Presse 21.03.2017

Die Mitteldeutsche Zeitung mit den Zahlen aus der Jahresbilanz der RB Leipzig GmbH von 2015, die jetzt öffentlich gemacht werden musste, weil dies Vorschrift seitens des Gesetzgebers ist. 80 Millionen Euro Etat für das Kalenderjahr 2015. Insgesamt 36 Millionen Euro Ausgaben für Personal und Gehälter. Wobei das dann Ausgaben für alle Mitarbeiter von Geschäftsstelle über die Profis bis in den Nachwuchsbereich (U23 bis U16 gehören zur GmbH) sein müssten. Der Gehaltsetat der Profimannschaft dürfte deutlich drunter liegen. Für die Saison 2015/2016 wurde der mal auf 20 Millionen Euro geschätzt.

Interessantestes Detail, dass Red Bull die Transfers (zumindest bis Ende 2015) offenbar über Darlehen finanziert hat. Also RB Leipzig bei Red Bull Ende 2015 mit über 50 Millionen Euro in der Kreide stand. Professor Zülch von der Handeshochschule glaubt, dass Red Bull damit Vermögenswerte schützen will für den Fall, dass mit dem Verein etwas schief geht. Vermögenstechnisch sind die Darlehen durch die Transferwerte der Spieler ungefähr abgesichert, könnten also durch Spielerverkäufe bedient werden.

Heißt aber insgesamt, dass der Verein bzw. die GmbH Ende 2015 alles in allem knapp 60 Millionen Euro Schulden in der Bilanz stehen hatte. Da es größtenteils Schulden bei Red Bull sind, stehen die natürlich erst mal nur auf dem Papier und werden vermutlich einfach nur durch immer neue Darlehen und Darlehenslaufzeiten ausgelöst (schon Ende 2015 waren kaum Darlehen mit kurzen Laufzeiten dabei). Aber gesund klingt anders. Zumal wenn man bedenkt, dass die UEFA mit ihrem Financial Fairplay auf nachhaltiges Arbeiten im Verein setzt. Auch Professor Zülch meint, dass RB die Einnahmeseite deutlich erhöhen müsse, wenn man bei der UEFA keine Probleme bekommen will (was nach dem Aufstieg durch TV-Gelder, Sponsoring und Ticketing natürlich sowieso passiert ist; andererseits stehen dem natürlich auch deutlich gestiegene Kosten gegenüber).

Da ich kein Wirtschaftsexperte bin, sind mir die Konsequenzen aus der Bilanz eher unklar. Auch weil (noch) nicht aufgeschlüsselt wird, wie sich die Umsatzerlöse (aus Sponsoring, Ticketing, TV-Geldern) des Vereins im Detail zusammensetzen. Da sind für 2015 noch pauschal knapp 80 Millionen Euro verbucht. Für 2016 wird man das in einem Jahr genauer aufschlüsseln müssen.

Seltsam auch folgender Passus in der Jahresbilanz 2015: „Aus einem langfristigen Mietvertrag resultieren bei Spielbetrieb in der 2. Bundesliga Verpflichtungen in Höhe von TEUR 12.982. Die Verpflichtung erhöht sich bei Aufstieg in die 1. Bundesliga. Des Weiteren existieren langfristige Verpflichtungen aus Werbeverträgen bei Spielbetrieb in der 2. Bundesliga in Höhe von TEUR 8.784 für das Namingright am Stadion im Rahmen des Stadionmietvertrages. Die Verpflichtung erhöht sich bei Aufstieg in die 1. Bundesliga.“ (abzurufen unter unternehmensregister.de)

Zusammen fast 22 Millionen Euro jährlich (TEUR = 1.000 Euro, TEUR 12.982 ist entsprechend gleich 12.982.000 Euro) für Stadionnutzung (was sollten Kosten aus einem Mietvertrag bezüglich Spielbetrieb sonst sein?) und Namensrechte (warum zahlt RB Leipzig für die Namensrechte der Red Bull Arena?)? Das kann eigentlich fast nicht stimmen (bzw. wäre der Kaufpreis von medial geschätzten 70 Millionen Euro für die Red Bull Arena dann ein echtes Schnäppchen), weil das selbst über den teuersten Stadionmieten der restlichen Bundesliga liegen würde (selbst dann noch wenn man eventuelle Mietkosten für Markranstädt wegen U23 dazurechnet). In der Bilanzübersicht werden pauschal knapp 27 Millionen Euro für betriebliche Aufwendungen ausgewiesen. Worunter auch Stadionkosten und Co fallen. (Möglicherweise besteht des Rätsels Lösung darin, dass die angebenen Zahlen oben Aufwendungen für mehrere Jahre sind; das würde auch deswegen passen, weil in den betrieblichen Aufwendungen auch Aufwendungen für Transfers drin sein müssten.)

Sachdienliche Hinweise zu diesem Jahresabschluss gern in den Kommentaren. Auch was die Frage angeht, was die Aufnahme von Darlehen für die UEFA-Lizenzierung bedeutet. Der europäische Verband guckt sich die Verhältnisse im Verein der letzten drei Jahre, also seit Sommer 2014 an. 50 Millionen Euro Darlehensaufnahme (also Defizitausgleich) findet man bestimmt nicht so prall, wenn man eigentlich nur zwischen 30 und 45 Millionen Defizitausgleich über 3 Jahre per Regularien zulässt (wobei es da vor allem um löcherstopfende Investorengelder ohne Gegenwert geht; ein Darlehen bleibt ja auch künftiger Teil der Etatplanungen, muss also in den kommenden Jahresplanungen wieder berücksichtigt und gegenfinanziert werden). Was es auf den ersten Blick auch erst einmal seltsam macht, dass die Red-Bull-Gelder nicht als Sponsorengelder verbucht wurden. Also für die UEFA-Lizenzierung seltsam macht, denn für Red Bull macht es als Absicherung von Investitionen natürlich durchaus Sinn.

Wie gesagt, da ist jetzt erst mal viel ins Blaue raten dabei. Wer vor allem in Bezug auf die UEFA-Lizenzierung erhellendes beizutragen hat, dann gern her damit.

(Und um das auch noch mal klarzustellen, weil einige Medien titeln, dass RB Leipzig hohe Schulden bei Red Bull hat. Es handelt sich bei den Zahlen um den Zustand am Ende des Jahres 2015. Wie die Dinge heute aussehen und inwieweit man an den Darlehenssachen und an den Finanzstrukturen etwas verändert hat und wo der Schuldenstand aktuell ist, weiß kein Mensch. Vermuten lässt sich aber natürlich, dass angesichts der Sommertransfers 2016 und des kürzlichen Upamecano-Deals der Darlehensstand nicht gesunken, sondern eher gestiegen ist. Wenn man denn bei dem Darlehensmodell geblieben ist.)

Ansonsten nicht so viel los heute. Die Länderspielzeit beginnt erst morgen. Das Training heute bei RB Leipzig hatte entsprechend nicht so viel Profibeteiligung. Zehn Feldspieler plus ein Torhüter (Nachwuchskeeper Tom Wallenstein war mit dabei). Naby Keita trainierte derweil nur leicht und individuell und durfte frühzeitig vor dem Regen nach drinnen flüchten. Yussuf Poulsen blieb gleich komplett drinnen und trainierte dort auch individuell.

Mit Guinea hatte sich RB Leipzig gestern geeinigt, dass Naby Keita nicht zu zwei Testspielen durch Europa reisen muss. Gut für alle Beteiligten, dass er nach dem Kreislaufzusammenbruch seine Zeit kriegt, um langsam wieder in die volle Belastung zu kommen. Auch gut, dass neben Keita auch Poulsen in Leipzig ist und dann beide hoffentlich gegen Darmstadt wieder voll angreifen können.

Gestern war Ralph Hasenhüttl zudem bei einer Tagung des Bundes deutscher Fußballlehrer. Auch die Ex-Trainer Alexander Zorniger und Tomas Oral waren da.

Kick mit einem Kurzvideo mit O-Tönen von RB-Fans und ihrem Fan-Dasein.

Henning Uhle will (vor allem in Bezug auf Spiele) nicht mehr so viel über RB Leipzig schreiben, weil der Aufwand den vornehmlich kurzfristigen Erfolg der Artikel nicht rechtfertigt und sich viele Dinge wiederholen (grob zusammengefasst).

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Leichtes Training an frischer Luft für Naby Keita nach Kreislaufzusammenbruch. | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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[11Freunde] Bullen-Bezwinger: http://www.11freunde.de/artikel/so-schlug-bremen-rb

[BILD] Hasenhüttl sucht das Glück: http://www.bild.de/sport/fussball/rb-leipzig/hasenhuettl-sucht-das-glueck-50932290.bild.html

[Deutsche Welle] Could RB Leipzig be banned from competing in the Champions League?: http://www.dw.com/en/could-rb-leipzig-be-banned-from-competing-in-the-champions-league/a-38027087

[Freie Presse] Medien: Darlehen statt Sponsoring: RB Leipzig hat enorme Verbindlichkeiten bei Red Bull: http://www.freiepresse.de/SPORT/Medien-Darlehen-statt-Sponsoring-RB-Leipzig-hat-enorme-Verbindlichkeiten-bei-Red-Bull-artikel9862919.php

[Freie Presse] RB Leipzig nur mit Mini-Kader beim Training: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/RB-Leipzig-nur-mit-Mini-Kader-beim-Training-artikel9862941.php

[Henning Uhle] RB Leipzig: Es war nicht alles schlecht: http://www.henning-uhle.eu/sport/rb-leipzig-es-war-nicht-alles-schlecht

[Kick] RB Leipzig- Loving The Team Everybody Hates: https://www.youtube.com/watch?v=5ExaS2xsUhs

[Kicker] Einigung mit Guinea: Keita bleibt in Leipzig: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/673797/artikel_einigung-mit-guinea_keita-bleibt-in-leipzig.html

[Kicker] So wirtschaftete RB Leipzig als Zweitligist: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/673833/artikel_so-wirtschaftete-rb-leipzig-als-zweitligist.html

[Kreiszeitung] Herzog über Werders Ösi-Show: „Bremen ist ein gutes Pflaster für uns“: https://www.kreiszeitung.de/werder-bremen/werder-bremen-andreas-herzog-ueber-werders-oesi-show-bremen-ist-ein-gutes-pflaster-7913339.html

[Kreiszeitung] Thomas Delaney – der demütige Dirigent: https://www.kreiszeitung.de/werder-bremen/werder-bremen-thomas-delaney-demuetige-dirigent-7909954.html

[LVZ] Acht RB-Profis in dieser Woche international im Einsatz: nur Print

[Mainz 05] Bund Deutscher Fußball-Lehrer: https://twitter.com/1FSVMainz05/status/843784100460875776

[Mitteldeutsche Zeitung] RB Leipzig öffnet sich – Wieviel hat Red Bull in den Verein investiert?: http://www.mz-web.de/sport/rb-leipzig-oeffnet-sich-wieviel-hat-red-bull-in-den-verein-investiert–26229966

[Neue Osnabrücker Zeitung] Polizei: Friedlicher Protest gegen RB Leipzig: http://www.noz.de/deutschland-welt/werder-bremen/artikel/867454/polizei-friedlicher-protest-gegen-rb-leipzig

[Neues Deutschland] Der Zielstrebige: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1045402.der-zielstrebige.html

[RB-Fans] Über Spielfreude zum Erfolg: http://www.rb-fans.de/artikel/20170320-spielbericht-frauen-heidenau.html

[RB Leipzig] Acht Rote Bullen auf Länderspielreise!: http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2016_17/Laenderspielreise-Maerz-2017.html

[RBlive] RB Leipzig mit Training in kleiner Gruppe bei Dauerregen: https://rblive.de/2017/03/21/training-in-kleiner-gruppe-bei-rb-leipzig/

[RBLive] Jahresbilanz von RB Leipzig: 52,38 Millionen Euro Schulden bei Red Bull: https://rblive.de/2017/03/21/rb-leipzig-red-bull-finanzen-umsaetze-jahresbilanz-2015-geschaeftsbericht-woher-kommt-das-geld/

[RBLive] Naby Keita bleibt bei RB Leipzig: https://rblive.de/2017/03/20/naby-keita-bleibt-in-leipzig/

[RBlive] RB-Watchblog „zwangsbeglückt“ will neue Diskussionskultur über RB Leipzig: https://rblive.de/2017/03/20/rb-watchblog-zwangsbeglueckt-fuer-neue-diskussionskultur-ueber-rb-leipzig/

[RBlive] Sport Inside: Muss sich Red Bull Salzburg nach RB Leipzig richten?: https://rblive.de/2017/03/20/rb-leipzig-red-bull-salzburg-oliver-mintzlaff-ralf-rangnick-dietrich-mateschitz-uefa-financial-fairplay-bernardo-marcel-sabitzer-rapid-wien-andreas-mueller-dehelles-rosenberg-zirngast/

[RBlive] Timo Werner dankt RB Leipzig wegen Nationalelf: https://rblive.de/2017/03/21/timo-werner-nationalmannschaft/

[rotebrauseblogger] Keine Welle ohne Delle: http://rotebrauseblogger.de/2017/03/21/keine-welle-ohne-delle/

[Web] RB Leipzig in der Formkrise – ist der Vergleich zu 1899 Hoffenheim angebracht?: https://web.de/magazine/sport/fussball/bundesliga/rb-leipzig-formkrise-vergleich-1899-hoffenheim-angebracht-32229698

[Werder Bremen] Kainz mit der eigenen Belohnung: https://www.werder.de/aktuell/news/profis/20162017/kurzpaesse/kurzpaesse-20032017/

[Weser Kurier] Baumann: „Standards mit der nötigen Konsequenz“: http://www.weser-kurier.de/werder/werder-bundesliga_artikel,-baumann-standards-mit-der-noetigen-konsequenz-_arid,1570462.html

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10 Gedanken zu „Presse 21.03.2017“

  1. Also was man nicht verwechseln darf, finanzielle Verpflichtungen und Verbindlichkeiten. Finanzielle Verpflichtungen beschreiben Ausgaben die auf die Zukunft bezogen sind. Deshalb weiß ich auch nicht genau auf welchen Zeitraum die insgesamt 22 Mio. sich beziehen. Diese Ausgaben gehen dann aus den Verträgen hinaus und sind in der aktuellen Bilanz auch nicht berücksichtigt.
    Verbindlichkeiten stehen dagegen schon in der Bilanz und gehören grob zum Fremdkapital.

    Deshalb ist das nur eine Anhangsangabe.

    Quelle:
    Eine Legaldefinition der „finanziellen Verpflichtung“, die nicht mit dem Rechtsbegriff der „Verbindlichkeit“ identisch ist, existiert nicht. Darunter sind solche zum Bilanzstichtag bestehenden Verpflichtungen zu verstehen, die erst in der Zukunft zu Ausgabepflichten führen werden, ohne dass es sich dabei zwingend um vertragliche oder gesetzliche Pflichten handelt. In der Gesetzesbegründung zum BilMoG werden finanzielle Verpflichtungen als solche Verpflichtungen bezeichnet,
    die aus schwebenden Rechtsgeschäften oder gesellschaftsrechtlichen Verpflichtungen folgen, die zu einer wesentlichen Belastung der Finanzlage eines Unt führen können, sowieVerpflichtungen aus öffentlich-rechtlichen Rechtsverhältnissen, die sich noch nicht in einer Weise verdichtet haben, die einen Bilanzausweis rechtfertigt.

    Des Weiteren werden als Beispiele für sonstige finanzielle Verpflichtungen (soweit nicht bereits unter § 285 Nr. 3 HGB oder nach § 251 HGB benannt)
    zwangsläufige Folgeinvestitionen bereits begonnener Investitionsvorhaben,
    mehrjährige Verpflichtungen aus Miet- und Pachtverträgen oder anderen Dauerschuldverhältnissen, notwendig werdende Umweltschutzmaßnahmen,
    ungewöhnlich hohes Bestellobligo oder andere schwebende Geschäfte und
    künftige für das Unt unabwendbare Großreparaturen, bei denen noch keine vertraglichen Vereinbarungen vorliegen.
    genannt.

    1. Das mit den finanziellen Verpflichtungen kann ich soweit unterstreichen. Der Stadionmietvertrag läuft über x Jahre, man hat sich darin (aufsteigend mit Ligazugehörigkeit) zu einer Miete X verpflichtet. Im Anhang muss nun ein Dritter darüber informiert werden, welche Verpflichtungen man insgesamt vertraglich eingegangen ist, die aber nicht als Verbindlichkeiten schon in der Bilanz ersichtlich sind. Ohne es jetzt ausschweifender zu machen als es unbedingt notwendig ist: Die 13 Millionen könnte(!) also die Summe der Stadionmiete über alle Jahre bis zum Ende der Vertragslaufzeit sein. War die nicht bis 2020? Also nicht nur ein Jahr. Man ist die Verpflichtung zur Zahlung der Miete bereits fest eingangen ohne dass die Höhe lt. HGB-Grundsätze bereits in der Bilanz ersichtlich ist. Aber einem Investor interessiert es ja im Zweifel trotzdem, was auf ihn die kommende Jahre zukommt -> daher Anhangsangabe.
      Dagegen ist die Miete für das Abschlussjahr als Verbindlichkeit ausgewiesen, sofern sie nicht bereits bezahlt wurde.

      Zum Thema Namerights: Als Außenstehender fast noch schwerer zu fassen. Ich würde mich mal kurz auf das gefährliche Feld der Vermutung begeben und sagen, dass wahrscheinlich RB Leipzig Vertragspartner der ZSL ist, wenn es um die Namensrechte am Stadion geht (Red Bull Arena). So liest es sich zumindest. Wobei ich mir bei den Begriff „Namingright“ auch nicht sicher bin. Von der Summe würde das meines Erachtens passen, hieße es doch, dass man round about 400 TEUR pro Jahr für die Namensrechte bezahlt. (7,8 Mill. bis 2040 – war es doch, oder?)
      Über die Gründe der Lösung kann ich nur spekulieren, vlt. hat das auch ganz simpel was mit Gesetzgebungen in Österreich zu tun. Vlt. wollte man auch beide Vertragspartner innerhalb des deutschen Rechtes ansiedeln und die innergemeinschaftliche Abrechnung lieber konzernintern regeln.

      Sachdienliche Hinweise zu den UEFA-Regularien kann ich keine liefern. Dazu muss man sich wahrscheinlich als Sportjurist damit mal auseinandersetzen. Als BWL’er könnte ich nur grundlegende Ausführungen über Darlehen und Sponsoring anbieten. Eine Sache würde ich aber gern mal als Gedankenanstoß hier einfügen, weil einige über die Höhe des Darlehens überrascht waren (bzw dass es überhaupt Darlehen gibt). Aber auch hier handelt es sich nat. rein um Spekulationen – bitte mich nicht drauf festnageln. Am Ende spielen bei solchen betriebwirtschaftlichen Entscheidungen immer dutzend Aspekte und Interesse mit rein – gerade wenn es um solche Konstellationen geht. Aber kurz und knapp hier mein Gedanke: Aus der Praxis weiß ich, dass viele betrieblichen Regelungen vor allem danach beurteilt werden, ob sie einer Wirtschaftsprüfung standhalten. Was ist also, wenn eine Wirtschaftsprüfung RB Leipzig/Red Bull bereits frühzeitig signalisiert hat, dass es Sponsoringbeiträge in unbegrenzter Millionenhöhe nicht anerkennen wird. Ohne jetzt sonderlich auf Steueraspekte eingehen zu wollen: In der Regel verlangen Wirtschaftsprüfer hinter jeder entsprechenden Rechnungslegung (hier: Sponsoringleistung von RB Leipzig an Red Bull) eine Gegenleistung im richtigen Verhältnis. Blöd gesagt kann RB Leipzig nicht einfach mit der Begründung, sie hätten das Logo von Red Bull überall auf deren Bierdeckel gedruckt, eine Rechnung über 300 Millionen Euro an Red Bull ausstellen. Steuerlich hat das nämlich den Effekt, dass damit Gewinne einfach mal von einem Unternehmen zum anderen transferiert werden. Und hier eben auch mal von Österreich nach Leipzig. Red Bull verbucht dann Summe X als Ausgabe, vermindert damit ihren zu versteuernden Gewinn und RB Leipzig erhöht ihre Erlöse und versteuert diese dann mit deutschen Recht in Deutschland.
      Im Grunde ist es das Amazon-Thema und das wird von Wirtschaftsprüfern mWn schon nachgeprüft.

      Das würde übrigens m.E. auch erklären, warum man damals mit den Bannern im Sektor A so kleinlich reagiert hat. Die Flächen waren als Sponsoringfläche ausgewiesen. Wenn aber ein Prüfer zu der Erkenntnis kommt, dass man effektiv nicht damit werben kann, weil die irgendwann nur noch verdeckt sind, wäre eine Rechnungslegung von RB Leipzig an Red Bull nicht gerechtfertigt.

      Die Argumentation des Herrn Professors halte ich aber auch für eine zulässige bzw. plausible Idee. Am Ende wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen und man hat sich operativ/strategisch einfach zu einem gesunden Mix aus Darlehen und Rechnungslegung entschieden. Gut möglich, dass z.B. vor allem die Salzburg Transfers über Darlehen finanziert wurden.

      Am Ende also auch viel Gerate ins Blaue von meiner Seite. Aber ich persönlich finde diese ganzen Themen immer sehr interessant. Alle Jubeljahre werden Bilanzen von Profifußballunternehmen von einschlägigen Fachzeitschriften auseinander genommen. Für den etwas Kundigen kommen da einige doch interessante Details zum Vorschein.

  2. Darlehen vom Gesellschafter statt Zuwendungen vom Sponsor finde ich nicht so seltsam eigentlich. Das mit dem Namingright ist bizarr, aber theoretisch ist ja vorstellbar, dass RB Leipzig geld dafür zahlt, den Namen Red Bull verwenden zu dürfen, oder?

    1. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass hier die klassische „Namensgebung“ des Stadions gemeint ist. Also ein normaler Vertrag zwischen ZSL (Stadionbetreiber) und RB Leipzig (Mieter).

      Sollte RB Leipzig für die Benutzung des Namens „Red Bull“ etwas an den Mutterkonzern zahlen müssen (was irgendwie richtig bizarr wäre), dann würde man in dieser Dreieckskonstellation zwischen ZSL, RBL und RB zweimal der Zahlende sein. Das kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen. Zumal Red Bull eher ein Interesse daran haben sollte sowenig wie nötig an Kosten in seiner kleinen Tochter zu produzieren. Warum sollten sie also solche „Kann-Kosten“ RB Leipzig aufdrücken wenn es nicht zwingend gefordert ist.

  3. Das Trainingszentrum gehört doch dem RB e.V..
    Ist also in der Bilanz der GmBH. gar nicht bilanziert.
    Eventuell zahlt dann die GmbH Nutzungsgebühren an den e.V. und verhilft den zu einnahmen. von irgendwas muss der ja auch existieren.
    Könnte auch einen Teil der Verpflichtungen für den Spielbetrieb ausmachen.
    Des weiteren die Stadionmiete für das Stadion am Bad.
    Die U23 gehört ja auch zur Gmbh.

    In einem Jahr werden wir schlauer sein, wenn eine detailiertere Bilanz veröffentlich werden muss.

  4. @Nicole Selmer: Ich fand es spontan auch nur für die UEFA-Lizenzierung seltsam. Deren Logik ist ja, dass alles was als belegbare Sponsoring-Leistung reinkommt gut, weil nachhaltig ist und alles was quasi als nicht durch Sponsoring gedeckte Geldflüsse reinkommt schlecht, weil nicht nachhaltig ist. Von daher mutete es mir seltsam an, dass man es so verbucht. Grundsätzlich spricht natürlich nichts dagegen, dass der Gesellschafter Darlehen rausschmeißt.

    @Thixo und JaydoggBO: Danke für die erhellenden Anmerkungen.

    @Truckle: Bin mir gar nicht sicher, ob es wesentlich detailierter wird. Wenn ich mir die Bilanzen anderer Bundesligisten angucke, dann steht da insgesamt auch nicht wesentlich mehr drin als in der von RB.

  5. Zitat aus der MZ

    Überhaupt wird RB Leipzig seine Finanzen künftig noch detaillierter offenlegen müssen. „Durch den Erfolg von RB Leipzig wachsen die Transparenz-Anforderungen des Gesetzgebers, die der Klub erfüllen muss“, erklärt Zülch. Mit Umsätzen über 40 Millionen Euro in zwei hintereinander folgenden Geschäftsjahren werde RB laut §267 des Handelsgesetzbuches als große Kapitalgesellschaft eingestuft und müsse Geldflüsse, wie die Aufteilung der Umsatzerlöse für 2016, differenzierter aufschlüsseln – interessant mit Blick auf das FFP der Uefa. Zu den aktuellen Zahlen mochte sich RB auf Anfrage der MZ übrigens nicht äußern. Doch die schon gar nicht mehr so verschlossene Auster wird sich weiter öffnen müssen. –

    Quelle: http://www.mz-web.de/26229966 ©2017

  6. @Truckle: Ja, die MZ-Passage kenne ich. Aber angesichts von Praxisbeispielen von Klubs, für die diese 40-Millionen-Umsatz-Geschichte gilt, sehe ich nur einen beschränkten Zuwachs von Details. Interessante Geschichten wie „sonstige betriebliche Aufwendungen“ werden auch in Köln oder Bremen nicht aufgeschlüsselt.

  7. Naja,
    aber die Aufschlüsselung der Einnahmen die interessant wäre ist doch die von Ticket, TV, Sponsoren
    Was von Nike, Ur-Krostitzer, Porsche u.s.w. kommt ist in etwa bekannt. So hätte man einen ungefähren Anhaltspunkt der Sponsorenzahlungen von Red Bull neben den Darlehnen.
    Das könnten in der jetzigen Bilanz alles von 7- 15 Mill. sein.

  8. – Darlehen sind keine Einnahmen, sondern nur Einzahlungen. Ist wichtig: Zum einen aus steuerlicher Sicht und zum anderen danach, wie die UEFA die Geldflüsse von Red Bull beruteilt/beurteilen muss.

    – Viel detaillierter wird es in den Folgejahren kaum werden, denn gleich am Anfang des Anhangs steht: „Es wurden die Vorschriften für große Kapitalgesellschaften angewendet.“ Eine noch größere Größenklasse gibt es nicht (§267 HGB)

    – FPP: Ausgaben für Infrastruktur (35 Mio Trainingszentrum) und Jugendarbeit werden NICHT betrachtet. Vor diesem Hintergrund könnte die Auflösung der U23 noch mal interessant sein, denn wie lange ist Jugendarbeit Jugendarbeit? Ohne U23 vielleicht sogar jeder Spieler, der U23 zwar erfüllt, aber mangels einer U23 nicht in einer U23 spielen kann??? (mit Absicht mehrere Fragezeichen gesetzt – Sorry dafür)

    LG Markus

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