Bundesliga: RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg 0:1

24. Spieltag der ersten Bundesligasaison von RB Leipzig. Zu Gast war der VfL Wolfsburg. Ziel war, die 50-Punkte-Marke zu überspringen. Am Ende stand eine 0:1-Niederlage gegen einen abstiegsgefährdeten VfL, der nach Trainerwechsel phasenweise zeigte, dass man sehr viel mehr Qualität im Kader hat, als das die bisherige Saison vermuten ließ.

In die Partie ging RB Leipzig mit einer Veränderung. Der gesperrte Stefan Ilsanker musste ersetzt werden. Ralph Hasenhüttl entschied sich für Dominik Kaiser. Weil er Naby Keita gern auf der Sechs wollte. Weswegen dort kein Platz mehr für Rani Khedira war. Interessante Begründung auch, dass man mehr spielerische Qualität auf dem Platz wollte und dafür lieber auf Power im Spiel gegen den Ball verzichtete. Ein Plan, den Hasenhüttl hinterher als nicht aufgegangen empfand.

Durch die Kaiser-Hereinnahme änderte sich auch die Formation von RB Leipzig. Statt des zuletzt zweimal gespielten 4-3-3 kehrte man zum in der Saison überwiegend gespielten 4-2-2-2 zurück.

Wolfsburg musste auf der anderen Seite auch einen Wechsel vornehmen. Der verletzte Bruma wurde durch Gerhardt ersetzt. Der rückte auf die Position des Rechtsverteidigers. Dafür übernahm Rodriguez im 4-4-2 wie schon öfters in dieser Saison die Position des Innenverteidigers.

Die Partie begann enorm einseitig. Allerdings nicht wie aus Leipziger Sicht erhofft mit stürmischen Angriffen auf das Gästetor. Im Gegenteil war es der VfL, der von der ersten Minute an das Kommando übernahm. RB lief meist nur hinterher, ohne entscheidend in die Zweikämpfe zu kommen. Gerhardt durfte bereits nach nicht einmal zwei Minuten von der Strafraumkante frei abschließen, entschied sich aber für einen harmlosen Versuch mit der Innenseite.

Besser lief es ein paar Minuten später. Beziehungsweise perfekt. Balleroberung tief in der eigenen Hälfte. Schnelles rausspielen auf Malli, der im Mittelfeld die entscheidenden Zweikämpfe gegen Keita und Demme gewinnt und dann den perfekten Pass rechts raus auf Didavi spielt. Der spielt im Strafraum quer zum freistehenden Gomez. Und der mit links perfekt unter die Latte. Drei Pässe, einmal über das ganze Spielfeld. Bei weitem nicht zum ersten Mal, dass RB seit der Winterpause nach gutem Ballbesitz am gegnerischen Strafraum einen Konter kassiert, der zu einem Gegentor führt.

Das Gegentor verkomplizierte die Dinge für RB Leipzig unnötig. Der VfL Wolfsburg stand mit zwei Viererketten sehr kompakt und hatte vor allem in der Zentrale des Spielfelds auch viel Robustheit und Zweikampfstärke auf dem Platz. Leipzig auf der anderen Seite mit wenig Genauigkeit in den Aktionen und vielen Ballverlusten im Vorwärtsgang. Was Wolfsburg immer wieder in ganz gute Umschaltsituationen brachte. Mit denen sie aber bis auf einen Malli-Abschluss in schöner Regelmäßigkeit am Abseits scheiterten.

Insgesamt sah das Spiel der Wolfsburger aber reifer aus. Viel Ballsicherheit auf allen Positionen. Auch der oft im Spielaufbau etwas fahrige Rodriguez spielte sicher und ohne Ballverluste. Sodass die Balleroberungsattacken von RB meist ins Leere liefen. Und wenn dann im Spiel gegen einen kompakt verteidigenden Gegner Genauigkeit und Geschwindigkeit fehlt, dann wird das Spiel eben schnell mühselig.

Neben einem Demme-Flatterball gab es eigentlich nur eine gute Situation im RB-Offensivspiel in der ersten Halbzeit. Und die enstand mal wieder durch die Geschwindigkeit von Timo Werner. Der an der Mittellinie den Ball sichert, ablegt und dann tief geht, wo er den Ball kriegt. Sprint Richtung Strafraum, wo er ’nur‘ quer auf den mitgelaufenen Forsberg spielen muss. Aber dieser Querpass gerät viel zu scharf und unplatziert. Sodass Forsberg keine Chance hat, den Ball aus fünf Metern im Tor unterzubringen.

Sehr gutes Spiel und entscheidendes Tor von Mario Gomez mit dem VfL Wolfsburg bei RB Leipzig. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Insgesamt ging das 1:0 für Wolfsburg zur Pause in Ordnung, weil man die erste Viertelstunde deutlich dominierte und auch danach das reifere Spiel ablieferte und kaum etwas zuließ. Lediglich gute Gelegenheiten mit viel Raum nach vorn spielte man nicht gut aus.

Das gab entsprechend RB für noch mal alle Chancen für die zweite Halbzeit. In der Federico Palacios für den unglücklichen Kaiser kam. Mehr Dribbelstärke und Quirligkeit in vorderster Reihe als Ziel. Sabitzer dafür dann wieder auf der Zehn, also auf der Kaiser-Position.

Wolfsburg musste schon vor der Pause wechseln. Rodriguez konnte verletzungsbedingt nicht weiterspielen. Guilavogui kam für ihn, rückte aber auf die Sechs. Gustavo dafür nun Innenverteidiger. Ein Wechsel aber eher mit Substanzgewinn, denn -verlust. Gustavo als Innenverteidiger nicht schlechter als Rodriguez und sehr ballsicher. Guilavogui auf der Sechs ein echter Brocken und auch kein Qualitätsverlust.

Entsprechend änderte sich am Spiel des VfL Wolfsburg auch wenig. Man verteidigte kompakt und kompromisslos und mit einer starken Zentrale in Mittelfeld und Verteidigung. Und suchte dann über die spielstarken Offensivspieler die Entscheidung.

Aber erstmal versuchte RB Leipzig nach der Pause das Tempo anzuziehen. Keita zerrte an den Ketten, verzettelte sich aber auch immer mal wieder in Einzelaktionen gegen mehrere Gegenspieler. Und Werner versuchte sich in Stellung zu bringen. Wie in der 49. Minute, als er schön von Forsberg freigespielt wird, aber dann aus zehn Metern den leicht über den Rasen hoppelnden Ball über den Kasteels-Kasten schießt.

Auf der anderen Seite dann das Nicht-Tor des Jahres. Aus einem Einwurf(!) auf der rechten Seite. Kopfballverlängerung Gomez in den Lauf von Didavi, der den Meter Raum, den er kriegt aus 16 Metern zu einem phantastischen Heber, der an den linken Pfosten klatscht, nutzt. Didavi gedankenschneller als alle auch beim Abpraller Erster, aber so großartig der erste Schuss war, so überschaubar ist der zweite, mit dem er aus sechs Metern den in den Weg hechtenden Gulacsi anschießt. Doch noch mal kommt der Ball zu Didavi, der ihn zu Gomez legt. Der wiederum aus kurzer Distanz an den Pfosten und von dort an den Körper von Gulacsi. Nur ins Tor will der Ball erneut nicht. Lieber bleibt er einen halben Meter vor der Linie liegen, wo ihn dann Gulacsi schnappt. Unglaubliche Szene.

RB Leipzig drückt nach diesem kurzen Schreck weiter auf das Offensivspiel. Man hat sogar immer mal wieder ganz gute Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Aber danach wird es überschaubar gut. Es fehlt der letzte Pass. Oder wenn man mal in Schussposition kommt, dann fehlt der druckvolle und genaue Abschluss (Palacios, Sabitzer, Halstenberg). Sodass man zwar Mitte der zweiten Halbzeit das Gefühl hat, das Spiel würde gerade kippen. Nur kippt es halt nicht, weil die Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum fehlt und man oft zu wild und kopflos anrennt.

Burke kommt dann noch für die letzte Viertelstunde und soll den Druck noch mal verstärken. Für ihn geht Forsberg, der keinen perfekten Nachmittag erwischte, aber auch immer mal wieder gute Momente hatte. Und mit diesem Wechsel bricht das sowieso schon nicht sehr strukturierte Spiel irgendwie und stattdessen eine Schlussoffensive eingeläutet wird, bleibt das Spiel nun endgültig Stückwerk. Die einzige Chance, dass das Spiel noch kippen könnte, besteht darin, dass irgendjemand einen genialen Moment erwischt. Aber der geniale Moment kommt nicht. Und für die Brechstange mit langen Bällen fehlen RB vorn die entsprechenden Stürmertypen. Und so plätschert das Spiel eher seinem Ende entgegen, als dass es noch mal besonders stürmisch zugehen würde.

Wenn man mal von der ersten Viertelstunde absieht, dann war das Spiel insgesamt ein ausgeglichenes. Wolfsburg am Ball reifer, aber mit dem alten Problem, gute Situationen in die Tiefe nicht gut und gewinnbringend ausspielen zu können. Leipzig etwas wilder und unberechenbarer, aber auch kopflos und ohne entscheidende Durchschlagskraft. Es ist über 90 Minuten ein sehr schnelles Spiel, bei dem es viel hoch und runter geht. Für den neutralen Zuschauer sicherlich ein ansehnliches Spielchen. Aus RB-Sicht ist es eher ein Spiel zum Haareraufen. Weil man im Offensivspiel zu oft die falschen Lösungen wählt und entsprechend Ballbesitzvorteile und optische Dominanz an einer gut organisierten VfL-Defensive zerschellen.

Mitenscheidend für den Spielausgang auch die Zweikampfquote. Lediglich knapp 44% der direkten Duelle können die RasenBallsportler für sich entscheiden. In vielen wichtigen Situationen behalten die Gäste die Oberhand. So auch bei den vielen, vielen Standards (sieben Ecken und diverse Freistöße) aus denen RB überhaupt kein Kapital schlagen kann. Und so bleibt es ein Nachmittag, an dem gar nichts aufgeht, obwohl es bei weitem auch kein Spiel war, das man zwangsläufig verlieren muss.

Fazit: Ein durchaus verdienter Sieg für den VfL Wolfsburg. Die sich zweikampfstärker und fußballerisch reifer präsentierten, aber bis auf einmal ihre vielen guten Umschaltsituationen nicht ausspielen konnten. Verdient hatte sich der VfL den Sieg schon in der ersten Viertelstunde, in der man das Spiel nach Belieben dominierte und völlig verdient in Führung ging. Der Rest war eine Mischung aus gutem Verteidgen der Wolfsburger und wenig zielführendem Offensivspiel von RB Leipzig. Das Spiel hätte durchaus in der zweiten Hälfte auch kippen können, aufgrund der fehlenden Leipziger Durchschlagskraft im Strafraum kippte es aber nicht.

liveticker_banner_ueberblendet

Randbemerkung 1: Vor dem Spiel brach ein Mann beim Einlass zur Haupttribüne wegen Herzversagens zusammen und verstarb trotz sofortiger Hilfe seitens der Umstehenden später im Krankenhaus. Das sind dann die Momente, wo der Fußballalltag ein bisschen egal wird. Bekannt wurde der Vorfall allerdings erst nach dem Spiel.

Randbemerkung 2: Schrecksekunde auch um Naby Keita. Der brach nach dem Spiel in den Katakomben zusammen und musste ins Krankenhaus gefahren werden. Kreislaufzusammenbruch. Eine Nacht im Krankenhaus. Wie es weitergeht und was das für Ursachen hatte (Update: Verein spricht von akuter Belastungsreaktion), ist noch unklar. Klar ist nur, dass Keita nächste Woche gegen Bremen sowieso aussetzen muss nach seiner fünften gelben Karte. Danach ist Länderspielpause. Falls er nicht zur Nationalmannschaft muss (keine Ahnung, ob Guinea Testspiele hat; Update: Hinweis auf Twitter sagt ja), dann hätte er drei Wochen bis zum nächsten Spiel Zeit zur Regeneration. Und vielleicht auch ein bisschen Zeit, sein Zweikampfverhalten zu überdenken. Gegen Wolfsburg wandelte er nicht zum ersten Mal am Rande des Platzverweises. Seine Grätsche nach bereits lange unterbrochenem Spiel in der ersten Halbzeit war dunkelgelb. In der zweiten Halbzeit hätte er sich nicht wundern dürfen, wenn er dann endgültig vom Platz geflogen wäre. Manchmal ist er da im Einsatz seiner Stollen etwas ungestüm und ungeschickt. Bzw. vielleicht ja doch geschickt, da er bisher deswegen ja dann doch noch nicht vom Platz geflogen ist.

Randbemerkung 3: Zehn Punkte nach sieben Rückrundenspielen für RB Leipzig. In der Hinrunde holte man gegen dieselben Gegner immerhin 15 Punkte. Fünf Punkte weniger gehen dann durchaus als Trend durch (wobei der Vergleich mit der starken Anfangsphase in der Hinrunde auch ein bisschen unfair ist). Man spielt jetzt vielleicht mit 1,43 Punkten pro Spiel die Rückrund, die man bereits in der Hinrunde erwartet hatte. Über die Saison wären 1,43 Punkte pro Spiel ungefähr 49 Punkte, also jene Spielzeit irgendwo im sicheren Mittelfeld, die man sich vorgenommen hatte. Punktet man in dem Schnitt auch in den letzten zehn Spielen, läge man am Ende bei 63 Punkten. Das hat in den Jahren seit Einführung der Dreipunktregel immer zu irgendwas zwischen Platz 2 und 4 (meist Platz 3 oder 4) gereicht.

Randbemerkung 4: Es bleibt dabei, dass RB Leipzig inzwischen zu viele Großchancen (also Chancen, bei denen die Gegner allein und zentral vor Gulacsi auftauchen) zulässt (auch wenn das Ralph Hasenhüttl ein wenig anders sieht). Beziehungsweise mehr zulässt als zuvor. Zehn waren es in den ersten 15 Spielen bis zum Bayern-Spiel. Lässt man mal die (Ausreißer-)Spiele in München und Dortmund außen vor (insgesamt 15 zugelassene Großchancen), dann hat man in sieben Spielen seit der Winterpause schon genauso viele (also zehn) Großchancen zugelassen wie in 15 Spielen bis zur Bayern-Partie. Was den Eindruck bestätigt, dass die Einschusschancen für die Gegner besser geworden sind. Und auch die Balance zwischen Offensive und Defensive ist deutlich schlechter geworden. 11:10 Großchancen in sieben Spielen jenseits des Dortmund-Spiels seit der Winterpause (mit Dortmund-Spiel sind es 11:16) sind für das Team, das bis zum Bayern-Spiel das beste Verhältnis zwischen eigenen Großchancen und zugelassenen Großchancen hatte, durchaus bemerkenswert. 31:10 hieß die beeindruckende Bilanz nämlich in den ersten 15 Spielen (mit Bayern-Spiel bis zur Winterpause 31:19). Weniger eigene Großchancen, mehr Großchancen für den Gegner. Macht natürlich auch die Spielergebnisse seit der Winterpause (4 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen) erklärbar.

Randbemerkung 5: Man will nicht so richtig wissen, was in Davie Selkes Kopf gestern vor sich ging. Da liegt das Team ab der 9. Minute mit 0:1 hinten und Selke muss zugucken, wie nacheinander Palacios, Upamecano und Burke eingewechselt werden. Insbesondere die Einwechslung von Palacios dürfte tief getroffen haben. Hasenhüttl erklärte nach der Partie, dass sich Palacios die Einsatzchance durch gute Form verdient hatte. Bilde jeder selbst den Umkehrschluss. Schon Wahnsinn, dass nach Poulsens Verletzung Selke trotzdem so gar keine Chance kriegt, sich mal über längere Spielzeit zu beweisen. Auch wenn die Idee hinter Palacios (jemanden zu bringen, der auch mal zwischen den Linien dribbeln kann und nicht jemanden, der in der Box der Vollstrecker ist) ein Stückweit nachvollziehbar war, bleibt doch der Fakt, dass Selke gestern in der Trainerwahl noch hinter U23-Stürmer Palacios gerutscht ist. Nachdem Selke schon am Ende des letzten Jahres mit seiner Situation unzufrieden war, kann man sich ungefähr vorstellen, wo sein Spaßlevel aktuell ungefähr liegt.

Randbemerkung 6: Rani Khedira hatte unter der Woche erklärt, dass eine mögliche Verlängerung in Leipzig auch davon abhängen wird, wie viel Spielzeit er im Verlauf der Restsaison bekommt. Dass er nach Stefan Ilsankers Ausfall nicht spielen durfte, sondern Kaiser den Vorzug bekam, dürfte im ersten Schritt seinen Wunsch nach einem Verbleib bei RB nicht unbedingt erhöht haben. Und wenn Ilsanker, dann nächste Woche zurückkehrt, dann werden Khediras Einsatzchancen nicht gerade größer..

Randbemerkung 7: Davie Selke wurde letztens schon von René Adler im Sechzehner komplett über den Haufen gerannt, ohne dass das Konsequenzen in Form eines Elfers gehabt hätte. Gestern sprang Koen Casteels mit sehr hohem Knie voran in Timo Werners Gesicht. Wobei die Aktion nicht ganz so eindeutig war wie jene von Adler. Weil Werner ohne Chance auf den Ball in Casteels hineinrennt, der auch eher an der Kugel ist. Trotzdem darf man sich gern mal vorstellen, wie die Situation bewertet worden wäre, wenn sagen wir Timo Werner im Mittelfeld mit Knie voraus in den Gegenspieler springt. Selbst wenn er dabei mit dem Kopf den Ball spielt, würde er wohl den Freistoß gegen sich kriegen. Wenn Torhüter dran beteiligt sind, genießen sie aber eine seltsame Narrenfreiheit und kriegen das praktisch nie (und nicht nur in der Werner-Casteels-Szene) gegen sich gepfiffen. Auch irgendwie nicht so richtig vernünftig.

Randbemerkung 8: Dass Leute in größerer Zahl fünf Minuten vor dem Spielende beim Stand von 0:1 ein Stadion verlassen, wird sich mir wohl in meinem Leben nicht mehr erschließen. Aber ist natürlich ein freies Land und jeder darf nach eigener Wahl jederzeit überall hingehen.

Randbemerkung 9: Stefan Ilsanker in der Halbzeitpause am Stadionmikro bei Tim Thoelke mit ein paar eher direkten Hieben Richtung robuster Spielführung der Gäste (die sich der Österreicher mit Abstiegskampf erklärte) und Leistung des Schiedsrichters. Fand er beides offenbar nicht so prall. Und sah auch eher geladen aus. Kann man authentisch finden. Andersherum würde man sich wohl sehr wundern, wenn man so etwas irgendwo bei einem Auswärtsspiel aus den Stadionlautsprechern hören würde (bzw. gab es in der Vergangenheit von RB Leipzig immer mal wieder Auswärtsstadien, in denen man sich nicht ganz zu Unrecht über die eine oder andere Äußerung gen Gastverein wundern durfte). Kein Vorfall, den man groß aufbauschen muss, aber ein bisschen seltsam war es schon.

Randbemerkung 10: Wieder mal Probleme und Stau beim Abgang in Sektor C. Tritt offenbar immer dann auf, wenn der Oberrang des Gästeblocks für Heimfans genutzt wird und diese dann über den Haupt-Heimbereich herausgeführt werden. Der Verein verspricht für die Zukunft Besserung. Ist auch nötig. Wird diese Saison schon noch mal passieren, dass der Oberrang des Gästeblocks Heimbereich ist, weil der Gastverein nicht das komplette Kartenkontingent abruft.

Randbemerkung 11: Mario Gomez mit der Fortsetzung seiner unheimlichen Serie unter Andries Jonker. In sieben Spielen unter Jonker in München und Wolfsburg steht er nun bei elf Toren..

Randbemerkung 12: Wolfsburg am Fanblock mit einem „Arbeit – Fußball – Leidenschaft“-Banner. Wer ist generell eigentlich irgendwann mal auf die Idee gekommen, dieses Arbeitsdingens so zu heroisieren? Und warum pappt man die Arbeit noch auf Banner, mit denen man zu seiner Wochenendbeschäftigung aka Spaß reist? Alles Arbeit, das ganze Leben? Und was ist eigentlich aus dem guten alten Punkrock-„Fußball – Fi**** – Alkohol“-Dingens als Alternative zum Arbeitsethos geworden? Fragen über Fragen..

Lichtblicke:

  • Peter Gulacsi: Hält, was zu halten ist. Darunter sehr gut gegen Didavi in der zweiten Halbzeit oder gegen Malli in der ersten Hälfte. Gut rausgelaufen gegen Gomez in der zweiten Hälfte und auch sonst wach und präsent als Anspielstation.
  • Diego Demme: Wieder viel unterwegs und bemüht, im Offensivspiel Akzente zu setzen. Schöner Distanzschuss in der ersten Hälfte. Wieder mittendrin im Gedränge, aber auch mit zu vielen verlorenen Zweikämpfen. In einer nicht sonderlich überzeugenden Mannschaft einer der besseren.
  • Timo Werner: Besonders in der ersten Halbzeit noch ständiger Unruheherd und mit einigen Möglichkeiten seine Geschwindigkeit auszuspielen. Arbeitete über 90 Minuten unheimlich viel auch gegen den Ball. Mit zunehmender Spielzeit ging er aber im kopfloser werdenden Offensivspiel etwas unter. Ließ sich dann öfters fallen und sah sich plötzlich manchmal in der (nicht passenden) Rolle des Spielgestalters. Vor dem Tor leider nicht so effektiv. In der ersten Halbzeit eine gute Gelegenheit durch einen schlechten Querpass liegengelassen, in der zweiten Halbzeit aus guter Position drübergeballert. Engagierte, aber auch glücklose Vorstellung.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des 24.Spieltags gegen den VfL Wolfsburg bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

———————————————————————————————

Tor: 0:1 Gomez (9.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz (68. Upamecano), Orban, Compper, Halstenberg – Keita, Demme – Kaiser (46. Palacios), Forsberg (74. Burke) – Sabitzer, Werner; Bank: Coltorti, Khedira, Selke, Bernardo; Nicht im Kader: Poulsen, Klostermann (beide verletzt), Ilsanker (gesperrt), Gipson, Müller

Aufstellung VfL Wolfsburg: Casteels – Blaszczykowski, Knoche, Rodriguez (44. Guilavogui), Gerhardt – Didavi (82. Vieirinha), Bazoer (64. Seguin), Gustavo, Malli – Arnold, Gomez

Schiedsrichter: Benjamin Brand (Kein einfaches Spiel für den Schiedsrichter, der viele Nickligkeiten und Angriffe auf die Beine des jeweiligen Gegners bewerten musste. Verpasste drei Chancen in der Anfangsphase, in die gelben Karten einzusteigen (zweimal gegen Wolfsburg, einmal gegen RB). Dadurch sofort Unruhe im Spiel. Dass dann Schmitz als erstes dran war, erzürnte das Publikum, weil man das Gleichmaß nicht gewahrt sah. Bis zum Pausenpfiff konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass Brand in Sachen Gelb nicht unbedingt konsequent und stringent vorging und zu einseitig blieb, auch wenn er grundsätzlich keine groben Fehler machte. Nach der Pause wurde das besser und die Akzeptanz gegenüber Brands Entscheidungen höher, auch wenn Keita Glück hatte, dass er nicht mit gelb-rot vom Platz flog. Insgesamt nicht der glücklichste Schiedsrichter-Tag. Was aber vor allem auch an der Art und Weise, wie die Akteure agierten, lag.)

Gelbe Karten: Orban (6.), Keita (5.), Schmitz (2.) – Gustavo, Gerhardt, Gomez, Seguin

Zuschauer: 42.558 (davon 2.500  Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, WOB-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

—————————————————————————————–

  • Torschüsse: 11 : 15
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 7
  • Schüsse auf das Tor: 6 : 5
  • gewonnene Zweikämpfe: 43,9% : 56,1%
  • Ballbesitz: 54,6% : 45,4%
  • Passquote: 77,3% : 68,3%
  • Laufstrecke: 122,5 km : 122,6 km
  • Sprints: 248 : 251
  • Intensive Läufe: 749 : 743
  • Fouls: 16 : 16
  • Ecken: 7 : 3
  • Abseits: 7 : 5
  • Meiste Torschüsse: Sabitzer: 4 – Didavi: 4
  • Meiste Torschussvorlagen: Forsberg: 5 – Didavi: 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Halstenberg: 71,4% – Knoche: 80,0%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 97 – Gerhardt: 79
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Compper: 87,7% – Forsberg: 81,8%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,9 km – Malli: 12,4 km
  • Meiste Sprints: Werner: 39 – Gerhardt: 34

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

————————————————————————————

Saisontorschützen: Werner – 14; Forsberg – 7; Sabitzer – 5; Keita – 4; Selke, Orban, Compper – je 2; Kaiser, Burke, Poulsen – je 1; Eigentore: Baumgartlinger, Kolasinac, Vallejo, Maroh

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 11; Keita – 8; Werner – 7; Sabitzer – 4; Demme – 3; Poulsen, Burke, Halstenberg – je 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): , Sabitzer – 11; Demme – 10; Orban – 8; Forsberg – 7; Keita – 6; Ilsanker, Poulsen – je 5; Compper, Halstenberg – je 4; Gulacsi – je 3; Kaiser, Schmitz – je 2; Bernardo, Werner, Selke, Burke – je 1

————————————————————————————

Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Flattr this!

13 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg 0:1“

  1. komplett gebrauchter Tag gestern.
    Das beginnt für mich schon bei der Aufstellung und den Einwechslungen. Khedira wäre als ballsicherer Sechser die logische und weitaus bessere Wahl als Kaiser gewesen. Dann wird zu Pause ein gefühlt 1,25 m großer Regionalligaspieler eingewechselt, anstatt das man Selke bringt. Der wäre der Mann gewesen, der die zunehmend langen Torwartabschläge auch mal im Kopfballduell sichern kann und eventuell die eine Strafraumszene erfolgreich zum Abschluss bringt (im Gegensatz zu den kläglichen Versuchen von Palazzos und Sabitzer) Bei der Einwechslung von Upamecano dachte ich zuerst an die Umstellung auf 3er-Kette. Ansonsten erschließt sich mir nicht, warum Schmitz bei 0:1-Rückstand positionsgetreu ausgewechselt wurde. Und über Burke breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Da ist im Augenblick wirklich Null Entwicklung zu sehen, im Gegenteil.

    Ja, auf unserer Bank sitzt einiges Potenzial. Aber kein Anschlusskader, der nur annähernd das Niveau der ersten 11 hat oder aktuell neue Impulse von außen setzen kann. Das wird sicher auch unser Sportdirektor registriert haben.

  2. Der Verzicht auf Khedira ( für Ilse ) war für mich der Kardinalfehler, der auch ob der jüngst von ihm gezeigten Leistungen unverständlich war.
    Dies war auch ein Verzicht auf Körperlichkeit, Kopfballstärke und Zweikampfstärke im Mittelfeld.
    In dieser Spielzone war Wolfsburg besser aufgestellt spielerisch Didavi ! Malli ! Und rustikal Arnold und Bazour.
    Oliver Burke hat etwas von seinem Selbstvertrauen und seiner Unbekümmertheit verloren. Verlangsamen zu viele Informationen auf der Festplatte den Rechner ?
    Burke und Upamecano haben mehr Dynamik ( auch Fehler ) ins Spiel gebracht. Sie und auch Bernardo müssen öfters spielen.

  3. Randbemerkung 8 überrascht mich jetzt nicht soooo sehr.
    Randbemerkung 12… Joa. Grds Zustimmung, aber: Fan eines Vereins wie VfL Wolfsburg zu sein, ist vielleicht auch nicht allzu weit von „Arbeit“ entfernt. VW muss immerhin Schichtwechsel verschieben, damit das Stadion unter der Woche (zB CL) zu 70% gefüllt ist.

    Zum Topic: war leider nicht viel zu sehen von dem tollen Fußball der Hinrunde. Mega Schwein gehabt, dass die Dortmunder auch verloren haben. Die werden nämlich deutlich mehr Punkte als in der Hinrunde machen.

  4. Upa und Burke müssen in die Startelf, sonst hätte der RR sie nicht für soviel Geld geholt, trotz einiger Aussetzer war Upa gestern eine echte „Erscheinung“ auf dem Platz, ich hätte gern mehr davon. Burke braucht Praxis, die „Festplatte“ erscheint etwas überladen…
    Schmitz und Halstenberg sind keine Option für die CL, welche wir mit noch 4 Siegen aus 10 Spielen direkt erreichen werden.
    Der Schiri war uns wohl gesonnen, sonst würde Keita 3 Spiele pausieren und hätte weiter 4 Gelbe auf dem Konto, ansonsten ist nix passiert.
    Der RR hat den Anti-RBLer Küppers heute beim DoPa schön abgekocht – es war also ein gutes Wochenende, auch wenn irgendwie die Rückrunde nicht unser Ding ist! Liegt evtl. auch am „System“…

    1. Inwiefern „abgekocht“?
      Und welches „System“ ist gemeint? Spielsystem?

  5. Wenn man sich die Tore der Bayern anschaut , fast immer über die Flügel zur Grundlinie in den Rücken der Abwehr.
    Geht bei uns fast nicht , weiss Gott warum .immer mit den Kopf durch die Mitte .wenn es klappt schaut es schön aus, aber klappt halt meistens nicht .kein Wunder das wir keine Torgefahr ausstrahlen .
    Gut war trotzdem der Hinweis RR. doch mal variabler zu spielen.bei der DOPA Runde.
    Mit dem jetzigen System sind wir zu leicht auszurechnen.

  6. Irgendwie scheint der Putz von den Herren Rangnick und Hasenhüttl durch verschiedene (Nicht-) bzw. falsche Aufstellungsentscheidungen und derzeitig unpassende Träumereien über evtl. kommende Neuzugänge derzeitig langsam doch abzuplatzen! Deshalb sind einige Deiner Randbemerkungen, RBB, richtigerweise gut nachvollziehbar!

    Natürlich kann selbst ein Heimspiel gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner mal ganz schnell verloren gehen. Wenn man allerdings einen vehementen Einsatz von seinen fast ständig knapp hinten liegenden Aktiven bis zur letzten Minute erwartet, sollten auch die Zuschauer durch ihr lautes Anfeuern das bis zum Abpfiff tun, statt sich möglichst die besten Ausgangspositionen für die umkämpften Ausfahrten vom Parkplatz ergattern zu wollen!

    Das von Dir geschilderte „Nicht-Tor des Jahres“ war eine regelrechte journalistische Perle, die treffender nicht sein konnte! Auch beim Hinschauen in der Fernsehaufzeichnung musste man mächtig aufpassen, die Schwindelgefühle nicht zu weit ansteigen zu lassen……

    Mit dem viel diskutierten Rückzug der U-23 -Jungs ab der kommenden Saison schüttelt natürlich auch weiterhin die große Fußballgemeinde bundesweit den Kopf, weil man seitens der Verantwortlichen diese völlig unverständliche Maßnahme gegenüber der im Gegensatz befindlichen ständig verbreiteten Nachwuchsförderungsbereitschaft einfach billigend in Kauf nimmt! Andererseits fühlen sich die noch dort spielenden und ehemals als Talente eingekauften Spieler gegenwärtig wie Falschgeld!

  7. Lustig ist ja, daß Du in der PK in der Brauerei, genau die Frage gestellt hast, die am Samstag auch entscheidend waren. Sprich mit Ilsanker und Poulsen fehlen große Zielspieler bzw. bei ruhenden Bällen zum Verteidigen bei Flanken in den Strafraum. Du hast anscheinend Hasenhüttl irritiert, weil Du Forsberg statt Ilsanker nanntest und der Trainer wollte es beweisen, daß auch kleine Rasenballer diese Aufgabe übernehmen können 😉

    Kaiser oder FPM können das eben nicht. Im Grunde konnte es am Samstag so gut wie niemand. Bei jeden Abstoß von Gulacsi ging es entweder auf Halstenberg als Zielspieler oder in der Mitte haben die Rasenballer das Kopfballduell verloren und konnten nur versuchen den Ball abzuschirmen.
    Darum verstehe ich (auch) nicht, warum zur Hz. kein größerer Spieler kam, sprich Khedira oder Selke.

    Ach ja, so eine Idee am Rande. Du bist ja regelmäßig bei der PK bzw. schreibst am Vormittag die Vorschau zum Spiel.
    Wenn Du dann den Blog „verzwitscherst“ könnten dann nicht die User/Follower so eine Art #FragHasenhüttl unter dem Tweet schreiben?
    Und Du einen oder die Besten auswählst und Du sie auf der PK den Trainer stellst?

    1. Während der PKs wird es schwierig auf Twitter zu achten. Vorher bin ich auch immer für Fragen offen (der Betrag ist ja schon ab früh online, also kann man ja Fragen hier oder bei Twitter einfügen). Muss halt auch immer passen. Da ich parallel mittippe, bin ich nicht so fragenaktiv, weil es einfach schwierig ist, dann noch hinterherzukommen, wenn man auch noch selber fragt. Würde deshalb eher nicht so gern eine #fragHasenhüttl-Aktion draus machen. Wer will, der weiß, dass er oder sie mir auch immer Fragen von Interesse zukommen lassen kann, die ich dann einbaue, falls es passt.

  8. Natürlich nicht während der PK, das ist klar.
    Eben im Zeitraum, wenn der Blog auf Twitter steht bis Mittag.
    Mir ist eben in den letzten PK’s aufgefallen, daß gefühlt 50% der Fragen aus dem Boulevard kommen. Wenn Ipolliti z.B. Ulli Krömer aufruft, weiß ich, es geht gleich um Spoocht und bei anderen eben nicht 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.