Der rotebrauseblog in der Saison 2017/2018

Eine neue Saison hat sich schon letzte Woche auf den Weg gemacht. Die zweite für den RasenBallsport in der Bundesliga. Und die erste Saison in Europa. Viele Abenteuer warten auf alle Beteiligten. Wie viel Happy End die Geschichte haben wird, weiß man vorher nie. Auf jeden Fall warten diverse aufregende Fußballtage.

Auch für diesen Blog geht es damit in eine neue Saison. Mittlerweile die achte Spielzeit mit (stetig wachsender) Komplettbegleitung. Wobei das Nachvollziehen aller Dinge, die rund um den RasenBallsport passieren, in den vergangenen Jahren und vor allem in den letzten 12 Monaten immer schwieriger wurde.

Das Rad, mit dem Neuigkeiten oder weniger neue Igkeiten publiziert werden, dreht sich immer schneller. Sich davon frei zu machen und das ganze auf seinen relevanten Kern zu reduzieren, ist durchaus eine Herausforderung, die ich immer noch nicht komplett gemeistert habe.

Mit der immer größeren Geschwindigkeit und der deutlichen Erhöhung an schierer Masse an Information ist auch verbunden, dass es in der Nische, die dieser Blog ja auch ist, wieder mal etwas enger zugeht. Zu Regionalligazeiten gab es abseits der ein, zwei lokalen Medien keine tagesaktuelle Berichterstattung rund um RB Leipzig, sodass man mit vielen Dingen relativ exklusiv unterwegs war und per se interessant blieb, selbst wenn man Analysen auch in mehr als sechs oder acht Absätzen vortrug.

In der Bundesliga sieht das ein ganzes Stück anders aus. Die Parzellierung von Information zu immer kleineren Bruchstücken, an denen man sich dann aufhängen kann, ohne noch auf die vielleicht dahinterliegende, größere und differenzierte Logik zu achten, nimmt immer weiter zu. Das liegt ein wenig in der Natur der Dinge, die man vielleicht als Facebookisierung der Kommunikation bezeichnen könnte. Dinge müssen sich schnell liken oder dissen lassen. Alles was darüber hinaus geht, hat es da schon schwer wahrgenommen zu werden.

Nein, das ist kein Kulturpessimismus, lediglich eine Feststellung. Ein Blog wie dieser hier, lebt ja auch sehr davon, dass die Medienmoderne auch Räume zulässt, die man nach eigenem Gusto füllen kann. Aber man merkt durchaus am Umgang mit manchen Texten, dass es schwerer geworden ist, sich gegen den permanenten Stream an Informationen zu behaupten. Alles rund um die Spiele geht hier im Blog weiterhin sehr gut. Die Ordnungsfunktion der Presseupdates wird auch ordentlich genutzt. Alles was darüber hinaus gehend (vor allem statistische) Analysen beinhaltet, hat es da schon schwerer.

Aber als eine Art Anti-Focus in Sachen ‚an den Leser denken‘ ist das nicht die ganz zentrale Kategorie meines Schreibens. Denn ginge es um reine Zugriffe und nicht darum, sich Dingen aus Lust und Laune zu widmen, wäre das hier der BILD- oder LVZ-Blog und nicht der rotebrauseblog. Wobei Lust und Laune natürlich nicht heißt, beim Formulieren und Schreiben die Sorgfaltspfllicht gegenüber der Richtigkeit der publizierten Informationen und Fakten außer Acht zu lassen.

Diese RB-Blog-Plattform lebt in letzter Konsequenz aber nicht nur immer noch, weil Lust und Laune im Kern nie nachgelassen haben, sondern vor allem wegen der LeserInnen und SupporterInnen. Warum dieser Blog Unterstützung braucht und warum ich es sinnvoll finde, diesen Blog zu unterstützen, habe ich einst dargelegt, als der rotebrauseblock, die Blogsupporterplattform an den Start ging.

Das ist nun auch schon wieder fünf Jahre her. Die Idee ging insofern auf, dass es einige Menschen gibt, die diesen Blog seitdem in teilweise beträchtlicher Höhe unterstützt haben. Die grundsätzliche Idee, dass viele Menschen wenig zahlen, ist dagegen nicht ganz so aufgegangen, weil eher wenige Menschen viel zahlen. Insgesamt ist es allerdings auch ein ganz hübscher Supporterhaufen, der sich da über die Jahre angesammelt hat und dem ich zutiefst verbunden bin, dass sie die Seiten hier so schätzen, dass sie dafür auch Geld ausgeben.

Wobei die alte Umsetzung mit einer virtuellen (aber nicht mobilgerätetauglichen) Tribüne, auf der man sich einen Platz kaufen kann, um den Blog zu unterstützen, auch langsam an seine technischen Grenzen kommt bzw. vielleicht als Gimmeck technisch nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Kann schon sein, dass da künftig noch mal andere Micropayment-Plattformen von mir ausgegraben werden. Ein bisschen fehlt mir da immer Lust und Zeit, um mich diesen Themen intensiv zu widmen.

Aber schon jetzt sind die Möglichkeiten der Unterstützung dieses Blogs vielfältig. Neben dem rotebrauseblock-Supporter kann man den Spenden-Button in der linken Seitenleiste (bzw. mobil unter dem Beitrag) nutzen. Man kann bei Bestellungen bei Amazon über die Amazon-Suchbox rechts in der Seitenleiste (oder mobil unter dem Beitrag) gehen, wodurch automatisch ein paar Prozent des Einkaufspreises hier zum Schreiber dieser Zeilen wandern. Auch rechts (bzw. unten) sind meist noch ein, zwei Affiliate-Angebote eingebunden. Sprich, wenn man dort über die Links hier im Blog bestellt, wandern wieder Prozente… Na, ihr wisst schon. Flattr gibt es glaube auch noch. Individuelle Lösungen und Beteiligungen an Lotto-Gewinnen sind sowieso immer möglich. Dezent platzierte Werbung gibt es auch, falls man nicht mit Ad-Blockern unterwegs ist. Aber klassische Bannerwerbung ist eigentlich von finanzieller Seite aus gesehen praktisch tot.

Querfinanziert wurde dieser Blog in der Vergangenheit durch einen Nebenjob in einem Hotel und dortige Rezeptions-Nachtschichten. Inzwischen wurde das durch das Schreiben drüben bei RBlive ersetzt. Eine dieser Plattformen, die die Parzellierung von Information rund um RB auch noch mal ein ganzes Stück vorangetrieben haben. Auf freier Basis ist das eine kleinere Teilzeitbeschäftigung. Zusammen mit den Blog-Einnahmen kommt dann der Ertrag einer besseren Wissenschaftlichen-Hilfskraft-Stelle auf 19h-Basis heraus. Nichts wovon man reich wird, aber vom Familienrat ist es als ok abgesegnet und ein bisschen erkauft man sich durch Einbußen bei den Finanzen dann halt auch die relative inhaltliche Freiheit.

Für die kommende Saison bedeutet das, dass sich erstmal wenig ändern wird. Erstmal sind keine neuen Formate geplant. Der Respekt vor der Champions Leauge und den Unmengen an englischen Wochen ist bei mir durchaus groß. Die Situation ist nicht nur für die Fußballer und die Vereinsverantwortlichen eine neue. Entsprechend werden die nächsten Monate bis zur Winterpause da auch zum Selbstversuch, inwieweit ein solches Pensum überhaupt zu leisten ist und wo man vielleicht noch mal über Veränderungen nachdenken muss.

Hinten runter werden dabei wohl überwiegend die Auswärtsspielein der Champions League fallen. Muss man dann noch mal konkret anhand der Auslosung gucken, aber Reisen über 2.000 km unter der Woche und mit zwei Tagen auf Achse liegen organisatorisch (sowohl familiär als auch schreib-/ jobtechnisch) und finanziell eigentlich nicht drin. Wie gesagt, man muss dann noch mal konkret gucken, wenn es so weit ist. Aber Stand jetzt wird es den Versuch einer Komplettmitnahme von Bundesliga und DFB-Pokal geben, während bei der Champions League erstmal nur die Heimpartien eingeplant sind. Ist zwar schade, weil das auch bedeutet, dass die seit März 2014 haltende Serie, alle RB-Pflichtspiele vor Ort gesehen zu haben, reißen wird, aber anders geht es wohl nicht. So viel Realismus steckt da (leider) selbst in mir.

Interessant vielleicht auch die Entwicklung in einem allgemeinen Blog- und Fußball-Universum. Vom Gefühl her haben sich auch da die Dinge verändert und sind Fronten sichtbarer und manifester geworden. Nicht mal unbedingt härter, aber man geht so seine Wege aneinander vorbei. Ich bemerke diese Entwicklung auch an mir selbst. In unteren Spielklassen schienen die Auseinandersetzungen rund um RB trotz Ablehnung oft noch offener. Vielleicht auch, weil da immer auch Vereine und Fans dabei waren, für die klar war, dass sie RB Leipzig nur als vorübergehendes Phänomen in ihrer Liga haben.

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga ist der Klub und mit ihm das Umfeld erstmals irgendwo angekommen (auch wenn es mit der Champions League ja gleich das nächste ruhelose Weiter, Weiter gibt). Aber irgendwie bedeutet dieses Ankommen (wie gesagt vom Gefühl her), dass sich die Dinge und die Positionen noch ein bisschen klarer formulieren. Da geht es beidseitig viel um Bescheidwissen, Befindlichkeiten und Bauchgefühl. Aber auch eine Art Ohnmachts- oder Genervtheitsgefühl, aus dem heraus man sich eher aus Diskussionen zurückzieht. Oft eine Gemengelage, in der es schwierig wird, sich darin auf analytischer Ebene zu bewegen. Ein Phänomen, was man auch allgemein bei den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Verbänden und Fans (Gott, wie ich diese Verkürzung auf zwei Pole sinnlos finde) oder auch generell in Debatten beobachten kann.

Vielleicht auch das ein Grund, dass ich mich aus vielen Dingen ein wenig zurückgezogen habe und Debatten (nicht nur, weil manche schon hundertmal geführt wurden) aus dem Weg gehe. Gibt schon immer noch gute Debatten und interessante Anregungen, aber es gibt in dem pseudoironischen Ton, in dem Dinge gerade rund um RB oft verhandelt werden, wenig Fragen, sondern viel zu oft nur Antworten, die eher der eigenen Positionierung und dem Einheimsen von Likes und ‚Genau!‘-Zustimmungen dienen, als sonst irgendwie hilfreich zu sein oder sich an Fakten entlangzuhangeln. Auch hier gilt das durchaus auf allen Seiten, wenngleich ich da natürlich aus RB-empathischer Sicht auch manchmal eine verzerrte Wahrnehmung der Verteilung haben mag.

Letztlich führt das dazu, dass ich manch Frage auch nicht mehr beantworten mag, weil ich nicht an tatsächliches Interesse dahinter glaube. Letztens hatte ich erst so eine Twitter-Debatte. Ausgangspunkt war ein Spruch, mit dem die (falsche) Zahl von 19.000 verkauften RB-Dauerkarten im Vergleich zu den 20.000 in der Vorsaison belustigt-ironisierend als Euphorie bezeichnet wurde. Es ist diese Art von kenntnis- und fragefreier Argumentation auf der Basis irgendeiner Zahl, die man aufgeschnappt hat, wo dann die Lust Dinge zu erklären deutlich schwindet, selbst wenn dann auf meine Reaktion, in der ich ironisierend den Spruchverantwortlichen ein Fensterrentner-Dasein attestierte, noch die Frage kommt, was denn an der Interpretation der nachlassenden Euphorie falsch sei.

Darauf nicht erklärend antworten zu wollen, kann man als Bockigkeit interpretieren. Am Ende ist es aber nur das Eingeständnis, dass man vielleicht gegen Vorurteile angehen könnte, aber nicht gegen dahinterliegende Urteile (die ja jeder haben darf, wie er oder sie will). Entsprechend würde man jede Woche über solche Zahleninterpretationen wie oben diskutieren, käme aber trotzdem zu keinem Punkt, weil die dahinterstehenden Urteile nur permanent neue, immer gleiche Witzchen hervorrufen würden. Entsprechend findet jeder, der will, hier im Blog die Auseinandersetzungen um Zahlen, Etats, Kader, Vereinspolitik und Co. Aber das verbleibt dann halt bei jenen, die in ihrem Urteil nicht fest sind oder darin zumindest offen bleiben, auch jenseits der eigenen Grenzen Informationen aufzunehmen.

Und so manifestiert sich, ohne dass ich mich vom Lesen und Hören von Vereinsblogs und Podcasts zurückziehen würde (ganz im Gegenteil bleibt das wichtiger Bestandteil meiner Auseinandersetzung mit Fußball), die getrennte Realität halt ein Stück weiter. Was ok ist, denn dieser Blog war ja auch nie einer, der andere überzeugen, sondern sich aus Eigeninteresse in großen Kreisen um den RasenBallsport drehen wollte. Von daher passt es schon. Und von daher freue ich mich auf ein neues Jahr mit vielen Reisen und vielen spannenden Spielen und Geschichten und vielen geneigten LeserInnen. Auf denn und danke für die großartige Unterstützung an all jene, die das betrifft. Und wer sich an der Unterstützung noch beteiligen will, der findet ja oben (s)einen Weg.

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Neue Saison, neue Herausforderungen. Diesmal: Europa und die englischen Wochen. | Foto: Dirk Hofmeister
Foto: Dirk Hofmeister

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5 Gedanken zu „Der rotebrauseblog in der Saison 2017/2018“

  1. Herzlichen Dank für deine großartige Arbeit über all die Jahre und die hoffentlich noch kommenden Jahre!
    Du bist ein wichtiger Bestandteil des Tages! 🙂

  2. Jetzt muss Ich als stiller Leser im Hintergrund auch mal meinen Dank aussprechen !!!!!
    Du und dein Blog hat mir schon so manchen Arbeitstag gerettet.
    😉

    Vielen vielen DANK

  3. Ich schließ mich den „Vorrednern“ – Du schreibst mit „sehr feiner Klinge“ und hebst Dich deutlich aus dem journalistischen Blätterwald hervor! Und dies macht diesen Blog so einzigartig! Und ja – nach dem Spiel …. ist vor Deinem Spielbericht….

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