Archiv der Kategorie: Fußballwelt

Reformwillen trifft Konservatismus

Die älteren unter den LeserInnen werden sich erinnern, dass die Regionalliga-Reform einst hier im Blog recht intensiv begleitet wurde. Ein Prozess, der in seinem Ablauf erstaunlich war. Vereine definieren ein Problem (’schlechte Durchlässigkeit von Regionalliga zur dritten Liga‘) und zwischen Landesverbänden, DFB und DFL wird in Hinterzimmern nicht etwa eine Lösung des Problems erarbeitet, sondern ein Kompromiss ausgeheckt, gegen den die wichtigsten Abstimmungsakteure des DFB-Bundestages nichts hatten und der im Kern das ursprüngliche Problem durch eine Verkomplizierung des Aufstiegs noch verstärkte.

Man könnte natürlich diskutieren, ob die Verschärfung der Problemlage tatsächlich stattfand, denn seit Einführung der fünf Regionalligen und der Relegation zur dritten Liga ist nur eines von zwölf Teams direkt wieder abgestiegen. Drei Teams schafften sogar den direkten Durchmarsch in die zweite Liga. Zumindest für jene Teams, die sich durch den Flaschenhals Regionalliga gequält haben, scheint der Abstand zur dritten Liga eher gering zu sein. Dass der Abstand zwischen dritter und vierter Liga größer werden würde, war ursprünglich auch eine der Annahmen nach Einführung der Relegationsspiele in der Regionalliga.

Egal wie, der Ablauf, mit dem die Regionalliga-Reform umgesetzt wurde, war einer, wie er unbefriedigender nicht hätte sein können. In einem intransparenten Verfahren eine Lösung erarbeitet und umgesetzt, wie sie den ursprünglichen Absichten derjenigen, die die Reformen anschoben und ein Problem formulierten, nicht stärker hätte widersprechen können.

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Startschuss

Neue Saison, neuer Wettbewerb. So die UEFA will, was Stand heute Vormittag ja offiziell noch nicht bekannt ist, wird RB Leipzig in dieser Saison an der Champions League teilnehmen. Die beginnt für RB erst am 12. oder 13. September oder wahlweise mit der Auslosung der Gruppenphase am 24. August.

Heute allerdings gibt es bereits den Startschuss in die Champions-League-Saison 2017/2018. Denn die ersten beiden Qualifikationsrunden werden ausgelost. Dabei nehmen an der ersten Runde Teams teil, die aus sehr kleinen Fußballnationen stammen. Die Meister von Wales, Nordirland, den Faröern, Malta, Andorra, Armenien, San Marino, Gibraltar, Estland und dem Kosovo duellieren sich hier. Die ersten fünf sind gesetzt und kriegen eines der fünf ungesetzten Teams zugelost.

Gespielt wird dann bereits nächste Woche, also am 27. und 28. Juni. Was auch Wahnsinn ist. Erstens, dass du mitten im Sommer mit Spielen im Europapokal starten sollst (zumindest, wenn du nicht in einer Liga nach Kalenderjahr spielst) und dass du als kleines Team binnen einer Woche einen Ausflug möglicherweise quer durch Europa organisieren musst.

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Geringe Restzweifel

Wenig beschäftigte die allgemeine Phantasie rund um den RasenBallsport (neben dem irrwitzigen Transfergerüchtekarussell) zuletzt mehr als die Lizenzierung der UEFA in Bezug auf die Teilnahme an europäischen Wettbewerben. Zwischenzeitlich griff man auf Experten zurück (wobei man sich bei manch einem auch fragen konnte, was ihn zum Experten qualifiziert), oft landet man auch bei meist bei freien Meinungstexten mit anonymen Quellenverweisen. Mein persönliches Lieblingsargument (bzw. Lieblingsindiz) für Verflechtungen zwischen Red Bull Salzburg und RB Leipzig ist immer noch die gemeinsam genutzte Fotodatenbank. Eine echte Legende. Einzutragen auf Seite 948 der UEFA-Lizenzierungsunterlagen unter ‚Welche Fotodatenbank nutzen sie und unter welcher Adresse stellen sie diese Journalisten zur Verfügung?‘

Abgesehen davon ist die Frage danach, ob RB Leipzig eine Lizenz für die Champions League erhält, durchaus keine triviale. Wenn man nicht gerade in Leipzig nachfragt, wo man gebetsmühlengleich keine Probleme mit irgendwas erwartet. Denn natürlich ist gerade die Verbindung über Red Bull nach Salzburg nicht wirklich wegzudiskutieren. Und das Interesse der UEFA, zwei Vereine, die nicht nur optisch auf den ersten Blick schwer voneinander zu unterscheiden sind, im Rahmen eines europäischen Wettbewerbs aufeinandertreffen zu sehen, sollte eigentlich eher gering sein. Selbst wenn die zugrunde liegenden Konstruktionen und Geldgeberüberschneidungen so oder so ähnlich auch schon anderswo praktiziert wurden.

Nun geht es aber wie so oft nicht wirklich um Interessenslagen, sondern vor allem um die Erfüllung von Lizenzbedingungen und Statuten und ähnlichem. Also all dem formalen Zeug, mit dem der Verband versucht, Dinge, die ihm wichtig sind (wie wirtschaftliche Nachhaltigkeit oder Wettbwerbsintegrität), so in Regeln festzugießen, dass man die Wettbewerbsteilnehmer in die gewünschte Richtung lenkt. Mit der entsprechenden Folge, dass manch Wettbewerbsteilehmer die Grenzen der Formalisierungen vor allem in Bezug auf die wirtschaftlichen Vorgaben auszureizen versucht.

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Shanghai, Shanghai, wir fahren (nicht) nach Shanghai

Die Anhänger von Bayern München beispielsweise sitzen heute nicht mehr nur in München oder in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Fans in China haben heute die gleichen Idole wie in Deutschland. (…) Was spricht dagegen, wenn künftig ein DFB-Pokalfinale statt in Berlin auch einmal in Shanghai ausgetragen würde? Ich befürworte das und sehe das als Chance. (Adidas-Chef Kasper Rorsted in der Süddeutschen Zeitung)

Für wen organisieren wir den Fußball? Wir spielen für diejenigen, die im Stadion sind. Das können wir auch im Fernsehen übertragen. Aber wir sollten unser Spiel nicht verbiegen. Über die Übertragung bekommen wir Konsumenten, aber keine Bindung. Die Bindung kommt über das Regionale. Wir dürfen den Kern nicht kaputt machen. Das macht uns beliebig. Davor fürchte ich mich. (Dirk Zingler, Präsident Union Berlin, zitiert nach textilvergehen.de)

‚Internationalisierungsstrategien‘ ist so etwas wie das neue Modewort. Man müsse sich öffnen und in die Welt hineingehen und neue Zuschauermärkte erschließen und bedienen. China scheint dabei das neue Hauptziel zu sein. Diverse Bundesligavereine, die dort ihre Fühler bezüglich Synergien und Kooperationen ausstrecken. Diverse chinesische Investoren, die den europäischen Fußball bereits für sich entdeckt haben. Und DFB und DFL, die schon eine Kooperationsvereinbarung mit dem chinesischen Verband unterzeichnet haben.

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Deutscher Meister wird nur der…

Klar, der eine oder andere (vor allem unter den Bayern-Spielern) sträubt sich noch, die Glückwünsche bereits anzunehmen. Aber faktisch sind die Dinge klar. Auch in dieser Saison wird der FC Bayern München Meister. Zum fünften Mal in Folge. Zum fünften Mal in Folge könnten es auch mindestens zehn Punkte Vorsprung auf Platz 2 werden. Zumindest fällt einem aktuell nicht viel ein, was dagegen sprechen sollte.

Schon sieben Mal hatte der FC Bayern München in diesem Jahrtausend mindestens zehn Punkte Vorsprung bei einer der elf Meisterschaften, die man in 17 Spielzeiten feierte. Noch nie gab es in der Bundesliga ein anderes Team als die Bayern, das mit mindestens zehn Punkten Vorsprung Meister wurde. Insgesamt neun von 25 Meisterschaften feierten die Münchener mit einem solch großen Vorsprung.

Auch in England und Italien feierten in diesem Jahrtausend gleich sechs von zehn Meistern einen Vorsprung von mindestens zehn Punkten. Allerdings waren es dort vier bzw. drei verschiedene Mannschaften, die diese Meisterschaften feierten. In keiner der anderen europäischen Topligen (Frankreich, Italien, Spanien, England) gibt es den Fall, dass über 53 Spielzeiten (solange also die Bundesliga existiert) nur eine einzige Mannschaft mal mit zehn Punkten oder mehr Meister geworden wäre.

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Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen

Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Ein paar Thesen noch zu Salzburg und Leipzig entlanghangelnd an der aktuellen Debattenlage. Vieles davon gab es hier ím Blog schon immer mal wieder verstreut in diversen Texten.

  • Dass Red Bull Salzburg sich auf die Ausbildung junger Spieler spezialisieren will, ist nicht neu.

Wer es im Jahr 2016, so wie es Salzburgs Trainer Oscar Garcia getan hat, überraschend und neu findet, dass Red Bull Salzburg ein Ausbildungsverein ist, hat so einiges verpasst. Schon weit vor dem Eintritt von Ralf Rangnick hat Dietrich Mateschitz im Jahr 2010 erklärt, dass Salzburg zu einer Art Nachwuchsteam werden soll, das um Meisterschaft und internationale Plätze mitspielt, während in Leipzig in einer großen Liga ein stärkeres Team spielen soll. Ob man das nun doof oder gut findet, man sollte nicht so tun, als wäre das eine neue Vereinsphilosophie. Salzburg-Leipziger Thesenhäppchen weiterlesen

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Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Drei Wochen Urlaub am Stück gab es in diesem Sommer für mich. Fast schon opulente Zustände, die auch dazu führten, wieder mal viel Zeit zum Lesen von Büchern zu haben. Neben einigen Werken, die gar nichts mit Sport zu tun hatten, schlich sich aber dank der Gabe des twitternden @rbfreund auch ein Büchlein mit Fußballbezug in die Leseliste.

Das Buch trägt den Titel „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ und den protzigen Untertitel „Warum (fast) alles, was wir über den Fußball wissen, falsch ist“ (im englischen Original hat man im Untertitel das „(fast)“ sogar noch weggelassen). Ein Untertitel, der etwas arg dick aufgetragen ist, denn nach dem Lesen des Buchs hat man nicht wirklich das Gefühl, dass sich irgendetwas auf den Kopf gestellt hätte. Vielmehr ergänzt das Buch an manchen Stellen einfach auf angenehme Art und Weise die Sicht auf das Spiel.

Das Buch dreht sich (an der Stelle sind dann wahrscheinlich 80 Prozent der LeserInnen weg) um Statistik. Die Autoren Chris Anderson und David Sally glauben an den Erkenntnisgewinn, den man aus Daten über den Fußball gewinnen kann und nutzen ihr Buch, um Zahlen und Analysen vorzustellen und auch manchmal darzulegen, an welcher Stelle man mit solchen Analysen vielleicht zu anderen Entscheidungen kommen würde, als es Clubs manchmal tun.

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Leidenschaftslos

„Einsatz und Leidenschaft“ hätten, so analysierte Bela Rethy (nein, das wird kein spezielles Rethy-Bashing) nach dem Spiel zwischen Portugal und Island durch den Fernsehlautsprecher, gegen (sinngemäß) Qualität und individuelle Klasse einen Punkt geholt. Eine seltsame Reduktion der gespielten 90 Minuten, die vor allem dann immer gern genommen wird, wenn zuvor ein irgendwie ganz niedlicher Underdogson ein Ergebnis eingefahren hat, was man ihm nicht zutrauen wollte.

Seltsam deswegen, weil die Analyse nicht etwa darauf hinausläuft, dass ein Team, das im 4-4-2 und vor allem am eigenen Strafraum dicht und kompakt verteidigt hat, eine angemessene Taktik hatte, um dem das Spiel machenden Favoriten Probleme zu bereiten und man dazu noch eine Menge Glück mitbrachte, dass bei 20 Torschüssen weniger als der Kontrahent trotzdem noch ein Punkt raussprang. Seltsam auch, weil die Analyse nicht etwa beinhaltet, aufzuzeigen, an welcher Stelle der Favorit den Abwehrriegel vielleicht hätte besser, ruhiger und erfolgsversprechender bespielen können.

Nein, es muss irgendein mentales Defizit beim Favoriten vorgelegen haben. In Sachen Leidenschaft habe man Defizite gehabt. Ganz so, als würde sich Leidenschaft darin zeigen, dass man grätscht und die Defensivarbeit statt die Offensivbemühungen in den Mittelpunkt stellt. Nein, diesen merkwürdigen, das Bällchen bewegenden Portugiesen mit ihrem Ronaldo muss eine Sekundärtugend wie Einsatz gefehlt haben, nicht Glück oder taktische Klasse oder Mannschaftsorganisation oder individuelles Positionsspiel. Was fehlt sind entsprechend also offenbar Charaktereigenschaften und nicht etwa trainierbare Dinge.

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Interessenskonflikte

Die Erklärung, dass in England eine größere Pay-TV-Tradition herrscht und es dort deshalb sieben Millionen mehr verkaufte Decoder gibt, ist mir jedenfalls zu einfach. Warum sollte das so sein? Wir sind ja keine Bananenrepublik, sondern ein Land voller Fußball-Liebhaber. Wir müssen uns deshalb mal ganz konkret und intern darüber unterhalten, wie es sein kann, dass die Fernsehgelder in England um ein Vielfaches höher sind als bei uns. (Ralf Rangnick im Kicker vom 13.07.2015)

Der englische TV-Vertrag, der den Clubs auf der Insel ab der kommenden Saison noch mal wesentlich mehr Geld einbringt als zuletzt, schlug hierzlande vor ein paar Monaten ein wie eine kleine Bombe. Irgendwas über 9 Milliarden Euro kassiert die Premier League für 3 Jahre für die Vermarktung der Fernsehrechte in In- und Ausland und vergrößerte damit den Abstand zu den DFL-Einnahmen noch mal ordentlich. Reichlich 3 Milliarden pro Jahr vs. knapp 1 Milliarde pro Jahr lautet ungefähr die Dimension, die in Deutschland für allerlei Debatten über die Konkurrenzfähigkeit hiesiger Vereine auf dem Transfermarkt heraufbeschworen hat.

Ralf Rangnick, Leipziger Sportdirektor und Trainer nahm sich in den vergangenen Wochen auch immer wieder mal dem Thema an und sieht das Problem offenbar in fehlenden Pay-TV-Nutzern in Deutschland bzw. in nicht ausreichenden Einnahmen aus dem Pay-TV. Mit der einfachen Lösung, dass man in England eben eine andere Tradition beim Umgang mit Bezahlfernsehen habe, will er sich nicht zufrieden geben. Wenn man es pointiert zusammenfassen will, wünscht sich Rangnick, dass der hiesige Fernsehzuschauer den Wettbewerb mit den englischen TV-Abonnenten aufnehmen und auf diesem Wege einen Ausgleich schaffen soll. Quasi von der Couch aus den Wettbewerb von Wirtschaftsorganisationen wie schon im Arbeitsleben auch im Freizeitbereich zum eigenen Wettbewerb machen.

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Zu kleines Problem für große Lösungen?

Ich ärgere mich darüber, dass es Statuten gibt, die dem Verein die Möglichkeit geben, ‚betriebsintern‘ Spieler hin und her zu schieben. Das kann ich mit meiner Empfindung von fairem Wettbewerb nicht nachvollziehen. (Peter Neururer vor dem Spiel seines VfL Bochum bei RB Leipzig)

Das merkwürdig mechanistische Bild, das man im Hause Red Bull Spieler, die im Kern auf der Basis ihrer eigenen Karriereinteressen und -ziele und entsprechend der Perspektiven, die ihnen in Verhandlungen aufgezeigt werden, Verträge unterschreiben, hin- und herschiebt, wurde hier im Blog ja vor wenigen Monaten bereits kritisch beleuchtet.

Letztlich bleibt es dabei, dass kein Spieler ein Vertrag hat, der gleichermaßen für Leipzig und Salzburg gilt und ohne seine Zustimmung den Verein wechseln müsste. Natürlich gibt es aber normale Leihverträge wie bei Bredlow und Prevljak, die von Leipzig nach Liefering verliehen wurden oder bei Sabitzer und Bruno, die auch leihweise in Salzburg spielen und entsprechend nach Ablauf des Leihvertrags wieder zurückkehren müssten.

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Financial Fairplay als Instrument gegen Red Bull?

Das Grundrauschen in Bezug auf nichtsportliche Themen rund um RB Leipzig war in den letzten Wochen und Monaten relativ groß. Nicht alles überschritt die Schwelle des Spannenden und Thematisierenswerten. Zumal man sich hierzulande, wie schon an verschiedenen Blog-Stellen erwähnt, schon seit bis zu fünf Jahren mit der Kritik an RB Leipzig beschäftigt und man schon deshalb nicht mehr jeden Einwurf als total spannend und besprechenswert empfinden muss. Was inzwischen zugegebenermaßen sowohl für die Kritik an RB, als auch für die verstärkt im bundesweiten Meinungsdiskurs auftauchende Kritik der Kritik an RB gilt.

Nicht ganz uninteressant ist aber, mindestens auf den zweiten Blick, die neu ins Boot mit aufgenommene Forderung seitens des Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG und Vorsitzenden der Vereinigung der europäischen Fußballclubs Karl-Heinz Rummenigge nach Aufnahme der Regeln des Financial Fairplay (FFP) der UEFA in die DFL-Lizenzierung. Und zwar für beide Bundesligen. Rummenigge hofft, dass man so „das Thema RB Leipzig relativ schnell zu den Akten legen kann“, wie er in erstaunlicher Offenheit der Sportbild vor einer reichlichen Woche verriet (06.08.2014).

Das Financial Fairplay ist letztlich ein kleiner Bestandteil der Klublizenzierung der UEFA (pdf), der sich alle Vereine unterziehen müssen, die in einem europäischem Wettbewerb starten wollen. In der Kurzversion geht es der UEFA nach eigenen Angaben nicht darum, mit dem FFP finanzielle Unterschiede auszugleichen, sondern vor allem auf eine nachhaltige Entwicklung der beteiligten Vereine zu drängen. Dazu werden bei allen Vereinen fest definierte Einnahmen und Ausgaben verglichen.

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Keine selbstverständliche WM-Bilanz

Kleines WM-Zwischenspiel an dieser Stelle. Zum 7:1-Halbfinalsieg Deutschlands gegen Brasilien wurde in Worten und ohne Wort inzwischen ja medialerseits schon so ziemlich alles gesagt. Aus RB-Sicht bleibt vielleicht hinzuzufügen, dass die Partie ein wunderbares Beispiel war, was passieren kann, wenn Pressing etwas ist, was von ein, zwei Spielern in Ballnähe durchgeführt wird und nicht vom ganzen, kompakt verschiebenden Team. Denn dann wird aus dem eigentlich wirkungsvollen taktischen Mittel brotloses Gezappel, das mit Riesenräumen für den Gegner nach dem Überspielen der ersten zwei aggressiven Gegenspieler komplett nach hinten losgeht. Durchaus nicht undenkbar, dass man so etwas an einem ganz schlechten Tag auch mal bei RB Leipzig sehen wird.

Abgesehen davon bleibt es eine WM, die zumindest was Teams angeht, die es weit im Turnier geschafft haben, wenig überraschendes bietet. Klar, das Ausscheiden Spaniens und Italiens geht als mindestens kleine Sensation durch, aber insgesamt blieben zum Schluss jene Mannschaften übrig, von denen man das erwarten konnte und die das auch schon bei den letzten Weltmeisterschaftsturnieren taten.

In Deutschland herrscht derweil rund um fast jedes Turnier der letzten Jahre eine merkwürdig pessimistische Grundstimmung vor (die dann auch mal z.B. von einem Sieg gegen Brasilien ad absurdum geführt werden kann). Großes Grundvertrauen in Trainer oder Team ist selten. Und wenn mal ein schlechtes Spiel dabei ist, dann hat man das Gefühl als würde der fußballerische Untergang dicht bevorstehen. Was erstaunlich ist, denn wenn man sich mal die insgesamt sieben Turniere seit 1990 anschaut, dann ist Deutschland das einzige Land, dass in allen Jahren immer mindestens ins Viertelfinale kam. Fünfmal stand man im Halbfinale, so oft wie keine andere Nationalmannschaft und dreimal zog man ins Finale ein, ein Wert den daneben nur Brasilien vorweisen kann.

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WM-Fahrer

Mein persönliches WM-Fieber hält sich ziemlich in Grenzen. Die Turnierwochen werden wohl im heimischen TV sehr oft ohne Fußball auskommen. Was nach einer langen Saison mit viel Live-Fußball und viel Live-Fußball, der in der kommenden Saison (hoffentlich) auch wieder wartet, völlig ok so ist.

Vielleicht ganz passend dazu nehme ich trotzdem an einem Tippspiel teil, das unter dem Titel talentfrei läuft, für das man sich noch registrieren kann. Talentfrei ist nicht nur ein Name, sondern auch ein Twitter-Hashtag (#taLEntfrei), unter dem Aktivitäten verschiedener, mal mehr, mal weniger schweißtreibender Natur koordiniert werden. Alles immer unter dem stilbildenden Motto, dass (im besten Fall neben einem Twitteraccount) ein bisschen Talentfreiheit gute Voraussetzung für die jeweilige Teilnahme ist.

Talentfreiheit ist definitv wiederum keine Voraussetzung, um an der WM in Brasilien (traditoneller und wenig zielführender Meistertipp meinerseites: England) aktiv teilzunehmen. Interessanterweise bin ich nun mit meinem Alltagsfußballinteresse tatsächlich in einer Liga angekommen, in der auch Spieler aktiv sind, die an diesem Turnier teilnehmen. Was einem die sonst so ferne Welt des Nationenturnies doch etwas näher bringt.

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Red Bull via England in die Champions League?

Red Bull want a team to take into the Champions League. It is the only market they have not reached yet. Ideally this would be in the London area, but both Everton and Liverpool interest them too because it would not take much to get them to that level.

Diese drei Sätze und ein Artikel drumherum waren mal wieder der Startpunkt für ein wenig Rauschen im deutschen Online-Medienwalde. Der in Sachen Seriösität nicht gerade auf oberstem Level gehandelte Mirror als Online-Ableger des Daily Mirror hatte das Zitat abgedruckt.

Ein sogenannter „Insider“, dessen Insiderfähigkeiten oder tiefere Rolle in der ganzen Geschichte völlig unklar ist (was meist ein Zeichen ist, dass die berichtende Zeitung mit dieser schwammigen Formulierung die möglicherweise geringe Glaubhaftigkeit des Zitierten verschleiern will), hatte den Boulevardjournalisten die Vorlage gegeben, dass Red Bull in Fußball-Europa nach Österreich und Deutschland auch England beglücken will und nun ein Team, möglichst aus London, aber vielleicht auch Everton oder Liverpool, auf jeden Fall aber aus der Premier League zu dem seinen machen will.

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Träume von der aufgehenden Fußballsonne

Kaum war er da, ist er auch schon wieder weg. Der indische Nationaltorwart Subrata Pal, der nicht da bleiben wollte, wo der Pfeffer (aber eben nicht fußballerisch) wächst, also in Indien, sondern bei RB Leipzig eine Art zweiwöchiges Probetraining absolvierte. Wobei das etwas irreführend ist, denn niemand in Leipzig hatte je vor, ihn aktuell zu verpflichten. Wäre auch aus zwei Gründen gar nicht gegangen. Einerseits, weil Subrata Pal in Indien ganz frisch einen Vertrag unterschrieben hat und von seinem Verein für seinen Ausflug nach Leipzig nur vorübergehend freigestellt wurde und zweitens weil er als Inder in der deutschen Viertklassigkeit gar nicht spielberechtigt gewesen wäre.

Warum das dann also? Subrata Pal wurde vor kurzem von Red Bull Indien für ein Jahr unter Vertrag genommen. Ihm einen Trainingsaufenthalt in Leipzig zu organisieren, verbuchte man als Unterstützung der sportlichen Ambitionen des 25jährigen. Er solle neue Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln. Sicherlich wird dies ein Motiv der Reise gewesen sein, das für Subrata Pal wohl auch das relevanteste war:

It’s fair to say that German football development plans are about the best in the world at the moment. It’s always been a dream for me to train in a system that pushes things to the next level. I’m confident that RB Leipzig is the place where I can really push myself and can develop myself into a better and stronger player. (Quelle [broken Link])

Der Rest des Ausflugs dürfte sich relativ eindeutig unter der Rubrik Marketing abbuchen lassen. Einerseits für Red Bull selbst, also den indischen Dosenteil, weil man mit Subrata Pal einen Sportler unterstützt, der in Indien für die dortigen Fußballverhältnisse eine ziemlich große Nummer, eine Art Held ist. Andererseits für RB Leipzig, die sich durch den Trainingsausflug Subrata Pals bei den indischen Fußballinteressierten einen ersten Namen gemacht haben.

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Teilinteressierte Randbemerkungen

Das nenne ich mal gelebtes Fußball-Expertentum. Meinen EM-Tipp von vor der EM meine ich. Der da lautete: Niederlande gegen Frankreich im Finale mit einem 3:1 nach Verlängerung. Hehe. Was aber auch sowas von weit weg von der Realität war.. Wie auch immer, seit gestern ist dass Turnier Geschichte und da die entscheidenden Stunden in Sachen (Nicht-)Trainer-Wechsel bei RB Leipzig wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen, bleibt noch ein bisschen Zeit, um ein paar lose Gedanken anzubringen.

Ich war bereits vor dem Turnier der Meinung, dass mich das ganze Ereignis nicht in dem Umfang interessieren würde, wie dies frühere Turniere taten. Mit dieser Voraussage lag ich zumindest weitestgehend richtig. Ich würde sagen, dass ich letzlich ein Viertel bis ein Drittel des live möglichen mitgenommen und den Rest ohne größere Schmerzen ausgelassen habe. Letztlich glaube ich immer noch, dass man als Anhänger einer Vereinsmannschaft eine Sommerpause auch gut brauchen kann. Nationalmannschaftsturniere führen nur dazu, dass es plötzlich gar keine fußballlose Woche mehr gibt. Und da diese Woche (Mittwoch und Samstag) (glücklicherweise) schon wieder die Testspiele bei RB Leipzig losgehen, fehlte so ein bisschen der Moment des Luft holens. Trotz des eher geringen Interesses meinerseits an der EM.

Das Interesse konnte auch die hiesige Nationalmannschaft nicht anregen. Seit 2006 befindet sich das Team von Turnier zu Turnier auf einer abfallenden Sympathie-Kurve. Was vor allem daran liegt, dass mich die Stromlinienförmigkeit des Kaders überhaupt nicht reizt. Das mag sportlich alles sinnig sein und letztlich gibt es auch keine besseren anderen Spieler (auch, weil man in der Jugendarbeit auf die charakterliche Zurichtung und Einpassung achtet), aber diese ganzen hochklassigen, technisch geschulten Spieler mit ihrer popkulturellen Beliebigkeit wirken manchmal, als wären sie Klone eines DFB-Labors. Was vermutlich ein Stückweit Absicht ist.

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Die Ruhe während des Sturms

Irgendwas mit Fußball heute. Meistverbreitetes Wort aktuell offenbar „Fieber“. Hoffentlich folgt dem Fieber nicht der Fieberwahn. Ich für meinen Teil fühle mich jedenfalls weitestgehend entspannt und vermute, dass ich im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten auch den Mut und die Kraft finden werden, einiges von der Europameisterschaft an mir vorbei laufen zu lassen. Wobei ich glaube, dass ein Großteil meiner Gelassenheit daraus resultiert, dass ich inzwischen wieder vergleichsweise intensiv mit einer Clubmannschaft mitfiebere.

Früher hatten kontinentale oder globale Turniere immer noch ein wenig den Reiz des Besonderen, weil Fußball im Rest des Jahres als emotionales Erlebnis keine wirkliche Rolle spielte und es demzufolge viel Spaß versprach, irgendeinem Team die Daumen zu drücken oder alternativ einem Team möglichst viel Misserfolg zu wünschen. In diesem Jahr fehlt mir diese Motivation, da meine Präferenzen im Alltag des regionalen Viertliga-Fußballs klar verteilt sind. Und Fußball ganz ohne Präferenzen für eines der beteiligten Teams funktioniert nicht wirklich gut.

Sicherlich wird es im Laufe der Europameisterschaft Geschichten geben, die dieser emotionalen Nichtbeteiligung entgegenwirken. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass das permanente Ronaldo-Gedisse schon morgen Abend dazu führt, dass ich mich ein wenig auf die Seite Portugals schlage, die ich bereits unter Luis Figo ziemlich gern mochte. Vielleicht schlägt mein Herz nach ein paar Tagen auch wie fast schon traditionell für Tschechien. Vielleicht schafft es Dänemark, irgendetwas in mir auszulösen. Oder die Iren, bei deren Nennung ich immer aufhorche, weil ich sie einfach nicht mehr bei großen Turnieren vermute. Vielleicht sind es aber auch die Löwschen Jünger, die mir meine irgendwo verlustig gegangene Lust auf das Team, mit irgendeiner nach außen wirkenden Tat wiederbringen.

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Die beste Mannschaft der Welt

Die Floskel von der besten Mannschaft der Welt war wohl eine der verbreitetesten im Zusammenhang mit dem Gastauftritt des FC Barcelona bei Bayer 04 Leverkusen. Vor und nach dem Spiel vernahm man nicht viel mehr als respektvolles Staunen über ein Team, das wie ein Haufen Außerirdischer dargestellt wurde, ein Haufen der unmöglich besiegbar sei. Offenbar dachte keiner im Traum daran, eine Kampfansage zu formulieren.

Fast schon folgerichtig, dass man nach dem Spiel nicht mal richtig traurig war über die Niederlage, geschweige denn sich ein bisschen fürs Rückspiel aufgeplustert hätte. Nein, nach einer mutlosen ersten Hälfte habe man eigentlich ordentlich gespielt und sogar Chancen gegen Barcelona generieren können. Nicht zu vergessen, dass man gleich zwei Messi-Trikots abstauben konnte.

Es ist schon ziemlich erstaunlich – und vermutlich ziemlich weit verbreitet – dass kaum noch jemand den Mut aufbringt, mit dem Willen in ein Spiel gegen Barcelona zu gehen, dieses auch gewinnen zu wollen. Spiele gegen Barcelona sind offenbar immer weniger sportliche Wettkämpfe, sondern eher Möglichkeiten, seinen Stars mal 90 Minuten lang ganz nahe sein zu dürfen. Fast schon so, als spielte ein Sechstligist gegen einen Bundesligisten. Hier aber spielte der letztjährige Zweite der Bundesliga gegen den Ersten der spanischen Liga. Ja, ich weiß, die Saison von Bayer ist mies, aber eine 1:3-Heimpleite im Achtelfinale der Champions League gegen Barcelona hinzunehmen, als wäre es ein Freunschaftsspiel, lässt mich leicht ratlos zurück.

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Mourinho und Red Bull Leipzig: Was läuft da wirklich?

9 Jahre und 150 Spiele dauerte es bis Jose Mourinho wieder eine Heimniederlage miterleben musste. Ausgerechnet als Trainer der Königlichen aus Madrid! Folge: 8 Punkte Rückstand in der spanischen Meisterschaft auf Erzfeind Barcelona. Geholt wurde er von Real aber für Titel. Deshalb steht er in der spanischen Hauptstadt nach einem reichlichen halben Jahr bereits vor dem Aus.

Doch er wird weich fallen. Nach Informationen von rotebrauseblogger.de hat Mourinho ein Angebot von Red Bull. Bullen-Chef Dietrich Mateschitz persönlich will den portugiesischen Startrainer verpflichten. Hintergrund ist das bisher enttäuschende Abschneiden von RB Leipzig. Der Leipziger Verein sollte das Flaggschiff des Fußballs bei Red Bull werden, wird aber in diesem Jahr voraussichtlich in der deutschen 4.Liga am Aufstieg scheitern. Eine nicht eingeplante Ehrenrunde!

In den vergangenen Monaten waren bereits Ralf Rangnick und Felix Magath bei den Leipzigern im Gespräch. Beide nahmen aber kurzfristig von der anspruchsvollen Aufgabe Abstand. Damit ist der Weg frei für Jose Mourinho, der nach rotebrauseblogger-Informationen in Leipzig umgerechnet 27 Trillionen Euro verdienen soll und freie Hand bei der Kadergestaltung hat. Alle Macht für Jose Mourinho! Läuft damit die Zeit von Fußball-Oberbulle Dietmar Beiersdorfer ab?

Tomas Oral, aktueller und erfolgloser Coach bei RB Leipzig gibt sich derweil (noch?) gelassen: „Es wird immer viel geredet in der Öffentlichkeit. Aber das interessiert mich alles nicht. Für uns geht es darum, konsequent weiter zu arbeiten und den nächsten Schritt zu machen. Es ist aber natürlich eine Ehre für mich, dass mein Name in einem Atemzug mit dem von Jose Mourinho genannt wird.“

Thomas Linke, Sportdirektor bei RB Leipzig versucht noch zu dementieren: „Jose Mourinho ist bei uns überhaupt kein Thema. Punkt.“ Doch klar ist auch: Dementis sind im Fußball nichts wert. Für Jose Mourinho ist bei den Roten Bullen immer Platz. Die nächsten Tage und Wochen dürften spannend werden.

(fiktive Quelle: BILDMDRLVZOE24.DE)

[Achtung Satire]

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Fernando Torres will die Champions League

Es ist mein Traum, die Champions League zu gewinnen und ich bin sicher, dass ich das mit Chelsea kann. (Fernando Torres zu seinem Wechsel vom Liverpool FC zu Chelsea London, zeit.de)

Vielleicht hätte Fernando Torres vor seinem Wechsel mal bei Michael Ballack nachfragen sollen. Der hatte mit Chelsea auch ähnliche Pläne und ist kurz vor knapp vor allem an John Terry und ein bisschen auch an Manchester United gescheitert.

Und eins gilt natürlich noch genauso wie im letzten Sommer:

Ach lieber FC Chelsea: Sie gehören nun wirklich zu den ganz tragischen Figuren des Clubfußballs. Sie haben es geschafft, in den letzten 6 Jahren insgesamt 5 mal gegen den späteren Champions-League-Sieger den kürzeren zu ziehen. Wenn man so will, sind Sie damit das Team, welches über all die Jahre am nächsten am Pott dran war, ohne ihn je zu holen. (Champions League Finale 2010)

Sieht so aus, als hätte sich Fernando Torres den falschen Verein für seine sportlichen Ziele ausgewählt. Wir werden sehen.

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