Dribbelkönige im direkten Duell um Platz 2

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht zur Partie von RB Leipzig beim FC Porto (01.11.2017, 20.45 Uhr) befindet sich kein Liveticker, sondern später nur eine kurze Zusammenfassung von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralph Hasenhüttl und Bernardo.]

Weiter geht es im Programm. Champions League steht auf dem Speisezettel. Und wenn die frühe rote Karte gegen Willi Orban im Spiel bei den Bayern am Samstag diesbezüglich für irgendwas gut war, dann das man das ganze spätestens in der zweiten Halbzeit als lockere Trainingseinheit runterspielte.

So geht man nach fünf Spielen (inklusive des Pokalfights letzte Woche) in 15 Tagen vielleicht nicht extrem frisch, aber doch vergleichsweise ausgeruht (zumindest ausgeruhter als nach einem normalen Bundesligaspiel gegen die Bayern) in ein ganz zentrales Spiel im Kampf um das Überwintern in der Champions League. Nach aktuellem Stand kämpfen Leipzig, Porto und Monaco um Platz 2 in der Gruppe G. Was sich in einer Vierergruppe natürlich auch schnell ändern kann, aber da Besiktas noch zweimal zu Hause antreten darf, scheinen die Türken vorerst einmal safe im Achtelfinale.

Das ist etwas überraschend, weil Besiktas im Vergleich mit dem Rest der Gruppe nicht unbedingt die beste Mannschaft an den Start bringt. Aber sie spielen ihre Partien recht routiniert und nutzen die Chancen, die sie kriegen. Das reicht in dieser ausgeglichenen Gruppe bisher schon zu zwei Auswärtssiegen. Holen, sie noch ein, zwei Punkte dazu, dann dürften sie durch sein. Mit zehn Punkten sollte man das Achtelfinale buchen können. Dass zehn Punkte nicht reichen, ist sehr selten. Wobei Porto 2015/2016 in der Champions League als letztes Team genau diese Erfahrung machte.

Egal wie, angesichts der aktuellen Situation, die sehr nach einem engen Rennen im Kampf um Platz 2 aussieht, kommt dem Duell mit Porto für RB Leipzig ein sehr wichtiger Charakter zu. Mindestziel muss ein Unentschieden sein. Mit diesem würde man nach dem 3:2-Sieg vor zwei Wochen zumindest schon mal das direkte Duell mit den Portugiesen gewinnen, das bei Punktgleichheit in der Gruppe über die Platzierung entscheidet. Wenn man sogar gewinnen könnte, würde man einen ganz großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Wenn auch noch nicht den entscheidenden.

Binnen zwei Wochen spielt RB Leipzig erneut gegen dasselbe Team. Wie schon gegen die Bayern, gegen die man binnen vier Tagen zweimal spielte, bedeutet das für RB vor dem erneuten Duell mit dem FC Porto auch einen geringeren Scoutingaufwand, da sich der Gegner und seine Spielweise nicht grundlegend geändert haben. Wobei es sein kann, dass Porto, ähnlich wie in der portugiesischen Liga, im Heimspiel gegen RB mehr auf Ballbesitz setzen wird, als man es bisher in den Auswärtsspielen in der Champions League tat.

56% Ballbesitz hat der Spitzenreiter Portugals in der portugiesischen Liga im Schnitt. Und operiert wenig mit langen Bällen, sondern meist mit ganz gepflegtem Kurzpassspiel. 23 von 28 Toren schoss man aus dem normalen Spiel heraus. Das ist mit riesigem Abstand der absoulute Topwert der Liga. Zum Vergleich: Bei RB Leipzig sind es in der Bundesliga gerade mal 10 Tore aus dem normalen Spiel. Bei 16 Treffern insgesamt.

In der Champions League kommt Porto allerdings bisher nur zu 46% Ballbesitz und erzielt Tore vor allem über Standards. Dabei gehört man zusammen mit RB Leipzig auch zu den Top6-Teams in Bezug auf die Anzahl erfolgreicher Dribblings. Auch diesmal wird es diesbezüglich darauf ankommen, wer diese individuellen Spiellösungen besser absichert.

In Leipzig setzte Porto entsprechend der Champions-League-Taktik 45 Minuten lang auf Konter und ging damit komplett baden. Nur am Spielstand (3:2 zur Pause) konnte man das nicht ausreichend ablesen, da Porto zwei Standards versenkte. In der zweiten Halbzeit brachte man das Spiel mit deutlich mehr Ballbesitz zumindest auf Augenhöhe.

In der Liga hielt sich Porto seitdem schadlos und fuhr in zwei Spielen 9:1 Tore und sechs Punkte ein. Wobei die Spiele sehr unterschiedlich waren. Beim 6:1 gegen den FC Pacos de Ferreira war die gegnerische Verteidigung irgendwo auf Kreisklassenniveau angetreten und das Spiel ein besseres Schaulaufen. Das 3:0 im Lokalderby gegen Boavista Porto war am vergangenen Wochenende derweil lange sehr umkämpft.

In beiden Spielen trat Porto mit Marega und Aboubakar als Doppelspitze an, während Marega zuvor meist noch auf der rechten Seite gespielt hatte. Die Physis des Offensivdoppels, dass in der portugiesischen Liga zusammen 16 von 28 Treffern erzielte, ist durchaus beeindruckend und wird noch mal gefährlicher, wenn beide zentral und im Strafraum positioniert sind.

Im Hinspiel in Leipzig enttäuschte Porto durchaus, weil sie wenig von der Mischung aus guter Organisation, Physis und fußballerischer Qualität auf den Platz brachten, die sie auszeichnet. Im Rückspiel wird man in Porto eher an den souveränen Auftritt in Monaco anknüpfen wollen. Und an das spielerisch ordentliche Auftreten gegen Besiktas, dem lediglich eine passable Chancenverwertung fehlte, um erfolgreich zu sein.

Bei dem Spiel hatte auch Iker Casillas einmal in einer Situation daneben gegriffen, die man durchaus als haltbar einschätzen würde, weil es ein nicht sonderlich platzierter Fernschuss war. Man hielt es für eine Randgeschichte in dieser Saison um Casillas. Bis der Spanier im Hinspiel in Leipzig plötzlich und unerwartet erstmals auf der Bank saß.

Für Casillas stand Jose Sa im Kasten und blieb dort seitdem auch. Ganz fehlerfrei war Sa schon in Leipzig nicht, aber für eine Rückkehr von Casillas reichte es trotzdem nicht. Die einstige Real-Legende beim FC Porto auf der Bank. Das sorgt natürlich für Wirbel und Nachfragen bei Trainer Sergio Conceicao, der erst seit diesem Sommer im Amt ist und ein durchaus eigenwilliger Charakter zu sein scheint.

Jedenfalls spinnen sich entsprechend um Casillas Storys, die in ihren Überhöhungen den Überhöhungen des Schaffens von Casillas bei Real wenig nachstehen dürften. Wenn man sie ein wenig runterbricht, dann scheint Conceicao seinen spanischen Keeper einfach nicht mehr auf Toplevel trainieren und spielen zu sehen. Welche Randgeschichten rund um Handynutzung und Verkauf wegen Financial Fairplay da dann zusätzlich noch relevant sind, ist dann auch gar nicht mehr so relevant.

Spannend wird, was RB Leipzig der Spielfreude des FC Porto in deren Estadio do Dragao, das in seiner Größe und Konstitution ein wenig an die Red Bull Arena erinnert, wird entgegensetzen können. Die Gastgeber hatten zwar am Wochenende ein etwas anstrengenderes Spiel als RBL, dafür aber auch keinen Reisestress und entsprechend etwas bessere Möglichkeiten, sich auf das Spiel am Mittwochabend vorzubereiten.

Bei RB Leipzig hatte man derweil am Montag trainingsfrei. Am heutigen Dienstag ging es dann gen Portugal. Morgen ist das Spiel. Viel Inhalte wird man da nicht mehr trainieren können. Aber angesichts des Spiels vor zwei Wochen gegeneinander ist das am Ende vielleicht auch nicht so zentral. Obwohl sich die Herangehensweisen der Portugiesen zwischen den Spielen durchaus deutlich unterscheiden könnten.

Für RB Leipzig ist es das vorletzte Spiel in dem zweiten Block englischer Wochen in dieser Saison. Entsprechend wird man in diesem wichtigen Spiel wohl alles an Qualität auf den Platz werfen, was sich nur halbwegs von Frische und Verletzungsgefahr her vertreten lässt.

Das bedeutet dann wohl auch die Rückkehr von Jean-Kevin Augustin. Mit dem Franzosen im Team schießt RB Leipzig in der Bundesliga bisher 2,76 Tore pro 90 Minuten, ohne ihn nur 0,7 Tore. Zusammen mit Werner dürfte er gegen einen Gegner, der stärker als im Hinspiel den Ball haben wird, die Doppelspitze bilden, die auf Umschaltsituationen setzt.

Auch Marcel Sabitzer wird man wohl letztmals vor der Länderspielpause in der Startelf sehen, weil er sich schlicht unersetzbar gemacht hat in den letzten Spielen. Dann stünde noch die Frage, ob Bruma über links kommt oder Forsberg.

Dahinter spricht eigentlich nichts gegen das Duo Kampl/ Keita. Zumindest wenn Keita spielfit gemacht wird, scheint dies derzeit Hasenhüttls 1A-Pärchen zu sein.

Und dahinter bleibt angesichts des wohl weiter fehlenden Ilsankers die Kette Bernardo, Orban, Upamecano, Halstenberg. Wobei man hinter Halstenberg, der zuletzt auch viel spielte, noch ein kleines Fragezeichen setzen könnte.

Erstmals in der Vereinsgeschichte wird auch ein Champions-League-Spiel von RB Leipzig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen frei empfangbar übertragen. Nach dem Pokalspiel in der ARD mit seiner enormen TV-Quote nun das nächste Spiel, mit dem man sich bundesweit präsentieren kann. Wird jetzt rein von der Ansetzung her sicherlich nicht der Quotenknüller schlechthin. Zumal die Sky-Quoten in der Vergangenheit darauf verwiesen, dass es für gute RB-Quoten auch einen guten, zugkräftigen Gegner brauchte. Aber ein Millionenpublikum ist dir am Mittwochabend mit Champions-League-Fußball immer sicher.

Mögliche Aufstellungen:

  • FC Porto: Sa – R. Pereira, Felipe, Marcano, Telles – Corona (André), Herrera, Danilo (André), Brahimi – Marega, Aboubakar
  • RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo (Klostermann), Orban, Upamecano, Halstenberg (Bernardo) – Kampl, Keita (Demme) – Sabitzer, Forsberg (Bruma) – Werner, Augustin

Fazit: RB Leipzig mit dem zweiten Champions-League-Auswärtsspiel der Vereinsgeschichte. Ein ganz wichtiges im Kampf um einen der ersten zwei Plätze und um das Überwintern in Europa. Mit einem Sieg könnte man schon einen sehr großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Wenn der FC Porto allerdings einen guten Tag erwischt und seine in Monaco beispielsweise gezeigte Mischung aus Defensivorganisation, guter Physis und offensiven Qualitäten/ Fähigkeiten am Ball auf den Platz bringt, dürfte das eine ganz schwere Aufgabe werden. Aber ist ja halt auch Champions League.

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim FC Porto nicht vor Ort verfolgen kann und am 01.11.2017, ab 20.45 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live bei Sky und im ZDF.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. FC Porto

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Wieder Anzugzeit für Ralph Hasenhüttl. | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig beim FC Porto. Mit Ralph Hasenhüttl und Bernardo.

Hasenhüttl: Noch unklar, ob Naby Keita mitwirken kann. Beißt hoffentlich auf die Zähne Stefan Ilsanker fehlt weiter.

Hasenhüttl: Training in Leipzig vor dem Spiel statt in Porto, um noch mal genau gucken zu können, wer verletzt und wer einsatzbereit ist und noch ein paar Inhalte und Automatismen zu trainieren. Leichte Abschlusseinheit in Porto habe keinen Sinn gemacht. Bernardo ist es egal, ob er  vor dem Spiel noch mal ein Abschlusstraining im Stadion hat.

Hasenhüttl: „Werden morgen versuchen, es besser zu machen als in Istanbul. Hoffe, wir sind einen Schritt weiter und können von Anfang an dagegen halten.“

Bernardo: Weiß noch nicht, ob er spielen darf. Hat Respekt vor Porto und vielen guten Spielern. Will gewinnen.

Hasenhüttl: Porto inzwischen eher im 4-2-2-2. Hofft, dass man Anfang an auf dem Platz sieht, dass man darauf vorbereitet ist. Sieg in Porto wäre „Riesenschritt“, um in Europa zu überwintern. Muss besser spielen als in Istanbul und wacher sein. Bruma ist eine Option von Anfang an. Hat das im Hinspiel gut gemacht. Hängt von der Besetzung der Sturmposition ab. „Wichtig, dass er fit und voll belastbar ist.“

Hasenhüttl: Lob für Bernardo. „Defensiv einer unser besten Spieler. Klar im Kopf. Guter Junge. Man kann sich immer auf ihn verlassen.“ Ist auch Übersetzer für Bruma.

Hasenhüttl: Bayern-Niederlage wirkt nicht nach. Man habe sich in München in Unterzahl gewehrt und in der zweiten Halbzeit kein Tor mehr kassiert. Man nehme positives mit. Positiv sei auch, dass Ibrahima Konaté unerwartet zu Spielzeit kam. Man sei aber fokussiert auf die Champions League.

Hasenhüttl: Bernardo hinten rechts mit dem linken Fuß nicht optimal. Hängt vom Gegenspieler ab, ob das Sinn macht. Dann ist das eine Riesenoption.

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