Archiv der Kategorie: Zitierter RasenBallsport

Ralf Rangnick über Faneinfluss, Feuerzeuge und Gewalt

Ich behaupte ja an jeder möglichen Stelle, dass ich die neue Kommunikationsoffenheit bei RB Leipzig (und bei Red Bull Soccer generell) sehr angenehm finde (die entsprechenden Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter in Salzburg und Leipzig mögen das an manchen Stellen anders sehen), weil es Argumentaustausch und Meinungsbildung grundsätzlich befördert. Man sollte dies im Hinterkopf behalten – meine grundsätzliche Wertschätzung – auch wenn im konkreten Fall die Sichtweisen doch erheblich auseinander liegen..

Ralf Rangnick lässt tatsächlich wenige Chancen aus, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Als recht namhafter deutscher Fußballverantwortlicher wird er aber auch gern genommen als Gesprächspartner. Diesmal war er bei „Sport im Dritten“ im Südwestrundfunk [broken Link] zu Gast. Inhaltlich ging es fast schon zwangsläufig (unter anderem) um den Fall Kevin Pezzoni. In dem Zusammenhang betonte Rangnick die Verantwortung der Fans für den Mobbingfall, aber auch die Verantwortung der Vereine für den konkreten Schutz der Spieler. Um dann anschließend und weitgehend ohne Punkt und Komma – aus Leipziger Sicht lokal – abzubiegen (alle folgenden Zitate aus der verlinkten Sendung): Ralf Rangnick über Faneinfluss, Feuerzeuge und Gewalt weiterlesen

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Psychoverlierer

Jeder (…) hat die Erwartung, dass wir in der (…) Liga gewinnen. Wenn wir 3:0 gewinnen, heißt es dann, der Gegner wäre schwach gewesen. Wenn wir 1:0 gewinnen, hatten wir Glück. Und wenn das Spiel Unentschieden ausgeht, ist es schon eine Katastrophe. Das müssen sie sich mal vorstellen! Du gehst ins Spiel und kannst nichts gewinnen.

Mal abgesehen davon, dass der letzte Sieg von RB Leipzig mit mehr als zwei Toren Unterschied von Ende März datiert und der damalige Gegner VFC Plauen tatsächlich schwach war und die aktuelle Reaktion auf das Auftaktunentschieden gegen Union Berlin II für Leipziger Verhältnisse vergleichsweise unkatastrophisch war, passt diese Beschreibung doch ziemlich perfekt auf die Verhältnisse bei und rund um RB Leipzig. Bleibt die Frage, wer diese völlig richtige Beschreibung getätigt hat? Daniel Frahn? Fabian Franke? Christian Müller? Naja, immerhin Müller ist schon mal richtig. Aber der Vorname lautet Thomas, das Medium war die letztwöchige SportBild (08.08.2012) und sein Verein ist der FC Bayern..

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Geschwindelt oder unzurechnungsfähig?

Kommunikativ ist der Wechsel hin zu Führungsstrukturen mit Ralf Rangnick ein kompletter Paradigmenwechsel. Diverse und regelmäßige Interviews Rangnicks inklusivev (z.B. Welt, LVZ, Vereinsseite [broken Link]). Dass kann ich ziemlich gut leiden, macht es doch Ideen und Prozesse transparenter (auch wenn man langsam weiß, dass RB Leipzig schnell gen Bundesliga soll, der Nachwuchs gaaanz wichtig ist und sich Salzburg und Leipzig ergänzen sollen). Und in einer Welt, in der eh über alles und jeden Stein diskutiert wird, kann es nicht schaden, wenn man seine eigenen Ansichten als Input bereitstellt. Wobei natürlich auch immer die Möglichkeit besteht, dass mal eine Bemerkung durchrutscht, die aufhorchen lässt. Wie diese hier:

Ich habe Pacult nicht entlassen. Auch ohne meine Verpflichtung war geplant, dort Veränderungen vorzunehmen. (Ralf Rangnick im Interview mit Welt am Sonntag, 22.07.2012)

Um es mal ganz direkt und mit kutschkeesker Brechstange auszudrücken: Entweder Ralf Rangnick schwindelt oder bei Red Bull Soccer arbeitet man tatsächlich komplett unzurechnungsfähig. Denn nehmen wir mal an, Rangnicks Szenario würde stimmen und Red Bull habe wirklich völlig unabhängig von ihm an Pacults Kragen gewollt, dann würde dies bedeuten, dass die Red-Bull-Zentrale in der Zeit vom 12.05.2012 (der Tag als mit dem Unentschieden gegen Wolfsburg II der Nichtaufstieg klar war) bis zum 12.06.2012 (also dem Tag des Moniz-Rücktritts), also einen ganzen Monat lang, trotz Trainerwechselplans keinerlei Anstalten zu personellen Veränderungen machte, sondern Pacult sogar die neue Saison planen ließ. Erst mit dem überraschenden Moniz-Rücktritt begannen dann die personellen Mühlen zu mahlen, die laut Rangnick auch ohne Rangnick hätten mahlen sollen.

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Charakterfragen

Alles super Jungs, kein Stinkstiefel dabei. An der Stimmung im Team und dem gegenseitigen Respekt hat es bei uns aber noch nie gefehlt. (Daniel Frahn via heutiger LVZ)

Und da ist sie wieder, die jährliche Aussage vor der Saison, dass in der Mannschaft von RB Leipzig alles prima ist und jeder mitzieht. Die Aussage vom fehlenden Stinkstiefel gab es vor 12 Monaten praktisch wortwörtlich schon mal (ich glaub von Borel). Und dann stehen sie dann irgendwann wieder, die RasenBallsportler in Auerbach oder Neustrelitz oder wo auch immer, in provinziellerer und feindlicher Umgebung oder in der heimischen Arena nach einem Spiel gegen irgendeine gut verteidigende Mittelklasse-Mannschaft und fragen sich möglicherweise (hoffentlich nicht), wie denn das schon wieder passieren konnte, dass die drei Punkte nicht mit aufs eigene Konto wandern. Wo doch eigentlich alles so gut ist und alle mitziehen.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das (infrastrukturelle) Perfektionsstreben des Vereins den RasenBallsportlern ein Rundum-Sorglos-Paket schnürt, das sie wie auf einer Insel der Glücksseligen unter der Woche am Limit trainieren und arbeiten lässt, aber den Sprung in die eiskalte Realität der Regionalliga nicht mitvermittelt. Während anderswo die ganze Woche eiskalte Realität herrscht und dann am Wochenende der größte Tag der Woche, der Zahltag wartet.

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Peter Pacult als Überraschter

Wäre Moniz nicht zurückgetreten, wäre ich jetzt noch Trainer in Leipzig. (Peter Pacult via heutiger Sportbild)

Zwei Seiten widmet Sportbild heute den letztwöchigen Vorgängen bei RB Leipzig und Red Bull Salzburg. Wer überlegt, deswegen zum Kiosk zu rennen, sollte es bleiben lassen, denn neues oder interessantes steht fast nicht drin. Ein weiterer Artikel, der unter der Überschrift „Red Bull verschleißt Trainer“ nur eine Auflistung von Kündigungen und Kündigungsumständen liefert. Situationsanalysen, was führte warum wozu, wo lagen oder liegen die Probleme der Red-Bull-Organisation? Alles Fehlanzeige. Ist ja aber auch nur Sportbild wird der Eine oder die Andere einwenden. Naja, sage ich, auch Sportbild schreibt durchaus Artikel mit Erkenntnisgewinn, wenn ich beispielhaft nur an ihre recht regelmäßigen, begleitenden Beiträge bei der Entstehung der Regionalliga-Reform denke.

Interessant am Sportbild-Beitrag lediglich das Pacult-Zitat, das etwas bestätigt, was man eh schon vermuten konnte, nämlich dass bis zum Rücktritt vom Salzburger Trainer Ricardo Moniz in Leipzig keinerlei Einschnitte geplant waren. Womit auch die – witzigerweise auch von der Sportbild behauptete – Story ins Reich der Fabeln zu verweisen ist, dass Pacult gehen musste, weil er nicht aufgestiegen sei. Pacult musste (nachvollziehbarerweise) vielmehr gehen, weil er nicht in die Planungen von Ralf Rangnick passte. Was sich auch in Pacults Worten selbst widerspiegelt: Peter Pacult als Überraschter weiterlesen

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Unterschiedliche Vorstellungen?

Nun, gestern also die Pressekonferenz [broken Link] (Video – alle folgenden Zitate von dort), mit der die neuen Verantwortlichen Roger Schmidt und Ralf Rangnick vorgestellt wurden. Ersterer neuer Trainer bei Red Bull Salzburg, zweiterer Sportdirektor in Personalunion bei Red Bull Salzburg und RB Leipzig.

Die Veranstaltung war jetzt kein Riesenspektakel, aber die offenkundige Abwesenheit von Peter Pacult in den Äußerungen und die Tatsache, dass Ralf Rangnick (auch wenn erst kurz im Amt) noch nicht mal ein Wort mit Pacult geredet hat, waren sehr auffällig. Ok, es war eine Veranstaltung in den Räumen von Salzburg und um diesen Verein ging es auch hauptsächlich, aber dass selbst auf Nachfrage keinerlei handreichende Floskel Richtung Pacult zu vernehmen war, erschien bemerkenswert.

Interessant in diesem Zusammenhang, warum sich Rangnick für die Zusammenarbeit mit seinem Wunschkandidaten Roger Schmidt entschied: Unterschiedliche Vorstellungen? weiterlesen

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Hoffnungsschimmer

Noch wird im Hier und Jetzt gelebt – und auch geträumt. Wenn Tabellenführer Halle morgen bei den zuletzt guten Cottbusser Bubis verliert und RB einen Sieg nachlegt, wäre plötzlich und unerwartet wieder Musike drin in der Nummer. Passend zur Saison wäre allerdings diese Variante: Der HFC verliert 0:1 und RB schafft durch ein sehr spätes Stefan-Kutschke-Tor ein 1:1 gegen den Berliner AK … (Guido Schäfer, LVZ vom 26.04.2012)

Hehe, der Spruch war ein guter und auch wenn es in Cottbus gestern Abend statt eines 0:1 ein 0:0 wurde, würde das genannte Szenario diesem ewigen Hin und Her zwischen Hoffen und Hoffnung Aufgeben, das diese Saison auf Seiten von RB Leipzig spätestens seit der Rückrunde extrem begleitet, tatsächlich das perfekt passende I-Tüpfelchen aufsetzen. Aber vielleicht kommt ja doch noch mal alles ganz anders, weswegen es ohne weitere Vorrede am morgigen Sonntag gegen den Berliner AK (13,30 Uhr, Red Bull Arena) nur heißen kann, drei Punkte mitzunehmen. Und anschließend könnte man davon träumen, dass der HFC in den nächsten zwei und Holstein Kiel in den nächsten drei Spielen vor dem Saisonfinale noch mal patzt und RB alle Spiele, inklusive dem in Halle zum Schluss gewinnt.

Das Restprogramm:

  • RBL: Berliner AK (H), Germania Halberstadt (A), VfL Wolfsburg II (H), Hallescher FC (A)
  • HFC: St. Pauli II (H), ZFC Meuselwitz (A), RB Leipzig (H)
  • KSV: Hannover 96 II (A), Berliner AK (A), Germania Halberstadt (H), VfL Wolfsburg II (A)

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Beste Saisonleistung

In der ersten Halbzeit haben wir fußballerisch wahrscheinlich die beste Auswärtsleistung der Saison gebracht. Es hat halt leider das Tor gefehlt. (Peter Pacult nach dem Spiel in Kiel via Red Bull Audioplayer [broken Link])

Die erste Halbzeit von RB Leipzig in Kiel war natürlich nicht schlecht. Zumindest nicht ab ca. der 15. oder 20. Minute. Da hatte man den Gegner ziemlich im Griff und konnte zumindest ein- oder zweimal das gegnerische Tor in Gefahr bringen. Dass RB Leipzig in der Phase gut aussah, lag aber vor allem an einer kämpferisch tadellosen Leistung. Dass diese ersten 45 Minuten jedoch fußballerisch die beste Auswärtsleistung gewesen sein sollen, spricht dafür, dass das Vergleichsniveau nicht sehr hoch gewesen sein kann. Aus der eigenen Ansicht von lediglich drei weiteren Auswärtsspielen würde ich zudem behaupten, dass die erste Halbzeit in Kiel die anderen Spiele fußballerisch (!) nicht gerade um Längen überragt hat..

Viel überraschender empfand ich aber eine Aussage von Roman Wallner auch im gennanten Audioplayer:

Für mich ist es sowieso schwer, weil ich Kiel heute das erste Mal gesehen habe. Videostudium gibt es ja noch nicht.

Das ist zumindest erstaunlich, dass ein Roman Wallner nach dem Spiel zu Protokoll gibt, dass er von Holstein Kiel fußballerisch und taktisch keinen Plan hatte, da er auch nicht drauf vorbereitet wurde. Und das nachdem Kiel in den letzten Wochen gleich zweimal im näheren Umfeld von Leipzig spielte (Cottbus und Meuselwitz). Sich auf ein Aufstiegsendspiel gegen einen gerade taktisch unheimlich gut aufgestellten Gegner ohne Bilder vorzubereiten bzw. so, dass die Spieler den Gegner nicht kennen, lässt mich ein bisschen sprachlos zurück. Aber vielleicht war es ja auch gar nicht so gemeint von Roman Wallner.

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Verbesserungsmöglichkeiten

Vielerlei Worte werden nach dem Heimunentschieden von RB Leipzig gegen Energie Cottbus II verloren. Manche sinniger, manche weniger. Einiges an Plattitüden und Parolen drunter. Aber wie sollte es in dieser Situation, in der die Medien was berichten wollen, das Leben aber weitergehen muss, auch anders sein.

Haken wir zuerst einmal die Äußerung von Daniel Frahn gegenüber dem MDR (broken Link) gleich nach dem Spiel gegen Cottbus als (übermotivierte) Kampfansage im Eifer des unglücklich ausgegangenen Gefechts ab:

Es geht immer weiter. Wir sind immer noch vorne. Am Ende gucken wir auf die Tabelle und werden sehen, dass RB Leipzig oben steht und dann können alle anderen Punkte holen wie sie wollen.

Dann bleibt festzuhalten, dass der Punktverlust bei den Spielern doch eine ziemliche Kerbe ins Selbstbewusstsein geschlagen hat. Ein wenig Ratlosigkeit, versuchte Selbstkritik und vielerlei Formen des Gedanken Machens kann man wahrnehmen, wenn man die Äußerungen aus der Mannschaft interpretieren möchte. Wiederum der Kapitän formuliert daraus resultierend ein Besserungsgelöbnis: Verbesserungsmöglichkeiten weiterlesen

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Fehlende Flexibilität

Wie RB spielt, ist uns bekannt. Von beiden Flügeln werden die Bälle in den Strafraum geschlagen, darauf müssen wir uns einstellen. (Thomas Hoßmang, Trainer beim VFC Plauen gegenüber der Freien Presse)

Also ich finde das ein wenig deprimierend, dass der Plauener Coach mit seiner Analyse den Finger doch relativ präzise in die Wunde legt. Hat man die Flügel ausgeschaltet, dann hat man RB Leipzig bereits die wichtigste Waffe genommen. Durch Tom Geißler (solange er spielen durfte) und Roman Wallner ist das Spiel zwar nicht mehr ausschließlich flügelfixiert, wie man gegen Wilhelmshaven gut sehen konnte, aber ansonsten läuft das meiste an geordnetem Spielaufbau über die Flügel und ansonsten wird es der klassische lang-hohe Ball auf die Stürmer. Ganz besonders deprimierend daran ist, dass Hoßmang seine Plauener mit dem vorhandenen Kader im Vergleich mit RB als weniger ausrechenbar(!) ansieht. Autsch.

Peter Pacult erklärt derweil via BILD seine Umstellungen beim Auswärtsspiel in Hamburg:

Wir haben englische Wochen, ich wollte frische Leute bringen.

Der Tofavorit der Regionalliga mit der vielgerühmten Fitnessabteilung muss präventiv rotieren, weil man eine englische Woche spielt? Zumindest interessant die Aussage..

Und weil wir schon bei der Niederlage von RB Leipzig beim Hamburger SV II sind, ist auch das interessant: Fehlende Flexibilität weiterlesen

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Marketingopfer

RB schickt Werber in die Uni, Freikarten werden flächendeckend in Leipzig verteilt, den Kindern in die Zuckertüten gesteckt. Das zeigt langsam Wirkung. Zuschauertechnisch ist RB in Leipzig inzwischen Krösus. (Frank Willmann via Tagesspiegel)

Wer immer noch glaubt und behauptet, dass deswegen knapp 6.000 gut gelaunte Zuschauer an einem durchschnittlichen Frühmärz-Sonntag zu einem Viertligaspiel 2 gegen 12 (RB gegen Lübeck) gehen, weil die Marketingmaschinerie es ihnen eingeredet hat, der hat von Fußballleipzig tatsächlich noch gar nichts verstanden. Bzw. im Falle Frank Willmanns immer noch nichts.

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Straflosigkeit

Warum sollte ich die Jungs bestrafen? Die sind gestraft genug. (Peter Pacult in der heutigen LVZ.)

Der Herr Chefcoach hat mit dieser Aussage nach dem Sachsenpokalaus in Zwickau – wie desöfteren – recht. Weil:

Natürlich wären wir gerne eine Runde weiter gekommen. Aber ich kann der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie nicht gewollt hat. Zwickau hat dreimal aufs Tor geschossen, wir haben sie zu zwei Toren eingeladen. Und dann kann ein Regionalligist beim Ersten der Oberliga ein Spiel verlieren.

Und genau dies macht die Niederlage (ähnlich wie das Unentschieden in Havelse) so bitter und ärgerlich (hoffentlich auch für die Spieler). Dass man sie sich durch zwei Nachlässigkeiten praktisch komplett selbst eingebrockt hat. Wäre das nicht passiert, dann hätte RB Leipzig sicherlich immer noch nicht überragend gespielt, aber man hätte das Spiel wohl als routinierten 1:0-Sieg abgehakt. Einmal in Fahrt lässt sich Peter Pacult dann aber noch zu einer kleinen Polemik hinreißen: Straflosigkeit weiterlesen

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Enttäuschungen, die weder Krise noch Blamage sind

Wir sind einen Punkt hinter Kiel, es sind noch 14 Spiele. Hört’s mir auf mit Blamage und Krise. (Peter Pacult in der heutigen LVZ)

Chefcoach Pacult hat natürlich recht, wenn er sich Begrifflichkeiten wie Blamage oder Krise verweigert. In Havelse unentschieden zu spielen, ist natürlich keine Blamage und der Verlust der Tabellenführung, eine Woche nachdem medial die Perfektion ausgerufen worden war, keine Endzeitkrise. Was es ist, hat Marcus Hoffmann gut auf den Punkt gebracht:

Es ist eine Riesenenttäuschung.

Genau das ist es immer noch, auch zwei Tage nach dem 1:1 von RB Leipzig in Havelse, ein mistiges Ergebnis nach unnötigem Spielauftakt. Ein Ergebnis, das den weiteren Saisonverlauf nicht gerade einfacher macht. Und allen, die die Auswärtsfahrt nach Havelse nachträglich als ein schwieriges Unterfangen interpretieren, sei gesagt, dass mit Zwickau, Magdeburg, Plauen, Kiel und Halle die wirklich heftigen Auswärtskaliber erst noch kommen. Spiele, bei denen man es sich nun vorerst nicht mehr leisten kann, hinterher von einem Punkt zu sprechen, mit dem man leben könne.

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Neue Konzepte als alte Hüte

Letzten Freitag (17.02.2012) war es, als die Kleine Zeitung in Österreich einen Bericht [br0ken Link] erscheinen ließ, der den Titel „Salzburg wird zur Leipzig-Filiale“ trug und sich der in der Woche zuvor getätigten Aussage von Dietrich Mateschitz widmete, dass im Fußball-Hause Red Bull zukünftig RB Leipzig und nicht Red Bull Salzburg den Ton angeben werde. Freilich nicht, ohne zu erwähnen, dass diese Aussage nur das bestätigt, was Mateschitz dem selben Blatt bereits mehr als ein Jahr zuvor erzählt habe.

Die LVZ brauchte in ihrer Online-Abteilung vier Tage bis sie daraus eine News strickte. Titel: „RB-Chef Dietrich Mateschitz will Salzburg zur Leipziger Kaderschmiede umbauen.“ Die „Stimmung bei Red Bull Salzburg“ sei „angespannt“, weiß die LVZ. Das schlechte Abschneiden in Österreich und Europa aber lasse Dietrich Mateschitz kalt, weil er wisse, dass man mit einem österreichischen Team nicht zu europäischer Klasse aufschließen könne: „Deshalb verfolgt Mateschitz nun ‚ein anderes, innovativeres Konzept‘. Demnach wird der Verein aus der Mozartstadt zur Ausbildungsfiliale umstrukturiert.“

Das Konzept, das Mateschitz „nun“ verfolgt, ist allerdings praktisch so alt, wie es RB Leipzig selbst ist. Denn bereits am 26.02.2010, also vor ziemlich genau zwei Jahren, ließ Mateschitz via Salzburger Nachrichten folgendes verlauten: Neue Konzepte als alte Hüte weiterlesen

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Bitte, bitte, bitte gebt mir meinen Platz zurück*

Die Feinabstimmung mit Roman Wallner muss noch besser werden. (…) Havelse dürfen wir nicht unterschätzen, da fängt alles wieder von Neuem an. (Timo Röttger am Tag nach dem Sieg von RB Leipzig gegen Wilhelmshaven im Ausblick auf das nächste Spiel in Havelse via LVZ)

Man könnte das, was Timo Röttger da sagt, als Drohung verstehen. Nach einem 8:2 darauf zu bestehen, dass die Offensivabstimmung noch besser werden kann, klingt ziemlich gewagt, ist aber komplett richtig und in der Vorausschau auf 15 Endspiele, von denen tatsächlich auch einige sehr schwierig werden, genau die richtige Einstellung. Wilhelmshaven war schick und erfreulich, hat aber auch nur drei Punkte gebracht und den Abstand zur Konkurrenz nicht vergrößert. Und in Havelse startet am Sonntag alles wieder bei 0:0.

Während auf dem Rasen gegen Wilhelmshaven auf schöne Art und Weise vieles neu war, gab es auch abseits des grünen Eckigen Neuerungen. Das begann damit, dass es von den Toren jeweils Wiederholungen auf der Videowand gab und in der Halbzeitpause Stadionsprecher Tim Thoelke zusammen mit dem verletzten Umut Kocin einen Zusammenschnitt der besten Szenen und der Tore der ersten Halbzeit präsentierte. Die Premiere lief noch etwas holprig, und die Technik war noch nicht perfekt. Trotzdem, die technischen Möglichkeiten, direkt nach dem Tor Wiederholungen aus den verschiedensten Perspektiven zu zeigen, konnten ziemlich beeindrucken.

Wobei ich darauf ehrlich gesagt auch gut verzichten könnte, weil ich eigentlich weder nach einem Tor Richtung Videoleinwand starren will, noch in der Halbzeit schon eine Spielanalyse brauche. Da fände ich einen Nachwuchsblock (wer hat gespielt/ nicht gespielt, wer steht warum wo) und dazu ein kurzes, dafür aber von Bildern ungestörtes Interview netter. Ist aber sicherlich subjektiv.

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HEIMSPIEL-Splitter II

Quasi als Überbrückung bis zum Testspiel von RB Leipzig am Cottaweg morgen (also Sonntag, 12.02.) nachmittag (14 Uhr) gegen Germania Schöneiche, das ja als Ersatz zum ausgefallenen Regionalliga-Spiel beim Hamburger SV II angesetzt wurde, wieder mal eine Passage aus einem älteren Prgrammheft von RB Leipzig:

Wie siehst Du den Weg von RB Leipzig?
Ich glaube, dass der Einstieg von Red Bull in Leipzig ein Segen für die Stadt und die gesamte Region ist. Denn im Vergleich zu anderen Fußballprojekten dieser Art ist Herr Mateschitz kein Oligarch oder Scheich, sondern steht mit Red Bull für eine tolle, einzigartige Sportphilosophie. Das Formel-1-Team zeigt doch, wie professionell und erfolgreich Red Bull im Sport ist. Ich denke, dass der Weg langfristig erfolgreich sein wird und die Leipziger noch richtig stolz auf ihren Klub sein werden. (Simon Jentzsch, Keeper beim FC Augsburg im Heimspiel-Magazin zum Spiel von RB Leipzig gegen den FC Augsburg am 25.10.2011)

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Druck

Es wird ein enger Kampf um die Meisterschaft, aber wir müssen und werden das schaffen. Wenn es auf die Zielgerade geht, spüren Kiel und Halle den Druck, den wir die ganze Saison haben. (Pekka Lagerblom via LVZ vom 24.01.2012)

Fühlt sich da noch jemand in die vergangene Saison zurückversetzt? Als man lange, lange behauptete, dass der Chemnitzer FC auch noch Druck verspüren und einbrechen werde, weil er irgendwann der Gejagten-Favoriten-Rolle erliegen würde. Passierte dummerweise nie. Gerade als es dann etwas enger wurde, war der Chemnitzer FC voll da und entschied das Duell mit dem Wolfsburger Nachwuchs klar für sich.

Viel anders wird es diese Saison auch nicht laufen. Der Aufstiegskampf wird letztlich nicht dadurch entschieden, dass andere Mannschaften nachlassen, sondern nur dadurch, dass man selbst schlicht und einfach die stärkere, sportliche Leistung abliefert. Wer ernsthaft glaubt, dass Holstein Kiel und der Hallesche FC irgendwann Druck spüren und daraus Punktverluste resultieren, kann schneller auf Platz zwei oder drei landen, als ihm oder ihr lieb ist.

Oder hobbypsychologisch ausgedrückt: Halle und Kiel haben nichts zu verlieren. Der Druck, den sie spüren, ist ein positiver, von innen heraus motivierender, weil es für sie nur darum geht, den Konkurrenten (quasi den aus ihrer Sicht Geld-Goliath) mit der davidschen Schleuder zu erlegen. Das wird am letzten Spieltag nicht anders sein, wie am 17. Spieltag als Halle in Leipzig bereits jede Menge Druck hatte und diesen offenbar positiv zu wenden verstand.

Die RasenBallsportler werden vermutlich beständig das Scheitern als Drohkulisse im Hinterkopf tragen, die Konkurrenz nur die süßen Früchte, die sie als Spielverderber ernten würden. Es gilt für RB, sich von diesem psychologischen Hintergrund ein Stückchen frei zu machen und vor allem nicht zu glauben, dass die Druck-Situation für Holstein Kiel und Halleschen FC irgendwann die selbe sein könnte.

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Firmenkompetenz vs. Identitätsirrationalität

Trainingsauftakt war heute mitten in der Trübnis eines sich wie November anfühlenden Winters. Neuzugänge: noch keine. Ausgiebiges Trainieren: noch Fehlanzeige. Ein kleiner, unspektakulärer Start in eine hoffentlich spektakuläre Rückrunde. Auch nicht wirklich spektakulär, aber trotzdem nicht unspannend war das, was Peter Pacult schon vor Weihnachten im Interview verlauten ließ:

Aber es ist ein anderes Arbeiten hier. Weil der Verein anders ist. Normalerweise wird ja immer in deine Arbeit rein geredet. Hier quatscht keiner rum. RB ist intern straffer organisiert und arbeitet kompetent wie eine Firma. (Peter Pacult gegenüber BILD)

Was ich daran weiterhin spannend finde, ist die Tatsache, dass auch Pacult belegt, dass Fußballprofessionelle, also Trainer, Manager, Spieler und Co sehr wenig Berührungsängste mit dem grundsätzlichen Prinzip Red Bull Fußball und dem konkreten Prinzip in Leipzig haben (die Namen Magath, Metzelder, Hoeneß, Calmund, und Beckenbauer stehen stellvertretend dafür), weil sie die Möglichkeit, den eigenen Beruf unter bestmöglichen Bedingungen ausüben zu können, offenbar zu schätzen wissen. Das eigene Team, die Vereinsinfrastruktur und die konkreten Entscheidungswege nehmen da offenbar einen zentraleren Platz ein, als die Frage, ob wer schon vor 30 Jahren im gleichen Vereinstrikot gesteckt hat.

Die sportlich-professionelle Struktur bei RB Leipzig scheint also Formen angenommen zu haben, die den (aktuell) Beteiligten offenbar gut schmeckt. Was durchaus positiv ist. Bleibt aber trotzdem die schon von Christoph Metzelder formulierte Frage, wie die Fans den Verein annehmen und ihm so auch im Umfeld Leben einhauchen. Es wird letztlich um Antworten auf die Frage gehen, inwieweit die auch in Bezug auf seine Identität und deren Konstruktion professionell-strategische Arbeitsweise des Vereins sich mit dem dazu in leichtem Widerspruch stehendem, immer auch irrationalen Wesen des Fanseins und der Fanidentität und der scheinbaren Nichtbeteiligung der Fans an der (offiziellen) Identitätskonstruktion (wie bspw. bei „Die Roten Bullen“) verträgt. Eine weiterhin offene Frage. Auf die wohl nur die Zukunft Antworten weiß und für deren Beantwortung eventuell die nochmals erwähnt sein sollende Umfrage bei rb-fans.de [broken Link] und deren Ergebnisse ein paar Anhaltspunkte bereit hält.

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Ungleicher Wettbewerb

Es geht nur für das Spitzentrio um etwas, es gibt keine Absteiger. Normalerweise würden bei Kellerkindern die Nerven blank liegen, so aber kann selbst der Letzte befreit aufspielen – oder sich hängen lassen. Ich kann diese Regelung nicht nachvollziehen, sie ist nicht gut für den Wettbewerb. (Sven Köhler in der heutigen LVZ, nachzulesen bei rb-fans.de)

Der Hallenser Coach hat natürlich grundsätzlich recht. Dass es keinen Absteiger gibt, ist ziemlich unhübsch und wird der Liga vermutlich in der Rückrunde mehr noch als schon in der Hinrunde auf die Füße fallen. Zwei Spiele (Kiel vs. RBL, Halle vs. RBL) wird es an 16 Spieltagen noch geben, in denen es für beide Kontrahenten tabellarisch um etwas geht. Nicht gerade viel. Ansonsten sportliche Duelle zwischen drei Aufstiegsanwärtern und 15 restlichen Teams.

Man könnte nun sagen, dass man da eben durch muss und das eben die Situation für alle Beteiligten ist. Witzigerweise dürfte das von Köhler trainierte Hallenser Team zusammen mit den Kielern von der Situation perspektivisch eher profitieren, als durch diese geschädigt werden. Beide haben außer RB Leipzig mit ihren jeweiligen Erzfeinden aus Magdeburg und Lübeck noch ein weiteres Spiel, in dem der Gegner auch unabhängig vom Tabellenstand mindestens 100% geben wird. Bei RB Leipzig gehört es hingegen zur Natur der Sache, dass die Gegner eigentlich in jedem Spiel hochmotiviert sind und 100% geben. Sei es aus sportlichen (es geht gegen den großen Favoriten) oder ideologischen (gegen Geld, Kommerz, Untergang der Fußballkultur) Gründen. Die Vorstellung eines Sieges gegen RB, scheint viel Freude und intrinsische Motivation auszulösen.

Das soll alles in allem keine Beschwerde sein, eher eine nüchteren Feststellung. Wenn man sich den teuersten Kader leistet, Millionen in ein Trainingszentrum steckt und das große Ziel Bundesliga vor sich her trägt, muss man es aushalten können, dass die Gegner gegen einen meist ein paar Prozent mehr auf die Schippe legen als gegen andere. Augen zu und durch. Das Ziel Aufstieg sollte da Motivation genug sein.

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Neuverpflichtungen

Zu möglichen Neuverpflichtungen: Wenn ein Spieler kommt, dann muss er uns weiterhelfen. Denn ich muss sagen: Wir sind Tabellenführer. Und wer hat uns dahin gebracht? Die Spieler, die da sind. (Peter Pacult, Quelle: MDR [broken Link])

Das lässt doch viel Raum für Spekulationen und wird wahrscheinlich nicht bedeuten, dass es keine Wintertransfers gibt, sondern dass ein, zwei (oder gar drei) Fußballer mit großen Qualitäten zum Verein dazustoßen. Der Name Roman Wallner wird so jedenfalls wesentlich realistischer, als ich das noch vor ein paar Tagen eingeschätzt hätte. Könnte sich zu einer hochinteressanten Transferperiode entwickeln. Nicht nur bei RB Leipzig, sondern auch bei der Konkurrenz vom Halleschen FC (die wollen noch einen Stürmer) und dem Pokalschreck aus Kiel (die eben wegen des DFB-Pokals gerade ziemlich viel zusätzliches Geld in der Vereinskasse haben).

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