Spieler der Rückrunde: Timo Werner

Fehlt noch eine Rubrik bei der Rückschau auf die Leistungen der Spieler von RB Leipzig in der ersten Bundesligasaison der Vereinsgeschichte. Die allumfassende Lobhudelei auf den besten Spieler der Rückrunde. Eine Rubrik, die hier im Blog auch immer mal eher die Wahl des Spielers mit dem unerwartetsten Leistungssprung war. Aber da setzt halt jeder auch so seine eigenen Prioritäten.

In Frage kommt eigentlich im groben derselbe Personenkreis wie in der Hinrunde. Ganz vorneweg natürlich Diego Demme, der sich  in seiner ersten Saison in der Bundesliga nicht nur bei RB Leipzig wieder mal unverzichtbar gemacht, sondern bis in die Nationalmannschaft gespielt hat. Durch seine gewohnte Laufstärke und dazu unheimliche Präsenz im Ballbesitz.

Vielleicht zu nennen wären auch Willi Orban oder Yussuf Poulsen. Beide fehlten dann aber in der Rückrunde auch einige Spiele, sodass ihr Gesamteindruck ein wenig verblasste. Trotzdem war Orban wohl der beste Defensivspieler im Team und über Poulsens Qualitäten als Zweikampfmaschine im Angriff muss man nicht mehr wirklich reden.

Natürlich kommt auch Naby Keita absolut in Frage. Der von seinen Anlagen her sicherlich der überragende und talentierteste RB-Spieler ist. Unheimlicher Spaß, dem Mittelfeldmann zuzuschauen. Aber manchmal fehlt es ihm noch beim Treffen der richtigen Entscheidungen und beim Blick für den Nebenmann.

Ganz nah dran ist man dann schon mit Emil Forsberg, der hier im Blog Spieler der Hinrunde wurde. Wobei seine Leistungen in der Rückrunde ganz leicht abfielen im Vergleich zur Zeit vor der Winterpause. Die Möglichkeiten der ersten 16 Spiele, als er sich mit dem ersten Kontakt immer wieder Räume erarbeitete und dann nutzte, hatte der Schwede auch wegen erhöhter Aufmerksamkeit durch die Gegenspieler in den 18 Spielen nach der Winterpause (von denen Forsberg nur 15 bestritt) nicht mehr. Trotzdem ist er in dieser Saison zu einem nicht nur spektakulären, sondern auch effektiven Offensivspieler geworden. Bester Vorbereiter in allen europäischen Topligen. Wahnsinn eigentlich.

Aber einem muss er hier in dieser Rubrik noch den Vortritt lassen. Und das ist Timo Werner. Der eine wahrhaft historische Saison spielte. Lediglich zwei Spieler schafften es in der Geschichte der Bundesliga überhaupt, mit maximal 21 Jahren in einer Saison mehr Tore zu schießen als Timo Werner jetzt. Und das sind mit Gerd Müller und Dieter Müller durchaus Namen, mit denen man gern in einem Atemzug genannt wird. Aber auch Stürmer, deren Bestmarken von 28 bzw. 24 Toren schon vor sehr langer Zeit aufgestellt wurden.

Im Hier und Jetzt hat sich Timo Werner mit seiner Saison den Durchmarsch bis in die Nationalmannschaft gesichert. Zwei Einsätze hat er dort nun auch schon gesammelt und viele weitere warten bei normaler Entwicklung noch auf ihn.

Diesen Satz so locker leicht von der Hand fließen zu lassen, wäre zu Beginn der Saison vielleicht noch nicht möglich gewesen. Denn gerade am Anfang war er vor allem als Zielspieler in der Tiefe mit einer klar definierten Rolle unterwegs. Die darin bestand, Bällen nachzujagen und Tore zu machen. Was Werner unheimlich gut machte. Eingebunden in die Ballzirkulation war er aber kaum. Entsprechend schien er damals noch etwas eindimensional. Halt ein Spieler, der mit seiner klar definierten Rolle perfekt in das entsprechene System passt und die Teamarbeit von RB Leipzig veredelt.

Erstaunlich bei Timo Werner ist über die Saison gesehen ja vor allem die Entwicklung, die er vollzogen hat. Weg vom reinen Rollenspieler, hin zu einem kompletteren Stürmer. Klar ist er immer noch am besten, wenn man ihn mit Tempo tief schicken kann. Dann kann er seine Stärken ausspielen. Aber er ist im Ballbesitz inzwischen zusätzlich jemand, der sich immer mal wieder fallen lässt und für die Ballzirkulation auch mal mit dem Rücken zum Tor zur Verfügung steht. Er kann das Spiel aus dem Ballbesitz heraus auch mal breit machen, indem er auf den Flügel ausweicht, wenn nötig.

Und er ist vor allem jemand, dessen Spiel gegen den Ball im Laufe der Saison hervorragend geworden ist. Sein Ansprinten in sinnvollen Situationen und in einer Geschwindigkeit, die die gegnerischen Verteidiger oft nicht erwarten, sorgt immer für Unruhe und immer mal wieder auch für gute Ballgewinne. Als er seinen ersten Auftritt bei der Nationalmannschaft hatte, war im Vergleich mit dem Rest des Teams besonders auffällig, wie konsequent er den Gegner schon früh unter Druck setzte, wenn sich die Gelegenheit ergab.

Die Veränderung in der Rolle auch hin zu einem Spieler, der in Kombinationen eingebunden ist (Passquote wurde höher, Anzahl der Pässe wurde höher), war natürlich auch aufgrund der veränderten Spielaufgaben bei RB Leipzig zwingend notwendig. Mehr Ballbesitz erfordert auch von einem Stürmer wie Werner mit Stärken in der Tiefe des Raums eine gewisse Anpassung, ohne sich der eigenen Stärken zu berauben. Das hat der 21-Jährige bisher sehr gut hingekriegt. Was auch dadurch belegt wird, dass Werner inzwischen nicht mehr nur per Vorlage und Abschluss an Toren beteiligt ist, sondern auch vorletzte Pässe spielt und insgesamt vier Tore jenseits einer direkten Vorlage eingeleitet hat. Bis zur Winterpause stand er diesbezüglich noch bei Null.

Seine absoluten Stärken hat Timo Werner aber natürlich auch weiterhin im Strafraum. 69 von 74 Schüssen hat er von innerhalb des Sechszehners abgegeben. Niemand bei RB Leipzig kommt öfter zum Abschluss als Werner.

Dabei schießt er nicht nur oft, sondern auch gut. Denn pro Torerfolg braucht er nur 3,5 Schüsse. In der Rückrunde ist er im Vergleich zur auch schon guten Quote der Hinrunde noch mal besser geworden. Keiner der anderen Topstürmer der Liga verwandelt einen höheren Prozentsatz seiner Torschüsse. Wobei es diesbezüglich auch ein sehr glückliches Jahr gewesen sein könnte, wenn man so manch Tor aus spitzem Winkel noch vor Augen hat.

Insgesamt hat sich Timo Werner zu einem extrem guten Gesamtpaket mit Kernkompetenz in Sachen Schnelligkeit und Torabschluss entwickelt. Im Vergleich zur Zeit vor der Winterpause hat er sich in fast allen relevanten Bereichen und sogar im Toreschießen noch mal teils deutlich verbessert. Genau diese Steigerung in der Qualität und die Verbreiterung der Fähigkeiten hat ihn in der Rückrunde letztlich wohl zum alles überstrahlenden RB-Spieler gemacht.

Unglaubliche Entwicklung. Sowohl über die Saison gesehen, als auch im Vergleich mit dem letzten Jahr in Stuttgart. Und mit 21 ist die Entwicklung gerade für einen Stürmer ja im Normalfall noch lange nicht zu Ende. Wobei es schwer wird, das aktuelle Niveau noch mal wesentlich zu verbessern.

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Wer will, kann hier seinen Spieler der Rückrunde ankreuzen. Maximal drei Kreuze (falls man sich nicht entscheiden kann). Es stehen nur Spieler zur Wahl, die mindestens 50% der Einsatzzeit mitgemacht haben.

Wer war der Spieler der Rückrunde bei RB Leipzig in der Bundesligasaison 2016/2017?

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Bisher so:

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Timo Werner bejubelt seinen Treffer gegen Freiburg und den nächsten Schritt Richtung Champions League. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

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2 Gedanken zu „Spieler der Rückrunde: Timo Werner“

  1. Komme erst heute dazu, etwas zu schreiben.
    Gerade auf den Blog habe ich gewartet!

    Als Spieler der gesamten Saison führt natürlich kein Weg an Emil-MPV-Forsberg vorbei.
    Aber Rückrunde beginnt ja mit der SGE und der 3-Spiele-Sperre für Forsberg. 😉

    Ich habe mich auch sehr schwer getan, wer nun dieser Spieler ist, weil wie Du richtig schreibst, einige in Frage kommen.
    Und irgenwie ist es genau richtig, Timo Supersohn für die Blogauszeichnung zu wählen. Denn das fehlt mir etwas im Blog. Sprich, gerade nach der Schwalbe und den daraus entstandenen Schmähungen in allen Auswärtsstadien setzte er immer ein Zeichen und biss sich durch. Das hätte ich von so einen jungen Spieler nicht erwartet.
    Vor der Saison war ich bei den Transfer etwas skeptisch. Aber es ist schon sehr beeindruckend welche Entwicklung er nahm.

    Bei der Abstimmung oben, sind es noch Forsberg und Demme.
    Verrückt, das ich Sabitzer, Ilsanker und Orban nicht wählen konnte!

    Nebenbei.
    Ist schon lustig, das Dein #Guccigate-Blog 21 Kommentare hat und hier bin ich der erste.
    Schade, denn ich denke, dies hier, wie auch Deine Zahlenanlysen in der Rückschau, sollte man mehr würdigen.
    (Wenn ich mich erinnere, kommt irgendwann ein Blog mit Zugriffen, von wo und wie?! Wäre mal interesant, wieviel der Mailandblog gegenüber dem Rest abschnitt)

    Ich sage einfach mal hier (wieder) ein dickes DANKE für alles, was Du rund um den Rasenballsport geschrieben hast!!

  2. Stimmt, die Schwalbe und ihre Nachwirkungen hätte man eigentlich noch gut mit in dem Beitrag unterbringen können. Aber irgendwie gehe ich an dem Thema meist lieber vorbei, weil es mir zu ausgewalzt ist. Aber tatsächlich ist es schon erstaunlich, dass er trotz des Gegenwinds so eine Rückrunde spielte.

    Ich mache eigentlich nur einmal im Jahr eine Übersicht mit den meistgelesenen Artikeln (auch unter Best of zu finden: http://rotebrauseblogger.de/best-of/), aber ohne Herkunft. So was habe ich glaube mal für irgendein Jahr bei Twitter gemacht. Generell gilt, dass die Faustformel ‚Mehr Kommentare, mehr Leser‘ nicht zwangsläufig stimmt. Im konkreten und bezüglich des Vergleichs zwischen Gucci/ Forsberg und Werner stimmt es aber. Der Forsberg-Text dürfte entsprechend nächstes Jahr in der Jahresübersicht vielleicht mit auftauchen, der Werner-Text ganz sicher nicht. Hindert mich ja aber trotzdem nicht daran, auch die Werner-Texte zu schreiben. 😉

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