Transfers: Upamecano, Papadopoulos, Damari

Nach einigem Hin und Her dann doch noch einige Transferaktivitäten bei RB Leipzig. Ein Innenverteidigertausch und das erneute Verleihen von Omer Damari standen auf dem Programm. Kadertechnisch ein Nullsummenspiel. Quantitativ zumindest. Denn qualitativ hat man sich in der Innenverteidigung beim Tausch von Dayot Upamecaon gegen Kyriakos Papadopoulos zumindest in der Perspektive durchaus recht deutlich verbessert. Und dürfte gehaltstechnisch nicht mal schlechter fahren, denn nach Stand der Dinge gehörte Papadopoulos zu den Topverdienern im Team. Upamecano bleibt derweil auch unter dem ausgerufenen Salary Cap von 3 Millionen Euro. Wobei das nicht für die ganze Vertragslaufzeit gelten muss.

Dayot Upamecano

Der Franzose ist der absolute Königstransfer in der Innenverteidigung. Noch im November bis Dezember letzten Jahres konnte man nicht davon ausgehen, dass er Red Bull Salzburg bereits im Winter verlässt. Allgemein ging man davon aus, dass es seiner Entwicklung gut tun würde, wenn er noch mindestens bis zum Sommer in Österreich spielt, wo er einen Stammplatz und beste Bedingungen hatte, die nächsten Schritte zu tun.

Dass er nun doch schon in Leipzig spielt, hängt zum einen daran, dass RB auf der Innenverteidigerposition weiter Bedarf hatte. Zum anderen wurde der Druck von außen größer, ihm diesen Schritt anzubieten. Denn die Bemühungen anderer Vereine, auch größerer europäischer Vereine (Rangnick brachte zuletzt einen deutschen Topklub in die Verlosung), wurden stärker, die Gerüchteküche rumorte seit Anfang Dezember immer heftiger. Sodass die Gefahr bestand, dass der 18-Jährige beginnen könnte, seine Zukunft woanders zu sehen als in Leipzig.

Dass er sie am Ende in Leipzig sah, dürfte eng mit dem Namen Ralf Rangnick verbunden sein. Der hatte ihn im Sommer 2015 gegen das Interesse der Bayern nach Salzburg geholt. Und ihm dort die Perspektive aufgezeigt, sich über den FC Liefering für das Salzburger Team zu empfehlen und sich über Spielzeiten perfekt zu entwickeln.

Letztlich ging dieser Plan voll auf. Im ersten Jahr war Dayot Upamecano vor allem in der zweiten Liga Österreichs beim FC Liefering aktiv und durfte ab und zu in Salzburg über Kaderplätze und zwei Einsätze ans Team heranschnuppern. Im zweiten Jahr machte er den Schritt zum Stammspieler in Salzburg. 20 Startelfeinsätze absolvierte er in der Bundesliga, in der Europa League und im Pokal bis Weihnachten. Dabei war Upamecano zu Beginn der aktuellen Saison gerade mal 17 Jahre alt.

Man muss genau dieses Alter immer mitdenken, wenn man über den Defensivspieler spricht. Denn genaugenommen ist es Wahnsinn, wenn sich jemand schon in diesen jungen Jahren einen Stammplatz bei einem Teilnehmer an der Europa League verdient hat. Gerade in der Innenverteidigung. Wobei Upamecano in Salzburg auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kam.

Fakt ist, dass da noch unheimlich viel an Entwicklungspotenzial in einem Spieler steckt, der schon jetzt ganz viel mitbringt, um auch in der Bundesliga spielen zu können. Wenn er den sich andeutenden Weg weitergeht und von größeren Verletzungen verschont bleibt, dann wird er in nicht allzu ferner Zukunft zu den besten Verteidigern der Liga gehören können. Und entsprechend auch irgendwann den nächsten Schritt zu einem europäischen Topklub machen, den er jetzt noch nicht gegangen ist, weil dies für seine Entwicklung noch zu früh ist.

Upamecano bringt trotz seiner 18 Jahre sehr viel Physis mit, die ihn zu einem guten Zweikämpfer macht. In direkten Duellen weiß er seinen Körper gut einzusetzen und zwischen Gegenspieler und Ball zu bringen. Auch in Luftduellen ist er, ohne eine Riese zu sein, absolut zuverlässig. Stark auch bereits seine Ruhe am Ball auch unter Druck. Sowohl im Passspiel, aber auch im Eins gegen Eins hat er da seine Qualitäten.

Upamecano ist also schon jetzt von seinem Arsenal an Qualitäten her ein recht kompletter Innenverteidiger. Einer, der aber noch geschliffen werden muss. Vor allem die phasenweise Wildheit im Positionsspiel wird er gerade bei RB Leipzig, wo jeder in seiner Rolle zu bleiben hat, reduzieren müssen. Dabei ist besonders auffällig, dass sich der Franzose im Stellungsspiel immer mal wieder in Positionen bringt, in denen der Gegenspieler an ihm vorbeiziehen kann. Situationen, die er dann mit seiner hohen Geschwindigkeit bisher zu lösen vermochte. Ob das gegen schnelle Bundesligaspieler auch gilt, wird man erst noch sehen müssen.

Für RB Leipzig ist der Transfer von Dayot Upamecano auf den ersten Blick ein absoluter Volltreffer. Das erste halbe Jahr wird zum ankommen gedacht sein. Wobei er angesichts eines Willi Orban, der schon bei vier gelben Karten steht und eines immer mal wieder verletzungsanfälligen Marvin Compper wohl auch zu Spielzeit kommen wird. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass bei einem Innenverteidiger-Ausfall künftig Ilsanker oder Bernardo als Ersatzspieler einspringen, sondern Upamecano die erste Alternative ist.

Ab der nächsten Saison wird der Franzose dann als jemand vorgesehen sein, der die Stammplätze angreifen soll. Wofür er absolut das Potenzial hat. Marvin Comper wird im Sommer 32. Wenn man mal davon ausgeht, dass sich sein Vertrag noch mal mindestens um ein Jahr verlängert, wäre das ein guter Zeitpunkt, den Staffelstab langsam weiterzugeben.

Man kann die Freude von Ralf Rangnick über den gelungenen Transfer durchaus verstehen. Denn das Potenzial, das Upamecano mitbringt, ist famos. Den 18-Jährigen zu einem anderen Klub gehen zu sehen, hätte denjenigem, der ihn entdeckt hat, sicherlich sehr weh getan. Dass er ihn verpflichten konnte, verweist auch wieder mal darauf, dass Rangnick einen kleinen Vertrauensvorteil hat bei jungen Spielern, die schon mal gesehen haben, dass sich aufgezeigte Karrierewege einlösen.

Dass der Transfer ein schwieriger war, wurde an einigen Stellen im Netz belächelt. Fälschlicherweise, denn die Schwiergkeit bestand ja nicht wirklich darin, Salzburg zu überzeugen (die mehr noch als in der Vergangenheit auf Transfererlöse angewiesen sind, weil Red Bull das Team in etwas geringerem Umfang als früher unterstützt), sondern darin, Spieler und Berater vom Schritt nach Leipzig zu überzeugen. Dass es bis nach dem Trainingslager dauerte, bis der Wechsel zustande kam, verweist auf die Schwierigkeit. Wäre der Transfer ein einfacher gewesen, hätte Upamecano schon zu Beginn des Trainingslagers bei RB Leipzig auf der Matte gestanden.

Dayot Upamecano ist allein in dieser Saison der vierte Spieler, der von Salzburg nach Leipzig wechselte (alles zu diesem gern diskutierten Thema hatte ich schon mal zu Saisonbeginn formuliert). Wie lange diese Wechsel in der Form noch stattfinden, ist ein wenig unklar. Bisher wechselten meist Spieler, die Rangnick aus seiner eigenen Zeit in Salzburg noch kannte bzw. Spieler, die er sogar selbst nach Salzburg geholt hatte. Das vereinfacht die Dinge beim Überzeugen für Leipzig in vielerlei Hinsicht.

Künftig werden die Spieler, die Rangnick selbst mit der Perspektive Leipzig nach Salzburg geholt hatte, immer weniger. Und der Weg der Salzburger ist bei manch einem Transfer in dieser Saison wieder eigenständiger geworden und nicht unbedingt mit Leipziger Perspektive getätigt worden. Aber aus der hervorragenden Arbeit, die im Nachwuchsleistungszentrum geleistet wird und der Spielzeit, den die Talente in Liefering kriegen, wird sich wohl immer mal wieder einer auf Rangnicks Radar spielen. Da gibt es schon noch einige Namen (Caleta-Car, Sörensen, Laimer, Schlager oder Mergim Berisha zum Beispiel, um nur ein paar Talente, die schon zu Salzburg gehören, zu nennen). Ist dann halt die Frage, wie viel Strahlkraft ein Rangnick dann bei diesen Spielern noch hat, sie von Leipzig zu überzeugen.

Für jetzt und hier ist die Verpflichtung von Dayot Upamecano nahezu perfekt, wenn auch vielleicht ein halbes Jahr zu früh gekommen. Wenn er in Leipzig immer mal wieder Einsätze bekommt, dann muss man aber auch den Zeitpunkt des Wechsels vielleicht gar nicht mehr skeptisch sehen. Fakt ist jedoch, dass Upamecano altersentsprechend noch recht anfällig für Fehler aller Art ist. Die gewöhnlich in der deutschen Bundeslige noch etwas stärker bestraft werden als in der österreichischen. Gespannt sein darf man aber in jedem Fall, wie es mit dem 18-Jährigen in Leipzig in den nächsten Jahren weitergeht. Bis 2021 hat er unterschrieben. Wenn er sich so entwickelt, wie man es vermuten kann, dann dürfte er zu diesem Zeitpunkt bereits den nächsten Karriereschritt gemacht haben. Dann hatte man bis dahin aber immerhin sehr viel Spaß an ihm.

Kyriakos Papadopoulos

Der eine kommt, der andere geht. Bei völlig anderer Gemütslage. Denn die Zeit von Kyriakos Papadopoulos in Leipzig war gleichermaßen kurz wie unbefriedigend. „Natürlich sauer“ war er wegen seiner geringen Einsatzzeiten in Leipzig, wie der Kicker vermeldete. Gerade mal ein Einsatz über 26 Minuten stehen nach fünf Monaten zu Buche.

Viel zu wenig für einen, den RB Leipzig im Sommer auf den letzten Drücker geholt hatte, weil er schon mal unter Rangnick spielte, also die Systemanforderungen bereits kannte. Und weil er noch mal eine Portion Kampfeslust mitbringen sollte. „Krieger“ hatte ihn Rangnick nach der Verpflichtung genannt. Physis und Leidenschaft gelobt. Zeigen durfte Papadopoulos das allerdings nicht.

Zuerst kam er nicht am gut harmonierenden Duo Orban-Compper vorbei. Und als seine Chance hätte kommen können, bremste ihn eine Verletzung aus. Kriegerisch wurde es auf dem Platz entsprechend nie. Wobei auch ein bisschen unklar ist, ob Hasenhüttl das kriegerische Element auf dem Innenverteidigerposten überhaupt braucht und nicht eher Ruhe und Solidität bevorzugt.

Schon vor der Winterpause hatte man den Eindruck, dass das Tischtuch zwischen Verein und Spieler ein wenig zerschnitten ist. Zumindest vermied man es auffällig, klare Bekenntnisse für die Restleihzeit bis zum Saisonende auszusprechen. Was dann zu Beginn der Vorbereitung so weiterging, als dann auch schnell klar wurde, dass Papadopoulos gehen kann, sobald ein Ersatz für ihn verpflichtet wurde. Und nach dem Zugang von Upamecano ging es entsprechend sehr schnell, dass der auch erst 24-Jährige, für den RB im Sommer eine Kaufoption gehabt hätte, seinen Leihvertrag in Leipzig auflöste und bei seinem ehemaligen Co-Trainer Markus Gisdol beim Hamburger SV anheuerte. Auch erstmal zur Leihe bis zum Saisonende.

So richtig kann man vermutlich nicht mal jemdandem einen Vorwurf machen, dass das mit Papadopoulos und RB Leipzig nicht klappte. Hat halt nicht sollen sein. Und wirkte ja schon im Sommer (auch wegen der Leihe) nicht so, als sei das Vertrauen von RB in die (gern auch mal verletzungsanfällige) Personalie Papadopoulos zu 110% ausgeprägt gewesen. Sinnig, dass man sich jetzt im Winter bereits trennt, wenn der Spieler hochgradig unzufrieden ist und der Nutzen für den Verein überschaubar bleibt. Vielleicht klappt es für Papadopoulos ja in Hamburg besser. Wäre ihm in jedem Fall zu wünschen. Nur am 11.02., wenn der HSV nach Leipzig kommt, dann darf er sich gern auch ein bisschen zurückhalten..

Omer Damari

Dieser Wechsel war natürlich nur eine Formalie. Und eigentlich auch kein Wechsel, sondern nur eine Leihe. Wieder mal. Im Januar 2015 kam der Israeli von Austria Wien zu RB Leipzig. Für nicht unerhebliche 6 bis 7 Millionen Euro. Nach einem (auch wegen mangelhafter Physis) überschaubaren halben Jahr des sehr guten Fußballers Damari war seine Zeit schon wieder vorbei. Ein Jahr Leihe nach Salzburg folgte. Dann im letzten Sommer eine Halbjahresleihe zu den New York Red Bulls.

Beide Stationen waren nicht wirklich erfolgreich. Schon gar nicht so, dass plötzlich verschiedene Klubs auf der Matte stehen und viel Geld bieten, um Damari sofort zu verpflichten. Sodass der 27-Jährige wieder verliehen wurde. Diesmal gleich für eineinhalb Jahre zurück nach Israel zu Maccabi Haifa. Wo er bis 2018 wieder auf die Füße kommen soll und dann vielleicht ja Ralf Rangnick doch noch mal ein bisschen Ablöse einbringt.

Möglich wurde die lange Leihe dadurch, dass sich Damaris Vertrag laut BILD wegen des RB-Bundesligaaufstiegs bis 2019 verlängerte. Der Sommer 2018 oder die folgende Winterpause sind also die letzten Transferperioden, in denen Leipzig noch einen Teil der Ablöse von 2015 wieder erlösen könnte. Israel klingt zumindest nach einem Neuanfang in gewohnter Umgebung, bei dem Damari eine bessere Chance hat, wieder zu jenem sehr guten Stürmer und Nationalspieler zu werden, der er vor seinem Wechsel nach Leipzig war.

Es bleibt schade, dass es der feine Kicker in Leipzig nicht geschafft hat. Aber dass er in das hiesige Pressing- und Umschaltsystem nicht so richtig hineinpasst (schon gar nicht als zentraler Stürmer), war durchaus schnell zu ahnen. Mit seiner Übersicht und guten Technik steht er in Topform trotzdem weiterhin vielen Teams gut zu Gesicht. Vielleicht findet er in Haifa ja jetzt sein Glück.

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Königstransfer und perfekte Verpflichtung. RB Leipzig holt Dayot Upamecano und darf damit sehr zufrieden sein. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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