Bundesliga: SV Darmstadt 98 vs. RB Leipzig 0:2

Neunter Spieltag der Bundesliga. Nicht einfach irgendein Spieltag. Sondern das  Aufeinandertreffen zwischen dem SV Darmstadt 98 und RB Leipzig. Frei nach dem Motto ‚Gute Freunde soll man nicht trennen‘. Oder in anderen, den Darmstädter Worten: Traditionsspieltag.

So richtig traditionell ging es auf dem grünen Rasen dann nicht zu, denn im Gegensatz zu den bisherigen Partien war RB Leipzig das deutlich bessere Team, das völlig verdient drei Punkte holte. Im fünften Aufeinandertreffen war es das erste Mal, dass ein Spiel mit mehr als einem Tor Differenz ausging.

Im Vergleich zum Sieg gegen Wolfsburg in der Vorwoche war der SV Darmstadt 98 ohne Veränderungen in die Partie gegangen. Marcel Heller, die wichtigste Waffe einst in der Schuster-Offensive saß entsprechend erneut auf der Bank und musste Ben-Hatira beim Kicken zugucken. Schipplock begann zudem für Colak im Sturm.

Auf Seiten von RB Leipzig löste Ralph Hasenhüttl die Aufgabe zwei aus dem Trio Demme, Ilsanker, Keita für die Sechser-Positionen auszuwählen, mit der mathematisch interessanten Anwort, alle drei aufzustellen. Damit das auch mit der Fußball-Arithmetik von nur elf Spielern auf dem Platz zusammenpasste. musste Dominik Kaiser weichen. Naby Keita rückte entsprechend auf die Zehn. Ansonsten blieb alles beim Alten.

Alles beim Alten blieb auch bei den Formationen. Darmstadt spielte mit den Meier-typischen zwei sehr defensiven Viererketten, vor denen sich dann Kleinheisler und Schipplock mühten, den Ballbesitz von RB Leipzig zu stören. Leipzig seinerseits spielte im gewohnten 4-2-2-2. Aktiv in der Balleroberung, sicher im Ballbesitz. Weiterhin bleibt die Verwunderung, dass man diese Mischung schon jetzt mit einiger Routine und Überzeugungskraft abspult.

Wenn man die erste Halbzeit aus der Sicht eines neutralen Fußballfans zusammenfassen wollte, dann würde man wohl zwangsläufig bei ‚langweilig‘ landen. Insgesamt von beiden Teams zwei Torschüsse in 45 Minuten. Es war bei schönstem Sonnenschein nicht gerade ein Feuerwerk der Unterhaltung.

Es war überraschenderweise noch nicht mal großartig intensiv. Das Publikum war anfangs schon gut im Spiel und empörte sich vor allem wegen Schiedsrichterentscheidungen. Im Spielverlauf passte man sich aber dem Geschehen auf dem Platz immer mehr an. Dort mauerte sich Darmstadt in der eigenen Hälfte ein, konnte aber in der ersten Halbzeit praktisch keinen vernünftigen Pass in die RB-Hälfte spielen. Weil man selbst nicht gut genug war und RB in der Umkehrbewegung nach Ballverlust sehr gut arbeitete und keine Räume zuließ.

Offensiv mühten sich die RasenBallsportler nach bestem Wissen und Gewissen, aber die Versuche, es über Poulsen als Prellbock in der Sturmmitte zu lösen, funktionierten in diesem Spiel nicht besonders gut. Poulsen war früh genervt über manche Schiedsrichterentscheidung und sicherte auch nicht so viele Bälle wie gewohnt, sodass das Offensivspiel daran litt, dass Bälle, die vorn landeten, nicht so oft Wege zum eigenen Mitspieler in guten Positionen am Strafraum fanden. Potenziell gab es schon drei, vier gute Situationen mit ein bisschen Platz, aber in den Strafraum hinein spielte man nicht so richtig gut.

Einmal klingelte es nach einer Viertelstunde aber doch im Darmstädter Kasten. Es wäre die verdiente Führung nach einer überlegenen Anfangsphase gewesen. Doch der Linienrichter hatte etwas gegen den Treffer und hatte eine Abseitsstellung gesehen. Fälschlicherweise.

Matchwinner Marcel Sabitzer bedankt sich nach dem 2:0 bei Vorbereiter Oliver Burke. GEPA Pictures - Roger Petzsche

Bis auf zwei Chancen für Bernardo (gleich zu Beginn) und Compper (kurz vor der Pause) plätscherte das Spiel so vor sich hin. Keiner wollte den entscheidenden Fehler machen. RB versuchte über Ballbesitz in die gefährlichen Zonen zu kommen, schaffte es aber kaum. Trotzdem kontrollierte man Spiel und Gegner und ließ praktisch gar nichts zu. Immer noch recht beeindruckend, dass man in dieser Saison in der Lage ist, solche Spiele mit viel Ballbesitz so routiniert abzuspulen.

Die enstcheidende Szene des Spiels spielte sich nach 50 Minuten ab. Denn da kam Marcel Sabitzer ins Spiel und durfte Yussuf Poulsen seinen Arbeitstag beenden. Vielleicht etwas überaschend, dass nicht Selke für Poulsen kam, was der Eins-zu-Eins-Wechsel gewesen wäre. Sabitzer sollte offenbar als zentraler Stürmer eine etwas andere Rolle einnehmen. Nicht so sehr der physische Kontakt mit den Darmstädter Innenverteidigern war gefragt, sondern Beweglichkeit zwischen den Ketten. Anspielstation sein und immer wieder in der Sturmzentrale in die Tiefe stoßen. Vielleicht auch helfen, die Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen, die Hasenhüttl in der ersten Hälfte fehlte.

Das gelang quasi perfekt, denn nachdem Keita und Werner noch direkt nach Sabitzers Einwechslungen mit Schüssen gescheitert waren, machte es der Österreicher besser. Forsberg hatte rechts Werner tief geschickte, der auf seiner Seite einmal mit Geschwindigkeit durchbrechen konnte, den Ball auf Sabitzer in der Mitte passte, der den Ball vor seinem Gegenspieler aus fünf Metern versenkte.

Danach wurde das Spiel etwas offener. Darmstadt versuchte sich immerhin in ein paar Offensivaktionen. Das Maximum an Gefahr, das man heraufbeschwören konnte, waren aber ein paar Standards in Form von Ecken und Freistößen. Die dann aber selbst nicht mehr gefährlich waren.

RB Leipzig hatte das Spiel weiter komplett unter Kontrolle und ließ keine unnötigen Räume zu. Selbst nach der Bernardo-Verletzung nicht, die Hasenhüttl offensiv beantwortete und Burke auf den Platz schickte. Ilsanker ab der 70. Minute so als Rechtsverteidiger. Davor der nicht gerade als defensivstark auffallende Burke. Wenn du auf so ein uneingespieltes Duo für die rechte Seite setzt, musst du viel Vertrauen in deine Spieler haben.

Vertrauen, das sich nach 80 Minuten komplett auszahlte. Ilsanker mit der robusten Balleroberung nahe der Mittellinie. Demme schickte Burke, der seinen Turbo rechts zündet und den Ball vor dem Überschreiten der Torauslinie noch an Sulu vorbei in die Mitte passt. Milosevic denkt sich in der Mitte, dass es doch auch ganz schön ist, sich Sabitzer von hinten anzuschauen. Woraufhin der danke sagt und den Ball aus drei Metern und spitzem Winkel ins Tor löffelt.

Der Rest der Begegnung plätscherte dann so herunter. Darmstadt war bis zum Ende irgendwie um eine Ergebniskorrektur bemüht. Allein es fehlten Qualität, Ideen und Mut, um sich tatsächlich gegen die gut organisierten RasenBallsportler mal entscheidend in Szene zu setzen oder gar den Torschrei auf den Lippen zu haben.

Fazit: Insgesamt mal wieder eine beeindruckende RB-Vorstellung. Nicht weil sie spektakulär war, sondern weil man mit viel Ruhe und Abgeklärtheit den Gegner vom Tor ferngehalten und dann bei den sich bietenden Chancen zugeschlagen hat. Ein völlig verdienter Sieg gegen vor allem in der ersten Hälfte erschreckend harmlose Darmstädter, die in der zweiten Halbzeit etwas mehr in Offensivaktionen investierten, aber insgesamt zu mut- und ideenlos blieben, um eine realistische Chance auf einen oder gar drei Punkte zu haben..

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Randbemerkung 1: Seltsames Bild aktuell, dass die Gegner von RB Leipzig nach Niederlagen nicht so richtig unzufrieden wirken. Schon Bremen ging mit so einer ‚Gegen Leipzig ist eine Niederlage nicht so schlimm und eigentlich haben wir doch gut gespielt‘-Stimmung aus dem Spiel. Und auch in Darmstadt war man nach null Schüssen aufs Tor in 90 Minuten nicht so richtig unglücklich mit dem Spiel. Auch Trainer Norbert Meier bekannte, dass ihn das Pokal-Aus unter der Woche mehr gestört habe. Man hat inzwischen das Gefühl, als gäbe es so eine Art vorauseilendem Gehorsam bei Spielen gegen RB. Seltsam daran, dass wir immer noch über einen Aufsteiger plus Keita und Werner reden, der letzte Saison in der zweiten Liga nur Zweiter hinter Freiburg wurde und sich nicht unbezwingbar gezeigt hatte. Schwer nachvollziehbar, warum in der Bundesliga so ein fatalistischer Umgang mit RB Leipzig gepflegt wird und man die ihnen zugeschriebene Omnipotenz quasi zu glauben begonnen hat. Kann für RB Leipzig aber ja nicht ganz schlecht sein.

Randbemerkung 2: Seltsam auch die Stimmung in Darmstadt, die ähnlich der Mannschaft eher wie angezogene Handbremse wirkte. Der großen Antipode RB Leipzig am vereinsseits ausgerufenen Traditionsspieltag zeigen zu wollen, was eine Harke ist, konnte man aus der Unterstützung jedenfalls nicht entnehmen. Vielleicht liegt das ja aber auch an der neuen Stahlrohrtribüne, die den Support von der Haupttribüne hinter das Tor verlegt hat und die Haupttribüne recht still zurückgelassen hat. War jedenfalls bei RB-Spielen schon mal aufregender in Darmstadt.

Randbemerkung 3: Das fünfte Spiel zwischen Darmstadt und Leipzig. Der vierte Sieg für RB. Erstaunlicher allerdings, dass man schon in dritter, zweiter und nun erster Liga aufeinandertraf. Wer hätte das damals in der Drittligasaison beim ersten Aufeinandertreffen in Darmstadt, als Kaiser per Sonntagsschuss für den Sieg sorgte, geahnt. Schon oft erzählt die Geschichte, vom Darmstädter, der mich in der Straßenbahn mit einem ‚wir sehen uns nächstes Jahr wieder‘ verabschiedete. Und damit wohl eher nicht die zweite Liga meinte. Geschweige denn die erste Liga drei Jahre später. Wahnsinnsentwicklung für einen Klub, der sich 2013/2014 zum Start in die Drittligasaison und in die beiden Aufstiegswunder vor gerade mal 5.200 Zuschauern zu einem 0:0 gegen Elversberg mühte.

Randbemerkung 4: Null Schüsse aufs Tor von Peter Gulacsi. In der ersten Halbzeit nicht mal irgendein Torabschluss. Dazu in der gesamten Partie lediglich 32 erfolgreiche Pässe ins Angriffsdrittel, davon acht(!) in den gesamten ersten 45 Minuten. Die erste Ballberührung eines Darmstädter Spielers im RB-Strafraum gab es laut Sky nach knapp 55 Minuten. Selbst für ein defensiv-abwartendes Team wie den SV Darmstadt 98 war das viel zu wenig, was man aus den Bällen machte, die man dann doch mal in den eigenen Besitz brachte. Klar hat das auch immer was mit dem Gegner zu tun. Aber in dem Fall wohl auch nicht nur.

Randbemerkung 5: Irgendwas mit „Traditionsspieltag“ in Darmstadt. Was man damit demonstriert, dass man an so einem Tag den Spielstand per Hand anzeigt, also Täfelchen aufhängen lässt, erschließt sich nicht so richtig. ‚Hurra, wir hatten früher mal Täfelchen zur Ergebnisanzeige‘?  Was ist die Message? Und was von dieser Message ist relevant für die Gegenwart und die offenbar demonstrative Abgrenzung von RB Leipzig? Man weiß es nicht so recht, aber irgendwie wirkte das alles mit dem alten Stadionheft und Sepia-Farben überall eher bemüht aktionistisch und wenig überzeugend. Liegt aber vielleicht auch nur daran, dass das Traditionsargument in der Debatte um RB Leipzig vielleicht das am wenigsten überzeugendste ist.

Randbemerkung 6: Bitter, dass Bernardo verletzt ausgewechselt werden musste. Wegen irgendwas mit dem Knie. Bitter natürlich für ihn, der sich überraschend souverän rechts hinten als Klostermann-Vertreter festgespielt hatte. Bitter aber auch fürs Team, das nach den Ausfällen von Klostermann und auch Gipson auf den Außenverteidigerpositionen sowieso schon dünn besetzt ist. Fällt jetzt auch noch Bernardo länger aus, wird es sehr eng. Weil dann etatmäßig nur noch Halstenberg und Schmitz übrig bleiben. Oder Hasenhüttl schüttelt wieder so eine überraschende Lösung wie Bernardo aus dem Ärmel. In Darmstadt übernahm Ilsanker. Eine Lösung, die man offenbar im Training schon einstudiert hatte. Wäre konsequent, wenn man bedenkt, dass mit Bernardo auch schon nach der Klostermann-Verletzung ein Sechser übernommen hatte. Aber so richtig die passende Position für Ilsanker ist es auch nicht. Demme würde noch einfallen, aber den möchte man sich von der Sechs gerade auch nicht wegdenken. Im besten Fall ist es bei Bernardo nicht so schlimm und es bleibt bei einem Ausfall von maximal einem Spiel und einer Regeneration über die Länderspielpause nach dem Mainz-Spiel nächste Woche. [Update: Operation und sechs Wochen Pause ist die offizielle Ansage. Damit könnte Bernardo bis zur Winterpause ausfallen. Bitter für alle Beteiligten.]

Randbemerkung 7: Apropos Länderspielpause. Die verbringt RB Leipzig, das steht schon jetzt fest, definitiv auf einem Champions-League- oder Champions-League-Quali-Platz. Sechs Punkte liegt man nach neun Spielen vor Dortmund, acht vor Leverkusen, neun vor Mönchengladbach, dreizehn vor Schalke, fünfzehn vor Wolfsburg. Füge jeder seine eigenen Superlative an dieser Stelle ein.

Randbemerkung 8: Von der Bank ist RB Leipzig bisher das überragende Team der Liga. Immer wieder bringt Ralph Hasenhüttl Lösungen ins Spiel, die dann noch mal zünden. Was aber auch nur deswegen möglich ist, weil er meist offensiv wechselt. Wie zum Beispiel bei der Hereinnahme von Oliver Burke, der für Bernardo kam. Insgesamt sieben Tore und vier Vorlagen kamen bei RB Leipzig in neun Spielen schon von Einwechselspielern. In Darmstadt waren es zwei Tore und eine Vorlage. Topwerte vor Leverkusen und Dortmund mit jeweils vier Toren und vier Vorlagen von der Bank nach neun Spielen. Neidisch gucken da Markus Weinzierl und Dirk Schuster. Bei Schalke und Augsburg kam bisher toremäßig noch gar nichts von der Bank.

Randbemerkung 9: Nach dem neunten Spieltag steht RB Leipzig nun in der ewigen Tabelle der Bundesliga vor Lok Leipzig. Bzw. vor deren Vorgänger, dem VfB Leipzig. Die in 34 Spielen umgerechnet auf die Dreipunktregel 1993/1994 20 Punkte holten. 21 sind es jetzt bei RB schon. Die Gästefans in Darmstadt waren darauf erstaunlicherweise vorbereitet und zeigten gleich mal stolz eine Tapete, auf der auf den neuen Stand in der ewigen Tabelle hingewiesen wurde. Auch eine Art von Selbstbewusstsein, mit dieser Tapete im Arm schon mal nach Darmstadt zu reisen.

Randbemerkung 10: Apropos Tapeten. Durchaus lustiger Diss im Darmstädter Fanblock als Reaktion auf ein paar Tapeten im RB-Fanblock, auf denen sich unter anderem über Äußerungen aus Darmstadt lustig gemacht wurde. Sinngemäß: ‚Wenn ihr hier schon unzensiert Banner zeigen dürft, müsst ihr ja nicht jeden Scheiß drauf malen.‘ Durchaus ein kleiner Treffer. Zumindest mehr Treffer als alles, was in Verbindung mit diesem seltsamen Traditionsspieltagzeugs stand.

Randbemerkung 11: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Ich reise ja jetzt seit 2012 mit RB Leipzig durchs Land. Überwiegend per Zug. Seltenst per Auto. Eigentlich nie ist es dabei sonderlich kompliziert geworden. In Saarbrücken musste ich mich mal sehr beeilen (um dann die Niederlage gegen Elversberg zu sehen, hahaha), weil ich einen Anschluss verpasst hatte, aber ansonsten war es bei handgeschätzt locker 60 Reisen immer in Ordnung. Auch weil man sich bei der Reiseplanung immer ein wenig Puffer gibt, den ich normalerweise nutze, um mich noch in der Stadt umzugucken. Bei der Fahrt nach Darmstadt ging dann diesmal trotz vier Stunden Puffer alles schief. Ein Personenschaden, wie es Neudeutsch heißt, stoppte meinen Zug in Eisenach und ließ uns zurück nach Erfurt gondeln. Wo man uns in den zwei Stunden später in Leipzig abgefahrenen ICE verfrachtete. Der dann nicht über Eisenach, sondern über irgendeine Ausweichstrecke über die Dörfer tuckelte. Ergebnis: noch mal zwei Stunden Verspätung. Machte vier Stunden Verspätung auf drei Stunden Fahrtstrecke bis Frankfurt. Nicht schlecht. Führte dann zu einer Hochgeschwindigkeits-Fahrt mit dem Taxi nach Darmstadt. Pünktlich zum Anpfiff dann Landen vor dem Stadion. Schnell zwei Frust-Sturzbier von der Tanke und den Weg um das Stadion genommen (wer schon mal in Darmstadt war, hat eine Idee, dass das ein Eckchen ist). Machte am Ende eine Ankunft im Stadion mit zehn Minuten Verspätung. Aber der Weg um das Stadion herum war mit dem Versuch, aus der Atmosphäre den Spielversuch abzulesen, auch nicht unspannender als das Spiel in der ersten Hälfte. Ich könnte jetzt von der Rückreise noch was über die Besonderheiten einer „Drehfahrt“ erzählen, aber das führt vielleicht etwas arg weit..

Lichtblicke:

  • Marcel Sabitzer: Zwei Wochen nach seinem Außenbandriss im Spiel in Wolfsburg meldete sich der Österreicher gestern wieder einsatzbereit (‚bisschen Tape drum, das geht schon‘). Und wurde zum Dank von Hasenhüttl fünf Minuten nach der Pause eingewechselt. Brachte noch mal Bewegung in die Räume zwischen den Ketten und wurde zum Matchwinner. Zwei Tore, vier Torschüsse, zwei Torschussvorbereitungen. Sabitzer brachte offensiv mehr zustande als das ganze Darmstädter Team in 90 Minuten. Profitierte bei seinen Toren natürlich auch von guten Vorlagen von den Außen. Läuft da aber auch perfekt ein und löst sich sehr gut vom Gegenspieler. Und macht die Bälle dann auch rein. Auch schon wieder an acht Saisontoren beteiligt, davon an sechs durch Tor oder Vorlage direkt.
  • Stefan Ilsanker: Sehr gute Partie im zentralen Mittelfeld. Nicht nur wie gewohnt als Balleroberer und Räumeschließer, sondern auch als Ballverteiler. Sehr viele Ballkontakte (auf Augenhöhe mit Demme), sehr gute Passquote. Brachte viel Stabilität ins Mittelfeld und löste später auch die Aufgabe auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition souverän. War zudem an beiden Toren in der Entstehung beteiligt. Beim 2:0 war er für den  entscheidenden Ballgewinn verantwortlich.
  • Marcel Halstenberg: Läuft aus meiner Sicht immer ein bisschen unter dem Radar, weil er offensiv (noch) nicht die effektive Waffe ist, die er sein könnte. Spielt aber schon über große Teile der Saison eine sehr souverän-routinierte  Rolle links hinten. So auch in Darmstadt, wo er viel ins Spiel eingebunden wurde. Viele Ballkontakte, sehr gute Zweikampfquote, einige Offensivaktionen. Vielleicht ist das größte Kompliment, das man ihm machen kann, dass es hinsichtlich der Linksverteidigerposition im Kader von RB Leipzig gar keinen Gesprächsbedarf gibt.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des Spiels in Darmstadt bei fan-arena-com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 0:1 Sabitzer (57.), 0:2 Sabitzer (82.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo (70. Burke), Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Keita, Forsberg – Werner (86. Selke), Poulsen (51. Sabitzer); Bank: Coltorti, Schmitz, Kaiser, Papadopoulos; Nicht im Kader: Klostermann, Gipson (beide verletzt), Müller, Khedira, Boyd, Kalmár

Aufstellung Darmstadt 98: Esser – Höhn, Milosevic, Sulu, Guwara – Gondorf (73. Vrancic), Jungwirth – Ben-Hatira, Kleinheisler, Bezjak (79. Heller) – Schipplock (65. Colak)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Bestätigte den Eindruck des Heimspiels gegen den BVB, eher kleinlich zu pfeifen. Was Poulsen schon früh entnervte und am Rande des Platzverweises wandeln ließ. Bei den individuellen Strafen nicht immer nachvollziehbar. Luftduelle schienen zwangsläufig gelb zur Folge zu haben, was aus Stadionsicht zumindest bei Compper ziemlich daneben war. Andere Fouls wie ein gleichsam taktisches wie ordentliches am Darmstädter Strafraum hatten keine Karte zur Folge. Bei der Abseitsentscheidung in der ersten Halbzeit Pech gehabt, die enge Situation vor dem Tor abgepiffen zu haben. Bei einem hohen Bein im Strafraum gegen Keita hätte es wohl mindestens indirekten Freistoß geben dürfen. Insgesamt nicht ganz glücklich, aber alles in allem trotzdem das Spiel souverän über die Bühne gebracht.)

Gelbe Karten: Gondorf, Schipplock, Höhn, Ben-Hatira – Compper (3.), Poulsen (1.)

Zuschauer: 16.400 (davon 1.200 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, D98-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 4 : 11
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 3 : 7
  • Schüsse auf das Tor: 0 : 4
  • gewonnene Zweikämpfe: 47,4% : 52,6%
  • Ballbesitz: 39,0% : 61,0%
  • Passquote: 54,1% : 75,0%
  • Laufstrecke: 110,3 km : 113,4 km
  • Sprints: 173 : 193
  • Intensive Läufe: 552 : 541
  • Fouls: 12 : 15
  • Ecken: 2 : 6
  • Abseits: 3 : 7
  • Meiste Torschüsse: Ben-Hatira: 2 – Sabitzer: 4
  • Meiste Torschussvorlagen: Milosevic, Guwara, Schipplock: je 1 – Halstenberg, Keita, Werner, Sabitzer: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Vrancic: 90,0% – Halstenberg: 66,7%
  • Meiste Ballkontakte: Höhn: 63 – Demme: 99
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Milosevic: 75,0% – Orban: 84,1%
  • Größte Laufstrecke: Kleinheisler: 10,9 km – Demme: 12,2 km
  • Meiste Sprints: Ben-Hatira: 29 – Werner: 29

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner, Forsberg, Keita, Sabitzer – je 3; Selke – 2; Kaiser, Burke, Poulsen – je 1

Saisonvorlagengeber: Sabitzer – 3; Forsberg, Demme, Poulsen, Burke, Werner – je 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme, Forsberg – je 5; Ilsanker – 4; Orban – je 3; Compper, Sabitzer, Halstenberg, Kaiser, Gulacsi – je 2; Keita, Poulsen, Bernardo – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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5 Gedanken zu „Bundesliga: SV Darmstadt 98 vs. RB Leipzig 0:2“

  1. Zum Thema „hohes Bein gegen Keita“:
    Irgendwo hab ich heute gelesen, dass das es nicht nur gefährliches Spiel war, was ja einen indirekten Freistoß zur Folge hätte. Da Keita getroffen wurde, ist es ein Foulspiel und somit direkter Freistoß, was im Stafraum gleichbedeutend mit Elfmeter ist…

    Ansonsten, danke für den informativen Spielbericht und die interessanten Randbemerkungen.

  2. Drehfahrt?

    So eine gute Analyse und ich wollte mit einstimmen, aber nun nach der Nachricht von Bernado suche bestimmt nicht nur ich den Panikbutton. Mal wieder.

    Aber gut, trotzdem zum Spiel. Ich habe mir die 2. Halbzeit nochmals angesehen. Was mich wirklich stark beeindruckt, wie Hasenhüttl das Spiel in der 1. Halbzeit gesehen hat und nun reagierte. Mein erstes „Wie, warum Sabitzer so früh für Poulsen?“ nach ein paar Minuten. Aber alles richtig damit. YP stand mMn vor gelb-rot und mit Sabitzer kam ein andere Angreifer wie es hätte Selke sein können.
    Die Art und Weise vor dem 1:0 war typisch RBL. Forsberg, der kaum in Erscheinung trat, mit dem Geistesblitz, der Rest war fast zu einfach.
    Beim 2. Wechsel wurden meine Augen noch größer. Burke für Bernado bei 1:0 Führung?! Aber ich habe nicht die Ahnung vom Fußball wie Hasenhüttl. 😉
    Dabei ist es so einfach. Burke kam eher für Keita, damit Naby auf der Bremen-Position spielen kann und Ilse bleibt drin, wegen den hohen Bällen. Und ja, Du hast Recht. Niemand hätte dies für möglich gehalten, das Ilse und Burke auf der rechten Seite spielen würden. Und dann das 2:0.
    In der 2. Liga hätten sie vielleicht Foul gepfiffen, aber Ilsanker macht das hart aber fair. Und da geht sie ab die schottische Rakete.

    Wenn ich mir die Torschützen und die Vorbereitungen in Deiner Statistik so ansehe, kann man nur staunen, was für eine Qualität RH da zur Verfügung hat bzw. wie die Jungs das umsetzen.

    Dazu die Defensive. Wieder zu 0, wieder Gulacsi ohne Arbeit. Jetzt mit dem Ausfall von Bernado muss RH wieder umstellen, aber er wird sich schon das richtige einfallen lassen bzw. wir werden wieder staunen 😉
    Hoffentlich.

    1. Der Frust war größer als die eine Minute Ersparnis, die ein Auslassen der Tanke bedeutet hätte. 😉

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