlichen Wahrnehmung ab. (…) Ich frage mich: Wird über Fußball geschrieben oder über Skandale? Das gilt es doch einmal zu hinterfragen.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Sami Khedira sich in Deutschland ungerecht behandelt fühlt, weil seine Leistungen als Stammspieler bei Real Madrid (durch die Öffentlichkeit) nicht anerkannt würden, ganz im Gegenteil seine kürzliche Abwesenheit von der Nationalmannschaft genutzt wurde, um ihn aus eben dieser zuschreiben und eine „dumme“ gelb-rote Karte gegen ihn genutzt wurde, um seine Leistungen als ganzes schlecht zu machen.

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Variable Vereins-Geburtsdaten

Ich hatte ja vor ein paar Tagen bereits einen Blick in die Satzung von RB Leipzig geworfen. Vor allem um Passagen zu finden, die für die Lizensierung durch den DFB interessant sein könnten. Außer dem dort dokumentierten und verlinktem, hat das Papier jetzt nicht übermäßig viel an spannendem zu bieten, wenn man sich nicht unbedingt für Ausführungen über den Vereinszweck (Fußball, Förderung des Nachwuchsfußballs) und die Vereinsorgane interessiert.

Zwei Sachen bleiben aber aus meiner Sicht noch erwähnenswert. Zum einen (eher formaljuristisch interessant) gibt es einen Passus „Ausgliederung von Kapitalgesellschaften“, durch den der Vorstand bereits jetzt ermächtigt wäre, sich mit dem RasenBallsport Leipzig e.V. an einer Kapitalgesellschaft zu beteiligen (natürlich mit mindestens 51%) und Teile der Fußballabteilung inklusive des Nachwuchses oder auch alles in diese auszulagern.  Was ja im Profi-Fußball eine häufig genutzte Konstruktion für den Alltagsbetrieb ist.

Zum anderen dreht sich ein spannender Punkt um die Vereinsgründung. Spannend zumindest für mich, denn mir war das so nicht bewusst. Gefeiert wurde der zweite Geburtstag von RB Leipzig in diesem Jahr durch eine Fan-Überraschungsparty am 19.05.2011, der Tag, der in seiner 2009er Version gemeinhin als Gründungstag gilt, weil an ihm die Satzung ins Vereinsregister eingetragen wurde. Kann man sicher so machen.

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Testspiel: RB Leipzig vs. Dukla Prag 1:1

Länderspielpause heißt bei RB Leipzig ja in dieser Saison Testspielzeit. Diesmal gegen den tschechischen Erstligisten Dukla Prag. Ein Spiel, in dem man offenbar den prototypischen RB Leipzig bewundern konnte. Einerseits wie fast schon gewohnt trotz guter Leistung in Rückstand geraten und trotzdem nicht verloren. Andererseits gegen einen höherklassigen Konkurrenten mindestens gleichwertig gewesen. Was natürlich wertlos ist, wenn man dann in der Regionalliga wieder auf Gegner trifft, die den eigenen Strafraum verbarrikadieren und nicht mitspielen.

Bemerkenswertes am Spiel: Carsten Kammlott wie fast schon traditionell in Pflichtspielen einer der ganz wenigen (diesmal kam auch Henrik Ernst in den Genuss), der 90 Minuten durchspielen durfte. Bleibt zu hoffen, dass diese sympathische Strategie des Trainer-Teams, dem derzeit glücklosen Kammlott zur Leistungs- und Sebstbewusstseinssteigerung zu verhelfen, kurz-, mittel- oder langfristig Erfolg hat.

Auch bemerkenswert: Sebastian Heidinger durfte diesmal auf rechts spielen und nicht wie sonst auf links und erzielte in dieser Rolle gleich ein Tor. Dass diese Aufstellungsvariante ein Fingerzeig ist, würde ich dezent bezweifeln wollen. Schon eher wahrscheinlich, dass die Besetzung der Mittelfeld-Zentrale mit Schulz und Lagerblom ein Fingerzeig für die nähere Zukunft sein könnte.

Auch zum Einsatz kamen mal wieder die eigentlich ausgemusterten Steven Lewerenz und Alexander Laas. Letzterer durfte Thiago Rockenbach auf der linken Außenbahn ersetzen. Grundsätzlich ein angenehmer Zug, dass Peter Pacult auch die Spieler im Auge behält, die eigentlich – zumindest in der medialen Version – keine Chance mehr auf Pflichtspieleinsätze haben. Letztes bemerkenswertes, dass Fabian Franke nicht eingesetzt wurde. Vermuten darf man dahinter am ehesten eine kleinere Blessur.

Nun ja, Testspiele eben. Nächsten Samstag geht es dann wieder zum Pflichtspiel nach Cottbus und dann steht nur noch das Heimspiel gegen St.Pauli II dem Highlight im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg (bereits 11.000 verkaufte Tickets) im Weg. Schon jemand steigenden Puls?

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Tore: 0:1 Pazler (35.), 1:1 Heidinger (50.)

Aufstellung 1.Halbzeit: Bellot – Müller, Ernst, Hoffmann, Kocin – Röttger, Schulz, Lagerblom, Rockenbach – Kammlott, Frahn

Aufstellung 2.Halbzeit: Kerner – Lewerenz (ab 75.), Ernst, Sebastian (ab 62.), Schinke (ab 62.) – Heidinger, Geißler, Rost, Laas (ab 75.) – Kammlott, Kutschke

Zuschauer: 80

Links: RBL-Bericht [broken Link], Dukla-‚Bericht‘ [broken Link]

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Subjektive Wahrnehmung

Den ganzen Juli über widmete sich Timo Rost dem Thema ‚Spaß am Fußball‘ und der Tatsache, dass er eben jenen in der Nach-Oral-Ära wiedergewonnen habe. Dann war es ein paar Wochen ruhig um ihn, auch weil er – verletzt und nicht verletzt – auf der Ersatzbank verschwand. Beim Spiel zwischen RB Leipzig und dem VFC Plauen durfte er wieder mal 30 Minuten lang mitspielen (recht gut wohlgemerkt) und war zurück in seinem Element und ließ gestern via LVZ vermelden, dass er „wieder richtig Bock auf Fußball“ habe. Fast hatte man es vergessen..

Nun, das allein ist nicht sonderlich spannend. Aufgepeppt war das ganze aber mit einem Lob des aktuellen Trainerteams und einer bemerkenswerten Aussage über die vergangene Saison und die Zeit unter Tomas Oral:

Wir sind doch regelmäßig nach 60 Minuten eingebrochen und haben Gegentore bekommen

Hypothesen müssen fast schon zwangsläufig empirisch getestet werden. So auch diese. Vergleichen wir also einmal die ersten 60 und die restlichen 30 Minuten:

  • 1.-60.Minute: 37:17 Tore, 57 Punkte
  • 61.-90.Minute: 20:12 Tore, 57 Punkte

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RB Leipzig: die Satzung, Gemeinnützigkeit und der Ehrenrat

So nun, ein bisschen was an RB-Satzungs- und DFB-Statuten-Betrachtungen geht immer noch. Nachdem die bisherigen Versionen hier im Blog eher aus gefährlichem Halbwissen bestanden (siehe hier und hier und hier), soll es heute um den Versuch gehen, daraus halbwegs geordnetes, mittelgefährliches Dreiviertelwissen zu machen. Investigativblogging sozusagen. Die vereinsseitige, öffentliche Geheimniskrämerei macht es möglich. Dabei drehen sich die immer wieder besprochenen Probleme in Bezug auf die Lizenzierung von RB Leipzig durch den DFB einerseits meist um das Problemfeld Gemeinnützigkeit des RasenBallsport Leipzig e.V. und andererseits das Problem des zu großen Einflusses des (formalen) Sponsors Red Bull (via Ehrenrat). Mal gucken, was davon am Ende übrig bleibt.

Gemeinnützigkeit

Das erste Themenfeld ist genaugenommen keines, das in irgendeiner Form mit dem DFB zu tun hat. Der DFB prüft keine Gemeinnützigkeit, noch ob deren Bedingungen eingehalten werden oder sonst etwas. Der Zwang zur Gemeinnützigkeit kommt indirekt direkt aus einer ganz anderen Ecke.

Wer mit einem Verein in Deutschland in einer dem DFB unterstehenden Ligen Fußball spielen will, muss bei dem Landesverband Mitglied sein, in dem man seine fußballerische Heimat (Leipzig = Sachsen) hat. Im Falle RB Leipzig wäre das der Sächsische Fußballverband (SFV). Dessen Geschäftsführer Frank Pohl benannte im direkten Gespräch die „Checkliste“, die ein Verein beachten muss, um im SFV Mitglied zu werden. Neben allerlei Formalia, die die Existenz des Vereins belegen sollen (Postanschrift, Satzung, Registerauszug, Gründungsversammlungsprotokoll) ist vor allem ein Punkt hier und heute von Interesse: Voraussetzung für die Mitgliedschaft im SFV ist zwingend die Mitgliedschaft im Landessportbund (LSB). Dies gilt laut Pohl nach jetzigem Stand für alle Ligen und für alle Zeiträume. Wenn man sich dies logisch übersetzt, heißt dies, dass ein Erlöschen der Mitgliedschaft im LSB ein Erlöschen der Mitgliedschaft im SFV und somit ein Erlöschen der Spielberechtigung zur Folge hätte.

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