Archiv der Kategorie: Fußballdeutschland

Bundesliga-Aufsteigerbilanzen

Mit dem SC Freiburg ist diese Saison ein alter Bekannter in die Bundesliga aufgestiegen, mit RB Leipzig dagegen ein kompletter Frischling. Leipzig ist der 55. Verein, der in die Bundesliga aufsteigt.

Seit Einführung der Dreipunktregel 1995 haben 28 verschiedene Vereine in 21 Spielzeiten als Aufsteiger in der Bundesliga gespielt. Dabei traten diverse Teams mehr als einmal als Aufsteiger auf. Insgesamt waren es in den 21 Spielzeiten 58 Aufsteiger, die sich darin versuchten, die Klasse zu halten. Was im Normalfall das erste Ziel eines Aufsteigers ist.

Gleich fünfmal Aufsteiger waren der 1.FC Köln und der VfL Bochum. Eintracht Frankfurt, der 1.FC Nürnberg und Arminia Bielefeld waren mit je vier Aufstiegen auch sehr häufig Neulinge. Nicht die allerkonstantesten Vereinskarrieren.

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Festes Band

Letztens bin ich in meinem Kopf irgendwie darüber gestolpert, dass ich es merkwürdig finde, dass in dieser Saison gleich beide Bundesligaaufsteiger keine wirklich relevanten Abgänge zu verzeichnen haben. Bis auf Immanuel Höhn (wechselte nach Darmstadt), der in Freiburg verzichtbar war und schon in der zweiten Liga seinen Stammplatz verloren hatte, blieben alle Spieler an Bord, die mit wesentlicher Spielzeit zum Aufstieg beitrugen.

In meiner Vorstellung gab es dagegen eine Fußballwelt, in der Aufsteiger immer damit leben müssen, dass die großen Clubs kommen und sich die besten Spieler der Aufsteiger holen, weil die sich mit ihren Leistungen in die Scoutingblöcke der Republik gespielt hatten. Wie das aber immer so ist mit Vorstellungen, sie müssen nicht wirklich stimmen. Weswegen ich mir zumindest für die letzten acht Spielzeiten seit Wiedereinführung der Relegation für die Aufsteiger angeschaut habe, welche der elf in der Liga meisteingesetzten Spieler auch im Jahr nach dem Aufstieg noch im Club waren.

Interessanterweise verloren zwölf von achtzehn Aufsteigern seit 2010 maximal einen ihrer Zweitligastammspieler. Gleich sieben Clubs verloren keinen ihrer Stammspieler. Im Schnitt sind es pro Aufsteiger 1,22 Stammspieler, die nach dem Aufstieg den Verein verlassen. Düsseldorf hatte einst das Maximum von fünf Spielern, die man ziehen ließ. Was eventuell auch mit den Wirren nach der Relegation gegen Hertha und dem sich lange ziehenden Sportgerichtsnachspiel zu tun gehabt haben mag.

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Erstligablognachbarn

Nicht nur das klassisch mediale Grundrauschen rund um RB Leipzig wird in der Bundesliga größer werden. Auch die Möglichkeiten, die Liga und die anderen Vereine auf alternativen Wegen zu verfolgen, werden wesentlich breiter und schwerer durchdringbar sein. Bisher konnte man im Blog- und Podcastbereich noch relativ einfach alles verfolgen, was es an guten Dingen in der jeweiligen Liga, in der man sich so rumtrieb (zum Beispiel in der zweiten Liga), so gab. In der Bundesliga wird man aus der Masse an Angeboten vor allem auch im Podcast-Bereich stärker auswählen müssen.

Auf Blogebene fällt auf, dass die Zahl der absoluten Leuchttürme zumindest im Bereich der von einer Person betriebenen Vereinsblogseiten von Jahr zu Jahr nicht größer wird, wenn man an die praktischen Abschiede von Breitnigge oder Catenaccio oder Stefan Krieger von Blog-G denkt. Es gibt aber dennoch weiterhin genügend Blogger, die das Internet mit unterschiedlichem Aufwand mit vereinsbezogenen Inhalten füllen, manchmal sind es auch Gruppen von Bloggern, die sich die Aufgabe teilen.

Man erwarte hier keine vollumfängliche Liste von Blogs. Wenn man in die Linksliste der jeweiligen Seiten guckt, findet man jeweils oft noch weitere Ideen, sich mit den jeweiligen Vereinen in Blogform zu beschäftigen. Im Laufe des Jahres gewinnt man da vielleicht noch mal einen besseren Überblick, was wo an relevanten Dingen und subjektiven Sichten zu finden ist.

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Zuwendung zu Leuchttürmen

Der Kicker hatte bereits im April (25.04.) im meist empfehlenswerten Mantelteil der Montagsausgabe auf der Basis von DFB-Daten ein paar interessante Zahlen zur Entwicklung der Mitgliederzahlen in Deutschland präsentiert. Demnach habe sich die Anzahl der Mitglieder in den 18 Bundesligaclubs innerhalb der letzten 15 Jahre auf knapp 1.200.000 Menschen ungefähr vervierfacht (die Zahl dürfte durch den Austausch von Stuttgart und Hannover gegen Freiburg und Leipzig für die kommende Saison wieder sinken, da die neuen Clubs um die 50.000 Mitlgieder weniger mitbringen als die alten).

Eine Vervierfachung der Mitgliederzahlen. Ausgerechnet in jener Phase der Entwicklung des Fußballs, in denen die Vereine aufgrund der Anforderungen im wirtschaftlichen Bereich zunehmend professionalisiert wurden und vielerorts die Fußballabteilungen aus dem Verein in Kapitalgesellschaften ausgegliedert wurden. Sprich, eigentliche Themen der Vereinsarbeit immer weiter in den Hintergrund rückten. Offenbar suchten Menschen weiter nach Identität und Zugehörigkeit und fanden in den Plastekarten ihrer Clubs gute Äquivalente, die im Fall der Fälle auch noch einen guten Zugang zu Tickets und Co mit sich bringen.

Interessant ist diese Entwicklung vor allem, wenn man sie vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Fußball insgesamt bis runter zur letzten Amateurliga betrachtet. Denn im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Mitglieder im DFB nur um knapp 650.000 Mitlieder gestiegen. Sprich, wenn man den Anstieg bei den Profis um 900.000 und auch noch den starken Anstieg im Frauenfußballbereich (plus rund 250.000 Mitglieder) abrechnet, bleibt für den Rest des Fußballs ein Minus von rund 500.000 Mitgliedern.

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Her mit der TV-Kohle

Gestern also die Präsentation des Spielplans der kommenden Bundesliga-Saison. Zu dem es eigentlich nicht viel mehr zu sagen gibt als das, was der erstklassige Drittligablogger von stellungsfehler.de bei Twitter formulierte:

https://mobile.twitter.com/FedorFreytag/status/748099398543020032

So ist es dann also gestern gekommen. Der Spielplanplaner brachte noch einen kleinen Witz unter und ließ für den ersten Spieltag RB Leipzig bei der TSG Hoffenheim antreten. Vermutlich, um sich anschließend an den Online-Witzeleien und seltsamen Großkreutz-Vergleichen zu erfreuen. Wobei die Begegnung zum Auftakt ganz hübsch ist. Sportlich und wegen der Rangnick-Kaiser-Compper-Ex-Hoffenheim-Geschichten.

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Das Chamäleon Kimmich und andere Traumwelten

„Beeindruckt“ zeigte sich RB-U19-Spieler Renat Dadashov vor ein paar Wochen in einem Spox-Interview vom Ronaldo-Film: „Man hat gesehen: Ronaldo macht immer mehr als die anderen. Er will immer besser werden, jeden Tag. Das zeichnet ihn aus wie keinen Zweiten. Deswegen ist er der Beste der Welt.“

„Bester Fußballer der Welt“ war auch das Ziel das Dadashov in einer Sky-Doku Ende letzten Jahres für seine eigene Karriere ausgab. Entsprechend drehten sich seine Aussagen im Spox-Interview auch oft um Dinge wie die eigene „Weiterentwicklung“, „bewusst geopferte Freizeit“, „Einstellungssachen“ und „Disziplin“.

Manchmal darf es durchaus beängstigen, wenn bereits 16jährige (bzw. inzwischen 17jährige) ihre Lebensträume wie hochprofessionelle Karrieremanager artikulieren. Vermutlich landet man anders aber auch nicht als herausstechenderes Talent in einem Nachwuchsleistungszentrum, in dem sich diverse Nationalspieler tummeln.

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Bei der Glückslossuche Dynamo Dresden getroffen

Dann also doch. In den letzten Jahren  hatten sich Dynamo Dresden und RB Leipzig alle Mühe gegeben, nicht im Ligabetrieb aufeinanderzutreffen. Man ging sich aus dem Weg und konzentrierte sich mit mal mehr, mal weniger Erfolg auf sich selbst. Bis die erste Runde im DFB-Pokal 2016/2017 ausgelost wurde und der Zufall das Duell der beiden besten sächsischen Clubs und Aufsteiger in die zweite bzw. erste Liga ausspuckte.

Ganz verrückt ist diese Geschichte natürlich nicht. Bei einer dreiprozentigen Wahrscheinlichkeit, dass Dresden sich Leipzig als Gegner zieht, ist jeder Lotto-Kleinstkleinstgewinn unwahrscheinlicher als dieses Losereignis. Gewünscht hatte sich (siehe ganz unten) die Partie sogar aus irgendwelchen Gründen mit deutlicher Mehrheit die BlogleserInnenschaft. Was im ziemlichen Gegensatz zu Verband, Polizei, Kommunalpolitik und den Teilen der beteiligten Vereine stehen dürfte, die für die Spieltagsabwicklung zuständig sind. So richtig gebraucht wurde die Partie wegen ihrer unabsehbaren Begleiterscheinungen eigentlich nicht.

Es ist natürlich nicht das erste Aufeinandertreffen zwischen Dynamo und RB. In der Oberliga-Saison 2009/2010 duellierte sich noch die zweite Dynamo-Mannschaft mit dem damals brandneuen Leipziger Club. Zwei RB-Siege wurden verzeichnet. Im heutigen DDV-Stadion (keine Ahnung, wie das damals noch hieß; schon den heutigen Namen verdankt dieser Artikel hier der Google-Suche) verloren sich im September 2009 knapp 2.000 Zuschauer, um die erste Begegnung beider Clubs zu verfolgen.

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Ralphimization

Transfertechnisch ist die bisherige Sommerpause jenseits der fast täglichen mal mehr mal weniger sinnigen Gerüchte ziemlich ruhig. Manche würden auch sagen zu ruhig. Aber immerhin gibt es ja einen neuen Trainer. Und das ist mit Ralph Hasenhüttl einer, dem man nachsagt, die Teams, die er bisher trainiert hat, besser zu machen, als sie dies vorher waren.

Was man auf den ersten Blick erkennen kann, ist die Tatsache, dass sowohl Aalen als auch Unterhaching, Hasenhüttls frühere Trainerstationen, in der Abschlusstabelle nie wieder so gut standen wie in Hasenhüttls letzter vollständiger Saison bei den Clubs. Sprich, für Aalen ging es nie mehr höher als Platz 9 in der zweiten Liga, vielmehr spielt man jetzt in der unteren Hälfte der dritten Liga. Und für Regionalligist Unterhaching ist Platz 4 in der dritten Liga wie eine Nachricht aus einer ganz fremden Welt. Zudem steht auch Ingolstadt aktuell so hoch wie noch nie und die Vermutung, dass es schwer wird, sich auf dem Niveau zu konsolidieren, liegt nahe.

Wirft man einen Blick auf die Ex-Stammspieler von Ralph Hasenhüttl (mal abgesehen von denen, die in Aalen oder Unterhaching blieben und dort ihre Karriere beendeten oder ganz vereinzelt immer noch dort sind), dann fällt auf, dass es nur wenige Spieler gibt, die nach ihrem Höhenflug unter Hasenhüttl daran auch im Anschluss anknüpfen und ihre Karriere weiter verbessern konnten.

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Tore über Tore

808 Tore sind in dieser Saison in der zweiten Bundesliga gefallen. Im Schnitt schossen die Teams demnach ungefähr 45 Tore. Freiburg und Nürnberg kamen mit 75 bzw. 68 deutlich oberhalb des Schnitts ein. Ganz unten fühlt sich Paderborn mit nur 28 Treffern selbst im Vergleich mit den anderen Teams, die gegen den Abstieg kämpften, einsam.

Besonders viele Torschützen hatte Kaiserslautern, denen aber ein aus der Masse herausragender Torjäger fehlte. Die Aufsteiger Freiburg und Leipzig liegen mit insgesamt 13 bzw. 14 Torschützen irgendwo im Ligaschnitt, während in Fürth und Bielefeld nur sehr wenig Spieler einen Torerfolg feiern durften.

Freiburg steht allerdings zusammen mit Nürnberg ganz oben, wenn es danach geht, wie viele Spieler mindestens dreimal getroffen haben. Jeweils acht Spieler sind es bei den Clubs gewesen. Leipzig dagegen bleibt auch hier mit sechs Spielern Ligamittelmaß. In Paderborn und Düsseldorf hatte man derweil sogar jeweils nur drei Spieler vorzuweisen, die mehr als zweimal über eigene Treffer jubeln durften. Aber gejubelt wurde ja in beiden Clubs sowieso eher wenig.

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RB Leipzig in der Bundesliga 2016/2017

Bundesliga. Wie ungewohnt das noch klingt. Aber jetzt darf man sich ja damit beschäftigen. Und was böte sich als Anlass für eine erste Annäherung an die kommende Saison besser an als die Tatsache, dass seit gestern die Zusammensetzung der Liga klar ist.

Dass RB Leipzig der 55. Neuling der Bundesliga sein würde, war klar. Auch dass Freiburg, der Inbegriff eines deutschen Top20-Teams (ok, Top23), wieder dabei sein würde. Seit nunmehr 25 Jahren war Freiburg immer Bundesligist oder nie schlechter als Fünfter in der 2. Liga.

Vervollständigt wurde das Bundesliga-Feld gestern durch Eintracht Frankfurt, die in der Relegation vergleichsweise dominant den 1.FC Nürnberg besiegten und die Klasse hielten. Und damit den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zu einem freudetrunkenen Grüßmarathon vor laufenden Kameras zwangen. Eltern, Freunde, Gartenzwerge, Krümelmonster und all die anderen, die gegrüßt wurden, werden sich sehr gefreut haben.

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Bayernjäger, Bayernjäger. Hey, hey. (Oder so.)

Nach Aufstiegen von RB Leipzig wiederholt sich das Spielchen regelmäßig, dass der bundesweite Journalismus seine ‚Was mit der … (hier die jeweilige Liga einsetzen) oder dem deutschen Fußball nun passiert‘-Texte aus der Schublade holt.

In der Vergangenheit war der Unterton eher düster und es drohte der Untergang der Fußballkultur und der alteingesessenen Clubs. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat sich, abgesehen von den üblichen Verdächtigen von Christoph Ruf bis 11 Freunde, vor allem bei der bundesweit publizierenden Presse der Wind ziemlich gedreht.

Exemplarisch dafür die Welt, die vor drei Jahren, vor dem Aufstieg Leipzigs in die dritte Liga in einer kritischen Auseinandersetzung mit den RB-Vereinsstrukturen noch im düsteren Ton davon sprach, dass „der deutsche Fußball auch Rasenballsport Leipzig verkraften müssen wird“. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga titelte nun das selbe Blatt und derselbe Journalist vergleichsweise euphorisch, dass „RB Leipzig eine große Chance für die Bundesliga ist“.

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Vom Libero zur Doppelsechs

„Oh man, jetzt schieß doch mal!“ Wer erwischt sich nicht selbst und vor allem natürlich seine Nebenleute mal bei einem Fußballspiel bei diesem Ausruf (vielleicht ist es ja auch nur ein RB-Phänomen, wo Schüsse von jenseits der Strafraumgrenze seit der Zorniger-Zeit auf dem Index zu stehen scheinen). Es ist dies Teil dessen, dass beim emotionalen Erleben eines Fußballspiels als Fan einer der beteiligten Mannschaften vor allem Individualaktionen wie Zweikämpfe, Dribblings oder eben Torschüsse im Mittelpunkt des Erlebens und Beurteilens stehen.

Es gibt aber jenseits dessen (und neben vielem anderen) auch die Ebene der Taktik, die sich wesentlich weniger intuitiv erschließt und erleben lässt und das Fußballspiel mit einer Komplexität auflädt, die schwer vermittelbar ist. Bzw. Fußballlehrer auf einer Ebene von Komplexität und Nerdigkeit arbeiten, die mit der Bewertung der Geschehnisse durch die Anhänger vom Ergebnis her nur schwerlich in Übereinstimmung zu bringen ist.

Seit ein paar Jahren finden sich allerdings immer mehr dem Fußball anhängende Menschen zusammen, die den theoretischen Unterbau des Spiels verstehen und ihn erklären bzw. erklärt haben wollen (vielleicht weil sie statt „Schieß doch!“ auch mal „Klapp doch ab!“ rufen wollten). In Deutschland nimmt da spielverlagerung.de sicherlich eine herausragende Stellung ein. Sowohl hinsichtlich der Reichweite als auch hinsichtlich der Erklärungstiefe.

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Beschädigte Werte

Das saß gestern. Die Meldung, dass Red Bull den hauseigenen TV-Sender Servus TV einstellen werde. Nicht nur weil er defizitär arbeitet und sich daran angesichts der Entwicklung des Fernsehmarkts nichts ändern wird. Sondern auch weil die Idee der Gründung eines Betriebsrats im Raum stand und dies auf Missfallen bei der Konzernleitung stieß.

Die Salzburger Nachrichten zitiert entsprechend Firmenchef Dietrich Mateschitz wie folgt: „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens – anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer – nachhaltig beschädigt.“

In der Mitteilung drückt sich etwas aus, was man über Red Bull eigentlich auch schon vorher wusste und was auch schon früher bei manchem Vorhaben und Verhandlungen mit öffentlichen Organen eine Rolle spielte. Dass es ein enormes Misstrauen gegen Institutionen und Rechtevertretungen aller Art gibt. Weil diese in ihrer Art des Arbeitens als störend, hinderlich und beschränkend empfunden werden.

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Unwahrscheinlich, aber nicht völlig unmöglich

Vier Spieltage vor dem Ende glühen die Tabellenrechner sicherlich allseits. Zumindest bei den Anhängern jener Zweitligateams, bei denen es noch um etwas geht. So wie bei RB Leipzig, wo man nach Herzenslust hin- und herschieben kann, wie denn wohl vor allem Nürnberg und RB durch das Restprogramm kommen und ob denn sechs Punkte Vorsprung zum direkten Bundesligaaufstieg reichen oder nicht.

Gäbe es noch die bis 2008 gültige Regelung, dass drei Teams direkt aufsteigen, dann wäre das Aufstiegsthema schon durch, da RB Leipzig 13 Punkte Vorsprung auf Platz 4 hat. Dadurch, dass nur zwei Teams direkt aufsteigen, darf man noch ein bisschen rechnen und zittern.

Zumindest aus Fansicht, denn aus statistischer Sicht bleibt es dabei, dass das Aufstiegsthema faktisch schon durch ist. Seit Einführung der Dreipunktregel im Jahr 1995 hat nämlich noch kein Team, das vier Runden vor Schluss mindestens sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz hatte, diesen Vorsprung noch verspielt.

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Montäglicher Reisemeister

Zweimal wird in dieser Saison noch eines dieser Montagspiele ausgetragen. Spiele, die die einen furchtbar schlimm finden, weil es ihnen dann nicht möglich ist, mit ihrem Team zu reisen und die die anderen gar nicht so schlimm finden, weil sie eh nur vom Fernseher aus zuschauen oder sich darüber freuen, dass ihr Verein mal eine mediale Sonderbehandlung bekommt, die man sonst als Zweitligist im frei empfangbaren Fernsehen nie bekommt.

Man kann über die Montagsspiele sicherlich mit verschiedenen Argumenten streiten. Wobei der Streit auch etwas albern ist, wenn man bedenkt, dass inzwischen quasi an jedem Wochentag von irgendjemandem ein Fußballspiel bestritten (und vor allem via TV geschaut) wird. Das nun ausgerechnet an Montagsspielen festzumachen, wird dann schon reichlich schwierig. Wobei natürlich Zweitligisten im Normalfall eher seltener Wochentermine abbekommen.

Lässt man mal die Montagsspiele, die in englischen Wochen an Donnerstagen stattfanden, außer acht (weil diese Spiele nicht so besonders sind, weil auch die anderen Spiele des jeweiligen Spieltags in der englischen Woche unter der Woche stattfinden und somit für Gästefans eher schwer erreichbar sind), dann wird die zweite Liga diese Saison am Ende 27 Montagsspiele bestritten haben.

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„Team Marktwert“

Das Thema TV-Gelder wurde schon in den letzten Monaten immer wieder mal diskutiert und wird in den kommenden Monaten immer wieder diskutiert werden. Der bevorstehende Abschluss eines neuen TV-Vertrags macht es möglich, dass sich verschiedenste Seiten hinsichtlich der Verteilung der Summen ins Zeug legen werden mit Vorschlägen.

Nach St. Paulis Vorschlag aus dem letzten Jahr, einfach Vereine, die nicht die 50+1-Regel erfüllen, künftig vom TV-Geld auszuschließen (ein Vorschlag mit merkwürdigem Timing, unabsehbaren Implikationen und falschen Freunden) sind nun Teile der Erstligisten am Drücker der Geldverteilungspistole.

Als „Team Marktwert“ konstituierte sich ein Bündnis aus Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, 1.FC Köln, HSV und VfB Stuttgart, wie man gestern lesen durfte. Die beste Selbstbezeichnung mindestens seit Erfindung von „Die Mannschaft“. Großartig, wenn Akteure die Witze, die über sie gemacht werden könnten, gleich selbst vorwegnehmen.

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Aufstieg ohne Grenzen

Wieder mal eine Buchrezension hier im Blog. Nicht dass diese Online-Präsenz noch Teil der Hochkultur wird. Ach nee, keine Angst, es geht zwar um ein Buch, aber weiterhin um Fußball. Und während vor einem halben Jahr die Sicht auf RB Leipzig aus Fansicht dran war, ist es diesmal der journalistische Blick auf sieben Jahre RasenBallsport, der pünktlich zur Buchmesse seinen Weg in die Regale gefunden hat.

„RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen“ heißt das Büchlein, das 176 Seiten umfasst und den Anspruch hat, „die überregionale Diskussion über und Bewertung von RB Leipzig durch zahlreiche, zum Teil neue Fakten, Details, Hintergründe, Zusammenhänge und Bewertungen auf ein neues Niveau zu heben“ und den RB-Anhängern „jede Menge neue Impulse“ zu liefern.

Geschrieben wurde die zweite Auseinandersetzung mit RB Leipzig in Buchform von Ullrich Kroemer, seines Zeichens freier Journalist, der sich seit 2012 intensiv mit dem Verein beschäftigt und in vielerlei bundesweiten Publikationen darüber berichtet hat. Seit der ersten Hälfte des Jahres 2015 findet man die journalistische Arbeit zu RB Leipzig auch in der tagesaktuellen Berichterstattung in der Mitteldeutschen Zeitung.

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17jährige Debütanten

Idrissa Touré war am vergangenen Wochenende der zweite Spieler, der in dieser Spielzeit als 17jähriger in der zweiten Liga debütierte. Damit folgte er dem Karlsruher Marvin Mehlem, dem dies schon in der Hinrunde gelang.

2001 wurden die Bundesligisten dazu verpflichtet, Nachwuchsleistungszentren einzurichten, um im Bereich der Talentförderung den Rückstand im internationalen Vergleich aufzuholen. Ein Jahr später galten die Bestimmungen in ähnlicher Form auch für die zweite Liga.

Seit 2001 debütierten in der zweiten Liga insgesamt 32 Spieler, die noch nicht 18 waren. Passend zu den neuen Bestimmungen der Nachwuchsförderung, die erst mit Verzögerung Ergebnisse abwarfen, war es zwischen 2001 und 2005 insgesamt noch gerade mal ein Spieler, während seitdem in zehn Spielzeiten im Schnitt drei 17jährige ihr Debüt feierten.

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24.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Die Rangnick-Effenberg-Kontroverse schlug in den letzten Tagen ihre typischen, öffentlichkeitswirksamen Wellen. Dazu muss man im Detail gar nicht mehr viel sagen. Es ist sicherlich etwas ungünstig, nach einem glücklich gewonnenen Spiel den Spielstil des Gegners kritisch zu würdigen (mit Betonung auf kritisch), aber faktisch steckte in Rangnicks Äußerungen auch nichts extremes, sondern eher eine Beschreibung dessen, was er auf dem Spielfeld wahrgenommen hatte.

Erwartbar trotzdem, dass man daraus ein paar Schlagzeilen bastelt und dann noch mal das übliche Spielchen von ‚der hat das dazu gesagt, der findet den arrogant, der ist ganz empört‘ spielt, um die Story so lange auszupressen und mit O-Tönen aufzuheizen, bis sie dann wirklich nicht mehr interessiert oder beim nächsten Streit als Referenz (’schon vor zwei Jahren waren Rangnick und Effenberg aneinandergeraten, als…) genutzt wird. So eine Story auszupressen macht aus Mediensicht natürlich Sinn. Zumal wenn mit Rangnick und Effenberg zwei Schwergewichte mit öffentlicher Relevanz und Klickträchtigkeit im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen.

Inhaltlich war eigentlich mit den Einlassungen von Rangnick (Paderborn mit Spielsystem wie vor 30 Jahren, „Anti-Fußball“, „Manndeckung“) und dem entgegnenden Effenberg-Verweis auf zentrale Spieldaten (mehr Chancen gebhabt, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr gelaufen) fast alles gesagt. Tobias Escher schafft es bei spielverlagerung.de trotzdem noch was schlaues zum Thema beizutragen und Rangnicks Äußerungen einzuordnen und darauf zu verweisen, dass Manndeckung nicht 30 Jahre lang her ist und Mannorientierungen in mancherlei Hinsicht auch abseits von Spielen des SC Paderborn gegen RB Leipzig eine nicht unwesentliche Rolle im modernen Fußball spielen.

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22.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

„Bundesliga“, „ganz großes Kino“, „etwas Besseres habe ich hier in den letzten zwei Jahren nicht gesehen“. Fast schon elogenhaft ging es nach dem 1:0 von St. Pauli gegen RB Leipzig am letzten Wochenende aus den Mündern von Lienen und Meggle zu. Und wenn man dem im neuen Job zu Hause angekommenen Lienen vor der Partie beim Runterrattern des RB-Kaders zuhörte, dann konnte man glauben, dass er sich selbst gegen die Leipziger U19-Spieler noch als krasser Außenseiter gesehen hätte.

Macht aus Sicht eines Coaches durchaus Sinn, wenn man den Gegner als herausragend stilisiert und die eigene Mannschaft dadurch in die drucklose Underdog-Position schiebt. Dirk Schuster hat es ja letzte (und vorletzte) Saison ähnlich gehalten und bis runter zu Aalen praktisch jeden Gegner zu einem fast schon übermächtigen gemacht, gegen den nur einen Punkt zu holen, schon ein Erfolg wäre im Kampf gegen den Abstieg, in dem man sich ungefähr bis kurz vor dem 34.Spieltag befand. Jeder Sieg muss dann entsprechend eine überragende Leistung gewesen sein.

Ist halt alles irgendwie auch eine Frage von Psychologie und es lebt sich leichter, wenn man jeden Sieg nicht nur als Selbstverständlichkeit abhaken, sondern als besonderes Ereignis ausschlachten und fürs eigene Selbstvertrauen nutzen kann. Erstaunlich bleibt es trotzdem, welche Potenz man gerade RB Leipzig (um zum RasenBallsport zurückzukommen) immer wieder zuschreibt. Erinnert ein bisschen an antisemitische Projektionen, bei denen den Juden ein übermenschliches Maß an Leistungskraft und Einfluss auf den Lauf der Dinge der Welt zugeschrieben wurde und wird (siehe dazu die Anmerkung in den Kommentaren).

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