Testspiel: RB Leipzig vs. Ajax Amsterdam 1:5

Zehntes Testspiel von RB Leipzig in dieser Saison. Das erste in der Winterpause. Interessanterweise auch die ersten Testspielminuten überhaupt für Bernardo, Oliver Burke und auch Kyriakos Papadopoulos im Dress von RB Leipzig. Macht einem auch nochmal deutlich, wie wenig Zeit die drei eigentlich bisher hatten, sich bei ihrem neuen Klub auch einzugewöhnen.

Gegner bei angenehmen Bedingungen von knapp 20 Grad an der portugiesischen Algarve war niemand anderes als Ajax Amsterdam, die vor 20 Jahren noch zur Europas Topmannschaften gehörten und Bayern München wegpusteten. Inzwischen ist es immer noch eine Mannschaft, die zu gutem europäischem Niveau gehört (immerhin auch unter den letzten 32 in der Europa League), aber auch weit von Topniveau entfernt ist. Man hat eine sehr junge Mannschaft mit vielen, sehr guten Talenten bzw. Leistungsträgern im Altersbereich bis maximal 23, von denen einige in den nächsten Jahren sicherlich auch international noch von sich reden machen werden.

Insofern ist eine Niederlage gegen dieses mit viel Qualität gespickte Team sicherlich keine ganz große Überraschung. Dass sich RB Leipzig gleich mit einem 1:5 vom Platz schicken ließ, verwunderte dann aber doch einigermaßen. Besonders in der ersten Hälfte lief man der Musik oft nur hinterher, sodass man auch schon mit einem 0:3 in die Kabine ging.

Auffällig dabei neben anderen auf Seiten der Niederländer der dreifache Torschütze Amin Younes, der vor einem Jahr bei der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft glänzen könnte, aber bei seinen deutschen Vereinen in Kaiserslautern und Mönchengladbach nie glücklich wurde. Nun scheint er in Amsterdam sein Glück gefunden zu haben und gehört dort zu den Stammspielern. Immerhin das eine schöne Geschichte.

Auf Leipziger Seite überraschte Ralph Hasenhüttl mit zwei Aufstellungsvariationen. Zum einen spielte Bernardo als Innenverteidiger. Eine eigentlich ganz charmante Idee, denn der Brasilianer bringt viel mit, um diese Position spielen zu können. Mal abgesehen von ein paar Stellungs- und Abstimmungsfehlern war es auch ganz ordentlich, was man zu sehen bekam.

Zudem versuchte sich Hasenhüttl in der alten Rangnick-Idee, Poulsen und Selke zusammen stürmen zu lassen. Ob das nun eine gute oder schlechte Idee ist, lässt sich anhand des Tests gegen Ajax schwer beurteilen (wenn man denn nicht schon vorher eine feste Meinung zu dem Thema hatte). Dazu war die erste Halbzeit generell zu schwach. Aber beide zusammen haben wenig Werbung für diese Formation betreiben können, wenn man es recht vorsichtig ausdrücken will.

Insgesamt klappte  in der ersten Hälfte nicht allzuviel. Wenn man den Ball mal hatte, war er meist sehr schnell weg, weil man im Spiel mit dem Ball meist viel zu umständlich war. Gegen den Ball fehlte die letzte Überzeugung und gemeinsame Arbeit. Das defensive Umschaltspiel war manchmal zu langsam. Der sonstige Dauersprinter Marcel Sabitzer trabte erstaunlich häufig nur hinterher. Hinterher erklärte sich dies durch eine heraufziehende Erkältung.

Es war nicht viel gutes, was es in der ersten Hälfte zu sehen gab. Sodass das 1:0 nach 20 Minuten nicht überraschend kam. Younes kreuzte in einen Raum im Strafraum, in dem Bernardo fehlte, weil der gerade vier Meter weiter vorn stand und tunnelte dann Gulacsi aus Nahdistanz.

Danach rappelte sich RB Leipzig eigentlich langsam etwas besser zusammen und kam zu ein paar Gelegenheiten. Sabitzer mit einer guten Schusschance. Selke mit einer guten Aktion, bei der er sich eine Schusschance quasi selbst erarbeitet. Und gerade als das Spiel endgültig zu kippen schien, sind es individuelle Patzer, die die Vorentscheidung bedeuten.

Beim 2:0 spielt Gulacsi wie schon in den letzten Vorbereitungen gelegentlich einen Ball im Strafraum dem Gegner in die Füße. Querpass, Tor. Beim 3:0 ist Schmitz gegen den 19-jährigen Dolberg im Rückwärtslaufen auf der besseren Position, lässt sich vom Dänen aber trotzdem durch leichten Körpereinsatz (überhaupt setzte Dolberg seinen Köper gegen die RB-Innenverteidigung sehr gut und clever ein) überrumpeln. Weitere Abwehrspieler waren nicht zu sehen, sodass Younes freistehend den Querpass versenken kann.

In der zweiten Halbzeit steht dann Coltorti im Tor. Ob das bedeutet, dass in dieser Winterpause noch mal der Kampf um die Nummer 1 ausgerufen wird, darf jeder selbst rätseln (zumal nicht die komplette Formation durchgewechselt wurde). Wahrscheinlich ist es nicht unbedingt. Dazu kamen Demme und Forsberg nun ins Spiel. Sabitzer und Poulsen hatten Feierabend.

Demme war es dann auch, dem der ganze Spaß sichtlich gar nicht passte. Vor allem der grätschwillige Joel Veltman auf Amsterdams rechter Außenverteidigerposition war ihm ein Dorn im Auge. Sodass er ihm nach 54. Minuten erst mal mit den Stollen voraus eine verpasste. Inklusive Rudelbildung. Und gelber Karte.

Da stand es allerdings schon 0:4. Denn direkt nach der Pause segelte ein Ball in den Strafraum und kam hinter dem eingerückten Schmitz herunter. Kopfball Richtung Mitte. Abpraller-Pingpong. Und Younes drückt den Ball aus Nahdistanz über die Linie. Wenn schon nichts läuft, kann auch gern noch Slapstick dazukommen.

Mit dem deutlichen Rückstand im Rücken oder vor der Brust oder wie auch immer dominierte RB Leipzig dann weite Teile der zweiten Halbzeit. Man ließ den Ball immer mal wieder ganz gut laufen und erarbeitete sich dabei ganz gute Schussgelegenheiten. Die man aber überwiegend nicht nutzen konnte. Der einzige, der noch traf, war Testspieltoptorjäger Davie Selke, der gegen eine schläfrige Ajax-Defensive schön in die Tiefe geschickte wurde, dort noch einen Gegner aussteigen ließ und den Ball dann mit links im linken Winkel versenkte. Tolles Tor. Das auch mal wieder die durchaus vorhandene Abschlussqualität von Selke zeigte. Aber dass er diese Qualität als Zielstürmer hat, war aus dem Vorjahr ja noch durchaus bekannt.

Dass es am Ende noch 5:1 hieß, war einem Gegentreffer kurz vor Schluss geschuldet. Freistoß aus dem Halbfeld, den der 21-jährige El-Ghazi freistehend mit dem Kopf über die Linie drücken darf.

Gespielt wurde im zweiten Durchgang irgendwann auch eher in einem 4-3-3. Mit Ilsanker bzw. Khedira als Sechser. Und Demme und Kaiser davor als Achter. Wobei es auch nicht durchgehend so starr zu erkennen war.

In die Partie geworfen wurden auch zwei Nachwuchsspieler. Kamil Wojtkowski und Dominik Franke erhöhten die Zahl der in dieser Saison bereits in Testspielen eingesetzten RB-Spieler auf 41. Inzwischen hat man sich bei RB Leipzig aber auch daran gewöhnt, dass das für die kommenden Monate und mögliche Einsatzchancen von Nachwuchskräften wenig Aussagekraft hat, dass sie mal bei den Profis ein paar Testminuten absolvieren.

Gefehlt haben beim Test gegen Amsterdam verletzungsbedingt Naby Keita und Timo Werner. Keita plagt sich noch mit dem Oberschenkel, der ihn auch vor der Winterpause schon plagte, macht aber immerhin schon wieder Sprints. Timo Werner bekam einen Tag vor dem Spiel gegen Amsterdam einen Treffer am Knöchel ab, hat sich aber nicht ernsthafter verletzt und hofft, bis zum Ende des Trainingslagers wieder voll einsteigen zu können.

Neben den verletzten Spielern (auch Klostermann ist ja weiter langzeitverletzt) wurden auch Ken Gipson, Terrence Boyd und Zsolt Kalmár gar nicht eingesetzt. Auch dies darf man durchaus als Zeichen verstehen, wo sie vom Trainer gerade in Bezug auf die Profimannschaft gesehen werden.

Zum Einsatz kamen dageben Marvin Compper und Kyriakos Papadopoulos. Beide nach längeren Verletzungen. Überraschend trotzdem ein wenig, dass beide nur jeweils 12 Minuten in der Garbage Time kurz vor Schluss bekamen und dafür Bernardo 78 Minuten lang als Innenverteidiger auf dem Platz stand. Ob das nun schon ein Fingerzeig ist oder nur der langen Fehlzeit von Compper und Papadopoulos geschuldet war, wird man sehen.

Insgesamt bleibt ein denkbar schlechtes Testspiel, das man aber auch nicht überbewerten sollte. Die erste Halbzeit geriet erst durch inidividuelle Fehler zu einem Desaster. Zuvor hatte man das Spiel vor allem nach dem 0:1-Rückstand eigentlich auf Augenhöhe gezogen. Das mag immer noch nicht der sportlichen Weisheit letzter Schluss gewesen sein, aber es war gerade zwischen 0:1 und 0:2 auch kein Klassenunterschied, der nach einem 0:3 aussah.

Ändert aber nichts daran, dass am Ende die höchste Testspielniederlage ever auf der Anzeigetafel stand. Und man spielte schon als Viertligist auch mal gegen einen Champions-League-Teilnehmer. Von daher muss irgendwas gehörig schief gelaufen sein. Und Gegentore, die aus individuellen Fehlern resultieren, sind eben auch Tore.

Heißt, es bleibt für die kommenden zwei Wochen bis zum Pflichtspielstart viel Arbeit übrig. Auf dem Trainingsplatz genauso wie Richtung Transfermarkt für den Sportdirektor. Wenn man Bernardo als Innenverteidiger nutzen will, wie der Test gegen Ajax nahelegt, dann würde das den Druck verstärken, noch einen Außenverteidiger zu holen. In jedem Fall bleibt die Viererkette in der Abwehr zu dünn besetzt.

1:5 gegen Ajax Amsterdam. Das klingt nach richtig Prügel und war abgesehen von individuellen Schnitzern trotzdem nicht ganz so schlimm wie es klingt. Aber eben auch ein ganzes Stück entfernt von gut oder annehmbar. Der Griff zum Panikbutton wäre allerdings noch deutlich verfrüht. Am Mittwoch spielt man gegen den portugiesischen Drittligisten SC Farense. Am kommenden Sonntag geht es zur Generalprobe gegen die Glasgow Rangers. Vielleicht braucht man den Panikbutton ja dann doch noch mal.

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Tore: 0:1 Younes (22.), 0:2 Dolberg (37.), 0:3 Younes (39.), 0:4 Younes (46.), 1:4 Selke (64.), 1:5 El Ghazi (81.)

Aufstellung 1.Hälfte: Gulacsi (46. Coltorti) – Schmitz, Orban, Bernardo, Halstenberg (73. Franke) – Ilsanker, Kaiser – Burke (68. Wojtkowski), Sabitzer (46. Demme) – Poulsen (46. Forsberg), Selke

Aufstellung ab der 79. Minute: Coltorti – Schmitz, Papadopoulos, Compper, Franke – Khedira – Kaiser, Demme – Wojtkowski, Forsberg – Selke

Zuschauer:  1.000 (in Ferreiras ganz im Süden Portugals)

Links: RBL-Bericht

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Bisherige Testspiele 2016/2017

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Testspieltorschützen 2016/2017

Selke – 8; Werner – 5; Poulsen – 3; Compper, Keita, Bruno, Boyd, Kaiser – je 2; Beiersdorf, Klostermann, Dadashov, Sabitzer, Nukan, Halstenberg, Khedira, Palacios – je 1; Eigentore – 2

Testspieleinsatzzeiten

  • Schmitz – 587 Minuten
  • Kaiser – 521 Minuten
  • Orban – 499 Minuten
  • Khedira – 422 Minuten
  • Keita – 421 Minuten
  • Poulsen – 421 Minuten
  • Demme – 398 Minuten
  • Halstenberg – 389 Minuten
  • Werner – 362 Minuten
  • Nukan – 358 Minuten
  • Ilsanker – 348 Minuten
  • Boyd – 334 Minuten
  • Müller – 315 Minuten
  • Gulacsi – 315 Minuten
  • Gipson – 313 Minuten
  • Forsberg – 308 Minuten
  • Bruno – 306 Minuten
  • Kalmár – 304 Minuten
  • Sabitzer – 296 Minuten
  • Reddemann – 270 Minuten
  • Coltorti – 270 Minuten
  • Compper – 268 Minuten
  • Selke – 225 Minuten
  • Diawusie – 194 Minuten
  • Janelt – 180 Minuten
  • Beiersdorf – 180 Minuten
  • Klostermann – 135 Minuten
  • Jung – 135 Minuten
  • Fechner – 135 Minuten
  • Grauschopf – 133 Minuten
  • Strauß – 90 Minuten
  • Palacios – 90 Minuten
  • Bernardo – 78 Minuten
  • Burke – 67 Minuten
  • Dadashov – 45 Minuten
  • Chabot – 45 Minuten
  • Siebeck – 45 Minuten
  • Martinovic – 45 Minuten
  • Wojtkowski – 23 Minuten
  • Franke – 18 Minuten
  • Papadopoulos – 12 Minuten

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Joel Veltman machte durch ein paar heftige Grätschen, u.a. gegen Emil Forsberg auf sich aufmerksam. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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5 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Ajax Amsterdam 1:5“

  1. Man war doch dennoch überrascht was da so passierte, kein Zugriff auf das Ajax Mittelfeld , sie konnte dort schalten und Bälle verteilen wie sie wollten. Alle Spieler wirkten irgendwie desorientiert und nicht auf der Höhe des Geschehens .
    Über Gulasci habe ich meine Meinung schon gesagt und war froh endlich wieder Fabio zu sehen.

  2. 1 Hz ohne Demme, Forsberg, Keita und Werner. Sehr eindeutig, warum sie so wichtig sind. Den Test mit Bernado in der IV habe ich überhaupt nicht verstanden (auch wenn er sich relativ gut geschlagen hat), selbst wenn Papa und Compper noch nicht bei 100% sind.
    Die 2 Hz war nach dem Slapstick Tor im Grunde in Ordnung. Demme gleich wieder drin im Spiel als Wadenbeißer und Forsberg als Wirbelwind (Bei dem Bild von Dir mit dem Foul bekam ich Schnappatmung). Wer mir gut gefallen hat, war Wojtkowski, hatte ja auch eine 100%ige. Tja und Davie Selke. Tor und die 1000%ige am Ende mit Verletzung. Irgendwie ein Spiegelbild der Saison.

    Niederlagen haben ja unter Hasenhüttl immer etwas mit Lernen zu tun. Gegen Ajax wird nun lange die Schulbank gedrückt 😉
    Aber viel Zeit bleibt nicht.

  3. @Panikbutton: Also wenn das gegen die Rangers auch so laufen soll, will ich mein Geld zurück. Auch wenn € 15 und 1:5 scheinbar gut passt!

  4. Danke Rotebrauseblogger, danke für Deinen Bericht! Panikbutton? Ich weiß nicht, ob der betätigt werden sollte. Das Spiel hat aber auf alle Fälle gezeigt, daß die Mannschaft qualitativ in der Breite doch nicht ausreichend besetzt ist. Für mich auch erschreckend der schwache Beginn von Orban! @Rotebrauseblogger, wie fandest Du eigentlich Burke? Mir sind einige gute Ansätze in Erinnerung geblieben, so ein Solo in Hz 1 als der Mitspieler dann den Ball vertendelt oder aber auch die Situation vor dem Ehrentor, als auch Burke den Ball hätte verwerten können. Insgesamt kann man nur hoffen, daß es es keine Nachwehen gibt und man in zwei Wochen die richtige Antwort geben kann.

    1. Ich mag Coltorti, habe ihn herbeigesehnt nach Gulascis erster HZ. Aber es unmöglich, wie geistlos Fabio jeden Ball nach vorn prügelt. Ein einziger langer Abwurf mit der Hand und sonst immer den Ball vor und zum Gegner… !

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