Teamfoto RB Leipzig 2016/2017, schon von der Transferrealität überholt | GEPA Pictures

Kaderschmiede RB Leipzig 2017

Winterpause. Heißt auch, dass das Transferfenster wieder geöffnet ist. Noch bis zum 31.01.2017, 18 Uhr darf man Spieler verpflichten oder abgeben. Was in der Bundesliga und gerade rund um RB Leipzig dann zu einer entsprechend lautstarken, medialen Begleitung führt. Inzwischen kann man sich nicht mal mehr alle Namen merken, an denen RB so alles Interesse haben soll.

Halten wir uns deswegen wie immer eher an Fakten und Plausibilität, was die Kaderplanung angeht. Und werfen mal eben einen Blick auf den aktuellen Kader und dessen mögliche Punkte, die einer Verbesserung oder auch einer Ausdünnung bedürfen.

Fängt man beim Potenzial an Unzufriedenheit an, dann hat man aktuell diverse Spieler, die Grund haben, ihre Situation eher kritisch zu sehen und ihre Zukunft zu überdenken. RB Leipzig hat die bisherige Bundesliga-Spielzeit im Kern mit einer Rotation von zwölf Feldspielern bestritten. Wäre Lukas Klostermann fit geblieben, dann wären es vielleicht 13 Feldspieler gewesen. Aber auch das ist nicht unbedingt die ganz große Masse.

Benno Schmitz dürfte mit seinen 420 Bundesligaminuten noch ganz zufrieden sein, auch wenn ihm im Laufe der Vorrunde gleich drei Rechtsverteidiger vorgezogen wurden, von denen zwei eigentlich gar nicht als Rechtsverteidiger eingeplant waren. Mehr Misstrauensvotum geht praktisch nicht. Gespielt hat Schmitz entsprechend vornehmlich dann, wenn tatsächlich niemand mehr übrig blieb. Dann machte er seine Sache allerdings auch oft ordentlich. Akute Abwanderungsgelüste dürften jedenfalls ausgeschlossen sein.

Oliver Burke ist mit seinen 19 Jahren und 15 Millionen Ablöse ein Spezialfall. Weswegen man sich ob seiner 255 Einsatzminuten auch keine großen Sorgen machen muss. Diese Einsatzzeiten werden sich vermutlich in naher und mittlerer Zukunft kontinuierlich steigern.

Problematischer sehen die Dinge da schon bei Davie Selke aus. 179 Spielminuten in zehn Einsätzen sind deutlich unter dem, was sich der Stürmer erhofft haben dürfte. Von 32 Pflichtspielen im Jahr 2016 bestritt Selke 22 und absolvierte 626 Minuten. Keine sieben kompletten Spiele in einem ganzen Kalenderjahr..

Ralf Rangnick war darüber zum Ende der letzten Saison noch unzufrieden und sah es, zugespitzt gesagt, als seine größte Saisonniederlage, keine Möglichkeit gefunden zu haben, Selke gemeinsam mit Poulsen funktionieren zu lassen. Aber auch in dieser Saison sieht es nicht besser aus, sodass sich die Vermutung bestätigt, dass Selke im Hasenhüttl-System nicht so richtig perfekt besetzt ist. Heißt das, dass Selke im Winter geht? Wohl nicht. Dazu ist die Kaderdecke im Sturm eigentlich nicht dick genug und dazu ist Selke ein zu guter Backup. Heißt das, dass Selke perspektivisch gehen wird? Wenn sich an seiner Situation nichts ändert, dann ja.

Klarer ist die Sache bei den restlichen Spielern (abgesehen von Nachwuchsakteuren) mit wenig Spielzeit. Rani Khedira (3 Minuten Einsatzzeit) hat schon erklärt, dass er lieber irgendwo spielt, als bei einem Spitzenteam der Bundesliga auf der Bank zu sitzen. Der Vertrag läuft aus. Ein Winterabgang ist absolut nicht ausgeschlossen, wenn sich eine vernünftige Perspektive ergibt. Freiwillig wird ihn Hasenhüttl aber auch nicht hergeben.

Ähnlich wie bei Khedira sieht es bei Terrence Boyd aus, der sich offenbar bereits aktiv nach neuen Klubs umschaut. Und sicher etwas finden wird, wo er nach seiner langen, langen Verletzung noch mal neu angreifen kann. Noch wahrscheinlicher als bei Khedira, dass das noch im Winter und nicht erst im Sommer passsiert.

Auch Omer Damari wird niemand einen Stein in den Weg legen. Nach seiner Rückkehr von der auch nicht gerade erfolgreichen Leihe zu den New York Red Bulls ist er wieder mal auf der Suche nach der nächsten Lösung.  Da aktuell niemand für den Israeli eine Ablöse, schon gar keine hohe wird zahlen wollen, wird es wohl wieder mal auf eine Leihe hinauslaufen. Bei der RB Leipzig am Ende auch noch Gehalt mitfinanzieren könnte. Wenn man sich denn nicht hart zeigt und das zum Problem des möglichen Leihvereins macht. Fakt ist, dass Damari keine nahe, mittlere oder ferne Zukunft in Leipzig, aber noch Vertrag bis 2018 hat.

Bleiben noch zwei Kandidaten für einen Abgang. Zsolt Kalmár ist eigentlich überfällig für einen mindestens leihweisen Wechsel. Im Sommer hat er sich durch eine gute Vorbereitung und wenig Lust auf eine Leihe noch in den erweiterten Kader gespielt. Von Einsätzen in der Bundesliga ist er allerdings relativ weit entfernt. Die Regionalliga bringt ihn nicht weiter, sodass eine Leihe ziemlich sinnvoll wäre.

Bleibt Kyriakos Papadopoulos. Bei dem man nicht so richtig weiß, woran man ist. Als er hätte spielen können, war er verletzt. Vorher saß er auf der Bank herum. Abgeben kann sich RB Leipzig in einer Situation mit nur drei Innenverteidigern eigentlich nicht leisten. Für einen Verbleib gab es in der Vergangenheit erstaunlich wenige wechselseitige Treuebekundungen von Vereins- und Spielerseite. Denkbar also, dass Papadopoulos eher auf dem Absprung ist, aber bei der aktuellen Innenverteidigerbesetzung eigentlich auch nicht machbar.

Khedira, Boyd, Damari, Kalmár, Papadopoulos und mit Abstrichen Selke. Wenn man nicht noch den verletzten U23-Mann Ken Gipson dazunimmt, dann hat man sechs Spieler mit größeren oder kleineren Wechselpotenzialen in diesem Winter (wovon mit Damari einer schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr in Leipzig spielt). Abgänge von Boyd und Damari, aber auch mit Abstrichen von Kalmár könnte man recht problemlos ohne externe Verpflichtungen auffangen. Auf Abgänge von Selke, Papadopoulos oder Khedira müsste man sicher mit Neuzugängen reagieren.

Wenn man denn nicht im eigenen Nachwuchs Optionen sieht und den entsprechenden Spielern vertraut. Mit Fechner, Franke und Reddemann fahren drei Nachwuchsspieler für den Defensivbereich mit ins Trainingslager. Von denen vor allem erstere beiden perspektivisch, aber auch nicht kurzfristig Chancen auf den Profikader haben dürften und Reddemann eher zur Vervollständigung der Trainingsgruppe mitfährt. Zudem reist mit Wojtkowski noch ein Außenbahnspieler mit, der im Männerbereich fast noch gar keine Erfahrung hat.

Soll heißen, dass so richtig nicht zu erwarten ist, dass mögliche Kaderlücken bei möglichen Abgängen von Selke, Papadopoulos oder Khedira durch interne Lösungen gestopft werden können. Was auch heißt, dass Bewegung in die Transferaktivitäten von RB Leipzig vor allem bei Abgängen von Spielern kommen wird.

Davon unabhängig kann man davon ausgehen, dass man intensiv nach einem Innenverteidiger fahnden wird. Selbst wenn Papadopoulos bleiben sollte. In den ersten 16 Spielen musste man da doch zu viel zaubern. Wie in München mit Ilsanker in der Innenverteidigung auflaufen zu müssen und ihn deswegen nicht als Option für die Mittelfeldzentrale zu haben, ist relativ untragbar.

Die naheliegenden Lösungen wären wie immer Salzburger Lösungen. Dass Ralf Rangnick den 18-jährigen Dayot Upamecano gern irgendwann in Leipzig sehen würde, ist ziemlich sicher. Ob das nun unbedingt schon in diesem Winter sein muss, wo Upamecano gerade so wichtige Spielpraxis in Salzburg sammelt, müssen die Beteiligten entscheiden. Auch Duje Caleta-Car wurde in der Vergangenheit immer mal wieder genannt. Der ist immerhin schon 20. Ob er Lust hat, in Leipzig Backup zu sein, ist aber unklar. Vielleicht gibt es ja aber auch irgendeine Kreativlösung jenseits von Salzburg.

Im Tor hat RB Leipzig keinen akuten Veränderungsbedarf. Im Sommer wird man diese Position sicherlich noch mal komplett unter die Lupe nehmen. Schon im letzten Sommer war ja eine große Lösung im Gespräch. Hier und heute wird man die Position nicht antasten.

Im Offensivbereich hat man aktuell für vier Positionen sieben Spieler. Wenn man Boyd, Damari und auch Kalmár außen vor lässt. Wenn Selke geht, braucht man dort noch einen Neuzugang. Wenn Selke bleibt, was wahrscheinlicher ist, dann könnte man überlegen, ob man noch einen Spieler holt. Ob für die beiden äußeren Zehnerpositionen oder für den Sturm hinge dann wesentlich davon ab, wo man Burke künftig sieht.

Mit Kaiser und Forsberg hat man zwei Spieler, die nur die Zehn spielen können. Mit Burke, Sabitzer und auch Poulsen hat man zwei Spieler, die Zehn und Sturm spielen können (wobei Burke rechts auf der Zehn das System ganz schön ordentlich offensiv macht und Poulsen bisher durchgängig den zentralen Stürmer spielte). Und mit Selke und Werner hat man zwei reine Stürmer. Würfle jeder selbst aus, ob es da noch Bedarf gibt. Mit Felix Beiersdorf hätte man eigentlich noch einen 18-Jährigen (Profivertrag bis 2021), der die Offensive komplettieren könnte, aber in den letzten Wochen ist er nach guter Sommervorbereitung ziemlich weit weg von den Profis und sogar von der U23 gerutscht.

Auf der zentralen Mittelfeldposition hängt es davon ab, ob Khedria schon jetzt geht oder erst im Sommer. Und davon, ob nicht doch noch einer dieser legendären ‚Im Vorgriff auf den Sommer‘-Transfers vom Himmel purzelt. Gerade Richtung Sommer besteht definitiv Bedarf. Mit Demme, Keita und Ilsanker (und potenziell Bernardo) hat man aktuell aber eigentlich drei Lösungen, die genügend Möglichkeiten auf der Doppelsechs lassen.

Auf der Außenverteidigerposition besteht akut eigentlich kein Handlungsbedarf. Halstenberg, Bernardo, Schmitz und irgendwann ab März vielleicht auch wieder Klostermann. Dazu Nachwuchsmann Franke (auch wenn der eigentlich noch ein bisschen braucht). Das müsste an Besetzung eigentlich reichen. Wenn man denn Bernardo auch perspektivisch als Außenverteidiger sieht. Wenn nicht, dann muss man natürlich auf der Position noch was machen. Wahrscheinlicher aber, dass man bis zum Sommer mit Bernardo erst mal in der Außenverteidigung plant.

Macht alles zusammengenommen für diese Transferperiode, dass man akut nach einem Innenverteidiger suchen wird. In Abhängigkeit von Abgängen oder aufploppenden Möglichkeiten auf dem Transfermarkt kommen da dann noch ein weiterer Innenverteidiger, ein zentraler Mittelfeldspieler (oder falls man Bernardo als Mittelfeldspieler sieht alternativ auch ein Außenverteidiger) und ein Offensivmann dazu.

Insgesamt wird man bemüht sein, den Kader im Winter nicht allzu sehr durcheinanderzuwirbeln. Sowohl auf Abgangs- als auch auf Zugangsseite. Vor einem Jahr gab es gar keine Neuzuänge. Das wird sich diese Saison wohl nicht wiederholen (und wenn, dann wäre die Transferperiode hochgradig unbefriedigend verlaufen). Es geht im nächsten Schritt nach dem Aufstieg auch darum, die Qualität des Kaders in der Breite zu erhöhen. Die Wintertransferperiode wird diesbezüglich die Mannschaft nicht auf den Kopf stellen, aber vermutlich irgendwas zwischen ein und drei tragfähige Bausteine hinzufügen und ein paar Steine am sportlichen Rand wegnehmen.

————————————————————————

Der aktuelle Kader (Liste wird beständig aktualisiert. Die Zuordnung ist eher der Übersichtlichkeit geschuldet und nicht strikt zu verstehen. Spieler, die den Verein – und sei es per Leihe – verlassen, werden durchgestrichen. Neuzugänge werden kursiv dargestellt.)

  • Tor: Peter Gulacsi, Fabio Coltorti, Marius Müller
  • Außenverteidiger: Marcel Halstenberg, Bernardo, Lukas Klostermann, Benno Schmitz, Ken Gipson
  • Innenverteidigung: Willi Orban, Marvin Compper, Kyriakos Papadopoulos, Dayot Upamecano
  • Mittelfeld defensiv: Diego Demme, Naby Keita, Stefan Ilsanker, Rani Khedira
  • Mittelfeld offensiv: Emil Forsberg, Dominik Kaiser, Marcel Sabitzer, Zsolt Kalmár
  • Stürmer: Yussuf Poulsen, Davie Selke, Timo Werner, Oliver Burke, Terrence Boyd, Omer Damari

————————————————————————

Jagt Terrence Boyd bald woanders dem Ball hinterher? Foto: GEPA Pictures - Sven Sonntag.
Foto: GEPA Pictures – Sven Sonntag.

————————————————————————

Flattr this!

3 Gedanken zu „Kaderschmiede RB Leipzig 2017“

  1. Zunächst nochmals alles Gute für 2017!

    Wie dem Kommentar zu entnehmen ist, beginnt bis zum 31. Januar diesen Jahres erneut eine Zeit, die man sich eigentlich sparen könnte, nein, müsste! Alle Verantwortlichen, die nach kurzen oder längeren Verhandlungen vor jeder Saison sich mit ihren Partnern aus vielen Ländern einigten, um möglichst für „überschaubare“ Summen diesen oder jenen neuen Spieler „an Land zu ziehen“ sowie die „Unglücklichen“ für maximales Geld wieder loszuwerden, hat man sich doch vertraglich (Zeitdauer und Gehälter) geeinigt!

    Die Verantwortlichen sollten nun auch die Suppe auslöffeln, wenn durch die irrsinnigen Vertragslaufzeiten, die mit der Realität nichts zu tun haben, indem in dieser Zeit, in der plötzlich für manche Akteure im Mannschaftsgefüge (Selke oder Forsberg usw.) kein Platz mehr ist, entsprechend auch bis zum Ende zu bezahlen sind. Diese jetzt wieder einsetzende wilde Wechselei, egal, ob durch Verleihen oder Verkaufen, bringt doch den eingefahrenen Rhythmus völlig durcheinander, sodass für manche Vereine praktisch die Saison von vorn beginnt. Außerdem werden in diesem Monat dokumentierte Verträge verletzt, in denen genau festgelegt war, dass z.B. die oben genannten Spieler in jedem Falle bis 2020 bzw. 2022 Mitglieder von „RaBa“ bleiben müssen, auch bei evtl. Verletzungen oder bei Anfragen größerer Vereine des Auslandes!

    Da aber die geschäftliche Sucht gegenüber einer vernünftigen Zusammenarbeit vor dem Sport Vorrang hat, begründen die Clubs (einschl. Leipzig) fälschlicherweise die utopischen Laufzeiten mit „Vereinstreue“, warten aber in Wirklichkeit, bis ein reicherer Interessent anbeißt, um mit dem abgebenden Spieler noch mehr „Kohle“ zu machen!

    So wird unser Fußball nicht mehr lange existieren, obwohl in Leipzig noch Euphorie herrscht!

  2. Wiedermal gut analysiert!

    Ich würde es trotzdem begrüßen, wenn schon jetzt in das Trainingslager 2-3 neue Spieler fahren würden, auch wenn es keine Abgänge geben sollte. Alleine im Hinblick auf den Sommer. Sprich, sollte RBL nächste Saison international spielen, dann müssen! 6-7 neue Leute alleine aus Roationsgründen kommen. Bei Abgängen dann nochmals die jeweilige Ergänzung. Und alle müssen dann integriert werden. Also lieber jetzt schon anfangen.

  3. Upamencano und Caleta Car sind sicher eine Option für den Wechsel im Sommer und sollten noch Erfahrung in Salzburg sammeln , denn im Hinspiel auf Schalke hat Car ja ein Schalker Tor so halb mitverschuldet und sah sehr unsicher aus.
    Selke sollte für seine eigenen Ansprüche wechseln , da er so richtig nicht mehr ins Liga System von Hasenhüttl passt, kein Brecher und auch Defensiv Arbeiter wie Poulsen, da lieber mehr Zeit für Burke .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.