Bundesliga: RB Leipzig vs. FC Augsburg 2:1

Sechster Spieltag in der Bundesliga schon. Zum ersten Mal musste oder durfte dank gutem Saisonstart RB Leipzig als Favorit in ein Spiel im Oberhaus gehen.

Ralph Hasenhüttl dachte sich für dieses Spiel gleich fünf Änderungen im Vergleich zur Startelf in Köln aus. Bernardo durfte wieder von Anfang an ran. Diego Demme ersetzte auf der Doppelsechs Ilsanker. Forsberg kam nach leichter Gehirnerschütterung für Kaiser ins Spiel. Yussuf Poulsen rückte zurück in die Startelf, wo ihn in Köln Selke vertreten hatte. Und auch Timo Werner war wieder zurück und verdrängte Oliver Burke auf die Bank.

Insgesamt eine Formation, die vor allem der vermuteten Aufgabe gerecht werden sollte, im Spiel mit dem Ball Lösungen zu finden und so einen defensiv orientierten Gegner zu schlagen. Gerade die Hereinnahmen von Demme und Forsberg folgten diesem Ziel deutlich. Die Doppelsechs Keita und Demme ist vielleicht das spielstärkste, was man dort aktuell bei RB Leipzig aufbieten kann.

Augsburg auf der anderen Seite veränderte fast nichts. Nur den bitteren Ausfall von Raul Bobadilla musste man auffangen. Philipp Max kam dadurch zu seinem zweiten Einsatz in dieser Saison.

RB Leipzig im gewohnten 4-2-2-2 mit relativ flexibel an die jeweiligen Erfordernisse anpassbarer Ordnung. Beim FC Augsburg war es das gewohnte 4-4-2, das aber gar nicht mal so tief interpretiert wurde, wie man hätte vermuten können.

Das Spiel begann aus RB-Sicht eher nervös. Was sowohl am Spiel mit als auch am Spiel ohne Ball lag. Auf der einen Seite spielte man mit dem Ball spätestens ab der Mittellinie immer wieder etwas zu überhastet und ungenau. So als ob es ihnen tatsächlich ein wenig fremd ist, mit dem Ball agieren zu müssen. Auf der anderen Seite führte die spielstarke Formation auch dazu, dass man gegen den Ball nicht dieselbe Konsequenz und Aggressivität an den Tag legte, wie in manch anderem Spiel zuvor.

Augsburg auf der anderen Seite versuchte von Beginn an Fußball zu spielen, agierte immer wieder nach Ballgewinnen gut nach vorn, ließ den Ball laufen und nahm die Außenspieler mit. Bis zum Strafraum sah das sehr gefällig und abgeklärt aus. Nur danach trat das in dieser Saison schon gewohnte Problem der Augsburger zutage, dass man oft einfach nicht durchschlagskräftig ist.

Durch die Leipziger Ungenauigkeit im Spiel und die Augsburger Bemühungen Fußball zu spielen, entstand ein erstaunlich und unerwartet offenes, auf und ab wogendes Spiel und nicht das zu erwartende Herumspielen um den Augsburger Strafraum.

Etwas aus der Kalten angesichts der frühen Spielentwicklung mit ungenauen Leipzigern und gefälligen Augsburgern das 1:0 für RB Leipzig nach bereits 11 Minuten. Halstenberg hatte den Ball schön an den Strafraum gespielt, wo ihn Poulsen in einer für ihn diese Saison typischen Aktion in den Rückraum prallen lässt. Sabitzer verschafft sich durch eine prima Körpertäuschung Platz für einen Schuss aus 20 Metern. Hitz kann den platzierten Ball nur zur Seite abwehren. Wo die Augsburger Defensive Forsberg aus den Augen verloren hat, der den Ball aus kurzer Distanz an Hitz vorbei im kurzen Eck unterbringt.

Perfekter hätte der Spielbeginn gar nicht sein können, als möglichen Defensivbemühungen des Gegners früh den Zahn zu ziehen und sich durch die Führung in eine Position zu bringen, aus der heraus man tatsächlich auf Spielsituationen warten kann, in denen man auf seine Geschwindigkeit in der Tiefe setzt.
Mal wieder an den RB-Toren direkt beteiligt und auch ansonsten extrem auffällig: Marcel Sabitzer. | GEPA Pictures - Roger Petzsche.

Dumm nur, dass schon drei Minuten später die Ausgangslage wiederhergestellt war. Einen von Orban abgewehrten Ball spielt der Augsburger Spielgestalter Daniel Baier rechts raus zu Ji. Der wartet dort solange bis Verhaegh von hinten hinterläuft und so eine 2:1-Situation gegen Halstenberg herstellt. Halstenberg spekuliert auf den Ball zu Verhaegh, doch Ji nutzt die zwei, drei Meter Platz die er kriegt, weil Halstenberg keine Hilfe von einem Mitspieler ereilt und schießt den Ball einfach von halbrechts aus 16 Metern in den linken Winkel. Tolles Tor, aber innerhalb des Strafraums auch nicht gut verteidigt. Was man noch nicht mal Halstenberg zum Vorwurf machen kann. Da stimmte kurz einfach nicht die Aufteilung in der Defensive.

1:1 statt 0:0 und deswegen geht das Spiel eben weiter wie vor dem 1:0. RB Leipzig müht sich um den Spielaufbau und gewinnt dabei nach und nach mehr Sicherheit. Augsburg auf der anderen Seite findet auch unter Druck immer wieder Lösungen, den Ball laufen zu lassen und wenn man dann doch mal in gefährliche Situationen kommt, tut es auch der lange Ball. Eine kurzweilige, aber irgendwie auch seltsame Partie entsteht, von der man irgendwie nicht so richtig weiß, was eigentlich ihre Storyline ist.

Zwischendurch köpfte Werner mal an die Latte, was aber nichts an dem Gesamteindruck änderte, dass es viel hin und her ging und wenig Ruhe ins Spiel kam. Was man vor dem Spiel nun wirklich nicht ahnen konnte.

Spätestens ab der 30. Minute übernahm dann RB Leipzig komplett die Partie. Der Ballbesitz wurde sicherer, weil man auch nicht mehr krampfhaft versuchte, den Ball tief in die Spitze zu spielen, sondern vor allem über Demme und Keita das Spiel an sich riss. Defensiv arbeitete man im Gegensatz zu mancher Szene zuvor sicher und fing alles ab, was da so auf die RB-Verteidiger an Bällen zuflog.

Gefährlich wurde das Spiel von RB Leipzig aber erst wieder kurz vor der Pause. Der famose Forsberg hätte nach 40 Minuten fast mit einer Einzelaktion das 2:1 erzielt. Timo Werner bekam ein paar Minuten später aus Nahdistanz völlig freistehend nicht mehr genug Druck hinter den Ball.

Mit 1:1 ging es in die Kabine, was in Ordnung ging, sich aber in der Viertelstunde vor der Halbzeit durchaus auch hätte ändern können. Wobei der Steigerungslauf, den RB Leipzig in der ersten Halbzeit betrieb und der dazu führte, dass man das Gefühl bekam, das Team lerne von Minute zu Minute hinzu und erarbeite sich Lösungen für das Spiel, die man am Anfang noch nicht hatte, stilbildend für die zweite Halbzeit werden sollte.

Denn in der spielte praktisch nur noch RB Leipzig. Bis kurz vor Ende schoss Augsburg nun gar nicht mehr Richtung Gulacsi-Tor. Entgegen kam RB Leipzig dabei, dass man früh in der zweiten Hälfte schon wieder in Führung ging. Nachdem Sabitzer bei zwei Schüssen noch an Hitz gescheitert war, besorgte Poulsen nach knapp 52 Minuten das 2:1.

Wie schon in Hamburg beim Führungstreffer so auch gegen Augsburg Diego Demme wieder mit dem entscheidenden öffnenden Pass auf Forsberg aus dem Mittelfeld heraus, der auf Sabitzer weiterleitet. Der Österreicher mit unnachahmlicher Bewegung quer zum Strafraum um die Gegenspieler herum und prima Auge für Poulsen. Der auf den ersten drei Metern im Strafraum schneller als Verhaegh. Und der halbe Meter Vorsprung reicht ihm, um den Ball wie Osako bei seinem Tor für Köln gegen RB im kurzen Eck unter der Latte zu versenken.

Der Rest des Spiels ist dann schnell erzählt, weil Leipzig im Gegensatz zur ersten Halbzeit nun tatsächlich die Fäden in den Händen behält und auf das entscheidende dritte Tor lauern kann. Werner, Bernardo, Keita und Poulsen verpassen aber die Entscheidung bei ihren Möglichkeiten. Andere im Ansatz gefährliche Situationen in den Räumen, die Augsburg nun aufmacht, werden nicht gut genug ausgespielt.

In den letzten zehn Minuten das aus den letzten Spielen immer mal wieder gewohnte Bild, dass sich RB Leipzig auf einen Schlagabtausch einlässt und bei diesen Versuchen, immer wieder schnell zu spielen, den Ball nicht gut kontrolliert und so den Gegner immer wieder in Ballbesitz bringt. Vor allem in Momenten, in denen man selbst nicht so gut geordnet ist.

Und so kriegt Augsburg tatsächlich in der 90. Minute den einzigen Torschuss der 2. Halbzeit und damit die Chance zum 2:2. Was den Spielverlauf mal eben ordentlich auf den Kopf gestellt hätte. Ausgerechnet Teigl leitet den Angriff ein. Altintop flankt in die Mitte, wo Finnbogason aus 12 Metern freistehend abziehen kann. Aber er trifft den Ball nicht, sodass Gulacsi noch einen gehaltenen Torschuss für die Statistik einsammeln und auf den Schlusspfiff zwei Minuten später warten kann.

Es war für RB Leipzig sichtbar schwer, in diese Partie und vor allem die Erfordernisse des Ballbesitzes hineinzukommen. Man hatte auch früh immer mal wieder schon Stafetten, aber irgenwann spielte man immer zu ungenau, sodass man sich das Leben schwer machte. Im Laufe der Partie fand man immer bessere Lösungen. In der zweiten Halbzeit nutzte man dann noch stärker Poulsen als Prellbock, der Bälle ablegt, Mitspieler mitnimmt und Lücken reißt. Auch im Gegenpressing machte man nun viel richtig, sodass nach Ballverlusten lange wenig bis keine Gefahr durch Augsburg entstehen konnte.

Vielleicht ist das beeindruckendste an dieser Partie, wie RB Leipzig an einer bisher ungewohnten Aufgabe gewachsen ist und im Laufe der Partie immer wieder gute Lösungen mit dem Ball am Fuß gefunden und sich immer wieder Chancen herausgearbeitet hat. 13 Torabschlüsse von innerhalb des Strafraums standen am Ende zu Buche. Was ja immer ein wenig ein Indiz dafür ist, wie gut man sich in torgefährliche Zonene gespielt hat. Zuvor hatte Augsburg als viertbestes Team der Liga in dieser Kategorie im Schnitt gerade mal sechs Schüsse von innerhalb des Sechzehners auf das eigene Tor pro Spiel zugelassen.

Auch die defensive Absicherung des Spiels mit dem Ball wurde im Laufe der Partie besser. Weil man nach Ballverlust gut nach vorn verteidigte. Und die Abwehrkette einen guten Job machte. Zwei Schüsse auf das Tor von Gulacsi ließ man zu. Einer war früh drin und der andere kam kurz vor dem Schlusspfiff.

Fazit: Ein völlig verdienter Sieg für RB Leipzig, nachdem man vor allem in der zweiten Halbzeit das Spiel deutlich dominieren und sich diverse Chancen erarbeiten konnte. Wenn sich die RasenBallsportler an diesem Tag, an dem sie zeigten, dass sie nicht nur schnellen Fußball, sondern auch kombinierenden Fußball spielen können, etwas ankreiden lassen müssen, dann dass sie nicht schon früher in der zweiten Halbzeit den Sack zugemacht hatten. Wenn Finnbogason das in der 90. Minute bestraft, wird es ganz bitter. So blieb es beim 2:1, das man sich ab der 30. Minute redlich verdient hatte.

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Randbemerkung 1: 12 Punkte nach sechs Spielen. Und das völlig verdient und nicht irgendwie ermauschelt oder mit Glück geholt. Mit Glück wären es eher noch mehr gewesen. Das ist schon eine ziemlich unglaubliche Startbilanz, die so beileibe nicht zu erwarten war. Wie schnell das Team erwachsen geworden ist und völlig unterschiedliche Herausforderungen annimmt, ist durchaus beeindruckend. Mal sehen, wie das dann in zwei Wochen weitergeht.

Randbemerkung 2: Es ist ein Neulingsrekord, den RB Leipzig aufgestellt hat, kein Aufsteigerrekord. Aber das im Gegensatz zu mancher Medienschlagzeile festzustellen, ist wohl das berühmte Anrennen gegen Windmühlen. Fakt ist, dass noch nie ein Neuling (also ein erstmals in die Bundesliga aufgestiegenes Team) sechs Spiele lang ungeschlagen geblieben ist, wie es RB Leipzig nun getan hat. Fakt ist aber auch, dass es Aufsteiger (also Rückkehrer in die Bundesliga) gab, die schon stärker starteten. Frankfurt blieb zuletzt 2012/2013 als Aufsteiger auch sechs Spiele am Stück ungeschlagen (bei fünf Siegen und einem Unentschieden). Kaiserslautern schaffte 1997/1998 gar sieben Spiele (bei sechs Siegen und einem Unentschieden). Und das sind nur die Teams, die spontan in den Sinn kommen.

Randbemerkung 3: In einer Tabelle hat RB Leipzig durch den Sieg gegen Augsburg den letzten Tabellenplatz verlassen. In der ewigen Bundesligatabelle. Da hat man nun nach sechs Spieltagen schonTasmania Berlin überholt. Acht Punkte sind es noch auf den Drittletzten. Der heißt Lok Leipzig..

Randbemerkung 4: Klar, RB Leipzig ist kein ganz normaler Neuling, wenn man im Sommer mal eben 50 Millionen Euro für Transfers auf den Tisch legt. Macht die Leistung bisher trotzdem nicht weniger beeindruckend, wenn man das Alter des Kaders bedenkt und nicht erwarten kann, dass einer wie Burke gleich so spielt, wie es 15 Millionen Euro Transferausgaben suggerieren mögen. Drei Neuzugänge standen gegen Augsburg in der Startformation. Bernardo, Keita und Werner. Ansonsten war es die Zweitligaelf von letzte Saison, die damals recht deutlich hinter Freiburg landete.

Randbemerkung 5: Die Einwechslung von Georg Teigl war ein ganz besonderer Moment des Spiels. Schon in der Halbzeitpause war Teigl von den Anhängern freundlich begrüßt worden. Nach 78 Minuten bekam er bei seiner Einwechslung, seinem ersten Einsatz für Augsburg und seiner Rückkehr auf den Rasen des ehemaligen Arbeitgebers, tosenden Applaus vom ganzen Stadion. Auch nach dem Spiel wurde er mit Freundlichkeiten überschüttet, was ihn emotional sichtlich mitnahm. Auf Twitter reagierte er dann auf die Ereignisse: „Danke für den unglaublichen Empfang ! Fußball ist mehr als Sport ! Das werde ich euch niemals vergessen.“ Ja, schön wars. Aber auch irgendwie surreal, dass ein Gästespieler beim knappen Stand von 2:1 eingewechselt wird, weil er noch den Ausgleich schießen soll und trotzdem frenetisch bejubelt wird.

Randbemerkung 6: Dass Martin Hinteregger nach seinen Aussagen Richtung Rangnick und Leipzig hierzulande nicht mit offenen Armen empfangen wird, war klar. Auch mit Pfiffen durfte man rechnen. Die bekam Hinteregger auch 90 Minuten lang. Das ist auch irgendwie in Ordnung. Er hat seine Meinung via Medien deutlich gemacht. Das Publikum hat seine Meinung via Pfiffen deutlich gemacht. Warum man aber selbst noch nach dem Abpfiff und nach dem Sieg so unentspannt sein muss, dass man Hinteregger am Sky-Mikro niederpfeift und niederschreit, erschließt sich mir persönlich nicht wirklich. Hat halt einen leicht schalen Beigeschmack, wenn man solche Form der Meinungsäußerung überdreht. Erkennt man leider oft nur bei anderen Vereinen und Fans bspw. bei deren Umgang mit RB.

Randbemerkung 7: Bannerzeit im Fanblock irgendwann in der zweiten Halbzeit. Thema waren Statements im Rahmen der Initiative 60plus, mit denen sich für einen Verbleib im aktuellen Stadion in Innenstadtlage ausgesprochen wurde. „Liberte, Egalite, Festwiese“, „Blechbüchse nur am Brühl“, „Kölmel enteignen“, „Du hast den Kaufvertrag vergessen, mein Michael“, „Hier schlägt unser Herz“, „Kinder haben keinen Führerschein, kurze Wege müssen sein“ und vieles mehr war zu lesen. Ein weiterer kleiner Input für die Stadiondiskussion. Bilde sich jeder seine eigene Meinung, wie er dazu steht. Ob sich auch Ralf Rangnick nachdrücklich für eine Mitgliedschaft in der Initiative 60plus beworben hat, weil er sich am Sky-Mikrofon vor dem Spiel als Anhänger des Innenstadtstadions geoutet hat, ist noch ungeklärt.

Randbemerkung 8: Interessant im Zusammenhang mit den Stadiondebatten, dass ’nur‘ 35.000 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden. Für einen noch ungeschlagenen Aufsteiger vielleicht ein klein wenig enttäuschend, dass im Heimbereich ungefähr 5.000 Plätze freiblieben. Scheint aber auch ein wenig ein Effekt der Herbstferien oder des Freitagabends zu sein, wenn für das Mainz-Spiel Anfang November (was vielleicht vom Interessantheitsgrad am ehesten mit Augsburg zu vergleichen ist) schon jezt über 30.000 Tickets verkauft sein sollen. Schwierig abzuschätzen gerade, wohin der Weg der Zuschauerzahlen führt. Was auch mit dem unerwarteten sportlichen Erfolg zu tun hat, der natürlich hilft das Stadion zu füllen. In Hoffenheim ging der Zuschauerschnitt über die Jahre eher zurück. In Leipzig hofft man eher auf Zuwachsraten im Laufe der Zeit. Ist halt (Neubau mal hin oder her) schwierig zu entscheiden, welche Größenordnungen ein Stadion im Idealfall haben sollte. Fakt ist aber auch, dass die 35.000 von gestern in einer 70.000er-Arena, wie sie immer wieder mal irgendwo herumspukt, ziemlich albern aussehen und stimmungstechnisch auch ziemlich suboptimal sein würden.

Randbemerkung 9: Aber ja, ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mich in vielerlei Hinsicht an aktueller Stelle wohl fühle und es aus emotionaler, aber auch aus stadtpolitischer Perspektive ein Unding fände, den Ort zu verlassen.

Randbemerkung 10: Was für eine Halbzeitgeschichte. In der Ralf Moeller die Hauptrolle spielte. Früher irgendwann mal Ms. Universum und bekannt (irgendwem) für diverseste Film- und Fernsehrollen. Da er nie Fußball spielte, bin ich da raus. Ralf Moeller jedenfalls kam in der Halbzeit zum Interview an das Mikro von Tim Thoelke bzw. nahm er sich quasi das Mikro von Tim Thoelke und begann in der Art eines Motivationsredners auf das Publikum einzureden, die deutsche Meisterschaft nach Leipzig zu holen und Augsburger Anhänger für ihr Fernbleiben von der Mannschaft und vom Spiel zu verdammen, dass man nicht so recht wusste, ob er Stand-up-Comedian oder verrückt ist. Es war vielleicht die lustigste Halbzeitpause der RB-Vereinsgeschichte. Wobei ich mir eher unsicher bin, dass das die Absicht des Auftritts mit seiner Mischung aus Kaffeefahrtduktus und Sprache von Thorsten Legat war. Wer diese Ansprache auf Tape hat, hält pures (Youtube-)Gold in den Händen..

Randbemerkung 11: Viele strahlende Gesichter und Geschichten derzeit rund um RB Leipzig. Aber wo Gewinner, da sind in einer Fußballmannschaft auch immer Verlierer. Am ärgsten trifft es (neben den Langzeitverletzten Gipson und Klostermann) Rani Khedira und Zsolt Kalmár. Beide stehen bei zweimal Bank und null Minuten Einsatzzeit in Ligaspielen. Das ist sehr wenig. Davie Selke ist mit 81 Minuten Einsatzzeit auch eher in einem für ihn nicht so recht zufriedenstellenden Rahmen unterwegs und wird es auch künftig schwer haben, wenn Poulsen so weitermacht wie bisher. Bei Marius Müller und Fabio Coltorti ist die Situation ohne Einsätze aufgrund ihrer Torhüter-Rollen erwartbar gewesen. Auch Terrence Boyd konnte man so früh in der Saison nach seiner ewigen Verletzung noch nicht im Profiteam erwarten. Insgesamt hat man derzeit bei RB Leipzig eine Kerngruppe von etwa 15 (mit Selke 16) Profis, unter denen die Einsatzzeit ganz gut verteilt ist oder verteilt werden kann. Nur Gulacsi, Halstenberg und Orban haben bisher keine Spielminute verpasst. Es ist weiterhin die spannende Frage, wie man die Enttäuschung der Spieler, die nicht zur Kerngruppe gehören, in den Griff bekommt.

Lichtblicke (ausnahmsweise mal vier):

  • Marcel Sabitzer: Wahnsinnstyp. Viel Übersicht, Zug zum Tor, Spielverständnis, Mut zum Torabschluss, laufstark, bissig. Man macht das eine Freude, ihm an solchen Tagen beim Kicken zuzuschauen.
  • Yussuf Poulsen: Wieder viel, viel Arbeit verrichtet als zentraler Stürmer, indem er permanent Bälle gesichert und abgelegt und es so erst ermöglich hat, dass Räume zwischen Abwehrkette und Mittelfeld bespielbar wurden. Mit seiner Physis derzeit fast unersetzbar. Dass er sich auch noch mit dem Siegtreffer belohnt hat, macht die Leistung umso wertvoller.
  • Emil Forsberg: Es war zu erwarten, dass der Schwede ins Spiel kommt, um mit seinen Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß das Spiel ein wenig öffnen zu helfen. Tat das in beeindruckender Art und Weise, indem er immer wieder Situationen auflöste, Dribblings gewann und Lücken auftat. Im Zusammenspiel mit Sabitzer und Poulsen eine Augenweide.
  • Willi Orban: Wahnsinn, was der Innenverteidiger für eine abgeklärte Saison spielt. Sehr gutes Stellungsspiel. In der Luft absolut sicher. Im Passspiel auch. Beste Zweikampfquote aller Feldspieler auf dem Platz gegen Augsburg. Hat sich extrem schnell auf Bundesliga-Niveau gebracht und ist gerade fester Anker in der Innenverteidigung.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des 6.Spieltags gegen den FC Augsburg bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 1:0 Forsberg (11.), 1:1 Ji (14.), 2:1 Poulsen (52.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Demme (89. Ilsanker), Keita – Sabitzer, Forsberg (80. Kaiser) – Werner (87. Burke), Poulsen; Bank: Coltorti, Schmitz, Papadopoulos, Selke; Nicht im Kader: Klostermann, Gipson (beide verletzt), Khedira, Müller, Boyd, Kalmár

Aufstellung FC Augsburg: Hitz – Verhaegh, Gouweleeuw, Hinteregger, Stafylidis – Ji, Kacar (85. Altintop), Baier, Max (66. Schmid) – Koo (78. Teigl), Finnbogason

Schiedsrichter: Harm Osmers (Insgesamt eine ordentliche Spielleitung. Ab und zu ließ fehlte ihm die Autorität, um Spieler nach Entscheidungen einzufangen. Das Aussprechen von persönlichen Strafen war zudem manchmal rätselhaft. Baier hätte zwingend für sein Hängen an Sabitzeres Hals gelb sehen müssen. Halstenberg für ein taktisches Foul eigentlich auch. Alles in allem brachte Osmers sein zweites Spiel in der Bundesliga aber sicher über die Runden.)

Gelbe Karten: – | Koo, Kacar, Hinteregger

Zuschauer: 35.721 (davon 300 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, FCA-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Liveticker

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  • Torschüsse: 17 : 6
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 13 : 3
  • Schüsse auf das Tor: 10 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 49,4% : 51,6%
  • Ballbesitz: 53,0% : 47,0%
  • Passquote: 79,9% : 75,3%
  • Laufstrecke: 119,3 km : 113,3 km
  • Sprints: 206 : 203
  • Intensive Läufe: 669 : 640
  • Fouls: 14 : 12
  • Ecken: 6 : 3
  • Abseits: 2 : 1
  • Meiste Torschüsse: Werner: 4 – Finnbogason: 2
  • Meiste Torschussvorlagen: Sabitzer: 5 – Baier: 3
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Orban: 66,7% – Hinteregger: 55,6%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 109 – Baier: 96
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Bernardo: 93,6% – Verhaegh: 94,9%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 11,96 km – Baier: 11,45 km
  • Meiste Sprints: Werner: 34 – Finnbogason: 28

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner – 3; Forsberg – 2; Kaiser, Sabitzer, Keita, Selke, Burke, Poulsen – je 1

Saisonvorlagengeber: Sabitzer – 3; Forsberg – 2; Demme, Schmitz, Burke, Werner, Orban, Poulsen – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Forsberg – 4; Orban – 3; Compper, Sabitzer, Ilsanker, Halstenberg, Demme – je 2; Kaiser, Keita, Poulsen, Gulacsi – je 1

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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6 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. FC Augsburg 2:1“

  1. Mein Lichtblick war Bernardo, dessen Spiel ich in der 2. Halbzeit direkt vor mir bewundern konnte. Daumen hoch!

  2. Sicherlich ist es schon ungewöhnlich, wenn ein „Ersatz-Gästespieler“, der erst in den letzten Minuten unter tosendem Beifall der (nun fremden) Zuschauer eingewechselt wird, fast noch das Ausgleichstor erzielt hätte und trotzdem praktisch als Held der Begegnung vom Rasen geht. In Leipzig war das möglich, weil eben dort, neben dem unbestritten ausreichenden Geld, auch noch Platz für unvergessene menschliche Begegnungen vorhanden ist! Bei Teigl hat man das wohl vor, während und nach dem Spiel eindeutig sehen können.

    Sein derzeitiger Mannschaftskamerad, Hinteregger, der eine andere Entwicklung nahm und aus verschiedenen Gründen nicht in der Messestadt seinen Anker setzte, heimste sich dagegen mit seinen provozierenden Ergänzungen zu seinem Wechsel nach Augsburg und nicht Leipzig, ziemliche Buh-Rufe ein!

    Rundum gilt weiter anerkennenswert festzustellen, dass der neue Trainer Hasenhüttl seine großen Rotationsmöglichkeiten bisher überraschend oft erfolgreich angewandt hat.

    Die derzeitige Stadiondiskussion sollte bald wieder zugunsten der innerstädtischen Variante verstummen, die neben anderen überwiegenden Vorteilen neben dem glücklichen Besitzer auch den Hauptsponsor in Sachen Eigenwerbung beruhigen könnte, da kaum anzunehmen wäre, dass am Rande der Stadt ein „RasenBallsport“ -Stadion entstehen würde……

    Wer allerdings die Idee hatte, dem reiselustigen und ehemalig hünenhaften „Selbstdarsteller“, Ralf Möller, in der Halbzeitpause das Mikrofon in die Hand zu geben, kann sich rühmen, damit das Startzeichen für das vermutlich größte „Geschwafel“ in der Geschichte dieser umgebauten Traditionstätte gegeben zu haben.

  3. So, erst einmal genug gefeiert, was für ein toller Start in die Saison. Da gibt es wenig zu meckern, insbesondere auch über den tollen Coach – ein Glücksgriff, hoffentlich bleibt er so bodenständig (s.a. soeben im ZDF).
    Ralf Moeller – das war ein richtig guter Auftritt und sehr authentisch, es war die beste Pausenunterhaltung ever mit viel Wahrheit drin (hört natürlich nicht jeder gern).
    Halstenberg kommt mir überall etwas zu gut weg, er ist derzeit der defensive Schwachpunkt des Teams, das dürften fast alle Trainer der künftigen Gegner ebenso wie Schuster erkannt haben, konnte ihn aus Block 33 unten mehrfach aus nächster Nähe sehen, so oft wurde selten ein RBLer überlaufen wie er (s.a. Gladbach-Spiel).
    Orban dagegen mit Entwicklung nach vorn, Keita kaum wiederzuerkennen.
    Die Red Bull Arena muss unser Wohnzimmer bleiben, Ausbau hier sollte genügen, so denkt wohl die Mehrheit der aktuellen Stadiongänger.

    1. Im Stadion habe ich beim 1:1 mir auch gedacht, wie konnte sich Halstenberg da so austricksen lassen?! Aber er konnte ja nicht anders! In der Wiederholung später sah man, daß Keita viel zu spät erkennt, daß auf der linken Seite ein Überzahlspiel ist und als er da war, war der Ball im Tor.

  4. Vor dem Spiel. Mein Sohn, wir holen heute 3 Punkte. Ich, demütig, 1 Punkte würde mir reichen.

    Nach 6 Spielen, ungeschlagen, was bleibt?

    Weiterhin Demut vor dem Oberhaus und den dort spielenden Mannschaften.

    Aber seien wir ehrlich, unsere Gegner kochen auch nur mit Wasser und 2. Liga war anders.

    Aus fast allen Richtungen Lob, da kann man als Spieler und Fan schon mal die Bodenhaftung verlieren.

    P.S.: Wie schon auf Twitter gelobt, der Beifall für Teigl. Doch die Schimpfworte mit Adressat Hinteregger beim Sky-Interview, mehr als peinlich.

    Vorsicht Oma-Spruch! Wo Licht ist, ist auch Schatten.

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