Marvin Compper schlägt Yussuf Poulsen

Vier Spiele, vier Siege. Das die Bilanz der jüngeren Vergangenheit bei RB Leipzig. Und das auch die Bilanz der letzten Spiele von Yussuf Poulsen, der nach Verletzung im Spiel gegen Darmstadt erst spät und nicht mehr spielentscheidend in die Partie kam, aber in den folgenden drei Spielen mit zwei Toren und zwei Vorlagen entscheidenden Anteil am Erfolg hatte. Zuvor war RB dreimal in Folge sieglos geblieben. Woraus man natürlich konstruieren könnte, dass Leipzig ohne Poulsen (punktetechnisch) schwächer ist als mit.

Wenn man den Dänen mit den anderen RB-Spielern, die mindestens 50% der Spielzeit auf dem Platz standen, vergleicht, dann relativiert sich seine Bilanz als entscheidender Spieler allerdings auch ein wenig. Denn im Vergleich gesehen, punktet RB Leipzig leicht unterdurchschnittlich, wenn Poulsen auf dem Platz steht.

2,10 Punkte hat RB Leipzig bisher im Schnitt geholt. Wenn Yussuf Poulsen vom Platz ging, waren es im ’nur‘ Schnitt 2,00 Punkte. Damit liegt er auf Augenhöhe mit einem Marcel Sabitzer und Willi Orban (in Abwesenheit des Innenverteidigers holte RB zwei Siege).

Über dem Durchschnitt liegen mit Bernardo, Marvin Compper und Diego Demme Spieler, die für die defensive Stabilität sorgen. Und deren Abwesenheit offenbar wesentlich schwerer zu kompensieren ist als die Abwesenheit anderer Spieler.

Vor allem Marvin Compper und Bernardo stehen für defensive Stabilität. Denn mit ihnen im Team kassiert RB Leipzig pro 90 Minuten nur 0,69 bzw. 0,75 Tore, während es im Schnitt der Saison 1,03 Gegentore pro 90 Minuten sind. Interessant, dass hier Yussuf Poulsen auf Platz 3 liegt. Mit ihm auf dem Platz fallen unterdurschnittliche 0,93 Gegentore pro 90 Minuten. Was darauf hinweisen dürfte, wie wichtig Poulsen tatsächlich für das Verteidigen in vorderster Linie und somit auch für die Gesamtstabilität ist.

Nicht ganz so gut für die Stabilität scheinen auf der anderen Seite Emil Forsberg und Marcel Sabitzer zu sein (1,14 bzw. 1,12 Gegentore pro 90 Minuten, wenn sie auf dem Platz stehen). Wobei das beim Österreicher auch überrascht und darauf hinweisen könnte, dass die Zahlen bei der geringen Stichprobe von maximal 29 Bundesligaspielen auch ihre Zufallstücken haben.

Offensiv am wichtigsten sind nicht nur den Zahlen nach Emil Forsberg und Naby Keita. Wenn sie auf dem Platz stehen, fallen pro Spiel 2,08 bzw. 2,05 Tore pro 90 Minuten, während der normale Saisonsschnitt bei RB Leipzig 1,90 Tore pro 90 Minuten sind. Naheliegend, dass dieser Schnitt nach oben geht, wenn die Akteure auf dem Platz stehen, die zusammen mit Timo Werner an den meisten Toren beteiligt sind.

Werner wiederum hat mit 1,97 Toren pro 90 Minuten während seiner Spielzeit nur einen leicht überdurchschnittlichen Wert. Yussuf Poulsen und Marcel Sabitzer liegen mit 1,81 bzw. 1,79 RB-Toren während 90 Minuten ihrer Spielzeit zusammen mit Willi Orban recht deutlich unterhalb des Durchschnitts (wobei beide gerade am Anfang der Saison die Gegner müde gespielt haben, wovon dann andere nach Einwechslung profitierten).

Insgesamt und von der Balance her sind Marvin Compper, Bernardo und auch Naby Keita die stärksten Spieler bei RB Leipzig. Bzw. jene Spieler, mit denen auf dem Feld RB die beste Bilanz in Sachen geschossener vs. zugelassener Tore hat. Naby Keita erweist sich dabei nicht nur als Verstärkung für die Offensive, sondern auch als gutes Puzzleteil der Defensive. Könnte auch daran liegen, dass er noch vor Stefan Ilsanker und Diego Demme der beste Balleroberer der Mannschaft ist.

Es ist letztlich nur eine kleine Spielerei. Aber gerade die vergleichsweise starke Dominanz von Marvin Compper in den Zahlen dürfte nicht nur zufällig sein. Genausowenig wie die Topwerte von Forsberg oder Keita im Offensivbereich. Und bei Bernardo darf man sich fragen, ob er das Glück hattte, dass er in den richtigen (weil erfolgreich gestalteten) Spielen zum Einsatz kam oder ob es sein Einfluss war, der die Resultate entscheidend (mit-)verursachte. Defensive Stabilität wäre zumindest etwas, was man mit dem Brasilianer verbinden würde.

(Anmerkung: Die Statistik gewinnt vor allem für Spieler an Aussagekraft, die immer mal fehlten, also nicht nahe 100% der Spielzeit bestritten (2610 Minuten in 29 Spielen). Für Spieler, die fast komplett auf dem Platz standen wie einen Halstenberg sind die Zahlen eher wenig aussagekräftig, weil sich darin nur der Durchschnitt der Saison widerspiegelt. Bei Peter Gulacsi ist es derweil einfach nur Pech, dass er ausgerechnet bem 4:0 gegen Darmstadt fehlte, was seine Werte ein wenig nach unten drückt.)

[Pkt = Punkte pro Spiel, wenn der jeweilige Spieler das Feld verlassen hat; +/- = Bilanz aus Toren und Gegentoren pro 90 Minuten, wenn der jeweilige Spieler auf dem Platz stand; Tore = Anzahl der RB-Tore pro 90 Minuten, wenn der jeweilige Spieler auf dem Platz stand; GgTore = Anzahl der RB-Gegentore pro 90 Minuten, wenn der jeweilige Spieler auf dem Platz stand; EZ = Zeit in Minuten, die die Spieler in der Bundesliga auf dem Platz standen (Maximal möglich: 2610 Minuten)]

 Pkt+/-ToreGgToreEZ
Marvin Compper2,231,332,020,691828
Bernardo2,241,181,930,751444
Naby Keita2,191,052,051,001972
Diego Demme2,220,972,011,042420
Emil Forsberg2,160,952,081,141900
Timo Werner2,110,901,971,072104
Yussuf Poulsen2,000,881,810,931640
Marcel Halstenberg2,070,871,951,082496
Stefan Ilsanker2,180,831,901,072273
Peter Gulacsi2,070,751,821,072520
Willi Orban1,960,701,781,082427
Marcel Sabitzer2,000,661,791,122167

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Yussuf Poulsen in den letzten Spielen obenauf Über die Saison gesehen ist Marvin Compper aber wichtiger. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Ein Gedanke zu „Marvin Compper schlägt Yussuf Poulsen“

  1. Sehr interessante Übersicht! Ich finde, Bernardos Beitrag wird öfter unterschätzt, auch wenn so eine Statistik natürlich nicht die 100%ige Wahrheit wiedergibt.

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