Bundesliga: FC Bayern München vs. RB Leipzig 2:0

Zehnter Spieltag der Bundesliga. Der FC Bayern München empfängt RB Leipzig. Topspiel. Viele Erwartungen. Es wurde diesbezüglich ein Rohrkrepierer. Denn eine frühe rote Karte entschied das Spiel, das der Meister dann locker nach Hause schaukelt.

Ralph Hasenhüttl hatte sein Team auf drei Positionen verändert. Jean-Kevin Augustin, Kevin Kampl und etwas überraschend auch Bernardo blieben auf der Bank. Lukas Klostermann, Diego Demme und Timo Werner durften dafür im 4-2-2-2 mitwirken.

Auf Bayern-Seite gab es auch drei Wechsel. Sebastian Rudy, Javi Martinez und James Rodriguez kamen für Corentin Tolisso, Arturo Vidal und den verletzten Kingsley Coman. Rudy und Martinez brachten ins Mittelfeld viel Ballsicherheit, Struktur und Gestaltungskraft ein. James spielte offensiv sehr kreativ und ansehnlich. Organisiert das ganze in irgendwas zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1. Rudy und Thiago spielten doch meist vor Martinez und nicht einer von beiden neben ihm.

Das Spiel dauerte letztlich nur zwölf Minuten. Und schon in den sah man, dass Bayern diesmal etwas besser ins Spiel findet als noch am Mittwoch. Schon früh gelang der ersten RB-Reihe das Anlaufen ganz vorn nicht ganz so gut, sodass man Hummels und Martinez nicht so richtig zu fassen kriegte und die gute Bälle nach vorn spielen konnten. Vor allem über die Außenbahnen und James und Robben probierte man es und war dabei schon früh vor allem nach Ecken, die aus den Angriffen resultierten, auch gefährlich.  Werner auf der anderen Seite darf nach einer Ecke auch mal den Kopf an den Ball bringen.

Dann kommt die zwölfte Minute und Bayern ist plötzlich in Überzahl. Weil der FCB durch die Mitte durchgebrochen war. Vielleicht nicht ganz zufällig, dass man so etwas noch am Mittwoch in Leipzig bei Elf gegen Elf überhaupt nicht gesehen hatte. Dass Robben und Lewandowski allein gegen Orban Richtung Gulacsi sprinteten, will man eigentlich nicht haben und war durchaus auch Folge des geringeren Zugriffs auf das Bayern-Spiel mit dem Ball.

Orban bringt Robben zum Fall. Schiedsrichter Siebert sieht darin nach Videobeweis eine Notbremse und folglich geht es mit Elf gegen Zehn weiter. Neben der veränderten Balance im Spiel und der Tatsache, dass der FCB-Spielaufbau mit nur einem Stürmer quasi nicht sinnvoll anzulaufen und einzubremsen ist, war die rote Karte vor allem auch ein Treffer für den Kopf.

Schon vor dem Spiel war klar, dass es extrem schwer sein würde, sich mental noch mal auf das Level von Mittwoch zu bringen. Die rote Karte war der vorentscheidende Wirkungstreffer, den die RasenBallsportler nicht wegstecken konnten. Schon wieder in Unterzahl nachdem man gerade erst so eine Energieleistung auf den Rasen gebracht hatte.

Vielleicht hätte man sich dazu noch mal aufraffen können, wenn es länger 0:0 gestanden oder man vielleicht sogar selbst auf irgendeine Art und Weise einen Platzverweis für die Bayern hätte ziehen können. Konnte man aber nicht. Stattdessen fiel schnell das 1:0 für die Gastgeber. Einfacher Doppelpass auf rechts. Robben ist durch und legt dem einlaufenden James auf, der locker und gekonnt einschiebt. Schönes Tor, dass man aber auch in Unterzahl so einfach nicht kassieren muss.

Robert Lewandowski mit der endgültigen Entscheidung im Spiel gegen RB Leipzig | GEPA Pictures - Marcel Engelbrecht

Hasenhüttl nimmt nun Werner raus und bringt Konaté, nachdem er zuvor die Herausstellung von Orban mit Klostermann als Innenverteidiger und Sabitzer als Außenverteidiger beantwortet hatte. Und so geht es in der Folgezeit nur um Schadensbegrenzung, weil aus allen Poren aller Beteiligten spricht, dass man diesen Tag schon abhaken kann und man nur gucken muss, dass man ohne Klatsche aus der Nummer rauskommt.

Man spielt es relativ konzentriert und tief im 4-4-1 weiter. Eins, zwei gute Chancen haben die Bayern trotzdem, bevor sie auf 2:0 erhöhen. Ein phantastischer Schnittstellenpass von Martinez lässt Lewandowski frei vor Gulacsi auftauchen. Keine Chance für den Ungarn.

In der zweiten Halbzeit werden dann bei RB nacheinander noch Sabitzer und Forsberg rausgenommen. Es gibt ja schließlich noch wichtigere Aufgaben, als bei den Bayern ein 0:2 zu verteidigen. Und insgesamt macht man das trotz ein paar ordentlicher FCB-Abschlüsse in der zweiten Halbzeit auch gut. Ohne ganz großen Aufwand verschanzt man sich in der eigenen Hälfte und verschiebt von rechts nach links und zurück und schießt was geht aus dem Strafraum. Nur nach vorn passiert gar nichts mehr. Bruma hat noch die Idee einer Chance nach Dribbling und den einzigen RB-Schuss aufs Tor in 90 Minuten. Poulsen kommt einmal fast durch. Das wars. Ansonsten ist man nur darauf bedacht, im Offensivspiel nicht zu viel Kraft zu vergeuden. Laimer sprintet da noch ein-, zweimal in der Bayern-Defensive herum nach seiner Auswechslung, merkt dann aber jeweils schnell, dass hinter ihm niemand nachrückt, sondern alle nur den nächsten Bayernangriff abwarten.

Der FCB seinerseits hat die Kontrolle über das Spiel, aber lässt die Dinge auch sehr ruhig angehen. Es geht vor allem in die Breite. Auch weil man vorn keinen Stürmer mehr hat, da Lewandowski vor der Pause raus musste. Entsprechend wechseln sich Vidal, Rudy und Thiago als falsche Neuner ab. Was die Bayern jetzt eigentlich spielen, weiß man manchmal gar nicht so recht. Teilweise wirkt es wie ein 4-3-3, dann wiederum nicht. Man spielt es relativ flexibel und halt eben mit vier gelernten Mittelfeldspielern. Da auch Robben immer mal ins Mittelfeld ausweicht, ballt es sich dort und lässt es sich den Ball gut zupassen, ohne dass man dabei sich oder dem Gegner sonderlich weh tun muss. Man spielt es halt runter und nimmt noch mit, was man an Torschüssen kriegen kann, ist aber vor allem darum bedacht, keine Bälle zu verlieren und RB nicht durch irgendeinen Konter oder irgendeinen Fehler ins Spiel zurückzuholen. Man spielt es halt irgendwie routiniert herunter.

Fazit: Nach der roten Karte und erst recht nach dem Rückstand gaben es Kopf und Beine bei RB nicht mehr her, dass man sich noch mal zu einer Energieleistung aufschwingt wie am Mittwoch. Spätestens ab dem 0:1 ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Entsprechend wurde es ein überschaubar attraktives Topspiel, weil RB nicht mehr wollte als mit wenig Aufwand möglichst wenig Gegentreffer zu kassieren und Bayern auch keine Lust hatte, nochmal eine Demonstration ihrer Stärke auf den Platz zu zaubern wie noch letzten Dezember. RB verteidigte das im 4-4-1 insgesamt gut. Nur blieb auch immer das Gefühl, dass nach 90 Minuten kein 2:0 an der Anzeigetafel gestanden hätte, wenn die Bayern richtig Bock auf mehr gehabt hätten.

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Randbemerkung 1:Im Vergleich zur Vorsaison RB Leipzig nach zehn Spielen mit fünf Punkten weniger (was auch noch mal zeigt, was für einen krassen Saisonstart man letzte Saison hingelegt hat). Gegen dieselben Gegner wie 2016/2017 holte man in dieser Saison bisher drei Punkte mehr wie im Vorjahr (wenn man Aufsteiger Stuttgart gegen Absteiger Darmstadt tauscht). Knapp zwei Punkte im Schnitt. Platz 3 nach zehn Spieltagen und dabei schon gegen Bayern und Dortmund gespielt. Das kann sich schon mehr als sehen lassen, was man da bisher geleistet hat. Und es liegt voll in dem Rahmen (erstes Tabellendrittel), in dem man die Mannschaft, so wie sie inzwischen zusammengestellt ist, verorten würde bzw. vor der Saison verorten konnte. Aber die Saison ist auch noch lang und nächste Woche wartet mit dem Spiel gegen den Vierten (Hannover) die nächste Herausforderung.

Randbemerkung 2: Etwa 7.500 RB-Fans mit beim Auswärtsspiel in München. Im Vergleich zur Vorsaison waren das genauso viele. München zog also auch dieses Jahr im Gegensatz zum Spiel in Dortmund. Insgesamt waren es damit bisher rund 2.800 Fans weniger bei sechs Auswärtsspielen als gegen die selben Gegner im Vorjahr. Was an eben den 5.000 Fans, die diesmal in Dortmund fehlten, liegt.

Randbemerkung 3: Ob München noch ewig als Reiseziel ziehen wird, muss man abwarten. Ist schon recht gastfreundlich dort, aber das Stadion und die Spieltagsgestaltung ist jetzt auch nicht jedermanns Sache. Und nach der dritten und vierten Niederlage fetzt es vielleicht für den einen oder anderen auch nicht mehr so richtig.. Ich selbst bin jetzt nicht der allergrößte Freund der Allianz Arena im Allgemeinen. Was noch nicht mal unbedingt an so etwas wie der Lichtshow liegt, die man da vor dem Spiel und bei Toren eingeführt hat und gegen die sich FCB-Anhänger auch per Banner wendeten. Ich fand es in den 90ern, als ich noch viel Basketball guckte, bei den Chicago Bulls ja immer total großartig, wenn die Spielerpräsentation mit Laser-Bullen (ja der Weg zu RB Leipzig war früh vorgeprägt), dunkler Halle und Spotlight auf den Spielern durchgeführt wurde. Aus irgendeinem Grund finde ich es im Fußballstadion aber auch total befremdlich, hab aber eine Idee, dass das andere vielleicht ganz anders sehen könnten..

Randbemerkung 4: Vor der Partie hatte ich mir ja eine langweilige FCB-RBL-Partie durchaus gut vorstellen können. Aber die Szenarien sahen dann auch nicht so aus, dass das Spiel schon nach 45 Minuten komplett entschieden ist und dann die Zeit einfach runterläuft. Es war irgendwann ein extrem trostloses Topspiel, das der Heimanhang eher stoisch zur Kenntnis nahm, während man im Gästeblock nur noch selten in Wallung kam und der Uhr beim Runterticken zuguckte. Höhepunkt der Tristesse, dass das Stadion schon zehn Minuten vor dem Ende (na gut, vielleicht fünf) halbleer war. Meister gegen Vizemeister..

Randbemerkung 5: Es war schon ein ganz schön krasse Schaukeln des Spiels über die Zeit. Stell dir vor, du spielst 80 Minuten lang zu zehnt bei den Bayern und sparst dabei noch Kraft. So ungefähr war es für RB. 99,9 km lief man in den 90 Minuten insgesamt. Wenn man das auf elf Spieler a 90 Minuten hochrechnet, dann wäre man bei 109 km. Das wären rund sieben Kilometer weniger als man in dieser Saison auf 90 Minuten gerechnet im Schnitt pro Spiel läuft. Wohlgemerkt in Unterzahl in einem Spiel bei den Bayern. Dass es sehr gemütlich und entspannt zuging, zeigte sich auch in den 105 km Laufstrecke der Bayern, was auch noch mal fast sechs Kilometer unter der sowieso schon nie hohen Laufleistung des Meisters lag. Zwei Mannschaften, die im Topspiel der Liga nach der Kraftanstrengung im Pokal einfach mal eine Runde Kraft sparen. Hätte man so wohl auch nicht vorhersagen können.

Randbemerkung 6: Wie das Spiel aus RB-Sicht nach Platzverweis und Rückstand angegangen wurde, zeigte sich auch darin, dass Peter Gulacsi die meisten Ballkontakte unter den RB-Spielern hatte. Bloß kein Risiko nehmen. Bloß nichts verrücktes machen. Zeit runterlaufen lassen. So das Motto.

Randbemerkung 7: Ist halt auch bitter, wenn man fast 80 Minuten lang Elf gegen Zehn spielt. Das ist auf dem Niveau, auf dem die Bayern spielen, einfach nicht zu kompensieren und macht das Spiel vorhersehbar. Schade drum. Wäre halt die Frage, ob man es anders spielen könnte, als es RB jetzt dreimal (BVB und zweimal Bayern) gemacht hat. Also klassisch vorn einen Stürmer wegnehmen und sich am Strafraum verschanzen. Wäre ja vielleicht auch mal eine Option, mit zwei Stürmern weiterzuspielen und hinten umzubauen. Bspw. auf eine Dreierkette (3-4-2 aka 5-2-2) oder im Mittelfeld einen wegzunehmen (4-3-2). Das Problem gegen Bayern und Dortmund mit nur einem Stürmer war ja jeweils, dass dann die Gegner relativ frei aus der Innenverteidigung anfangen konnten, RB zu bespielen, ohne von den RB-Stürmern früh unter Druck gesetzt zu werden. Und ohne Druck in vorderster Reihe ist RB dann eben doch auch irgendwie eine gewöhnliche Bundesligamannschaft, die (wie am Mittwoch) viel Glück braucht, um nicht zu verlieren. Ralph Hasenhüttl wird wohl aber statt über Unterzahlsysteme nachzudenken lieber hoffen, dass er die Variante zu zehnt diese Saison nicht mehr allzu oft braucht..

Randbemerkung 8: Endgültig ein Bayern-Spieler scheint Joshua Kimmich geworden zu sein. Zumindest aus der Sicht der RB-Fans. Denn bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss bekam er dieselben lautstarken Pfiffe ab wie die anderen Bayern-Spieler bei ihrer Auswechslung auch. Das wirkte etwas seltsam (zumal zu dem späten Zeitpunkt im Spiel ansonsten nur noch wenig spielbezogene Aufregung im Gästeblock herrschte), weil man bisher eigentlich das Gefühl hatte, dass die Beziehung zwischen  Kimmich und RB-Fans über den Wechsel zu den Bayern hinaus intakt geblieben ist.

Randbemerkung 9: „In Leipzig nur Lok und Chemie.“ (Banner im FCB-Block) Und Roter Stern und Inter und Blau-Weiß! Und Gabi liebt Klaus.

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Lichtblicke:

  • Ibrahima Konaté: Kam nach 21 Minuten zu seinem dritten Bundesligaeinsatz und machte seine Sache sehr gut. Unaufgeregt, zweikampfstark, weitgehend ohne Fehler. Scheint einen ähnlichen Weg wie Upamecano zu gehen. Bei ähnlichen Anlagen.
  • Naby Keita: Vielleicht wäre es sein Tag geworden, wenn man Elf gegen Elf gespielt hätte. War ball- und passsicher und warf sich wie gewohnt in Zweikämpfe und Balleroberungen. Nur Anspielstationen hatte es relativ schnell nicht mehr. Von daher blieb es alles eher ziellos. Hatte zwar vier Fouls, aber es waren keine blöden darunter, für die man zwangsläufig gelb sieht. Gab ein, zwei Situationen, in denen er in klassischen Keita-gelb-Foulsituationen zurückzog. Ob das nun Lerneffekt oder einfach nur dem Spielverlauf geschuldet war, bleibt natürlich schwer zu beurteilen.
  • Diego Demme: Fleißig wie immer. Lückenstopfend. Und vor allem in der zweiten Halbzeit elementarer, passsicherer Bestandteil beim Bewegen des Balls hintenherum, bis man ihn wieder den Bayern in deren Hälfte übergab.

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Tore: 1:0 James (19.), 2:0 Lewandowski (38.)

Rote Karte: Orban (13./ Notbremse)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg – Keita, Demme – Sabitzer (46. Bruma), Forsberg (62. Laimer) – Poulsen, Werner (22. Konaté); Bank: Mvogo, Bernardo, Kampl, Augustin; Nicht im Kader: Ilsanker (verletzt), Coltorti, Köhn, Schmitz, Kaiser, Compper, Palacios, Abouchabaka, Kühn

Aufstellung Bayern München: Ulreich – Kimmich (84. Rafinha), Boateng, Hummels, Alaba – Martinez – Robben (86. Tolisso), Rudy, Thiago, James – Lewandowski (45. Vidal)

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Hatte in dem Spiel wenig zu tun, weil nach dem Platzverweis gegen Orban die Luft raus war und beidseits nur noch wenig Intensität in die Partie eingebracht und entsprechend wenig Foul gespielt wurde. Thiago hatte sich seine gelbe Karte am Ende noch mal redlich verdient und hätte sie schon früher bei der Verhinderung einer Umschaltsituation im Mittelfeld sehen können. Da verzichtete Siebert noch. Ganz in der Logik eines Spiels, in dem er ganz gut ohne gelbe Karten auskommen konnte. So kam auch Keita trotz vier Fouls an gelb vorbei. Das war grundsätzlich in Ordnung so, weil bis auf das Foul, das zu Gelb für Thiago führte, auf beiden Seiten nichts böses dabei war. Trotz großer Akzeptanz allerseits muss man über den Platzverweis gegen Orban aber doch noch mal reden. Sanktioniert wurde nach Einschalten des Videobeweises und nachdem sich Siebert die Bilder selbst noch mal angeschaut hatte die Verhinderung einer klaren Torchance. Im Stadion habe ich schon gestaunt, dass Siebert da überhaupt Videobedarf hat und nicht einfach mit gelb und Freistoß weitermacht. Wenn man sich die Bilder anschaut, dann strebt Robben mit dem Ball auf Gulacsi zu und spielt ihn, weil er Orban im Rücken hat in den Laufweg von Lewandowski, für den der Ball aber zu lang ist, sodass Gulacsi vorher dran ist. Deutlich nach dem Abspiel des Balles wird Robben dann von Orban gefoult. Foul ist unstrittig. Zumindest über Gelb muss man wegen des taktischen Elements des Fouls vielleicht auch nicht diskutieren. Dann wird es aber schon vertrackt. Für das Verhindern einer klaren Torchancen wäre es essenziell, dass (da Lewandowski nicht mehr an den Ball kommt) Robben selbst den Ball, den er in den Lauf von Lewandowski gelegt hat, erlaufen kann (vielleicht war es auch tatsächlich gar kein Pass, sondern eine Vorlage für sich selbst). Selbst nach mehrmaligem Anschauen der Szene in Zeitlupe erschließt sich mir aber nicht, wie Robben diesen Ball, den Lewandowski nicht erreichen konnte, hätte erreichen sollen, wo der Holländer doch sogar noch den leicht längeren Laufweg hatte. Wenn man diesem Gedankengang folgt, fällt aber auch die Argumentationsgrundlage für eine Vereitelung einer klaren Torchance durch Orban weg. Und somit auch die Grundlage für rot. Das mag man diskutieren können und Siebert musste die Entscheidung schnell treffen und nicht nach zehnmaligem Anschauen der Situation. Dass sich Siebert da  so sicher war, dass für ihn nach Anschauen der Bilder nur rot in Betracht kam, überrascht aber, da ich persönlich gerade dem Video keine Evidenz für diese Einschätzung, dass Robben sicher noch hätte an den Ball kommen können, entnehmen konnte. Schade drum, aber vielleicht gerät in so einer Situation das ‚dann schaue ich mir die Szene noch mal schnell am Spielfeldrand an‘ auch an seine Grenzen. Fakt aber auch, dass es nicht sonderlich klug von Orban ist, da so hinzugehen und die Notbremse billigend in Kauf zu nehmen. Ein bisschen witzig an der Sache, dass Hasenhüttl, der am Mittwoch noch die völlig unstrittige gelb-rote Karte gegen Keita nicht verstehen wollte, nun die zumindest diskutierbare rote Karte gegen Orban regelkonform empfand. Vielleicht hatte er aber auch nur kein Bock auf eine neue Schiedsrichterdebatte nach einem Spiel, in dem es eigentlich keinen Bedarf gab, über den Schiedsrichter zu debattieren. Etwas unschön bleibt es aber am Ende der englischen Woche halt doch, dass RB in 210 Minuten gegen die Bayern bis auf den Poulsen-Elfmeter letztlich alle relevanten Situationen gegen sich gepfiffen gekriegt hat. Aber man kann halt Daniel Siebert auch nicht die Inkonsistenz in der Entscheidungsfindung bei Felix Zwayer am Mittwoch in der Bewertung mit aufhalsen.)

Gelbe Karten: Thiago | –

Zuschauer: 75.000 (davon 7.500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, FCB-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 23 : 3
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 12 : 3
  • Schüsse auf das Tor: 7 : 1
  • gewonnene Zweikämpfe: 54,7% : 45,3%
  • Ballbesitz: 68,5% : 31,5%
  • Passquote: 91,8% : 81,0%
  • Laufstrecke: 105,0 km : 99,9 km
  • Sprints: 170 : 135
  • Intensive Läufe: 513 : 498
  • Fouls: 7 : 9
  • Ecken: 11 : 1
  • Abseits: 5 : 0
  • Meiste Torschüsse: James: 6 – Werner, Poulsen, Bruma: je 1
  • Meiste Torschussvorlagen: Kimmich, James: je 4 – Forsberg, Keita: je 1
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Boateng: 71,4% – Havard: 83,3%
  • Meiste Ballkontakte: Hummels: 117 – Gulacsi, Upamecano, Demme: je 49
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Robben: 95,5% – Keita: 96,7%
  • Größte Laufstrecke: Thiago: 10,8 km – Demme: 11,8 km
  • Meiste Sprints: Alaba: 26 – Klostermann: 19

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner – 5; Augustin – 3; Poulsen, Sabitzer – je 2; Orban, Bruma, Keita, Klostermann – je 1

Saisonvorlagengeber: Augustin – 4; Sabitzer – 3; Halstenberg, Werner – je 2; Forsberg, Kampl, Bernardo, Keita, Bruma – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 4; Forsberg, Kampl, Sabitzer – je 3; Upamecano, Laimer, Halstenberg, Keita – je 2; Gulasci, Ilsanker, Klostermann, Bruma, Poulsen – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Marcel Engelbrecht

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16 Gedanken zu „Bundesliga: FC Bayern München vs. RB Leipzig 2:0“

  1. Sehr gut beobachtet. Das war keine klare Torchance und damit keine rote Karte.
    Warum wird das Beeinflussen und bewusste Steuern von Schiris nicht unterbunden und als grobe Unsportlichkeit gewertet ?

  2. Ich habe schon vor 2 Jahrzehnten aufgehört Spiele der Bayern zu schauen weil auch damals schon permanent pro Bayern gepfiffen wurde. Habe dann letzte Saison und diese Saison die Spiele gegen RB verfolgt und dann nach dem Pokalspiel wieder damit aufgehört. Ich kann mir auch nicht erklären wie solche Absprachen funktionieren. Muss jeder BuLi Schiedsrichter in einen FCB Fanclub eintreten? Gibt es irgendwelche Blutrituale nachts um Mitternacht über dem FCB Logo bei Schiedsrichtertagungen? Ich weiß es nicht aber ich schau Bayern Spiele halt zukünftig wieder nicht an auf nationaler Ebene.

  3. Eigentlich war mir das Spiel gestern ja egal, nach diesem Verlauf ist das aber schon wieder einmal nicht mehr so. Wieso wird der VAR zur Anwendung gebracht, wenn gar keine klare Fehlentscheidung getroffen wurde, das Foul wurde ja mit Freistoß und gelber Karte (diese war sicherlich auch im Ermessensspielraum liegend) geahndet? Wieso kapituliert der Coach mit seiner Auswechselei vor Don Jupp (dieser hat das Trainerduell wie erwartet 2 x klar für sich entschieden), es sollen Teams in Unterzahl schon Spiele für sich entschieden haben? Ich kann die Statements („Lehrgeld gezahlt“, „Kräfte geschont“, „Niederlage nicht ärgerlich“ etc.) langsam nicht mehr hören, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht, die auch noch fürstlich honoriert wird. Unsere Defensive sollte bei Möglichkeit schon im Winter verstärkt werden (die Schnelligkeitsnachteile sind augenscheinlich, verwundert aber gerade beim „System RB“). Da gibt es ja diesen berühmten Spruch zum Gewinn von Meisterschaften… So ein abgezockter alter „Drecksack“ wie z.B. Vidal fehlt einfach weiter in unserem Team. Die mitgereisten RB-Fans konnten einem Leid tun. Für den Mittwoch bin ich verhalten optimistisch, weiß aber selbst nicht warum. Die Meisterschaft wird eh bei den Spielen gegen die „Kleinen“ entschieden, zumal die „Mehrfachbelastung“ (was für ein schrecklicher Begriff für einen Fußballprofi) zeitnah eh vorbei sein dürfte.

    1. Interessante Vorstellung dass Red Bull Leipzig mit 10 oder 9 Mann das schaffen soll was andere Teams nicht mit 11 auch nur annähernd zustande bringen.Ich habe das für eine sehr kluge Entscheidung gehalten sich deutlich zurück zu nehmen da man noch 2 schwere Spiele zu bestreiten hat. Auswärts in der CL und Heim gegen Hannover die gerade gezeigt haben dass sie kein Fallobst sind.

      Warum also noch Energie in ein längst verloren gepfiffenes Spiel leiten.

    2. Ganz einfach, weil ich den Pfeifen von SPON nicht diese Schlagzeile gönne: „Im Kapitulationsmodus!“
      Da hat man viel kaputtgemacht, ich wäre als Spieler um mein Leben gerannt, gerade bei den arroganten Bayern, gerade nach Mittwoch!

    3. @Henne,

      um dann auch die nächsten Spiele aufgrund des Kräfteverlusts zu verlieren?

  4. Ist schon putzig. Uneindeutige Situation. Und im Zweifelsfall entscheidet der Schiri für den FCB. Auch nach Entscheidungshilfe. Auch nach längerer Überlegung. Auch nach dem Pokalspiel. Putzig. Na hoffentlich geht das mal nicht schief. Irgendwie.

    Wird Orban jetzt eigentlich gesperrt? Für 3 Spiele wegen Schubsens mit Videobeweis? So wie Vidal nicht, wegen versuchtem Beinabscherens ohne VB? Eh Leute! Finds grad bissel sinnlos.

  5. RBB,
    nach Deiner „Randbemerkung 4“, die eigentlich das gesamte Geschehen sehr treffend und gut nachvollziehbar schilderte, hättest auch Du einmal eine Pause in der sonst aufregenden Berichterstattung rund um die „RasenBallsportler einlegen können……..

  6. Ich denke der Hinweis das man Bayern Spiele nicht mehr schauen sollte ist ein guter Hinweis. So hab ich es nach Mittwoch auch gehalten. Gut so. Schade das bei sowas einem die Lust an der Bundesliga gehörig vergeht… Wird der FCB eben sanft zur nächsten Meisterschaft geschaukelt…

    1. Meiner Meinung nach sollten auf nationaler Ebene alle Spiele gegen Bayern mit 3:o für diese gewertet werden und DFB Pokal und Meisterschale per Dauerüberweisung dahin gehen. Dann braucht man sich diese Zeitverschwendung halt nicht mehr antun. Bin gerade am Überlegen ob ich mir ein DAZN Abo zulege und EPL schaue. 9,99 € per Monat nach dem Gratismonat und monatlich kündbar. Die technischen Unzulänglichkeiten dort scheinen inzwischen behoben.

  7. Volle Zustimmung zu Randbemerkung 7! RB bräuchte einen besseren Plan B für den Fall eines Platzverweises. Es ist schwach und unnötig, wenn der „Matchplan“ damit sofort aufgegeben und das Spiel hergeschenkt wird.

    Es ist manchmal sinnvoller ein Gegentor durch Notbremse zu verhindern, als dieses zu kassieren. Deshalb sollte ein Matchplan für 10 gegen 11 existieren. Oder man verbietet den Spielern solche Notbremsen früh im Spiel generell und versucht dann 11 gegen 11 den Rückstand aufzuholen.

    Ohne Videobeweis hätte es keine rote Karte für Orban gegeben, da im Zweifelsfall für den Angeklagten entschieden wird. Dass sich der Schiri den Videobeweis am Spielfeldrand nur so kurz ansieht, ist sinnfrei, da die Stärken des Videobeweises ja gerade in Zeitlupen und verschiedenen Perspektiven liegen.

  8. Ich finde einige Aussagen hier bezüglich Schiedsrichter Siebert oder gar ein „die Bayern werden ja sowieso bevorzugt“ deutlich übertrieben, das war meiner Meinung nach bei diesem Spiel eben nicht so. Es war ein Spieler (bzw. sogar 2) allein durchgebrochen und der wurde ziemlich heftig weggeräumt. Habe das Spiel auf Sky gesehen und in den ersten Wiederholungen nicht erkennen können, ob Robben da noch an den Ball gekommen wäre. Dass Lewandows ihn nicht mehr erreicht sagt auch wenig, denn der hatte schon abgebremst. Immerhin war Gulasci tatsächlich mal zum richtigen Zeitpunkt schnell herausgelaufen. Insgesamt sehe ich das durchaus als Verhinderung einer klaren Torchance, und wenn das auf der anderen Seite passiert wäre, gäbe es von Seiten der RB-Fans sicher keine Schiedsrichterkritik.

    An der Leistung von Herrn Siebert habe ich kaum was auszusetzen, außer dass die Gelbe Karte für Thiago schon früher hätte kommen müssen. Der wäre zwar sicherlich clever genug um eine Gelb-Rote zu vermeiden, aber Keita wäre dann nicht mehr aus dem Spiel getreten worden. Spielentscheidend wäre das alles aber nicht gewesen.

  9. Volle Zustimmung zu Deiner Einschätzung der roten Karte. Das war niemals „regelkonform“, weil es keine hundertprozentige Torchance war und weder Robben noch der hämisch Beifall klatschende und fallsüchtige Lewandowski an den Ball gekommen wären. Viel wichtiger finde ich den formalen Einwand, dass der Video-Kontrolleur gar nicht eingreifen durfte, denn nach meinem Kenntnisstand greift der Videoassistent nur bei einer klaren Fehlentscheidung ein. Siebert hatte aber noch gar keine Entscheidung getroffen, da wurde ihm schon gesagt, er soll rot geben. Wahrscheinlich, damit die Leipziger Körner für Mittwoch sparen.
    Und: Ich behaupte und bin mir ziemlich sicher, dass Boateng oder Hummels für das gleiche Foul wie von Orban niemals rot gesehen hätten. Komischer Fussball das. Aber warum sollte es dort anders sein als überall sonst auch. Diejenigen, die die Macht haben, werden hofiert. Kein Schiedsrichter scheint sich, zumindest auf nationaler Ebene, zu trauen, gegen die Bayern zu pfeifen.
    Was mich beruhigt: Heynckes, der alte Fussballfachmann und Gentleman, hatte am Mittwoch nicht umsonst Nasenbluten. Er hat genau gesehen, wie chancenlos die Bayern gegen 11 Leipziger waren.

  10. Pokal und Ligaspiel sind jetzt schon wieder Geschichte, aber es brodelt in mir weiter. Es muss also einfach mal aus mir raus, sorry!

    Auch wenn man die Fanbrille bewußt absetzt und gewollt extrem sachlich denkt – beide Spiele haben Schiedsrichterentscheidungen massiv beeinflusst und das Ligaspiel m.E. entschieden.
    Jede Entscheidung für sich kann man so sehen und geben …. nur in der Summe kommt ein klares „pro Bayern“ heraus. Pokal war übel, Wenn Hr. Zwayer das Spiel hätte für die Bayern bewußt manipulieren wollen, hätte er genau so pfeiffen müssen….

    Wenn Hr. Zwayer am Mi gegen Bayernfouls auch so Karten zieht, geht Vidal nach dem Foul an Forsberg duschen, er musste nach 3 Fouls schon gelb haben müssen – damit gelb-rot. Und das war ein Elfer! Spiel geht danach völlig anders weiter und RB kann führen. Weiter: bei gleicher Regelauslegung von Zwayer bei Bayern-Zweikampfführung haben vor der Pause zusätzlich Robben, Tollisso und evtl. auch Thiago gelb.
    3x offene Sohle von Tollisso auf den Fuß des Gegenspielers ist nicht mal eine gelbe Karte??
    Thiago sieht für einen Tritt an den Kopf von Demme nur gelb? Er hat ihn dabei definitiv auch gesehen! Rohes Spiel und glatt rot! Damit spielt Bayern zumindest die Verlängerung auch nur zu zehnt weiter…zum Vergleich: Keita sah gegen M’Gladbach Kramer nicht kommen und sieht rot + 3 Spiele Sperre……

    Von Orban war das am Sa sicher relativ ungeschickt, aber in mir bleiben massive Zweifel an „Tatbestand Notbremse“. Ob Robben diesen Ball vor Gulacsi noch erläuft ist für mich sehr fraglich, Den Ball hatte er nicht, der Körperkontakt von Orban war nur mit Hüfte und Oberkörper. Und eine eindruckende holländische Flugleistung mal wieder, wer will erkennt schon auch ein bewusstes Abheben…..
    Aber Platzverweise in München kennen wir ja schon, Forsberg flog beim letzten Mal ja auch sofort….. Was mich zu der Frage bringt, wieso denn eigentlich Thiago weiterspielen durfte, das war keineswegs das 1. Mal, dass der mit der Sohle in Keitas Füssen landete. Selbst, als er ihn dabei abschließend verletzt ist das dann „nur“ gelb?? Tut mir leid, aber auch Siebert schien des Öfteren mit 2erlei Maß zu bewerten und dabei war scheinbar die Trikotfarbe maßgebend.

    Hasenhüttel, Team und Umfeld diskutieren nicht gegen die Rote Karte in München, die das Spiel entschied. Das scheint mir aber eher darin erklärt, dass man auf ein „schlechter Verlierer“-Image keinen Bock mehr hat, zu ändern ist es eh nimmer. Porto steht an und ist im Kopf viel wichtiger.

    Abschließende philosophische Frage: Diese Bayern sind also das individuell am besten besetzte und spielerisch soviel bessere Team der Liga? Na ja…. Alle letzten 3 Spiel mit langen 11 gegen 10 unter tatkräftiger Mithilfe der Schiedsrichter……das gewinnen auch andere und m.E. klarer und überzeugender.

    Sorry für den langen Text.

  11. Wie viele, habe auch ich mich auf das Spiel gefreut und dann solch ein Beginn.
    Nun ja, zum SR ist alles gesagt worden hier und im Netz.

    Bleibe ich halt bei den Lichtblicken.
    Ich habe Konate schon eine Weile am Cottaweg bei den U-Spielen beobachten können, aber hätte nie gedacht, daß er schon soweit sein könnte.
    Das sieht schon mal sehr gut aus und mit Talabidi wartet ein ähnliches Talent in der U17.
    Das gute ist ja, man brauchte nur 99 km zu Laufen und konnte sich auf Hinblick gegen Porto schonen, die ja selbst 80 Minuten lang alles geben mussten im Stadtderby.

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