Bundesliga: SC Freiburg vs. RB Leipzig 2:1

Mal wieder ein Ausflug nach Freiburg für RB Leipzig. An den letzten hatte man dank eines 4:1-Sieges sehr gute Erinnerungen. Gegen ersatzgeschwächte Gastgeber galt es diesmal den Sieg gegen Schalke zu veredeln. Das missglückte allerdings gründlich. Denn RB holte sich eine unnötige, aber auch nicht völlig unverdiente 1:2-Niederlage ab.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig mit nur einer Veränderung gegenüber dem Schalke-Spiel. Timo Werner kehrte in die Startelf zurück und ersetzte den gesperrten Naby Keita. Da das kein positionsgetreuer Wechsel war, hatte das zur Folge, dass Marcel Sabitzer eine neue Position kriegte.  Im erneut gespielten 4-1-2-2-1 spielte er statt auf der offensiven Außenbahn diesmal von Beginn an auf der Acht, wo er gegen Schalke schon am Ende gelandet war. Eine Position, die Sabitzer ein wenig die Stärken als Anspielstation zwischen den gegnerischen Defensivketten nimmt und eher Schwächen in der Ballzirkulation offenbarte.

Freiburg auf der anderen Seite nahm zwei Änderungen vor. Kübler und Kapustka fielen aus der Mannschaft. Dafür kamen Stenzel und Kempf rein. Organisiert war das Freiburger Team in einem 5-2-2-1 aka 3-4-3. Da die Formation eher defensiv orientiert war, trifft es die Notation mit der Fünferkette aber besser.

Die erste Halbzeit zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig war ein ziemlicher Langweiler mit der Atmosphäre eines Testkicks. Beide Mannschaften waren vor allem darum bemüht, keine Fehler zu machen. RB hatte dabei den Ball (und machte die größere Anzahl an Fehlern) und versuchte sich darin, das Spiel zu gestalten. Immer wieder spielte vor allem Gualcsi aber auch den langen Ball, was mit Augustin als Stürmer, der den Ball eher flach mit dem Rücken zum Tor gut verarbeiten kann, ein wenig zielführender Versuch ist. Freiburg fand in der ersten Viertelstunde gar nicht statt, bevor man dann nach und nach zu merken schien, dass man an diesem Tag RB auch mit eigenen Offensivaktionen wehtun kann.

Im Kern stand Freiburg aber kompakt und stabil in der eigenen Hälfte und zerstörte das wenig kreative RB-Spiel. Ein Abseitstor von Bruma und eine Aktion von Augustin, mit der er an Gikiewicz scheitert, der Mitte der ersten Halbzeit den verletzten Schwolow ersetzte, mehr gab es aus RB-Sicht nicht zu vermelden.

Im Gegensatz zum Schalke-Spiel hatte RB in Freiburg den Sechserraum im Spiel mit dem Ball wieder stärker besetzt. Demme versuchte von dort, unterstützt von Kampl die Fäden zu ziehen und rückte nicht wie noch gegen Schalke oft auf die Außenbahn. Aber alles, was von der Position rund um die Sechs kam, hatte weder Dynamik noch Durchschlagskraft, sodass das geordnete Aufbauspiel meist früh verpuffte.

Auf  der anderen Seite suchte Freiburg mit zunehmender Spielzeit stärker den Weg nach vorn. Das Grundmuster des Spiels war klar. Ein paar Mal den Ball in der eigenen Dreierkette in der Abwehr hin und her spielen und ihn dann irgendwie lang nach vorn schlagen und hoffen, dass vorn ein zweiter Ball oder ein Standard rausspringt. Dazu gab es ein paar Versuche, den Ball über die Außenbahnen nach vorn zu bringen. So entstand auch die beste Chance der ersten Halbzeit, als der sehr agile Günter von links flankte und Höler in der Mitte gedankenschneller als Bernardo war und Gulacsi zu einer Glanztat zwang.

Und täglich grüßt das Standardmurmeltier. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Günter war es auch, der kurz vor der Halbzeit noch mal von links eine gute Schusschance hatte, aber den Ball am Tor vorbei ins Seitenaus beförderte. Der Eindruck war trotzdem, dass die Gastgeber das gefährlichere, weil zielstrebigere Team waren. Das 0:0 zur Pause bildete allerdings die Qualität der Partie auch ziemlich perfekt ab.

In der zweiten Halbzeit entwickelt RB Leipzig etwas mehr Druck auf das Freiburger Tor als vor der Pause. Es war bei weitem kein Sturmlauf, aber man hatte nun die eine oder andere Gelegenheit zu einem Treffer. Bei der besten scheiterte Werner, der perfekt über links freigespielt wurde, nach 52 Minuten wie schon Augustin vor der Pause an Gikiewicz.

Besser machte es der Torjäger dann nach 66 Minuten. Nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte durch Demme, nachdem der sonst sehr gute Abrashi sich ausnahmsweise mal ein Solo durch die Mitte erlaubt hatte, machte Sabitzer das Spiel schnell und schickte Werner tief. Der lief noch mal am Strafraum quer, um dann aus zentraler Position mit links perfekt von der Strafraumgrenze zu verwandeln.

Es war bis dahin ein den Chancen nach komplett ausgeglichene Spiel, in dem die größere Qualität im RB-Sturm den Unterschied machte. Und mit dem Tor schien RB in der wesentlich komfortableren Situation zu sein, gegen einen auf den Ausgleich gehenden Gastgeber die sich bietenden Räume nutzen zu können.

Aber denkste. Denn so wie man im Stile einer Spitzenmannschaft in Führung gegangen war, schenkte man sie im Stile einer nicht ganz so guten Mannschaft wieder her. Gerade mal zwei Torschüsse brachte Freiburg noch zustande, aber die sollten zum Sieg reichen. Denn gleich zweimal binnen kürzester Zeit ließen sich die RasenBallsportler nach Ecken überrumpeln. Wieder mal nach Standards also. Beim ersten Mal durfte Haberer völlig freistehend den Ball aus zwölf Metern unter die Latte hämmern. Beim zweiten Mal stand Koch nicht ganz so frei, aber immer noch frei genug, um den Ball aus Nahdistanz einzuköpfen.

RB hatte es binnen kürzester Zeit geschafft, ein eigentlich totes Team und totes Publikum wieder zum Leben zu erwecken. Und nun waren die Gastgeber mit ganz viel Luft komplett in ihrem Element, die Führung mit allem, was sie haben, zu verteidigen. Was sie gut machten, wobei sie aber auch vom extrem ungenauen RB-Spiel unterstützt wurden.

Folgerichtig angesichts des schwachen Spiels mit dem Ball, aber doch auch erstaunlich, dass RB in den letzten zehn Minuten eigentlich nur noch auf die Brechstange setzte. Poulsen war als kopfballstarker Spieler schon direkt vor dem Ausgleich gekommen und hätte kurz nach dem 1:1 fast die erneute Führung erzielt. Dazu wurde auch Orban praktisch in den Sturm beordert. Und kurz vor Schluss kam auch noch Konaté als zusätzlich Stürmer. Hinten stand derweil Demme neben Upamecano und gab den Quarterback, der den Ball immer wieder lang vorne reinschlägt. Aber trotz der Kopfballpower, die nun auf dem Platz stand, rutschte keine Hail Mary kein Ball mehr durch, sodass die Gastgeber das 2:1 recht ungefährdet über die Zeit brachten.

Dass RB in den letzten zehn Minuten bis auf lange Bälle nichts mehr einfiel, war dann irgendwie auch bezeichnend für den aktuellen Stand des Ballbesitzspiels und für die fußballerischen Qualitäten an diesem Tag. Dass man so früh bereits völlig den Glauben verliert, den Gegner mit der ursprünglichen taktischen Idee erfolgreich bespielen zu können, darf bei einem Team wie RB Leipzig, das um die Champions-League-Qualifikation mitspielen will, durchaus erstaunen und nachdenklich machen. Lange Bälle waren jedenfalls an diesem Tag gegen klug verteidigende Gastgeber auch kein Mittel, das zum Erfolg führte.

Fazit: Bis zur 70. Minute war der Arbeitstitel ‚Im Stile einer Spitzenmannschaft‘. Es war aber auch bis dahin schon kein gutes Auswärtsspiel von RB Leipzig, sodass man sich mit den Gastgebern auf offensiv-spielerisch überschaubarem Nivau auf Augenhöhe traf. Nach der Führung konnte eigentlich niemand mehr ernsthaft damit rechnen, dass RB aus der Partie ohne Punkte gehen würde. Aber die in den letzten Wochen bedenkliche Schwäche beim Verteidigen von Standards und die spielerische Armut bei RB in der Folge des Rückstands machten es möglich. Eine völlig unnötige Niederlage, weil man das Spiel nach 70 Minuten komplett in der Hand hatte. Aber der SC-Sieg war auch nicht völlig unverdient, weil die Gastgeber über die gesamte Spielzeit ihren Gästen ebenbürtig waren und defensiv auf die nicht übergroßen Herausforderungen fast durchgängig passende Antworten hatten.

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Randbemerkung 1: Im Vergleich zur Vorsaison RB Leipzig nach 19 Spielen mit elf Punkten weniger. Gegen dieselben Gegner wie 2016/2017 holte man in dieser Saison bisher acht Punkte weniger als im Vorjahr (wenn man die Aufsteiger Stuttgart und Hannover gegen die Absteiger Darmstadt und Ingolstadt tauscht). Langsam rutscht man dann doch auch im Vergleich der Spiele gegen dieselben Gegner sehr weit hinter das Vorjahr zurück.

Randbemerkung 2: Knapp 700 RB-Fans mit beim Auswärtsspiel in Freiburg. Im Vergleich zur Vorsaison waren das 700 weniger. Ein wenig erstaunlich, da man letzte Saison noch an einem Freitag diese weite Strecke zurücklegte und das Spiel diesmal am angenehmeren Samstagnachmittag angepfiffen wurde. Insgesamt waren es damit bisher in dieser Saison rund 5.000 Fans weniger bei zehn Auswärtsspielen als gegen die selben Gegner wie im Vorjahr. Was im Kern an den 5.000 Fans, die diese Saison in Dortmund fehlten, liegt.

Randbemerkung 3: Eigentlich hatte RB Leipzig in dieser Saison abgesehen von der Champions League ganz lange kein wirkliches Problem mit Standards. Aber zuletzt ist das Thema doch einigermaßen extrem geworden. Von den letzten neun Gegentoren in den letzten fünf Spielen in der Bundesliga fielen sieben nach Standards. Nimmt man noch das Spiel gegen Istanbul dazu fielen von elf Gegentoren acht nach Standards. In jedem der letzten sechs Pflichtspiele fiel also im Schnitt mindestens ein Standardgegentor. Dazu kamen zwei Gegentreffer nach Elfmeter. Macht nur ein Gegentor aus dem Spiel heraus in sechs Partien. Das ist bemerkenswert wenig und spricht sehr für die Defensivorganisation, hilft aber nur nichts, wenn man dann die ruhenden Bälle nicht verteidigt kriegt und sich damit die Dinge, die man sich aufgebaut hat, wieder einreißt.

Randbemerkung 4: Ralph Hasenhüttl hatte mal gesagt, dass man als Mannschaft von der Körpergröße her Nachteile beim Verteidigen von Standards hat. Willi Orban hat dem nach dem Freiburg-Spiel de facto widersprochen und sein Team als kopfballstark dargestellt. Man könne das nur nicht umsetzen. Keine Ahnung, was  das Problem bei Standards ist, aber irgendein Problem gibt es. Wenn es die fehlende Körpergröße wäre, hätte man beim Zusammenstellen des Kaders was falschgemacht. Wenn es an konkreten Abläufen liegt, dann hätte man im Training was falschgemacht. Fakt ist, dass diese Schwäche den Erfolg des Teams in dieser Saison massiv gefährdet. In der Champions League ist man auch wegen der Standardschwäche ausgeschieden. In der Bundesliga verliert man dadurch nun wertvollen Boden.

Randbemerkung 5: Letzte Woche die Frage gestellt, inwiefern der gegen Schalke versuchte Fokus weg vom Spiel mit dem Ball hin zur Balleroberung nicht etwas ist, was kontraproduktiv ist, weil man auf Dauer die Lösungen im Spiel mit dem Ball braucht. Gegen Freiburg zeigte sich das wieder, dass RB im Ballbesitz einfach viel zu harmlos ist und gerade beim Spielen in den Strafraum hinein kaum vernünftige Abläufe zu sehen sind. Angesichts von schon 28 Gegentoren in der Bundesliga und meist viel Ballbesitz braucht man aber kluge Ideen am gegnerischen Strafraum. Oder man wäre alternativ eine Mannschaft, die immer mal wieder einen Standard versenkt. Oder man hofft darauf, dass im Normalfall auch mal ein Geniestreich von Werner reicht. Aber dann muss halt hinten die Null stehen. Egal wie, die Teams, die wie Freiburg den Ball konsequent risikolos bewegen, bis sie ihn lang nach vorn schlagen, werden auch künftig die Mehrheit der RB-Gegner stellen. Da hat man zwischendurch einmal Glück, dass ein Schalke dabei ist, das in die Fallen bei der Spieleröffnung hineinläuft. Aber das dürfte über die gesamte Rückrunde gesehen eher selten der Fall sein. Entsprechend läuft es weiter darauf hinaus, Lösungen im Spiel mit dem Ball zu haben. Und die dürften nicht darin bestehen, den Ball lang nach vorn zu hauen oder darin dass einer dribbelt und die anderen zugucken, wie das wohl ausgehen mag. Dribblings machen nur Sinn, wenn die anderen im Spiel ohne den Ball auch in Bewegung sind und so die gegnerische Abwehr ins Laufen bringen.

Randbemerkung 6: Interessant in dem Zusammenhang, dass RB Leipzig gerade im höheren Geschwindigkeitsbereich bis hin zu Sprints beim Spiel in Freiburg sehr unterdurchschnittliche Zahlen erlief und dabei auch hinter Freiburg zurückblieb, die in Sachen hohen Geschwindigkeiten im Bundesligavergleich schon ein eher schwächeres Team sind. In den Zahlen bestätigt sich der Eindruck aus dem Spiel, dass abseits des Ballführenden in Freiburg zu wenig Bewegung im Spiel war. Hier mal ein Lauf in die Tiefe, dort mal quer gehen, um einen Gegenspieler vielleicht mitzulocken (wie vor der Führung zum 1:0, als Augustin durch seinen Laufweg Söyüncü mitzieht und Werner so die entscheidenden Meter Platz gibt, um abzuschließen), die Laufwege ohne Ball sind essenziell, wenn man einen kompakten, tief stehenden Gegner bespielen will. In Freiburg fehlte das im RB-Spiel viel zu oft.

Randbemerkung 7: Besonders depremierend an der Vorstellung in Freiburg, dass RB eine Woche Zeit hatte, sich auf das Spiel vorzubereiten. Dass am Ende der Woche dann an Abläufen mit dem Ball so wenig klappt, was den deutlich ersatzgeschwächten Gegner vor ernste Probleme stellt, darf durchaus als ordentliche Enttäuschung durchgehen.

Randbemerkung 8: Es war das fünfte Auswärtsspiel ohne Sieg in Folge für RB Leipzig in der Bundesliga. Zuletzt gewann man Mitte Oktober in Dortmund. Bayern, Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg und nun Freiburg. Eine Liste mit sehr unterschiedlicher Qualität. Tomas Oral schaffte 2010/2011 in der Rückrunde der ersten Regionalliga-Saison mal beachtliche sieben Auswärtsspiele ohne Sieg am Stück. Alexander Zorniger brachte es 2014/2015 in der zweiten Liga auf sechs Auswärtsspiele ohne Sieg. Also ein bisschen Luft ist noch zu neuen Rekorden.

Randbemerkung 9: Freiburg nun nach diesem Spiel direkt vor RB die Mannschaft der Bundesliga, die die meisten Punkte nach Rückstand geholt hat. Zwölf Punkte waren es bisher insgesamt, die man einsammelte, wenn man zurücklag. Man hat weiter noch nie mit mehr als einem Tor gewonnen. Dafür ist man nun hinter den Bayern und direkt vor RB das zweitbeste Team in Spielen, die mit maximal einem Tor Differenz ausgehen. Erstaunlich für ein Team wie Freiburg, mit welcher Ruhe man gerade in engen Spielen und wenn man zurückliegt agieren kann.

Randbemerkung 10: Bernardo spielte in Freiburg das zweite Mal am Stück über 90 Minuten als Linksverteidiger. Eigentlich dachte man, dass das doch nun alles super besetzt ist. Laimer und Klostermann konkurrieren rechts hinten. Bernardo ist ein mindestens solider Backup für Halstenberg. Zumal wenn er jetzt auf links spielen darf, wohin er mit seinem linken Fuß viel besser passt, als nach rechts. Da Bernardo in der Vergangenheit eher schlechter wegkam als er spielte, weil seine Art und Weise unspaktakulärer und defensivorientierter ist, dachte man, dass er links mit dem Ball auf dem starken Fuß etwas mehr glänzen kann. Aber die beiden Spiele nach der Winterpause und vor allem das in Freiburg war diesbezüglich durchaus ernüchternd. Im Offensivspiel traten da einige erstaunliche technische Mängel zutage, die zu einigen Ballverlusten führten. Mit sechs hatte er die meisten des Teams, was für einen Defensivspieler ziemlich nah an katastrophal ist. Zudem war Bernardo ganz untypisch auch defensiv mit seiner Zweikampfführung eher ein Unsicherheitsfaktor, denn Stabilitätsgarant. Erstaunlich, dass er sich links hinten in dieser Rückrunde bisher so schwer tut, wo man eigentlich annehmen konnte, dass er dort aufblüht. In der Form von Freiburg ist Bernardo kein ernsthafter Konkurrent für einen Halstenberg, wenn der von seiner Verletzung zurückkommt.

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Lichtblicke:

  • Bruma: War der Lichtblick des Offensivspiels. Viele gelungene Dribblings. Fast keine Ballverluste und sehr gute Passquote. Immer mal wieder mit viel Dynamik in gefährlichen Zonen unterwegs. Aber um ihn herum fehlte es ein wenig an Bewegung. Gute Partie des Portugiesen, der sich immer mehr zu einer wichtigen Waffe in der RB-Offensive entwickelt und immer stärker auch in die Abläufe des Teams eingebunden ist.
  • Willi Orban: Hatte gegen Freiburg viel zu arbeiten, weil viele lange Bälle auf ihn zugeflogen kamen. Löste die Aufgabe sehr gut, weil er als Kopfballspieler schwer zu bezwingen ist. Gute, zweikampfstarke Partie, in der Orban zeitweise zehn Meter in der Hälfte des Gegners stand, bevor er dann später ganz in den Sturm rückte.
  • Timo Werner: Ein bisschen darf man mit Werners Rolle an der Seitenlinie weiter hadern. Im Umschaltspiel macht das mit seiner Schnelligkeit durchaus Sinn. Im Ballbesitz wirkt er da draußen eher verschenkt. Gegen Freiburg suchte er sogar phasenweise den Zehnerraum auf, wo Werner, der ja trotz aller Fortschritte seit seinem Wechsel zu RB weiter kein Kombinationsstürmer ist, erst recht nicht so richtig gut aufgehoben ist. Beeindruckte aber mit seiner gnadenlosen Effektivität und seiner Explosivität in entscheidenden Situationen.

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Tore: 0:1 Werner (66.), 1:1 Haberer (72.), 2:1 Koch (76.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Laimer, Orban, Upamecano, Bernardo – Demme – Sabitzer, Kampl – Werner, Bruma (88. Konaté) – Augustin (71. Poulsen); Bank: Mvogo, Klostermann, Schmitz, Ilsanker, Kaiser, Nicht im Kader: Forsberg, Halstenberg (beide verletzt), Keita (gesperrt), Köhn, Coltorti

Aufstellung SC Freiburg: Schwolow (27. Gikiewicz) – Söyüncü, Gulde, Kempf – Stenzel, Koch, Abrashi, Günter – Höler, Haberer – Petersen

Schiedsrichter: Benjamin Brand (Insgesamt eine souveräne Spielleitung, allerdings auch eine Partie ohne größere Aufreger oder Probleme. Kam am Ende ohne gelbe Karte durch, wobei da vor allem Demme Glück hatte, der allein für die Anzahl seiner Foulspiele (5) eine Karte absolut verdient gehabt hätte. Zwei, drei Zweikampfbewertungen hätte ich auf beiden Seiten im Stadion anders gesehen. Aber nichts großes. Das Umrennen von Sabitzer vor dem 2:1 hätte man ganz pingelig wohl auch als Foul pfeifen können (ohne aus Stadionssicht genau sagen zu können, ob es überhaupt ein Foul oder nicht nur ein unglücklicher Zusammenprall war). Dass das abseits des Balles passierte, spielt dabei ja eigentlich keine Rolle. Ist ja aber oft die Schiedsrichterlogik, dass kleinere Fouls, die nicht unmittelbar mit dem Ball oder einem Torabschluss zu tun haben oder nach dem Torschuss erfolgen, auch mal eher nicht pfeift. Im Stadion fand ich die Entscheidung nachvollziehbar, der Videoassistent wollte daraus offenbar auch keine große Sache machen.)

Gelbe Karten: – | –

Zuschauer: 23.700 (davon 600 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, SCF-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 9 : 12
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 8
  • Schüsse auf das Tor: 4 : 3
  • gewonnene Zweikämpfe: 54,0% : 46,0%
  • Ballbesitz: 43,8% : 56,2%
  • Passquote: 78,1% : 83,4%
  • Laufstrecke: 120,3 km : 117,4 km
  • Sprints: 179 : 169
  • Intensive Läufe: 589 : 581
  • Fouls: 12 : 12
  • Ecken: 6 : 6
  • Abseits: 1 : 3
  • Meiste Torschüsse: Günter, Abrashi: je 2 – Werner: 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Günter: 4 – Sabitzer – 3
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Gulde, Söyüncü: je 70,0% – Orban: 68,2%
  • Meiste Ballkontakte: Gulde, Stenzel: je 62 – Demme: 109
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Gulde: 93,2% – Upamecano: 96,2%
  • Größte Laufstrecke: Koch: 12,4 km – Demme 12,2 km
  • Meiste Sprints: Höler: 30 – Augustin, Werner: je 27

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner – 10; Poulsen, Augustin, Keita – je 3; Orban, Sabitzer, Bruma, Halstenberg – 2; Klostermann, Forsberg, Bernardo; Kampl – je 1

Saisonvorlagengeber: Sabitzer – 6; Augustin, Werner – je 4; Kampl, Forsberg, Demme – je 3; Halstenberg, Bruma – je 2; Bernardo, Keita, Poulsen, Laimer – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 8; Sabitzer – 6; Kampl, Upamecano – je 5; Ilsanker, Forsberg, Keita, Halstenberg – je 4; Laimer – 3; Poulsen, Gulasci, Klostermann, Bruma, Bernardo – je 2

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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5 Gedanken zu „Bundesliga: SC Freiburg vs. RB Leipzig 2:1“

  1. Die gestrige Schlüsselszene passierte in der 71. Minute: Wechsel Augustin –> Poulsen.

    Siehe Zahlenrundumleuchte 2 hat Augustin das beste Torverhältnis, wenn er auf dem Platz stand. Auch gestern nahm er als einziger +1 mit, während der Großteil des Teams eben mit -1 aus dem Spiel geht.

    ^^

  2. Tja, so gut wie Hasenhüttl gegen Schalke taktisch agierte, so suboptimal war es gegen Freiburg.
    Also nicht die Aufstellung, sondern was dann passierte. Bernado hätte zur Pause ausgewechselt werden müssen, siehe eben Deine Randbemerkung10.
    Wie man bei Führung den SCF so zurück kommen lässt, ist echt unfassbar. Und dann war es zu spät. Symptomatisch als am Ende Poulsen!! einen langen Einwurf ausführte.
    Zu den Standards sage ich nix, dafür gibt es ja Twitter 😉

    Lichtblicke kann man so stehen lassen, außer, das gleube ich Bruma genau seinen Gegner aus den Augen lies beim Ausgleich.

    Brand
    An sich gute Leitung. Nur warum das Tor von Kampl nicht gegeben wurde, keine Ahnung, Handspiel war das doch nicht?! Und das 2:1 wäre in der Hinrunde vom VAR nochmals kontrolliert worden. Für mich schon Foul an Sabitzer.

  3. Was schon im Schalke-Spiel auffiel, es gelingt uns nicht im Mittelfeld eroberte Bälle zu sichern. Ein solcher Ball wa auch Ausgangspunkt für eine Ecke …. . Zu Bruma, ja er stand nicht bei dem Freiburger, die Frage ist, war er dazu zuständig? Zu Upa, bei einem Befreiungsschlag, der ins Toraus ging, hab ich mich gefragt, warum nicht ins Seitenaus – die ZEit dazu hatte er meines Erachtens. Das Ende vom Lied dieser Aktion ist ja bekannt. Die Aktion gegen Sabi – aus meiner Sicht klar ein Stürmerfoul! Es gab genug Beispiele in der Hinrunde, wo so etwas gepfiffen worden ist. DANKE für den Spielbericht!

  4. Bin auch der Meinung, dass beide Ecken absolut vermeidbar waren. Zum Ende hätte ich auch noch Ilse gebracht, da es dann doch sowieso auf die Brechstange hinauslief. Positiv ist zu vermerken , dass wir aus dem Spiel heraus so gut wie gar nichts zugelassen haben.

  5. Ferndiagnose eines SCF-Fans:
    Zu Randbemerkung 5. Meiner Meinung nach kostete euch der Leipziger Fokus auf Umschaltspiel und Gegenpressing die Punkte. Gegen Schalke hatte das ja ganz gut funktioniert. Der Elfmeter nach Ballgewinn im Rudel, das 2:1 war ein Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte. Das 3:1 sieht auch nach auch Umschaltaktion aus (Die Zusammenfassung ist schlecht).

    Gegen Freiburg erinnere ich mich nur an 2 Chancen, die Leipzig aus der Formation herausgespielt hat (Augustin in der Nachspielzeit der 1. HZ und Werners Abschluss nach Flanke). Sicherlich haben Keita und Forsberg gefehlt, aber auch mit Kampl und Bruma auf den Außen kann man mehr machen.
    Zudem war die Ausgangslage eigentlich die, dass Leipzig nach der Winterpause wieder etwas mehr Energie hat, während Freiburg auf Niederlechner, Frantz, Lienhart, Ravet, Kapustka, Kath und Höfler verzichten musste.

    Obwohl ich zugeben muss, dass es ja auch kurz so aussah, als ob der Plan aufgeht. Leipzig machte aus 2 Umschaltaktionen ein Tor. Ich möchte auch gar nicht sagen, als Leipzig muss man den Anspruch haben… usw. Mir geht es eher darum, dass man beim Fokus auf Umschaltspiel eben auf riskante Ballaktionen des Gegners angewiesen ist. Dadurch, dass Freiburg den Ball immer weggeschlagen hat, wenn mehr als 2 Leipziger in der Nähe waren, kam RB zu keinen gefährlichen Balleroberungen. Das Resultat: Expected Goals von 0,75.

    Mir ist auch klar, dass ihr nicht in jedem Spiel zwei Standardtore fangen werdet. Als RB-Fan würde ich mir mehr sorgen machen, wie man konstant viele Chancen gegen gut organisierte Defensivformationen herausspielt. Dies gehört sicherlich zu den schwierigsten Aufgaben, die eine Mannschaft gestellt bekommt. Aber die Fixierung aufs Umschalten wird nicht die Lösung sein.

    Etwas ausführlicher habe ich das hier dargestellt: http://www.zerstreuung-fussball.de/content/drei-punkte-gegen-leipzig
    Spielanalyse aus SCF-Sicht.

    P.S.: Ich hoffe RBL bekommt das in Zukunft etwas besser hin und schlägt die Abstiegskonkurrenten des Sportclubs mit ansehnlichem Ballbesitzfußball.

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