Testspiel: RB Leipzig vs. SC Farense 6:0

Zweites und bereits letztes Testspiel im Trainingslager von RB Leipzig in Portugal. Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit bei einer zweistelligen Beobachterzahl. Zurück ging es auch in ein Zeitalter ohne Livestream (Wo ist eigentlich der MDR, wenn man ihn mal braucht..). Was angesichts von Gegner (portugiesischer Drittligist) und Spielort (Platz in einer Hotelanlage ohne Tribüne) durchaus nachvollziehbar erscheint. Und trotzdem seit einiger Zeit ungewohnt ist. Weswegen hier zum Spiel selbst nicht allzu viel zu sagen bleibt.

Nach dem Testspiel gegen Ajax Amsterdam hatte Ralf Rangnick noch erklärt, dass der Gegner zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung der falsche, weil zu stark war. Ob ein portugiesischer Drittligist als vorletzter Testgegner vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt in neun Tagen nun wesentlich besser passt oder nicht eine Spur zu klein ist (geplant war eigentlich ein Testspiel gegen einen Zweitligisten, das am örtlichen Ligaspielplan scheiterte), mag jeder selbst beurteilen. Der Gegner war auch Folge der Wahl des Trainingslagerorts, denn im Gegensatz zur Türkei in den vergangenen Jahren tummeln sich im Süden Portugals im Winter nicht verschiedenste Teams, unter den man sich den passenden Spielpartner quasi aussuchen kann.

Fakt ist, dass man den unterklassigen Klub nicht nur relativ standesgemäß besiegte, sondern auch mit einer bunten Mischung aus verfügbaren Spielern schlug. Sprich, es war so ziemlich das letzte Aufgebot, was da auf dem Platz stand. Keita und Halstenberg schon abgereist aus dem Trainingslager. Klostermann weiter im Aufbautraining. Sabitzer erkältet. Fechner angeschlagen. Papadopoulos schon weg, äh wegen der Belastungen der Tage zuvor geschont. Und Gulacsi guckte auch seinen bisherigen Stellvertretern zu, soll aber weiter Nummer 1 bleiben.

Was blieb, war ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Stammspielern, Ersatzspielern und Nachwuchsspielern. Die genauso bunt auf die zwei Halbzeiten verteilt wurden. Lediglich der 18-jährige Linksverteidiger Dominik Franke durfte durchspielen. 18 Jahre. Linksverteidiger. Zweistellige Millionenangebote aus England in drei, zwei, eins.. Ach lassen wir das..

Nehmen wir das Offensichtliche, dass Bernardo auch gegen Farense wieder Innenverteidiger spielte. Nehmen wir mal an, dass Papadopoulos noch geht und einer wie Upamecano kommt, dann stünde man immer noch bei drei Innenverteidigern, sodass mit Bernardo eine vierte Option sicherlich sinnvoll wäre. Fakt ist aber auch, dass Orban und Compper in der ersten Halbzeit erstmals seit Mitte November wieder gemeinsam auf dem Platz standen. Bleiben beide fit und in der Form der Hinrunde, dann ist der Weg an ihnen vorbei für jeden Spieler schwer. Von daher sind Bernardos Chancen als Außenverteidiger weiterhin besser als innen oder auf der Sechs, wo er Demme, Ilsanker und Keita vor sich hat. Aber man wird sehen, wo es ihn im Saisonverlauf hinverschlägt.

Schön auch die Rückkehr von Ken Gipson auf den grünen Rasen. Der hatte sich im September bei der U23 den Knöchel gebrochen und war seitdem ausgefallen. Nun sein erster Einsatz nach fast vier Monaten. Heißt natürlich nicht, dass er künftig eine herausragende Option fürs Profiteam sein wird, aber Hauptsache erstmal wieder gesund und kicken können. Zudem machte er mit der Vorbereitung des 6:0 auf sich aufmerksam. Mit einer Aktion, in der er seine Stärken in Bezug auf die Offensivdynamik ausspielte.

Ansonsten gibt es von dem Test nicht so viel bemerkenswertes. Außer dass man das Gefühl hatte, dass abseits des Duos Compper/ Orban möglichst in allen Mannschaftsteilen Spieler zusammengeschmissen werden sollten, die sonst nicht so oft zusammenspielen. Zornigers Spleen in Testspielen war, Spieler auf ihnen fremden Positionen einzusetzen, damit sie ein Gefühl für ihre Nebenleute und deren Aufgaben kriegen. Macht halt jeder anders in Testspielen.

In der ersten Halbzeit erzielten alle vier Offensivakteure ein Tor. Wobei Oliver Burke den Elfmeterpunkt zur Hilfe brauchte. Insgesamt spielte man eine gute erste Halbzeit mit einigen Chancen. Gerade im Vergleich zur zweiten Halbzeit, in der die Offensivbemühungen etwas überschaubarer wurden. Wobei da auch im Offensivbereich die deutlich schwächere Mannschaft auf dem Platz stand.

Defensiv blieb es nicht durchgängig sicher. Der SC Farense im Spielverlauf durchaus mit ein paar guten Möglichkeiten. Bei denen sie an sich und an Coltorti und Müller scheiterten.

Interessant vielleicht noch, dass mit Burke, Forsberg und Kalmár gleich drei Spieler erstmals in dieser Saison in einem Testspiel trafen. Gerade bei Forsberg kann das nach der Vorrunde und dem Bild, das man inzwischen von ihm hat, ein wenig überraschen.

Am Ende war das Spiel gegen den SC Farense rein sportlich das unwichtigste der insgesamt drei Testspiele in der Wintervorbereitung. Am Ende durften bis auf Papadopoulos alle mitmachen, die noch laufen können. Und es stand ein 6:0. Was ja nach den fünf Gegentoren gegen Ajax Amsterdam vielleicht auch ganz gut tut. Am Sonntag dann noch der Abschlusstest vor dem Wiederstart der Bundesliga. Es geht gegen die Rangers aus Glasgow und gegen ein paar Tausend schottische Fans.

Gespannt darf man sein, welche Formation dann in welcher Form aufläuft. Das dürfte dann schon relativ genau Auskunft geben über die Formation, die eine Woche später gegen Frankfurt auf den Platz geht. Drei Heimspiele hintereinander (Hoffenheim warten am 28.01. auch noch). Goldener Januar sozusagen.

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Tore: 1:0 Werner (10.), 2:0 Selke (12.), 3:0 Forsberg (18.), 4:0 Burke (36./ FE), 5:0 Kalmár (58.), Boyd (71.)

Aufstellung 1.Hälfte: Coltorti – Schmitz, Orban, Compper, Franke – Demme, Khedira – Burke, Forsberg – Werner, Selke

Aufstellung 2.Hälfte: Müller – Gipson, Reddemann, Bernardo, Franke – Kaiser, Khedira (65. Ilsanker) – Kalmár, Wojtkowski – Boyd, Poulsen

Zuschauer: 40 (in Lagos)

Links: RBL-Bericht

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Bisherige Testspiele 2016/2017

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Testspieltorschützen 2016/2017

Selke – 9; Werner – 6; Poulsen, Boyd – je 3; Compper, Keita, Bruno, Kaiser – je 2; Beiersdorf, Klostermann, Dadashov, Sabitzer, Nukan, Halstenberg, Khedira, Palacios, Forsberg, Burke, Kalmár – je 1; Eigentore – 2

Testspieleinsatzzeiten

  • Schmitz – 632 Minuten
  • Kaiser – 566 Minuten
  • Orban – 544 Minuten
  • Khedira – 486 Minuten
  • Poulsen – 466 Minuten
  • Demme – 443 Minuten
  • Keita – 421 Minuten
  • Werner – 407 Minuten
  • Halstenberg – 389 Minuten
  • Boyd – 379 Minuten
  • Ilsanker – 369 Minuten
  • Müller – 360 Minuten
  • Nukan – 358 Minuten
  • Gipson – 358 Minuten
  • Forsberg – 353 Minuten
  • Kalmár – 349 Minuten
  • Gulacsi – 315 Minuten
  • Coltorti – 315 Minuten
  • Reddemann – 315 Minuten
  • Compper – 313 Minuten
  • Bruno – 306 Minuten
  • Sabitzer – 296 Minuten
  • Selke – 270 Minuten
  • Diawusie – 194 Minuten
  • Janelt – 180 Minuten
  • Beiersdorf – 180 Minuten
  • Klostermann – 135 Minuten
  • Jung – 135 Minuten
  • Fechner – 135 Minuten
  • Grauschopf – 133 Minuten
  • Bernardo – 123 Minuten
  • Burke – 112 Minuten
  • Franke – 108 Minuten
  • Strauß – 90 Minuten
  • Palacios – 90 Minuten
  • Dadashov – 45 Minuten
  • Chabot – 45 Minuten
  • Siebeck – 45 Minuten
  • Martinovic – 45 Minuten
  • Wojtkowski – 68 Minuten
  • Papadopoulos – 12 Minuten

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Kyriakos Papadopoulos durfte sich in Portugal nur im Training voll reinhängen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Ein Gedanke zu „Testspiel: RB Leipzig vs. SC Farense 6:0“

  1. Dafür, daß das Spiel nicht übertragen wurde und nur 1:50 Minuten im Netz die Tore zu sehen sind, ist das eine richtig starke Analyse!

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