Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2016 – Teil 2

Heute dann also Teil 2 der Betrachtungen rund um die Leistungsdaten der Spieler von RB Leipzig. Wer noch mal nachlesen möchte, was es so alles zu Einsatzzeiten, Torbeteiligungen und Zweikampfgeschichten zu erzählen gab, der blättere einfach zurück.

Nimmt man sich erstmal die Laufdaten vor, dann landet man automatisch wieder bei Diego Demme. Der absolviert zwar pro 90 Minuten 400 Meter weniger als noch letzte Saison, ist aber trotzdem der einzige bei RB Leipzig, der es in der Bundesliga auf über 12 km schafft.

Dahinter folgen dann gleich die Offensivkräfte Werner und Sabitzer, die auch für das Anlaufen des Gegners sehr wichtig sind. Auch Poulsen mit relativ viel Laufstrecke. Emil Forsberg folgt mit 11,17 km direkt hinter den Top5.

Interessant vielleicht, dass die Außenverteidiger in dieser Statistik nicht auftauchen. Halstenberg (der einzige, der von letzte Saison geblieben ist) läuft mehr als 500m weniger pro 90 Minuten als noch unter Rangnick. Nur Bernardo läuft etwas mehr als 11 km pro 90 Minuten. Könnte einfach Folge der generell geringeren Laufleistung des Teams in dieser Saison sein. Könnte aber auch ein Hinweis sein, dass die Außenverteidiger eine leicht veränderte Rolle haben und gerade in der Vorwärtsbewegung nicht so weite Wege gehen müssen.

Top 5 Laufstrecke pro 90 Minuten (mindestens 300 Einsatzminuten)

  • Diego Demme: 12,14 km
  • Timo Werner: 11,61 km
  • Marcel Sabitzer: 11,53 km
  • Dominik Kaiser: 11,52km
  • Yussuf Poulsen: 11,20 km

In der Sprintstatistik hat sich Timo Werner an Yussuf Poulsen vorbei auf Platz 1 geschoben. 33 Sprints pro 90 Minuten sind sehr viel und Poulsens Wert aus dem Vorjahr. Darin drückt sich auch aus, dass Werner in dieser Saison der Zielspieler für Bälle in die Tiefe ist.

Yussuf Poulsen folgt mit 30 Sprints pro 90 Minuten direkt hinter Timo Werner. Zusätzlich zum hohen Laufpensum und den vielen Zweikämpfen auch noch sehr viele Sprints. Mehr kann man gar nicht ausdrücken, wie sich der Däne in die Spiele wirft und wie mannschaftsdienlich er auftritt. Seine geringe Anzahl an Torbeteiligungen verstellt manchmal ein wenig den Blick darauf, wie wichtig seine Rolle ist. Auch wenn ihm hin zur Winterpause etwas die Puste auszugehen schien.

Marcel Sabitzer zeigt sich auch in der Sprintstatistik als der fleißige Offensivmann, der er ist. Zumal wenn man die gerade mal 17 Sprints eines Emil Forsberg (bei zugegeben leicht anderen Spielrollen) dagegenhält. Dass die Außenverteidiger Halstenberg und Bernardo in dieser Statistik auftauchen, verwundert nicht so sehr, da sie aufgrund ihrer Spielposition und ihrer Bewegung in Offensive und Defensive immer mal wieder zu Höchstgeschwindigkeit gezwungen sind.

Top 5 Sprints pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Timo Werner: 33,4
  • Yussuf Poulsen: 30,0
  • Marcel Sabitzer: 27,4
  • Bernardo: 22,9
  • Marcel Halstenberg: 20,7

Für die Ballzirkulation bleibt Diego Demme der wichtigste Spieler im Team. Er ist derjenige, der durch hohen Laufaufwand versucht, in Ballnähe und anspielbar zu sein. So löst er immer wieder Situationen auf.

Wenig überraschend, dass Naby Keita, Stefan Ilsanker und Willi Orban in dieser Statistik ganz oben auftauchen. Das ist halt der zentrale Block, über den das Spiel läuft.

Überraschend da schon sehr viel mehr, dass sich Benno Schmitz ganz oben in diese Reihe hineingeschoben hat. Er hat zwar erst reichlich 400 Minuten gespielt und vielleicht würden die Zahlen etwas nach unten gehen, wenn er mal acht Spiele am Stück bestreitet. Aber 70 Ballkontakte pro Spiel sind ein sehr hoher Wert. Zumal wenn man es mit Halstenberg und Bernardo vergleichen würde, die unter 60 Ballkontakten pro 90 Minuten bleiben. Beste Zweikampfquote im Team. Viele Ballkontakte, wenn er auf dem Platz steht. Teile der Statistiken sprechen im Gegensatz zu den Einsatzzeiten durchaus für Schmitz.

Top5 Ballkontakte pro 90 Minuten (mindestens 300 Einsatzminuten:

  • Diego Demme: 80
  • Naby Keita: 74
  • Benno Schmitz: 70
  • Stefan Ilsanker: 62
  • Willi Orban: 59

In der Statistik der Passgenauigkeit schiebt sich Naby Keita an Diego Demme vorbei auf Platz 1. Für seine offensive Interpretation der Sechs recht hohe 80% der Pässe kommen an. Womit er deutlich noch vor Innenverteidiger Willi Orban, dem defensiveren Sechser Diego Demme und dem Sechser/Innenverteidiger Stefan Ilsanker liegt. Allesamt Spieler mit Rollen, denen eigentlich die beste Passquote zufallen müsste, weil im hinteren Verbund mehr auf Sicherheit beim Passspiel geachtet wird.

Erstaunlich schon, dass Naby Keita ganz vorn liegt. Noch erstaunlicher die 79% Passquote von Emil Forsberg. Für einen Zehner, der immer wieder auch Risikopässe spielt, ist das gerade im Vergleich zu den Mitspielern ein überaus guter Wert. Der Vergleich zum Rest der Liga ist ein wenig schwierig. Bei einem nicht vollständig ballbesitzorientiertem Team wie RB Leipzig sind die Passquoten generell niedriger. 73% erreicht man als Mannschaft. Bayern, Dortmund, Mönchengladbach und Hoffenheim liegen jeweils über 80%.

Top 5 Passgenauigkeit (mindestens 300 Einsatzminuten)

  • Naby Keita: 80%
  • Willi Orban: 78%
  • Emil Forsberg: 79%
  • Diego Demme: 76%
  • Stefan Ilsanker: 75%

Wichtig bei der Spielweise von RB Leipzig auch Balleroberungen aller Art. FourFourTwo unterscheidet diesbezüglich zwischen Recoveries und Interceptions. Das eine ist eine etwas aktivere Art der Eroberung im Vergleich zur anderen. Der Unterschied ist aber für hier und jetzt und für die Frage, welcher Spiele am häufigsten Bälle eroberte bzw. gewann (also durch irgendwas plötzlich in Ballbesitz kam), eher zweitrangig. Weswegen beide Arten einfach zusammengeschmissen werden.

Tut man dies, dann landet man sofort bei einem überragenden Naby Keita, der pro 90 Minuten 14,6 Bälle erobert. Wie viel das ist, zeigt sich darin, dass dies bei Diego Demme nur 9,5 sind. Auch in dieser Kategorie ist Emil Forsberg ganz weit vorn mit 9,2 Eroberungen.

Top5 Balleroberungen pro 90 Minuten (mindestens 300 Einsatzminuten)

  • Naby Keita: 14,6 Balleroberungen
  • Diego Demme: 9,6 Balleroberungen
  • Emil Forsberg: 9,2 Balleroberungen
  • Marcel Sabitzer: 7,5 Balleroberungen
  • Marcel Halstenberg: 7,2 Balleroberungen

Bliebe zum Abschluss noch die Plus-Minus-Tabellenspielerei. Hier wird für jeden Spieler ausgewiesen, wie das Torverhältnis aussah, wenn man nur die jeweiligen Zeiten betrachtet, in denen er auf dem Platz stand und wie viele Punkte er kassierte, wenn man den Stand zum Zeitpunkt des jeweiligen, individuellen Verlassens des Spielfelds nimmt. Im Schnitt holte RB Leipzig 2,25 Punkte und +1,00 Tore. Wer also über diesen Werten liegt, hatte überdurschnittlich viel Freude an den Spielen. Auch könnte man interpretieren, dass jene mit besseren Werten mehr positiven Einfluss auf Spiel und Mannschaft hatten. Was aber auch eine etwas eindimensionale Erklärung sein kann. Zumal bei nur 16 Spielen Datengrundlage.

Peter Gulacsi, Willi Orban, aber auch Marcel Halstenberg stehen naturgemäß in der Mitte der Statistik, da sie immer oder fast immer auf dem Platz standen. Recht nah am Durschnitt sind trotz geringerer Spielzeiten auch Stefan Ilsanker und Bernardo.

Nach oben heraus stechen vier Spieler. Marvin Compper hat zumindest für diese Statistik genau die richtigen Spiele verpasst. Mit 2,45 Punkten pro Spiel und plus 1,44 Tore pro 90 Minuten war er der erfolgreichste Spieler. Dass nach seinem Ausfall auch die Niederlagen in Ingolstadt und München kamen, mag Zufall sein oder hätte mit ihm genauso passieren können, aber es kann auch Ausdruck dessen sein, dass RB Leipzig mit ihm schlicht stabiler war.

Dahinter folgen noch die Offensivkönige Emil Forsberg und Timo Werner und der Spielgestalter Diego Demme. Drei Spieler, die nicht nur optisch, sondern auch den Ergebnissen nach großen Einfluss auf die Resultate hatten.

So richtig nach unten heraus fallen drei Spieler. Bei Benno Schmitz mochte man es noch ein bisschen erwartet haben, dass bei seinen Spielzeiten die Ergebnisse nicht so gut waren wie im Saisonschnitt. Bei Yussuf Poulsen und Marcel Sabitzer kommt dies ein wenig überraschend. Was auch auf die Grenzen der Statistik verweist. Denn im Saisonverlauf gab es ein paar Situationen, in denen Sabitzer oder Poulsen den Gegner müde gelaufen haben und dann andere den Erfolg ernteten (wie zum Beispiel beim Spiel gegen Dortmund). Das erklärt dann die schlechten Zahlen bei den beiden, sagt aber noch nichts über ihre Wichtigkeit für das Team aus.

Interessant vielleicht noch, wenn man den Einfluss der Spieler auf Offensive und Defensive betrachtet. Offensiv ist Emil Forsberg überragend. Wenn er auf dem Platz steht, dann fallen pro 90 Minuten 2,26 Treffer. Wenn Forsberg nicht auf dem Platz steht, dann trifft RB Leipzig nur einmal pro 90 Minuten. Nur für den Hinterkopf: Die nächsten drei Spiele fehlt Emil Forsberg..

Vergleichsweise viele Tore fallen auch, wenn Benno Schmitz, Naby Keita, Timo Werner oder Marvin Compper auf dem Platz stehen. Erkläre sich jeder selbst, ob das nur Zufall ist oder nicht.

Die wenigsten Tore fallen, wenn Yussuf Poulsen auf dem Platz steht. 1,58 Tore pro 90 Minuten sind es dann. Auch bei Mitwirkung von Bernardo, Dominik Kaiser und Marcel Sabitzer fallen weniger Tore als im Saisonschnitt pro 90 Minuten.

Defensiv sind Timo Werner und Marvin Compper überragend. Wenn sie auf dem Feld stehen, fallen nur 0,61 bzw. 0,62 Gegentore pro 90 Minuten. Bei Compper spricht das dann doch dafür, dass er mit seiner Erfahrung ein wichtiges Puzzlestück für die Abwehr ist. Bei Werner kommt es ein wenig überraschend, dass deutlich mehr Gegentore fallen, wenn er nicht auf dem Platz ist. Könnte auch für sein ordentliches Arbeiten im Spiel gegen den Ball sprechen. Aber auch dafür, dass bei RB Leipzig am Ende des Spiels (wenn Werner oft schon ausgewechselt wurde) die Kräfte schwinden und man eher noch mal einen Treffer kassiert.

Defensiv die schlechtesten Erfahrungen macht Benno Schmitz. 1,28 Gegentore pro 90 Minuten, wenn er auf dem Platz steht. Gerade mal 0,80 sind es, wenn er nicht auf dem Platz steht. Aber die Datenbasis ist bei Benno Schmitz mit 400 Minuten sehr, sehr gering. Da kann auch eine Menge Zufall in den Zahlen stecken.

Auch noch sehr weit weg vom Rest ist Naby Keita. Bei ihm fallen pro 90 Minuten 1,13 Gegentore. Also 0,2 mehr als im Schnitt der Saison. Könnte auch dafür sprechen, dass mit Keita im Team auch die Risikobereitschaft und damit die Gefahr von Gegentreffern steigt.

Will man seine Stammelf nicht wie in Teil 1 aus den Einsatzzeiten ableiten, sondern an ihrem Einfluss auf die Spielresultate, dann verändert sich die Mannschaft leicht. Poulsen und Sabitzer würden aus dem Team fliegen. Dafür rutschen Bernardo und Kaiser hinein. Aber es ist ja auch nicht alles Statistik beim Finden von passenden Formationen.. Zumal so auch eine eher ungewöhnlich, wenig zueinander passendes Team entstehen würde:

  • Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Kaiser, Keita, Forsberg – Werner

[Plus/Minus: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit; Plus/Minus/90: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit, wenn man es auf 90 Minuten hochrechnet (Bsp: Dominik Kaiser hatte in 725 Einsatzminuten ein Torverhältnis von +8, macht für 90 Kaiser-Spielminuten ein Verhältnis von 0,99); Punkte: Gesamtzahl Punkte, die jeder Spieler sammelte, wenn er das Feld verließ; Punkte/Spiel: Punkte, die jeder Spieler im Schnitt pro Einsatz sammelte, zum Zeitpunkt des Verlassen des Feldes; Off = Geschossene Tore pro 90 Minuten, wenn der entsprechende Spieler auf dem Feld stand; Def = Zugelassene Tore pro 90 Minuten, wenn der entsprechende Spieler auf dem Feld stand; Berücksichtigt sind nur Spieler, die mindestens 300 Minuten auf dem Spielfeld standen]

Spieler +/-+/-/90PktPkt/SpOffDef
Marvin Compper141,44272,452,060,62
Emil Forsberg151,25352,332,261,00
Timo Werner161,23372,312,070,61
Diego Demme161,07352,332,000,93
Marcel Halstenberg161,02362,251,970,95
Peter Gulacsi161,00362,251,940,94
Willi Orban161,00362,251,940,94
Stefan Ilsanker140,99362,251,910,92
Dominik Kaiser80,99282,151,740,74
Bernardo80,97202,221,690,73
Naby Keita100,94322,292,081,13
Benno Schmitz40,85142,002,131,28
Marcel Sabitzer90,72291,931,761,04
Yussuf Poulsen80,60322,001,580,98

Fazit: Quer durch die Daten fallen positiv Spieler wie Diego Demme, Emil Forsberg und Timo Werner auf. Deutlich am anderen Ende des Spektrums hält sich eigentlich niemand auf. Poulsen und Sabitzer scheiden statistisch beim Einfluss auf das Ergebnis der Mannschaft nicht gut ab, haben aber allerlei Qualitäten, die sie trotzdem extrem wichtig sein lassen. Ein Benno Schmitz hat auch seine Qualtiäten, wie man an mancher Zahl gesehen hat. Insgesamt ist es sowieso wie immer. Es sind Zahlen und diese bieten viel Spielraum für Interpretationen.

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Datengrundlage: Bunte Mischung aus aufgearbeiteten Zahlen aus eigener Sammlung, BILD-Sportdatencenter, bundesliga.de, transfermarkt.de und Fourfourtwo.

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Alte Zahlenrundumleuchten:

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Ein Team mit Spielern, die verschiedene Rollen sehr gut ausfüllen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2016 – Teil 2“

  1. Da hast Du uns wieder viele Zahlen vorgelegt.
    Ich mag das und es hat sehr viele Spaß gemacht zu lesen.
    Vielen Dank dafür!

    Was viel auf:
    Im Teil 1 fand ich sehr erstaunlich, daß die Rasenballer relativ wenig gelbe Karten haben. Wenn ich an das 1. Spiel denke, wo es gleich 4(?) gab, haben sie viel dazu gelernt (Und einige gab es dazu für zuviel Meckern). So manche Zweikämpfe werden wohl doch anders als in Liga 2 interpretiert.

    Beim Rasenfunk hattet ihr ja alle Spieler richtig eingeschätzt. Bis auf eine Außnahme als Steffen M. meinte, er sei von Poulsen enttäuscht. Ich hatte da nur mit dem Kopf geschüttelt, denn die Zahlen von Dir bzw Deine Einschätzung bestätigen dies zu 100% NICHT! Ob Zweikampfwerte, Sprints oder Defensivaktionen, da spielt es als Fan 0,0 die Rolle ob er 9 Tore schiesst oder vorbereitet, wenn er sich so reinwirft und mannschaftsdienlich ist. Ganz starke Entwicklung!

    Nur mit der Plus/Minus-Statistik kann ich wenig anfangen. Ich erinner mich sehr gut an das Spiel gegen DA, als Hasenhüttl mit Sabitzer wieder!! den Sieg eingewechselt hat. Die ausgewechselten Spieler haben idR den Gegner mürbe gespielt und dann hat die Bank zugeschlagen.

    So und nun bin ich gespannt, wer bei Dir der Spieler der Hinrunde wird.
    Kandidaten gibt es ja reichlich dafür. 😉

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