Zwischen Nürnberg, Bremen und Felsenkeller

Knapp vier Monate ist es nun her, dass ich eine Nachricht der Deutschen Akademie für Fußballkultur erhielt. Die Akademie vergibt jährlich einen Fanpreis. Vom Fangesang über das Fanzine und die Choreo bis hin zu Comics oder Hörspielen wurden in den letzten Jahren schon einige Preise vergeben. Diesmal entschied man sich dafür, den besten deutschsprachigen Fußballblog zu prämieren.

Dafür nominierte man eine bunte Mischung aus 24 Blogs, zu denen ich, so sagte es mir die Nachricht der Akademie, dank Klaas Resse, der einen Hälfte von Collinas Erben, als Juror, der mich nominierte, gehören durfte. Aus den 24 nominierten Blogs wurden später noch mal elf ausgewählt, die in die (zahlentechnisch fußballtypische) Endrunde einzogen.

Auch hier durfte ich zum ziemlich illustren, aber auch bunten Kreis an Kandidaten zählen. Eine Bauchstreicheleinheit der besonderen Sorte. Wobei solche Auswahlen natürlich auch immer hochgradig subjektiv sind. Sodass solch tolle Orte im Internet wie der von Heinz Kamke rund um den VfB Stuttgart oder dem Königsblog rund um Schalke 04 oder dem Übersteiger rund um St. Pauli noch nicht mal vertreten sind.

Mal ganz abgesehen von der Diskussion, was denn eigentlich ein Blog überhaupt ist, die einst im Sportbloggernetzwerk – Gott habe es selig – gern geführt wurde. Und so ihre Fallstricke hatte. Sind Portale wie turus und schwatzgelb noch Blogs? So würde die Frage wohl in Bezug auf die Nominierungen lauten. Und was ist dann (abgesehen von Fußball) ihre gemeinsame Ebene mit einem idealtypischen Blog wie dem vom Trainer Baade?

Letztlich aber wohl auch mühselige, recht akademische Fragen, weil die Abgrenzung immer irgendwo schiefgehen muss. Am Ende geht es wohl eher darum, einer bestimmten Art von subjektivem Online-Fanblick auf Fußball und verschiedenste seiner Randerscheinungen eine Plattform zu geben. Und dann scheiden sich die Geister nicht daran, was ein Blog eigentlich ist, sondern daran, ob sie das, was sie sehen, gut finden oder nicht. Zumal ja Bloggen nur die Technik beschreibt, das Internet chronologisch vollzuschreiben.

Nun, egal wie. Am Ende holte sich das textilvergehen aus Berlin die mit dem Fanpreis verbundenen 5.000 Euro und den Online-Fame. Wobei sie letzteres gar nicht nötig haben. Denn seit 2007 wird dort in wachsender Besetzung das Internet vollgeschrieben und später auch per Podcast vollgesprochen. Keine Ahnung, wann ich das erste Mal über das textilvergehen stolperte, aber es war definitiv eine der ersten Blogadressen, die ich wahrnahm und an der Lust, die Dinge dort zu lesen oder zu hören, hat sich wenig geändert. Vielleicht kann man sogar sagen, das textilvergehen hätte mich immer wieder inspiriert. Auch inhaltlich, aber vor allem durch die spürbare und ansteckende Lust am Schreiben und an der Beschäftigung mit dem Fußball. In dem Fall halt mit Union, aber das sollte man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Wenn man das textilvergehen zum besten deutschsprachigen Blog wählt, dann kann man eigentlich nichts falsch machen. Niemand wird ein ‚Äh, warum denn die?‘ loswerden wollen. Es gibt wenig konsensfähigeres als diese Wahl. Mein persönlicher Favorit wären aber dennoch die gewesen, die letztlich auf Platz 2 einkamen.

120minuten | Lange Texte. Über den Fußball. Mit dem Titel ist eigentlich alles gesagt, was man über die Seite und ihren Versuch, lange Texte zu unterstützen und zu schreiben, wissen muss. Dass sie mein persönlicher Favorit gewesen wären, liegt nicht daran, dass ich sie für besser oder was auch immer als das textilvergehen halte. Es hat eher damit zu tun, dass diese Art des leicht abseitigen Beschäftigens mit dem Fußball auf analytischer oder beschreibender Ebene es für mich am stärksten braucht, auch nachhaltig finanziell unterstützt zu werden, um die Arbeit an den aufwändigen Projekten und Plänen zu vereinfachen.

Als Vereinsblogger hat man meist sowieso eine ganz gute Basis an Menschen, die einem gewogen sind und im Fall der Fälle aus der Patsche helfen. Einer Seite wie 120minuten fehlt da in der Nischennische ein wenig die Identifikationskraft, die sonst über einen gemeinsamen Verein hergestellt wird. Eine Nische, bei der es sich besonders gelohnt hätte, ihre Existenzgrundlage (jenseits des Spaßes an der Sache an sich) zu stärken.

Abgesehen davon habe ich nichts zu meckern (wenn die gerade gemachten Anmerkungen schon als Meckern durchgehen). Wozu auch bei einer Wahl, die immer auch an den Vorlieben und Interessen der Wählenden hängt. Die hinter dem textilvergehen und 120minuten die Seite fussball-gegen-nazis.de gesehen haben (auch hier ist der Name Programm). Gefolgt von dem großartigen Wochenendrebell, der neben einigem anderen mit seinem Sohn Fußballspiele besucht und entsprechende Groundhoppingberichte schreibt.

Jens Weinreich, einer der profiliertesten Sportjournalisten des Landes, der bei vielen Themen der Sportpolitik immer wieder eine enorme Fähigkeit zur Einordnung der Dinge beweist, gehört auch zur Top11. Genauso wie die Taktierer von spielverlagerung.de, das BVB-Fanportal schwatzgelb, der geschätzte und gern und vor allem via Twitter auch mal poltrige Trainer Baade, der VfB-Blogger Christian Prechtl und Bayern-Urgesteinblogger Breitnigge, der in jüngerer und nicht mehr ganz jüngerer Vergangenheit nicht mehr so viel bloggt wie früher, als er mit seiner Meinungsstärke noch das Online-Bayernumfeld stark mitprägte.

Die verlinkten Blogs sind ein guter Start in die vielseitige und meist auch interessante Welt von Sport- und insbesondere Fußballbegeisterten. Wer mehr braucht, findet mehr in der schon oben verlinkten Nominierungsliste oder der Blogroll hier im Blog oder auf den meisten der anderen Seiten.

Wer wissen will, wie das textilvergehen aussieht und was sie an Grimassen machen oder Fangesängen vortragen, wenn man ihnen den Preis übergibt, der wird in diesem Internet auch fündig. Denn die Akademie für Fußballkultur veranstaltet morgen Abend (Freitag, 21.10.2016) eine Gala, die per Stream übertragen wird. Neben dem Fanpreis für die Blogger werden noch diverse andere Preise überreicht und kann man Katrin Müller-Hohenstein moderieren und Sir Alex Ferguson auch irgendeinen Preis empfangen sehen. 20 Uhr geht es los. Ich werde mir das mal aus der Nähe ansehen (Glück gehabt, dass kein RasenBallsport parallel ist) und bin dann der, der im Publikum immer in die Kamera winkt (‚Hallo Mutti, ich bin im Fernsehen‘).

Zurück in Leipzig

Wenn wir schon bei Klaas Reese waren, ist der Weg zu Alex Feuerherdt, der anderen Hälfte von Collinas Erben, dem Schiedsrichter-Podcast nicht mehr weit. Schon gar nicht wenn der mal in Leipzig weilt. Was er gelegentlich tut. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, bei der er in Conne Island mit Chemie-Capo, Schalke-Ultra und einer aktiven Fußballfanin aus Österreich diskutierte. Über den Zustand der Ultra-Kultur und den Formen ihrer Kritik am modernen Fußball.

Keine ganz uninteressante Veranstaltung, bei der aber irgendwie die Vermittlung zwischen Feuerherdt und Rest fehlte, weil der eine eine abstrakte Kritik formulierte und die anderen eher über Phänomene und Gruppenstrukturen redeten. Durchaus aufschlussreich der Schalke-Vertreter, der (ungewollt) ein bisschen vermittelte, dass ihre Grenzen, die sie in der Modernisierung des Fußballs akzeptieren oder eben nicht, sich mit der Entwicklung des Fußballs mitverschieben. Sprich, das Szenario von ‚dann kommen wir eben nicht mehr, wenn das und das gemacht wird‘ vermutlich nie passieren wird. Weil immer irgendwas festhaltenswert bleibt. Und sei es die eigene Gruppe.

Aber das nur am Rande, ich schweife wohl ab. Denn eigentlich ging es hier um den Hinweis, dass Alex Feuerherdt wieder mal in der Stadt ist. Mit einem Vortrag, der sich direkter mit RB Leipzig beschäftigt als jene Diskussion damals im Conne Island. Bzw. mit der Kritik am Verein und den Bildern und Argumentationen, die damit verbunden sind. Ein Heimspiel der anderen Art sozusagen. Das am kommenden Mittwoch (26.10.2016), ab 19 Uhr im Felsenkeller in Plagwitz unter dem Titel „RB Leipzig – der Untergang des Fußballs?“ stattfinden wird.

Ich selbst darf nach Stand der Dinge in die Veranstaltung einführen, weswegen mir ein Plätzchen im Saal reserviert sein dürfte. Wer sich den Vortrag auch gern anhören möchte, soll sich bitte unter feuerherdtleipzig@mail.de anmelden, lassen die Veranstalter ausrichten. Am besten bis zum Ende dieser Woche. Es geht dabei darum, dass man weiß, wie viel Platz man für die Veranstaltung braucht. Wer also sicher dabei sein und sich geistige Anregung holen will, nutze unbedingt die Möglichkeit der E-Mail-Anmeldung.

Und zwischendrin so

Zwischen Nürnberg und Felsenkeller hat der Spielplangott noch ein Heimspiel gelegt. Auf den Sonntag. Gegen Werder Bremen. Ganz der letztens auch noch mal auf einer Veranstaltung mit Oberbürgermeister Jung geäußerten Forderung, sich als Verein in der Region zu verankern und zu vernetzen, wird es dabei eine von Verein und Fanverband unterstützte Spendenaktion geben (wobei anzumerken ist, dass RB Leipzig im Bereich der Wohltätigkeit und der Unterstützung sozialer Projekte in der Vergangenheit nie als sonderlich knausrig aufgefallen ist).

Hierbei kann man seinen Pfandbecher an entsprechenden Sammelstellen abgeben. Mit den daraus gewonnenen Einnahmen wird dann der Verein „Paulis Momente hilft“ unterstützt. Nie war Spenden einfacher. Eine Aktion, bei der es nur Gewinner gibt. Wenn man mal von eifrigen Pfandsammlerkids absieht, denen dadurch vielleicht ein paar Einnahmen entgehen (wobei mir die schon lange nicht mehr aufgefallen sind).

Der Verein „Paulis Momente hilft“ wurde einst als private Initiative von Eltern ins Leben gerufen, die ihren Sohn an den Krebs verloren hatten (die längere Geschichte gibt es hier, Tränchen beim Lesen gibt es inklusive) und hat sich der Aufgabe verschrieben, mittels verschiedener Projekte schwerkranke Kindern auf ihrem Weg mit der entsprechenden Krankheit zu begleiten, sie zu stützen und ihnen im Alltag beispielsweise durch Erfüllen von Wünschen zur Seite zu stehen. Dass das unterstützenswert ist, kann man wohl als Konsens unterstellen. Inwieweit da Becher gespendet werden, muss wie immer jedeR selbst entscheiden.

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RB Leipzig - der Untergang des Fußballs?

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3 Gedanken zu „Zwischen Nürnberg, Bremen und Felsenkeller“

  1. Schade, dass es bei dir nicht für das Treppchen gereicht hat! Aber schon allein die Nominierung ist eine schöne Bestätigung deiner Arbeit. Wie so oft, auch hier nochmal…Danke für Alles!

    Auch mal schön zu wissen, was sonst in der Blogger-Welt so abgeht und deine Ausführungen dazu!

    Die Pauli-Geschichte ist wirklich nahe Tränenbereich 🙁
    Ein Projekt was definitiv unterstützt werden sollte.

  2. Die Fahrt nach Nürnberg zu dieser Veranstalltung hast Du Dir völlig zu Recht verdient! Hätte Dich zwar auch weiter oben erwartet (gehofft), aber die Konkurenz ist auch stark. 120Minuten hatte ich bis dato noch nicht auf dem Schirm, kommt jetzt aber.
    Laß die Korken knallen und ehe ich HSV schaue, dann den Stream mit Dir, KMH und den anderen Bloggern 😉

    Auf Axel F. freue ich mich auch schon, Anmeldung ist schon raus. Naumanns scheint mir eher zu klein dafür, vlt. geht es noch in den großen Saal.

    Und am Ende Deines Bloges, diese traurige Geschichte. Diese Spendenaktion können sie gerne jeden Spieltag wiederholen. Werde auf jedenfall etwas mehr trinken 😉

  3. Während ich mir Freitag Abend das Maltritz-Bild im neuen Fotobuch zum VfL Bochum „Schusswinkel 1848“ (http://vflbochumfotobuch.de/) direkt vom „Marcel Maltritz Fussballgott“ signieren lies, hast du hoffentlich parallel dazu ein Selfie mit Ferguson geschossen.

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