Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie Bundesliga 2017/2018 – Teil II

Weiter geht es mit der Saisonaufarbeitung. Diesmal mit Teil II der Betrachtungen zu den einzelnen Spielern des RB-Kaders. Nach den Torhütern und Verteidigern sind heute die Mittelfeldspieler und die Stürmer dran. Geordnet ist die Übersicht nach Positionen (Mittelfeld, Sturm) und innerhalb der Positionen nach Einsatzzeit. Die Nachwuchsakteure Nicolas Kühn und Elias Abouchabaka fehlen in der Auflistung, weil sie im Laufe der Hinrunde auch aus dem Training der Profis genommen und wieder komplett in den Nachwuchs eingegliedert wurden. Oliver Burke fehlt, weil er nach nur einem Spiel noch im Sommer in die Premier League wechselte.

Mittelfeld

Diego Demme (26 Jahre, 21 Spiele, 1562 Minuten): Lief ein wenig unter dem Radar. So ein bisschen hatte man das Gefühl, als würde Demme eher selten zum Zuge kommen. Am Ende war er aber doch wieder der meisteingesetzte Mittelfeldspieler. Vor allem in der Bundesliga kam Demme sehr regelmäßig zum Einsatz. In der Champions League saß er aber auch gern mal auf der Bank. Hatte nicht mehr ganz den prägenden Einfluss wie letzte Saison, was sich auch darin bemerkbar machte, dass in Phasen ohne Verletzungssorgen im Team plötzlich auf der Sechs auch Kampl vor Demme stand. Damit konnte man vor der Saison nicht unbedingt rechnen. Leistungstechnisch gibt es gar nicht so viel Abstriche zu machen gegenüber dem Vorjahr. Demme ist weiter laufstark und ein solider Zweikämpfer und Balleroberer. Dazu hat er in der Bundesliga aus seiner tiefen Sechser-Rolle heraus schon drei Tore vorbereitet und bei sieben weiteren bei der Entstehung mitgewirkt. Damit hat er dort bessere Werte als die vergleichbaren Spieler Keita, Laimer oder Ilsanker und ist ungefähr auf Augenhöhe mit Kampl. Demme leidet natürlich auch darunter, dass es gerade in der Zentrale noch weniger Raum zu bespielen gibt als letzte Saison, aber als Ballverteiler, Strukturgeber und Spieler für die Balance zwischen Offensive und Defensive ist er weiterhin sehr wichtig.

Diego Demme. | GEPA Pictures - Thomas Bachun

Naby Keita (22 Jahre, 20 Spiele, 1561 Minuten): Durchwachsene Hinrunde. Macht immer noch Weltklasse-Dinge, wenn es darum geht, im Mittelfeld einen Ball zu verarbeiten. Wenn er mit einer Körpertäuschung die Gegner stehen lässt, dann kriegt man auf den Rängen große Augen ob der Leichtigkeit, die Keita in seinen Aktionen und Bewegungen ausstrahlt. Allerdings hat Keitas Spiel viel von dem verloren, was ihn letzte Saison so wertvoll machte. Sein offensiver Impact liegt auf Augenhöhe mit Marcel Halstenberg, Konrad Laimer oder Bruma. Das allein ist angesichts der Fähigkeiten von Keita dürftig. Sein letzter Pass hat sich seit der letzten Spielzeit nicht wesentlich verbessert und lässt manch gute Aktion im Dribbling zuvor versanden. Als Balleroberer wurde Keita auch auf Normalmaß zurechtgestutzt, sodass die dynamischen Balleroberungen der Vorsaison dem RB-Spiel fehlen. Was allerdings nicht nur an Keita festzumachen ist, sondern auch daran, dass die Gegner vornehmlich mit langen Bällen über das RB-Mittelfeld hinwegspielen, sodass man genau diese Spielfeldbereiche vermeidet, in denen Keita unterwegs ist. Dazu kamen gerade in der ersten Phase der Hinrunde Undiszipliniertheiten bei Keita, die zu Platzverweisen oder frühen Auswechslungen führten. Man muss Keitas Auftritte nicht schlechter machen als sie waren, denn selbst an schlechten Tagen strahlt Keita noch heller als der Großteil aller Bundesligaspieler, aber gemessen an seinen Möglichkeiten war doch manches an seinen Auftritten arg gebremst und durchwachsen. Der Spieler, der den Unterschied macht, der er in der Vorsaison war, ist Keita jedenfalls bei RB Leipzig nur selten gewesen.

Marcel Sabitzer (23 Jahre, 18 Spiele, 1506 Minuten): Dem Österreicher wurde hier im Blog ja schon ausführlich gehuldigt. Seine Mentalität ist bekanntermaßen für RB sehr wichtig, aber auch fußballerisch ist er im letzten halben Jahr weiter gereift und zu einer noch zentraleren Figur im RB-Spiel geworden. Bewegt sich sehr gut in den Offensivräumen. Ist für die Entstehung und direkte Vorbereitung von Toren wichtig und schießt manchmal sogar Tore (wie das sehr schöne gegen Stuttgart). Arbeitet sehr viel für die Mannschaft. Es war eine sehr komplette und sehr reife Hinrunde von Sabitzer, mit der er weiter in eine Leaderrolle im Team gerutscht ist. Mal von den One-Hit-Wondern Mvogo und Schmitz abgesehen ist Sabitzer der einzige Spieler bei RB Leipzig der in all seinen Spielen in der Startelf stand und nie von der Bank kam. Einmal saß Sabitzer auf der Tribüne, sechsmal fehlte er verletzt. Wenn die Schulterverletzung nicht gewesen wäre, wäre Sabitzer mit Sicherheit mit Abstand der meisteingesetzte Spieler im Team gewesen. Aber etwas anderes ließe sich bei Allesspieler Sabitzer wohl auch nicht vermitteln, solange er so auftritt wie in der Hinrunde.

Kevin Kampl (27 Jahre, 20 Spiele, 1422 Minuten): Definiere einen Kampl-Wechsel: Du holst als Ersatz für einen Stürmer einen Zehner und lässt ihn dann am liebsten auf der Sechs spielen. Naja, ganz so extrem war die Sache mit Kampl nicht, denn am Ende bekam er aufgrund der Verletzungen von Sabitzer und Forsberg noch mal viel Spielzeit auf der Zehn, aber im Kern bleibt es dabei, dass Hasenhüttl sehr viel Gefallen daran fand, Kampl statt auf der Zehn auf der Sechs spielen zu lassen und ihm dort in wichtigen Spielen auch den Vorzug vor Demme zu geben. Das war dann doch einigermaßen erstaunlich. Kampl fügte sich nach seinem späten Wechsel nach Leipzig gleich so ein, als wäre er schon länger dabei. Kannte die grundsätzliche Spielidee natürlich schon aus Salzburg und Leverkusen, auch wenn in Leipzig bei weitem nicht mehr so radikal gepresst wird. Spielte Sechs und Zehn gleichermaßen vernünftig (mit Tendenz dazu, dass das Spiel mit dem Ball auf der Sechs besser aussieht), auch wenn bei Kampl manchmal der Eindruck bleibt, dass viele Aktionen gut aussehen, aber dafür wenig Effekt haben. Torbeteiligungen und Co sind aber im Vergleich mit anderen Spielern bei RB Leipzig ordentlich. Für das erste halbe Jahr in Leipzig war das sicherlich gut, was Kampl gespielt hat, aber es bleibt auch noch Luft nach oben.

Emil Forsberg (26 Jahre, 18 Spiele, 1376 Minuten): Wie Keita ist Forsberg nicht mehr der Spieler der Vorsaison, der den Unterschied macht. Ist in der Bundesliga aus dem Spiel heraus noch komplett ohne Tor und hat auch erst drei vorbereitet. Das ist gemessen an dem, was Forsberg letzte Saison an Pässen spielte und Toren vorbereitete und was ihm den Bundesliga-Vorlagenrekord einbrachte sehr dünn. Forsberg wurde nach schwachem Start in die Saison besser und solider und er hat immer noch seine Qualitäten, wenn er zwischen den Linien mit dem ersten Kontakt den Gegenspieler manchmal alt aussehen lässt. Allerdings gibt es von den Gegenspielern inzwischen meistens zwei und es gibt weniger Raum für Passaktionen in die Tiefe im Anschluss an einen guten ersten Kontakt, von daher hat es Forsberg auch aufgrund der veränderten Gegnerschaft nicht mehr so leicht. Dazu musste er auch noch die schwedische Nationalmannschaft als Kopf zur WM führen. Das waren durchaus ordentliche Belastungen für Kopf und Beine, die man dem Schweden, der ja noch nie Dauerläufer und -sprinter war, durchaus anmerkte. Auch für Forsberg gilt wie für Keita, dass er an schlechten Tagen immer noch heller strahlt als anderen an guten Tagen, aber ein bisschen mehr an letztjähriger Genialität dürfte es dann in der Rückrunde doch gern sein.

Bruma (23 Jahre, 20 Spiele, 1102 Minuten): Tat sich schwer, in das RB-Spiel zu finden, aber hat sich im Laufe der Hinrunde vor allem im Spiel gegen den Ball deutlich weiterentwickelt. Sprintet (gerade im positionsgetreuen Vergleich mit einem Forsberg) sehr viel und arbeitet so viel (und durchaus auch zielführend) gegen den Ball. Auch in der Balleroberung im Vergleich mit Forsberg wesentlich erfolgreicher. Nimmt extrem viele Dribblings und gewinnt davon auch erstaunlich viele, ist aber beim Verarbeiten von gewonnenen Dribblings nicht konsequent und effektiv genug. Zu oft noch, dass er nach dem Ausspielen des einen Gegenspielers noch auf den nächsten (oder wie bei Toljan auf denselben) Gegenspieler wartet, um den auch noch auszuspielen. Zu oft auch, dass einem Dribbling in eine aussichtsreiche Position nicht der krönende Abschluss in Form eines guten Passes geschweige denn eines guten Torschusses folgt. Bruma hat sehr gute Ansätze, aber noch macht er zu wenig daraus, wenn er aus Powerdribblings immer wieder an der falschen Stelle das Tempo herausnimmt oder den Mitspieler nicht findet. Lernt er beim Entscheidungsmanagement schnell dazu, dann könnte das in der Rückrunde aber auch noch ganz interessant mit ihm werden.

Konrad Laimer (20 Jahre, 14 Spiele, 480 Minuten): Bekam weniger Einsatzzeit als er sich vielleicht ausgerechnet hatte. Auch weil plötzlich ein Kampl auch noch Sechser spielte. Man merkt ihm an, dass ihm die Gewöhnung an die Geschwindigkeit der Bundesliga schwerfällt. Arbeitet sehr viel für das Team und gegen den Ball. Mit dem Ball wird es allerdings schwer für ihn, da die Räume, die er zur Verfügung hat, wesentlich kleiner sind als noch in Österreich letzte Saison und auch weniger Zeit ist, um Entscheidungen zu treffen. Entsprechend war Laimers Einsatzzeit auch beschränkt. Vielleicht ist es ein bisschen seine Chance, dass ihn Hasenhüttl als Rechtsverteidiger versucht. Dort wäre Laimer mit seinen Qualitäten als Arbeiter und mit seiner Dynamik gut aufgehoben, während seine leichten Probleme bei der Ballverarbeitung unter Druck dort nicht ganz so auffallen würden bzw. nicht so folgenschwer wären. Sowieso sollte man auch nicht vergessen, dass Laimer gerade mal 20 ist und sein erstes halbes Jahr in einer europäischen Topliga spielt.

Dominik Kaiser (29 Jahre, 8 Spiele, 192 Minuten): Der Ex-Kapitän auf seiner Abschiedstour bei RB Leipzig. Immerhin acht Einsätze bekam er dann doch noch. Damit konnte man zwischenzeitlich eigentlich nicht mehr rechnen. Aber vor allem der Startelfeinsatz gegen Mainz war natürlich noch mal ein hübsches Bonmot, das auch den RB-Fans gefiel, die Kaiser bei jeder Eckenausführung frenetisch bejubelten. Zur fußballerischen Seite ist aufgrund der geringen Spielzeit wenig zu sagen. In den paar Einsatzminuten blieb der Eindruck, dass Kaiser in Sachen Spielverständnis gut mithalten und auch in der Bundesliga seine Rolle finden kann. Gerade aber in Sachen Spielgeschwindigkeit und Zweikampfführung schien Kaiser ein wenig am Ende der Fahnenstange angekommen zu sein. Was aber auch nur daran liegen kann, dass ihm einfach die Spielpraxis fehlt. 29 ist Kaiser nun auch schon. Eine vernünftige Aufgabe wird seine Karriere auf jeden Fall noch bereithalten. Mal sehen, wo das dann sein wird. Vielleicht sieht man ihn in Leipzig aufgrund von Ausfällen ja auch noch einige Male auf dem Rasen, bevor er die Stadt verlässt.

Sturm

Timo Werner (21 Jahre, 23 Spiele, 1692 Minuten): Viel sowohl als auch. Einerseits beeindruckend, wie Werner auch diese Saison wieder konstant in allen Wettbewerben trifft. 16 Tore stehen am Ende der Hinrunde in 27 Spielen in Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal und mit der deutschen Nationalmannschaft in der Bilanz. In keinem Wettbewerb ging Werner leer aus. Er ist weiter zu einem kompletten Stürmer gereift, der eben nicht nur mit Geschwindigkeit tief gehen, sondern auch mal ins Kombinationsspiel eingebunden werden kann. Timo Werner ist bei RB Leipzig der am zweithäufigsten eingesetzte Feldspieler und bestritt dazu noch vier Länderspiele. Das Pensum des 21-Jährigen ist also durchaus enorm. Was erstaunt, denn vom Gefühl her fiel Werner nach seiner Halswirbelverletzung inklusive Kreislaufproblemen aka Überlastungserscheinungen lange aus. Tatsächlich fehlte er deswegen nur in zwei RB-Spielen und bekam ansonsten zumindest Teilzeiteinsätze. Deutlich schwächer geworden sind allerdings Timo Werners Offensivquoten. Letzte Saison war Werner noch alle 71 Minuten an einem Tor beteiligt, diese Saison ist das nur noch alle 112 Minuten der Fall. Statt unfassbarer 3,5 Schüsse pro Tor trifft er diese Saison bisher nur alle 5,4 Schüsse. Klar, die Vergleichsbasis aus der Vorsaison ist Wahnsinn und mit Keita und Forsberg liefern gleich zwei Spieler nicht mehr so zu wie bisher und zudem schießt Werner oft auch nicht mehr aus unbedrängten Situationen, sondern auch gern mal mit einem Fuß vor sich. Aber die Veränderung ist durchaus bemerkenswert. Genau wie die in seinem Spiel, das darauf hinausläuft, dass er sich zu oft an der Außenlinie in Dribblings verstrickt. Bei insgesamt schwacher Quote erfolgreicher Dribblings. Die meisten Abseitsstellungen der Bundesliga sind bei seiner Spielweise durchaus konsequent, aber manchmal ist Werner zu lange zu betont im Abseits unterwegs und macht sich so unanspielbar. Es ist natürlich Kritik auf sehr hohem Niveau angesichts vieler Tore über die gesamte Hinrunde und angesichts der Belastungen, die Timo Werner wegstecken musste. Aber es bleibt auch der Fakt, dass Werner ineffektiver geworden ist und manche Laufwege im Abseits oder an der Seitenauslinie wenig zielführend erscheinen.

Timo Werner. | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Yussuf Poulsen (23 Jahre, 21 Spiele, 1373 Minuten): Bekommt als Arbeiter an der gegnerischen Abwehrkette weiter viel Spielzeit, auch wenn die letztjährige Formel, dass es verrückt wäre, ein Spiel ohne den Dänen zu bestreiten, schon lange nicht mehr gilt. Gerade in der Champions League verbrachte Poulsen viel Zeit auf der Bank. In der Bundesliga bekam er schon mehr Einsätze. Der kantige Stürmer ist ein wenig das Opfer der neuen Anforderungen bei RB Leipzig, Aktionen aus dem Spiel mit dem Ball heraus zu kreieren. Dribblings sind die ganz große Sache des Yussuf Poulsen nicht, schon gar nicht auf engem Raum. Das Passspiel ist es auch nicht unbedingt. Bliebe die Jagd nach zweiten Bällen, aber dafür spielt RB nicht genug hohe, lange Bälle auf Poulsen, sondern versucht es eher mit dem geordneten Spielaufbau, wenn die Umschaltvariante nicht klappte. Das ist nicht unbedingt die Spielweise des Dänen. So ist Poulsen zwar weiterhin der herausragende Zweikämpfer bei RB Leipzig. Bei guter Erfolgsquote führt Poulsen fast 40 Duelle pro 90 Minuten. Mit deutlichem Abstand mehr als jeder andere RB-Spieler. Aber irgendwie scheint er damit nicht mehr so viel Einfluss auf die Partien zu haben wie in der letzten Saison. Dabei wäre eigentlich Bedarf für einen Stürmer da, der in der Mitte wühlt und Flanken oder Anspiele über die Linie drückt. Etwas wofür Poulsen mit seiner Physis eigentlich hervorragend geeignet wäre. Wenn er denn jetzt noch sein Torjägergen entdecken würde. Er trifft diese Saison alle 335 Minuten in der Bundesliga und nicht mehr nur alle mehr als 400 Minuten. Von daher ist das schon besser geworden. Aber von guten Werten wie bei Augustin oder Werner ist er auch noch ein Stück entfernt. Letztlich wird Yussuf Poulsen sich ein Stückweit neu auf die Gegebenheiten einstellen müssen. Mehr Gefahr im Torabschluss, mehr Einbindung ins Passspiel, ansonsten könnte Poulsen dauerhaft von einem fußballerisch stärkeren Stürmer abgelöst  werden.

Jean-Kevin Augustin (20 Jahre, 17 Spiele, 908 Minuten): Mit Augustin hat RB eigentlich den fußballerisch stärkeren Stürmer, der dazu noch mit dem Rücken zum Tor agieren kann, bereits in den eigenen Reihen. Allerdings läuft der Franzose in seiner ganzen Art auch noch unter dem Titel ’schlampiges Genie‘. Kam sehr gut in die Saison rein und hatte ein paar spektakuläre Auftritte, um dann kontinuierlich abzubauen und schließlich kaum noch ein Faktor zu sein. Vor allem auch, weil er nicht mehr in den entscheidenden Zonen und Momenten arbeitete.  Was in Augustin steckt, zeigt sich auch darin, dass er in der Hälfte der Einsatzzeit in der Bundesliga genauso viele Scorerpunkte sammelte wie Poulsen. Er ist häufiger an einem Tor beteiligt als jeder andere RB-Spieler und hat an guten Tagen eine großartige Mischung aus Ballbehandlung und Zug zum Tor. Irgendwas an Augustins laxer Art scheint aber auch bei Hasenhüttl nicht so richtig gut anzukommen, was dazu führte, dass der Trainer den Franzosen mehrmals öffentlich rüffelte. Etwas, was eigentlich nicht wirklich Hasenhüttls Art ist. Man darf gespannt sein, ob das in der Rückrunde dazu führt, dass Augustin sein Potenzial konstanter abrufen kann oder ob es Spieler und Trainer eher weiter auseinandertreibt.

Federico Palcios (22 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Immer noch einigermaßen unklar, warum Palacios im Sommer in Leipzig blieb und keinen Wechsel anstrebte, den er nun im Winter vollzieht. Dass er ungefähr das achte Rad am Roller sein wird, war eigentlich schon vor der Saison absehbar. Auch hier machte Hasenhüttl sehr früh deutlich, dass er sich (im Training) wesentlich mehr erwartet. Wo Palacios nach vier Jahren RB Leipzig steht, kann wohl niemand realistisch einschätzen. Gutes Regionalliganiveau hat er bereits nachgewiesen. Aber das dürfte nicht das sein, was man sich in Nürnberg verspricht. Ein guter Abschlussstürmer ist Palacios in jedem Fall. Wenn man ihm denn den Ball in die Gasse oder vor dem Tor serviert. Mal sehen, ob er in Nürnberg Mitspieler hat, die ihn entsprechend einsetzen.

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Fazit

Bemerkenswert, dass vor allem im Mittelfeld die beiden zentralen Stützen der Offensive ziemlich deutlich eingebrochen und weggebrochen sind. Gerade mal sieben Torbeteiligungen haben Keita und Forsberg in der Bundesliga zusammen auf dem Konto. Da hatte man sich vor der Saison wesentlich mehr erhoffen können. Insgesamt haben bis auf Sabitzer und mit Abstrichen Kampl und Demme im Mittelfeld- und Offensivbereich nicht so richtig viele Dinge gezündet. Werners Quote ist deutlich schwächer geworden. Bruma fehlt es noch an Effektivität.Laimer ist der Geschwindigkeit der Bundesliga zumindest auf der Sechs noch nicht gewachsen. Poulsen braucht eine Anpassung an den neuen Spielstil. Und Augustin braucht weniger Schlampigkeit und dafür mehr Genie. Kaderplanungstechnisch täte RB nach dem Palacios-Abgang ein Offensivspieler gut. Zumal wenn man mit Kampl auf der Sechs und Laimer auf der Rechtsverteidigerposition plant. Es täte auch ein Spieler, den man alternativ auf der Zehn oder im Sturm einsetzen könnte. Wobei man einen solchen Spieler mit Bruma auch schon im Kader hätte. Mit Abouchabaka, Kühn oder Ludewig hätte man zudem Spieler für offensive Positionen im eigenen Verein in der U19. So man denn auf diese Spieler setzen würde.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ Thomas Bachun, Sven Sonntag

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Ein Gedanke zu „Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie Bundesliga 2017/2018 – Teil II“

  1. Bei diesem ernsthaften und auch gelungenen Versuch einer konkreten Einschätzung nach Positionsgruppen, warum die Nachwuchsförderung im viel gelobten Leipziger Club nicht den erwünschten Erfolg brachte, fehlte aus meiner Sicht auch die Erwähnung vom zwischenzeitlichen Wegbrechen der lockeren Austauschmöglichkeiten von „fast fertigen“ Talenten, die vom Salzburger Partnerverein willkürlich und nach entsprechenden Bedarf geholt bzw. weiter gewinnbringend verliehen werden konnten.

    Bis heute ist mir übrigens kein weiterer Fall bekannt, dass auch woanders ein Club in dieser Form und sogar von der gleichen Person (Sportdirektor Rangnick) gleichwertige Möglichkeiten hatte! Was bisher aber aus der umfangreichen, doch bekanntlich nun stark reduzierten „Talentbrut“ wurde, ist hinlänglich bekannt! In anderen Vereinen wäre die dafür verantwortliche Person bereits bestimmt verabschiedet worden…….

    Betrachtet man z.B. die Wahl um höher zu erreichende Einsatzzeiten, würde jeder andere normale Buchhalter oder Übungsleiter eher eigene preiswert erworbene Talente aus anderen Vereinen den Vorzug geben als den angeblich „fertigen“, doch bisher enttäuschenden, zu oft dribblingsverliebten portugiesischen Profi Bruma, der für 15 Millionen € (!) zu erwerben war (2.5 Mill. € mehr als sein derzeitiger Marktwert!) und auch noch mit einem kaum in der Realität zu erfüllenden Langzeitvertrag bis 2022 ausgestattet wurde…….

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