Bundesliga: RB Leipzig vs. Hamburger SV 0:3

20.Spieltag in der Bundesliga. RB Leipzig empfing den Drittletzten der Tabelle, den Hamburger SV. Nach der Niederlage in Dortmund sollte mit allen rückkehrenden Stammspielern wieder der Weg in die Erfolgsspur gefunden werden. Am Ende stand eine nicht unverdiente Niederlage, weil man vor dem HSV-Tor zu umständlich agierte und in der ersten Halbzeit zweimal bei Ecken nicht gut verteidigte.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig dank der vielen Rückkehrer mit einigen Änderungen. Khedira, Kaiser und Selke landeten erwartungsgemäß auf der Bank. Compper fehlte dazu gelbgesperrt. Etwas überraschend stand auch Poulsen nicht in der Startelf. Denn Ralph Hasenhüttl hatte sich in der Abwehr für Neuzugang Dayot Upamecano als Compper-Ersatz entschieden. Ilsanker war nach starkem Spiel in Dortmund sowieso gesetzt, sodass irgendwo weiter vorn ein Spieler zu viel war. Das war dann überraschend Poulsen. Sodass Werner, Sabitzer, Forsberg und Demme wieder ins Team zurückkehrten. Das Duo Selke/ Poulsen vor einer Woche noch zusammen auf dem Platz, nun zusammen auf der Bank. Das hatten sie sich sicherlich auch beide etwas anders vorgestellt.

Der Hamburger SV veränderte seine Startelf im Vergleich zum letzten Bundesligaspiel auf zwei Positionen. Sakai rückte rechts hinten für Diekmeier ins Team. Und Neuzugang Walace, der unter der Woche im DFB-Pokal seine gelungene Premiere gefeiert hatte, ersetzte Ekdal auf der Sechs.

Die ersten zehn Minuten des Spiels liefen dann ein bisschen so, wie es der Tabellenstand vielleicht nahelegen würde. Mit dominierenden RasenBallsportlern. Die erste Gelegenheit gab es entsprechend schon nach drei Minuten, als Forsberg links Halstenberg freispielt, der allerdings versucht, noch mal Werner in der Mitte (im Abseits) anzuspielen, anstatt den direkten Weg zum Tor und zum Torabschluss zu nehmen.

Der HSV zeigte derweil auch schon früh, worauf er setzen würde. Nämlich nach Ballgewinnen schnell umzuschalten (entsprechend die Passquote am Ende des Spiels bei gerade mal reichlich 50%), ohne allzu viel Wert auf das Spiel mit dem Ball zu legen (37% Ballbesitz). Upamecano nach acht Minuten mit einem von einer Handvoll kleinerer Unsicherheiten und einem Pass, den Wood abfängt. Daraus resultiert eigentlich eine 4-gegen-2-Situation, die dann aber wiederum Wood mit einem schlechten Pass beendet.

In der Folge ist RB Leipzig bemüht und kontrolliert das Spiel. In der 15. Minute wird Werner von Forsberg freigespielt, zielt aus 14 Metern aber neben das Tor. Auf der anderen Seite taucht Wood nach Upamecano-Stellungsfehler frei vor Gulacsi auf, scheitert aber am Ungarn.

Ecke gibt es trotzdem. Und Ecken sind am Ende das, was in diesem Spiel den Unterschied ausmacht. Nicolai Müller gibt die Vorlage. In der Mitte verliert Bernardo Gegenspieler Papadopoulos aus den Augen. Der wiederum gegen Halstenberg hochsteigt und einköpft. Ausgerechnet Papadopoulos. Gulacsi derweil angesichts der kurzen Entfernung chancenlos.

Gleiche Situation nur sechs Minuten später. Wieder ist es Nicolai Müller, der die Ecke von rechts schlägt. Diesmal ist es aber nicht Ex-RBLer und Leverkusen-Leihgabe Papadopoulos, der einköpft, sondern Neuzugang Walace, der vorher noch Keita einen leichten Schubser gibt. Zweimal nicht konsequent gegen den Eckball verteidigt, zwei Gegentreffer kassiert (der dritte Treffer nach Eckball für den HSV in der Bundesliga in Folge). Das ist einfach zu viel.

Und es wäre schon früh richtig bitter geworden, wenn zwei Minuten später das 3:0 fällt. Aber Kostic schießt aus guter Position rechts am Tor vorbei. Aber dem Schuss war ja auch keine Ecke vorausgegangen..

Ganz klar kein Elfmeter.^^ René Adler faustet den Ball durch Davie Selke durch. | GEPA Pictures - Sven Sonntag.

Hasenhüttl verändert nun die Formation und bringt Poulsen. Upamecano musste raus und Sabitzer und Keita rutschten auf die besser zu ihnen passenden Positionen auf der Zehn und der Sechs. Es entstand sofort relativ viel Druck auf das HSV-Tor, weil Poulsen nun die HSV-Innenverteidigung beschäftigte und Bälle sicherte. Poulsen war es auch selbst, der nach 35 Minuten fast den Anschlusstreffer geschossen hätte. Feiner Schuss von der Strafraumkante. Aber an den Außen- statt an den Innenpfosten.

Bitter aus RB-Sicht, dass Yussuf Poulsen dann schon wieder runter musste. Eine Muskelverletzung beendete nach zehn Minuten seinen Arbeitstag. Auch das ein Baustein für den weiteren Spielverlauf. Denn wie wichtig der Däne für das RB-Spiel ist, hatte man in den wenigen Minuten Einsatzzeit gut gesehen.

Insgesamt war die erste Halbzeit gar nicht so schlecht wie es das 0:2 am Ende sagte. Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit höheren Ballanteilen für RB Leipzig mit relativ verteilten Torchancen. Halt bis auf diese zwei Eckbälle, die den Unterschied machten. Insgesamt fehlte dem RB-Spiel offensiv vor allem bis zur 30. Minute aber auch ein wenig Dynamik und Geschwindigkeit. Das war oft viel zu statisch, was die Offensivreihe machte. Gelegentlich auch Situationen, in denen der Ball  auf einer Seite landete, aber die Mannschaft nicht hinterherverschob. Trotzdem blieben immer wieder Aktionen (wie auch schon in Dortmund), bei denen man bis zum Strafraum gut aussah, um dann im letzten Pass nicht so gut auszusehen.

Die ersten fünf Minuten nach der Pause waren dann erstmal Selbstfindungsphase, in der RB Leipzig fast nichts gelang. Viele verlorene Bälle auch in gefährlichen Zonen. Kapital konnte der HSV daraus aber nicht schlagen, weil Holtby bei einer größeren Chance scheiterte.

Sodass Leipzig langsam wieder das Kommando übernehmen konnte und zumindest bis zum gegnerischen Strafraum das deutlich dominierende Team war. Keita übernimmt von der Sechser-Position aus nun immer mehr die Regie und zeigt, dass er von dort auch sehr gut mit Forsberg harmoniert. Doch richtig was raus springt dabei nicht.

Halstenberg hat noch eine der besten Schusschancen nach einer reichlichen Stunde, als der Ball 18 Meter vor dem Tor auf seinem starken linken Fuß landet. Aber der Schuss geht auch relativ deutlich rechts vorbei.

Vielleicht hätte es auch der Tag des Davie Selke werden können, der nach Poulsen-Verletzung seine Chance bekam, sich zu zeigen. Doch entweder der Querpass im Strafraum landete im Nichts oder rutschte über den Fuß oder er stand sich mit Sabitzer im Weg oder wurde mal eben von Adler umgerannt. Diese letzte Szene des leidenden Selke, der folgenlos vom gegnerischen Keeper abgeräumt wird, war vielleicht symbolisch für die Partie des Stürmers. Viel investiert, aber außer einem brummenden Schädel nicht viel passiert.

Auf der anderen Seite lauert der HSV auf den alles entscheidenden Konter. Lange tut man sich damit schwer, weil RB Leipzig insbesondere auch durch Ilsanker in Eins-gegen-Eins-Situationen recht gut verteidigt und man sich so doch im Spiel hält. Der eingewechselte Dennis Diekmeier hätte in der Schlussphase der Partie nach 87 Minuten dann auf 3:0 stellen können, scheiterte aber in Schürrle-Gedächtnismanier an der Querlatte. Aaron Hunt machte es  quasi mit dem Schlusspfiff besser und schiebt zum 3:0 ein.

Am Ende war es dann vielleicht eine etwas unglückliche Niederlage, weil es abseits der zwei Eckbälle ein Spiel auf Augenhöhe, vielleicht sogar ein typisches Unentschieden-Spiel war. Selbst wenn sich die RasenBallsportler vor allem ohne Poulsen sehr schwer taten, sich im gegnerischen Strafraum mal entscheidend durchzusetzen. Da das Verteidigen von Eckbällen aber essenziell zum Fußball dazu gehört, muss man sich aber auch nicht wirklich über den Rest und den ’normalen‘ Spielverlauf unterhalten. Denn die Eckbälle machten den Unterschied und so war es dann eben ein verdienter Sieg für die Gäste, die sich dem eigenen Spielaufbau und damit dem Laufen in Pressingfallen meist verweigerten und gegen den Ball fast durchgängig aufmerksam agierten und kaum in Situationen gerieten, wo sie defensiv hinterlaufen musste.

Fazit: Wegen der Dominanz von der Eckfahne und einer guten Taktik am Ende ein nicht unverdienter Sieg für die Gäste, die mehr investierten in das Spiel und vor allem die zielführenderen Mittel einsetzten. Von RB Leipzig war es sicher kein sehr gutes Spiel, dazu fehlte ein wenig die Genauigkeit im Spiel mit dem Ball und die letzte Konsequenz im gegnerischen Sechzehner. Aber jenseits des Verteidigens von Ecken machte man auch gar nicht extrem viel falsch. Man dominierte den Gegner meist, erspielte sich immer wieder Lücken und aussichtsreiche Situationen. Es fehlte halt der letzte Pass, der letzte Punch vor dem Tor und entsprechend der Treffer, der den HSV hätte noch mal wanken lassen. Ohne Wanken aber auch kein Fallen und entsprechend dann eben Heimniederlage.

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Randbemerkung 1: Riesige Bannerparade vor dem Spiel. „Fußball für alle statt menschenverachtender Krawalle“ war das Obermotto, das per Blockbanner vorgegeben war. Und darüber im Fanblock, aber auch in hoher Anzahl quer durch das Stadion, ein Meer von Bannern, in denen sich gegen Gewalt und Hass und für alles mögliche von Dosenbier bis Liebe ausgesprochen wurde. Eine Aktion, die aktionstypisch natürlich auch den Zweck der Selbstbestätigung und Selbstvergewisserung als Gruppe bzw. als RB-Fans hatte. Die Beschwörung des „Wir“ nach den miesen Erlebnisse von Dortmund. Inhaltlich hat das aber durchaus auch Grenzen. Nämlich dort, wo man sich negativ am Kampfbegriff Tradition (z.B. „Mit Stolz traditionslos“) oder am vermuteten Motiv Neid (z.B. „Lieber vom tollen Sport besessen, als von Hass und Neid zerfressen“) abarbeitet. Insgesamt aber eine prima Aktion, mit der man sich nach innen und außen als selbstbewusste Fankultur versichert und auch kreative Vielfalt demonstriert hat. Und auch ein großartiges Bild, dass sich quer durch das Stadion vor allem die selbstgemalten Banner verbreiteten und nicht die vom Verein vorgefertigten DIN-A4-Poster aus dem Programmheft..

Randbemerkung 2: Bruchstelle bei dem ganzen, wenn es die Grenze dahin überschreitet, sich damit über andere erheben zu wollen und nicht nur über Gewalt. Vereinsoffiziell ging es in der Vergangenheit schon mal in die Richtung, sich als moderne Speerspitze der Bundesliga zu verkaufen. Fankulturell hat die Attitüde in der Abgrenzung von ‚Traditionsfans‘ auch schon mancher drauf. Man sollte bei all dem nicht vergessen, dass es völlig unterschiedliche Bedürfnisse und Wege im Zugang zum Fußball gibt und der einzige gemeinsame Nenner in aller Differenz eben nur die körperliche Unversehrtheit und entsprechend ein Mindestmaß an Respekt sein kann. Was natürlich nicht daran hindert, selbstbewusst zu seinem eigenen Weg mit dem und seiner Entscheidung zum RasenBallsport zu stehen. Nur ein Zeigefinger schmückt dieses Selbstbewusstsein nicht unbedingt.

Randbemerkung 3: In der 9.Minute dann auch das gemeinsame Singen der heimlichen Vereinshymne „Wir sind Leipzig, RasenBallsport Leipzig“ (der noch immer irgendwie ein bisschen mehr Text fehlt). Irgendwo las ich (keine Ahnung mehr wo), dass das so ein bisschen was von Kirchentag hat. Ein bisschen stimmt das wohl von der Symbolik her, wenn knapp 40.000 Leute nach erlebter Gewalt zusammen in einem Stadion aufstehen und dann ein Großteil davon einen gemeinschaftsbildenden Quasi-Choral anstimmen. Dankenswerterweise gönnte sich ein HSV-Spieler gerade einen Verletzungspause, sodass man sich auch ohne Ablenkung dem Singen widmen konnte. Vielleicht hätte man sich das Singen noch ein Stückweit kraftvoller vorstellen können. Aber das ist auch nur so ein Bauchgefühl.

Randbemerkung 4: Sportlich gesehen ein gebrauchter Tag für RB Leipzig. Mit dem absoluten Negativhöhepunkt eines Muskelbündelrisses bei Yussuf Poulsen. In Sachen Muskelverletzungen geht es fast nicht schlimmer. Sechs Wochen Pause sind erst einmal veranschlagt. Das heißt im günstigsten Fall, dass er am 01.04.2017, also am 26. Spieltag gegen Darmstadt wieder dabei ist. Das ist verdammt lange hin. Und tut verdammt weh. Zumal man den Unterschied zwischen einem Spiel mit dem zentralen Wühler Poulsen und ohne zentralen Wühler Poulsen gut in der ersten Halbzeit gegen den HSV sehen konnte. So richtig weiß man noch nicht, wie dieser Ausfall des Zweikampftypen Poulsen kompensiert werden kann.

Randbemerkung 5: Willi Orban ist eigentlich eine coole Socke. Wer will kann jetzt natürlich auch das Werfen des HSV-Medizinkoffers über die Seitenauslinie, weil Orban das Verlassen des Platzes nach Behandlung nicht schnell genug ging, als cool (im Sinne von ‚wer traut sich sowas schon‘) empfinden. Aber eigentlich war es nur eine Mischung aus respektlos, frustriert und doof. Für einen Moment die Nerven verloren. Und sich damit die fünfte gelbe Karte abgeholt, die er so lange mit starken Auftritten vermieden hatte. ‚Fünfte gelbe Karte wegen Medizinkofferwerfens‘. Wenigstens kann man sich kaum skurrilere Gründe für eine Sperre vorstellen. Und Orban spart sich die elend lange Anreise nach Mönchengladbach. Aber im Sinne des Mannschaftserfolgs und einer bestmöglichen Innenverteidigung nächste Woche war es eine extrem doofe Aktion.

Randbemerkung 6: Extrem doof auch, die natürlich folgende Aufregung auf dem Platz zum Werfen von Bierbechern (das ist zumindest, was man aus der Ferne sehen konnte) zu nutzen. Nicht getroffen, aber trotzdem ätzend. Warum man nicht alles bei sich behalten kann, nur weil man mal ein bisschen aufgeregter oder emotional involvierter ist, muss sich nicht erschließen. Wenn ich mich recht erinnere, kassierte RB zuletzt mal wegen eines Heimspiels gegen Heidenheim ein paar Euro Strafe wegen Becherwürfen. Ingolstadt erwischte es diese Saison nach dem Heimspiel gegen RB, weil da auch Dinge gen Linienrichter flogen. Wäre nicht verwunderlich, wenn das diesmal auch ein paar Euro kostet. Und wäre bei RB nicht verwunderlich, wenn man den (die) Verursacher findet und an diese die Geldstrafe weiterleitet oder sie zumindest mit einem Hausverbot belegt.

Randbemerkung 7: Das war natürlich ein bitterer Nachmittag für Dayot Upamecano. Gerade mal eine halbe Stunde dauerte sein Startelfdebüt. Nach seiner Einwechslung in Dortmund noch gefeiert (wobei das wenig Aussagekraft hatte in einem Spiel, in dem es nicht mehr unbedingt um defensive Stabilität, sondern um Aktionen mit dem Ball ging), nun so schnell rasiert. Wobei Trainer Ralph Hasenhüttl das eher mit Umstellungen in der Offensive und dem Rücken von Keita auf die Sechs (und entsprechend Ilsanker in die Innenverteidigung) begründete als mit Schwäche. Das ist sicherlich richtig, aber drei, vier gröbere Unsicherheiten in der ersten halben Stunde ließen es auch als folgerichtig erscheinen, dass eben Upamecano Opfer der Umstellungen wurde und nicht Ilsanker oder Demme oder Orban. Für den 18-Jährigen blöd, ein so frühes Ende seines Debüts zu erleben, aber er wird seinen Weg trotzdem gehen.

Randbemerkung 8: Null Schüsse von RB Leipzig auf das gegnerische Tor in 90 Minuten. Erstmals in dieser Saison. 15 Versuche, aber keiner zielte so, dass René Adler hätte eingreifen müssen. Man hatte natürlich deutlich mehr gefährliche Offensivaktionen als noch in Dortmund. Von daher ist die Zahl 0 in dem Fall auch relativ, aber sie zeigt eben auch, dass man vor dem Tor nicht sonderlich effektiv agiert hat. Oder um es in einer Fünf-Euro-Phrase zu sagen: Wenn der Ball nicht auf das Tor geschossen wird, dann kann er auch nicht in das Tor gehen.

Randbemerkung 9: Kaum macht man eine Statistik, schon ist sie wieder dahin. Gerade erst davon geschrieben, dass RB in der zweiten Halbzeit seit dem Heimspiel gegen Mainz in der zweiten Halbzeit keinen Gegentreffer mehr kassiert hat und schon kommt der HSV und verwandelt in der Nachspielzeit doch noch den Konter zum 3:0. Wobei es dabei bleibt, dass RB Leipzig in dieser Saison in der zweiten Halbzeit fast keine spielverändernden Tore kassiert. Das letzte Gegentor in der zweiten Halbzeit, das Punkte kostete, musste man weiterhin am vierten Spieltag gegen Mönchengladbach hinnehmen. Das ist lange, lange her.

Randbemerkung 10: Laufdaten. Immer gern genommen, um damit die Stärke von RB Leipzig darzustellen. Wobei da inzwischen auch extrem viel Mythen gestrickt werden, die sich von den Daten nicht belegen lassen. In der Gesamtlaufstrecke gehört man zwar immer noch zu den vier besten Teams der Liga. In Bezug auf Sprintstrecke ist man aber nur Durchschnitt in der Liga. Mit dem HSV kam mal eben das Team mit den besten Sprintwerte Deutschlands nach Leipzig. Und dominierte RB trotz nicht mal überragender Werte nach Belieben. Denn die offiziellen Laufdaten (und den glauben wir mal) sind auf Leipziger Seite deutlich unterdurchschnittlich gewesen. Bzw. so schlecht wie noch nie in dieser Saison. Schwierig das zu interpretieren, weil es natürlich auch immer mit Spielabläufen (und mit Netto-Spielzeit) zu tun hat. Aus dem Ballbesitz heraus (von dem RB viel hatte) läuft man per se nicht so viel wie ohne viel Ballbesitz. Trotzdem hatte man auch oft das Gefühl, dass einfach ohne Ball nicht genug Bewegung im Spiel ist, um Lücken zu reißen und Anspielstationen zu schaffen. Vielleicht bei manch einem ja doch noch Grippe- bzw. Ausfallnachwehe. Auf jeden Fall auffällig, dass man so früh in der Rückrunde die schlechteste Laufleistung der gesamten Saison auf den Rasen gezaubert hat. Nicht vergessen sollte man gerade beim Vergleich mit den Gästen, dass die eine englische Woche hinter sich hatten.

Randbemerkung 11: Erste Heimniederlage der Saison. Zweite Niederlage in Folge. Zweites Mal ohne Tor. Die letzte Heimniederlage hatte man in der zweiten Liga letzten April gegen Sandhausen kassiert. Zwei Niederlagen ohne eigenes Tor gab es letztmals im Mai 2015 in der zweiten Liga, als man beim FC St. Pauli (0:1) und anschließend natürlich gegen Sandhausen (0:4) verlor. Lang, lang ist es her. Ist am Ende wohl auch nur so etwas wie Normalität, die da gerade rund um RB Leipzig einzieht. Wobei diese Normalität immer noch Platz 2 und viel Vorsprung auf Platz 4 heißt.

Randbemerkung 12: Viertes Spiel seit der Winterpause für RB Leipzig. Zwei Niederlagen bei 11 gegen 11. Zwei Siege bei 11 gegen 10 (einmal fast 90 Minuten, einmal 30 Minuten). Mehr Platzverweise gegen die jeweiligen RB-Gegner würden dem Erfolg gut tun.

Randbemerkung 13: Ausgerechnet Kyriakos Papadopoulos. Na klar. Nachdem er schon gegen Ex- und Verleih-Klub Leverkusen das 1:0 (und gleichzeitig den Endstand) nach Ecke herbeigeköpft hatte, köpfte er nun auch in Leipzig das 1:0. Und lief dann direkt und immer wieder auf seinen Bizeps zeigend Richtung Hasenhüttl. Der sich gleich wegdrehte und diesen Jubelsprint nicht nachhaltig beobachten wollte. Papas Mitspieler fingen ihn dann auf seinem Weg Richtung RB-Bank ein. Aber das komplette Verhalten von Papadopoulos während des Spiels wies darauf hin, dass er die Trennung von RB vielleicht als nicht ganz so sauber empfand wie man das in Leipzig tat bzw. für ihn da noch eine sehr große Rechnung offen war. Da war ordentlich Dampf drin. Immer wieder heizte Papadopoulos den Mitspielern ein und musste von den Mitspielern oder von Schiedsrichter Stegemann eingefangen werden. Papadopoulos war einer der Matchwinner, aber auch eigentlich das schwächste Glied auf dem Platz. Wenn man es geschafft hätte, ihm ein paar Situationen zum Grätschen anzubieten, hätte man ihn eventuell angesichts seiner deutlichen Übermotivation irgendwann vom Platz kriegen können. Aber zu selten bekam man die Innenverteidigung überhaupt in Gelegenheiten, in denen sie mal mit hoher Geschwindigkeit hinterherrennen mussten.

Lichtblicke:

  • Stefan Ilsanker: Wie schon in Dortmund so etwas wie der Kopf des Teams. Erst auf der Sechs und dann in der Innenverteidigung ohne größere Fehler. Im Zweikampf sicher und viele Konter unterbindend. Im Spielaufbau weitgehend fehlerlos. Schwer, sich derzeit RB Leipzig ohne Ilsanker vorzustellen.
  • Marcel Halstenberg: Machte auf der linken Seite viel Betrieb. War an vielen Offensivsituationen direkt beteiligt. Hatte in der zweiten Halbzeit auch eine gute Schussgelegenheit, die rechts vorbeigeht. Zweikampf- und laufstark bis zum Ende.
  • Diego Demme, Naby Keita, Emil Forsberg: Schwer zu entscheiden, weil alle gute Ansätze hatten, aber auch einigen Schatten. Keita war insbesondere in der ersten halben Stunde auf der Zehn ein Unsicherheitsfaktor. Später von der Sechs mit einigen starken Aktionen und Zug zum Tor, aber ohne Glück. Demme mit erstaunlich vielen Chippässen ins Nichts, aber auch gelegentlich guter Auflösung von Situationen im Spielaufbau. Forsberg manchmal zwischen den Linien mit gewohnter Stärke beim Schaffen von Räumen und Freispielen von Mitspielern. Sieben Torschussvorbereitungen sind wahnsinnig viel. Null Torschüsse und ein paar grausame Freistöße ins Nichts zeigen aber auch die ineffektive Seite in diesem Spiel.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des Spiels gegen den Hamburger SV am 20. Spieltag bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 0:1 Papadopoulos (), 0:2 Walace (), 0:3 Hunt (90.+3)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo (71. Schmitz), Orban, Upamecano (31. Poulsen/ 43. Selke), Halstenberg – Demme, Ilsanker – Keita, Forsberg – Sabitzer, Werner; Bank: Müller, Burke, Kaiser, Khedira; Nicht im Kader: Klostermann (verletzt), Compper (gesperrt), Coltorti, Gipson

Aufstellung Hamburger SV: Adler – Sakai, Papadopoulos, Mavraj, Ostrzolek – Walace, Jung – Müller, Holtby (90. Ekdal), Kostic (83. Diekmeier) – Wood (90. Hunt)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Souveräne Schiedsrichterpartie mit klarer Ansprache und klaren Entscheidungen. Bei Adlers brachialer Faustabwehr gegen Selke kurz vor Ende hätte man Elfmeter zeigen können, aber es liegt durchaus in der Logik allgemeiner Schiedsrichterpraxis, dass Torhüter im Strafraum Rambo-Aktionen aller Art machen können, wenn sie dabei nur irgendwie den Ball mit erreichen. Wenn ein Stümer so in eine Luftduell gehen würde, würde er immer ein Foul gegen sich gepfiffen bekommen. Egal, ob er den Ball mit dem Kopf erwischt oder nicht. Nachspielzeittechnisch war es auch, wie in Deutschland üblich, ein Witz. Erste Halbzeit: zwei längere Verletzungsunterbrechungen, zwei Tore, zwei Auswechslungen. Nachspielzeit: eine (1!) Minute. Die drei Minuten am Ende der zweiten Halbzeit waren da schon näher an der Wahrheit, aber auch deutlich am unteren Ende dessen, was man nach viel Zeitspiel hätte erwarten können. Spielentscheidend war das alles nicht.)

Gelbe Karten: Orban (5.), Werner (4.) – Papadopoulos, Jung

Zuschauer: 42.558 (davon 5.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, HSV-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 15 : 11
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 9
  • Schüsse auf das Tor: 0 : 5
  • gewonnene Zweikämpfe: 54,4% : 45,6%
  • Ballbesitz: 62,6% : 37,4%
  • Passquote: 73,8% : 51,7%
  • Laufstrecke: 108,1 km : 110,6 km
  • Sprints: 176 : 230
  • Intensive Läufe: 494 : 626
  • Fouls: 9 : 17
  • Ecken: 3 : 6
  • Abseits: 4 : 5
  • Meiste Torschüsse: Werner: 4 – Müller, Kostic: je 2
  • Meiste Torschussvorlagen: Forsberg: 7 – Müller: 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Ilsanker: 66,7% – Mavraj: 70,0%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 107 – Ostrzolek: 57
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Keita: 82,4% – Holtby: 64,7%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 11,4 km – Holtby: 11,9 km
  • Meiste Sprints: Werner: 27 – Müller: 36

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner – 11; Forsberg, Sabitzer – 5; Keita – 4; Selke, Orban – je 2; Kaiser, Burke, Poulsen, Compper – je 1; Eigentore: Baumgartlinger, Kolasinac, Vallejo

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 9; Werner, Keita – je 5; Sabitzer – 4; Demme – 3; Poulsen, Burke, Halstenberg – je 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 10; Sabitzer – 9; Forsberg – je 7; Orban – 6; Ilsanker, Poulsen – je 5; Keita, Halstenberg – je 4; Compper, Gulacsi – je 3; Kaiser – 2; Bernardo, Werner, Selke – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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13 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. Hamburger SV 0:3“

  1. Warum klebt Gulacsi eigentlich wie Pattex immer auf der Linie, erster Treffer mMn haltbar an guten Tagen. Beim zweiten ist der lange Pfosten nicht besetzt, das nervt mich schon länger (betrifft aktuell ja einen Großteil der Liga, ist wohl modern). Halstenberg lässt Papa einfach köpfen und versemmelt zuvor das mögliche 1:0, in dem er einfach nicht schießt. Keita verlor jeden 2. Ball, er hat aber ein extremes Selbstvertrauen, das finde ich schon wieder gut. Orban holt sich beim BVB nicht die entscheidende Gelbe und wirft gestern den Arztkoffer des HSV einfach vor die Werbebande, ich war spontan für glatt Rot und bin es weiter – Kinder waren ja auch reichlich anwesend (Vorbildfunktion?). Warum jetzt der auch nicht ganz billige Upa der Buhmann ist – ich weiß es nicht. Wieso Selke (völlig von der Rolle) statt Burke kommt, das wird ein ewiges Rätsel bleiben, Schmitz statt Burke ist ein Affront gegenüber unserem sehr teuren Neuzugang. Hoffentlich macht Burke nicht bald den Papa, warum kam dieser denn nie bei uns zum Zug, zu schwieriger Charakter? Becher und Red Bull-Dose aus Block B flogen heute mehrfach auf den Platz, die „Unschuld“ ist somit diesbezüglich auch mal wieder weg, mir war das Vorspiel auf den Rängen eh etwas „too much“, der BVB noch viel zu präsent. Der Einpeitscher von Block B – sehr gewöhnungsbedürftig in Sektor C Block 33 unten. Was macht eigentlich die allgemeinmedizinische Abteilung bei RB, da waren gestern nie und nimmer alle Spieler fit nach wohl richtiger „Influenza“, nach dem Bayernspiel sollten diese doch eher nicht mehr wie damals Keita aufgestellt werden (Kader eben doch nicht breit genug?). Die Meisterschaft ist durch, egal. Ansonsten hier genug gemeckert und alles beim Sensations-Aufsteiger ist im Lot, ab jetzt ist Platz 3 vor dem schwächelnden BVB das Ziel, gut so. Danke Terrence!!!

  2. Du sagst es, alles doof.
    Damit meine ich auch nicht das Ergebniss, passiert.
    Hasenhüttl hat sich etwas verzockt, klar, alle Stammkräfte waren wieder zur Verfügung, aber so richtig fit (Werner, Sabitzer) bzw eingespielt (Forsberg) waren sie mMn nicht. Und nach Umstellung bzw Verletzung von Poulsen beraubt sich RH alle Auswechslungen und die 4 mussten durchspielen. Bei den Ecken muss man auch sagen, daß da ein großer MS wie Poulsen oder Selke hinten fehlt.

    Die Einwechslung von Schmitz habe ich auch nicht verstanden. 70. Minute und 0:2. Burke für Sabitzer oder Werner wäre meine Variante gewesen. Oder für Demme und All In.

    Ein Glück hat Orban gelb bekommen (Tatsachentscheidung) Der DFB hätte rückwirkend wegen Unsportlichkeit da schnell eine Sperre draus machen können. Die Aktion von Müller und den Medi’s war pures Zeitschinden, aber dann kann Orban den Koffer auch die 2m ablegen.

    Da aber auch die Verfolger alle patzten (Danke und Gruß an T. Boyd!!) ist im Grunde nicht soviel in der Tabelle passiert.

    Ranbemerkung 14:
    Erstmals intensive Bürotechnik im Zentralstadion. Keine Ahnung ob das der Grund war, aber im Internetz wird wieder berichtet, das der Umgang mit den Gästen vom Ordnungsdienst (wiederholt!) nicht freundschaftlich war, um es vorsichtig zu formullieren.

  3. 1.0 Gulasci. ?Selke wie immer technisch unsicher , kann keinen Ball halten oder geschweige denn verwerten.hatte mich echt gefreut als er gekommen war .enttäuschend hätte echt mal zeigen können was seine Ablösesumme rechtfertigt.
    Gestern über Boyd gefreut , aber auch gegen ihn müssen wir noch spielen.
    Ausser Ilse und Demme zu wenig Körpersprache auf dem Platz um gegen motivierte Hamburger gegehalten zu können
    Und zuletzt wie immer von mir 😊Grundlinien Aktionen stehen wahrscheinlich echt auf dem Index bei RB , obwohl das , gegen tiefstehende Abwehrreihen ein gängiges Mittel sein sollte, hat ja auch 2x gegen Darmstadt funktioniert.
    Das gefummele vor dem 16er geht gar nicht , zuviel Beine , zu wenig Platz.

  4. Orban kann ich verstehen .da das Zeitspiel genervt hat und in den Fernsehbilder auch noch zu sehen ist wie der Spieler entsprechende Zeichen zur Bank gibt .für sowas sollte es auch mal Gelb geben .danach ist er ja auch wieder gesprungen wie ein junger Gott , ist aber augenscheinlich gängiges Mittel in der BL in den letzten Minuten .

  5. Es ist natürlich relativ einfach, einen gedanklichen Vergleich zur gerade stattfindenden Biathlon-WM zu wagen, wo unsere Teilnehmer sehr gut abschneiden. Doch wie u.a. in den Randbemerkungen 8 und 10 treffend beschrieben, kann nicht immer auf dem Rasen der Grundstein gelegt werden, allein durch maximale Laufdaten, Torschüsse, Freistoßmöglichkeiten, Eckbällen, Ballbesitzzeiten, Gegnerüberspielungen, besseren Passquoten usw. damit auch nach dem Abpfiff automatisch als Sieger dazustehen! Hierbei spielen taktische Geplänkel genauso dazu, wie ein paar glückliche Momente bei der Zielsicherheit oder eventuelle nicht eingeplante Schlafmützigkeiten beim Gegner. Dem HSV gelang das Husarenstück, nicht aus drei Ecken ein Tor zu machen, sondern benötigte dafür nur zwei, aber eben auch gleich genau so viel Tore…….

    Wie schon vom akribischen „RBB“ richtig bemerkt wurde, muss es allerdings auch entsprechende Situationen geben, wo sich der gegnerische Torhüter, der in diesem Fall sogar auch ein (gebürtiger) Leipziger war, tatsächlich auszeichnen kann. Das war diesmal nicht der Fall, weil dafür Latte oder Pfosten einsprangen oder die abgefeuerten Schüsse im ungünstig gewählten Visier lagen. Natürlich zählen auch die richtig oder falsch getroffenen Besetzungs- und Wechselvarianten dazu, wenn die Drei-Punkte-Jagd erfolgreich sein soll!

    Ob der bisher viel gelobte Trainer Hasenhüttl schon von vornherein etwas zu sehr siegessicher war, die zuletzt auf dem Rasen zusammen gut harmonisierenden Selke und Poulsen in diesem Spiel wieder zusammen, doch vorerst nur auf der Ersatzbank, zu platzieren? Auch das viel Vorschusslorbeeren erhaltene junge Nachwuchstalent, Upamecano, wird noch einige Zeit reifen müssen, um der zu werden, wie er gegenwärtig eingeschätzt wird…….Hoffentlich wird dieser „Rohdiamant“ nicht bei nächster Gelegenheit gleich wieder ausgeliehen, wie es mit „Papa“ oder Boid (jetzt in Darmstadt) passierte, die an diesem Spieltag für ihre „neuen“ Mannschaften für wichtige Tore sorgten!

    Für positive Ausstrahlungen sorgte allerdings nach einem schwächeren Start der dabei falsch postierte Keita an dem für „RaBa“ etwas unglücklichen Tag, der aber später auf der Sechser- und allgemein zu unrecht kaum genannten Fünferposition wesentlich besser zurecht kam! Was allerdings Orban für einen Aussetzer hatte, wird er schon längst mit sich selbst ausgewertet haben. Bei dieser Aktion, die man getrost auch als „schwere Verhinderung von unterlassener Hilfeleistung durch absichtliches Wegwerfen von Materialien für die Notversorgung, einschl. der kompletten Verpackung“ bezeichnen und nur mit „Rot“ bestrafen kann, hatte der Täter Glück, dass solch ein Fall in der Fußballgeschichte- und Gegenwart vermutlich noch nicht vorkam, so auch nicht im aktuellen Fußballregelwerk stehen dürftet und deshalb ihm nur eine Spielpause einbringen wird!

    Bei der gegenwärtig günstigen Tabellensituation wäre es aber längst angebracht, zumindest zuhause die nicht nur mit Kirchentags-, sondern sogar Trauermusik zu vergleichende (heimliche) Vereinshymne etwas zu überarbeiten! Wenn z.B. Jürgen Drews wieder mal in der Nähe auftaucht, würde er das mit Sicherheit hinkriegen…….,

  6. Hasenhüttl lag mit der Aufstellung diesmal daneben – nicht dramatisch, kommt vor. In den meisten Spielen hatte er immer ein gutes Händchen. Allerdings tut es mir in der Seele weh, wenn sich Keita rechts außen aufreibt und so seiner Stärken beraubt wird. Er gehört einfach auf die 6, ohne wenn und aber. Hasenhüttl muss ich damit mittelfristig (wenn Orban und Compper zusammen spielberechtigt sind) im Mittelfeld zwischen Demme und Ilsanker entscheiden. Keine einfache Sache. Allerdings sind sie als Typen zu ähnlich (Stärken gegen den Ball; Schwächen mit Ball am Fuß gegen tiefstehende Gegner)…

  7. Keita überspielt, Selke wirkte wie ein „Fremdkörper“, Orban frustriert mit dummer Aktion, Hasi mit falschen Händchen, unsere Fans mit guter Reaktion, wobei Becherwürfe dieses wieder in Frage stellen.

    Punkte- und Platzierungstechnisch alles im Lot.
    Die nächsten 2-3 Spiele werden zeigen, ob die 42 Punkte Antrieb oder Hemmschuh sind.

    Für mich käme eine EL/CL zu früh.
    Wahrscheinlich aber nicht vermeidbar.

  8. Die Aktion von Willi fand ich nicht so schlimm, wollte er doch den Hamburger Betreuern nur helfen, der Anordnung des Schiedsrichters nachzukommen. War zwar etwas rustikal, aber für höfliches Kofferhinaustragen war keine Zeit mehr nach der Schauspieleinlage des HSV-Spielers und seiner Behandler, die schon Minuten vorher der Bank angezeigt hatten, dass dem am Boden Liegenden eigentlich gar nichts fehlte.

  9. Zu Randbemerkung 1 und 2 (Banneraktion): Zitat: „Bruchstelle bei dem ganzen, wenn es die Grenze dahin überschreitet, sich damit über andere erheben zu wollen und nicht nur über Gewalt.“

    In nahezu jedem Auswärtsstadion und in jedem „Warum ich RB nicht mag“-Artikel wird seit Jahren das Traditionspferd geritten. Ich kann diese Leier seit Längerem nicht mehr hören, die wurde nicht in Leipzig angekurbelt. Also verüble ich es auch keinem RB-Fan, den Traditionspflegern dazu eine Tapete (und letztendlich einen Spiegel) vorzuhalten. Die Banneraktion war die direkte Antwort auf die Vorfälle in Dortmund. Bei rblive.de kann man die Sprüche noch einmal (vollständig?) nachlesen, ich erkenne ehrlich gesagt keinerlei Überheblichkeit und Grenzüberschreitung.

    Im krassen Gegensatz zu dem, was man in Dortmund oder anderswo liest. Man lege einmal das Foto der Dortmunder Südkurve und das des RB-Fanblocks nebeneinander. Da ist ein verbaler Zeigefinger (egal ob auf Jemanden oder mahnend himmelwärts gerichtet) doch angebracht. Oder ein Mittelfinger.

    Auch mag „Leipzig – die neue friedliche Fankultur“ oder „Neue Fankultur, gegr. 2009“ in manchem Ohr überheblich klingen. Nun ja, dann ist es eben so. Nach Zahlen scheint es aber zu stimmen, also warum kein gesundes Selbstbewusstsein pflegen? Solange nicht „Die neue Fußballmacht aus dem Osten“ o. ä. daraus wird, kann ich da nicht mosern. Ich bin allerdings geborener Leipziger (ähem, kleine Spitze :-)) und deshalb vielleicht nicht ganz neutral.

    Aber um nicht ein falsches Bild zu hinterlassen: Ansonsten natürlich – wie immer – eine gute und lesenswerte Nachbetrachtung! 🙂

    1. Ich habe ja eher den Eindruck, dass das „Traditionspferd“ eher als Abgrenzungsthese von den RBLer geritten wird. Zumindest ist für mich eure nicht vorhandenen Tradition kein Argument RBL Scheiße zu finden.

  10. @Tomsen: Ich verstehe ja auch völlig den Hintergrund und wo die Punkte herkommen, auf die sich die Bannerinhalte beziehen. Ich persönlich mag mich aber weder im positiven noch im negativen an Tradition abarbeiten. Ist halt irgendwie eine leere Phrase, in die man alles und nichts hineinlegen kann. Ich sehe bei der RB-Banneraktion auch nicht wirklich eine Grenzüberschreitung, aber ich habe generell lieber weniger Zeigefinger in andere Richtungen als das, was ja auch in der Aktion drinsteckte, dass man zeigt, wofür man selber stehen will. Mir geht das bei Auswärtsspielen meist ziemlich auf den Sack, wenn Leute einem sagen wollen, wie echtes Fansein oder ein echter Verein auszusehen habe. Und ich will nicht mit RB Leipzig auch noch durch die Gegend reisen, um zu zeigen, dass das die bessere Fankultur oder der bessere Verein ist. Es gibt da so viele unterschiedliche Ideen, die ich vielleicht nicht teile, aber zumindest respektiere, von daher möchte ich nicht Besserfan sein. Nur ein Mindestmaß an Respekt erwarte ich.

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