Der Fußball als Skandal und als Geschichte

Im Zuge des Bruma-Transfers nach Leipzig letzten Sommer waren für das Verständnis auch ein paar Spiegel-Artikel sehr hilfreich. Da ging es nicht so sehr um die sportliche Expertise zur neuen RB-Offensivhoffnung, sondern eher um seine Betreuung durch seinen Onkel Catio Balde, der hierzulande als Brumas Spielerberater gilt, dies aber offenbar gar nicht wirklich ist. Jedenfalls führt ihn auch Marco Kirdemir als seinen Spieler und Ralf Rangnick betonte rund um die Bruma-Verpflichtung, dass man mit dem Berater, der in der Öffentlichkeit genannt wird, gar nicht verhandle.

Den Spiegel-Beiträgen nach ist Catio Balde eine eher schwer zu durchschauende Persönlichkeit und hat ja auch im avisierten Deal mit Umaro Embalo wieder seine Finger im Spiel bzw. tritt diesbezüglich als Embalos Vertreter bzw. als Fürsprecher eines Wechsels nach Leipzig auf. Sein Job besteht unter anderem darin, Spieler aus Guinea-Bissau nach Portugal zu bringen. So war es mit 12 bei Bruma und so war es mit 14 bei Umaro Embalo. Geld verdient Balde dann vor allem daran, dass diese Jungs in Portugal Profiverträge unterschreiben.

Bei Bruma verdiente Balde dann auch daran, dass er zehn Prozent der Transferrechte hielt und entsprechend an möglichen Transfers gut verdienen konnte. 2013 verkaufte er dann aber Transferrechte und Bildrechte an Pini Zahavi, einen anderen Spielerberater, für eine mittlere fünfstellige Summe. Ein Deal, der später bezüglich Brumas Bildrechten Teil eines Rechtsstreits wurde. Durchaus möglich, dass Balde auch bei Embalo ein paar Rechte hält, die einen Wechsel von Benfica zu RBL auch für ihn schon jetzt lukrativ machen, auch wenn hierzulande Beratergebühren bei Wechseln von Minderjährigen inzwischen verboten sind.

Football Leaks

Von solchen Geschichten, die ganz gut die Hintergründe des Fußballgeschäfts mit seinen unterschiedlichen Interessen, Klauseln und Parteien aufdröselt, weiß man durch die Football Leaks, ursprünglich eine Enthüllungsplattform, die Dokumente aus dem Fußball veröffentlicht. Und zwar Dokumente aller Art von Spielerverträgen bis hin zu E-Mails oder WhatsApps und Absprachen zwischen Vereinen oder innerhalb von Spieleragenturen. Woher die Enthüllungsplattform die Dokumente hat, ist bis heute nicht geklärt.

Aufgrund der absurden Menge an Daten nahm man irgendwann den Spiegel und der wiederum ein europäisches Recherchenetzwerk mit ins Boot, die versuchten die Daten aufzuarbeiten. Im Dezember 2016 ging dieses Netzwerk in verschiedensten Ländern Europas mit ihren Erkenntnissen erstmals an die Öffentlichkeit.

Teil der Veröffentlichungen ist jenseits des Spiegels in Deutschland auch ein Buch namens „Football Leaks: Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“, das einerseits schildert, wie man an die Dokumente gekommen ist und andererseits einen kleinen Einblick in die Abläufe hinter der Fassade des Fußballs gibt.

Grundsätzlich gilt, dass es sehr wertvoll ist, durch die geleakten Dokumente von Geschichten wie den eingangs beschriebenen zu erfahren. Weil es ein Geschäft transparenter macht, das sich im Normalfall sehr gegen Transparenz sträubt und lieber interessensgeleitete, positivistische Kommunikationsstückchen durch die Medienwelt wabern sehen würde. Und ja meist auch wabern sieht.

Die Leaks haben auch den Effekt, dass sich Steuerbehörden stärker für manche Konstruktionen interessiert, mit denen Spieler ihr Geld in irgendwelche Steuerparadiese und irgendwelche Briefkastenfirmen verlagern, um auf legalerem oder weniger legalem Weg ein paar Euro Steuern zu sparen. Ermittlungen gegen Ronaldo oder Jose Mourinho waren beispielsweise die Folge.

Daneben bekommt man auch einen Eindruck vom Agieren mancher Spielerberateragenturen wie Doyen Sports. Ein Agieren, in dem permanent unterschiedliche Interessen von Vereinen und Beratern verhandelt werden. Beziehungsweise Vereine in wirtschaftlichen Problemen in enger Abhängigkeit von Beraterfirmen stehen bzw. ihnen teilweise praktisch gar eine Dividende beim Weiterverkauf von Spielern garantieren müssen, wenn sie die Spieler holen wollen. So werden in dem Buch Beispiele genannt, bei denen ein Verein die Beraterfirma des Spielers quasi entschädigen muss, falls er ein eingehendes Transferangebot mit einer bestimmten Ablösesumme ablehnt. Mit der sportlichen Selbstbestimmung von Vereinen sieht es bei solchen Abhängigkeiten dann schon wieder nicht so richtig gut aus.

Generell gilt, dass man aus solchen Geschichten und Papieren eigentlich viel lernen kann. Beispielsweise über die inzwischen verbotene Third Party Ownership (TPO) (Firmen oder Personen halten Anteile an Spielern und deren Transferrechten) und was diese für Vereine für Nachteile in Sachen Abhängigkeit von anderen Parteien, aber auch für Vorteile für wirtschaftlich schwächere Vereine haben, damit diese sich überhaupt sportlich wertvolle Spieler leisten und damit im Wettbewerb mithalten können.

Das „Football Leaks“-Buch hat entsprechend viele Passagen, aus denen man viel mitnehmen und lernen kann, weil es die schöne Kommunikationsfassade, laut der es im Fußball immer nur Talente und Träume und Vereine, die sich dann schon irgendwie einigen, also am Ende viel Sonnenschein und Gewinner gibt, hinter sich lässt. Und wenn Behörden auf der Basis von solchen Dokumenten Steuerbetrug und ähnliches aufdecken können, ist das natürlich auch ein sinnvoller Nebeneffekt.

Das alles klingt erstmal extrem vielversprechend und doch machte das Buch am Ende nicht das Vergnügen (im Sinne eines Erkenntnisgewinns), das es in hohem Maße versprach. Weil es sich zu sehr darin verlor, die Geschichte eines Scoops zu erzählen und weil es ihm wichtiger war zu moralisieren als zu erklären. Das wurde besonders dann nervig, wenn dem Leser immer mal mitgeteilt wurde, dass man sich doch nun an dieser Stelle besonders zu empören habe. Eine seltsame Taktik, die ein bisschen so wirkte, als würde man den Leser für zu doof halten, sich anhand der präsentierten Erkenntnisse selber eine Meinung zu bilden.

Entsprechend ist das Buch kein nüchternes Erklären von Vorgängen und Praktiken mit einer Darstellung ihrer Logik (wie eben bei der TPO, die jenseits ihrer Abhängigkeiten und Probleme auch Gründe hatte, warum sie von Beratern UND Vereinen genutzt und gern genutzt wurden), an dem man sich entlanghangeln und Erkenntnisse sammeln kann. Vielmehr bekommt man früh den Eindruck, dass im Mittelpunkt das Skandalisieren steht.

Dieser Eindruck verschärft sich noch durch das sinnfreie Aneinanderreihen von Vertragsklauseln von mal mehr, mal minder bekannten Spielern mit exorbitanten Gehältern, das irgendwann überhaupt keinen Erkenntnisgewinn mehr brachte, weil ‚Ibrahimovic verdient viel Geld und hat natürlich die Möglichkeit, sich gute erfolgsabhängige Klauseln in den Vertrag schreiben zu lassen‘ tatsächlich jenseits der Sensationslust nichts befriedigt.

Beim Lesen des Buchs blieb das selbe schale Gefühl zurück, wie einst nach dem Duell zwischen Spiegel- und Buch-Autor Rafael Buschmann und Ralf Rangnick in einer Sky-Sendung, als Rangnick sein Gegenüber quasi als Schulbub abkanzelte und Buschmann mit falschen Fakten glänzte (wie einem angeblichen Angebot von Rangnick für Ralph Gunesch). Das schale Gefühl lag damals nicht nur an einer schlechten Moderation, die den Kern dessen, was man aus Football Leaks auch anhand von RB Leipzig hätte thematisieren können, nicht erwischen wollte, sondern auch daran, dass der Spiegel passenderweise einen Tag vorher einen Artikel zu RB mit einigen Gehalts- und anderen Zahlungen veröffentlicht hatte. Am Ende der Debatte blieb das Gefühl, dass es da zwischen TV und Spiegel vor allem um Crosspromotion und weniger um Erkenntnisgewinn ging. Und was würde sich dafür besser eignen, als dem Publikum ein ‚Guckt mal, wie viel die verdienen‘ vor die empörungsbereiten Füße zu werfen.

Generell bleibt nach dem Lesen des „Football Leaks“-Buch der Eindruck der Getriebenheit bei der Veröffentlichung der Daten. Mal jenseits der kriminalistischen Story, wo sich Buschmann unter welchen Voraussetzungen in welchem europäischen Cafe oder Hotel mit seinem Informanten getroffen hat, geht es viel zu oft darum, dass diese schöne Superstory, die sich der Spiegel da geholt hat, noch von jemanden dadurch torpediert werden könnte, dass er sie früher veröffentlicht. Diese Angst, jemand könnte die Story vor dem Spiegel haben und diese Genervtheit, als Football Leaks auf der eigenen Website selbst wieder anfing, Daten zu veröffentlichen, weil das doch potenziell auch Daten hätte betreffen können, die der Spiegel bringen wollte, weist auch Buschmann und Co als Getriebene des Geschäfts aus. Halt nicht des Fußballgeschäfts, aber ihres Geschäfts mit Exklusivmeldungen und News.

Letztlich wäre es am hübschesten, wenn man eine gut aufbereitete Plattform hätte, die die „Football Leaks“-Daten aufbereitet und in der man vernünftig suchen kann. Das würde vermutlich mehr Erkenntnisgewinn mit sich bringen, als aufgedrückt zu bekommen, wie viel Geld ein Dayot Upamecano verdient (selbst wenn ich persönlich in Bezug auf Gehälter durchaus Anhänger von Transparenz bin, allerdings auch weiß, dass es diesbezüglich in Europa keine Traditionsebene gibt, die frei von Moralisieren und Projektionen wäre).

Allerdings bleibt auch zu bedenken, dass die Leistung des Spiegels in seinem Heft und via Buschmann und Wulzinger im Buch bezüglich des Findens von Sinnzusammenhängen in den Papieren und bezüglich des Nachvollziehens von Geldströmen Richtung Steuerparadiesen eine nicht eben geringe Rechercheleistung ist, die man auch als solche hoch einschätzen sollte und die einen deutlichen Mehrwert gegenüber einer unkommentierten Plattform mit geleakten Papieren hat.

Mroskos Talente

Dass der Blick hinter die Kulissen des Geschäfts Profifußball auch anders gehen kann als in „Football Leaks“, zeigt derweil Ronald Rengs „Mroskos Talente – Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“.  Kurzum ein großartiges Buch, dessen fundamental anderer Ansatz im Vergleich zum „Football Leaks“-Buch schon sehr früh beschrieben wird. „Dieses Buch will alles andere als eine Skandalschrift sein“, heißt es sehr weit vorn. Und eben weil dieser Anspruch eingelöst wird, erfährt man aus diesem Buch wesentlich mehr über die Fußballwelt als aus dem „Football Leaks“-Buch, das als Skandalschrift „exklusive Einblicke“ geben und „die dunklen Geheimnisse des Fußballbusiness“ enttarnen wollte.

In Rengs Buch geht es um Lars Mrosko und wie schon bei Heinz Höher, einem weiteren Protagonisten aus einem anderen Reng-Buch, um eine Person aus dem Fußball, die sich mit eher brüchiger Biographie nicht zum Erzählen einer unumschränkten Heldengeschichte eignet. Umso bemerkenswerter, wie nah Reng an Mrosko und verschiedene Wegstreiter bis hin zu Felix Magath herangekommen ist.

In dem Buch geht es im Kern um die Geschichte des Scouts Mrosko, der als Fußballer auch verletzungsbedingt scheiterte und nun versucht auf seinen verschiedenen Stationen immer wieder Strukturen aufzubauen und meist nicht mehr dafür will als Anerkennung. Mit seiner Art eckt er dabei auch immer wieder an und kommt damit immer wieder an seine Grenzen. Bzw. kommen andere Menschen an die Grenzen mit ihm. Dabei ist Mrosko nicht derjenige, der in allem positiv wegkommt, während um ihn herum das böse Business tobt. Vielmehr ist es halt die Geschichte eines Mannes mit nicht sehr geradlinigem Lebensweg, der auch viel Quatsch macht und um den herum auch immer wieder Quatsch passiert.

Vor allem aber ist es ein Blick durch die Brille eines Scouts auf den Fußball. Ein Blick auf die Getriebenheit, mit der man das nächste Talent finden will und mit der man sich mit Koffeintabletten durch die Nacht und über Autobahnen quält. Ein Blick auch auf eine stetig wachsende Scouting-Kultur und immer mehr Konkurrenz auf der Jagd nach Informationen, die kein anderer hat und mit Menschen, die sich immer wieder gern versichern, dass sie dieses oder jenes Talent auch schon lange auf dem Schirm hatten. Mit Menschen auch, die immer abhängig sind von ihrem Vereinsumfeld und den Wünschen dort.

Ganz nebenbei entspinnt sich dabei auch ein Innenblick auf die Arbeit innerhalb von Vereinen. Auf öffentliche Kommunikation und ihren Widerspruch zu den Handlungen hinter der verschlossenen Tür. Auf Protagonisten, die im Fall der Fälle eben auch mal gern gegeneinander arbeiten. Und auf ein Geschäft, in dem ein Wechsel des Personals eben auch oft ein Wechsel in Strategien und bevorzugten Mitarbeitern mit sich bringt.

In dieser Darstellung ziehen bekanntere und weniger bekannte Namen von Verantwortlichen und Spielern aus den höheren Spielklassen der Bundesrepublik wie im Strom an einem vorbei, ohne dass man den Schlagzeileneffekt von ‚XYZ macht das und das!‘ hat. Was in Rezensionen vom Buch oft als krasseste Geschichte erzählt wird, ein lautstarkes Aufeinandertreffen von Lars Mrosko und Dieter Hoeneß beim VfL Wolfsburg, entpuppt sich beim Lesen zwar als wichtige Geschichte für Mroskos Biographie, bleibt aber ansonsten in Sachen Interessantheit der Szene hinter vielen anderen Details deutlich zurück.

Für Lars Mrosko ist aber nach diesem Aufeinandertreffen mit Dieter Hoeneß die Zeit als Scout vorbei. Woraufhin er meint, als Spielerberater tätig werden zu müssen. Während bei Rafael Buschmann Spielerberater praktisch nur als nicht vertrauensunwürdige Klientel mit Hang, Vereine unter Druck zu setzen oder unmoralische Geschäfte mit Spielern zu machen, erscheinen, bleibt Mrosko auch hier eher ein tragischer Held und dabei stellvertretend für andere Spielerberater, die nicht auf der finanziellen Sonnenseite des Business stehen.

Denn auch als Spielerberater stellt sich der Erfolg nicht ein. Weiter ist Mrosko ein Getriebener, der seinen Talenten möglichst ein guter Berater sein will, der sich im harten Kampf um Spieler aber selten durchsetzt und der immer wieder falsche Entscheidungen trifft oder hintergangen wird. Aber der auch immer wieder auf den ganz großen Coup hofft, der aus einem defizitären Projekt eine funktionierende Spielerberatungsagentur machen würde. Und jedesmal, wenn sich das ganz große Geschäft anbahnt, wenn Mrosko im Flugzeug irgendwohin sitzt, bleibt die Angst und weiß man doch eigentlich schon, dass beim Umblättern der Seite der Traum wieder in sich zusammenbrechen wird.

Roland Reng hat erneut auf phantastische Art eine Geschichte erzählt, die einerseits den Menschen Lars Mrosko in seiner Rolle im Fußball greifbar macht, die aber andererseits fast beiläufig auch einen recht nahen Blick auf das Verhältnis innerhalb von Vereinen und zwischen Vereinen, Scouts, Spielern und Spielerberatern ermöglicht. Der Vergleich zwischen einer erzählten Lebensgeschichte und einem Sachbuch mit viel Wirtschaftshintergrund mag ein wenig unfair sein, aber während man „Mroskos Talente“ wie einen Krimi verschlingen kann, legt man „Football Leaks“, das den Anspruch hätte, ein Krimi zu sein, immer wieder weg, wenn einem das laute „Skandal!“, das einem entgegenschmettert, mal wieder zu sehr auf die Nerven geht bzw. die ja durchaus interessanten Fakten, die es in dem Buch gibt, zu sehr davon überlagert werden.

Sowohl „Football Leaks“ von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger als auch „Mroskos Talente“ von Ronald Reng sind Bücher, die einem beim Verstehen der Strukturen des Fußballs helfen (schon die Reaktionen aus dem Fußball auf „Football Leaks“, die vornehmlich daraus bestehen, die Quelle des Datenlecks finden zu wollen und sich nicht über die Inhalte Gedanken zu machen, ist in Sachen Verstehen sehr hilfreich). Doch während man sich beim einen Buch die interessanten Informationen zwischen den moralisierenden Vorschreibungen herausziehen muss, erzählt das andere Buch auf lakonische Art einfach eine Geschichte und entwirft so ein sehr interessantes Bild vom Fußball, bei dem es nicht darum geht, jemanden als besonders schlimm zu denunzieren oder jemanden als besonders positiv zu beschreiben, sondern einfach die Dinge mit den Sichten der Protagonisten zu erzählen. Was am Ende mindestens genauso viel verrät über den Fußball wie „Football Leaks“, aber dabei auch noch eine gute Geschichte bietet bzw. der Leser nicht mit dem Holzhammer vor sich her getrieben wird.

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Rafael Buschmann/ Michael Wulzinger: Football Leaks – Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball

Ronald Reng: Mroskos Talente – Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts

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Mroskos Talente und Football Leaks.

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4 Gedanken zu „Der Fußball als Skandal und als Geschichte“

  1. Was die Football-Leaks angeht, habe ich ähnlich ambivalente Gedanken. Das Buch selber habe ich nicht gelesen, aber die Spiegelartikel – zumindest anfangs. Heute überfliege ich sie meist nur noch. Das permanente Moralisieren geht mir auf den Zeiger. Im Tonfall sind das keine Artikel sondern eher Kommentare. (Jüngste Schlagzeile etwa: „Die wahre Geschichte des ach so wohltätigen Lionel Messi“) Die Quintessenz der meisten Artikel ist dann: Millionär nutzt Möglichkeiten um Steuern zu sparen. Unter uns, das versuche sogar ich, leider ohne die Millionen. Und ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Soll der Staat doch die Gesetze ändern, wenn etwas daran unmoralisch sein sollte.

    Andererseits decken die Leaks aber dann eben doch etliche Praktiken im Sportgeschäft auf, die man nicht so leicht beiseite schieben sollte. Angefangen von Vorgängen, die möglicherweise doch kriminell sein könnten oder so anrüchig, dass es wertvoll ist, diese transparent zu machen. Denn wenn niemand darüber schreibt und redet, wird sich auch nichts ändern. So gesehen ist auch die o.g. Messi-Geschichte lesenswert. Aber die Spiegel-Autoren machen es einem mit Ihrem Stil zu schreiben echt nicht leicht.

    Und Ronald Reng ist einfach ein sensationell guter Erzähler. Hoffentlich schreibt er noch viele Bücher.

  2. Dass der Spiegel regelmäßig zu den größten Schreihälsen in jedem Datenschutzskandal gehört, aber gleichzeitig kein Problem damit hat, dem Datenschutzgesetz unterliegende vertrauliche Gehaltsdaten eines Achtzehnjährigen ins Netz zu stellen, sagt doch schon alles.

  3. Beim Lesen von Reng und Mroskos Talente, dachte ich mir immer, woher kenne ich das noch?
    Und zack, da viel es mir ein:
    Reng und Mrosko waren beide von der Akademie für Fußballkultur 2016 ausgezeichnet worden, also nur Reng.
    Fand das damals schon sehr stark.
    Aber es hatte ja einen anderen Grund warum ich dieses Auszeichnung sehen wollte 😉

  4. danke für Ihre tolle Zusammenfassung der Inhalte dieser zwei Bücher!
    Eines davon habe ich mir direkt über den Link bestellt.

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